Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 21 (1935)
- Issue
- 24 (21.6.1935)
- Date
- 1935-06-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seift 2 jüdische fresse Nr. 24 Österreich besitzt neben der großen Wiener Judengemeinde mir noch in Grat ein größeren jüdischen Zentmtn. sowohl die Wiener wie die Grazer Kultusgerneinde wird zurzeit von einer zionistischen Majorität beherrscht und diese Zioninten möchten gerne den altem assimilatorisch-liberaien Plan von einem Gemeindehnnd verwirkliehen, nm auf dem Wege dieses Bundes alle Judengemeinden Oesterreichs in ihrem Geiste beeinflussen zu können. Die orthodoxen Juden ln Oesterreich werden so wie ihre Vorfahren in der großen österreichischen Monarchie mit allen Mitteln der Ausführung dieses von den Zionisten neu att!gegriffenen alten Planes entgegenarbeiten. Es fehlen Wohl heute in diesem Kampfe die großen Massen der streng orthodoxen galizischen Gemeinden, doch wird die Situation der Orthodoxie heute dadurch erleichtert, daß wir durch den Anschluß des Burgenlandes an Oesterreich nicht nur altehrwUrdige orthodoxe Gemeinden auf österreichischem Bundesgebiet besitzen, sondern auch einen veritablen orthodoxen Gemeindebund, die orthodoxe Lande skanzlei des Burgen- 1 a n d e s. ׳Sächlich hat sich an diesem! unserem Standpunkte eigentlich nichts geändert1. Geändert hat sich nur die äußere Situation dadurch, daß die öster-! reichische jüdische Orthodoxie in ihrem Kampfe um ihre Selbständigkeit tief hineingeleuchet hat in das System, das durch die Jüdischnationalen, die heute die Wiener jüdische י Kultusgemeinde beherrschen, verkörpert wird. Wir. haben nachgewiesen, daß dieses System in einem fein durchdachten Kampf gegen alles Religiöse besteht. Die Jüdischnationalen haben es zuwege gebracht, mit ihrer Parteidoktrin Alles zu durchsetzen und so die ganze Kultusgemeinde zu einem für das religiöse Judentum untauglichen Instrument zu machen. Wenn der heutige Wiener Kultusgemeinde- Vorstand glaubt, sich durch die übrigen Gemeinden Oesterreichs in seiner Zerstörungsarbeit Vorspanndienste leisten lassen zu können, so wird dieser Versuch, wie ehedem auch׳ diesmal, an dem ehernen Widerstand der orthodox geleiteten Kultusgemeinden des Burgenlandes scheitern und zugleich auch den Nacken der Konservativen in allen übrigen österreichischen Gemeinden steifen und ihnen klar machen, wohin das System führt. Dies um so mehr, als die Herren so unvorsichtig waren, ihr Geheimnis restlos zu lüften und die Zusammensetzung der einstweilen gegründeten ״Arbeitsgemeinschaft“ befcanntzugeben. Diese ״Arbeitsgemeinschaft“ soll aus elf Mitgliedern bestehen, von denen sechs die Wiener Kultusgemeinde stellt, während alle übrigen Kultusgemeinden Oesterreichs fünf Mandate innehaben sollen. Die . innere Unmöglichkeit einer solchen Zusammensetzung und' der äußere Widerstand der glaubenstreuen | Judenschaft ganz Oesterreichs werden diesen Versuch! der Majorisierung des religiösen Judentums zum Scheitern bringen, wie alle bisherigen ähnlichen Versuche. Raummangels halber entfällt diese Woche die Fortsetzung der Erzählung ״Eine phönizische Königstochter“. Aus Erez jisroel. Im Verlauf der Beratungen* die innerhalb der Lan-desorgänisätiofi der Agudas Jisroel und der :Leitung der orthodoxen Jerusalemer Gemeinde stattfinden und die die Stellungnahme der Agudas Jisroel zu den mit dem Waad Leumi geführten Verhandlungen wegen der öffentlich-rechtüchen Anerkennung der orthodoxen Gemeinden im heiligen Lande zum Gegenstand haben, wurde die Ent- Sendung einer Abordnung zum Oberrabbiner Duschinsky!beschlossen, um das entscheidende Wort des geistigen Führers der orthodoxen Judenheit in EreZ Jisroel einzuholen. Am Mozze Schabbös fand der Besuch bei Oberrabbiner Duschinsky Statt. Oberrabbiner Duschinsky ließ sich, mit gespannter Aufmerksamkeit folgend, über den Verlauf der Verhandlungen und über die Meinungs- Äußerungen der angefragten Gedole-Jisroel Bericht erstatten und gab dann seine Anregungen hinsichtlich der weiter zu!befolgenden Taktik. Oberrabbiner Duschinsky hob die historische Bedeutsamkeit der im Gange befindliehen Verhandlungen hervor. Am 9.!Siwan wurde schließlich ein ausführliches Memorandum dem Regierungsvertreter M. Nurok überreicht, welches die präzisierte Stellungnahme der Agudas Jisroel enthält. Chefsekretär-!S teil Vertreter Nurok stellte die Antwort der Regierung für einige Tage später in Aussicht. Die angesehenen Führer * der Agudas Jisroel in Rumänien und Ungarn, die hier zu Gast weilen, haben eine lebhafte Bewegung innerhalb der agudistischen Organisation des heiligen Landes hervorgerufen. In zahlreichen Ver- Sammlungen rufen die hier weilehden Rabbonim zu einem engen Zusammenschluß unter der agudistischen Fahne und zu einem Festhalten an dem Prinzip der orthodoxen Selbständigkeit. Die Anwesenheit dieser agudistischen Führer wurde auch dazu benützt, um im Rahmen einer Sitzung der Expositur der Weltorganisation die aktuellen Angelegenheiten mit ihnen zu besprechen. Den vergangenen Schahhos verbrachten die Gäste in Petach Tikwah, wo sie überaus feierlich begrüßt und empfangen wurden. Im Sinne der gefaßten Beschlüsse haben die Mitgüeder der Weltagentur der Agudas Jisroel in Erez Jisroel die einzelnen Gruppen und Kibbuzim fortlaufend regelmäßig zu besuchen. Vergangene Woche reisten Rabbi Mosche Blau und Rabbi Elieser Sirkis vorerst nach Tel- Aviv und von dort aus in die kleineren Ortschaften, wo sie mit den lokalen Gruppenleitungen eingehende Unterredungen pflegten. Rabbi Mosche Blau wurde überall gebeten, in Versammlungen in den einzelnen Ortschaften aufzutreten, doch konnte er leider ein Versprechen nach dieser Richtung hin erst für einen späteren Zeitpunkt abgeben, bis die Verhandlungen mit dem Waad Leumi beendigt sein werden. Ein spezieller Besuch wurde Petach Tikwah abgestattet, wo sich eine der größten und regsten Aguda-Gruppen befindet. Dieser Tage fand in Tel-Aviv eine Landeskonferenz der sephardischen Juden statt, bei der auch Über die Stellungnahme zur zionistischen Organisation viel gesprochen wurde. Interessant ist eine bei dieser Gelegenheit gemachte Aeußerung des Rabbiners von Tel-Aviv, Usiel, der sich gegen die Agudas Jisroel wandte und es als Pflicht jedes Sephardi bezeichnete, aktiver Mitarbeiter der zionistischen Organisation zu werden. W|ie Raw Usiel mit dieser Stellungnahme sein Bestreben;vereinbaren kann, die Orthodoxie von einer Separation abzubringen und auch Rabbiner der Agudas Jisroel zu bleiben, ist allerdings unverständlich; wenn auch für Kenner der Verhältnisse und des genannten Rabbiners nicht verwunderlich. Das Schwuos-Fest brachte zahlreiche Gäste aus dem ganzen Lande nach Jerusalem. Zehntausende Juden waren im Laufe des Tages bei der Kosel-Maarowi erschienen, was den Führern der religiösen Institutionen hinsichtlich der Sicherheit jedes einzelnen Besuchers bange Sorge bereitete. Rabbi Mosche Glikman-Porusch hatte sich in Vertretung der Agudas Jisroel schon am Vortage mit den zuständigen Regierungsinstanzen diesbezüglich in Verbindüng gesetzt, um eine Zu- und Abgangsordnung vorzuschlagen, welche alle Schwierigkeiten von ,vornherein vermeiden sollte. Menachem Glikman-Porusch, Gedanken zu den Sidros. Von Oberrabbiner S. Fürst Mitgeteilt von Sekretär Moritz Spitzer. Es sollen diese Zeilen die Ergebenheit und Verehnmg eines Schülers zu seinem Lehrer und Meister zum Ausdruck bringen, und א דמו•ר ש ל י ט * א. der zur Zeit zur Kur am Semmering weilt, Wünsche einer gänzlichen Heilung und guten Erholung zu übermitteln. (Kap. I, V. 3. כל יצא צבא בישראל* (במדבר• Alle, die in Jisroel zum Heeresdienst ausziehen. ״Jeder, ein abziehendes Heer“, jeder einzelne unter euch soll ein צבא eine Vielheit bedeuten, vom Hochgefühle der Verantwortlichkeit getragen werden. In sich gleichsam ein ganzes Heer in Jisroel verkörpern. * .איש איש על עבודתו ועל משאו (Kap. IV, V. 19. במדבר). Jedem einzelnen amveisen seinen Dienst und seine Bürde. Doch soll ihn dieses hehre Bewußtsein, für die Gesamtheit etwas geleistet zu haben, nicht hochmütig werden lassen, vielmehr lassen erst Arbeit und Leistung, Wirkungskreis und Pflichtbewußtsein den jüdischen Menschen zum Manne heranreifen. Durch die Leistungen des einmeinen, der Einzelpersönlichkeit איש איש soll dem ganzen jüdischen Klall gedient werden. ויקרבו הנשאים אח חנכת חמובח ... (במרבד.10 .Kap. VH, V) רשיי t אמר רבי נתן מה ראו הנשיאים להתנדב באן החלד■ ובמלכה המשכן לא התנדבו תחלה y לפי שנחעצלו מתחלה הסרה אוח משמם ו ה נ ש א ם כתיב ... Die Fürsten aber brachten dar. das ״EinweihungsOpfer des Altares,“ Die Fürsten hatten sich bei diesem höchsten religiösen Werke der Errichtung des.Heiligtums— über das Volk, statt mitten in das Volk gestellt. Sie haben sich in der lrwartühg zurückgezogen, es werde die Spende des Volkes unzureichend ausfälien. Doch der Eifer des Volkes hat sie getäuscht. Dieses Betragen der Stammesfürsten, — die Ueberhebung ihrer eigenen Person und die Unter- Schätzung ihrer Untergebenen — wird tadelnd angemerkt, durch die mangelhafte. Schreibweise t^־W01ken statt d'sw-Fürsten angedeutet. Vielleicht will die Thora uns hier sagen: Der jüdische Fürst und Führer des Volkes hat sich nicht zu überheben, hat vielmehr den נשאים, Wolken gleich zu handeln, die ihre kühlende Feuchtigkeit aus den Dämpfen, die den Gewässern der Erdentiefe entsteigen, aufnehmen, um dann, in höheren Luftschichten abkühlend, sie wieder als גשמי ברכה ״Regen des Segens“ der Erde zurückzugeben. Der jüdische Führer soll es sich auch stets zu Gemüte führen, daß seine Größe und Würde vom Volke kommend ihn erhebt. Hat er dies richtig begriffen, wird ihm G-t.tes Beistand zuteil, um dann segensreich für und mit dem Volke zu wirken. Opferbereitschaft. ויהי אנשים אשר היו טמאים לנפש ארם. (במדבר;V. 6. IX) Es waren aber Männer, die unrein״ ,waren durch den Leichnam eines Menschen ר׳ יצחק אמרו מי היוy למת מצוד. נטמאו. (ספרי, סובה, בה) חסד של אמת Durch die Betätigung auf dem Gebiete von durch ihr Wirken für die Gesamtheit und den einzelnen, erst durch diese Mizwohtat haben sie ihre geistig-sittliche Durch ihr ויהי אנשים ובו,... לנפש אדם Reifeprüfung bestanden .Schaffen für den Klail wurden sie zu Männern Wie ״ueugcboren“ fühlt man sich nach einer leichten Einreibung mit Aipa-Franzbranntwein, Regelmäßige Massagen mit Alpa machen den Körper widerstandsfähig, erfrischen bei Ermüdung, reinigen die Haut- Oberfläche und regen den Blutkreislauf an. Wie erfrischend mundet ein kalter Pudding, darum ist er gerade in der warmen Jahreszeit der bevorzugte Nachtisch von jung und alt. Für kaum tsch. K 3.— stellen Sie eine wohlschmeckende Süßspeise für ß Personen her, die überdies noch sehr nahrhaft ist. 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Der Korrespondent der Jüdischen Telegraphen- Agentur in Danzig und Redakteur des ,Ranziger Echo“r Theodor Löwy, der vor einigen Tagen verhaftet wurde, ist nun unter der Bedingung in Freiheit gesetzt worden, daß er innerhalb sechs Tagen das Territorium des Danziger Freistaates verläßt. Der des Mordes an dem jungen revisionistischen Instruktor Kalman S chapiro angeklagte Araber Said Selim ist gegen Kaution aus der Haft entlasse n worden. Zwei führenden jüdischen Persönlichk eiten S changhais, Sir Elly Kadoorie und Sir Victor Sassoon, wurden von der chinesischen Nationalregierung hohe Auszeichn ungen verliehen. Der Schweizer Nation alr at, der in einer Abstimmung vor ein paar Tagen den Kreditposten des Budgets für die Teilnahme der Schweiz an den Olympisehen Spielen Berlin 19S6 gestrichen hat, hat nunmehr in zweiter Lesung diesem Posten mit 87 gegen 58 Stimmen seine Z ustimmun g gegeben. Die Schweizer Mannschaften werden daher an den Olympischen Spielen teilnehmen. Im jüdischen Viertel von S aloniki artete ein Streit zwischen einigen Juden und einigen Griechen in einen Massenangriff antisemitisch auf gehetzter Bevölkerungsteile gegen Juden aus.,Da die Juden sichwehrten, gab es auf beiden Seiten viele Verletzte. Die Polizei trennte schließlich die Streitenden und verhaftete sieben , Griechen und drei Juden. Aus dem Yemen eintrefferide zuverlässige Berichte lauten dahin, daß neuerdings dort ein systematischer antisemitischer F eld zu g durchgeführt wird, der die jüdische Bevölkerung in Panik versetzt hat. Der Rat der Volkskommissäre der S o w j e tr epublik hat beschlossen, einen Zus chu ß von 8,967.000 Rubel zu der bereits bewilligten jährlichen Budgetsumme für Ansiedlung v on Juden in dem autonomen jüdischen Land Biro-Bidschan zu gewähren. Demnächst wird der Eroberer Palästinas, Feldmarschall Lord Allenby, abermals P alästina besuchen, um der Enthüllung des Denkmals, das ihm zu Ehren in Jerusalem errichtet wird, beizuwohnen. Durch Ministerratsbeschlüß wurde das Konsulat der Tschechoslowakei in J er u Salem zum Generalkonsulat erhoben. Dieser Beschluß wurde in Würdigung Palästinas für den tschechoslowakisehen Exporthandel gefaßt. Der High Commissioner Sir Arthur W au cho p e hat in der jüdischen Kolonie Nathania in der Scharon- Ebene einen seinen Namen tragenden Platz nebst Park im Umfang von 50 Dunam eingeweiht. Der Stadtrat von Tel-Aviv hat sich in seiner letzten Sitzung mit dem Projekt der Aufnahme einer A nleihe in Höhe von einer Million Pfund bei der Prudential Assurance Company beschäftigt und den Plan ratifiziert. Dabei teilte der Vizebürgermeister Rokach mit, daß die Regierung ihre Zustimmung zu der Aufnahme der Anleihe bereits gegeben hat. Der Führer der amerikanischen Nazi- Partei, Raymond Healey, der sich ״Der amerikanische Hitler“ nennt, wurde zu 60 Tagen Gefängnis, verbunden mit Zwangsarbeit, verurteilt. Die Verurteilung erfolgte, weil Healey judenhetzerische Plakate anbringen ließ. Straf verschärfend wirkte sein arrogantes Auftreten vor Gericht, das er mit dem Nazi-Gruß betrat. Die von dem holländischen Senator S. van der Bergh veranstaltete Garden Party, an der drei Minister und zahlreiche hervorragende Mitglieder der holländischen Aristokratie und der diplomatischen Kreise teilgenommen haben, brachte ein Erträgnis von 15,000 holl. Gulden, das den Zwecken des jüdischen Werkdorfs im Wieringermeer Polder zugeführt wurde. Im Werkdorf werden hauptsächlieh junge deutsche Juden für die Arbeit in Palästina ausgebildet. ־ Der Egerer Rabbiner Dr. J. S chapira wurde von der Jüdischen Gemeinde in Antwerpen, die 55.000 Seelen zählt und eine der größten des europäischen Westens ist, zum Oberrabbiner gewählt. Dr. Schapira war seit sechs Jahren in Eger tätig. Er wird sein neues Amt anfangs September antreten. Im Anschluß an das unlängst geschlossene neue Handelsabkommen zwischen Palästina und Ae g y pt en entsendet die Palästina-Regierung in diesen Tagen eine Kommission nach Beirut, um mit den zuständigen syrischen Stellen über eine Acnderung des im Jahre. 1929 mit Syrien geschlossenen Handelsabkommens zu verhandeln. In sehr erregter Stimmung beriet das Danziger Parlament über Maßnahmen zur Rettung der Stadt vor dem Ruin. Dabei protestierten Katholiken und Sozialisten gegen antijüdische Propaganda und gegen das Beschmieren von Fenstern und Türen jüdischer Häuser mit judenhetzerischen Aufschriften, Sie erklärten, die Danziger Juden seien gute Bürger und die Auslandsjuden seien die besten Kunden Danzigs, H. Grün, U., Taborstraße. 8 b, Tel. R-42-3-66, Atelier für feine Herrengarderobe- ®