Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 21 (1935)
- Issue
- 25 (28.6.1935)
- Date
- 1935-06-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 25 jüdische pmm& Seite 3 Schweigen wäre Sünde« 15s Ist die Pflicht verantwortungsbewußter jüdischreligiöser Publizistik, auch zu Gegenständen Stellung zu nehmen, die schon längst die Sorge und die Mühe unserer religiösen Autoritäten bilden, von diesen mit mehr oder minder großem Erfolg von der Kanzel herab behandelt, sagen wir in unserem Fälle besser: gegeißelt wurden. Und ein solches Problem bildet das — Familienbad. Wir sind uns dessen bewußt, daß wir in ein Wespennest stechen, wenn wir uns heute mit diesem Problem befassen, wir halten dies aber trotzdem für unsere unumgängliche Pflicht, hoffend, daß der gesunde Sinn des jüdischen Menschert und der jüdischen Massen die Bedeutung und Tragweite des Problems erkennen und sich eines Besseren besinnen werden. Für den jüdisch denkenden und den religiös empfindenden Menschen ist es ja keine Frage, daß das Familienbad, in dem Menschen beiderlei Geschlechtes in notdürftigster Bekleidung sich näherkommen, jede Regung von Keduscho tötet. Hierüber hilft auch nicht die etwas vage Theorie hinweg, daß die Gewohnheit abstumpft und das Bewußtsein der Unzulässigkeit tötet. Wenn es richtig ist, daß Menschen, die sich freier bewegen, nicht so sehr das Bewußtsein des Frevels in sich tragen, so ist das ja nur ein Argument gegen die Zügellosigkeit und nicht, wie es die heutige moderne Auffassung will, ein Argument für dieselbe. Denn: daß die Menschen empfindungsstumpf werden, ist selbst eine Gefahr, die unabsehbar wird. Was soll mit einem jüdischen Geschlecht geschehen, dem jedes Bewußtsein für das, was erlaubt und unerlaubt ist, abgeht? Hier nützt kein Mussar von der Kanzel herab, auf das ja der Alltagsmensch nur die billige Ausrede hat, es wäre ja doch im Leben anders. Hier Wandel zu schaffen ist Aufgabe der freien Organisationen der Doch Legislative Council? Man spricht schon über seine Zusammensetzung. Wie die ״Orient“-Korrespondenz erfährt, soll der von der Palästina-Regierung in Aussicht genommene Legislativ• kCouncil auf ständischer Gr 11 nd 1 age zusammengesetzt werden. Der Council soll nicht von den verschiedenen Konfessionen oder Nationalitäten beschickt werden, sondern sich aus Vertretern der Wirtschaftliehen Stände zusammensetzen. Der Rat wird aus 50 Mitgliedern bestehen, von denen die Regierung 15 nach freiem Ermessen ernennen wird. Bezüglich der Be- Stimmung der anderen Vertreter wird die Regierung mit den verschiedenen Gruppen verhandeln. Sollten diese Verhandlungen jedoch resultatlos verlaufen, so wird die Regierung auch diese Delegierten ernennen. Der Council soll bekanntlich nur eine beratende und keine gesetzgebende Körperschaft sein. Neue Unternehmungen in Palästina. In der letzten Nummer der ״Palestine Gazette“ wird die Registrierung einer Reihe neuer Unternehmungen mit einem Kapital von zusammen 106.000 Pfund bekanntgegeben. Darunter befinden sich die Versicherungsgesellschaft ״Zion“ mit einem Kapital von 60.000 ׳Pfund und eine Pflanzungsgesellschaft mit einem Kapital von 20.000 Pfund. Auffallend ist die Registrierung von 23 Unternehmungen, die Investierungstätigkeit auf versohledenen Gebieten als ihre Aufgabe bezeichnen, dabei aber ein für diesen Zweck ׳kaum ausreichendes Kapital besitzen. 21 von den neuen Gesellschaften haben ein Kapital von je 100 Pfund in je 100 Aktien zu •1 Pfund und unterscheiden sich voneinander nur durch geringfügige Verschiedenheiten im Statut und durch den Namen. Nur ,eine derartige Gesellschaft hat ein Kapital von 50.000 Pfund und eine zweite ein solches von 5000 Pfund. Frühehen sollen in Palästina verboten sein. Die Palästina-Regierung bereitet ein Gesetz vor, das Angehörigen aller, das Land bewohnenden religiösen Gemeinschaften die Schließung einer Ehe, hei der der eine oder der andere Teil das 15. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, verbietet. Das Gesetzprojekt wurde den Oberhäuptern der einzelnen Konfessionen zwecks Meinungsäußerung zugeleitet. Ende der zionistischen Obstruktion in Warschau. Die von Agudisten verwaltete Kultusgemeinde in Warschau hat, wie die ״Jüdische Presse“ wiederholt berichtete, in den letzten Jahren, dank der aufopferungsvollen Arbeit des gegenwärtigen Vorstandes, auf ganz besonders große Leistungen hinweisen können. Trotz der Wirtschaftskrise wurden neue Schulen errichtet, das Wohlfahrtswesen ausgebaut und auch auf den anderen Gebieten der Kultusgemeindetätigkeit Großes geleistet. Die agudistische Leitung ‘der Kultusgemeinde׳ war jedoch durch die rücksichtslose Opposition der areligiösen Jüdischnationalen in der Arbeit sehr b ehindert. Die Zionisten führten seit langer Zeit in den Sitzungen des Vorstandes eine sinnlose Obstruktion, die jeden Beschluß unmöglich machte. So war es auch bisher nicht möglich, das Budget für das laufende Jahr zu verabschieden. Die Regierungsbehörden beauftragten nun das aus Augudisten bestehende Präsidium der Kultusgemeinde, das Budget fertigzustellen, sowie die notwendigen Beschlüsse im eigenen Wirkungs kr eise zu fassen. Der Präsident, Elijahu Mazur, gab dies vergangene Woche einer Vorstandssitzung bekannt und teilte gleichzeitig mit, daß das Präsidium beschlossen habe, das Rabbinat durch sieben angesehene rabbinisehe Persönlichkeiten zu ergänzen. Diese sieben Rabbiner wurden bereits von ihrer Ernennung verständigt und sie werden in den nächsten. Tagen bereits mit ihrer Tätigkeit im Gemeinderabbinat beginnen. Weiters hat das Präsidium beschlossen, zweitausend Kindern einen Ferienaufenthalt zu gewähren. Außerdem wird die Kultusgemeinde zweihundert mittellosen Kranken einen Kuraufenthalt gewähren. Präsident Mazur teilte noch mit, daß das Präsidium beschlossen habe, für das beste halachische Werk über den R a m b a m, das dieses Jahr erscheint, eine ׳Prämie von tausend Zloty zu bestimmmen. An den Bericht des Präsidenten Mazur schloß sich eine Diskussion an, die sehr lebhaft verlief. Um Mitternacht wurde mit Stimmenmehrheit beschlossen, den Präsidialbericht entgegenzunehmen und dem Präsidium das Vertrauen auszusprechen. Die rücksichtslose Obstruk- I tionspolitik der Jüdischnationalen in der Warschauer Kultusgemeinde hat nun durch das Einschreiten der Re- | gierungsbehörden. ein Ende gefunden. Orthodoxie, . Insbesondere der A g u d a s ־ J i s r o e 1- ,Tugend- und M ä d c h e 1t g r u!1 p e n. Sie müsweni es mit allen Formen der modernen Propaganda ihren Mitgliedern einhämmern, daß jemand, der die Grundsätze der jüdischen Ethik wissentlich verletzt, das Recht Verwirkt hat, als vollwertiger Jude betrachtet zu werden. Sie müssen Kenntnis um die Grundsätze der Heiligkeit des jüdischen Einzel- und Familienlebens unter ihren Mitgliedern so klar und deutlich verbreiten, daß jeder junge Mann und jedes Mädchen, geschweige denn jeder Manu und jede Frau, sich klar sind, was auf diesem Gebiet erlaubt und uns verboten ist. Es ist richtig, daß es heute gerade in großen Städten schwer ist, auf das Vergnügen eines erfrischenden Bades im Freien zu verzichten. Aber wer wollte ein solcher ״Hans Im Glück“ sein und für das Vergnügen einer Stunde die Helligkeit unserer Gr un d- Sätze opfern, für die unsere Mütter und Väter ehedem ungleich schwerere Opfer gebracht haben? Wer weiß, oh wir, wenn wir diesen unseren Standpunkt für die Außen- und Umwelt deutlicher und sichtbarer vertreten hätten, nicht schon erreicht haben würden, daß die religiösen Elemente anderer Konfession, die die Verletzung des Kcuschheitsgefühles sicher auch schwer genug empfinden, Wandel schaffen. Vielleicht wäre es dann etwas Leichtes gewesen, durchzusetzen, daß zum Beispiel die städtischen Bäder in Wien und insbesondere die Plantschbäder, in denen Jungen in der vollen Pubertät frei baden, nach Geschlechtern geteilt werden. Ob uns dieser Erfolg beschieden sein wird oder nicht, wir haben jedenfalls die Pflicht, in unseren Kreisen dafür zu sorgen, daß die Kenntnis allgemein werde, daß das, was sich heute Familie 11 bad nennt, den Geist der jüdischen Familie und ihre Heiligkeitdauer 11 dun d unwiederbringlich zerstört. Synagogen-Einweihung in London. Vergangene Woche fand die feierliche Einweihung der neuerbaut.en Golders-Green-Synagoge im Nordwesten Londons statt. Seit mehreren Jahren wohnen in diesem Stadtteil eine Anzahl konservativer Juden, die unter der Leitung von Rabbiner Dr. E. Munk bestrebt sind, sich die notwendigen religiösen Kehilla-Institutionen zu schaffen. Dank einer hochherzigen Widmung von Mr. und Mrs. Lincoln, die aus eigener Tasche die erforderliehen Mittel beistellten, konnte die Synagoge erbaut werden, der auch eine Schule und eine Bibliothek angeschlossen sind, Zu dem feierlichen Chanukas-Habajis sind die führenden Persönlichkeiten der Londoner jüdischen Gesellschaft, wie Chief Rabbi Dr. Hertz, Dr. Feldmann, ferner die Vertreter der Orthodoxie im Norden Londons, Rabbiner Dr. Schönfeld, Harry Goodman u. a. m. erschienen. Nachdem mit den Sifre-Thoras sieben Hakofos gemacht worden waren, hielt Rabbiner Dr. Munk eine überaus gelungene Droschoh. Nach dem Mincha-Gebet hielt Chief Rabbi Dr. Hertz eine Ansprache, in der er die Bedeutung des ,Tages schilderte. Er erklärte, daß die Orthodoxie das lebensfähigste Element in der jüdischen Gemeinschaft ist und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß dieser Neubau eigentlich keine ״Synagoge“, sondern eine ״Schul“ nach alter Tradition sei. Mit ,dem Gebete, daß das G-ttesha,us und die ihm angeschlossenen Institutionen sich auf einem weiten Umkreis segensreich auswirken mögen, schloß Dr. Hertz seine Rede. Bei dem am Abend abgehaltenen Bankett sprachen Rabbiner Dr. Schönfeld u. a. ALLGEMEINE RENTEN ANSTALT I. GRABEN 20 SPARK, .TERSRENTE Eine angenehme Botschaft an die orthodoxen Damen. In der letzten Zeit sind seitens der wirtschaftlich schwächeren Kreise unserer Glaubensgenossinnen Klagen darüber laut geworden, daß der Anschaffungspreis wirklieh erstklassiger Perücken mit Rücksicht auf die heutigen Verhältnisse unerschwinglich geworden ist. Wir sind nun in der angenehmen Lage, unseren verehrten Leserinnen mitzuteilen, daß die berühmte Perückenwerkstätte Othmar Schiff, Wien, I., Kämtnerring 6, sich in entgegenkommender Weise bereit erklärt hat, unseren gesch. Leserinnen bei Berufung auf die ״Jüdische Presse“ erstklassige Perücken bis auf weiteres zu besonders ermäßigten Preisen abzugeben. * Es wird dadurch den wenigerbemittel־ ten Glaubensgenossinnen die Möglichkeit geboten, auch mit geringeren Mitteln eine Othmar- Schiff- Perücke, deren gediegene Qualität und Ausführung allgemein bekannt sind, zu erwerben. Das reichhaltige Lager bietet große Auswahl in allen Haarfarben uhd. Perückensorten und können somit fremde Damen, die durch Wien reisen, sofort eine ideal sitzende Perücke erhalten. __ Der I. Sekretär der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, Reg.-Rat Guido F u c h s g e l b, ist vergangenen Sonntag nach kurzer Krankheit im Alter von 59 Jahren gestorben, Der Verband der in Palästina geborenen Kolonistensöhne, ״B ne Be n j ami n<(, hielt eine Konferenz ab, die sich gegen die Monopolisierung der jüdischen Interessenvertretung in Palästina durch eine einzelne Partei wandte und gegen die Begünstigung von Mitgliedern einer Partei bei der Zuteilung von Einwanderungszertifikaten Protest einlegte, Der polnische Sejm hat endgültig die neue W ahl o r d n u 11 g angenommen und die von den Oppositionsgruppen vor geschlagenen Aenderungen ab g elehnt. Aus informierten Kreisen wird der J. T. A. mitgeteilt, daß laut der neuen Wahlordnung die Juden die Möglichkeit haben werden, sechs Deputierte im Sejm durchzubringen. Die Palestine Land Development Co mpany hat bereits mit dem Ban der ersten Häuser für jüdische Arbeiter und Siedler im neuerworbenen Hule- Gebiet begonnen. 0 In der letzten Zeit wurde der Nürnberger ״S t ü r m e r“ in den Straßen N e w Yorks und anderer amerikanischer Städte verbreitet. Nunmehr haben die Behörden ein Verbot der Verbreitung des ״Stürmer“ in den U. S. A. ausgesprochen. 0 Im Rahmen der Arbeiten zum Ausbau des Hafens von Jaffa wird die Bahnstrecke in der gesamten Ausdehnung des erweiterten Anlegekais v e rläng er t. Mit dem Ban wurde bereits begonnen. Jüdische Arbeiter sind dabei nicht beschäftigt. 0 In J er u salem wurde eine neue Gesellschaft, ״Palestine Express Co. Limited", gegründet, die die Aufgäbe hat, Palästina- Reisen aus Europa und Amerika zu organisieren. 0 Die Polizei erschien überraschend im Warschauer Zentralbüro des polnisch-jüdischen Anti- Hitler- Boykottkomitees, beschlagnahmte sämtliehe Papiere, versiegelte die Räume und erklärte das Komitee für auf gelös t. Unter den Juden Polens hat diese Maßnahme einen sehr deprimierenden Eindruck gemacht. 0 Die französischen Behören in Aleppo, haben Hebräisch als Pflichtgegenstand in den höheren Schulen eingeführt. Damit wird offenbar bezweckt, die Schüler für den wachsenden Handelsverkehr zwischen Syrien und Palästina besser vorzubereiten. 0 Seitens des deutschen Konsulats in J er u salem werden Juden, die deutsche Pässe besitzen, davor gewarnt, nach Deutschland zurückztikehren, da sie damit rechnen müßten, in ein Schulungs- oder Konzentrationslager gebracht zu werden. 0 Der arabische Bürgermeister von Bethlehem, Issar Bendak, Redakteur der antijüdischen arabischen Zeitung ״Sout el Shab<(, wurde unter der Beschuldigung, in seiner Eigenschaft als Stadtoberhaupt Bestechungen angenommen zu haben, verhaftet. 0 Die Föderation polnischer Juden in Amerika hat beschlossen, eine großzügige Aktion zugunsten der Juden in Polen einzuleiten. 0 Seit einigen Tagen suchen mit Scheinwerfern ausgestattete Aer o plane in der Nacht das Küstengebiet bei T el-Aviv ab. Man nimmt an, daß die Aeroplane im Auftrag der Polizei die Landung illegaler Einwanderer beobachten und melden sollen. 0 Der High C ommissioner Sir Arthur Waucliope empfing eine vereinigte jüdisch-arabische Delegation der Eise nbahnar beiter, der er versprach, sich für eine geringe Erhöhung der Löhne und Einfühi'ung von Urlaub einzusetzen. 0 Der Vorstand der Dan ziger Synagogen- Gemeinde hat an den Senat einen Protest gegen die jüngsten Vorfäle in einem der Danziger Strandorte, wo Nationalsozialisten antisemitische Hetzlieder sangen und gegen die Juden Stimmung machten, gerichtet, 0 Der High Commissioner und das Kolonialamt haben die Pläne für den Bau von vier H auptmag azinen und einer Zit ms zentralst eile in Ben jamin a bestätigt. Für diese Arbeiten werden von der Regierung 15.000 Pfund zier Verfügung gestellt. 0 Der vor kurzem verstorbene Ghikagoer jüdische Rechtsanwalt Henry Wolf hat eine Million Dollar zur Errichtung eines jüdischen Hospitals in 0 hik a g o hinterlassen, 0 Die Konferenz der Schulinspektoren Lettlands beschloß, daß vom Beginn des neuen Schuljahres an die Schüler der jüdischen Volksschulen verpflichtet seien, am jüdischen Gerne in degottesdienst teilzunehmen. 0 Die in Moskau erscheinende jiddische antireligiöse Zeitschrift ״D er Apikores(( hat ihr Erscheinen eingestellt. % Im Alter von 82 Jahren verstarb in Paris Baronin Adelaide de Ro thschild, Witwe nach dem im. vergangenen Jahre verstorbenen großen ״Nadiw“ Baron Edmond de Rothschild, des ״ Vaters“ der neuen jüdisohen; Kolonisation in Palästina. 0 Seitens der Palästina-Regierung wird offiziell mitי geteilt, daß die Administration seit 19.26 nind 59,000 . Palä stina-Pässe für neu hinzugekommene Landeseinwohner aus-. gegeben hat. H. Grün, IX, Taborstraße 8 b, Tel, R-42-3-66. Atelier für feine Herrengarderobe- E