Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 21 (1935)
- Issue
- 34 (30.8.1935)
- Date
- 1935-08-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2629891-2630587-2630621--5076-2637352- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
wissend Ein Mlsfächi-Eiihfer über die ♦t & -V Israel“. In der iii Tel-Aviv ersciieiiiiftte ^ÄIÄ ״H ä j e s s 0 d“ erschien dieser Tage ein Artikel von Viktor B a u m 1 ft g e r, einer führenden Persönlichkeit des palästinensischen Misraehi, den unsere Leser noch von seinen . Wiener Tätigkeit her kennen. Unter dem Titel ״Wenii ich dort gewesen Wäre" schreibt Viktor Bäuminger über, die ״Knesseth Israel“: ״Wäre ich dort gewesen, bei der Weltkonferenz des Misraehi, ich hätte keine Rede gehalten. Sollen die Redner sprechen, die Sich durch das Händeklatschen über die traurigsten Tatsachen hinwegtäusqhen lassen. Ich hätte bloß Fragen gestellt, einfache Fragen, ohne jede Aufmachung, klar und prägnant formuliert. Wäre ich dort gewesen, ich hätte gefragt: Was würdet ihr machen, wenn in den kehillos in Chuz-lo’Orez der Chillul-Schabbos einreißen würde, wenn im Rahmen der Kehillos selbst und ihrer Institutionen am Sqhabbos alle Arbeiten — verrichtet werden würden? Könntet ihr schweigen? Was tätet ihr, jüdische Vertreter der Gola, wenn in den Straßen von Warschau oder Lodz — Juden, Brüder, die sich zum Klall-Jisroel zählen, öffentliche Demonstrationen gegen den Schabbos veranstalteten? Was tätet ihr, würde ich fragen, wenn zu euch Juden, Mitglieder der jüdischen Kehillo, mit dem Vorschlag kämen, den Schabbos als geheiligten jüdischen Ruhetag aufzugeben - und an seine Stelle, innerhalb der ,jüdischen Gemeinde, den Sonntag zu setzen? Wolltet :ihr schweigen? Wenn ich dort gewesen, wäre, ich würde fragen: Was tätet ihr, wenn Juden, wohlgemerkt: Juden, über euch herfielen und den Bau von jüdischen Gebet* und Lehrstätten störten? Was tätet ihr, Wenn in die jüdischen Gemeinden die rote Fahne getragen worden wäre, wenn man euch zwingen wollte, in euren Gemeinden den i. Mai zu feiern? Und ich hätte gefragt: Hättet ihr in euren Ge* meinden — Apikorsim üüd Religionsfeinden alle Macht in den Kehillos aüSgeliefert? Hättet ihr sie noch mit eurem Gelde und eurer Kraft unterstützt? Würdet ihr mit ihnen Freundschaft schließen und an einen Tisch euch mit ihnen setzen? Und warum, frage ich, sind wir in Erez Jisroel schlechter wie im Heiligen Lande, das mindestens so heilig sein sollte, Wie jede andere jüdische Kehillo? Warum müssen wir und unsere Kinder und unsere Kindeskinder für alle Zeit und bedingungslos dem sögenannten ,nationalen‘ Regime versklavt werden, das die K e f i r oh in unseren Gemeinden, jüdischen Ge* meinden, auf richtet? . , Wenn ich dort gewesen wäre, ich würde fragen: Warum steht das jüdische Land tiefer als die übrigen Gemeinden in Jisroel? Warum ist das jüdische ,Nationalheim' schlechter als eine beliebige Kehillo in der Gola?...'“ $ Diesen Worten eines misrachistischen Führers haben wir nichts hinzuzufügen. Allerdings: wir wissen all das und noch viel mehr schon lange! Zu Rösch-Haichonoh נ ה W ראש ה ־ *übermitteln Sie allen Ihren Verwandten, , Freunden, Kunden, Gästen und Bekannten כתיבה ו חית י מה טובה durch die ״JÜDISCHE PRESSE“ Die Einschaltung laut ־־7 ~~ ־ ־־- nebenstehendem Muster , ¬י _ Wolf Pappenheim kostet: 5 5■״ Wien II, Kl. Pfarrg.! bzw. Kc25.-1■ ■■■■ -; Auf Wunsch wird an angegebene Adressen das Blatt kostenlos versendet. / Bestellungen sind zu richten: Aus der Tschecho- . .; Slowakei an die ״Jüdische Presse“, Bratislava, Edlhoi', Postfach 381. / Aus Oes terre ich und dCm sonstigen Au sla.nd an die ״Jüdische Presse“, Wien, II., Malzgasse 12 a (Tel. A-46-0-15). Odol-Mundwasser enthält neben dem wirksamen Odol-Antiseptikum noch den aus der Myrrhe gewonnenen Extrakt, der sich gegen Lockerung der Zähne und Blutung des Zahnfleisches, als ganz besonders wirksam erwiesen hat. Die Myrrhe wird für diesen Zweck schon seit tausend Jahren verwendet. Zionistische Propagandamethoden Die revisionistische ״Neue zionistische Organisation“ versucht mit allen lauteren und unlauteren Mitteln, die religiösen Juden für ihre Partei zu gewinnen. Neben unzähligen Aufrufen, in denen1 sich diese Zionisten als ״religiöse Menschen" aufspielen, mißbrauchen sie’ auch die Namen von verschiedenen rabbinischen Autoritäten für ihre Parteizwecke. So veröffentlichten sie, daß das Mitglied׳ des Warschauer Rabbinats, der allseits bekannte und verehrte Rabbi Menachem Semba, sich ihrer Partei angeschlössen und einen Aufruf für ihre Organisation Unterfertigt hätte. Es stand wohl von vornherein fest, daß diese Mitteilung unwahr ist und Rabbi ,Semba hat auch öffentlich erklärt, daß er niemals auch nur im entferntesten daran gedacht hat, irgend eine, zionistische Richtung gutzuheißen. Die Revisionisten kümmerten sich aber um diese Erklärung nicht und trieben weiter Mißbrauch. mit dem Namen des ehrwürdigen Rabbi. Rabbi Semba erklärt nun abermals in der agudistischen.!Presse Polens, daß sein Name von den revisionistischen Jungens mißbraucht wird und daß er dieser areligiösen Bewegung vollständig fernesteht, ebenso wie jeder anderen zionistischen Gruppe. Er protestiert schärfstens dagegen,, daß sein . Name mit den Zionisten oder . Revisionisten in Verbindung gebracht wird. Aehnliche Erklärungen . wurden . von einer ganzen׳ Reihe bekannter rabbinischer Persönlichkeiten in Polen veröffentlicht. ..... . Flüchtlingsschutzprobleme vor dem Plenum des Völkerbundes. Am Montag, den 9. September, beginnt in Genf die 16. ordentliche Tagung der < Völkerbundversamlung Von den Beratungsgegenständen, die •auf dem Programm stehen, weckt größere Aufmerksamkeit die Frage der Erweiterung des Flüch11 ingsschutzes in der Weise, daß auch die Flüchtlinge aus Deutschland dem Nansen-Amt des Völkerbundes unterstellt werden. Bekanntlich hat die norwegische - Regierung den Antrag gestellt, daß die künftige Völkerbundversammlung die Frage des Flüchtlingsschutzes in ihrer ganzen Tragweite erörtere und ein Zentralamt errichte, das für die politischen •und rassischen Flüchtlinge aus allen Staaten sorgen solle. Die Tephillinhand Das ״Isr. Familienblatt“, Hamburg-Berlin, bringt folgende interessante Reminiszenz eines Budapester jüdischen Arztes: Vor wenigen Tagen traf ich auf der Straße einen älteren Mann, offenbar einen Juden vom Land, der mir bekannt vorkam. Ich sehe ihn an, und auch er begrüßt mich mit einem freudigen ״Scholaum Aleichem!“ ״Woher kennen wir uns?“* frage ich ihn. ״Sie waren doch während des Krieges Assistenzarzt in einem Militärlazarett“, erwiderte er, ״und ich lag dort mit einer schweren Verwundung.“ Mit einem Schlage war mir alles wieder gegenwärtig. Es war im dritten Kriegsjahr, als bei uns im Lazarett ein elendes Bündel Mensch eingeliefert. wurde. Er war ein Mann in den Vierzigern schon, ein Landsturmmann, der bei den Kämpfen in den Karpathen schwer verwundet worden war. Ein Volltreffer war neben ihm und seinen Kameraden eingeschlagen, die meisten waren tot, er war mit den schwersten Verwundungen von der Ambulanz aufgelesen worden. Fast in allen Körperteilen steckten Granatsplitter, am schlimmsten aber war der linke Arm mitgenommen worden. Der Chefarzt ließ die Verbände aufmachen, und es bot sich uns ein furchtbares Bild. Direkt unter dem Ellenbogen war der Arm fast völlig zerschmettert. Dazu war der Verband nur sehr provisorisch angelegt, und der Brand war schon an die Wunde getreten. Die Aerzte in den Feldlazaretten hatten sich nicht mehr getraut, an diesen Wunden mit ihren beschränkten Mitteln zu arbeiten, und hatten ihn nach Budapest geschickt. Der Chefarzt, in Zivil ein berühmter Chirurg, machte ein bedenkliches Gesicht. ״Alles zur Operation vorbereiten“, befahl er, ,,Amputation des Armes ist das einzig Mögliche,“ Auch wir Assistenzärzte waren durchaus dieser Meinung; ein anderer Weg zur Erhaltung des Lebens des Patienten schien völlig ausgeschlossen- Trotzdem er halb in Ohnmacht lag, hörte der Landsturramann, was der Professor mit ihm vorhatte, Und mit aller Bestimmtheit sagte er: ״Ich lasse mir meinem Arm^nicht abnehmen!“ Der Chefarzt 1redete ihm zu: ״Wir werden Sie wieder gesund machen, Sie werden mit dem rechten Arm weiter arbeiten können!“ ״Ich habe Frau und Kinder, die ich ernähren muß!“ schrie der Arme. ״Wenn Sie sich den Arm nicht abnehmen lassen, werden Sie sterben: so aber werden Sie weiterleben und eine Kriegsrente bekommen.“ ״Ich will aber ohne meinen Arm nicht weiterleben, ich kann ohne meinen Arm nicht weiterleben!", wimmerte der Patient, ״Dann befehle ich Ihnen als Vorgesetzter, daß Sie sich den Arm abnehmen lassen müssen.“ ״Das werden Sie nicht tun, Herr Stabsarzt, denn wenn Sie mir den Arm abnehmen, werde ich ohnehin als Invalide entlassen, dann bin ich kein Soldat mehr.“ Nun drang der Arzt weiter in ihn, er solle ihm doch den Grund sagen, warum er sich den Arm in so großer Lebensgefahr nicht abnehmen lassen wolle. ״Herr Stabsarzt“, sagte der Mann zitternd, ״es ist meine — Tephillinhand!“ Erstaunt blickte der Stabsarzt mich an, der ich der einzige Jude in diesem Kreis war, und fragte mich: ״Was soll das heißen?“ Ich erklärte ihm, daß die frommen Juden täglich beim Gebet sich Gebetsriemen um Kopf und linken Arm und Hand schlingen. ' Erschüttert wandte sich der Arzt ab. ״Wenn jemand so an seinem Glauben hängt“, meinte er. ״dann wird ihm G-tt auch helfen! Wir wollen das Unmögliche versuchen!“ Die Operation unterblieb, und der Arzt widmete ihm seine ganze Sorgfalt. Ich wurde bald darauf wieder an die Front versetzt und konnte das Schicksal des Mannes nicht mehr verfolgen. . Aber der Mann, der dieser Tage vor mir stand, war jener Jude. Sein Arm war etwas verkürzt, aber sonst war er anscheinend ganz wiederhergestellt, Gerührt drückte ich ihm die Hand- Diesem Manne hatte sein G*ttvertrauen offenkundig geholfen. teauee muU De. DeuistlttämUc. Die ״Jüdische Presse" hat bereits! in ihrer vorigen Ausgabe über die große Trauerfeier der Wiener Aguda nach dem verewigten Dr. Deutschländer s. Z. 1. berichtet. Aehnliche Traüerveranstaltungen fanden in allen Orten, wo Aguda-Gruppen bestehen, statt. Einen überaus impo* santen Hesped veranstaltete bei Teilnahme von vielen tausenden Menschen die Agudas Jisroel in Warschau. Die Hauptrede hielt A. S. Friedmann in ergreifender Weise, Er schilderte die überragende Persönlichkeit des Ver* blichenen und den unersetzlichen Verlust der Welt* Orthodoxie, den sie durch das leider allzu frühe Ableben dieses großen Mannes erlitten hat. * Aus den Kreisen der Wiener Agudas- Jisroel - Mädchen gruppe sind uns die folgenden Gedenkworte mit dem Brsuchen um Veröffentlichung'zugekommen: Die Trauerwochen sind vorüber und doch können wir uns noch nicht in das Getümmel des Alltags finden. Einzeln kommen unsere Mitglieder, die den Sommer auswärts verbracht haben, wieder nach Hause und voller Bangigkeit befragt eine die andere: Kannst du es begreifen und fassen, was schon bald drei Wochen traurige Tatsache ist? — Unser Dr. Deutschländer ist nicht mehr. Jede einzelne glaubt, ihn und seinen Vortrag ganz besonders und anders zu entbehren als die anderen. Jedem ist er etwas anderes, aber allen eine Stütze, ein seelischer Halt gewesen. Eines unserer Mädchen, das voll Eifer an seinen Kursen teilgenommen hat, antwortete stets auf die Frage, wie sie ihre Zeit verbringe: Ich gehe die ganze Woche ins Geschäft und freue mich immer von Schabbos auf Mittwoch und von Mittwoch auf ,Schabbos. Dieser Mittwoch-Abend, der schon seit Jahren von der Mädchengruppe und von Dr. Deutschländer s. Z. 1. für den Deutschländer- Kurs bestimmt war! Wer ihn auch nur ein einzigesmal miterlebt hat, wird den Eindruck nie wieder vergessen! Wie wir dichtgedrängt, Kopf an Kopf, seinen Worten über Emes, Jiroh und Achdus lauschten, wie er uns die Begriffe von Zedek und Mischpot nahebrachte, wie es schließlich sein ganzes Sinnen und Streben war, uns zum Bewußtsein zu bringen, worum er und alle jüdischen Menschen ringen und gerungen haben. Daß der einzig wahre Emes und alles, alles in unserer Thora enthalten ist, all das, was wir bei den anderen so schön und so wahr finden. . Die herrlichen Worte, die wir von ihm gehört, wir. können sie nie wieder aus seinem Munde, vernehmen, aber wir können und dürfen uns nicht in unserem Schmerz vergraben, sondern wir müssen uns wachrütteln und:. an unsere Arbeit gehen, um ganz in seinem Sinne jüdisches Wissen und Können in unseren Reihen zu fördern. Die Zahl der Palästina-Einwanderer in den letzten zehn Jahren. Im englischen Unterhaus, . fragte Ge ne r a 1 Nation den Kolonienminister MacDonald, wieviele Juden britischer Nationalität und wieviele Juden fremder Staatsangehörigkeit im Verlaufe der letzten, zehn Jahre nach Palästina eingewandert seien. Kolonienminister MacDonald erwiderte, daß während der zehn Jahre vom 1. Jänner 1925 bis zum 31. Dezember 1934 148.280 Juden nach Palästina, eingewandert seien; von ihnen kamen 2318 aus dem British Empire und 145.962 aus anderen Ländern. Jubiläumsfeier in Milcweh Jisrael. Die landwirtschaftliche .Schule in der jüdischen Kolonie M i k w e h Jisrael, die in der Ent- Wicklung der jüdischen, Landwirtschaft eine wichtige Rolle gespielt hat, feierte soeben ihr 65jähriges Bestehen. Zur Feier' erschien auch der interimistische Vertreter des High Commissioner, der Chefsekretär Hathom Hall. Er rühmte in seiner Festansprache die großen Erfolge der Schule und teilte mit, daß die Regierung der Schule eine zusätzliche Subvention von 4500 Pfund zur Erweiterung ihrer landwirtschaftlichen Forschungsarbeiten gewährt hat. ■ ׳.•׳ ’ Die Landwirtschaftsschule Mikweh; Jisrael wurde im Jahre 1870 durch die Alliance Israelite Universeile auf Initiative von Charles Netter auf einer; Fläche von 2600 Dunam Boden unweit Jaffas gegründet. Die Schüle hat bis jetzt zahlreiche jüdische Agronomen ausgebildet, die in Palästina und in Argentinien in der Landwirtschaft führend tätig sind. Der Schule ist ein Internat angeschlossen, in welchem jetzt etwa 400 Personen, Schüler, Lehrer, Arbeiter und Beamte, untergebracht sind. Japanisches Dumping in Palästina. Das japanische Dumping, das sich auf dem gesamten Weltmärkte auswirkt, tritt nun auch in Palästina in Erscheinung. Die billigen Preise für japanische Waren machen einheimische Produkte konkurrenzunfähig. So hat eine Kunstseidenfabrik in Palästina ihre Produktion einstehlen müssen, weil sie mit den japanischen Kunstseidenwaren nicht in Wett* bewerb treten konnte. Die Fabrik arbeitete mit einem Kapital von 80.000 Pfund und beschäftigte 120 jüdische Arbeiter. Das Winterhalbjahr an der Volkshochschule Wien Volksheim. Die Volkshochschule des Wiener Volksheims (II., Zirkusgasse 48, HI., Kundmanngasse 22, XI., Gott* schalkgasee 21, XVI., Ludo־Hartmann*Platz 7 (Stammhaus), und XX., Stromstraße 78) nehmen Montag, den 23., bzw. 30, September ihre Tätigkeit für das Winter* hälbjahr 1935/36 mit 400 neuen Kursen wieder auf. PersonalnaciiriciitQiv• Geburten. Herrn Israel Türkl und Frau Gisi, geh. Rosengarten aus Zürich, wurde eine Tochter geboren, Herrn Dr. Samuel Lemberger und Frau Nata, geh. Schiff, wurde ein Sohn geboren.