Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 21 (1935)
- Issue
- 30 (2.8.1935)
- Date
- 1935-08-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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:tfr. 30 Siifi 3 Aus Erez Jisroel. Agudistische *Tagungen. — Hel1 Zentralrat, die Bnos und diePoale Agüdas Jisroel. Von unserem Korrespondenten. Am 8. ,Tamus fand in den ]Räumen der Agüdas Jisroel die zweite Sitzung des erweiterten Zentralrates der palästinensischen Aguda statt. Die Re- Solutionen, die Vom Zentralrat zum Beschluß erhoben worden sind, hat die ״Jüdische Presse“ bereits wiedergegeben und es ist daher nur noch interessant, einen Rückblick auf den ־Verlauf der ׳Tagung zu werfen. Aus allen Orten des Heiligen Landes waren die Vertreter der agudijStischen Gruppen erschienen. Ünd die Tagung war ein Beweis für den allseits vorhandenen Willen, die Reihen der agudistischen Front eng zu schließen und eine gemeinsame, .verantwortungsbewußte und ersprießliche Tätigkeit zu entfalten. Stundenlang währten/ die Debatten, in denen die aktuellen Fragen eingehendst behandelt wurden. Für und gegen die Fusionierung der Poale Agudas Jisroel und der Zeire Agudas Jisroel wurden Argumente ins Treffen geführt, bis die Resolutionen zur Annahme gelangen konnten. Erfüllt von zuversichtlicher Freude und Hoffnung, wurde die Session mit SchlUßreferaten von Rabbi M03che Blau, .Rabbi Senkowitz und Rabbi Katzenellenbogen beendet. Und die Tagung des Zentralrates eröffnete den Reigen einer Reihe weiterer agudistischer Konferenzen. Am Tage nach der Schlußsitzung des Zentralrates fand in Tel-Aviv die feierliche Gründungstagung der Bnos Agudas Jisroel statt und am 13. Tamus kamen die Poale Agudas Jisroel in Gederah zu einer Landeskonferenz zusammen. An der Bnos-Tagung nahmen außer den vielen Delegierten einige hundert Gäste teil. Sämtliche agudistisehen Instanzen ließen sich vertreten und zahlreiche Beth- Jakob-Lehrerinnen rückten mit allen ihren Schülerinnen an. Es war eine gewaltige Manifestation, diese agudistische Frauenzusammenkunft in Tel-Aviv, die in der ganzen Stadt' einen kaum geahnten Eindruck machte. Nach einem wehmutsvollen Gedenken an Frau Sara Schenierer s. A. hielt Herr A. Friedensohn, der Leiter der agudistischen Mädchenbewegung in Polen, sein großes Referat, das den Mittelpunkt der Tagung bildete. Die Poalim-Konfere n z brachte vor aller Welt ihre Entschlossenheit zum Ausdruck, sich den verdienten Raum unter der Sonne del Heiligen Lande3 zu erwerben, der ihr von den linken, Arbeiterkreisen bestritten wird. Noch ist die Zahl der agudistischen Poalim in Erez Jisroel nicht überwältigend groß, aber der Wille, stark zu werden und stark zu bleiben, zeigte sich deutlicher, als es jemals erwartet werden. konnte. Den Vorsitz in dem mit sinnreichen Transparenten geschmückten Saal führte Herr Benjamin. Münz. Rabbi Mosche Blau eröffnete die Reihe der Begrüßungsansprachen, worauf Vertreter der einzelnen Landesgruppen, unter ihnen Herr G. J. König aus Bratislava, sprachen: Mit einem Festbankett bei der agudistisehen Ohawuroh (,Chofez Chajim“ schloß die Konferenz. Menachem Glicksmann-Porusch. Legislative Council noch nicht bestimmt. Das Organ des Jerusalemer Groß-Mufti brachte eine Mitteilung aus angeblich ״autoritativer Quelle", wonach die Schaffung . des Legislative Council für Palästina beschlossene Sache sei und die Ver- . handlungen zwischen der. Palästina-Regierung und dem! Kolonialamt einerseits sowie der Palästina-Regierung und den interessierten Faktoren in Palästina andererseits in der Angelegenheit des Legislative Council p 0 s itiv beendet seien. Die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt jedoch von autoritativer Seite,, daß diese Meldung jeder Grundlage entbehrt. Weder Termin noch Zusammensetzung des Legislative Council wurden bis jetzt fixiert, noch ist sonst eine definitive Entscheidung getroffen worden; doch wird beabsichtigt, während des Besuches des High Commissioner Sir Arthur Wauchope in London in diesem Sommer einen Beschluß in dieser An-; gelegenheit zu fassen, wenn nicht die inzwischen sich , verstärkenden Proteste von jüdischer ,Seite gegen die Institution des Legislative , Council die maßgebenden Kreise veranlassen, die, ganze Angelegenheit wieder zu vertagen. ׳ Emir Abdullah gegen jüdische Einwanderung in Palästina. •.־Wie aus arabischen Kreisen mitgeteilt wird, be-!faßt sich der Emir Abdullah von Transjordanien mit dem Plan, die Führer, sämtlicher arabischer Parteien Palästinas zu einer Zusammenkunft, voraussichtlich nach Nablus, einzuberufen, in der über eine Aktion zur ,Bekämpfung der jüdischen Einwanderung und des Bodenverkaufes an Juden in Palästina beraten werden soll. Ein diesbezüglicher Aufruf soll an die Bevölkerung erlassen werden. Emir Abdullah von Transjordanien hat, wie erinnerlich, vor einigen Jahren mit jüdischen Führern ein Optionsabkommen bezüglich großer Flächen transjordanisehen Bodens, der jüdischer Arbeit geöffnet werden sollte, abgeschlossen. Auf Betreiben palästinensisch-arabischer Politiker und auch auf Einfluß der Kreise der Palästina- Regierung hat Emir Abdullah jedoch diesen Plan später fallen gelassen. Nunmehr scheint er dem Einfluß der Mufti-Propaganda unterlegen zu sein und sich auch in die Propagandafront gegen die jüdische Einwanderung in Palästina einreihen zu wollen. Es wird erwartet, daß die Palästina-Regierung' sich gegen die Einmischung des Emirs von Transjordanien in innere Palästina-Ange-!egenheiten wenden wird.?OOi&Uciges Uatackisckes] Sefec entdeckt! Unter diesem Titel hat die ״Jüdische Presse“ in ihrer Ausgabe Nr. 27 vom 12. Juli d. J. ein Referat iibdr das Sefer ״S«haare Duroh“ veröffentlicht, dessen Neudruck durch einen gewissen Jeschijahu Freilich bevorstehen sollte. Die Redaktion hat sich von Empfehluugen angesehener Persönlichkeiten, die offensichtlich irregeleitet worden waren, zur Veröffentlichung dieses Referats bestimmt , gesehen, Inzwischen hatten wir Gelegenheit, uns über den wahren Sachverhalt authentisch zu erkundigen, und wir־ sehen uns veranlaßt, wegen ולפני עור לא חתן מכשול di° anerkennenden und empfehlenden Worte unserer erwähnten Veröffentlichung zurück zu ziehen und in ihr Gegenteil zu verkehren. Wir bedauern den uns unterlaufenen, überaus pein, liehen Verstoß. SelbsthÜfeaktion des polnischen Inden» Innerhalb des polnischen Jüdentuins wird gegen« wärtig eine große Selbsthilfeaktion durchgeführt. Durch sie sollen Mittel aufgebracht Werden/um die dringendsten wirtschaftlichen Probleme der polnischen Juden mildern zu können. Die Selbsthilfeaktion stützt sich vornehmlich auf die jüdischen Darlehenskassen (Gemilüs- Chesed«Kassen). Seit Jahren schon ist durch diese Kassen versucht worden, durch Hingabe kleiner Kredite neue Erwerbsmöglichkeiten zu erschließen und vornehmlich in den kleinen Städten für die ärmsten Schichten der jüdischen Bevölkerung neue Betätigungszweige oder Nebenverdienste zu schaffen. Aus einer der jüdischen Telegraphen-Agentur übermittelten größeren Darstellung geht hervor, daß die jüdischen Darlehenskassen für Hunderte von Menschen Beschäftigungund Erwerb begründet haben. Neue Betätigungsmöglichkeiten sind insbesondere innerhalb der landwirtschaftlichen Produktionszweige und Nebenproduktion, wie zum Beispiel der Marmeladenindustrie und anderen, gefunden worden. Aber auch die Herstellung von Trikotagen, von Holzgalanteriewaren, von Filetstickereien ist in Angriff genommen worden. Die jetzt durchgeführte Selbsthilfeaktion soll eine Million Zloty erbringen. Dadurch sollen insbesondere die Darlehenskassen die Möglichkeiten erhalten, ihren Betätigungskreis zu erweitern und ihre Arbeit zu verstärken. Nach den bisher vorliegenden Meldungen hat die Selbsthilfeaktion einen großen Widerhall gefunden. Die Versammlungen, in denen die Selbsthilfeaktion proklamiert worden ist, waren überfüllt. In Warschau fand unter dem Vorsitz des gewesenen Senators Bankier Raphael Szereszowski, eine Tagung von Vertretern aller Finanzinstitutionen des polnischen Judentums statt. Der ehemalige Deputierte Wyszlicki betonte die Notwendigkeit, ein zentrales Finanzinstitut für das polnische Judentum zu schaffen. Es wurde beschlossen, unter dem Namen ״Kreditzentrale“ eine solche Bank zu gründen; ihr schließen sich sofort alle drei bestehenden jüdsichen Genossenschaftsbanken an, nämlich die Zentrale für die jüdischen Genossenschaften in Klein-Polen, die Volksbank in Wilna und die zentrale Genossenschaftsbank der Aguda in Warschau. Außerdem sagten ihre Mitwirkung eine Reihe großer Genossenschaftsbanken, die Zentrale der Gemilas-Chesed-Kässen, der zentrale Kaufmannsverein und andere Organisationen zu. Achtzehn Personen würden in den Aufsichtsrat gewählt. Ein Gründungskapital von 200.000 Zloty ist aufgebracht worden. Die Bank wird ihren Betrieb äufnehmen, sobald die Satzungen bei dem zuständigen Kreisgericht eingetragen worden sind. Bei irsdhößfun# u. Kößteehmifseft \m VERBAND DER SABBATHFREUNDE ״SCHOMRE SCHABBOS“ wiew, 11״ leopoldsc. 18 - tei. a.46.0.15 STELLENVERMITTLUNG Offene Stellen: Praktikanten im Alter Von 14 bis 16 Jahren für folgende Branchen: Krawattenerzeugung, Seident.ext.il, Textil, Haus- und Küchengeräte, Wäscheerzeugung. Stellengesuche: Geschultes, verläßliches kaufmännisches und gewerbliches Personal jeder Art. Personalnachricht. Die Frau Rabbi Josef Engels זצ״ל verschieden. Ein großes und edles Herz, das für die eigenen Lieben wie auch für jeden Fremden gleich warme Gefühle empfand, hat zu schlagen aufgehört. Niederschmetternd trifft uns die Nachricht, daß die große Zedekis, die Frau des Gaon Rähbi Josef Engel s. Z. 1. a.m 23. Tamus aus unserer Mitte gerissen wurde. Die Dahingeschiedene, die einer hochangesehenen chassidischen Familie entstammte, heiratete in ganz jungen Jahren den schon damals weltbekannten Rabbi Josef Engel und war an seiner Seite die bescheidenste und hingebungsvollste Frau, die ihrem Manne stets unermüdlich in jeder Weise behilflich war, um ihn möglichst wenig seinem Thorawirken zu entziehen. So hat. sie sich vollen Anteil an den unendlichen talmudischen Schöpfungen ihres großen Mannes erworben. Seit dem Hinscheiden des großen Thorafürsten s. Z. 1. widmete sie sich noch mehr der Wohltätigkeit und ist nun nach einem Leben voller Aufopferung und Menschenliebe ihrem großen Manne in den Gan Eden gefolgt. ) Es trauert die einzige Tochter mit. ihrem Gatten Rabbiner Morgenstern und ihre Kinder, ihnen schließt sich die jüdische Gemeinschaft an. ^TSCHECHOSLOWAKEI 1 In den Keifen der Worte Von Rabb« Dr. E. Baß, Slezskä Ostrava Die vollkommenste kulturelle Verschmelzung ist diejenige deren Teilnehmer sich ihrer ursprünglichen Eigenart nicht mehr bewußt sind, weil' ihnen die neue Art zur zweiten Natur geworden ist. Von solch einer Anpassung will ich einige Worte sagen, die vielleicht auch in diesen Spalten nicht überflüssig sein werden, wenngleich deren meiste Leser bei sich die volle Ueberzeugung 'davon haben, daß sie an der echten jüdischen Wesensart unerschütterlich festhalten. י Es wäre nicht das Allerschlimmste, wenn wir in unserer Ausdrucksweise im Verkehr und Stil die nicht jüdische Art gebrauchen .würden. Das tun wir ja alle, mehr oder weniger, bewußt oder unbewußt, dem Zwange der Verhältnisse folgend. - Sehr schlimm, wird es■ erst, wenn wir die unjüdische Art, deren wir uns bedienen müssen, für die einzig anstrebepswürdige, für das Ideal halten würden, dagegen die echte jüdische, von allem Fremden imdurchsetzte und unbeeinflußte Art geringschätzen würden als־ unzeitgemäß, minderwertig, imbrauchbar, als etwas, wofür man sich, wenn auch unausgesprochen, zu schämen hätte. Von R. Hai Gaon bis zu Chasam Sofer haben alle unsere großen Rabbinen den unbestrittenen Vorrang der Thora- und Talmud-Bildung vor allen anderen Wissenschäften gegeben. Insbesondere der Ghasam Sofer verwirft in der Teschuwa 197 (Teil Ch. M.) das Trachten des damals modernen Rabbiners, durch weltliche Kenntnisse und Ausdrucksweise zu imponieren. Die Grund.־ Ppa\ Oetker PUDDING Sätze dieses Thorafürsten und seiner ihm gleichgesinnten Genossen beherrschen noch heute das jüdische Leben.der Glaubenstreüen in der Slowakei, in P. K. R. und Ungarn. Dennoch scheint es den Stolz vieler frommen, gebildeten Juden zu bilden; auch solche Aeußerungen, die nur der Ehre der Thora dienen sollen, in ein Gedanken- und Sprachgewand zu hüllen, das zum großen Teil der latein-griechischen Bildung entnommen und auf akademischem Boden gereift ist. Ein einfacher Jude mit jüdischer Bildüngsgruriäläge kann den Ausführungen so mancher Vertreter des strenggläubigen Judentums gar nicht folgen/ weder im Vortrage noch in Schrift, einfach nicht deshalb, weil er weder am Gymnasium noch an der Universität־,.studiert hat und von den herangezogenen 'Begriffen und verwickelten Gedänkengängeri keine Ahnung hat.' Und doch müssen große und wahre Gedanken am einfachsten ausgedrückt werden, wenn sie ins Volk und zum Herzen des! Volkes dringen. sollen. Das Volk, auch das jüdische Volk, denkt nicht kompliziert und eine zu tief oder zu hoch strebende Redewendung wird nicht den geringsten nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Sollte dieser Vorwurf vielleicht jemandem ungerecht scheinen, so nehme er eine beliebige jüdische Zeit- Schrift zur Hand und suche in irgend ,einer Abhandlung die lateinischen, die griechischen und die jüdischen Fremdwörter heraus und er wird nach einfacher Berechnung der angewendeten Ausdrücke verblüfft vor der Tatsache stehen! wie und an wen wir unsere Gedanken assimilieren. ' Den Schreibern so mancher Abhandlung auch streng frommen Einschlags kommt es gar nicht mehr zum Bewußtsein, daß sie für rein jüdische Erscheinungen Ausdrücke aus heidnischer Mythologie, Symbole heidnischer Gottheiten heranziehen, wobei zumindest eine Befürchtung der Uebertretung des im II. B. M., Kap. 23, V. 13, enthaltenen Verbotes der Erwähnung von Namen fremder Gottheiten besteht. Ausdrücke, wie: Janusgesicht, Palladium, Aegide, Obolus, Tragödie u. v. a., scheinen zur Zierde zu gereichen, entstammen aber durchwegs alten heidnischen Kulturen und lassen sich sehr gut anders ausdrücken. Selbst das bei uns . so geschätzte und inhaltsreiche Wort ״orthodox“ ist ganz und gar nicht jüdischen Ursprungs und man würde dieses Wort vergebens in sämt« liehen Schriften unserer alten jüdischen Weisen suchen. Nach der Behauptung des wohlinformierten jüdisehen Geschichtsschreibers A. Berliner (Zur Lehr und zur Wehr S, V.) wurde dieses Wort zuerst zur Zielt Napoleons im Sanhedrin i. J. 1807 von Furtado auf jüdisehe Verhältnisse bezogen und .wurde jahrelang bis zum Austrittsgesetz von den jüdischen Gelehrten gemieden, weil es bekanntlich von einem Teil der christlichen Kirche seit dem Mittelalter in Anspruch genommen wird. (Vgl, J. Wohlgemuth: Etwas über die Termini ״orthodoxes und glaubenstreues Judentum“ in der Festschrift zum 70. Geburtstage D. Hoffraanns.) Das Wort ist griechisch und bedeutet so viel wie rechtgläubig, in der kirchlichen Nebenbedeutung auch; festhaltend an Dogmen. Die Führer des orthodoxen Judentums haben wohl nur deshalb den Namen angenommen, um bei der Yerhandlung über das Austrittsgesetz vor dem Gesetzgeber einen besonderen Namen für die abzusondernde Kopfes-