Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 21 (1935)
- Issue
- 31 (9.8.1935)
- Date
- 1935-08-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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itöVtöovG vyplatne povolenfi riaült ß08t* SS|rttftt V fiAMJi, Iflf V. b. b. Zeitungen vom Verleger venendet Journal exp€dJ6 par f&Ütritt wm>ßmiäÄVAi # m AUGusf ms י? אב תרצ״׳ה 27. Jahrgang / Nummer 31 Redaktion und Administration: W ie n, H., Malz- י• gasse 12 a, Telephon A-46-0-15; Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381 / Erscheint jeden. Freitag / Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei RC 80, Jugoslawien Dinar 160, das Übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer Ost. Gr. 40. Zahlungen I. ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIII, 4117,• Berlin Nr. 122.619. oRGfln für nie mTGRessen Des orthodohgü juDeoTums Dr. Leo Deutsdiländer זצ״ל. Während unsere heutige Ausgabe bereits in Druck geht, erreicht!uns die erschütternde Nachricht vom Ableben des langjährigen Direktors der Keren־Hathora־־Zentrale, des Begründers und Leiters der BethsJakobsBewegung, Ministerialrat a. D. Dr. Leo (Schmuöl)Deutschländer, der nach einer mehrmonatigen Krankheit am Tischq^b’Aw um 11 Uhr vormittags in einem Wiener Krankenhaus seine Seele aushauchte. Während die letzten Wochen eine bedeutende Besserung seines Gesundheitszustandes brachten, so daß die Hoffnung auf eine baldige Genesung berechtigt erschien, trat am Mittwoch die katastrophale Verschlimmerung ein. Ein weltumspannendes Erziehungswerk der orthodoxen Judenheit hat seinen fürsorglichen ,Vater verloren und steht jetzt einsam da. Das jüdische Volk hat einen kaum ersetzlichen Ver# lust erlitten. Die sterblichen Ueberreste des Verblichenen wurden am Tischösb’Aw um :l/40 Uhr abends in die Leopoldsgasse 26 (KerensHathora ־Zentrale), überführt, von wo aus die Lewajoh heute, Freitag, um 1l-ll Uhr vormittags stattfindet und die Kwuroh am Zentralfriedhof, 4. Tor, um 12 Uhr erfolgt. j Wir lassen eine eingehende Würdigung der Persönlichkeit des Niftar und seines Lebens* Werkes in unserer nächsten Ausgabe folgen. Mit ihm bin Ich in der liot!k< (Zu Schabbos Nachamu 5695.) sollte ein Licht zu ihren Häupten brennen. Sie sollten I. ״Da Israel sein Land verlassen mußte, sprach der Heilige, gelobt sei Er, zu ihm: Wer von den großen (gestalten eurer Vergangenheit soll bei euch sein im Golus, daß Ich ihn wecke aus seinem Grabe, damit er euch tröste und beistehe? Sollen es Abraham, Isaak und Jakob sein? Oder Moses urjd Aron? Oder David und Salomo? Sagt es, daß ich sie wecke aus ihren Gräbern! ... Antwortete Israel: Herr der Welt! Wir wollen nicht diese, wir wollen Dich! Du bist ja unser Vater, Abraham weiß nichts von uns, Israel kennt uns nicht. Du, G11־, bist unser Vater, von Ewigkeit her ist Dein Name: unser Erlöser.“ (Jesaja 63, 16.) Da spracht G־tt: ״Weil ihr so gesprochen, nun, so gehe Ich mit euch ins Golus: Um euretwillen wurde Ich nach Babel gebracht.“ (Jesaja 43, 14 — siehe Mharscha zu Megillo 29 a.) . ״Und Ich setze Meinen Thron in Elom (Medien).“ (Jermijahu 49, 38.) ... So lesen wir in der Pesikto Rabbosi (31); und als Abschluß bringt sie jene wunderschöne, auch im Schir Haschirim Rabbo und im Jalkut in ähnlicher Fassung gebrachte Geschichte von dem König, der in vieljähriger, glücklicher, aber kinderloser Ehe lebte. Schließlich sprach er zu seiner Frau: ״Heirate einen anderen Mann, vielleicht, daß dir durch ihn Mutterglück wird. Nimm dir als Erinnerung das Schönste aus meinem Palast mit.“ Und sie antwortete: ״Laß uns unseren Abschied in einem Mahl feiern, daß die Welt sieht, daß wir in Frieden voneinandergehen.“ Der König willfahrte ihr gern. Während des Mahles wußte sie ihn zu berauschen und brachte ihn so in ihr Vaterhaus. Am Morgen, da er hier erwachte und verwundert fragte, wie er dorthingekommen sei, antwortete sie ihm: ״Ich sollte mir das Schönste aus dem Palast mitnehmen — das bist du!“ So auch G-,tt und die jüdische Gemeinschaft! Ins Golus wollte G-tt ihnen einen Schatz aus den Zeiten des Glückes mitgeben, sie wollten aber nur Ihn, ihren besten Schatz! Und darum zog G־tt mit ins Golus! n. Daß es in den schweren Zeiten, die ihm bevorstünden, den Mut und die Kraft, auch das Schwerste zu tragen, nicht verliere, wollte G-tt unserem Volk Wegzehrung mitgeben. Auch in den dunkelsten Zeiten ein Rettüngsseil in Händen haben, wenn die Wogen gar zu stürmisch wurden, einen Stab in der Hand, wenn der Weg gar zu steil wurde! G-tt wollte ihnen die Väter aus den Gräbern erwecken! G-tt wollte in ihr Herz die Vergangenheit schreiben, daß sie aus ihr in allen Zeiten Stimmen des Trostes und der Aufrichtung vernähmen. Wollte sie auf ihrem Leidensweg getragen wissen von der Kraft, die einst Abraham zum ersten Golusgang befähigte, die Isaaks Opfermut entfachte, die Jakobs stille Freude im Zelt gebar! Wollte ihnen in den Vätern die Segnung, die aus der Familie kommt, einprägen, daß sie es wüßten, daß das jüdische Haus — und stünde es auch in der dunkelsten Gasse — hell und wohnlich sein kann, wenn drinnen waltet eine der ״Frauen im Zelt“! G-tt wollte ihnen Moses und Aron aus den Gräbern erwecken! Denn die hatten das Volk nicht nur aus dem ägyptischen Golus herausgeführt, sondern auch im Golus, unter all dem ägyptischen Druck und Fron, ihr Herz und ihre Seele frei und fest gemacht und fähig, dies Golus zu ertragen und zu überwinden. Durch Moses und Aron sollte ihnen jede G01us־Gegenwart zur Aufgabe, zum Stein der Prüfung werden, durch sie sollte ihnen aber auch deutlich werden, daß der Weg aus j e d e m Mizrajim zum Sinai führt;— und wenn auch vor ihnen das Meer und hinter ihnen , der Feind droht. Sie sollten wissen, daß Moses , sein Lied für alle Zeiten gesungen — — אז ישיר — daß in allen Zeiten ihnen Führer voranschreiten würden, in denen von Moses’ Kraft und Arons Güte, von beider Brüder Selbstvergessenheit lebte, Führer, denen des Volkes Glück alles, die eigene Zukunft nichts bedeutete! G-tt wollte ihnen David und Salomo aus den Gräbern erwecken! Denn in der Gestalt-dieser beiden lebte die ewige, g-ttverheißene Zukunft, eine Zukunft,׳, die, durch G-ttes Propheten verheißen, alle Golusnöte und Golusnächte überwindet. Und aus diesen beiden königlichen Sängern. sollte in alle ihre Zeiten von dem Trost der Psalmen, von. der Weisheit der Sprüche, von der Hoffnung des Hoheliedes und von der Entsagung und Abgeklärtheit des Kohelet fließen, Und aus dem wechselvollen Auf und Ab ihres Schon Kinder sollen die Zähne mit O DO L-Zahnpasta pflegen. O DO L-Zahnpasta erhält die Zähne schön und gesund. Kleine Tube S —.90 Große Tube S 1.40 ׳Lebens sollten die jüdischen Menschen aller Zeiten die Unbeständigkeit des Glücks — aber auch des Unglücks-— lernen! ' ■ Große und gewaltige Menschen wollte G-tt aus ihrer Ruhe wecken, daß sie die unruhvollen Wogen unseres Golusmeeres glätten helfen, helfen, Leid zu lindern und Schmerz zu stillen! Aber Israel?! III. ״Herr der Welt! Wir wollen nicht diese, wir wollen Die h!“ Gewiß, in jedes Golus hinein klingen tröstend und lindernd Stimmen der Vergangenheit, jedes Geschlecht rankt sich auf an Bild und Leben der Ahnen, die jüdische Familie ist eine starke Wurzel der Kraft, und der ״Bris Owaus“ sagt uns täglich Hoffnung ins Ohr! Gewiß, aus dem Führertum dieser ״beiden Fürsten deines Adels“ strömt in jeden jüdischen Führer — und allen unseren Zeiten blühten sie — Verantwortung und heilige Bereitschaft, durch die Erinnerung an sie wird jedes Golus zu Mizraim und so innerlich überwunden! Gewiß, die Gewißheit der Zukunft nimmt jeder Gegenwart das Lähmendste ihres Schreckens und die furchtbarste Nacht bricht sich an der Kraft von Tehillim und an der Hoffnung von Schir Haschirim! Aber: daß wir stehen, wo wir stehen, daß wir überhaupt noch stehen, daß Golus nach Golus über uns hinwegrollte, daß Land auf Land deine Kräfte an uns maß und sich vermaß, daß man Juden tötet und Jüda nicht stirbt, daß höher als alle Scheiterhäufen unsere Treue, tiefer als aller Haß unsere Liebe, fester als alle Schergenstricke unser Glaube, das kommt nicht aus diesen Kräften, das kommt aus der einen großen Kraft: ״Denn mit uns ist G-tt!“ . Pas ist: weil wir wissen, daß G-tt unser Leid mitträgt, weil jenes kleine קרי-וכתיב alles Golusleid adelt und verwandelt: בכל צרתם ל ו צר, so lesen wir: ״In all ihrer Not ist Ihm Not, der Engel, der vor Ihm ist, half ihnen; in Seiner Liebe und Milde erlöst Ei* sie, Er nimmt sie und trägt sie durch alle Zeiten,“ (Jesaja 63, 9.) Und darum schreiben wir es mit fester Schrift auf die Tafel unseres Herzens und in das Buch unserer Geschichte, auf jede seiner Seiten: ׳ בכל צרתם לא צר,In all ihrer Not ist nicht Not! Rabbiner Wolf ®. Jacobson, Kopenhagen. m mm ■■ M A tili Ä ן«י. *■ww *■•*•*»