Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 21 (1935)
- Issue
- 27 (12.7.1935)
- Date
- 1935-07-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCH® PKESSE Aus Erez Jisroel. (Siehe auch ״Von Woche zu Woche“*) 11• Jahrzeit nach Prof. De Haan. — Gmeinderatswahlen in Tel-Aviv. — Die leidige Zertifikatenfrage. — Er* ziehungssteuer. — Ein empörender ChiFui Schabbos und seine Begleitumstände. Vortunserem Korrespondenten. Am 29. Siwan jährte sich zum elftenmal der Tag der Ermordung des unvergeßlichen agudiatischen Führers in Erez Jisroel, Prof. ODr. De Haan s. Z. 1. Der Gedenktag wurde von allen agudistischen Gruppen in gebührender Form begangen. In Tel-Aviv werfen die bevorstehenden Gemeinderatswählen bereits ihre Schatten voraus. In allen politischen Kreisen und auch innerhalb der Aguda finden eifrige Beratungen statt. Es heißt augenblicklieh, daß eine geeinigte r e 1 i g־i öS e W ah 11 is t e kandidiert werden soll. Rabbi Mosche Blau wurde dieser Tage vom Leiter des Einwanderungsdepartements der Palästina-Regierung, Mills, in längerer Audienz empfangen. In der eingehenden Unterredung wurden alle mit der Gewährung von Zertifikaten zusammenhängenden Fragen besprochen. Herr Mills versprach weitestgehende Berücksichtigung der agudistischen Ansuchen um Zertifikate für Rabbiner und Bachurim. Ein seinerzeit erlassenes Gesetz statuierte, daß die Gemeinden das Recht haben, eine Erziehungs- Steuer 1einzuheben. Dieses Gesetz soll jetzt in Kraft gesetzt werden. Von orthodoxer Seite werden ernste Bedenken gegen dieses Gesetz geäußert und rege Befürchtungen laut. Nach dem Gesetz sollen nur die öffentlich-rechtlichen Gemeinden das Recht zur Einhebung dieser Steuer und Verwendung nach freiem Ermessen haben׳. Es würde sich also ergeben, daß die religiösen Juden wohl die Steuer werden zahlen müssen, für ihre Institution aus den׳ Mitteln dieser Steuer jedoch nichts erhalten werden. Die Landesleitung der Agudas Jisroel hat Rabbi Mosche Blau beauftragt, sich diesbezüglich mit den zuständigen Regierungsinstanzen in Verbindung zu setzen. iWieder gab es vergangene •Woche einen C h i 11 u 1- Schabbos in Jerusalem, der mit seinen Begleit- ׳umständen die orthodoxe Judenheit zutiefst ergriffen hat. In der Nähe der Jeschiwa Ohewron-Slobodka öffnete ein Jude ■seinen Laden. Als einige Jeschiwahzöglinge da- •gegen protestierten, fiel der Mechalal-Schabbos über sie her und verprügelte sie blutig. Die Polizei, die eingriff, verhaftete nicht — wie man meinen möchte — den frevelhaften Sünder, sondern die jungen Bachurim, die so wie gemeine Verbrecher behandelt wurden. Die religiösen Juden des Heiligen Landes sind ob dieser Vorgang3weise furchtbar empört. Menachem Glikman-Porusch, Jerusalem. Die Zahl der ״dislozierten Araber“ in Palästina. Auf Grund des Berichtes von Sir John Hope Simpson hat die Palästina-Regierung seinerzeit bekanntlieh eine Registrierung der durch jüdische Bodenkäufe angeblich ,!,dislozierten Araber“ angeordnet. Im Zuge dieser Registrierung meldeten sich 3236 Araber als ״Geschädigte". Jetzt wird offiziell bekanntgegeben, daß von diesen Beschwerden insgesamt nicht mehr als 651) als berechtigt anerkannt wurden. DSio mutmaßliche Zusammensetzung des• Legislative Council. Die arabische Zeitung ״A Difa“ ist, wie sie schreibt, dahin informiert worden, daß sich der Legislative Council aus vierzehn Moslems, vier Christen und vier Juden, ferner aus den Bürgermeistern von Jerusalem, Jaffa, Haifa und Nablus, dem Chefsekretär der Regierung, den Distriktskommissären von Jerusalem, Haifa lind Jaffa sowie dem Oberrichter und acht Depart- .mentchefs zusammensetzen wird. Limdeskoiiferefm der Paale Agudas Jisroel in Polen. Vergangenen »Sonntag wurde im großen Saal von Lodz in •Anwesenheit von 366 Delegierten aus 260 Städten die dritte Landeskonferenz der. agudistischen Arbeiter- Organisation ״Poale Agudus Jisroel“ eröffnet. Bereits vor Beginn der Eröffnungssitzung mußten die!Straßen vor dem Tagungsgebäude abgeriegelt Werden, da der Saal bereits überfüllt war und noch Tausende vergebens auf Einlaß warteten. Begrüßungsreden hielten Dr. Isaac Breuer für den geschäftsführenden Ausschuß der agudistischen Weltorganisation, A. S. Friedmann für das Zentralkomitee der polnischen Aguda, Abgeordneter L. Minzberg für die Lodzer jüdische Kultusgemeinde, Advokat Reichmann für den Klub der jüdischen Mandatare im Lodzer Stadtrat Und Jakob!Berliner für die Zeire Agudas Jisroel. Die Eröffnungssitzung stand unter dem Eindruck eines überaus interessanten Referates von Dr. Isaac Breuer (das bereits in den nächsten Tagen in Druck erscheint)!, in dem der Redner vornehmlich die im Zusammenhang mit Erez-Jisroel stehenden Probleme behandelte. Die Konferenz dauerte drei Tage und wurde Dienstag nachts mit der Neuwahl der neuen Leitung beendet. Abwehr der zionistischen Hetze gegen die Aguda. Die Zentrale der Agudus Jisroel in Polen veröffentlicht eine Erklärung, in der sie auf die letztens in der zionistischen Presse erfolgte verstärkte Hetze gegen die Agudas Jisroel hinweist und eine Aenderung in der Taktik dieser Hetze gegenüber ankündigt. Die Aguda hat bisher jeden einzelnen Fall von lügenhaften und verleumderischen Veröffentlichungen mit einer Berichtigung beantwortet, ohne daß diese Art des Pressekampfes gegen die Orthodoxie eingestellt worden wäre. Nunmehr wird die Zentrale ■der Agudus Jisroel in jedem solchen Fall •bei!dem•!zuständigen!Gericht Klage e i,n!br i;ng en״ Die erste Klage wurde bereits gegen die zionistische Zeitung ״Das neue Wort“ eingebracht, die in einer ihrer letzten Ausgaben eine erlogene Veröffentlichung über die Agudas Jisroel brachte. Hoffen wir, daß dieser Beschluß der Aguda die jüdischnationale Journalistik zur Besinnung bringen wird. Kampf gegen UnglUcksifäljle in Tel-Aviv. Nach einem Bericht des ״Roten Magen David“, der jüdischen Sanitätsorganisation, sind in Tel-Aviv im Jahre 1934 4046 Unglücksfälle vorgekommen׳, davon 1344 Unglücksfälle bei der Arbeit und 934 im Straßenverkehr. In den ersten drei Monaten des Jahres 1935 sind 1563 Unglücksfälle )n Tel-Aviv registriert worden, davon 520 bei der Arbeit und 471 im Straßenverkehr. Wenn man die Ziffern des ersten Vierteljahres 1935 auf das gesamte Jahr umrechnet, so würde sich ergeben, daß, da der Anteil der Straßenverkehrsunfälle im Jahre 1934 32 Prozent der gesamten Unfälle betragen hat, im Jahre 1935 er auf 33 Prozent steigen würde. In der jüdischen Oeffentlichkeit werden energische Maßnahmen zur Verhinderung von Unglücksfällen gefordert. " Nach ansfrengender ArbeH Franzbranntwein Um (tkötUzistke UötäQstatiUet n) Unterdessen widmete sie sich mit aller Energie der Erziehung ihrer kleinen Atalja und Matan half ihr getreulich" dabei. Die junge Prinzessin versprach ihren Lehrern und ihrer Mutter viel. Was bei der Mutter kalt berechnende Politik war, wurde bei ihr zum schrankenlosen Fanatismus. Ein tükisch grausames Kind war sie, leidenschaftliche Zuschauerin der Verstümmelungen und und Verletzungen,* welche die Diener und Dienerinnen des Baal und der Astaroth sich beibrachten. Frühreif verachtete sie die Schwächlichkeit ihres Vaters und bewunderte die Geschmeidigkeit der Energie des Matan. Der sagte eines Tages in einer verschwiegenen Stunde zu Isabel: Du Unvergleichliche, ich glaube die Zeit ist da. Daraufhin bat Isabel den Achah, er solle doch einmal am anderen Morgen dabei sein, wenn sie die Prinzessin in ihre hohe Aufgabe einführe. Er kam und traute seinen Augen kaum, als er, von Dido in ein denkbar einfaches Zimmer geführt, Isabel im tiefschwarzem Gewände mit tragischem Ernst über ein einfaches Kästchen gebeugt sah. Sie verdeckte es rasch, als Achab eintrat. Als wollte sich ihr glühendes Auge in ihn bohren, so blickte sie ihn an, lockend und streng abweisend zugleich. ״Achab, heute will ich ein doppeltes Werk vollenden, Athaljahs und deine Erziehung.“ Mit erhobenem Arm gab sie an eine Triangel drei leichte Stöße. Kaum waren die melodischen Töne verklungen, da öffnete sich die Tür und im gemessenen Schritt trat Athaljah ein, die heute zum erstenmal das kleine Diadem der Prinzessin trug. ״Athalja lege dein Geschmeide ab, denn heute will ich dich mit einer großen Aufgabe betrauen; heute wollen wir, ich und dein Vater, dir den Weg deines Lebens zeigen.“ Athaljah gehorchte stumm. ״In diesem Kästchen“, begann Isabel, ״oder vielmehr in dem, was es nicht enthält, ist, wenn du willst, Athaljah, deine Zukunft geborgen. Doch zuerst laßt mich euch erzählen von altersgrauen Zeiten. ■ War einst ein stolzes, wunderbares Weib aus dem Blute des Kajins. Ein Glänzen ging von ihr aus, wie von d^n Strahlen der aufgehenden Sonne, wenn sie spielen mit dem wirbelnden Schaum des brandenden Meeres. Heiß wallte ihr Blut, Kajins Erbe. Naeme hieß sie. die bezaubernd Schöne, Sie wurde das Weib des Noach. Der war geruhsam und still. Ihr erstes Kind nannte sie Cham, den Heißen. Er war ganz das Ebenbild seiner Mutter und liebte den Vater nicht. Noch zwei Brüder hatte er, der eine hieß Sem und ward das Ebenbild des Vaters. Während! des großen Sterbens entfremdete sich Noach der Naöme. | Diese litt darunter und als ein neues Leben beginnen und sprießen sollte, da rächte Cham seine Mutter Naeme. Er spottete seines Vaters und verwundete ihn so, wie zum Andenken an diese gewaltige Tat — du weißt Athaljah — ■ sich heute unserer Priester des iBaal und der Astaroth in ‘ höchsten Entzückungen verwunden. Er und seine Mutter ragten' über allen Menschen, sie waren göttlich. Und in unserer Astaroth verehren wir Naeme, in unserem Baal den Cham.! Denn wir sind seines Blutes. Chams Sohn hieß Kenaan. Einst, Athaljah, haben die Urahnen deines Vaters, wie sie sagten, auf Befehl der Macht, die sie für den Schöpfer der ■Erde hielten, uns vom Blute Kenaans verfolgt, verjagt aus diesem;Lande. Aber an Sidons Wall brandete ihr Erobererwille vergebens.“ Und plötzlich erhob sich Isabel empor und riß Athaljah an sich. Minuten erschütternden Schweigens. Und dann rief sie: . ״Höre, Achab: Wir, dein Kind und ich, wir werden Kenaan rächen. Liebst du mich, so wirst du mir helfen." Dann senkte sich ihre Stimme und fuhr geheimnisvoll fort: ״Hier in diesem!deinen Kästchen, das ich hiermit dir, Athaljah, als Zeichen meines Vertrauens zu der Größe deines Geistes und zur Stärke deines Willens übergebe, Hegt der Weg gezeichnet.“ Dann riß sie mit pathetischer Handbewegung ein schwarzes Tuch von dem Kästchen und da erblickte man auf kostbarem serischem .Seidenstoff aufgeheftet zehn unscheinbare, kleine Tuchfetzen. Mehr nicht. Erstaunt blickte Achab und Athaljah auf diese nichtssagenden Tuchlappen. ״Sehet genau hin, da ist noch Platz für zwei Fetzen. Dieses Kästchen enthält Geschichte und Verheißung. Dein Vater Omri hat es aus der Schatzkammer seiner Vorgänger auf dem Throne gebettet. Mit diesen zehn Fetzen, in die er den Mantel zerriß, hat einst Achija dem ersten König dieses Landes den Weg gezeigt, wie er zehn Stämme von Jerusalem und seinen! Heiligtum lösen könne. Aber zwei Fetzen hat Achija zurückbehalten. Ich aber werde nicht ruhen, bis auch die zwei Tuchstückchen den für sie bestimmten*Platz in diesem Kästchen einnehmen. Geht es auf friedlichem Weg, um sq besser. Wenn aber nicht, dann Achab, wirst du gegen Schwester und Schwager ins Feld ziehen. . Vorläufig werden wir es in anderer Weise versuchen und der erste Sieg wird sich an den Namen von Jericho und von Ghlel knfipfen. Nun gehet.“ Achab schwieg, Athaljah nahm das Kästchen an sich. Dieser Augenblick war der Höhepunkt im Leben der Träume der phönicischen Königstochter Isabel. (Fortsetzung folgt.) Nr. 27 Tagung des* westeuropäischen Gruppen der Agudas Jisroel in Antwerpen. Die Westeuropäischen Gruppen der Weltorganisation Agudas Jisroel werden vom 9. bis zum 13. August in Antwerpen eine Tagung abhalten. Auf ihr werden die neuen Entwicklungen ifi Palästina sowie Probleme des polnischen Judentums behandelt werden. Im Rahmen der Tagung werden öffentliche Versammlungen in Antwerpen und Brüssel stättfinden. Jüdisches Martyrium im Hitlerreich. Wie die J. T. A. kürzlich aus Deutschland gemeldet hat, waren auf Anweisung von höherer Stelle die judenfeindlichen Demonstrationen während der Zeit der Flotten- Verhandlungen mit England in Deutschland unterblieben. Nunmehr hat nach dem erfolgten Abschluß der Verhandlungen eine um so schärfere Judenverfolg u n g eingesetzt mit dem Ziele, den Juden das Leben so unmöglich zu machen, daß sie den Gedanken an ein Verbleiben in Deutschland ganz aüfgeberi. Nachdem in der vorigen Woche das Organ des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, die ״C.-V.-Zeitung", auf drei Monate verboten wurde, erging jetzt an die Berliner Jüdische Gemeinde von der Geheimen Staatspolizei die Aufforderung, keine Ver- Sammlungen abzuhalten. Gleichzeitig mit diesen Maßnahmen hat eine o r g anisierte Hetze mit Ausschreitungen gegen die Juden in Berlin und in der Provinz eingesetzt. woclic 13if [fflggi x » Wo cIb c JßmL ,Der antisemitische Handels- und Industriellenverband in Litauen fordert die gesetzliche Pflicht zum Offenhalten der jüdischen Geschäfte am Samstag, weil die Bauern am Samstag wegen der geschlossenen jüdischen . Geschäfte nicht in die Städte kommen, wodurch auch die nicht jüdischen Kaufleute Schaden leiden. 9 In E r e z J is r o el ist eine Bauchtyphusepidemie auf getreten, die sich im ganzen Lande, besonders heftig aber in Hulda, einer der Siedlungen zxoischen den judäischen Hügeln, ausbreitet. Von den 90 Mitgliedern dieser Siedlung sind SO erkrankt. Drei Todesfälle ■werden verzeichnet. 9 Wie die palästinensische Tageszeitung ״Dawar“ meldet, sind gegenwärtig 5000 deutsch-jüdische Auswanderer in der palästinensischen Landxoirtschaft tätig. 9 Auf der Strecke J ass y—K i s c h i n e w> wurden im Schnellzug jüdische Passagiere, darunter eine Frau und ein Kind, v'on betrunkenen Studenten angegriffen und geschlagen. Die Gendarmerie, die den Vorfall untersuchte, hat die Huligans freigesprochen. 9 Die Stadtverwaltung von Tel-Aviv hat den Haushaltsplan für das Jahr 1985186 angenommen. Als Einnahmen ist ein Betrag in Höhe von 422.500 Pfund vorgesehen, für Ausgaben 485.500 Pfund. Der Fehlbetrag beträgt also rund 11.000 Pfund. 9 Ein Polizeiwachtboot hat in der Nähe von Akko ein syrisches Segqlschiff angehalten. Zwölf Personen sind unter der Beschuldigung, daß sie illegal nach P a l ästina einwandern wollten, verhaftet worden. Elf von ihnen sind Juden, einer ein Araber. 9 Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, sind im Monat Juni 4186 Juden nach Palästina eingewandert. Mitteilungen über die Verteilung auf die einzelnen Einwandererkategorien sind vorläufig noch nicht zu erlangen. Aus Warschau sind 100 Juden nach Südamerika ausgewandert. Sie sind von ihren dortigen Verwandten angefordert worden. Im Alter von 75 Jahren ist in London Sir Francis Montefiore, :der Erbe der Baronettswürde Moses Montefiores, gestorben. Sir Francis war Vorsitzender des Aeltestenrates der Londoner sephardischen. Gemeinde. 9 Das Gericht in N azaret hat zioei Araber unter der Beschuldigung, den jüdischen Kolonisten von Afuleh, Blonder, ermordet zu haben, zum Tode verurteilt. 9 Die Abteilung für die Ansiedelung deutscher Juden hat die Errichtung von 20 Häusern für Einwanderer aus Deutschland in der im Exnek Chef er (Waadi Haxoarith) errichteten Kolonie Kfar Jedidja in Angriff genommen. Die Baukosten betragen 7000 Pfund. Die Kolonie wird bekanntlich aus Mitteln geschaffen, die von den ägyptischen Juden für deutsche Juden gesammelt wurden. Der Lodzer Stadtrat wurde von der Regierung aufgelöst. Die antisemitischen Nationaldemokraten inszmierten bekanntlich in letzter Zeit wiederholt •im Lodzer Stadtrat schwere Tumulte, bei denen mehrere jüdische Stadtverordnete verletzt wurden. 9 Der Kongreß der englischen Friedensgesell- 'schäften sandte ein Schreiben an die deutsche Gesandtschaff, in ,welchem erklärt wird, daß die deutsch-englischen Beziehungen infolge der Entrechtung und Verfolgung der Juden in Deutschland werden leiden müssen. 9 In der Zeit von 1918 bis Ende 1984 sind aus Polen 404.020 Juden ausgexoandert, davon 360.653 nach Uebersee. In der Zeit zxoischen 1924 und 1934 sh1d aits Polen 151.011 Juden ausgewandert, davon 40.611 nach den Vereinigten Staaten, 48.950 nach den Ländern Südamerikas, ßO.402 nach Palästina. In der Statistik sind die Axiswanderer nach den Ländern des europäischen Kontinents nicht berücksichtigt. Die polnische Presse berichtet, daß in B e?•- lin Vei'handlxmgen betreffend ein Handelsabkommen zxoischen Polen uxxd Dexitschland eröffnet xoxirden. Bei diesen Verhandlungen sollen die Deutschexi auf den starken Rückgang der Exporte axts Dexitschland nach Polen als Folge des Boykotts deutscher Waren dui'ch die polnischen Juden aufmerksam gemacht haben, 9 Der Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde hat an die Gemeindemitglieder das dringende Ersuchen gerichtet, sich in der Oeffentlichkeit, insbesondere auch hi Gaststätten und Lokalen, stets der gebotenen Zurückhaltxmg zu befleißigen. 9 Das polnische Finanzministerium hat beschlossen, die Lizenzen der Wein- und Spiritushändler in Polen ■nicht zu erneuern. Durch diese Maßnahme würden 20.000 jüdische Familienväter, die in diesem Wirtschaftszweig tätig sind, brotlos werden. 9 Aus Warschau sind in dieser Woche dx'ei Sonderzüge mit 1250 Ausxoandex'ern und 80 Touristen, zxisammen 1380 Personen, in die Richtung Palästina abgegangen. H. Grün, Taborstraße 8 b, Tel. R-42-3-66, Atelier für feine Herrengarderobe ®