Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 21 (1935)
- Issue
- 25 (28.6.1935)
- Date
- 1935-06-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2629891-2630587-2630612--5027-2637294- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
govinovä vypiatnö povotenö rtadit post a legräfov t Btatlslare 6IS. 41512-111-20 V, b. b, Zeltoingen vom Verleger versendet Journal expedte pm l’4dlteur 3QDI8CH6 PRGSSS בה WIEN. BRATISLAVA SB, JUN11935 r כץ סיון תרצ׳ה 21• hhrgans / Nummer 25 -^Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasse 12 a, Telephon A-46-045; Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Ke 80, Jugoslawien Dinar 160, das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen f. ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIII, 4117, Berlin Nr. 122.619. oRGnn für Die lOTeRessen Des 0RTH0D0Hen jimenTums Aposteln der Einheit. Zum bevorstehenden Zionistenkongreß. * כי שם בלל ה, שפת כל הארץ... Es ist gewiß angesichts der Zustände bei den jüdischnationalen Parteien keine Uebertreibung, wenn man von einer babylonischen Verwirrung spricht. Und es will sogar zeitweise scheinen, daß diese Verwirrung in Analogie zu der historischen Verwirrung ausgelöst wird von den h i m m e 1־ stürmenden Ideen, die sich unsere Jüdischnationalen in ihrer Zielsetzung erwählt haben. Das historische Judentum hat in seiner Jahrtausende alten Geschichte solche Erscheinungen schon zu oft gesehen, um darüber zu erstaunen, oder gar zu erschrecken. Wenn die Dimensionen, der modernen Zeit entsprechend, ins Ungeheuerliche gewachsen sind, so hat das nicht die geringste Wirkung auf den Inhalt; und die־ Größe der Bewegung fördert die Verfallserscheinungen nur mit filmartiger Eile. Was immer, vom historischen Standpunkt aus gesehen, für Gedanke an der Wiege des modernen jüdischen Nationalismus gestanden haben mag, Tat- Sache ist, daß nichts davon mehr in der heutigen Organisation Geltung hat. Linke und Rechte befehden sich in allen grundsätzlichen Fragen so sehr, daß die historische Wahrheit nicht mehr zu_ ergründen ist. Daß diese Gruppen in sich wieder in unzählige Untergruppen geteilt sind, ist mehr als zur Genüge bekannt. Neuer, aiber nicht weniger bekannt ist auch die Tatsache, daß die äußerste Rechte der Zionisten glatt ihren Austritt aus der Zionistischen Organisation vollzogen hat und daß das . von Jabotinsky, dem Führer der Rechten, veranstaltete Plebiszit• zur Frage der Schaffung einer ״Neuen Zionistischen Organisation“ nach parteiamtlichen Meldungen bereits 160.000 Pro-Stimmen erbracht hat. Während die äußerste Rechte konsequent und politisch korrekt ihren Austritt aus der Gesamt- Organisation, die vollständig von ׳den• Linken beherrscht wird, vollzieht, mimen die sogenannten ״Allgemeinen“ Zionisten noch immer bürgerliche Politik innerhalb der Gesamtorganisation. Auf einer jüngst in Krakau stattgehabten Konferenz der Allgemeinen Zionisten vollzog sich nun aber eine neuerliche Spaltung, die ihren Ausdruck in zwei ״Weitverbänden“, deren eine ״Weltverband“ und deren andere ״Weltvereinigung“ der Allgemeinen Zionisten heißen soll, fand. Zwischendurch lebt als zionistisches Mauerblümchen der religiöse ״M i s r a c h i“ zum Teil von Subventionen und zum Teil vom ״Protestieren“ ein kümmerliches politisches und geistiges Leben. Was die einen von den anderen trennt, was die einen den anderen und beide zusammen den dritten usw. bis in alle Unendlichkeit vorwerfen, wäre ausreichend, um eine antisemitische Zeitung zu füllen. So z. B., um nur wahllos eines hervorzuheben, werfen die Rechten den Linken vor, daß sie die nicht unbedeutende Summe von 20.000 Pfund zum Ankauf von ‘״Schekalim“ votiert haben, um so ihre ״Mehrheit“ auf dem bevorstehenden Kongreß und den Einfluß auf den ungeheuren Beamtenapparat der Organisation sicherzustellen. Vermutlich soll mit diesen 20.000 Pfund auch eine Hammelparade aufgeführt werden, um die ungeheure Erschütterung der Zionistischen Organisation, die durch den. Exodus der Revisionisten hervorgerufen wurde, zu bemänteln. Und die Revisionisten halten der gesamten Zionistischen Organisation vor, daß sie über die horrenden Beträge — viele hunderttausende Pfund — noch immer nicht Rechnung gelegt hat, die sie nach dem Pogrom im Jahre 1929 von allen Juden in der ganzen Welt unter dem Titel Hilfeleistung für die unglücklichen Opfer des Pogroms eingeheimst hat. In unzähligen Konferenzen und Beratungen wird nun versucht, für den bevorstehenden Kongreß doch größere Blocks zu schmieden. Das Gegenteil vollzieht sich aber. Sie reden von Verständigung und Einigung und erzielen Spaltung über Spaltung. Und das in einer Form, die zu widerlieh ist, um sie wiederzugeben. Wenn die ״Judenstaats- Partei“ den ״Allgemeinen“ vorwirft, daß sie ״häßlich gestorben“ sind, so ist man versucht, mit einem deutsehen Dichter zu sagen: ״Doch es will mich schier bedünken, daß alle beide . . .“ Was sie, die Zionisten aller Couleurs, eint, von der äußersten Linken bis zur äußersten Rechten, ist nichts als die f.ana tische Gegnerschaft gegen das religiöse Judentum. Und so paradox es klingen mag, in dieser Einheit ihrer Auffassung, liegt der Kern ihrer Zersetzung. Es wird sich an diesem letzten gigantisch tragischen Versuch, das Judentum abwegig zu beeinflussen, ebenso gigantisch deutlich zeigen, daß keine jüdische Vereinigung—— wie es unsere Weisen in der Mischna sagen — Bestand haben kann, wenn ihr Zweck und ihre Idee nicht die Verherrlichung G-ttes und seiner Lehre sind. Sie mögen Kongresse abhalten und dort die ״Vertretung des Weltjudentumes“ zu usurpieren versuchen. Der Tag ist nicht mehr fern, an dem die Erkenntnis allgemein werden wird, daß alle diese Gruppen und Grüppchen — welche Namen immer sie haben mögen — aus dem wahren Judentum heraus und so zum ewigen Streit und zum ewigen Z w i espalt führen. Die wahre Einheit des Judentums wird nie anders, als auf dem Boden der Thora-Treue erzielt werden. Sie sprechen von Einheit und erzeugen Zwiespalt; uns nennen sie mit zwiespältiger Zunge ״Trennungsjuden“, aber bei uns ist die Einheit... Schulschluß! In vielen Familien bedeutet er Angst und Entsetzen; die Eltern fragen bange, wie wird das Zeugnis aussehen?! Steigt das Kind in die höhere Klasse auf?-Diesem Problem unserer nervösen Zeit die überflüssige Schärfe zu nehmen, haben unzählige Aufsätze und Reden sich bemüht, und wir wollen uns daher damit nicht weiter beschäftigen. Eine andere Frage von weit größerer Bedeutung sollen und müssen jüdische Eltern sich vorlegen, denen die religiöse Entwicklung ihrer Kinder am Herzen liegt. Aber nicht erst am Schlüsse des Schuljahres, vielmehr zum Beginne desselben muß der Vater, der sein Kind zum aufrechten Juden, der seines Judentums sich bewußt sein und es schätzen und lieben soll, erziehen will, sich fragen: Wem, welcher Schule soll ich mein Kind anvertrauen? Denn nicht die häusliche Erziehung allein bedingt das Denken und Handeln des werdenden Menschen endgültig. Die Reden und das Treiben der Spielgenossen, die Lebensführung der Umwelt, das Beispiel der Gesellschaft, in die das Kind gestellt ist, macht auf das Gemüt den Eindruck, der der Lebensführung die Richtung gibt. Wenn der Vater will, daß sein Kind den erprobten Wahrheiten treubleibe und die ererbte religiöse Hingabe Du odUodöxe. ObuM&Uttu von. jeeusoietn. i*t Wie(*. Wie die ״Jüdische Presse“ bereits an« gekündigt hat, ist Oberrabbiner Josef Zwi D u־־ s c h i n s k y שליט״א am Mittwoch früh in Wien eingelangt. Zu seinem Empfang fanden sich zahlreiche Schüler und Anhänger des berühmten Rabbi, Führer der Aguda־Landesorganisation und Mitglieder der Jugendgruppe sowie mehrere Vertreter aus den österreichischen Provinz־־ gemeinden am Südbahnhof ein, wo sie ihm eine herzliche Begrüßung bereiteten. Oberrabbiner Duschinsky verbrachte den MittwochsAbend im großen Sitzungssaal der Agudas Jisroel, wo sich zahlreiche geladene Gäste eingefunden hatten. Am Donnerstag früh reiste der Gast in Be־־ gleitung seiner Frau und seines jungen Sohnes nach Karlsbad ab. Den Inhalt einer mit Oberrabbiner Du־־ schinsky geführten Unterredung geben wir im Innern des Blattes wieder. Schön Kinder sollen die Zähne mit O DO L-Z ahn pasta pflegen. ODOL-Zahnpasta erhält die Zähne schön ■und gesund. Kleine Tube S —.90 Große Tube S 1.40 und Opferwilligkeit im Leben übe und sie den kommenden Geschlechtern weitergebe, muß er sein Kind in einen Krei3 stellen, in dem Thoratreue und jüdischreligiöses Denken den Mittelpunkt bilden. Man darf nicht, man kann nicht dem Kinde zumuten, daß es spottlustigen Thoraverächtern Märtyrerfestigkeit entgegensetze. Man muß die Kinder schützen, indem man sie womöglich in eine Schule bringt, in der der Geist strengster jüdischer Religiosität herrscht. Eine solche Schule haben wir in unserer Talmud-Thora-Schule in der Malzgasse, die einzige der Art in Wien, und wie die Verhältnisse liegen, wird sie wohl auch weiter die einzige jüdischreligiös geleitete Schule in Wien bleiben. Wer daher das Glück hat, diese Schule benützen zu können, versäume es ja nicht. Diese Möglichkeit besteht leider nur für höchstens 350 Kinder. Es gibt aber in Wien sicherlich 6000 bis 7000 schulpflichtige jüdische Kinder,, für deren religiöse Erhaltung zu sorgen wäre. Man spricht zwar — zumal in der letzten Zeit — von verschiedenen Schulexperimenten, die aber allesamt keine Besserung, geschweige denn eine Heilung der Verhältnisse erwarten lassen können. Wenn Rettet den Sabbath für die Jugend! Ein Wort an unsere Brüder. Wien!, OTHHflR SCHIFF