Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 21 (1935)
- Issue
- 3 (18.1.1935)
- Date
- 1935-01-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 JümscHE PBÜ3S1 Seite 3 * Winlerspazlertrang k •km v«#1a»1a«t ן k M #irkM 1 MedUiRitbOBbSflt J MMiMMiilMiiiMiiiijilJiMiiMiiiiiMMiiiBliMMM v•* Woche ZI» Woche — Jn der letzten Sitzung der Handelskammer von Tel-A10 i iv forderte der Wirtschaftsführer Hoofien die Palästina-Regierung auf, zwecks Hebung der Wirtschaft eine Reduzier un g der Steuer- und Zoll- Sätze herbeizuführen. Hoofien erklärte auch, daß eine weitere Anleihe zur Durchführung öffentlieber Arbeiten notwendig sei. — Am 9. Jänner wurde in Krakau die Weitko nferenz der Zionisten-Revisionisten von Wladimir Jabotinsky eröffnet. — Der Generalgouverneur von Mazedonien, Minister Rhallis, hat angekündigt, daß die Regierung fünf Millionen Drachmen für die Errichtung von Wohnbauten zur Verfügung stellt, um der insbesondere unter der jüdischen Bevölkerung herrschenden Wohnungsnot zu steuern. — In dem Städtchen Wlodawa bei Lublin brach in der Synagoge ein Brand aus, dem 20 Thora- Rollen zum Opfer fielen. — Die im Oktober 19811 eingeweihte Synagoge der ״Bene Israel“ in Achmedabad wurde von dem Gouverneur von Bombay, Lord Brabourne, besucht, dem bei dieser Gelegenheit eine prächtig ausgestattete Denk- ■Schrift mit der Geschichte der 11/.000 Seelen umfassenden Gemeinde der ״Bene Israel“ im Regierungsbezirk Bombay überreicht wurde. Die ״Bene Israel“ leiten ihre Abstammung auf die zehn Stämme zurück. — Ein gewisser Sali Esra S chami aus Aleppo war unter der Beschuldigung, in Palästina Arbeit ■angenommen zu haben, ohne im Besitz einer Ein- Wanderungserlaubnis zu sein, als ״illeg ale r Ei nwandere r“ vor dem Haifaer Gericht angeklagt worden. Demgegenüber wies der Verteidiger Argaman darauf hin, daß die Immigration Ordinance keine Bestimmung enthalte, derzufolge die Annahme von Arbeit in Palästina durch Touristen verboten sei. Der Richter W. C. Curry schloß sich dieser Ansicht an und sprach den Angeklagten frei. — Unter dem Rufe ״Juden hinaus a u s Griechenland“ griffen Angehörige der antisemitischen Terrororganisation E. E. E. jüdische Passanten in Kastoria, unter ihnen den dortigen Oberrabbiner, den sie am Barte rissen, an. Der Generalgouvemenr von Mazedonien, Perikies Rhallis, hat die strengste B estrafung der Exzedenten angeordnet. — In London hat sich eine Gesellschaft für jüdische Wieder an siedlun g registrieren lassen, die als ihr Ziel angibt, jüdischen Flüchtlingen, zu helfen, sich wieder seßhaft zu machen. Zu den Direktoren der neuen Gesellschaft zählen Sir Robert Waley Cohen, Otto H. Schiff, Leonard G. Montefiore und Miss F. Cohen. — Im Dezember 1934 sind etwa 3800 Juden legal nach Palästina eingeivandert. Somit sind im Jahre 1931/■ mehr als 1/2.000 jüdische Einwanderer legal nach Palästina gekommen. Im Jahre 1938 betrug die Gesamtzahl der legalen jüdischen Einwanderer 80.327 Personen. — In Wilna wurde eine Bombe vor der Buchhandlung Ickowicz in der Literatengasse zur Explosion •gebracht. Es entstand erheblicher Sachschaden. — Der Dampfer ״Poloni a“ der Polen-Palästina- Linie, mit 989 jüdischen Palästina-Wanderern an Bord, hatte vor der Einfahrt in den Hafen gegen schweren Sturm und hohen Seegang zu kämpfen. Die Passagiere/ besonders die Frauen, litten viel unter Seekrankheit, der Zustand einiger Frauen war ein so ernster, daß man um ihr Leben fürchten mußte. Eine der Frauen, die 82jährige Bracha Rakont aus Ostrow, starb vor der Einfahrt in den Haifaer Hafen. — In London verstarb, 90 Jahre alt, Lady Emma Louise Roths child, Tochter des Frankfurter Barons Karl Rothschild, Witwe nach Nathaniel Mayer de Rothschild, dem ersten Lord Rothschild und dem ersten Juden, dem die englische Peers-Würde verliehen wurde., — Im Auftrag der Palästina-Regierung wurde mit der Errichtung eines Leuchtturms an der Mündung des J ar ko n im Norden von Tel-Awiw begönnen. Die Jarkon-Mündung soll zur Errichtung von Hafenanlagen erweitert werden, da sich der Jaffaer Hafen als unzulänglich für den wachsenden Verkehr er- ■wiesen hat. — Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, sollte die neue Grundsteuerverordn ung in Palästina, durch die an Stelle der bisherigen Grundbesitzsteuer und des Zehents eine einheitliche Grundertragssteuer treten soll, vom 13. Jänner an in Kraft gesetzt werden. Gegen die neue Verordnung wurden besonders von jüdischer Seite schwere Bedenken erhoben, weil sie eine unverhältnismäßig hohe Besteuerung hochkultivierten Bodens vorsieht. — Auf dem Wege von Moskau nach P alästina ist in Riga Rabbiner Kag an eingetroffen, der wegen illegaler Leitung von Jeschiwos die letzten drei Jahre als V erb an nt er in Sibirien gelebt hat. Rabb. Kag an ist ein Verwandter des Chofez Chajim s. Z. I. — Wie offiziell mitgeteilt wird, hat die Palästina-Regierung im November 1931/ einen V e r w al t u n g s üb e r s c h u ß von 181.653 Pfund erzielt. — Bei der letzten Ziehun g der Pr ä m i e für Besitzer italienischer Staatspapiere gewann die jüdis che Gemeinde von Livorno ' eine halbe Million Lire. Die Gemeindeleitung beschloß, den Gewinn sofort auf die Armen und die sozialen Institutionen der Gemeinde zu verteilen. — Das Hauptbüro von Hicem erhielt aus Schanghai die Mitteilung, daß sich dort 1/2 aus Deutschland emigrierte jüdische Aerzte und 2 Anwälte niedergelassen haben tmd in ihren Berufen tätig sind. — Unter der Bezeichnung ״Emco l“ wurde in Paris durch die Vereinigungen Ort, Ose und Emig direct ein neuer Verband für jüdis che Aus- Wanderung und Kolonisation gegründete. H. Grün, II., Taborstraße 8 b, Tel. R-42-3-66, Atelier für feine Herrengarderobe. E li/ettaguda und polnische Orthodoxie■ fäc die selbständige orthodoxe gemeinde in• Wien. Nach den vielen Begrüßungsschreiben, die an die Adas-Jisroel-Schiffschul gelangt sind und von denen die wichtigsten in der ״Jüdischen Presse“ bereits veröffentlicht waren, ist nun auch ein Zustimmungsschreiben der Leitung der polnischen Landesorganisation der Agudas Jisroel — gezeichnet vom Mitglied der Weltexekutive, Rabbi I. M. Lewin — eingetroffen, welchem allein deswegen besondere Bedeutung zukommt, weil unter Mißbrauch der Namen von Einzelpersönlichkeiten und ihrer Stellung in der Agudas Jisroel verschiedentlich versucht wird, den Anschein zu erwecken, als ob die Agudas Jisroel nicht einmütig und geschlossen hinter den Separationsbestrebungen der Orthodoxie stünde. Schließlich ist dieser Brief auch geeignet, die Irrmeinung zu entkräften und zu zerstreuen, daß speziell die ostjüdische Orthodoxie für die Notwendigkeit einer unabhängigen orthodoxen Gemeinde kein Verständnis habe.1 Der noch vorige Woche eingelangte Brief, dessen Veröffentlichung wir aus Rauminangel bis heute aufschieben mußten, hat folgende*! Wortlaut: אל כבוד שלטון הקד,לד. ההדדית "עדת ישראל" בווינא. הגיעו אלינו הידיעות ע׳ף הצעדים שעשיתם למען קבל אשור הוקי בחור קהלה עצמאית. כפי שידועים לנו תנאי המקום, אם יצליח ד־ מעשיכם ותוגשם מומחכם יהי׳ זה צער חשוב ונעלה בכוון עצמאויות היהדות ההררית, הרמת קרן התורה והיהדות זההנגה על כל קניני׳ הרוהניים המסודחים. ובתור עושים במלאבת מצוה זו הננו מאהלים לכם הצלהה בהשחדליותיבם ויעזור ד׳ שתשיגו המטרה הנעלה שחצכחם לכם. בבל אותות הכבוד ובברכת האגודה "! יצחק מאיר לעיין. Uebersetzung: An die Leitung der orthodoxen Gemeinde ״Adas Jisroe 1“ Wien. Wä*’ haben die Nachrichten über die Schritte ׳erhalten, die Sie ,unternommen haben, um die Öffentlich-rechtliche Anerkennung als selbständige orthodoxe Gemeinde zu erlangen. Nach der Kenntnis der dortigen Ortsverhältnisse sind wir der Ueberzeugung: Wenn Haschern Euren Taten Glück bescheiden und Eure Bestrebungen in die Wirklichkeit versetzt sein werden — so wird dies ein wie htiger und bedeutungsvoller Schritt sein auf dem Wege der Erlangung der vollkommenen Selbständigkeit der orthodoxen Judenheit, für die Förderung der Thora und Jüdischkeit und zum. Schutze aller geistigen Errungenschaften der jüdischen Ueberlieferung.. Als die Wirkenden an dieser Mi^wohtat beglückwünschen wir Euch in Euren Bestrebungen. Helfe Euch Haschern, daß Ihr das hehre Ziel erreicht, das Ihr Euch gesetzt habt. In aller Hochachtung mit Aguda-Gruß . Agudas Jisroel .. .. f. gez.. I.M.Le w i n. Personalnachrichten. Todesfall. Plötzlich und unerwartet ist am Freitag vergangener Woche Herr Chaim 'Grünfeld in Wien verschieden. Aus seiner ungarischen Heimat vor dreißig Jahren nach Wien gekommen, blieb er hier der alte Kehillomensch, der er von zu Hadse war. Trotzdem das Schicksal ihn manchmal sehr hart mitgenommen hatte, blieb er der unentwegte Baal-Bitochon und trotzdem ihm sein Beruf, der ihn zum treuen Diener unserer Wiener Kehillo machte, wenig Zeit ließ, blieb er der wißbegierige Talmid-Chochom, der sein Tagespensum nicht »erledigen konnte, ohne der Thora gedient zu haben. Am Sonntag fand unter überaus zahlreicher Beteüigung die Lewajoh statt. Rabbiner Friedmann und Rabbiner Benedikt würdigten den Heimgegangenen in seiner ganzen schlichten Größe. Am offenen Grabe sprach #err Dr. Löwy für die Schönlatemschul ergreifende Worte des Abschieds. תנצב״ה. Vereinsnachrichten• Agudas-Jisroel-Mädchengruppe Wien. Schabbos Parschas Beschalach spricht Herr Prof. Dr. Max Eisler um 1All Uhr vormittags in der ״Wienea“ über Franz Rosenzweig. Leistungsfähigstes Möbelhaus M* Redler/ Wien 1/ Sdiotlenring 35 Telephon A-12-9-78. Zeitgemäße Preise. Gesamtausstattungen von der. billigsten bis zur feinsten Ausführung. Beste Referenzen. Eigenes Zahlungssystem. Samstag geschlossen. ״Schomra“-Mitglied. ספרים, טלתים, מזחות׳ תפילין וכל דבר שבקדושת beziehen Sie nur durch die älteste hebräische Buchhandlung Jos. Schlesinger Wien I, Seiiensieitengasse 5 Größtes Lager in neuhebräischer und jüdischer Literatur Das hochinteressante kulturhistorische Buch ״Lieht ans dem Westen" behandelt die Lebensbiographie des ״Chasam Sofer“ und die Entwicklung der jüdischen Geschichte seiner Seit aus der berühmten Feder des Schriftstellers S. SCHACHNO WITZ und ist vom Verlage der Agudas-Jisroel-Jugendgruppe, Bratislava, Edlhof, zum Preise von tsch. K 24.— zu beziehen. ER feiert den - - - Rambam! Das Warschauer ״Jüdische Tagblatt" bringt diese treffende Karikatur, cHe einer Erklärung nicht bedarf Lubawitscher Rebbe über die Agudas Jisroel. Aus Anlaß der 122. Wiederkehr des Todestages des ״Raw“ von La di (״Tanjo“) versammelte sich eine stattliche Zahl orthodoxer Juden aus allen Kreisen im gastlichen Hause des Herrn Kalman Pappenheim, um gemeinsam mit dem hier weilenden Lubawitscher Rabbi Schneuersohndie Jahrzeit auf chassidische Art zu begehen. Lubawitscher Rebbe nahm die Gelegenheit wahr, um vorerst im versammelten Kreise tiefdurchdachte Worte zu sprechen, die wir wegen ihrer Innigkeit und Sinnigkeit wiedergeben wollen. Lubawitscher Rebe erzählte von seinem Großvater, dem ״Raw“, der sich unendliche Mühe um die Verbreitung und Vertiefung von Ahawas Jisroel gab, folgende Episode: Der ״Raw“ war von einem Chossid eingeladen worden, nach Montreux zur Erholung zu kommen. Zum größten Erstaunen seiner näheren Umgebung entschloß er sich plötzlich, mit dem Schnellzug nach Paris zu reisen. In einem erstklassigen Hotel, in dem er Logis bezogen hatte, erkundigte er sich nach dem Spielsaal, in welchem die Gäste dem Kartenspiel frönen. Der Kreis der Chassidim konnte sich vor Staunen kaum fassen, als der ״Raw“ zur angegebenen Zeit in den Spielsaal ging und auf einen jungen, erkenntlich jüdischen Mann zutrat, der gerade während des Spieles fleißig dem Wein zusprach. Der Rabbi trat näher an ihn heran und sagte ihm in freundlichem Tone: ״Der Genuß von Jajin-nessech ist verboten ,und wenn man einen Issur begeht, schadet es der Neschomoh; es wäre doch schade um eine kostbare jüdische Neschomoh.“ Der Fremde ließ sich von dieser dreimal wiederholten, immer eindringlicher werdenden Ermahnung nicht stören und trank seinen Wein ruhig weiter. Doch es dauerte nicht lange, nach kaum einer Stunde war der junge Mann zum Rabbi ins Zimmer gekommen. Etwa drei Stunden blieb er hinter verschlossenen Türen mit dem Rabbi allein. Und als er wegging, ward er ein Baal-Tschuwoh. Dieser junge Mann, erzählte nun Lubawitscher Rebbe, ist ein anerkannter Godaul geworden und seine Nachkommen zählen bis auf den heutigen Tag zu den anerkannten Größen des jüdischen Volkes. Was aber — setzte er fort — soll uns diese Episode lehren? Daß es nie und nimmer möglich ist, mit schwachen Kompromissen die wahre Gläubigkeit zu erhalten. Für die Wahrheit, die uns unsere Ueberlieferung ist, kann man nur mit Wahrheit kämpfen. Gerade und nur weil der Tan jo dem Fremden den in den Augen vieler scheinbar unbedeutenden Issur-Jajin-nessech vorhielt, konnte es ihm gelingen, eine jüdische Seele und nach ihr viele jüdische. Geschlechter für das Judentum zu retten. Im Anschluß an die breite Jahrzeitzusammenkunft unterhielt sich Lubawitscher Rebbe noch mit einigen prominenten Führern der Wiener Aguda-Jugend. Lubawitscher Rebbe bat, der Wiener Aguda-Jugend in seinem Namen folgende Pflicht aufzuerlegen: Jedes Mitglied — sagte der Rabbi — sei zur Leistung eines Trumas- Chower verpflichtet. Aber nicht eines Trumas-Chower im üblichen Sinne eines materiellen Beitrages, sondern jedes Mitglied soll einen Chower חורם sein, also mindestens ein neues Mitglied, eine jüdische Neschomoh, der Aguda-Idee zuführen müssen. Gastdroschoh in Wien. Am vorvergangenen Schabbos hatte die Agudas- Jisroel-Jugendgruppe Herrn Oberrabbiner S. B. Seidl, Galanta, am Rednerpult als Gast. Trotzdem dem jungen Raw der Ruf eines hervorragenden ׳Redners vorausging, überbot der Vortrag alle Erwartungen. In formvollendeter und gehaltvoller Rede bot der ehrwürdige Gast Magidus in erhabener Form. ׳ Krakauer Kalender 1935. Die berühmten Irrgänge des Minotauros bestehen nicht nur in der griechischen Heldensage und sind auch keineswegs bereits abgetragen. Man befindet sich mitten in diesem Labyrinth, wenn man etwa ein Geschäft gründen oder löschen, eine Beschwerde oder Klage selbst einbringen, für seine Kinder eine Anstalt suchen will, die ihrer Begabung entspricht. Aber weder Suche noch Zeit- Verlust sind im geringsten nötig, obwohl doch jetzt alle behördlichen Einrichtungen im Umbau, alle Vorschriften im Fluß sind. Einen Griff nach dem neuen ״Krakauer Schreib-Kalender“, dieser altbewährte Freund;ieder Familie und jedes Staatsbürgers, dieses zuverlässige Lexikon des täglichen Lebens, gibt zuverlässige Antwort auf alle möglichen Fragen. Der 181. Jahrgang dieses berühmten und beliebten Buches ist erschienen und zum Preise von S 3.80 in Buch- und Papierhandlungen erhältlich.