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Jüdische Presse · 1935-05-17 · 19 (17.5.1935) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
21 (1935)
Issue
19 (17.5.1935)
Date
1935-05-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Kleine Tube S —.90 Große Tube S 1.40 Pilsudski* Auf der Höhe seiner Laufbahn hat Marschall Josef /׳. . ■ Pilsudski, ,der eigentliche Begründer und Führer des politisehen Staates, völlig unerwartet das Zeitliche gesegnet. Das polnische Volk ist in tiefe Trauer ob dieses unermeßlichen Verlustes gehüllt, und mit allen anderen Bürgern trauern auch die Juden Polens um einen edlen Menschen, um einen begeisterten Idealisten, um einen repräsentativen Führer und nicht zuletzt um einen schlichten, aber verdienstvollen Bürger ihres Staates. Denn Josef Pilsudski hat es wie kaum ein anderer verstanden, alle Fäden der Staatsführung in seiner Hand zu vereinigen, ohne selbst zum Vorschein zu kommen. Seit dem bekannten Mai-Umsturz des Jahres 1926 — Tragik des Schicksals: das Datum des Mai-Umsturzes ist mit dem Datum des Todestages des Marschalls identisch — galt Pilsudski als der .eigentliche!Führer des Staates, wenn er auch die Würde des Staatspräsidenten seinem persönlichen Freund Moscicki überließ und sich selbst schlicht auf die Stelle des Kriegsministers zurückzog. Es wäre verlockend, auf Pilsudski das in Nekrologen ־ häufig gebrauchte Wort ״unersetzlich“ anzuwenden. Unersetzlich — gewiß! Nicht aber in dem Sinn, daß sich kein Mann fände, der die Führung des Heeres gleich ihm verstünde. Nicht in dem Sinne, daß Polen Uber keinen Staatsmann verfügte, der gleich ihm auf die Führung der außenpolitischen Geschäfte alleinigen und bestimmenden Einfluß* ausüben könnte. PUsudski als Kriegsminister und als Staatsmann, Pilsudski als Nationalheros, Pilsudski als Revolutionär und Führer zugleich, dieser PUsudski wird keinen Ersatz finden. Mit den Juden Polens trauert die Judenheit der ganzen Welt um den Tod dieses aufrichtigen Judenfreundes. Nicht als Sozialdemokrat, aus welcher Bewegung PUsudski hervorgegangen ist, hat ihn eine innige Verbundenheit mit dem jüdischen Volk verknüpft, sondern bis zu seinem letzten Atemzuge war er Beschützer und Fürsprecher der jüdischen Bevölkerung seines Landes. Und wenn wir es auch unterlassen, die vielen Anekdoten über seine Judenfreundschaft zu zitieren, deren Authentizität ja doch nicht feststeht, so muß doch darauf hingewiesen werden, daß PUsudski bis au sein Lebensende einem armen jüdischen Bürger einer Kleinstadt eine monatliche Rente von 300 Zloty dafür ausbezahlen ließ, daß er sich einst rettend vor eine ihm geltende Kugel gestellt und ihn in höchster Lebensgefahr mit jüdischem Mannesmut verteidigt hatte. Und es war ein hervorragender Führer der orthodoxen Judenheit, der durch seine Intervention PUsudski aus dem Kampf um die Bratislava, 15. Mai 1935. In den letzten Jahren ist in vielen be* deutenden Ländern Mitteleuropas ein mittel־־ alterlicher Rassenhaß entstanden. Unter־־ drückung der Schwachen, Judenverfolgungen sind in solchen Staaten an der Tagesordnung. Man könnte fast glauben, daß halb Europa einem unglaublichen Wahnsinn verfallen ist. Einem Wahnsinn, der auf die einzelnen Re־־ gierungen wie auch auf die betreffenden Völker gleichsam ansteckend wirkt. Diese An־־־ steckung überfällt die einzelnen Staaten der Reihe nach. Man merkt es auch in unserem Staate, daß bestimmte Kreise, hauptsächlich unter den so־־ genannten ״Sudetendeutschen“, aber auch unter gewissen überspannten Tschechen und Slo* waken, nach dem judenfeindlichen, antidemo־־ kratischen Auslande hinüberschielen und recht gern das unheimliche Auslandsmuster kopieren, möchten... Es ist ein Glück, daß unser Staat in seinem Minister des Aeüßern, D,r. Edvard B e n e s, einen klugen und weitblickenden Staatsmann besitzt, der gegen, die erwähnte mittelalterliche Wühlarbeit;.mit aller. Kraft sowohl, in. seiner Außenpolitik als auch in der Innenpolitik kämpft. Dies ist ein erbitterter Kampf, nicht nur um das Wohl des Staates und seiner Be־־ völkerung, sondern auch uni die Gerechtigkeit überhaupt. Dr. Benes ist ein getreuer Anhänger seines Lehrers, des Präsidenten M a sa r y k, und wird von diesem wie sein eigener Sohn be* trachtet. Dr. Benes befolgt daher in allem die edlen, moralischen Grundsätze unserer Repu* blik. Die feste Richtschnur seiner Politik ist da־־ her auch bei ihm: Die Wahrheit und die Gerechtigkeit. Es ist die Pflicht eines jeden Kultur־־ menseben unserer Republik, besonders aber aller Unterdrückten und aller ungerechter־־ und unklugerweise Mißachteten, in diesem Kampfe den Mann zu unterstützen, der für ihre Rechte und für ihr Wohl kämpft. Die Judenschaft kann und darf nicht diesem Kampf für Recht und Gerechtigkeit fernstehen. Es liegt in ihrem ureigensten Interesse, den Mann zu fördern, der, erhaben über alle Par־־ teien, für die Rechte der Juden eintritt. Dr. Benes hat sich in seiner rühm־־ und segensreichen diplomatischen Laufbahn als ein Gerechtigkeit. umsichtiger und weitblickender Staatsmann be־־ währt und hat zahlreiche berühmte diplomati־־ sehe Siege auf der Weltbühne erfochten. Dieser Mann, der gegenüber den ״Handwerkern“ der Politik sozusagen ein ״Ingenieur“ der Poli־־ tik genannt zu werden verdient, ,wird voraus* sichtlich auch im innenpolitischen Kampfe siegen. Der Weg, welchen die Juden in ihrem eigenen Interesse bei den kommenden Paria* mentswahlen gehen sollen und müssen, ist da* her klar und einfach: Sie werden sich zur Seite jenes Ma n n e s stellen, der nicht nur für ihre Rechte kämpft, sondern der v o r a u s s i c h t li c h a u c h den Wahlsieg erringen wird. Dieser Mann ist Dr. Edvard Benes. Plagiat, Schund und TälscUun# td-enke. an. tnoxg&tt — ßeajfoa. 6c&iityt vox / 1. bei Berufsunfähigkeit INVALIDITÄTS-RENTEN S. für ein sorgloses Alter ALTERS-RENTEN 3. im Ablebensfalle HINTERBLIEBENEN-RENTEN ALLGEMEINE VERSICHERUNG! A.-G PENSIONS-VEREIN WIEN, 1״ SCHELLINGGASSE 1 deutschen Gefängnis in Magdeburg befreite und ihm so den Aufstieg zu ungeahnten Höhen ermöglichte. Diesem Mann blieb Pilsudski bis an sein Lebensende ein treuer Freund. Pilsudski hat in *den letzten zwei Jahren einen deutschfreundlichen Kurs eröffnet und das französischpolnische Freundschaftsverhältnis gelockert. Es ist mehr als zweifelhaft, ob dieser politische Kurs nun, nachdem sein Initiator gestorben ist, beibehalten werden wird, und es scheint nicht bloß eine Höflichkeitsgeste zu sein, daß der französische Außenminister Laval — wie die Zeitungen berichten — beauftragt wurde, auf seiner Heimreise aus Moskau neuerdings |n Warschau Aufenthalt zu nehmen. Der deutschlandfreundliehe Kurs Pilsudskis hätte möglicherweise zu der Vermutung Anlaß geben können, daß Pilsudski sich auch mit dem Rassenantisemitismus des Hitler-Reichs identifiziert oder diesen gebilligt hätte. Die Wahrheit verdient es, festzustellen, daß PUsudski bis zum letzten Moment jeden Versuch einer antijüdisehen Bewegung in Polen unterdrückt und mit eiserner Hand die antisemitischen Parteienniedergehaltenhat, Seine Deutschlandfreundschaft galt politischen Motiven. Pilsudski wollte sich Ruhe im Westen sichern, um mit doppelter Kraft gegen den Osten Vordringen zu können. Wie Pilsudski in der kurzen Zeit zwischen den Jahren 1924 und 1926, in, der er zurückgezogen auf seinem Landgut lebte, einen drohenden Pogrom gegen die Juden Polens durch sein Machtwort im letzten Augenblick zu verhindern wußte, so blieb er auch immer der Führer, der das Wohl aller Bürger seines Landes im Auge hat und die Leistungen und Lebensnotwendigkeiten der jüdischen Bevölkerung gleich den aller anderen BevölkerungsteUe anerkannte, würdigte und verteidigte. Pilsudski bleibt ein Name und ein Programm• Sein Name wird Inder Geschichte verankert und verewigt bleiben. Wien I, KM1errin$ Nr. 6 16־0

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