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Jüdische Presse · 1935-07-26 · 29 (26.7.1935) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
21 (1935)
Issue
29 (26.7.1935)
Date
1935-07-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 29 jüdiscm mmm Seite 3 Herzleidenden KAFFEE HAG denen der Arzt gewöhnlichen Bohnenkaffee wegen des Coffeingehaltes verbietet, wird er den Genuß des coffeinfreien Kaffee Hag gern gestatten. Kaffee Hag ist feinster echter Bohnenkaffee, dem nur das Coffein entzogen ist, seine Genußwerte sind voll erhalten. Für Gesunde und Kranke nichts Besseres als: ״Selbsthilfe von unten.1‘ Wie die Zionisten die Religion reformieren wollen. religiösen Situation liege in der Frage der Reform. Seit mehreren Generationen tobt der Kampf darum, das religiöse Gesetz den Notwendigkeiten der Zeit anzupassen (! Red.). Der Ruf nach Reform sei nicht um der Nation willen erfolgt; die Forderung sei in der hebräischen Literatur gerade von denen gestellt worden, welche an der Erhaltung der nationalen Physiognomie des .indischen Volkes aufs höchste interessiert waren und von innen heraus einen Ausgleich suchten, damit der Jude, der unter den Bedingungen unserer Zeit lebt, sich nicht ständig als Sünder fühlen müsse (! Red.). Aber die religiösen Führer schenkten der Forderung kein Gehör, weil sie in sich nicht die Autorität, fühlten, gesetzliche Bestimmungen aufzuheben. Die Folge war, daß das Volk über die religiösen Be- Stimmungen zur Tagesordnung überging, nicht mehr um die Erlaubnis der Rabbiner fragte und die Anarchie walten ließ. Der Konflikt muß in Palästina gelöst werden; Kleinmann sieht zwei Wege einer möglichen Lösung: Entweder die Rabbiner sind entschlossen, ’ eine ״große Tat“ zu tun und diejenigen Gesetzesbe- Stimmungen zu ändern (! Red.), welche im Gegensatz zu dem neuen Leben in Palästina stehen. Eine solche ״große Tat" wäre imstande, das Volk für die Beohn.cht.ung der aufrechterhaltenen Bestimmungen zurückzugewinnen. Wenn aber die Rahbiner nicht den Mut aufbringen, den eine Reform von oben erfordert, so bleibt kein anderer Weg als der der Selbsthilfe von unten. Diese freilich müßte, wenn sie religiös wirksam sein soll, aus religiösen Motiven und aus dem Gefühl religiöser Verantwortung heraus erfolgen.“ . * Daß Herr Kleinmann vom ״Haolam“ sich selbst ad absurdum geführt hat, scheint ihm nicht zu Bewußtsein gekommen zu sein. Wofür soll denn das jüdische Volk ״wiedergewonnen“ werden, für welche ״aufrechterhaltenen Bestimmungen“, wenn alle jene, die ״im Gegensatz zu dem neuen Leben in Palästina" stehen, aufgehoben — Kleinmann sagt schüchtern: ״abgeändert" — werden sollen? Hebräische Graphologie Von Erich Gottgetreu, Jerusalem. Ein ganz interessanter Gerichtsfall .., Eine junge Dame, die vor nicht langer Zeit aus Deutschland in Palästina eingewandert war und noch keine sehr tiefe Kenntnis des Hebräischen besaß, hatte an einen, altansäßigen Palästinenser, mit dem sie in Geschäftsverbindung stand, eine Zahlung in Höhe von 16 Pfund zu leisten. Der Palästinenser redete seiner Gläubigerin ein, der Scheck müsse in hebräischer Sprache ausgefüllt werden; also tat er es für sie. Und sie unterschrieb nur. ... Als sie einige Tage später auf die Bank kam, gab es eine kleine Ueberraschung: der Herr hatte nicht 16, sondern 216 Pfund abgehoben. Man prüfte das Papier und dort stand tatsächlich in! vollen Buchstaben: matajim weschesch esreh: Matajim (zweihundert), weschesch esreh (und sechzehn), und die zweihundert war sichtlich mit derselben Handschrift und Tinte geschrieben wie die sechzehn. Wie aber nun nachweisen, daß die zweihundert erst nachträglich, das heißt nach der Unterschriftleistung, auf den ,Scheck gesetzt worden war? Die Polizei holte Herrn Dr. E1 k e s, gleichfalls einen Neuankömmling; man sagte von ihm ׳ allgemein, er sei ein guter Graphologe.!Herr •Dr. Elkes ließ sich zunächst eine Reihe anderer Schriftstücke des Beschuldigten besorgen und stellte fest, daß ihm eine sehr großzügige, schwungvolle Hand- Schrift zu eigen sei. Schreiber solcher Art pflegen aber die auf dem Scheck auszufüllende Summe nicht direkt hinterm Doppelpunkt einzutragen, sondern mehrere Millimeter Luft zu lassen, bevor ihr ׳Schriftzug• beginnt, hingegen setzte auf dem inkriminierten Scheck die ״matajim". sehr früh an, womit der (Beweis für die nachträgliche Eintragung erbracht war. Der Täter wurde verurteilt. Arische Heldentaten Schweizerische Zeitungen geben die folgende Episode aus dem Berliner Pogrom wieder: ״Auf dem Kurfürstendamm hat eine Menge von etwa hundert Nazi einen jüdischen Knaben wie ein Freiwild gehetzt. In seiner Herzensnot schrie der Knabe im Laufen furchtbar. Als die Männer den Knaben eingeholt hatten, 1pachten sie ihn am Roch; der Junge schlüpfte aber sogleich aus den Aermeln'heraus und lief davon. Die Verblüffung darüber war so groß, daß die ״wacheren Helden“ in heller Wut das Kittelchen des Jungen in Fetzen rissen. Der Knabe war inzwischen in die Nähe eines Autos gekommen, in welchem ein arischer Herr und eine arische Dame saßen. Sie winkten den Jungen heran und das Auto fuhr gleich nach seinem Einsteigen in rasendem Tempo davon." Helden des Nazireichs! ... Eine der gelesensten zionistischen Zeitungen ist die Berliner ״Jüdische Rundschau". Und eine der interessantesten Rubriken dieser Zeitung ist die mit der Ueberschrift ״Theater, Literatur, Religion“. Interessant nicht nur wegen der sonderbaren Zusammefistellung dieses Titels, die selbst schon ein Faustschlag in das Gesicht jedes strenggläubigen Juden ist, sondern mehr noch wegen ihres Inhaltes, der einen Begriff davon vermittelt, welche ״Behandlung" die Zionisten der jüdischen Religion zuteil werden lassen. Wir glauben, uns einen Kommentar zu dem nachfolgend veröffentlichten Ausschnitt aus der Rubrik ״Theater, Literatur, Religion“ der zionistischen ״Rundschau“ erübrigen zu können und fragen bloß, ob der Misrachi seinen Parteigenossen in ihrer ״Selbsthilfe von unten“ behilflich sein wird. Die ״Jüdische Rundschau“ vom 9. Juli d. J. schreibt: ״Die Erörterung der Frage der Religion (Frage der Religion? Red.) nimmt in der palästinensischen Presse, insbesondere in der Arbeiterzeitung ״Dawar“, ihren Fortgang. Die ״Jüdische Rundschau" hat kürzlich über einen Artikel referiert, in welchem die Frage aufgeworfen wurde, wie ein autonomes jüdisches Leben in Palästina möglich sein soll, wenn die Versorgung der notwendigsten Bedürfnisse des Gemeinwesens (Eisenbahn, Telephon, Wasser) am Schabbat religionsgesetzlich verboten ist und daher von Nichtjuden ausgeübt werden mtitße. Der Artikel blieb nicht unerwidert; man verwies auf das Beispiel Neuseeland, wo am Sonntag aller Verkehr unterbrochen ist. Der Redakteur des^ ״Haolam“, M. Kleinmann, veröffentlicht im ״Dawar" einen ausführlieben Artikel zur Frage. Eine Wiederbelebung des jüdisehen Volkes in Palästina ohne Wiederbelebung der Religion (? — Man beachte den Schluß! Red.) sei undenkbar und deswegen sei vom zionistischen Standpunkt die I Frage von höchster Aktualität. Der Schlüssel der Brief aus■ Budapest. Das neue Sonntagsruhegesetz. — Taufepidemie bei den Neologen. — Gegen die Zionisten. In der Frage der Sonntagsruhe ist nun auf dem Verordnungswege eine Entscheidung getroffen worden. Sie ist nicht günstig für die schabboshaltenden Kaufleute ausgefallen, aber doch nicht ganz im Sinne derjenigen, die die absolute Sonntagsruhe gefordert haben. Die Lebensmittelgeschäfte dürfen Sonntags in der Hauptstadt bloß eine Stunde, statt der bisherigen zwei Stunden geöffnet halten und sie dürfen auch in dieser Zeit nur solche Artihel verkaufen, die der Gefahr des Verdorben- Werdens ausgesetzt sind. Die Milchgeschäfte und Bäcker dürfen in der Hauptstadt ihre Läden Sonntags (statt den bisherigen sechs) drei Stunden lang öffnen. In den Städten durften die Kaufleute ohne Unterschied der Branche bis jetzt drei Stunden lang Sonntags ihre Geschäfte offen halten. Nun wurde auch hier diese Erlaubnis auf die Lebensmittelgeschäfte und auf bloß eine Stunde beschränkt. In diesen Städten erleiden also die orthodox-jüdischen Kaufleute einen sehr schwerenaVerlust. In ,den Ortschaften können alle Geschäfte (statt den bisherigen drei) zwei Strmden lang Sonntags offen gehalten werden. Die jüdische Oeffentlichkeit nahm die Verordnung mit überraschender Ruhe auf, der orthodoxe ״Zsidö Ujsäg“ ruft sogar ,,gam su letauwo“ aus. Die jüdischen Zeitungen sind übrigens mit Alamnnachrichten über eine neue T auf -Epidemie voll. Der vor Superlativen nicht zurückschreckende ״Egyenlöseg“ schreibt z. B.: Die Renegat-Kandidaten belagern sozusagen das Fester und das Ofner Rdbbinai. Der Oberrabbiner der Pester israelitischen (neologen) Kultus gemeinde, Dr. Simon Hevesi, äußerte sich darüber u. a., daß die Majorität der Taufkandidaten zum Brotkorb hinblickt. Ein neologer Publizist kommt endlich ■in diesem Zusammenhänge darauf, daß die Neölogie überaus schonend die Renegaten behandelt. Die Eltern leben in vollster Harmonie mit ihren getauften Kindern und Enkeln zusammen. Bei Hochzeiten und Beerdigungen wird ihnen die größte Ehre seitens der früheren Glaubensgenossen erwiesen, sie figurieren ■unter den Gründern der konfessionellen Institutionen und man nimmt von ihnen sogar Spenden für konfessionelle Zwecke entgegen. Es waren auch Fälle vorgekommen, schreibt derselbe Publizist, daß die Getauften ihre konfessionellen Würden auch nach ihrer Taufe behalten haben! Der Alterspräsident des ungarischen Abgeordnetenhauses, Paul San dor, veröffentlicht einen offenen Brief gegen die Zionisten und verlangt dieselbe reinliche Scheidung der Neölogie von ihnen, wie sie die ungarische Orthodoxie seit Jahr und Tag bereits praktiziert. Er hat Gefühle für die Aufbauarbeit in Palästina, er kann diese aber nicht als eine totale Lösung den* Judenfrage hinstellen lassen und den Anschein erwecken, als wären die Juden ganz und gar auf Palästina eingestellt. Sändor erinnert an die Zeiten des weißen Tenors in Ungarn. Die ungarischen Juden wollten keine Auslandshilfe und widerstanden beharrlich der offiziellen Aufforderung — sie kam vom damaligen Kultusminister —, sich als nationale Minorität zu organisiei'en, Wir wollen für Palästina Opfer bringen, aber nicht gemäß der zionistischen Vorschriften zu Händen von Provisionsreisenden, von Propagandaagenten und bei der Blechmusik der Propaganda. Die Pro-Palästina- Bewegung darf nicht der Schlupfwinkel der Zionisten sein ... Die Zionisten möchten die verarmten, jüdischen Schichten für ihre Ziele ausnützen. Demgegenüber müssen wir darauf aufmerksam machen, daß die nationaljüdischen Parteien überall, so auch im benachbarten Oesterreich, ständig an Boden verlieren, und ihre Versuche haben stets und überall mir Leiden für das Gesamtjudentum heraufbeschworen. Aus Rumänien. — Unter dem ׳Namen ״Esther-Bund" wird in K1 a u s e n b u r g (Cluj) ein Verband zur Ausbildung jüdischer Pflegerinnen gegründet. — Kultusminister a. D. Goga und der bekannte Antisemitenführer Prof. Cuza haben ihre Parteien fusioniert. Die neue Partei teüt die Minoritäten in drei Kategorien. Die :Sachsen und Schwaben sollen vollberechtigt sein, denn sie haben sich von der Gründung an für Großrumänien ■exponiert. Für die Ungarn, welche die zweite Kategorie bilden, werden gewisse ׳Beschränkungen dekretiert. Zu der dritten Kategorie gehören׳ die Juden, gegen die der Staat den rumänischen Arbeiter in Schutz nehmen muß. Gegenüber dem ursprünglichen Programm Cuzas, welches die Ausweisung aller Juden forderte, bedeutet das neue einen gewissen ״Fortschritt". Es verlangt die Revision der!Staatsbürgerschaft, die die ■Friedensvertrage den Juden ׳sichern, und schweigt sich über die ■Frage der Gleichberechtigung aus. An die!Stelle des offenen und brutalen Antisemitismus ist also ein verkappter getreten. Am ׳Festessen, das auf die Fusion folgte, nahm laut parteioffiziellen Meldungen auch •ein Herr Dr. Robert Kohn (!) teil. —- Ministerpräsident a. D. Prof. N. Jorga hielt an seiner Volksuniversität einen Vortrag über ׳die Rassenfrage. Die Griechen — erklärte er — haben jeden Andersrassigen gehaßt und haben sich isoliert. Deshalb konnten sie von den Römern, die niemals Rassenschutz trieben, verschlungen werden. ׳Wir wollen, keinen körperlichen, sondern einen geistigen Typ der Rumänen schaffen. Die Minoritäten könnten wir nicht als Fremde bezeichnen, sondern höchstens als Nichtrumänen. ,Sie tragen mit seelischen und materiellen Kräften zur Entwicklung des Landes bei. ׳Man ׳darf sie nicht brüskieren. Gerer Rebbe fährt nach Erez Jisroel. Wie wir von zuverlässiger Seite erfahren, beabsichtigt der Gerer Rebbe, in den kommenden Tagen nach Marienbad zu reisen, von wo er sodann nach einem mehrwöchigen Aufenthalt mit seiner Familie nach Erez Jisroel fahren wird. Gerer Rebbe beabsichtigt, in Erez Jisroel den ganzen Winter hindurch,. bis nach Pessach zu verweilen. Dieser Umstand wird zweifellos viel zur Hebung des orthodoxen Geistes und zur Verbreitung des Agudagedankens in Erez Jisroel beitragen. Der Kampf um die Schechita in Dolen, Gegen das rituelle Schächten in Polen ist ein neuer Vorstoß unternommen worden. Der Direktor des polnisehen Städteverbandes, dem sämtliche kleine und große Städte Polens abgeschlossen sind, hat dem Hauptrat des Städteverbandes einen Plan zur Bekämpfung und Abschaffung der Schechita unterbreitet. Alle Städte Polens sollen eine Aktion gegen das Schächten unternehmen. Es sollen Petitionen von den Stadtverwaltungeh an die Regierung gesandt werden, in denen diese auf gef ordert wird, das Schächten zu verbieten. Die nächste Sitzung des Hauptrates des Städteverbandes wird sich mit diesem Vorschlag beschäftigen. Frau T^a Grünbaum s. A. Am vergangenen Freitag verschied in Nürnberg Frau Lea •Grünbaum s. A., Witwe nach dem bekannten Philantropen ׳R. Awrohom Grünbaum, der sein Leben in der heiligen Stadt Jerusalem aushauahte. Die Verewigte, die ihr Leben ausschließlich der Wohltätigkeit widmete, war eine ausgesprochene Esches Chajil und war in den Kreisen der deutschen Orthoäoxie und hei allen Menschen, die sie kannten, wegen ihrer seltenen Eigenschaften sehr •beliebt und geschätzt. Die Verblichene hat ein Alter von 84 Jahren erreicht, an■ ihrer Bahre trauern die Famüien Grünibaum, Tachauer und Kellermann in Nürnberg und London und Prof. Doktor Eugen Lieben in Prag. * . ' ,חנצב׳ד Unangenehme Kopfschmerzen können durch einfaches Bestreichen von Schläfen und Stirn “mit Alpa- Franzbranntwein gelindert werden. Einreibungen mit Alpa lindern auch rheumatische Schmerzen und erfrischen bei Ermüdung. Einige Tropfen Alpa in ein Glas Wasser und Sie haben ein gut.es Mundwasser. füK jede* exsp Qh&X&ßJA * * * -TERSRENTE SPARK ALLGEMEINE RENTEN ANSTALT I. GRABEN 20

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