Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 21 (1935)
- Issue
- 9 (1.3.1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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wrmmä®₪m₪mm ־* w ’ 5 ל . ' P• t '״ _ v^ktft« povolenö rtädlt ftfcit & teüvifo» ^«ÄiÄt m> ummm WIEN.BRATISLAVA 7 י. AMffZ 7935 & ךך "ך^ך£ yn£ $7. Jahrgang / Nummer P Redaktion und Administration; Wien, H., Mate* gasse 12 a, Teieph0äA*46M)45; TseheehöälöWäkeii § r ä1161ava, Postfach 3£i / Erscheint jeden Freitag,/ Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig• für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Ke SO, Jugoslawien Dinar 150, das Übrige Ausland Schw. Fr. 14, Einzelnummer Öst. Gr. 40. Zahlungen f. ״Jüdische Fresse“, Wien, äüf folgende Post* Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.068, Budapest Nr. 60.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. Vitt, 4117, Berlin Nr. 1221.619. ORGfln pOr Die inTGRessen Des 0RTH0D0Hen juDemums Präsident Masaryk 85 Jahre alt. Bratislava, 1. März 1935. ״Religion ist die theoretische und praktische Lösung des Ewigkeitsproblems, sie ist - das Leben/sub spede aeternitatis.“ (Masaryk, ״Boj o näbozenstvi“.) Wieder einmal ׳bereitet sich die Bevölkerung der Tschechoslowakischen Republik vor, den Geburtstag ihres großen und hervorragenden Führers in voller Ehrerbietung und Dankbarkeit zu feiern. Es ist nur ganz natürlich und selbstverständlich, daß auch wir Juden der Tschechoslowakei, und nicht weniger die Juden der ganzen Welt, diesen großen Kämpfer für Recht und Gerechtigkeit, für Wahrheit und Nächstenliebe, den großen Staatsmann und Philosophen aus diesem Anlasse gebührend zu würdigen wissen werden. Die •überragende Persönlichkeit Masaryks im Rahmen eines Zeitungsartikels nur zu skizzieren, ist ganz und •gar unmöglich, es ist auch heute nicht mehr notwendig. Masaryk erfreut sich mit Recht bereits eines solchen Rufes in der ganzen Kulturwelt, daß er geradezu als das Ideal eines Lehrers, Denkers und iStaatsführer s weit und breit bekannt ist. Wenn wir doch den Versuch wagen, einiges aus dem tatenreichen und schöpferischen Leben unseres greisen Präsidenten hervorzuheben, so wollen wir damit nur tinserer Verbundenheit mit diesem — ,"ז־ן ס.?'י ׳?לא'.ח Ausdruck י verleihen. יי׳ Masaryk als Philosoph und Soziologe unterscheidet sich im Wesen von vielen änderen Philosophen schon dadurch, daß er. seine Philosophie auch geleb t hat und lebt. Er führt einen Kampf fürWahrheit und Gerechtigkeit nicht bloß in seinen Schriften, sondern überall,' wo Unrecht und Gewalttaten im Zuge sind. Ueberall, wo die Gefahr droht, daß die Lüge überhandgreifen könnte, stellt er sich tatkräftig an die Seite des Rechtes. Sein Kampf gegen die Echtheit der Königinhofer Handschrift, der ihm dazumal nicht wenige Feinde verschafft hatte', zeichnet ihn geradezu als Wahrheitsfanatiker aus.- Wenn Masaryk in vielen Schriften gegen den Aberglauben der Ritualmord lüge auftritt, wenn er sogar im,Polnaer Ritualmordp r 0 z e ß mit dem Einsatz seiner ganzen Persönlichkeit gegen diese Lügen kämpft, so veranlaßt ihn hiezu sicherlich nicht bloß die Liebe zum Judentum, sondern vielmehr sein Streben nach W a h r h e i t, sein Gerechtigk eit ssinn und nicht zuletzt die Liebe zu seiner tschechoslowakischen Nation, die er im Gebiete des kritischen Realismus erziehen möchte und die er daher vor dem Gifte der antisemitischen Lüge schützen wollte. Masaryk selbst sagt darüber in Ge-־ sprächen folgendes: ״I c h ha ׳b .e m i c h H i 1 s n e r s ang e n0 mm en, weil es sich um einen u nschuldigen Menschen handelte und außerdem, weil es um die Ehre des tschechischen Volkes.g ing.“ ־ Der Führer muß nach Masaryk vor allem durch sein lebende s B e i s •p i e 1 (zivy priklad) auf die Massen einwirken. Was nützen die!schönsten Ideen und Theorien, wenn sie nur gepredigt und nicht selbst gelebt werden? In dieser seiner Eigenschaft ähnelt Masaryk ganz und gar unseren Tanoim. ״Lo hamidrasch ikor elo Hamaase“ heißt es in der Mischna. Nicht das Forschen und Grübeln ist die Hauptsache, sondern die sittliche und g-ttgefällige Tat. Jüdische Religiosität ist Ta t und nicht bloß Anschauung. Auch Masaryks Lebensphilosophie äußerte sich Zeit seines ganzen Lebens nicht bloß in Worten, sondern in e •t h i s c h e n T a t e n. Masaryks positives Verhältnis zur Religion kommt u. a. in seinem Werke ״Selbstmord“ besonders klar zum Ausdruck. Religion ist bei Mäsaryk der Grundgedanke seiner ganzen Philosophie. Die Selbstmordneigung der Moderne sieht Masaryk vor allem in der Irreligiosität. ״Die Religion ist für •das Leben der Menschheit von großer. Bedeutung. Eine harmonische religiöse Weltanschauung |hacht das Lehen unter allen Umständen erträglich, selbst das Leben eines Hiob; Irreligiosität macht es beim ersten besten Stoß unerträglich.“ (״Selbstmord.“) die Leistungen anderer Völker anzuerkennen und sie würdigend einzuschätzen. Auch sein Patrioti:smus ist ein ganz anderer, als der vieler heutigeK Staatsführer. Die Liebe zu seinem Volke beschränkt!׳sich bei ihm nicht — wie es oft heute geschieht — auf •demagogische, die Massen nur fanatisierende Reden. Nicht zu extremen Nationalisten, sondern zu ״Mejnschen“ will er seine Bürger erziehen. Masarykist:es, der fast sein ganzes Lebe n in d e n D i e n s t js e i ne s Volk es stellt. Keine Mühe scheut er, keine Gefahr ist ihm zu groß, wenn das Wohl seiner Nation auf dem ׳Spiele ,steht. Diese Unendliche Liebe zu seinem Volke hindert ihn aber nicht im mindesten daran, auch das Recht und In diesem Zusammenhänge sei auch erwähnt, daß Präsident Masaryk ein großer Gegner der Assimilation ist. Nach Masaryk ist die Assimilation eines Volkes!geradezu lächerlich. Masaryk schätzt besonders hoch die selbst- und g-t tb e wu ß t e n Juden, Juden, die sich ihres Judentumes nicht schämen und die ihre ethisch-religiösen G r un d s ä t z e streng einhalten, ungeachtet der Zeit .und Gesellschaft, in der sie leben. Masaryks Leben gehört bereits heute der Geschichte an, seine Popularität ist sehr groß, er gehört ׳zu den wenigen großen Europäern unserer Zeit. Wir Juden werden den Geburtstag unseres greisen Staatsoberhauptes nicht als formellen Staatsakt begehen, sondern vor allem aus rührender Dankbarkeit zu unserem großen Führer und Lehr er, der in unserer bewegten Zeit als Hort des •Friedens dasteht, als Stützer und Beschützer des Rechtes und der Gerechtigkeit. Unser sehnsüchtigster und herzinnigster Wunsch ist es, daß der Allmächtige, gelobt sei Er, unseren ehrwürdigen Präsidenten noch lange, lange Jahre hindurch bis an die äußerste Grenze mensch.- licher Lebensdauer, bei v o 11 k o mmener Gesundheit und geistiger und seelischer Fris c h e zum Wo hie un- Verer Republik und zum Heile de.r g a nzen Mens chh ei t a m L ebenerh a 11 e. Ad multos annos! Aladär Borges. Deutschland: auch ein Land der ״unbegrenzten Möglichkeiten“. — Oesterreichische Katholiken gegen die Ritualmördlüge. — Religionsverfolgungen in Mexiko. — Ein ״Moment“ und noch eines gegen die Orthodokie. Man lernt nie aus. Die Hitler-Revolution •in .Deutschland hat auch unter den deutschen Ju'den K u ri o a a zutage gefördert, an die man kaum glauben würde, fände man sie nicht ׳schwarz auf weiß!gedruckt vor. Auf der einen :Seite sind es die sogenannten ״n at i o n a Id e u t s c h e m J u ׳d e n“ des Herrn Naumann, die sich in!Lobhudeleien auf das herrschende Naziregime nicht genugtun können und einen Strich zwischen sich und den übrigen Juden in Deutschland ziehen, deren Entrechtung sie gleich Hitier, Streicher, Goebbels und Kon- Sorten erstreben. Dieser Strich,!den' die nationaldeutschen Juden gezogen haben, ist auch für uns sehr wohltuend, denn auch wir kennen eine Gemeinschaft mit solchen Juden nicht. Nun melden sich aber auch die ״S t a a t szi o- Pisten“ . in Deutschland zu Wort. In ihrem Berliner Organ haben sie keine anderen Sorgen, als gegen eine angebliche ״Entrechtung“ der Juden in Oesterreich zu' protestieren. Was* das diese Herren ־angeht,׳; die sich um ihre eigenen •Sorgen und Dinge kümmern sollten, ist nicht •klar... Jedenfalls aber muß gesagt werden׳, daß die weitaus überwiegende Mehrheit der österreichischen Juden die sogenannten ״Minoritätsrechte“ nach dem Friedensivertrag ablehnt und lediglich!die Erfüllung ihrer selbstverständlichen staats־ bürgerlichen Gleichberechtigumg, wie sie in der österreichischen Verfassung festgelegt ist,!wünscht. Daß diese volle Gleichberechtigung den Juden in Oesterreich gewährt wird, steht nach allen maßgebenden Er-, klärüngen unserer führenden Staatsmänner, außer ׳Frage und die Herren Zionisten haben kein Recht, an der Aufrichtigkeit dieser Erklärungen zu zweifeln. In einem auffallend angenehmen Gegensatz zu dielsen ״Leistungen“ der Berliner •Staatszionisten: steht der maßgebendste Kreis führender K athol i k en rund um Kardinal-Erzbischof •Dr. Innitzer in W i e n. •Unseren Lesern wird gewiß noch das vor einiger Zeit von Christian L o g e herausgegebene Ri tu a 1 mordiw e•rk in Erinnerung sein, welches den heftigsten Protest der österreichischen Juden hervorrief und verdienterweise gleich nach seinem Erscheinen beschlagnahmt wurde. /■ . ׳" Der ״Christliche Ständestaat“, eine katholische Monatsschrift, schreibt nun in seiner jüngsten Nummer: ״In Sachen Christian Loge sind uns seit Erscheinen und Konfiskation seines Ritualmordbuches zahlreiche empörte Zuschriften zuegkommen, die beweisen, daß keineswegs nur ,jüdischen Machenschaften‘ zuliebe diese Konfiskation erfolgte, sondern daß auch viele gut katholisch gesinnte, wahrhaftig der besonderen Judenfreundlichkeit unverdächtige Menschen diese u nsachliche Art des Kampfes ablehnen. Mit diesen zahlreichen guten österreichischen Katholiken, b egrüßen auch wir es, daß ein solches Buch nicht . mehr vorbereitet werden darf, und weisen es z u 1 ü c k, wenn Herr Loge seine in durchaus imwissenschaftlicher Weise vorgebrachten Anschuldigungen gar noch als ,Verteidigung des katholischen Glaubens* aufzieht, als ob irgendwo in der katholisohen Dogmatik der Glaube an jüdische Ritualmorde verlangt würde!!“ Wahrlich, •diese offene Sprache verdient Anerken-* nung. Sie zeigt, daß Oesterreichs Regierung und Bevölke; rüng nicht!bloß um!seine politische Unabhängigkeit vom Nazireich erfolgreich kämpfen, sondern auch sein g e ist ige öGu t vor der ׳Flut des Rassen- und Menschen,- hasses, der über unsere Grenzen hereinzubrechen droht?, zu schützen wissen. Wieder zeigt es sich, daß zwischep. Die weltberühn1t0r in Qualität unübertroffene cm orthodoxe Perückenkunstwerkstätte 0THIMR SCHIFF ienl, Sfifv fi gegenüber Hotel Bristol 11*g 0 Telephon