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Jüdische Presse · 1935-07-12 · 27 (12.7.1935) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
21 (1935)
Issue
27 (12.7.1935)
Date
1935-07-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Zeitongie« fiäi Verleger versendet Journal exfädfö par F6dm«f ....J riadit pm « m. ummm *Wmti V.b.b. 30DI9GH6" PDCfifiC rnvvvv WI£N*BRATISLAVA 1h Mi 1m י״א תמו? תויצ״ה 21 Jahrgang / Nummer 27 Redaktion and Administrationi Wien, II., Malz* , gasse 12 a, Telephon A-46-0-15; Tschechoslowakei:; Bratislava, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschiaß: Mittwoch Mittag Abönnementprelse: Ganzjährig! für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei KO 80, Jugoslawien Dinar 150, das übrige Ansland Schw. Fr. 14. Einzelnummer äst, Gr. 40.. Zahlungen f. ״Jüdische Presse״, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr, 120.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. Vm, 4117, Berlin Nr. 122.019. 0RGnn für 018 1nT6Ressen Des 0RTH0D0Hen juDervrums Vor lästigen Vorfärbungen schützt ODOL-Zahnpa8ta Ihre Zähne. ODOL- Zahnpasta reinigt gründlich, ODOL- Zahnpasta macht Zähne wie Perlen 1 Kleine Tube S 90.־־־ Größe Tube S 1.40 KAFFEE HAG sckattt'Uesjz undftewm/ Kirschen- Öpekta Rein aus.. Fruchten gewonnen Die rituelle Zuverlässigkeit von ״Opekta“ wurde von Rabbiner Dr. Carlebach, Köln, in folgendem Schreiben attestiert: Nach eingehender Besichtigung der Herstellung des Einmachmittels ״Opekta״ (in flüssiger Form) vom Rohmaterial bis zur Abfüllung in die zum Verkauf gelangenden Flaschen habe ich mich davon überzeugt, daß ״Opekta״ ein rein pflanzliches Produkt ist, ohne Beimischung irgend welcher religionsgesetzlich nicht zulässiger Stoffe, Daher kann ״Opekta“ unbedenklich in jedem jüdischen Haushalt verwendet werden. Der Rabbiner der Synagogengemeinde ״Adas Jeschurun“, Köln: (gez.) Dr. Oarlebaoh (Rabbinatssterapel.) Marmelade bereiten Sie \ / Wahlen und Zahlen. Im großen Getue um die Wahlen zum ״Zionistenkongreß“ ist diesmal wohl alles auf die Beine gebracht worden, was im jüdisch-nationalen Sinne kreucht und fleucht. Und nun, da der Lärm vorüber ist und der Ernüchterung Platz machen muß, liegen die Ziffern vor, die immer eine nüchternere Sprache sprechen als die Parteiredner, und die überdies; noch den Vorzug haben, daß sie weniger demagogisch und daher auch etwas wahrheitsgetreuer sind. Hier läßt sich einmal mit Wahrheit röntgenisieren, was sich sonst hinter der Parteiapparatur gut bemänteln läßt. Nur von diesem Standpunkt aus interessieren uns die letzt stattgehabten Wahlen zum ״Zionistenkongreß‘'. Wir nehmen das Ergebnis unter die Lupe und da zeigen sich auch für uns nicht uninteressawte Dinge. Insgesamt steht fest, daß der Gesamtkongreß eine linke, und zwar eine sehr ■bedeutende linke Mehrheit aufweisen wird. Ob und inwieweit die Vorwürfe der Rechten berechtigt sind, die da behaupten, daß diesem Ergebnis wesentlich nach geholfen wurde •— es wird von!Summen nicht unter 20.000 Pfund gesprochen — das zu untersuchen, ist nicht unsere Sache. Die Tatsache seihst ist jedoch zu ־reg&Merenj'Haß in einer Zeit, in der die Linksorientierung jüdischer Kreise zur jüdischen Katastrophe wurde, in der zionistischen Organisation diese Richtung noch immer Oberhand hat. Wir rechten dabei nicht mit dem Marxismus im allgemeinen, weil Politik grundsätzlich nicht unsere Sache ist, wir rechten nur mit dem jüdischen Marxismus, weil wir Juden sind. Und nun zum österreichischen Wahlergebnis, In ganz Oesterreich wurden,dieses Jahr insgesamt ungefähr 17.000 JSchekalim“ verkauft. Man sollte doch also annehmen, daß diese 17.000 ״Schekalim" an 17.000 tat- und opferbereite Zionisten verkauft wurden. Und siehe da, zur Wahl erschienen.sage und schreibe 12.000. Wenn es natürlich auch möglich ist, daß die 5000- Nichtwähler einfach aus Indolenz nicht kamen, so ist doch anderseits auch die Vermutung nicht von der Hand zu weisen, daß diese 5000 Wähler fiktiv sind. Aber angenommen, alle 17.000 Mann existierten, durch deren Adern blau-weißes Blut fließt, so sind das gerade knappe zehn Proz e n t der jüdischen Bevölkerung von Wien. Bei der straffen Organisation der Jüdischnationalen und bei ihren raffinierten Propagandamethoden darf wohl als feststehend angenommen werden, daß sie alles, was unter ihrer Flagge segelt, zur Urne gebracht haben. Das Ergebnis davon, ist also die gründliche und endgültige Zerstörung des Märchens von der Wiener ״zionistischen Mehrheit“. Mit allen Provinzzionisten zusammen gibt es unter der österreichischen Judenheit keine 10 Prozent Zionisten und eine erdrückende Majorität von 90 Prozent der jüdischen Bevölkerung steht dieser geräuschvollen Minorität gegenüber. Noch ein Spezielles hat das Wahlergebnis offenbart, das deutlicher überhaupt nicht in Erscheinung treten konnte. Die jüdische Orthodoxie Oesterreichs erhält bei jeder Aktion von den Para de orthodoxen der Wiener Klutusgemeinde einen Dolchstoß, von jenen Pgradeorthodoxen, die in der zionistischen Fraktion ״M i s r a c h i“ vereinigt sind. Dieser ״Misrachl“ hat nun in ganz Oesterreich sage und schreibe 822 Stimmen und kein einziges Mandat erreicht. Eine klarere Beleucht/ung der Bedeutungslosigkeit dieser Zwittergruppe ist wohl nicht möglich. Das ist die Gruppe, die sich von der zionistischen Kultusgemeindemehrheit willfährig dazu mißbrauchen ließ, ״namens der religiösen Judenheit Oesterreichs“ gegen die Selbständigkeitsbestrebungen der wahren jüdischen Orthodoxie dieses Landes zu petitionieren. Grotesker noch als in Oesterreich ist die Situation in Erez Jisroel. Unter den mehr als 300.000 Juden im Lande selbst sind trotz des rollenden Pfundes nur ungefähr 100.000 Schekalim verkauft worden. Von 40.000, die davon in Tel-Awiw stimmberechtigt waren, hat der ״Misrachi“ 600 erhalten. Dieses Schicksal hat er ehrlieh verdient. Fünfzig Jahre lang versucht diese Partei, ihren Anhängern einzureden, daß sie religiöse Interessen wahrt, daß sie den religiösen Aufbau überwachen und durchsetzen will. Seit 50 Jahren hat diese Partei auf allen Kongressen protestiert und seit ebensovielen Jahren wurde sie von der immer areligiösen Mehrheit abgelehnt. Von Anbeginn an aufgefordert, die Konsequenz aus den Mehrheitsverhältnissen zu ziehen und aus der Organisation auszutr'eten, hat der Misrachi, weil er nicht wollte, nie den religiösen Gedanken zu Ende gedacht und 'er. ist trotz der klaren religionsgesetzUchen Bestimmüngeri in״ der“ zionistischen Weltorganisation verblieben. Was Wunder, daß die ernsthaft religiösen kreise sich von dieser Partei abgewendet und auch dort, wo sie jüdischnational orientiert waren, diese Partei verlassen haben. Alles in allem ist es heute klar, daß die zlonis tische Organisation in ihrer Mehrheit areligiös, Unksorientiert und der sich religiös gebärdende Flügel der Rechten zur klägUchen Ohnmacht verurteilt und zu lächerUcher Bedeutungslosigkeit herabgesunken ist. Die Fronten haben sich geklärt und die Zahlen haben eine deutUche Sprache gesprochen, deren Konsequenz darin besteht, daß 90: Prozent des Judentums, sieh zur jüdischen reUgiösen Idee und kaum 10 Prozent zur areligiösen jüdischnationalen Idee bekennen. Die Aguda beim polnischen Minister- Präsidenten. Die in de|r letzten Woche stattgehabte längeire Beratung zwischen dem polnischen Minister- Präsidenten Slawek und der politischen Kommission der Agudas Jisroel, bestehend aus Rabbi Aron Lewin, Abgeordneten Minz: berg und die Präsidenten Mazur und Trockenheim, bildet in allen jüdischen Kreisen den Gegenstand eifriger Diskussion. Unter anderem wurden auch die in einigen Provinzorten in deir letzten Zeit vor sich gegangenen antisemitischen Exzesse bcsprachen und der Ministerpräsident gab hiezu die Erklärung ab, daß die Regierung alle Vorkehrungen treffen werde, damit eine Wiederholung solcher Vorfälle unmöglich gemacht wird. Ddn wichtigsten Punkt der Beratung bildete die Frage der jüdischen Vertretung im Sejm und Senat nach der neuen Wahlordnung. Deo* Ministerpräsident äußerte seine Ansicht in dieser Frage dahingehend, daß im künftigen Sejm und Senat die jüdische Bevölkerung jedenfalls durch mehrere religiöse jüdische Deputierte vertreten sein soll. In Ausführung des Beschlusses de« Zentralrates der polnischen Aguda, hat sich das Zentralkomitee der Aguda inzwischen wegen einer geeinigten jüdischen Wahlliste an die verschiedenen jüdischen Gruppen gewendet. Wien l, Kärntnerrins Nr. 6 Fernsprechnummer u-M-0-16

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