Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 21 (1935)
- Issue
- 31 (9.8.1935)
- Date
- 1935-08-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite נ JÜDISCHE PRESSE Nr. 3i Jüdische Formung des Lebens. Ein Aufm! 3mm Mussar-Lerneti. Von Rabbiner M. Ü. Kogosnltzky in Lelpzig-Telschi. Ein Historiker, der die Geschichte einer Epoche zu schreiben beabsichtigt, kann sieh nicht damit begnügen, umfangreiches Aktenmaterial zu verschaffen, es zu sichten und nach einem formalen Gesichtspunkt zu ordnen. Will er dem töten Tatsacheügemenge 'Lebenswahrheit ver« mitteln, so ist es für ihn nötig, das Agens zu erfassen, das die betreffende Epoche nach jener und nur jener Rieh■* tung hin formte. Nennen wir dieses Etwas, das der Wirtschaftsform, jeder wissenschaftlichen Grunderkenntnis usw. das Gepräge gibt, kurz und schlicht das ״geistige Gesicht der Zeit“. Nur in wenigen Fällen wird sich das ״geistige Gesicht״ der darauffolgenden Epoche logisch folgerichtig aus der vorhergehenden Zeit ableiten lassen. Gewöhnlich geben starke Einflüsse dem Leben eine ganz unverhoffte Wendung. Nicht konstruieren oder schaffen kann man das geistige Gesicht, weil dhm jeder bewußt und unbewußt unterworfen ist. Unseres Erachtens ist es ein Irrtum, wenn man meint, daß ״durch den Kult großer Persönlichkeiten sich diese schwer zu charakterisierende Stimmung schafft, in der der eigentliche Inhalt, der eigentliche Charakter einer Kulturepoche besteht"; denn selbst diese Former sind Geformte. Führer ist der, welcher leisestes Vibrieren, leichteste Erschütterung innerhalb des geistigen Gesichts Wahrzunehmen imstande ist, und der sich ahnend in das Neue einzufühlen vermag. Je mehr er sich zum Führer eignet, d. h. je früher er das Neue erspürt, desto leichter, intensiver wird er dieses ״Etwas" nach einer bestimmten Richtung hin weiterentwickeln oder aushauen können. Doch höchst selten gelingt ihm eine wesentliche Beeinflussung' und Formung im Rahmen des Gegebenen. Entweder eilt die Zeit mit Riesenschritten vorwärts, und äas, was der Betreffende fühlt, das, was er als Lebenswerk ansieht, ist schon überwunden, Überholt, noch bevor seine Gedanken 1weitere Kreise Tim ,sich gezogen haben, •Oder es erschöpfen sich Energie und Schaffungskraft des;Führenden am lässigen Trott der Zeit und der Masse. ׳ V - . Israel ist ein selbständiger Organismus mit seinen Eigenen soziologischen Gesetzen innerhalb des Körpers 1 Seines Wirtsvolkeä, das heute wieder einmal — aber durchaus nicht ׳’mehr und nicht stärker als in anderen Epochen, wie uns moderne Hybris glauben machen will — den ohn.e Unterlaß pochenden Mahner unter allen Umständen aus“ sich aussetieiden will. Wohl wird das geistige Gesicht des Wirts Volkes oder der Kulturwelt überhaupt das Leben des jüdischen Volkes formen, wohl wird ״jüdisehe Genickstarre" Gründideen übernehmen und sie bis ins Letzte führen; aber sie werden immer an der Oberfläche haften, nie werden sie in die Tiefen einer jüdischen Neschomoh vorstoßen. So-ist es auch unmöglich,, Strömungen, die außerhalb des jüdischen Organismus entstanden, ein jüdisches Gesicht geben zu wollen. Der Versuch, in die Speichen des schnell rollenden Rades greifen zu wollen, um es zum Jüdisehen hin zu drehen, würde einen nutzlosen Kräfteaufwand bedeuten, und es könnte einem etwas entfernt stehenden nichtsahnenden Beschauer das Bild?ich dahingehend verschieben, als ob der selbstlos kämpfende Mensch ebenfalls vom Rade mitgedreht würde. Daraus folgt, daß jüdischer Manhig heißt: sich besinnen auf u r j ü d i s c h e s Gut, heißt; sich durchdringen lassen von urjüdischem Geist, um dann die Richtungen des geistigen Gesichts erahnen zu können. Wozu also weiden in fremden Feldern, wenn das Gewonnene ja doch nicht absorbiert werden kann und jede diesbezügliche Beeinflussung unnütz, ja falsch ist. Um das כשר Hotel Bellevue כשר Pövtsdiadi am Wörthersee Vornehmes Haus unter streng ritueller Leitung. Herrl. Lage, direkt am See. Schöne, sonnige Zimmer mit Fließwasser. Vorzügliche internationale Küche Volle Pension : Vor-und Nachsaison . . . . S 9.— Hauptsaison . . S12.— Seebad und Garage frei. Geöffnet von Mai bis Oktober. Verlangen Sie Prospekte! litte ftitättiaisUie HekifstothUt m Betroffen schwieg Isabel. Das Angebot reizte sie. War es nicht etwas Verlockendes, diesem Elijahu Ange- Sicht in Angesicht gegenüberzutreten, mit ihm um die Seelen des Volkes zu ringen? War sie es nicht dem An- ,denken ihres Ahnen Kenaan schuldig, in eigener Person es mit dem Enkel Sems aufzunehmen? Allein, das wußte sie, die Waffe, die sie sonst mit so großem Erfolg handhabte, in diesem Falle würde sie versagen. Mit der bestrickenden Macht des Weibes würde sie an diesen Einsiedler nicht herankommen. . Noch überlegte sie hin und her, da wurde die beklemmende Stille durch Chiel unterbrochen. ״Königin, folge dem Rate Jubals nicht. Ich kenne •Elijahu. Er möchte vielleicht mit herbem Worte dich kränken und das könnte ich nicht ertragen. Mir zuliebe bleibe zu Hause. Ich werde mit den Priestern des Baal, ich werde mit Jubal gehen." ״Du treuer Chiel, habe Dank. Aber nicht wahr, du wirst bald, du wirst als Erster zurückkommen und mir die Nachricht des Triumphes des Baal bringen?“ So zogen sie hinaus. Ueberfüllte Straßen und Pfade fanden sie. Von allen Seiten strömte das Volk herbei. Aber, siehe da, sie hielten sich in gemessener Entfernung von dem Priesterzug. Selbst die verwegensten Künste der Astaroth-Tänzerinnen blieben eindruckslos. Und Chiel, der neben Achab und Jubal ritt, sagte: ,,Es ist gut, daß Isebel zu Hause blieb. Diese Verdrossenheit des undankbaren Volkes hätte ihr wehgetan. Seht ihr, schon weiß die Menge nicht, zu wem sie halten soll, schon schwankt sie zwischen Baal und Elijahu.“ Achab nickte stumm; er wunderte sich, daß Chiel seine eigene Stimmung gezeichnet hatte. Sie kamen auf die Höhe. Da bot sich ihnen ein seitsames Bild. Um Elijahu geschart hundert vergrämte, vorzeitig gealterte und doch glückstrahlende Menschen, Sie waren prunklos in Fetzen gekleidet. ״Öbadjaliu“, fragte Achab, ״woher kommen diese FrQphetehschüier?“ ״Herr, das werde ich dir später sagen", sprach jüdische Volk ist es etwas Besonderes: Seine Grundhaitung ist bedingt durch S inai und das Gesicht der Einzel zeit nur Variation davon (und wie könnte es auch anders sein bei einer Lehre, die alle 49 Seiten menschlicher Erkenntnismöglichkeiten in sich birgt!, Der jüdische Manhig kann und hat sie und nur Sie zu beeinflussen und zu formen. Die durch das Leben erheischte äußere Lebensform legt sich sodann schützend um den empfindsamen Kern, Wie ist nun spezifisch jüdische Formung zu erlangen? Es ist ein Unding, äüf dem . Böden nichtjüdiseher oder auch nicht spezifisch jüdischer Religionsphilosophie eine Persönlichkeit zum Jüdischen hinzuieüken, wobei nicht wesentlich ist, daß jemandem ״auf Grund eines Zeitungsartikels, in dem Kant abgefragt wurde, seine ganze Emunoh ins Wasser fällt", sondern, daß sein Wesen keine geschlossene Einheit bildet. Andererseits wird aber auch derzeit noch das am nächsten Liegende, ein jeder Manhig habe seine weltanschauliche Formung in einer Jeschiwah zu erhalten, nicht durchgeführt, Es bliebe nun die selbstverständliche Voraussetzung, seine Weltanschauung auf Grund von einer großen Anzahl durchgearbeiteter Blatt Gemoroh im Geiste unserer מדל zu fundieren. Aber einfaches, manchmal gar Wissenschaftliches Lernen genügt durchaus nicht, ja, ist total falsch. Die Gemoroh sagt (Sabb. 88b) ״Die Tauroh ist für die den rechten Weg Gehenden (Maiminim) ein Lebenskraut, für die den Unrechten Weg Gehenden ein Todeskraüt." Raschi erklärt den Begriff Maiminim dahingehend: ״die sich mit ihrer ganzen Kraft dahinein versenken, um ihr tiefstes Wesen zu ergründen." Daher fand man es für nötig, selbst in Jeschi wo th (in Litauen), obwohl man sich dort den ganzen Tag in den vier Ellen der Haiacha Berlin: Pogrom Aus Berlin eintreffende verbürgte Nachrichten besagen, daß die antijüdischen Unruhefi in den verschiedenen Berliner Stadtteilen trotz der ״Beruhigungs“-Kundgebung des Polizeipräsidenten Helldorf fort dauern. Die Polizei scheint ihre Aufgabe einzig darin zu sehen, den Rummel nicht allzu groß werden zu lassen, von kleineren Zwischenfällen, wie Einschlagen von Fensterscheiben an jüdischen Geschäften, Ankleben von Zetteln judenhetzerischen und pornographischert Inhalts, sowie von Einzeltiberfällen auf jüdische Passanten nimmt sie keine Notiz. Der Aufruf Graf Helldorfs habe schori deshalb nicht beruhigend wirken können, weil ja Helldorf selbst Führer der radikalen Elemente der Partei ist und seine Ernennung ja nur deshalb erfolgt ist, weil diese Elemente über die Anordnung des abgesetzten Polizeipräsidenten v. Levetzow, der einige am Kurfürstendamm-Pogrom beteiligt gewesene SA.-Funktionäre verhaften ließ, empört waren. Bekanntlieh wurden die Verhafteten auf Grund dieser Proteste sofort freigelassen, seither ist keine Verhaftung irgend eines nationalsozialistischen Skandalmachers oder ״Sttirmer“-Mannes mehr erfolgt. Auch am Dienstag abends kam es im Berliner Westen, gegenüber dem' Romanischen Cafe, zu einem antisemischen Tumult, der wahrscheinlich ein Todesopfer fordern wird. Ein jüdisch aussehender Passant wurde von einem Nationalsozialisten angerempelt. Es entstand ein Handgemenge, im Verlauf dessen der ■ Angreifer einen Revolver zog und mit dem Ruf ״Saujud“ auf den anderen vier Schüsse abgab. Dieser sank schwer verwundet zu Boden und mußte ins Krankenhaus gebracht werden.; Nachträglich wird der folgende Fall bekannt, der sich während der ersten Kurfürstendamm-Unruhen ereignet hatte: Eine Gruppe SA.-Leute drang in das bekannte Restaurant Kempinsky ein und forderte alle Gäste zur Legitimierung auf. Der jüdische Advokat Dr. Jaffe, der der Aufforderung nicht Folge leisten wollte, wurde mö rdteriiscih geschlagen, sodann auf die Straße geschleppt und in einem Auto nach unbekannter Richtung entführt. Die Familie des Doktor Jaffe weiß bis zum heutigen Tag nicht, wo sich der Entführte befindet. In Berlin wollen Gerüchte nicht zum Verstummen kommen, daß es während der Unruhen im Kurfürstendamm-Viertel vor etwa, zwei Wochen auch einige Schwerverletzte gab, die später ihren Verletz ungen erlagen. Es ist außerordentlich schwer, sich hierüber Gewißheit zu verschaffen, weil doch . auf ״Greuelpropaganda“ langjährige Zuchthaus- KAFFE* Hflfl befindet und das ganze Milieu thoragemäß ist, noch ein zweites eifiZüfühfefi, das MüSsaf-Lefnen üfid däs Mussäf-Hör eh. tim Sich nach dieser Richtung־ hin zu bilden, ist unseres Erachtens «Ringend eine stärkere Durchforschung und Auswertung der אגדות »דל nötig im jüdischen Haus, in der jüdischen Schule und auf der jüdischen. Kanzel. Die *hn אגדות sind einfaches, aber notwendiges Hilfsmittel, Um in sich, parallel zum halächischen Wissen, einen רעת תורה aufzunehmen, so daß nach und nach und immer stärker ein Instinkt erwächst, jede Tat, später auch jedes Gefühl als thora-entsprechend, bzw. nicht entsprechend, zu werten. Die letzten Jahre fordern von uns Besinnung auf unser Judesein, daß wir unserem ganzen Leben wieder jüdisches Gepräge geben. Hierzu bedarf es der Menschen, die ihre ganze Weltanschauung durch ein tieferes Eindringen in den Geist des Gesetzes an Hand unserer אגדות ח דל gewannen, die erst nach jüdischer Formung ihrer Persönlichkeit ihr Wissen nach allen Seiten der europäischen Kultur bereichert haben, worauf sie dann als jüdische Manhigim sich erweisen können. in Permanenz. strafe steht. Nach den deutschen Gesetzen z. B. kann eine Person, die wahrheitsgemäß erzählt, daß einer ihrer nächsten Angehörigen Opfer eines politischen Ueberfalles geworden ist, wegen Greuelpropaganda abgeurteilt werden. Aus anderen Städten Deutschlands kommen Nachrichten, die zeigen, daß es auch dort um das Schicksal der Juden nicht besser bestellt ist. . * Die polnischen Juden an den Völkerbund. Im Hause der Warschauer Jüdischen Gemeinde fand eine von tausenden Juden besuchte Protestversammlung gegen die Juden- Verfolgungen in Deutschland statt. Nach ergreifenden Ansprachen von Dr. J. Gottlieb, Abgeordneten Wyszlieki, J. M. L e w i n, wurde folgende Resolution gefaßt: ״Die große Volksversammlung im Hause der Warschauer Jüdischen Gemeinde drückt ihren zornigen Protest aus gegen den barbarischen Kreuzz u g, der gegen das ruhmreiche deutsche Judentum seit mehr als zwei Jahren seitens des Nazismus geführt wird. Das polnische Judentum ist gleich den Juden der ganzen Welt entschlossen, in dem Kampf um die Rechte und die Existenz des deutschen Judentums nicht zu ruhen, bis die Juden in Deutschland in ihre vollen Menschen- und Bürgerrechte wieder eingesetzt worden sind. Die Zurückweisung alles dessen, was aus Nazi-Deutschland stammt oder mit ihm eine Beziehung hat, ist die stärkste Waffe in unserem Verteidigungskampf gegen die Judenausrottung im Dritten Reich; deshalb fordert die Versammlung das gesamte polnische Judentum auf, den Abwehrkampf gegen die Hitlersche Barbarei weiterzuführen.“ An den Völkerbund •wurde folgende Depesche gesandt: ״Die große Volksversammlung in der Warschauer Jüdischen Gemeinde wendet sich an die höchste Völker- Instanz um Schutz für die verfolgte jüdisehe Bevölkerung in Deutschland. Die jetzt verstärkte Welle von Verfolgungen bringt das deutsche Judentum in die Gefahr völliger physischer und moralischer Vernichtung. Wir appellieren an die Repräsentanten der zivilisierten Volke! r, daß sie Leben und Rechte der Juden in Deutschland sichern.“ Obadjahu, während ein Blick des freudigen Wiedererkennens zwischen ihm und der nächsten Umgebung Elijahus gewechselt wurde, ״jetzt aber lass’ uns näher hinzutreten, ich glaube, Elijahu spricht." Tatsächlich hatte sich Elijahu an das lautlos aufhorchende Volk gewandt. Die Baalspfaffen über3ah er. Da hörte Achab die schallende Stimme: ״Zwölf Steine habe ich vorbereitet, um sie auf zurichten. Zwölf Steine, zwölf Menschen. Zwölf Steine werde ich zum Altar schlichten, zwölf Stämme sehe ich einig im Kampf gegen Baal und Astaroth, zwölf Stämme, all eure Stämme, ihr Nachkommen Jakobs, ihr Kinder Jisroels, der mit allen Mächten siegreich für G-tt rang, zwölf Stämme, geeint sehe ich euch und erlöst.“ Da glitt Achab von seinem Roß und lehnte sich, in tiefes Nachdenken versunken, an den Hals des treuen Tieres. Zwölf Lappen im Talismankästchen Ataijahs, darunter zehn, die einst Achijah gerissen, zwölf Steine, vom Schüler Achijas errichtet, wer wird siegen? Von diesem Augenblick an blieb er stummer Zu. schauer der gewaltigen Vorgänge. Unterdessen wanderte Isebel ruhelos in ihrem schönheitstrunkenen Palast auf und ab. Nur vor den Spiegeln machte sie halt. Es ward Abend, Chiel kam nicht, Aber ein mächtiger Regen strömte herab, die lechzende Flur lebte auf und Dido brachte ihrer Herrin einen wollenen Ueberwurf. Gerade zur rechten Zeit, bevor noch das ganze Volk irregeworden, frohlockte Isebel. ״Es ist das Siegel auf den Sieg des Baal, dieser Gruß der Wolken.“ ״Oder ihre Freude über die Niederlage“ — wagte Dido einzuwenden, die nicht vergessen konnte, wie niedergeschlagen und hoffnungslos Jubal von ihr Abschied genommen hatte. ״Schweige, du Eule, du nichtswürdige. Ich werde dich peitschen lassen auf offenem Markte, Gehe und schaue auf die Straße, die von Westen kommt, und wenn Chiel naht, führe ihn mit dem Staube «Jes Weges zu mir. zu welcher Stunde auch immer.“ Aber Chiöi kam nicht. Auch Dido kam nicht zurück: schwerer Ahnung voll hatte sie die Flucht ergriffen. Es begann zu dunkeln. Da hielt es Isebel nicht mehr aus. Sie befahl, das schnellste Gespann bereitzuhalten, und fuhr westwärts. Da, unfern der Wegkreuzung, wo die Straße nach Osten und Süden sich gabelte, sah sie einen auffallenden Aufzug. Vor dem königlichen Wagen lief ein Mann raschen Schrittes mit ausgebreiteten Armen, als wollte er gebieten, Platz zu machen dem König. Sein Auge blickte himmelwärts und leuchtete durch das Dunkel. Isebel erzitterte. Sie ahnte nicht, von wem diese bezwingende Kraft ausging, sie ahnte nicht, wer der Vorläufer des königlichen Wagens war. Sie ahnte nichts, als sie das einzige Mal in ihrem Leben Elijahu gegenüberstand. Sie stand wie gebannt. Elijahu aber mochte es ahnen, denn plötzlich wandte er sich südwärts und verschwand. , . Achabs Wagen kam näher; ihm zur Seite ritten pbadjahu und — Naboth, beide verklärten Antlitzes. Isebel stürzte auf Achab zu. ״Warum kommst du allein und so spät? Wo sind die Priester des Baal und der Astaroth? Wo säumt Chiel?“ Und sie sprang wie eine Wilde auf den Wagen Achabs und packte ihn hemmungslos an beiden Schultern. ״Aber so sage doch, wo ist Chiel?" Stumpf antwortete Achab: ״Chiel ist nicht mehr. Dein Opfer ist gefallen.“ ״Wer hat ihn gemordet? Sage doch, sei nicht so stumpfsinnig schweigsam. Wer hat Chiel gemordet?“ ״Deine Pfaffen!“ ״Des Baals Priester?“ ״Des Baals Priester!“ ״Und wo sind sie, daß ich den Tod Chieis an ihnen räche. Wo sind sie? Wo ist dieser Jubal?“ ״Tot sind sie, alle.“ Isebel erstarrte und vergaß, weiter zu fragen• Fassungslos lehnte sie sich an die Schulter Achabs und weinte mit lautem Schrei, wie ein verwundetes Tier. ״Isebel, du vergißt, daß du Königin bist. Wir sind nicht allein. Warte, bis wir zu Hause sind. Ich werde dir* alles erzählen׳“ Sie eilten heimwärts. (Fortsetzung folgt.)