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Jüdische Presse · 1935-05-17 · 19 (17.5.1935) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
21 (1935)
Issue
19 (17.5.1935)
Date
1935-05-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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efüÖtSCMK MESSE Seite 2 m1$: Zeitenwende. ־ י־/ '.־־;• . Von Bezirksfabbiner Simon Sc h w a b.*) 1. Die körperliche und seelische Bedrängnis unserer Brüder in aller Welt wächst zusehends weiter. Dunstig Uftd trüb liegt die jüdische Zukunft vor enttäuschten, vom Ausspähen wunden Augen. Ruin, Ausgestoßensein Und Aechtung, seelisches Leid, Irren, Taumeln, Raüsch und Lähmung. Doch auch das Golus der W eit steigt an. Der breite, breiige Strom der Qualen, Sorgen und Aengste tritt über die Ufer und wälzt seine verheerende Flut über die herbstlichen Fluren einer verwelkenden Zeit. Und ein neuer Weltkrieg geistert als drohende Wetterwolke über unserer, mit .nervenzerreißenden Spannungen überladenen, zeitgeschichtlichen Atmosphäre. Das wäre dann der soziologische und, für zwei Erdteile, der kulturelle Abschluß unserer gegenwärtigen Epoche, ein solches Massenmorden, nach allen modernsten Regeln der tödlichen Kunst. Es hat heute keinen Sinn mehr, in unangebrachtem Optimismus vor der wuchtigen Sprache der uns anfallen־ den Tatsachen das ehrlich reagierende Empfinden zu verschließen. Auch die gutgläubigsten Scheuklappenträger müßten heute vor dem Donner der zeitgeschichtlichen Eruptionen kapitulieren Und ihre unzulänglichen Waffen — Trägheit des Herzens und Begrenztheit des Blicks — heute-endlich strecken. Zeitenwende! — Das ist das Schlüsselwort des rätselhaften Geschehens unserer umwölkten Tage. Macht euch frei von der Enge eurer kleinen —großen Einzelsorgen, nicht i h r seid arm und krank, sondern mit euch die ganze Welt, nicht ihr allein verwirrt, hilf- und ratlos, sondern die große Menschheit, unser ganzes zeitgenössisches Geschlecht. Denn eine seit zwanzig Jahren überlebte Epoche stirbt, und auf dem Markt des Lebens häufen sich die Klagenden. Das Rad der Historie ist im Begriffe, ausgetauscht zu werden, alte, vergötterte Werte werden in unseren Tagen umgewertet, Staatengebilde vergehen und entstehen in neuer Gestaltung, Geschlecht geht und kommt, ein neuer blutigroter Morgen der Menschengeschichte dämmert herauf, und unter Kreißen und Mutterwehen gebiert ein überwundenes Zeitalter neues historisches Werden. Das ist nun das Versöhnende an unseren Schmerzen und Wunden, daß nicht wir ihre einzigen Träger sind, nicht die alleinigen Erleidenden, sondern die weite, sich verjüngende Welt. Unsere Zeit unterliegt einer radikalen, energischen Wende und Wandlung. Ein neuer Akkord wird angeschlagen, wer möchte künden, ob es eine frohe oder ernste Melodie wird, ein!neues, frisches Blatt eingeheftet in G־ttes Buch,. wer möchte ahnen, ob es zum Segen oder zum Fluch beschrieben wird, zum Sterben oder zum Leben — —?,Zeitenwende!! II. Undwir? Wir, um deretwillen all dies geschieht? Wir, — mitten in diesem Hexenkessel der Krisen, Kriege und Katastrophen, wir, —!mitten in diesem gischtigen, wirbelnden Strudel des millionenfachen Hangens• und Bangens, wir, — wir wenden den hilfesuchenden, umherschweifenden Blick zu ״den Bergen“, zu all den irdischen' Erhebungen, die heute vor dem G-tt der Geschichte erwanken, erbeben, wir heben unseren flatternden, verängstigten, verweinten, trotzigen oder müden, Golusbliclc umher: מאין יבא 'עזרי? Ausweglos verstrickt, verkettet, versponnen, umgarnt von Schuld und Schicksal, von Not und Reue, finden wir endlich zurück zu Ihm, zu G-ttes Nähe, zu seiner Wärme, zu seinem alleinigen Schutz. Kein anderer seelischer Ausweg denkbar, kein sonstiger Optimismus möglich, keiner berechtigt. ״!אין לי להשען אלא על אבינו שבשמיםBitochaun!“ das muß die Losung der jüdischen Gasse werden, nur und immer nur das: נקוה אל ח׳, das: בטח בה׳ in einer Innigkeit, in einer geradezu fanatischen Ueberzeugtheit, in '*) Der Aufsatz ist mehr für die jüdischen Verhältnisse in Deutschland geschrieben, ist aber in seinen Folgerungen und seinem Teschuwo-Ruf auch für uns nicht minder aktuell und wichtig. einer solch efschütteffiddh Aussöhließliehkeit, Wie wir es heute noch kaum als unseren realen Lebens'impuls anerkennen, oder gar Wahr, haben möchten. Doch die überbittliche Zeit drängt bald zu dieser unumgänglichen seelischen Entscheidung, Und eine Flucht Zu G-tt beginnt, ein Hinstürmen, Drängen uttd Sehnen. Und ein Hunger bricht aus, Dürsten und Schmachten, ,,kein Hungern nach Brot und kein Dürsten nach Wasser, sondern nach G-ttes Wort" (״ .(עמום ד,׳Und so wie das Waldtier nach Wasserquellen lechzt, so quilt dann unserer Seelen Sehnsucht nach G-tt" <תהלים מ*ב>. Und es kommen Uns dann große, stille Stunden des Sichversenkens, des Insichgehens, beim Gebet, beim inbrünstigen Vertiefen in G-ttes geoffenbartes Wort, da unsere Seele die Schalen und Krusten dieser Welt sprengen wird, und bangend, liebend, bebend auf die Suche geht nach G-ttes Nähe. Dann werden all die alltäglichen ״hochwichtigen“ Belanglosigkeiten unseres Daseins einschrumpfen und entrückt sein und der Zauber des G-ttlichen und Ueberirdischen wird uns beglückend umstreichen. Dann wird es sein, daß die Ahnung eines ewigen, wahren Glücks uns atemraubend anspricht, Edens duftender Hauch uns umfächelt. So ist die Zeit einer jüdischen geistigen Erneuerung nicht fern, da das Leben unseres inneren Menschen uns als ^einzige Realität ersteht und all das Aeußere, Zeitliehe, uns zu d e m wird, was es nach G-ttes Willen sein soll, nichts als Vorbereitung, Wegbahnung, Hinströmen zum Undendlichen und Ewigen יחב״ש. Einkehr, Verinnerlichung, Gewinnung eines innigen, wachbewußten, seelischen Verhältnisses zu הקביה, jene chassidische Verliebtheit ebenso wie diese ״mussardike" demütige Erleuchtung, kurz der ״Dienst des Herzens" — “ע בודה הלב" in all seinen heiligen Ausdrucksformen und Variationen, das müßte allen heute unverrückbar heiliges Ziel sein, Verjüngung und Umkehr zugleich. IH. Wenn wir dem abgefallenen Teil unseres Volkes zurufen: ״Heimkehr ins Judentum“, so, fordern wir unsere thoratreuen Brüder auf zur ״Heimkehr zu G-tt“. Als vor über hundert Jahren diese kopflose Flucht vor G-ttes Sinai-Gesetz;begann, da war es zunächst die historische Aufgabe der damaligen jüdischen Meister, das Gesetz zu retten, die Uebung ' und Pflichterfüllung, wenn auch das innere Glühen für G-tt, das רהמנא לבא בעי die wahre ״Furcht und Liebe" im Sinne der חובות הלבבות vorerst noch als Hoffnung einer kommenden Zeit vorbehalten bleiben mußte. Immerhin ganz im Sinne des הלוא• אוחי עזבו ואת תודתי שמד mußte und konnte auch sehr oft dem Westjudentum nur die äußere Formung gerettet werden, wenn auch dann die ״Seele der Thora“ fürs erste verschüttet und unerkannt blieb. Man mußte zuerst den jüdischen Willen und erst viel später das Herz — der Thora wiedererobern. So konnte man wohl die Mizwaus p בדקה ן erfüllen, doch diese Mizwaus waren nicht ״erfüllt“ von der liebend entflammten heißen Empfindung des Ausführenden. Es blieb oft nur ein ״ב מ צ' ותיו וציונו״ ohne das vorhergehende ■ "אשר קדשנו“. So wird es verständlich, daß man Thillimbeutel neben Theaterbillett und Chumesch neben Roman legen konnte und — leider — beides zu •betätigen wußte. So wird es einigermaßen begreifbar, daß man die lodernde, opfernde Selbsthingabe des Gebetes einzuzwängen wußte in Kirchhofstille und weihevollen Seidenhut, in diese unjüdische Schnürbrust des offiziellen eisigen, europäischen Drills. Doch das Gesetz war gerettet — und so der Weg frei, um nun ־ die Wärme und Leuchtkraft der Thora zu gewinnen, Entflammtsein wieder in unser Gebet zu tragen, jene heiße Musik des jüdischen Herzens, diese heilige Süße des überquillenden Gemüts. Diese Straße des המאור שבה מחזירן למוטב sie ist zum großen Teil in Westjudentum noch nicht wieder begangen worden, unser Gebet, unsere jüdische Tat hat sich noch selten von der Ufftstrickung des ft מצווי«. אגש^ם .מלומר gelöst. Hier ist däs weite Gebiet unserer jetzigen uftd künftigen inner jüdischen Arbeit. Suchen und Forschen nach G-ttes Nähe, Wegbahnen und Rüsten für das wahre ewige Leben des עולם הבא, dieses nie abreißende שויתי ה׳ לנכד' תנד ר — nicht als phrasenhafte Formel, sondern als allesdurchglühende heilige Realität — ins alltägliche Leben getragen, das heißt Eroberung des jüdischen Herzens, das heißt totales, lebendiges, ausgefülltes Judentum. An dem Feuer solcher intimsten übersprudelnden Thora- und Mizwa-Bereitschaft versengen, verkohlen die Zahlreichen kleinlichen diesseitigen ' Ich-Problemchen wie dürre Blätter. Es gibt auch — von Bileam bis Buber — eine illegitime Sehnsucht nach G-ttes belebender Nähe, so daß man Unter Aufkündigung der Gesetzestreüe und trotz Verleugnung des geoffenbarten g-ttlichen Willens, seinen eigenwilligen Pfad zu G-tt einschlägt יו־קר אלוקים את בלעם בדרך טומאה . Hier heißt es auf der Wacht sein, daß nicht ein durch und durch abtrünniger Buberscher ״N eu Chassidismus“ oder sonst eine liberale ״Religiöse Maximalforderung“ auf thoralosem Fundament uns auch dieses letzte Bollwerk bis zur Unkenntlichkeit verzerrt und verekelt. Der religiöse Abfall, der kollektive יצר הרע unseres Volkes, hat uns in den letzten Jahrzehnten so viele traute, geheiligte Begriffe entfremdet und diese übertüncht mit Trug und Blendung, so daß . wir den Aufruf zur seelischen Erneuerung heute nur dann erhören, wenn die Gedaule Jisroei, wenn die wahren Zaddikim und Geaunim ihn aussprechen. Wir warten auf solchen Ruf! Man hat uns unsere Heiligtümer, Zibbur, Heilige Sprache, Erez Jisroei, Rambam, ״Jüdische" Gemeinde, den Klall-Jisroel-Begriff entheiligt, säkularisiert, ernüchtert, entkleidet und verbogen, umgemodelt und nach modernem, assimiliertem Geschmack zurechtfrisiert; wir wollen uns heute nicht Bitochaun, Hislahawus und G-ttkönigtum von Seelenärzten verschreiben lassen, die selbst einer hoffnungslosen jüdischen Agonie verfallen sind. Wir warten auf die Losung, die unsere Gedaule Jisroei ausgaben! Die Parole, sie wird heißen: Verinnerlichung, somit Teschuwo-Bewegung im eigenen Lager. Bevor noch täuschende Sirenenklänge von der ״Religiösen Aufgabe“, ״Steigerung des religiösen Erlebens“ aus dem Lager der Betörten und Geblendeten unseres Volkes uns künden, ' daß die Orthodoxie eine günstige Situation ungenützt hat verstreichen lassen. Auf die Zeitenwende antworten wir mit der innerjüdischen Menschenwende. Wir können nur vom verirrten Bruder .die. Teschuwo fordern, wenn wir.im eigenen Lager den Teschuwo-Weg vorangehen. Nur die Gemeinsamkeit des שובו בנים״ שובבים“ schlingt noch heute das einigende Band um ganz Jisroei. Wir wollen uns wandeln. Dann mag die alte Zeit sterben und eine neue, gewitterdrohende am geschiehtliehen Horizont heraufziehen. Wir werden bleiben! Und G-tt reißt das versteinerte Herz uns aus der Brust und schenkt uns fühlendes Menschenherz (Jecheskel 18, 36). Sicherheit und Vertrauen durchziehen unser schwankes Leben, denn durch alle Zeitenstürme gewittert dann g-ttlicher Verheißungs-Donnerruf: כי אני ה׳ לא שנתי ואתם בני יעקב לא כליהם (מלאכי גס ZEITENWENDE: Ein Aufruf G-ttes, wenn wir ihn verstehen. Eine Mahnung G-ttes, wenn wir sie erhören. Eine Verheißung, wenn wir uns ihrer würdig erweisen... Um (diikuaistlie KektystofkUt (21 11. ״Schnell, Dido, mein Diadem, meine Ringe! Mein Gemahl soll königlich empfangen werden.“ Unter dem Türvorhang erschien König Achab, Ein weich geschnittenes Gesicht. Er hatte die letzten Worte Isabels gehört und sagte gütig .und schmeichelnd: ״Bedarfst des Schmuckes nicht, Isabel, bist jeder Zoll eine Königin, die stolze Tochter Ethbaals.“ Mit einem verschämten Augenaufschlag dankte Isabel und gab Dido einen Wink, zu verschwinden. Dido aber horchte zwischen den Falten des Vorhanges. ״Achab", hub Isabel an, ״dein heißer Wunsch ist erfüllt, du •nennst nun auch eine Tochter dein eigen.“ ״Und du“, bemerkte Achab lächelnd, ״träumst wahrscheinlich schon beim ersten Schrei der Kleinen von einer politischen Heirat.“ ״Schlecht kennst du das Fühlen einer Mutter, aber das bist wieder ganz du, der Enkel Sems, die uns, die aus dem Blute der Kenaan, kein ehrliches Gefühl zutraüen.“ Und eine verstohlene Träne perlte am Lid der nun doch erschöpften Isabel. ״Aber, Isabel, immer wieder das alte Lied. Komm, meine geliebte Isabel, beruhige dich doch.“ Schnell griff Achab zu einem kleinen Hammer aus Gold, schlug auf eine silberne Platte, der helle Ton sollte Dido herbeirufen. ״Was willst du, Achab?“ ״Den Arzt will ich rufen lassen, der dir einen beruhigenden und stärkenden Trank reichen soll,“ ״Ist wahrlich nicht nötig, deine zarte Fürsorge, geliebter Achab, ist besser als jeder Arzt.“ Als nun Dido unterwürfig unter der Türfüllung erschien, sagte Isabel rasch: ״Sorge dafür, daß eilende Boten die frohe Nachrieht zu meinem Vater nach Sidon bringen, Aber hörst du. bei meiner Gnade, ich will nicht, daß mein Bote Träger deiner Nachrichten nach Sur wird, Darf ich den König Achab bitten, seinem Hofmarschall Obadjahu zu gebieten, meinen Boten unter sicherem Geleit bis an die Grenze des Landes zu bringen?“ ״Gewiß, und das wird Obadjahu um so lieber tun, als er immer wieder mit der Bitte kommt, einmal sich in den Wäldern des Karmelberges erholen zu dürfen. Die Gegend scheint ihm besonders zu gefallen.“ ״Mir aber", sagte Isabel, als Dido wieder auf ihren• Horchposten zurückgekehrt war, ״mir gefällt dein Obadjahu gar nicht. Doch nun zu etwas anderem. Wie wird unsere Tochter heißen?“ ״Ich gedenke sie Ataljah zu nennen?“ ״Ataljah?! Also wieder diese Verbeugung vor dem, zu dem dein Schwager Jehosaphat betet. Wieder eine Verbeugung vor Jerusalem. Hast mich ja schon bei unseren Söhnen, die' du Achasjahu und Jehoram nanntest, in so tödliche Verlegenheit, gebracht. Wie stehe ich denn vor meinen Freunden in Sidon da, wenn ich nicht einmal bei meinen Kindern und •bei ihren Namen meine Verehrung für Baal zum Ausdruck bringen kann. Achab, ich ertrage das nicht länger, Du täuschest mich. Meinst du, ich weiß nicht von deinem heimlichen Verkehr mit diesen blinden Sklaven eines Buches, die sich die Weisen Israels nennen?" Achab, der mit abgöttischer Verehrung an Isabel hing und den gerade das Fremdartige, das Verschleierte am Wesen seines Weibes stets aufs neue wieder reizte und anzog und der jeden Augenblick aufs neue fürchtete, sie innerlich zu verlieren, war in furchtbare Erregung geraten. ״Aber, Isabel, was ficht dich an? Habe ich nicht trotz aller Bedenken den Freund deiner Jugend, den Matan, ins Land gerufen und geschwiegen, als auch Jubal mit seinem Troß erschien? Habe ich dir nicht freie Hand gelassen, als du die Prophetenjünger grausam morden ließest? Habe ich nicht die Priester des Baal und der Astaroth auf mein ganzes Volk losgelassen? Isabel, was planst du, was willst du?" Isabel wußte ihre Waffen zu gebrauchen. Sie verharrte stumm, das Antlitz zur Wand gekehrt und wußte den Eindruck zu erwecken, als ob sie still in sich hineinweinte. Ihre reichberingte, zarte Hand schien sich in die Kissen zu verkrampfen. Verzweiflungsvoll neigte sich Achab stumm zu ihrem T׳ager, um einen zarten Kuß auf diese Hand zu hauchen. ״Isabel!“ Sie schmollte weiter. ״Tsabel, was kann ich tun? Den Namen des Kindes kann ich nicht mehr ändern, ich habe ihn bereits dem Volke verkündet.“ ״Auch wohl schon nach Jerusalem, an deinen Schwager, berichtet?“ ״Auch das.“ Peinliches Schweigen. Dann drehte Isabel sich um und mit vollem Augenaufschlag, während ein zärtliches Lächeln über ihr Antlitz huschte, winkte sie Achab zu sich heran und hauchte: ״Nun gut, du weißt, ich kann dir nicht grollen. Du hast mich vorhin nach meinen politischen Plänen gefragt. Vielleicht ist dieser Name auch einmal nützlich, wer weiß. Aber nun mußt du mir auch einmal etwas zu Gefallen tun. Komme, leih mir dein Ohr, komm ganz nahe zu mir.“. Und sie zog ihn mit sanfter Umarmung zu sich herab, um ihm etwas ins Ohr zu flüstern. Wie von einer Tarantel gestochen, fuhr Achab empor. ״.Ta, Achab, ja, wirst du es tun? Achab, mir zuliebe! Wird es dir so schwer? Sei nicht schwach, wage die Tat!“ Stumme Gewährung nickend, entfernte sich Achab. Am selben Tage aber erschienen kundige Steinmetzen, Sklaven aus Sur. Als der Lärm ihrer Arbeit immer stärker wurde, drang er auch in das Frauengemach. Dido entrüstete sich• ״Wie kann man nur so wenig Rücksicht auf die junge Mutter nehmen? Soll ich gehen, Gebieterin, und den Arbeitern wehren?“ ״Nein“, lächelte Isabel, ״es ist gut so.“ Die ganze Nacht hindurch wurde bei Fackelbeleuchtupg weitefgearbeitet, und am anderen Morgen prangte mit glitzernden Buchstaben aus sidonischem Glas über dem Fries des Haupteinganges zum Palast Achabs und Isabels die kurze Inschrift; ״Achab hat keinen Teil am G-tte Israels,“ .(Fortsetzung folgt.)’

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