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Jüdische Presse · 1935-07-05 · 26 (5.7.1935) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
21 (1935)
Issue
26 (5.7.1935)
Date
1935-07-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Novlnove v^platnfe povolenfe riadit post a lelegrafov v Bratlslave Clu. 41572-111-20 V. b, b. Zeitungen vom Vertag er versendet Journal e*p&Ü6 par Pdditetir 30DI8CH6 PR6SS6 WIEN - BRA T1SLA VA S. Ml 1935 ד תמוז תרצ״ה 21. Jahrgang / Nummer 26 Redaktion und Administration: Wien, II., Malz* gasse 12 a, Telephon A-46-0-15; Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschiaß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei I£ö 80, Jugoslawien Dinar 150, das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer-öst. Gr. 40. Zahlungen f. ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VHI, 4117, Berlin Nr. 122.619. oRGnn für Die imeRessen Des orthodohgo juDefvrums Der Kampf um die seMnilise orthodoxe Gemeinde in Erez Jisroel. Die ungeheure Tragik der jüdischen Entwicklung in den letzten Dezennien widerspiegelt sich grausam deutlieh in den Kämpfen, die allenthalben entbrannt sind. Jahrtausende des jüdischen Exils haben nicht genügt, um uns Juden und unserer Umwelt Klarheit zu geben über die historischen Wahrheiten und das wahre Wesen des Judentums. Was aber unserem Geschlecht Vorbehalten blieb, ist die Groteske der Irrungen. Konnten die Glaubenstreuen in den Zeiten der Versuchung, wie unter Sabbatai Zewi, dem Abfall eine einheitliche Front der Abwehr entgegenstellen, so begann die Reform diese einheitliche Front zu unterhöhlen, indem sie sich ״religiös“ zu zeigen versuchte. Diesen Versuch ins gigantische gesteigert hat der moderne jüdische Nationalismus. Die Weltorthodoxie hat erkannt, daß es zum Schutz vor diesem tückischesten aller Gegner des religiösen Judentums kein anderes Mittel gibt, als die hermetische A bsonderun g, die die Möglichkeit gibt, einen, wenn auch nur engen Kreis vor dem schleichenden Gift der jüdischnationalen Lebensauffassung zu immunisieren. Der Gedanke, daß glaubenstreue Menschen, die für die Heiligheit ihrer Ideen alles zu opfern bereit sind, nicht dauernd gezwungen werden können, in einer Gemeinschaft zu leben mit Menschen, die das Heiligste frevelhaft entweihen, gewinnt immer mehr an Raum, und selbst Staaten wie Rumänien, Jugoslawien usvv., die erst durch ihre neuen Grenzen mit dem glaubenstreuen Judentum in Berührung kamen, haben den orthodoxen Juden die Selbständigkeit gewährt. In Erez Jisroel hat der Kampf um die Selbständigkeit der Orthodoxie vor kaum einem Jahrzehnt begonnen und ist in der letzten Zeit hell entflammt. Erschütternd wirkt die Tatsache, daß. der Abfall gerade im Heiligen Lande sich im Kampf gegen die Treugebliebenen solcher Werkzeuge bedienen kann, die anderswo ihren Platz haben sollten. Der Sachverhalt ist, kurz und klar gesagt; Die Zionistische Organisation, die ihre Machtfülle dazu ausnützt, um das ganze politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben in Erez Jisroel zu beherrschen und mit ihrem Geiste zu durchdringen, hat vom Anbeginn ihrer Wirksamkeit׳ alle Funktionen des Gemeindelebens usurpiert. Erst der Wunsch nach Gemeindebildung ließ den zionistischen Machthabern die Erkenntnis dämmern, daß es doch nicht gut möglich sei, daß eine politische Organisation Schulwesen, religiöse und wirtschaftliche Funktionen in eigener Regie versehen lasse. So wurde die ״lvnesseth Israel“ geschaffen, die die religiösen und Gemeindefunktionen versehen sollte. Um aber ganz sicher zu sein, daß die ״Knesseth Israel“ nicht am Ende wirklieh zu einer wahrhaft religiösen Institution werde, wurde ihr Statut so abgefaßt, daß jedem glaubenstreuen Juden die Teilnahme an der Kn esseth Israel unmöglich wurde. Schon vor neun Jahren, als die Knesseth Israel mit dem Wahlrecht der Frauen in das politische Leben des Heiligen Landes eintrat, erhoben sich die anerkannten Führer des glaubenstreuen Judentums in Erez Jisroel und in der Gola, um die ״Knesseth Israel“ als ein untaug- 1 i c 11 e s Instrume n't für die religiöse Ge- 111 e i n d e b i 1 d u 11 g dauernd zu stempeln und die Stimme für die Bildung selbständiger orthod o x e r Gemeinden zu erheben. Am 29. Nissan 5685 fand die historische Sitzung statt, in der die heiligen!Männer des Heiligen Landes, Rabbi Chajim Sonnenf e 1 d, Rabbi Elijahu K 1 a t z k i n, Rabbi Mosche Klier s s. Z. 1. und להבחילח Rabbi Jechiel Michel Tukaz i n s k i, Rabbi Isser Salinen M e 1 z e r u. 11. v. m. die folgende wortgetreu ins Deutsche übersetzte Resolution faßten: 1. Auf Grund des Din Thora ist die jüdische Gemeinde verpflichtet, die Autorität der Thora gemäß dem Schulchan Aruch und gemäß den Entscheidüngen der Rabbinen in allen aktuellen Fragen a n z uerkennen; diese Anerkennung ist. o b 1 i g a t o r i s c h für alle Verwaltungsangelegenheiten der Gemeinden und muß die Grundlage der Gemeindeverfassung bilden. 2. Auf,Grund des Din Thora haben die Frauen kein Wahlrecht für die Organe der Gemeinde. Es ist v e r b 0 t e n, Frauen in die Leitung der Gemeinde und ihrer Organe zu wählen. Ebenso ist es verboten, sich an einem Wahlakt zu b e t e i 1 i g en, der auf Grund der Erteilung des Wahlrechtes an Frauen stattfindet. 3. Auf Grund des Din Thora kann ein nichtreligiöser Jude, der den Sabbath entweiht, die Speisegesetze Übertritt usw., nicht Mitglied eines Gemeinde- Vorstandes sein, in dem er das Recht hätte, seine Meinung über die Verwaltungsangelegenheiten einer Gemeinde von religiösen Juden zur Geltung zu bringen. 4. Auf Grund des Din Thora ist es verboten, aus der Gemeindekasse Institutionen, Unternehmungen und Bestrebungen zu unterstützen, die nicht den Thoragesetzen entsprechen; um wieviel weniger solche, die Be- Strebungen fördern, die im Gegensatz zur Religion stehen, so zum Beispiel die Unterstützung irreligiöser Schulen oder Anstalten, in denen man den Sabbath entweiht, von Küchen, in denen man נבלות וטרפות genießt und ähnliches. 5. Auf Grund des Din Thora ist es einem pflichttreuen Juden verboten, einer Gemeinde anzugehören, welche die vorstehenden Grundprinzipien nicht als Grundlage ihrer Verfassung anerkenn e n w i 11.“ Die Wirkung dieser Resolution war allenthalben eine unwiderstehliche. Die Austrittsbewegung; in Jerusalem hat Dimensionen angenommen, die alle Erwartungen übertrafen. Die Delegierte der Mandatskommission des Völkerbundes, Madame .W i x e 11, eine skandinavische Nichtjüdin, beschloß ihren Bericht an die Mandatskommission mit einem begeisterten Appell für die Ge- Währung selbständiger .orthodoxer Gemeinden in Erez Jisroel, der zu historischer Bedeutung gelangt ist. Neun Jahre lang hat die Zionistische Organisation alle möglichen Mittel angewendet, um die Konsequenzen aus dieser Bewegung, die öffentlich-rechtliche Anerkennung der orthodoxen Gemeinden, zu hintertreiben. Was sie jetzt tat, setzt ihrem bisherigen Treiben die Krone aufs Haupt. Oberrabbiner Kook beschied alle Rabbiner, die der ״Knesseth Israel“ unterstehen, zu sich und ließ die Konferenz eine Resolution beschließen, die den mutigen Kämpfern für die Integrität des G’ttesgesetzes im heiligen Lande den-Dolchstoß versetz en soll. Wir in Oesterreich kennen dieses traurige Lied zu gut. Uns sticht die Melodie in den Ohren, wenn Rabbiner ihren Brotgebern ein Loblied singen. Aber daß solches auch in Erez Jisroel geschehen kann, ist mehr als tragisch. Die Resolution beklagt schwer, daß ״das Haus Israel in Stücke zerrissen“ werden soll und beschwört alle, an der Einheit festzuhalten und nicht zu übertreten das Verbot von לא תתגודדו. Wenn diese Resolution am Ende den Ra mb am zitiert, der in den Responsen ״Peer hador“ Nr. 126 wörtlich sagt: ״Wir alle sind, das ganze Haus, das sich den Namen Jakauw beilegen kann und das festhält an der Religion unseres Lehrers Mosche, verpflichtet, eine ein- Srinitf Sobitettftaffee! Cer i|t imentbetjrltcf). Sulius SReittl äaffee3־mport heitliche jüdische Gemeinschaft zu bilden und es darf zwischen ihnen keine Meinungsverschiedenheit sein in irgend einer Sache“, so richtet sich der Wert dieser Resolution von selbst. Jawohl! W׳ir alle, die wir festhalten an der Religion unserers Lehrers Mosche, wir sind ein einheitllches Haus, das sich mit Stolz den Namen seines Erzvaters Jakow beilegen kann. Aber weil wir dieses Haus sind, weil wir dieses Haus würdig unserer Ahnen erhalten wollen, haben indiesemHausejenekeinenPlatz, die mutwillig und frevlerisch gegen die Lehre dieses Hauses, gegen die geheiligten Grundsätze und gegen seinen Geist verstoßen. Nicht der Inhalt und der sittliche Wert dieser Resolution,. sondern die Personen, die sie gefaßt haben, fordern zu leidenschaftlichstem Widerspruch heraus. Was soll es um des Himmels und der Wahrheit willen heißen, wenn von einer religiösen Führung, von einer religiösen Einheit gesprochen wird, mit Menschen, die längst diese Einheit zertrümmert haben und gegen dieselbe mit einem Fanatismus kämpfen, der ins ungeheuerliche gewachsen ist. Oder sehen diese Männer nicht, daß gerade jetzt der Waad Leumi, die Exekutive der ״Knesseth Israel“, das Schulwerk der Linken unter seine Fittiche genommen hat? Haben diese Männer so feiste Ohren, daß sie nicht mehr hören, daß aus den Lehrstuben des Heiligen Landes statt der heiligen Lehre das Wort des Abf a 11 e s verkündet wird? Hier muß jede Rücksicht aufhören, selbst wenn Männer von der Bedeutung Oberrabbiner Kooks an der Spitze der Aktion stehen.במקום שיש חלול השם אין חולקין כבוד לרב Dort, wo G-ttes Name entweiht wird, gibt es keine Rücksicht auf Namen. Schulschluß und Berufswahl. Von Alfred Wesel. Vorbemerkung der Redaktion: Die nachfolgenden Ausführungen eines jungen Lehrers haben eine besondere Aktualität für sich. Sie bleiben allerdings an der Oberfläche haften, ohne alle Zusammenhänge der Berufswahl in ihrer Tiefe erfassen zu können. Wollen wir wünsehen, daß eine Besserung der allgemeinen Wirtschaftslage m. G. H. auch diesem schweren — schwersten — Problem wenigstens etwas an Schärfe abnimmt. Am Schlüsse des heurigen Schuljahres stehen wieder viele Eltern, deren Kinder die vierte Klasse einer Haupt- oder Mittelschule ׳beendet haben, vor der besonders schwierigen Frage der Berufswahl. Der allererste Gedanke, der jeder weiteren Erwägung über die Aussichten eines Erwerbzweiges grundsätzlieh vorangehen muß, ist die Beantwortung der Frage: Wird mein Kind bei der Ausübung dieses Berufes nach menschlicher Voraussicht ein frommer Jude bleiben können? Erst wenn darauf mit ruhigem Gewissen j a geantwortet wurde, darf dieser Beruf in die engere Wahl gezogen werden. Nach diesem Gesichtspunkte sollen einige der wichtigsten Berufe besprochen werden. Die akademischen Berufe schließen fast ausnahmslos ein Frommbleiben aus. Aber nicht nur der Beruf, sondern bereits das langjährige Mittel- und Hoohschul- Studium in unreligiöser, wenn nicht antireligiöser Gesellschaft haben die allermeisten Kinder ihrer frommen Erziehung vollkommen entfremdet. Daß heute ein Akademiker gar keine Aussicht hat, auch nur den kleinsten Verdienst zu erlangen, ist bereits allgemein ׳bekannt und braucht nicht genauer erörtert werden. Was den Kaufmannsstand betrifft, muß auch infolge des schrecklichen Niederganges dieses Berufs- Standes während der letzten Jahre entschieden davon abgeraten werden. Denn hat jemand das Glück gehabt, als Praktikant einen Posten zu finden, dann verliert er ihn leider gewöhnlich am Ende der Lehrzeit und bleibt arbeitslos, weil man sich nach langjähriger Tätigkeit in einem Fache und nach Besuch der Gewerbeschulen sehr schwer zum Umsatteln entschließen kann. Nicht unerwähnt darf bleiben, daß jeder kaufmännische Beruf immer an einer gewissen Gebietsgebundenheit leidet und sich bei einer eventuellen Auswanderung äußerst schwer in anderen Ländern ausüben läßt. Das Handwerk ist aber heute der einzige und auch der aussichtsreichste Beruf, der sich für einen! streng Ulen I, Kttrntnerrlns Nr. 6 Fernsprechnummer 1116־0־43־

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