Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 21 (1935)
- Issue
- 9 (1.3.1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2629891-2630587-2630596--4936-2637187- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
llläjl||pll mma uiem gläübenatfeueä Mensc-hefi, Zieher Konfession!««!16? sie äffgehören magert; A/uffichtigkeit, tä&Mfeiteä Eifttfeteä für die anefkäfiMe Wahrheit und Menöefieniietse als einigefides Sand stehen, während die Nätionalisten aller Göuleur stets nur pärteiegölstlsehe Bleie ferin^env;:: ■■• _ .,.׳., * Vv:■ ■ Ünd «wenn schön von dem einigenden Band gespröcÄ wirdv das die religiösen, Menschen älier Kon* lessiöäeit veibihöet, so muß denn auch unsererseits gegen die fteHgi0nsverfolgungen in Mexiko, obwohl sie siöh dört nicht gegen •Juden, sondern gegen Katholiken׳ richten, ieidenschaft 1 icfaer •׳■׳■■ 'Protest׳ erhoben : werden» ־ . Es ist nicht uninteressant, daß die ReÜgionäverfol* gungen in Mexiko wieder von nationalistischen :Kreisen;entfacht und geschürt werden. Es ist der ewige Gegensatz zwischen irrationalem Nationalismus und dem 1 in seinem Glauben festverankerten Menschentum, der hier Wie dort —-- nur in verschiedenen Formen — zur Explosion gelangt. Auch in Deutschland erfährt der Katholizismus eine Man durchschaut , die!böse Absicht nur au leicht• Es ist die» wieder ein Versuch*^ w 1 e s«o a 11 in. -diö orthodoxen Reihen zu trägen» äerjm&h — das können wir versichern — von vornherein• Ätim Rcheitern verurteilt ist Die ״J. T. Arw gläubt einen anderen Weg für die Sehwächung der RöMtföflder Weitorthodoxie gefunden au haben. Sie versucht es durch die Ifeibreitung einer NicP rieht, daß die pol n iS ehe LändesorganiSätidn de r A g ud a־s J i sroei ihre bisher äbie hu ende St׳a-ltttU׳^׳aüitt-W^tt'dli;theii Weltkongreß‘־ einer ״Revision unterzogen*• habe. Die Zionisten hälfe es in dertfat versucht, die Agudäs Jisroel, die die mächtigste örganisatiön in Polen ist, in eine Situation au drängen, die ihr eine weitere Ab* lehnung des ״Jüdischen Weltkongresses״ unmöglich machen oder zumindest erschweren soll. Es steht aber fest; Iflsolange kelne absorüte Garäötie dafür gegeben ist daß sie» der ״Jüdische Weltkongreß" aUsscM^Heh mit wirtschaftlichen-und keinesfalls mit religiösen Fragen taöhäftigen Wird, kann eine Mitäfbdideröfgätii* sierten Orthodoxie überhaupt nicht Äur Diskussion gestejöt werden»:fhe Agudax Jisröeh tmd mit ihr zahtreiche andere führende fiiehtziönytische Organisationen, haben den Ge* danken des Jüdischen We!tköü«re1s&e3". der von dem nn- _ lungnahme abgerüekt sei, und es besteht auch gar kein Anlaß, eine Aenderung in der bisher eingenommenen ab* lehnenden Haltung eirttreten zu lassen. Orthodoxie und Neologie in Ungarn« fürchterliche Drangsalierung. Allerdings; m Deutschland Wandte sieh der Menschenhaß vorerst und vornehmlich gegen die Richtung, die leider den scbwächsten Widerst and aufweisen konnte —*,gegen die Juden. D<^h eih tieferer •Blick zeigt die^Kongriienz, der ver-, sciriedenen Formen des Religionshasses auf. Werden aber auch alle nichtjüdischen, doch glaubenstreuen Kreise zu dieser Einsicht gelangen? Im Laufe der Zeit wird man gegen zionistische Kampfmethoden abgestumpft und man beginnt, sie als für den Nationalismus ״naturgegeben" zu betrachten. 130 allein känn man ״entschuldigendes Verständnis" für die Methöden finden, mit denen die Zionisten in Wi e n die Bildüng einer unabhängigen orthodoxen Gemein de zu verhindern versuchen. Doch darüber soll heute nicht gesprochen werden. Die Bestrebungen der Wiener Orthodoxie sind leider durch den Abfall der großen Mehrheit der Wiener: Juden vom angestammten Glauben, also von ׳bitterem r e 1 igiösem Zwang dikti e r t, und diese Bestrebungen werden zweifelsohne zu dem verdienten Erfolg führen. Wir!wollen aber beute zwei Momente aus den Methoden, die die Zionis t en ■i n Polen gegen die . dortige Orthodoxie anwenden, herausgreifen. Momente? Ja, die Warschauer zionistische Tageszeitung ״Moment" nämlich, und dann die ״,J. T. A.". ‘ Der ״Moment" gibt sich ein Mäntelchen der Objektivität und berichtet im Zusammenhang mit einer Meldung über die auf dem Wege nach Erez Jisroel befindliche ״ Aguda-D elegation aus Polen, daß innerhalb der Aguda ״,Beschlüsse hinsichtlich der Nachfolge nach Rabbi Josef Chajim Sonnenfeld s. Z. 1. als Oberräbbiner der orthodoxen Gemeinde in Jerusalem" gefaßt werden' sollen. Le1slung§fäh1gsfes Möbelhaus M; Redler/ Wien 1/ ’ Sdioilenring 35 Telephon A-12-9-78. Zeitgemäße Preise. Gesamtausstattungen von der billigsten bis zur feinsten Ausführung. ' Beste Referenzen. Eigenes Zahlungssystem. Samstag geschlossen. ,,Schomra*'-Mitglied. Seit unserer letzten Meldung hat sich der Gegenf satz zwischen Orthodoxie und Neologie in Ungarn Züge- ׳ spitzt. Während die offiziöse neologe Presse die Angelegenheit ׳ mit StillscbwÜgen Übergeht, wimmelt der orthodoxe ״Zsidö Ujsäg" von Kampfartikeln. Ein beredtes Zeugnis für das Ende der friedlichen Zusammenarbeit der beiden Kanzleien ist auch, daß der Vorsitzende der orthodoxen Zentralkanzlei und der ihn in Kampfbereitschaft weit übertreffende amtsführende Vorsitzende-Stellvertreter die Gegensätze endlich auch offiziell zugeben, betonen und sogar (dies tut einstweilen hauptsächlich Herr Hartenstein, der seine Artikel bezeichnenderweise nicht im ״ZSidö Ujsäg", sondern in dem neologen, aber in der Frage der Vereinheitlichung der Budapester neologen Kultusgemeinde mit der offiziellen Leitung der Neologie im Gegensatz stehenden ״Zsidö ßlet" veröffentlicht) geradezu zum Kampfe aufrufen. Schließlich wurde der Zentralausschuß der orthodoxen Landesorganisation für den 26. Februar zu einer außerordentlichen Tagung einberufen und soll eben in der Frage dieser Gegensätze Beschlüsse fassen, respektive der Zentralkanzlei Weisungen erteilen. Die einzelnen Phasen des Abwehrkampfes der Ungarischen Ortodoxie können wir folgend zusammenfassen: ״Zsidö Ujsdg" veröffentlichte in seiner Ausgabe Vom 15. Februar ein Interview mit. dem Zentralkanzlei- Präsidenten, Herrn Kahan-Frankl, dessen Hauptinhalt folgende Aeußerungen bilden: Eine meritorische Anhäherung zwischen Orthodoxie und Neologie hat bis jetzt hicht stattgefunden. Die .Gegensätze sind infolge des heuen neologen Statutenentwurfes ,entstanden, die solche Fragen berühren, in welchen trotz der staatsrechtlich anerkannten Separation gewisse Berührungspunkte zwisehen den beiden jüdischen Organisationen bestehen. Die Gegensätze sind hauptsächlich religiöser Natur und bedeuten im Falle einer •Nachgiebigkeit bloß für die Orthodqxie einen Nachteil. Denn für jene, die in religiösen Dingen indifferent sind, würde diese Nachgiebigkeit keinen Gewissenszwang ausmachen. Bisnun ist keine Vereinbarung zustande gekommen, ich hoffe aber, daß der Frdede doch gewahrt bleiben wird. Wir wollen den Frieden, aber es ist ,selbstverständlich, daß wir bei aller Friedensliebe unsere orthodox-religiösen Interessen nicht opfern wollen. M: ■f Lebensversicherungs- Gesellschaft : Aus dem Jahresberichte 1933: -,:■׳• ” Gegründet 1882 Versicherungsbeständ . . '. . . . . 3107 Millionen Schilling Prämien- und Zinseneinnahmen . . . . . . . . .211 . . . . . . . . ׳ MUlionen Schilling Garantiemittel ...... . . ... . . . . . . .... . . . , . . 680 Millionen Schilling Auszahlungen an die Versicherten . .. . . . . . .... . . . . . . . r. 72 Millionen Schilling Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutsches Reich, Saargebiet, öechoslovakische Republik, Belgien; Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Fürstentum Liechtenstein, Ungarn, Polen, Jugoslavien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Marokko, Irak, Tunis und Aegypten. V Die dieswöchigeh Ausführungen des ״Zsidö Ujs&g" beginneii mit dem vielsagenden Zitat aus Jirmijohu: ״Kawe* lescholaum vr-en tauw..." Es. wird festgestellt, daß die bisherigen Verfügungen der neologen Statuten^ -die die Interessen dOi* Orthodoxie verletzen, mit neuen Verfügungen ergänzt worden sind. Gegen diese — erklärt das Blatt — wird die Orthodoxie aüfs schärfste kämpfen. Des weiteren wird festgestellt, daß die Friedenshöffnungen trügerisch waren, die neologen Führer halten an ihren Zielsetzungen trotz der früheren loyalen Erklärungen fest. Die Orthodoxie ist daher zum Abwehrkampf gezwungen und der Zentralausschuß hat die Aufgabe, die Modalitäten dieses Kampfes festzusetzen. Aus dem letzten Artikel des amtsführenden Zentralkanzlei-Vorsitzenden, L. Hartstein, der an der Spitze des ״Zsidö Eiet" erschienen ist ■und den vielsagenden Titel ״Wir nehmen den Kampf gegen den Statutenentwurf der Neologie auf" trägt, entnehmen wir folgendes: Die langen Verhandlungen der zwei Leitungen führten nicht zum Erfolg. Die Orthodoxie ist dadurch in eine Zwangsläge geraten und sie muß den Kampf zur Wahrung ihrer religiösen Interessen unentwegt aufnehmen. Die ursprüngliehen Statuten der Orthodoxie aus dem Jahre 1871 — sie kamen auf Grund der Befürwortung Franz Deäks, des Schöpfers des. österreichisch-ungarischen Dualismus, und infolge der Weisungen zustande, die weiland Kaiser und König Franz Joseph der ungarischen Regierung erteilte — haben sogar der kleinsten orthodoxen Gruppe die selbständige Organisierung ermöglicht. Infolge der im Jahre 1888 erlassenen und mit der Matrikelführung zusammenhängenden Verfügungen wurde diese Freiheit eingeschränkt. Wir haben gegen diese Einschränkungen stets protestiert und heute, da die Matrikel staatlich und nicht mehr bei den Konfessionen geführt werden, entbehrt diese Einschränkung jeder berechtigten Grundlage. Wir müssen zu der vollständigen Freiheit der Gemeindebildung aus dem Jahre 1871 zurückkehren, denn es ist eine unmögliche Lage, daß ein neologer Rabbiner der Seelsorger der bei den Traditionen unentwegt ausharrenden orthodoxen Gläubigen sei. $ Bezüglich des Zahlenverhältnisses der Orthodoxen und der Neologen in Ungarn werden yon neologer Seite folgende Daten veröffentlicht; Im Jahre 1930 stellte die Volkszählung die Anwesenheit von 444.567 Juden, in Ungarn fest. Von dieser Zahl wohnen 204.731 in'der Haupt- Stadt Budapest. Von den 444.567 Juden gehören der neologen Organisation 302.145, der orthodoxen Organisation 124.982 Juden an. Die Zahl der im Status quö ante verbliebenen, also keiner Landesörganisation angehörenden Juden, beträgt 17.440. Von den 204.731 Juden der Hauptstadt sind bloß 12.000 Orthodoxe, 192.000 gehören den Neologen an. ״Waldextrakt", die unentbehrlichen Medizinalbonbons, schützen jeden gegen die Gefahren des Winterwetters und wirken vorbeugend gegen Erkrankungen der Atemwege. flMiVVlilWvV WW wWW^JIFWwWPWWWWWwWV Das Judentum kann in aufrichtiger Freude an dem Festtage teilnehmen, den am 7. März der tschechoslowakisehe Staat seinen Präsidenten und großen Bürger T. G. Masaryk feiert. Es ist ein Mensch, der untadelig und charakterstark vor der Welt steht. In den 85 Jahren seines langen Lebens ist er sich selber treu und deshalb den Juden jener vorurteilsfreie und gerechte Anwalt geblieben, der er schon vor einem Menschenalter war. Masaryk, am 7.' März 1850 als Sohn ganz einfacher Leute geboren, war Kind in einem Milieu, in dem der Ritualmord-Aberglaube noch üppig wucherte, noch mitteralterliche Schreckenslegenden die Juden zu Schreckgestalten der Jugend machten. Seine Mutter erzog ihn dn dieser ■Furcht; er empfand vor jüdischen Kindern eine Scheu. Aber, ein Erlebnis wirkte auf ihn, öffnete ihm die Augen, er erkannte den Spuk des Aberglaubens und wurde sehend. Eines Tages machte er mit seiner Schule einen Auseflug. Als der Dreizehnjährige und seine Mitschüler nach dem Mittagessen im Gasthaus ausgelassen herujntollten — wir wollen mit• Masaryks eigener ,Schilderung fortfahren: ״.. .verlor sich ein Mitschüler, ein Jude, auf den Hof, Ich aus Neugierde ihm nach. Er stellte sich hinter den offenen Torflügel und, mit dem Gesicht gegen die Wand, machte er Verbeugungen und betete. Da schämte ich mich irgendwie,• daß der J׳ude sein Gebet vernichtet, Während wir spielen. Das ging mir nicht in den Kopf, daß er ebenso inbrünstig bete, wie wir und auch während des Spieles an das Gebet nicht vergißt." - Diese Episode hat auf Masaryk so tiefen Eindruck gemacht, daß er noch im achten Lebensjahrzehnt davon weil ^r eine. Wahiüieit orHannte und sie’ in sick aufnahm als unvergängliche Erkenntnis. Dann lernte der Heranwachsende jüdische Menschen persönlich köhnen^;י״־.: er sah 'sie als Wesen gleichen!Fleisches und gleichen ^iste<5. Der Aberglaube der Kindheit zerstob vor der , Dieser Einblick und •diese Einsicht steigerten sich im Foinaer־ Hiisner^Ritualmordprozeß •vom Jahre 1388 m einem Höhepunkt im vieibewegten .J^eben Masaryks, wur4en .au einem stürmischen■ ׳ Erlebnis( das die Augehi'der :Well auf r.den unbeugsamen Verteidiger der Vernunft lenkte. . .; " ' Masaryk griff in den Prozeß ein; er wandte sich mit einer Broschüre ״Die Notwendigkeit der Revision des Polnaer Prozesses" an das Gewissen der Oeffentlichkeit, Mit der kompromißlosen Klarheit, die •ihn in allen Handlungen bestimmt, erhob er sich: ״Das ist das Wesen des Ritual-Aberglaubens: Unwiss enhei t, Fä 1 schung, L u g u n d T ru g, Aberglaube in des Wortes schlimmster Bedeutung!" Und er zerpflückte, nein, er zerrieb die absolut beweislosen und unsinnigen Anschuldigungen dieses Ritualmordprozesses. Die Antwort war ein tosendes Ungewitter schlimmster Verunglimpfungen. Aber Masaryk blieb furchtlos seiner Ueb'erzeugung treu: ״Ich habe meine Broschüre geschrieben", erklärte er im österreichischen Abgeordnetenhaus, ״nicht um den ■Hilsner zu ■verteidigen, sondern um die C hris t en v.or dem Abe r glaub en zu Verteidigen. Es hat mir wehgetan, daß ein solch finsterer Aberglaube möglich war. Ich bin überzeugt, daß ich das Richtige getan habe, •und wenn ich je in meinem Leben mit etwas zufrieden bin, wo ich mir über die Motive klar bin, so ist es dieser Fall." Vierzehn Jahre nach •Polna, im Jahre 1913, erhob Professor Masaryk abermals seine Stimme vor der Welt: Als in Rußland der Jude Bei 1 i s beschuldigt wurde, einen christlichen Knaben zu Ritualzwecken ermordet zu haben. In einer großen Prager Protestversammlung war Masaryk der Hauptredner.!Wie dn den’Polnaer Tagen, so . wandte er sich auch diesmal mit dem ganzen Rüstzeug der Vernunft gegen den Aberglauben! Er sprach zu Europa, zur .׳ganzen Welt;- er kämpfte für die Kultur gegen ein Märchen. K; Der Mann •und Mensch Masaryk ■ist niemals von dieser Erkenntnislinie abgesehen. Er hat auch in unseren Tagen wiederholt das Wort ergriffen, um sich zu dieser Ansicht zu •bekennen- Er/; der die Geistesgeschichte der Menschheit bis in die fernsten Winkel durchforscht hat, ist unbeirrbar ln der Uejpieraeugung, daß •die Vernunft durchdringen muß. , ן ז• י' [.,* -- In■ 4er Burg auf deni Prager Hradschin sitzt ein an Jaliren alter. Mann, ein. JugeAÖifnlscher Greis, «und klagt, daß seine Amtspflichten ihn daran hindern, nach Herzens- und ׳Gedankenlust alle Neuerscheinungen der zeitgenössi* sehen; Wteratur sofort undganz genau zu verfolgen!Man kann von diesem Staatsehet wohl sagen: Er trhgt ln sich das.,'gissen der Welt nn!d die Weitr'des Wiss ens! Dieser Mahn die ־Mitwelt nennt ihn schon ypller Verehrung den ״Weisen von Prag" — ist jahrzehntelang Philosophieprofessor gewesen; niemals aber Verkörperung einer trockenen Gelehrsamkeit, Nur-Denker im abstrakten Wissen, sondern Mensch und universaler Betrachter des Lebens in allen Regionen. Er, ׳der Wissende und mit weiser Ueberlegenheit alles Bedenkende, darf mit Recht oft seinem Kummer darüber Ausdruck geben, daß noch immer so viel Unbildung in der Welt herrsche und sie beherrsche. Das kann ein Mann und Staatschef sagen, dessen Bibliothek heute schon annähernd 90.000 Bücher umfaßt! Aber auch schon die Werke allein, die im Laufe seines langen Lebens aus seinem Geiste entstanden sind und die Erkenntnisse seines Wissens und die Gedanken seiner Betrachtungen für die Mitwelt und für die Zukunft erhalten sollen, umfassen bereits eine ansehnliche kleine Bibliothek! Gegenwärtig wird die gesammelte Herausgabe der Werke des Präsidenten vorbereitet: Sie werden, nach vorläufiger Schätzung, mindestens 40 dicke •Bände umfassen! Man muß, ־ um das Bild zu vollenden, noch zwei Einzelzüge zeichnen: Wie er einfacher Mensch ist unter Menschen! Der greise Führer erzählt (über den ersten Tag seiner Präsidentenschaft folgendes hübsche Detail: ״Ich vergaß die Präsidentenschaft •und versprach meinen Karneraden, am Tage nach der Eidesleistung ins Kaffeehaus zu kommen, wo wir im Jahre 1914 •unsere politischen Beratungen hatten. Ich gehe von der Burg in die Stadt — eia Volksauflauf. So lernte ich, Präsident zu sein — und auch heute noch habe ich zu lernen!" Als im Oktober 1928 ihm Schulkinder huldigten, hielt er den Kleinen folgende Rede: ״Liebe Kinder! Bald, werdet ihr erwachsen sein und aus euch werden Väter und Mütter; deshalb benehmt euch Xu bürw Eitern so, wie ihr wünscht, •4aß eure Kinder sich zu euch benehmen.., Viel* leicht steht hier vor mir unter euch 4er zukünftige Präsident der Republik. Du also, du Heber künftiger־Präsident, wirst eilen Mitbtirgefnxuhd der. ganzen Welt;ohne Furcht kr^ die •Augen ^müssen, "denn du wirst ehrlich unsere hohen;ideale durchführen; In dreißig, in vierzig‘ Jahrenwirst“4u, künftigeb;Fräsident, von diesem Platz aus zu den Kindern und der Jugend sprechen. Sage ihnen dann: Vor Jahren haben wir uns hier mit dem ersten Präsidenten ger lobt, daß wir ״ uns alle immer 1und^hnter allen Umständen nach dim Gebote unserer Vorfahrehi richten werden;;das; :ihr dort aUf der,Flagge auf der,Burg leset; Die Wfihr* h־e.it siegt!" I . f '