Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 21 (1935)
- Issue
- 26 (5.7.1935)
- Date
- 1935-07-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2629891-2630587-2630613--5035-2637303- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2 JÜDISCHE DRESSE Nr. 26 religiösen Juden eignet. Schon die Gemoro sagt: Immer lehre man seinem Sohn ein Handwerk. Kein einziges Hand* werk wird jemals überflüssig. Kerner; sieben Jahre war Hungersnot* aber zur Tür eines guten Handwerkers kam sie nie. Vom Kaufmannsberuf aber sagt die Gemoro, daß dieser oft zu Betrug und Schwindel führe. Am ehesten er* möglicht das Handwerk ein Verbleiben bei der Frömmigkeit. Es bietet wie zu allen Zeiten die größten Aussichten, dehn es ist in allen Ländern in gleichem Ausmaße unentbehrlich. Selbstverständlich stellt auch das Handwerk die religiöse Festigkeit des jüdischen Menschen vor schwere Proben. Um diesen Versuchungen standhaft Widerstand leisten zu können, ist für ein jüdisches Kind der Besuch einer Jes.chiwoh unerläßlich. Nur dort kann es sich die notwendige jüdische Bildung und die damit verbundene religiöse Charakterfestigkeit erwerben. Ist ein Junge so vorbereitet, dann kann man ihn getrost irgend ein Handwerk lernen lassen und die jüdischen Meister haben die u n b e d i n g te Verpflichtung, nach Möglichkeit religiöse Menschen anzustellen. Doch ist mit einer Anstellung diese Pflicht, die einem die Thora auferlegt, noch nicht erfüllt. Der jüdische Handwerker muß sich darum sorgen, die ihm anvertraute jüdische Seele auch außerhalb der Geschäftszeit vor allen Gefahren zu schützen, um sie dem religiösen Judentum zu erhalten. Tut er dies, dann leistet er noch mehr als der Vater, denn er hat dem jüdischen Jungen einen Beruf gelehrt und ihm Ewigkeitswerte vermittelt, wie die Mischnoh sagt: ורב שלומדו הבמה מביאו לדדי עולם הבא Aus Erez Jisroel. Die orthodoxen Gemeinden und der Völkerbund. — Was will der Misraehi? — Oeffentliche Sitzung des Aguda- Landesvorstandes. — Die Mädchenbewegung. — Ausbau des agudistischen Kibbuz in Kfar Saba. Die Verhandlungen rund um die öffentlichrechtliche Anerkennung der ortho.doxen Gemeinden im Heiligen Lande nehmen ihren Fortgang. Wie die Regierung der Agudas Jisroel mitteilt, ist sie eben mit dem Studium des umfangreichen Memorandums der Agudas Jisroel befaßt und sie wird in Kürze ihre Ansichten präzisieren. In dem Bericht, den die Palästina-Regierung der Mandatskommission des Völkerbundes vorgelegt hat, finden auch diese Verhandlungen Erwähnung. Die Regierung erklärt in diesem Bericht, daß die Verhandlungen seinerzeit, wegen der Gemeindewahlen unterbrochen werden mußten. Die von langer Hand vom Misraehi vorbereitete Aktion gegen die Selbständigkeitsbestrebungen der Orthodoxie ist nun endlich in Erscheinung getreten. Eine Reihe von misrachistischen Rabbonim, die in einem Abhängigkeitsverhältnis zur Knesseth Israel stehen•, haben einen Aufruf unterfertigt, in welchem sie die Errichtung selbständiger orthodoxer Gemeinden als verboten erklären. Man kann sich lebhaft vorstellen, was von diesem ״Verbot“ zu halten ist, das im Gegensatz zu den autoritativen Entscheidungen aller maßgebenden Thorakapazitäten des vergangenen Jahrhunderts steht, und man kann auch sicher sein, daß der ״Beschluß" dieser ״Rabbiner“-Versammlung bei den zuständigen Regierungsinstanzen denselben lächerlichen Eindruck machen wird, den wir von ihm gewinnen. . Am 10. Siwan fand die in allen religiösen Kreisen des Heiligen Landes sehnsuchtsvoll erwartete erste öffentliche Sitzung des Landesvorstandes der Agudas Jisroel in feierlichem Rahmen statt. Oberrabbiner Duschinsky, der bei dieser .Gelegenheit zum ersten Male die neuen Agudalokalitäten iadagetm HeMe m Wm. Vergangenen Donnerstag traf — wie angekündigt — Großrabbiner M. Friedmann, Sadagora- Przemysl, in Wien ein und wurde am Bahnhof von zahlreichen Freunden und Anhängern feierlich empfangen. Der Sadagoraer Rebbi, der dem G. A. der Agudas Jisroel angehört, erfreute sich in Wien stets großer Verehrung. Er ist auch jetzt Gegenstand herzlicher Begrüßung all der vielen Besucher, die ihm ihre Aufwartung machen. יהי בואו שלום! י}• Großrabbiner M. Friedmann hatte die Freundlichkeit, unserem Schriftleiter eine längere Unterredung zu gewähren, aus der wir folgende, von ihm geäußerte Gedankengänge wiedergeben: Agudas Jiscael und iwz Jiswet, Die Tätigkeit der Agudadelegation, die jüngst im Heiligen Lande weilte, ist als ein Markstein in der Entwicklung der Agudas Jisroel in Erez Jisroel zu betrachten. Ein entscheidender Anfang ist getan und wir dürfen hoffen, daß nun eine zielbewußte und aufstrebende Agudatätigkeit beginnen wird. Es ist nur bedauerlich, daß der Agudadelegation nicht Vertreter aller Landesorganisationen zugezogen wurden. Wie die Verhältnisse heute liegen, wäre besonders die Gründung von Kibbuzim nach der Art des Kibbuz ״Chofez Chajim“ zu forcieren, weil diese Kibbuzim die beste Gewähr für die Schaffung von Existenzmöglichkeiten für junge Agudisten bieten und andererseits doch nicht zu viel Kapital erfordern. Daß dabei die Fortführung der größeren kolonisatorischen Tätigkeit, wie in Machne Jisroel, nicht vernachlässigt werden darf, ist mehr als selbstverständlich. Ich will diese Gelegenheit, erklärte Großrabbiner M. Friedmann, nicht verstreichen lassen, ohne darauf hinzu weisen, wie nötig eine weitere Stärkung des Vertrauens zur Leitung der Agudaweltorganisation und größere Opferfreudigkeit sind. Das historische Beispiel zeigt uns, daß schon beim Maase-ho’Egel, wo alle ihren Schmuck, ihr Gold und Silber hergegeben haben, niemand danach fragte, wo all dies Verwendung fand. Galt es aber, das Mischkon zu erbauen, da — so überliefert uns der Midrasch — fanden sich schön die Kra* keeler, denen die Gebarung nicht einwandfrei erschien. Derartigen unfruchtbaren Nörgeleien muß ein Ende bereitet werden. Gans besonders wichtig erscheint dem-Sadagora-er besuchte, hielt eine anfeuernde Ansprache. Rabbi Mosche Blau erstattete hierauf einen umfangreichen Tätigkeitsbericht. Nach einem weiteren Referat von Rabbi Henoch Senkowitz setzte eine lebhafte De* batte ein. Lebhaftes Treiben macht Sich jetzt im Rahmen der Aguda-Mädchenbewegung geltend, die jetzt in Herrn Redakteur Friedensohn einen bekannten Führer zu Gaste hat. In zahlreichen Ver* Sammlungen hielt Herr Friedensohn Referate, die überall mit großem Beifall aufgenommen wurden. Die Segensreichen Folgen der vollzogenen Vereinheitlichung in der gesamten Agudatätigkeit durch die Schaffung einer Expositur der Aguda-Welt- Organisation werden nun von Tag zu Tag sichtbarer. Die Zentrale geht jetzt daran, den agudistischen Kibbuz in Kfar Saba wesentlich auszubauen und die nötigen Wohnbauten zu errichten. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß der palästinensische Hilfsfonds für die deutschen Juden seine Mithilfe in Aussicht gestellt hat, da es sich in Kfar Saba nahezu durchwegs um agudistische Olim aus Deutschland handelt. Menachem Glikman-Porusch. Kanadische Regierung und Parlament für jüdische' Einwanderung. Auf der in Montreal abgehaltenen Jahresver- Sammlung der Gesellschaft für Hilfeleistung an jüdische Einwanderer teilte der Direktor der Gesellschaft, J. Paul, mit, daß die kanadische Regierung der jüdischen Ein- Wanderung nach Kanada günstig gegenübersteht. Eine größere Anzahl deutscher Juden ist bereits während des• Jahres nach Kanada gekommen; viele Ausweisungen von Juden wurden zurückgenommen. Das jüdische Mitglied des kanadischen Pariaments, S. W. Jacobs, erklärte in einer Ansprache an die Versammlung, daß fast alle 245 Mitglieder des Pariaments den Juden gegenüber eine wohlwollende Haltung einnehmen. Raummangels halber entfällt diese Woche die Fortsetzung der Erzählung ״Eine phönizische Königstochter“. Wenn. Raucher der Verfärbung der Zähne vorbeugen wollen, dann hilft nur die regelmäßige, tägliehe Pflege mit ODOL- Zahnpasta. Kleine Tube S —.90 Größe Tube S 1.40 Rebbe die Heranbildung von echten Aguda-Hachscharisten, wie. die Erez-Jisroel-Pioniere der Aguda in Polen genannt werden, welche mit wahren Messirashanefesch bei ihrer Alijah nach Erez Jisroel für das doppelte Ziel, den Aufbau des Landes und den Aufbau der Thora im Lande, ihre besten Kräfte hergeben. dU Aguda U*■ Voten hat. sieb. m. G. H. zu einer großen Massenbewegung entwickelt., die das ganze jüdische Leben umfaßt. Die agudistische Pres.se, die an Umfang und Verbreitung die anderen Parteiblätter überragt, greift heute in alle Verästelungen des Lebens ein, auch wenn diese nur im entferntesten Zusammenhang mit der religiösen Lebensauffassung stehen. Es ist auf diese Weise gelungen, den Nachweis dafür zu erbringen, daß der Thoramensch nicht weltfremd ist und daß er die Fähigkeit hat, für seine und seiner Brüder Interessen überall dort, wo es nötig ist, mit Erfolg einzutreten. Während die Agudas Jisroel in Polen sich in die Defensive zurückgezogen hat und in ihrem Verteidigungskampf gegen die Anfeindungen der Gesinnungsgegner sich nur fairer Methoden bedient, wird sie von den anderen Parteien in den verwerflichsten Formen befehdet. Verunglimpfungen und Entstellung von Tatsachen sind an der Tagesordnung. Aber —־ ergänzte Großrabbiner M. Friedmann — das religiöse Judentum hat sich leider an diese Art des Bekämpftwerdens schon gewöhnen müssen. Und es ist nur bedauerlich, daß dieser Kampf wertvolle Kräfte absorbiert, die besser für positive Aufbauarbeit hätten verwendet werden können. Es wäre vielleicht hesser, sich weniger mit den Gegnern zu befassen und sich in noch stärkerem Maße der Tat zuzuwenden. Die Tat war immer das beste'Argument und sie wird es auch Weihen. Die Tat zu setzen, ist jedoch Aufgäbe der Jugend. AgudisUscUe Aufgaben ln öestewticU* Ich hoffe, schloß Großrabbiner M. Friedmann״ daß auch die österreichische agudistische Jug e n d sich ihrer verantwortungsvollen Aufgabe bewußt ist und daß auch sie nichts unversucht läßt, um die weitesten Kreise der Wiener jüdischen Jugend für die Aguda-Idee zu gewinnen. Ich würde es begrüßen, wenn auch hier denjenigen, die durch ihre Heirat dem Kreis der Jugend entwachsen sind, Gelegenheit geboten wäre, innerhalb der Zeire Agudas Jisroel weiter mitzuarbeiten, wie dies in Polen und anderen Ländern der Fall ist, weil erfahrungsgemäß von der Zeire Agudas Jisroel in erster Linie schöpferische Leistimgen zu erwarten sind und weil es daher eine Schädigung der Aufbauarbeit bedeutet, wenn wertvolle Kräfte aus formälen Gründen von der Teilnahme an den schöpferischen Leistungen ausgeschlossen bleiben. j David Türk!. Jüdische Berufsberatung Hunderte jüdische Kinder verlassen dieser Tage die Schule lind sollen nun den Weg ins Berufsleben finden. Die hange Frage wirft sich den Ettern auf, wel* ehern Beruf sie ihr Kind zuführen sollen und wie es ihnen möglich sein soll* eine geeignete Lehrstelle zu finden. Der Verband der Sabbathfrennde ״Schoftire sehabbo s“, dessen Stellenvermittlung seit Jahren eine segensreiche Tätigkeit entfaltet, hat es sich zur Aufgabe gemacht, den jüdischen Eitern in dieser Hinsicht weitestgehende Unterstützung angedeihen zu lassen. Ab Sonntag, den 1. Juli, wird jeden Sonntag von 10 bis 12 Uhr vormittags im Büro des ״Schomre Schabhos“ eine aus Fachleuten zusammengesetzte Kom* mission tätig sein, nm den jüdischen Eltern und ihren schulentwachsenen Kindern alle Ratschläge und Auskünfte in Berufsfragen zu erteilen. Es wird die Aufgabe des ״Schomre Schabbos“ sein, den durch die oherwähnte Kommission einer Berufsberatung unterzogenen jüdischen Jungen und Mädchen ehemöglichst zu einer für sie geeigneten Lehrstelle zu verhelfen. Es ergeht bei dieser Gelegenheit neuerlich der Appell an die jüdischen Kaufleute, Gewerbetreibenden und Handwerker, Arbeitskräfte aller Art durch die kostenlose Stellenvermittlung des ״Schomre Schabbos“ (II., Maizgasse 12a, Telephon A-46-0-15), anzufordern. L|־ltM Woche j||lP fJPlb v.!י Wo dt c Jßm,. Der perzentuelle Anteil Palästinas am W elthandel hat sich seit dem Jahre 1929 in seinem Werte genau vervierfacht. Am Montag, den 2Jt. Juni, reisten 650, am Mittwoch, den 26. Juni, 300 Juden aus Polen, erstere über Konstantza, letztere über Triest, nach Palästina ab. Wie ״Official Gazette“ in ihrer letzten Nummer mitteilt, kamen im Mai 1935 Jf008 jüdische Ein 10 a nderer nach Palästina. Davon gehören 351 der Kapitalistenkategorie an; sie haben also eine Summe von weit über 350.000 Pfund ins Land gebracht. Aus dem soeben veröffentlichten Bericht des Verbandes der Sy nag o g engem ein den Amerikas ist zu ersehen, daß die Zahl der Synagogengemeinden in den Vereinigten Staaten und Kanada zur Zeit 286 beträgt. Seit dem 1. Jänner 1935 wurden sechs neue Synagogengemeinden gegründet. , Der polnische Generalkonsul in Je rusalem, Dr. Zdzyslaw Kurnikowski, versicherte einer Ab- Ordnung,' daß die polnischen Behören nicht mehr die Absicht haben, den alten jüdischen Friedhof i n Wilna, auf welchem berühmte jüdische Rabbiner b'estattet sind, zu Assaniemngszwecken aufzulassen. Der jGeneralkonsul versicherte gleichzeitig, daß die Regierung alle Maßnahmen zur Verhinderung weiterer antijüdischer Exzesse ergriffen hat. Der bei den Unruhen in Grodno am Sabbath, den 7. Juni, schwer verletzte 50jährige Gedalia Blecher ist oeben im Hospital seinen Wunden erlegen. Das erste Todesopfer der Unruhen war der 21jährige Israel Berezowski, dessen Beisetzung sich damals zu einer eindrucksvollen Trauerkundgebung der gesamten Grodnoer jüdischen Bevölkerung gestaltete. Die ״C. V.-Z eitun g“, das offizielle Organ des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, wurde bis zum 25. September verboten. Ein Grund wurde bisher nicht angegeben. AZs Hauptschuldige an den j u den f ei n dliehen Au ss ehr ei tun ge n, die vor kurzem in S okoly bei Lomza stattgefunden haben, wurden zwei Führer der Nationaldemokraten in das Konzentrationslager Breza Kartuska gebracht. H. Grün, II., Taborstraße 8 b, Tel. R-42-3-66״ Atelier für feine Herrengarderobe. E כשר Hotel Bellevue פשר Pörtsdiadi am Wörthersee Vornehmes Haus unter streng ritueller Leitung. Herrl. Lage, direkt am See. Schöne, sonnige Zimmer mit Fließwasser. Vorzügliche internationale Küch e Volle Pension : Vor-und Nachsaison . . . . S 9.— Hauptsaison . . ..... S 12.— Seebad und Garage frei. Geöffnet von Mai bis Oktober. Verlangen Sie Prospekte!_ -TERSRENTE SPARK. ALLGEMEINE RENTEN ANSTALT I. GRABEN 20