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Jüdische Presse · 1935-06-28 · 25 (28.6.1935) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
21 (1935)
Issue
25 (28.6.1935)
Date
1935-06-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE DRESSE Nf. 25 KAPPEE HAG Oekotnsntünme*1/ Rabbi Josef Zwi Duschinsky שליט א in Wien Noch ist es nicht allzulange her, daß Oberrabbiner Duschinsky sein Amt als Nachfolger von Rabbi Josef Chajim Sonnenfeld s. Z. I. als Oberrabbiner der orthodoxen Gemeinde in Jerusalem angetreten hat. Doch diese kurze Zeit genügte, um seine Autorität im heiligen Lande tiefst zu verankern und ihm das größte Ansehen in allen Kreisen des jüdischen!Jischuws zu verschaffen. Oberrabbiner Josef Zwi Duschinsky, dessen glühende Liebe zur jüdischen Lehre, zum jüdischen Volke und zum jüdischen Lande nur zu gut bekannt sind, Oberrabiner Duschinsky, zu dem eine unübersehbare Zahl von Talmidim, Freunden und Anhängern ehrfürchtig emporblicken, weilte dieser Tage auf der Durchreise nach Karlsbad zu einem kurzen Erholungsaufenthalt in Wien. Wir entbieten dem hohen Gast unsere ehrerbietigsten Grüße. wir diese Kinder für das Judentum retten wollen, gibt es nur ein einziges Mittel: Die Sabbathheiligung. Wir wissen aus unserer tausendjährigen Golusgeschichte: Jm härtesten Druck, in der entwürdigendsten Erniedrigung hat der Sabhathgedanke, die Sabbäthstube Licht in das finsterste Elend gebracht. Der Sabbath, das allwöchentliche Zeugnis für den Schöpfer und Erhalter der Welt, hat auch den Juden mit dem tiefgebeugten Rücken zum innerlich aufrechten, seiner Würde stolz bewußten Menschen gemacht. Also den reinen Sabbathgedanken müssen wir auch den Kindern retten, die gezwungen sind, ihre Kinderjahre in einem dem Judentum fremden Milieu zu verbringen. Die vollständige, Befreiung von der Pflicht des Schulbesuche.«» am Sabbath konnten wir trotz unseres Strebens bis jetzt leider nicht erreichen. Nicht darum war es uns zu tun, den Kindern die Arbeit des Lernens am Sabbath abzunehmen. Ist ja dieser Tag nicht für die Belustigung leichter Art bestimmt. Der Begriff der Sabbath heilig ung soll zum Ausdruck kommen, indem der g-ttgeweihte Tag aus dem Charakter des Alltags herausgehoben, der geistigen Erhebung geweiht und Vorbehalten werde. Da dieses Ziel vorläufig nicht erreicht werden konnte, müssen die Kinder, um die Bedeutung des Tages zu erfahren, wenigstens von jedem Chilul Schabbos ferngehalten werden. Und das kann man, das muß man. Wir müssen dankbar der Arbeit! unserer Altvordern gedenken. Der Vorstand der Schiffschul hat vor etwa sechs Jahrzehnten die für das gesamte Gebiet des damaligen Oesterreich gültige Bestimmung erwirkt, daß die Schüler sämtlicher Schulen zum Schreiben, Zeichnen, Handarbeiten oder sonstigen am Sabbath unzulässigen Handlungen weder direkt noch indirekt gezwungen werden dürfen. Durch eine Eingabe im Jahre 1911 hat der Vorstand der Adas Jisroel die neuerliche Einschärfung dieser Bestimmung veranlaßt und über Einschreiten der Adas Jisroel hat im Jahre 1930 der Stadtschulrat von Wien diese Bestimmung neuerlich allgemein in Erinnerung gebracht. Es muß anerkannt werden, daß die Schulleitungen ausnahmslos diese Bestimmung berücksichtigt haben. Wenn hie und da durch Mißverständnisse ein Versehen unterlief, hat eine gütliche Intervention der Schiffschul immer das wohlwollendste und liebenswürdigste Entgegenkommen gefunden. Zu beklagen ist nur, daß die Verhältnisse auf jüdischer Seite das entsprechende Verständnis nicht immer finden. Vielen Eltern fehlt die erforderliche Einsicht, daß sie verpflichtet sind, von ihrem Rechte Gebrauch zu machen: sie verlangen nicht, daß ihre Kinder von der Sabbatharbeit befreit werden. Sie begehen damit einen doppelten Fehler. Sie schädigen ihre Kinder in ihrer jüdischen Erziehung, indem sie ihnen eine wertvolle ethische Stütze für das Leben vorenthalten, und sie schädigen die Moral und Charakterfestigkeit der anderen jüdisch-religiösen Kinder, die zur Sabbathheiligung angeleitet werden, aber Zeugen von Chilul Schabbos seitens mancher jüdischer Mitschüler werden müssen. Besonders hervorgehoben soll es werden, daß es von schwerem politischem und wirtschaftlichem Nachteil ist, ein Recht, das man besitzt, verkümmern zu lassen. Wir Juden dürfen ups den Luxus nicht leisten, auf ein Recht zu verzichten, zumal wenn es sich um ein Recht von so imschätzbarem ethischem Wert handelt. Seit Jahren hat der Vorstand der Adas Jisroel sich regelmäßig am Beginn des Schuljahres an den Vorstand der Kultusgemeinde mit der Bitte gewendet, die Religionslehrer anzuweisen, auf die Eltern und Schüler. Einfluß zu nehmen, daß sie ihr Recht, die Kinder von der Sabbatharbeit zu befreien, geltend machen. Der Vorstand der Kultusgemeinde glaubt diesem Ansuchen in der Weise Rechnung getragen zu haben, indem er den Erlaß des Stadtschulrates vom Jahre 1930 verlautbarte. Einen Auftrag im Sinne der Sabbathheiligung hat er aber nicht gegeben. Wir beklagen das aufrichtig. In dieser Zeit der wirtschaftlichen, politischen und. ganz besonders der ethischen Krisen ist es gewiß unerläßlich, ethische Ewigkedtswerte richtig einzuschätzen, und alle berufenen Faktoren — das sind die Verwalter der Kultusgemeinde ebenso wie die Lehrer Rabbiner Josef Zwi Duschinsky hatte die Liebens- Würdigkeit, unseren Schriftleiter in der Wohnung des Herrn David Breuer, wo er Aufenthalt genommen hatte, zu empfangen und ihm eine längere Unterredung zu gewähren, deren Inhalt wir nachfolgend wiedergeben: Frage: Wie, Herr Oberrabbiner, steht vor allem Ihr persönliches Wohlbefinden im Heiligen Lande und wie war Ihre Reise? Antwort: Persönlich fühle ich mich in Jerusalem sehr wohl und bin mit den Verhältnissen innerhalb meiner Gemeinde in jeder Hinsicht zufrieden. Die einzige Sorge, die mich schwer bedrückt, ist die Frage der Erlangung von Zertifikaten für Bachurim, die in meine Jeschiwo kommen wollen. Tag für Tag kommen Anfragen aus aller Herren Ländern, zumeist mit warmen Empfehlungen von bekannten Rabbonim und sonstigen orthodoxen Führern versehen, doch alle unsere Bemühungen nach Erlangung der nötigen Anzahl von Bachurim-Zertifikaten blieben bisher erfolglos. Wir geben trotzdem die Hoffnung nicht auf, daß es schließlich früher oder später m. G. H. gelingen wird, eine zufriedenstellende Lösung dieses schwerwiegenden Problems zu finden. Von den ersten 25 Bachurim, die in meine Jeschiwo kamen, hat ein Teil bereits im Lande geheiratet und sich ansässig gemacht. Derzeit zählt die Jeschiwo etwa 40 Bachurim, aus Jerusalem selbst und aus Chuz-lo'Orez. Die finanzielle Situation der Jeschiwo läßt selbstverständlich viel zu wünschen übrig. Frage: Wie ist die heutige Situation der Orthdoxie im allgemeinen, der Agudas Jisroel und der orthodoxen Gemeinden im besonderen in Erez Jisroel? Wie stehen die Verhandlungen mit dem Waad Leumi, die wegen der öffentlich-rechtlichen Anerkennung der orthodoxen Gemeinden geführt werden? Antwort: Es muß vor allem richtiggestellt werden, daß Verhandlungen mit dem Waad Leumi nicht geführt wurden und nicht geführt werden. Die Beratungen, die derzeit stattfinden und über die die jüdische Presse spaltenlange Berichte veröffentlicht, sind lediglich als eine Enquete anzusehen, die die Regierung veranlaßt hat, um Klarheit in der Gemeindefrage zu schaffen. Wenn angeblich einige Rabbiner des Heiligen Landes unter dem Druck des dortigen Misrachi eine Erklärung gegen den Austritt aus der Knesseth Israel und gegen die Gründung selbständiger orthodoxer Gemeinden unterfertigt haben, so kann diese Erklärung uns vollkommen unberührt lassen. Für uns besteht seit mehr als einem Jahrhundert der uneingeschränkte Issur unserer Thorakapazitäten und religiösen Führer, der die Zugehörigkeit zu einer Gemeinde, welche die unumschränkte Herrschaft der Thora und Ueberlieferung nicht in allen Zweigen ihrer Tätigkeit anerkennt, verbietet. Dieser Issur gilt für Erez Jisroel genau so wie für Chuz-lo'Orez und wir werden nicht ruhen, so lange wir nicht die absolute Selbständigkeit erreicht haben. Wenn von ״Verhandlungen“ die Rede ist, so muß betont werden, daß wir von unserem Standpunkt, der uns ein heiliges Religionsgebot ist, nicht um ein Jota abrücken können. Was die allgemeine Lage der Orthodoxie betrifft? So lange nicht orthodoxe Gemeinden in allen Städten des der Jugend — müssen ihre Aufgabe darin sehen, alles zu fördern, was dem Geiste und der Festigkeit im Judentum zustatten kommt. Man wende uns nicht ein, allzuviele seien durch die Not der Verhältnisse, an der Sabbathheiligung hehindert. Wir wollen heute, bei diesem Anlaß, über diese Fragen nicht rechten. Aber jüdische Eltern lieben ja ihre Kinder, sie wollen!: säe sollen es besser haben als ihre Väter. Wenn also nun auch der Vater unter dem harten Joch des Broterwerbes seufzen muß — wir Landes vorhanden sind, ist freilich die Entwicklung eines orthodoxen jüdischen Lebens stark gehemmt. Was wir mehr als je benötigen, ist die massenhafte Zuwanderung orthodoxer Olim. Haben schon die letzten zwei Jahre mit ihrer verstärkten orthodoxen Einwanderung wesentliche Fortschritte für die Orthodoxie im Heiligen Lande mit sich gebracht, so kann doch nur eine weitere Masseneinwanderung religiöser Olim die weitere Entfaltung eines orthodoxen Jischuws ermöglichen. Noch immer ist nur ein kleiner Teil der neu Einwandernden dem religiösen Judentum zuzurechnen. Diesem Zustand ein Ende zu bereiten, soll unsere vornehmste Sorge sein. Wenn auch im Heiligen Lande die Parteikämpfe nicht jene scharfen äußeren Formen annehmen, wie sie in Chuz-lo'Orez häufig beobachtet werden können, so steht es doch fest, daß die freien Elemente — wie es sich auch bei der Zertifikatenverteilung zeigt — die Zuwanderung religiöser Menschen systematisch verhindern w 011 e n. Es muß daher unsere Aufgabe sein, für unsere orthodoxen Brüder die Möglichkeit einer Einwanderung unter allen Umständen zu erkämpfen, weil davon die weitere Entwicklung der Orthodoxie im Heiligen Lande abhängig ist. Frage: Wie, verehrter Herr Oberrabbiner, entwickelt sich die Poale Agudas Jisroel im Heiligen Lande und wie steht es insbesondere mit der leidlichen Frage des ״Heskem“ mit der Histadruth, die vor etwa einem Jahr viel von sich reden machte? Antwort: Die Poale Agudas Jisroel im Heiligten Lande entwickelt sich zusehends und ich muß betonen, daß mir die Führung der einzelnen Gruppen und die religiöse Lebensführung aller einzelnen Mitglieder außerordentlich imponiert. Unsere agudistisehen Poalim kämpfen mit Messiras-Ha ne fesch für ihren Glauben und es steht! außer Frage, daß sie alle — ausnahmslos — jederzeit bereit sein werden, zu gehorchen, wenn es sich darum handeln wird, den An- Ordnungen der religiösen Führer, den Anordnungen des Religionsgesetzes also, zu folgen. So gesehen, bildet die Frage des ״Heskem“, die übrigens derzeit gar nicht aktuell ist, kein Kardinalprablem und es ist schließlich und endr lieh nichts dagegen! einzuwenden, wenn von Fall zu Fall eine gewisse Zusammenarbeit mit anderen Arbeiter- Organisationen herbeigeführt wird. Prinzipiell und grundsätzlich muß selbstverständlich ein ״H e s k e m“ mit dem Histadruth entschieden abgelehnt werden. Darüber hinaus scheint mir aber das Problem der Poale Agudas Jisroel darin! zu liegen, daß es noch immer anausgebildetenreligiösenFacharbeitern im Heiligen Lande fehlt. Man kann es selbst den religiösen Bauherren nicht verargen, wenn sie die Arbeits- Vermittlungen der Histadruth in Anspruch nehmen, insolange sie von der Poale Agudas Jisroel nicht die nötige Anzahl ausgebildeter Arbeitskräfte zugewiesen bekommen können. Ich habe die zuversichtliche Hoffnung, daß auch nach dieser Richtung hin die Zeit eine Besserung der Verhältnisse herbeiführen wird. David Türkl. werden diesen Vorwand natürlich niemals und unter keinen Umständen gelten lassen —. so kann er doch mit. Freude und Genugtuung dafür sorgen, daß •sein Kind in den Jahren der sorglosen Jugend es lernt, den Sabbath zu heiligen, den Tag G-ttes zu ehren, durch die allwöchentliche sittliche Erhebung sich dauernd sittlich zu erhöhen; Der Sabbath lehrt das Kind die sittliche Hoheit des Judentiuns fühlen und es ersteht ein Geschlecht selbstbewußter, aufrechter Juden. tine ftUÖMzistUe HöHtystetlUee (6) Die Meister hatten nicht gelogen. Kaum• hatte er die Niederungen des Kison erreicht, da begegnete ihm ein wilder Zug, tanzende Frauen und Männer umringten einen stumpf dreinschauenden Esel, der auf seinem Rücken einen kleinen Sack trug, welcher, wie die Tanzenden dem Volke erzählten, das Geheimnis der Astaroth barg. Es schluchzten die Flöten im eintönigen Klingen, es rauschten die Zimbeln und voran zog ein Posaunenbläser, dessen Instrument der Gestalt einer sich windenden Schlange glich. Plötzlich riß einer das Gewand vom Körper und schlug sich mit bleidurchsetzter Geißelschnur, bis er aus unzähligen Wunden blutete. Betäubt von der rauschenden Musik, schien er ohne Schmerzempfindung. Andere stachen mit zweischneidigem Dolch in alle möglichen Stellen ihres Körpers. Immer furchtbarer wurde die Szene, bis endlich ein junges Weib sich in die gaffende Menge stürzte und um milde Gaben für!Salbe auf die Wunden der treuen ■ Kinder des Baal und der Astaroth bat, wobei sie dem einen oder anderen ins Ohr flüsterte, sie könne ihm die Gnade der Königin verheißen, wenn er reichlich gäbe. Als Obadjahu abends in der einzigen Herberge des Dorfes Zeuge der widernatürlichen Orgien sein sollte, mit der sich die Diener und Dienerinnen des Götzenkultus nach ihren Anstrengungen in dieser Weise erholten, floh er entsetzt. Er hatte zu seinem Schrecken bemerkt, daß auch die Dorfbevölkerung sich sehr zahlreich eingefunden hatte. So schnell war also die Spannung, in welche der Tod des ältesten Chielsohnes Abiram das Volk versetzt hatte, in Nichts zerronnen. VI. . In der Tat hatte es Isabel meisterhaft verstanden, den üblen Eindruck, den der Todesfall im Hause Chiels allüberall hervorgerufen hatte, rasch verschwinden zu lassen. Sie hatte schon früher die Gewohnheit, bei allen Hochzeitsfeiern einen Augenblick zu erscheinen und in graziösem, mit rhythmischem Händeklatschen begleiteten Reigen dem Brautpaar zu huldigen. Aber bisher war sie , dabei jeder Zoll Königin geblieben. Nun aber verweilte sie länger bei den fröhlich Feiernden, um sich mit ihnen leutselig zu unterhalten. Ebenso hatte sie schon früher nie bei einer Beerdigung gefehlt, jetzt sprach sie hin und wieder tröstend zu den;Trauernden. So wurde sie allmählich sehr beliebt und Mathan und Jubal. rieben sich die Hände. Dementsprechend war auch der Empfang, den Obadjahu bei seiner Rückkehr fand, ein sehr kühler. Zwar war Achab mit dem Kauf des Grundstückes sehr zufrieden, allein Isabel wollte an ihm ihr Mütchen kühlen. ״Nim, Obadjahu, bist du geblendet vom Glanze in Tyrus und Sidon?“ ״Des Schönen und des Großen habe ich viel gelesen." ״Ganz anders, wie in diesen Nestern Israels, nicht wahr? Ja, siehst du, Baal und Astaroth segnen reichlich ihre Getreuen. Hast du übrigens den wunderbaren Tempel unseres Baal-Chaman gesehen? Nein? Schade, da hättest du etwas erfahren. Wir sind unseren Kenaan-Traditionen ergeben und dem Vater des Kenaan, unserem Cham, haben wir den schönsten Tempel gebaut.“ Dann lachte sie grell auf. ״Jawohl, wir sind da. Euer Josua hat zwar einst die Enkel imseres Kenaan schlimm behandelt. Aber ganz ist er ihrer doch nicht Herr geworden. Wir sind da, und, höre wohl zu, Achab, Israels König, ich werde nicht eher ruhen, bis Chams Szepter, der Chamenkel Götter, ganz Israel beherrschen. Tausende und aber Tausende kleine niedliche Chamonim, kleine, niedliche, in zarten Windungen aufstrebende Flammenzungen habe ich bestellt, um sie in jede Hütte Kenaans zu tragen. Hast du sie vielleicht mit-! gebracht? — Du schweigst? Nun, siehst du, Obadjahu, ich bin besser als du. Ich habe dir eine große Ehre zugedacht. Habe Nachricht von Chiel, der sich durch den Tod seines Erstgeborenen nicht beugen ließ. Tag und Nacht wird rüstig an den Mauern Jerichos gearbeitet. Und schon recken sich, umgeben von duftenden Balsamstauden, Häuser in dieser glücklichen Ebene empor. Nun beabsichtige ich, mit dem König von Israel an der Einweihungsfeier Jerichos teilzunehmen und ich wünsche, Obadjahu, daß du uns bei dieser Fahrt begleitest.“ ״Vielleicht", fiel Achab ein, ״können wir vorher noch eine andere Feierlichkeit begehen." Dann erzählte er der aufhorchenden Isabel von den Projekten des Winterpalastes zu Jesreel, Isabel schien entzückt. ״Es ist mir von besonderem Wert, daß du, Obadjahu, diesen Kauf vermittelt hast. So hilfst du mir, für Baal und Astaroth auch bei den schlichten Bauern in der Ebene Emek zu werben. Dir aber, mein Achab, den Dank meines Herzens.“ Und alsbald kamen Scharen von Bauleuten Und Architekten, Bildhauern und Baalspriestern von Tyrus nach Jesreel und Jericho. Ein gewaltiges Bauen hub an. Ganze Kamelladungen von kostbarem Elfenbein trafen ein. Ethbaal, der inzwischen endgültig seine Residenz von Sidon nach Syrus verlegt hatte, wollte eine noch etwas schwache Stellung in dem neuen, von aristokratischen Elementen stark durchsetzten Tyrus dadurch haben, daß er die von seiner Tochter bewerkstelligte förmliche Durchdringung des Nachbarstaates mit kenaanischen Kultus stark unterstrich. Tatsächlich schien es so, als ob die Sache der Siebentausend verloren wäre. Es herrschte allgemeiner Wohlstand, auch mit dem sonst unangenehmen Nachbarvolk Aram herrschte Friede. Wohlleben und Luxus nahmen überhand, und es klang wie ein Märchen, das man sich satt und behaglich erzählte, da gäbe es so einen eigenartigen Schwärmer, er heiße Elijahu, und der ginge im schlichtesten rehaarenen Gewände mit seinen Jüngern umher, sei enthaltsam bis aufs äußerste. Allüberall tauche er auf, um zur Treue gegen den alten Glauben zu mahnen, um vor Baal und Astaroth zu warnen. Bald drang diese Kunde auch an Isabels Ohr. Sie erschrak, denn sie fühlte, wenn sich ihr eine starke Persönlichkeit entgegenstellen würde, dann wäre es auch bei diesem stets schwankendem Volke mit ihrem Einfluß vorbei. Und auch von Achab wußte sie, daß er eines starken, auf ihn eindrängenden Willens sich nicht erwehren können würde. So setzte sie ihr ganzes Spiel auf die eine Karte, auf den Triumph Chiels in Jericho. Dessen war sie sicher, wenn einmal diesem Volke handgreiflich vor Augen geführt würde, daß man getrost den alten Ueberlieferungen Trotz bieten dürfe, dann wäre es endgültig vom Banne Jerusalems gelöst, und mit dem Schwinden des Glaubens wäre auch sein geschichtlicher Untergang besiegelt. Dann mochten Sidon und Tyrus führen, dann mochte sie auch getrost den Kampf gegen einen Elijahu aufnehmen. (Fortsetzung folgt.)

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