Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1935-01-18 · 3 (18.1.1935) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
21 (1935)
Issue
3 (18.1.1935)
Date
1935-01-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2629891-2630587-2630590--4906-2637151
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

gelte 2 jüdische Messe Nr, 3 Neues im Osten«1.. Unsere Korrespondenten berichten: Aus Polen .«. Die Orthodoxie kämpft um ihre wirtschaftliche Selbständigkeit. — Die Zionisten wollen die orthodoxen Kooperativen beherrschen. — Entschlossener Widerstand der Agudas Jisroel, — Rabbinerwahlen in Warschau. — Intensive Eres-Jisroel- und Chinuch-Arbeit der Agudas Jisroel. —Orthodoxe Führer in den kommunalen Körperschafteni Die gesamte polnische Agudas Jisroel ist in der letzten Zeit unter dem Zeichen des Kampfes um die Selbständigkeit des orthodoxen Kooperativen-Systems gestanden. Dieser Kampf hat folgende Vorgeschichte: Auf Initiative orthodoxer Führer und Finanzmänner sind seit dem Jahre 1923 in ganz Polen kooperative Kreditinstitutionen geschaffen worden, welche im Laufe der Zeit einen bedeutenden Ausbau erfahren haben. Für die organisierte, selbständige Orthodoxie gewannen diese Institutionen eine große Wichtigkeit, weil sie die Basis für die Befreiung der orthodoxen Judenheit von der Vormundschaft der freien Elemente bildeten und weil sie der Legende von der ״Untauglichkeit“ religiöser Juden in wirtschaftlicher Hinsicht ein Ende bereiteten. Die orthodoxen Banken entwickelten sich zusehends und gehören heute zu den schönsten Institutionen ihrer Art, wobei zu berücksichtigen ist, daß sie jeder materiellen Hilfe entbehren, während die zionistischen Kooperativen allein vom Joint Distribution Committee 10 Millionen Zloty erhielten. Die orthodoxen Kooperativen sind in einem eigenen ״Revisionsverband" zusammengeschlossen, welcher im Jahre 1926 vom agudistischen Deputierten A. Kirschbraun s. A., Senator Mendelsohn und Präs. J. M. L e w i n gegründet wurde. Die beiden letzteren stehen noch heute an der Spitze des Verbandes, dem etwa 120 Kooperativen angehören. In der letzten Zeit haben es nun die Zionisten versucht, unter Ausnützung einer Bestimmung eines in Kraft getretenen, neuen Gesetzes, eine Liquidation des orthodoxen Revisionsverbandes zu erzwingen, um die orthodoxen Kooperativen in die Gewalt des zionistischen Revisionsverbandes zu bekommen. In ihrer bewährten Art ließen sie kein Mittel zur Erreichung ihres parteiegoistischen Zieles unversucht. Doch ihre sträflichen Bemühungen blieben erfolglos. Den energischen Interventionen der Agudas Jisroel zur Verteidigung der orthodoxen Kooperativen ist es gelungen, deren Selbständigkeit und Unabhängigkeit zu retten und zu erhalten. Ihr Korrespondent hatte in seiner Eigenschaft als politischer Sekretär der Agudas Jisroel Gelegenheit, die maßgebendsten Regierungsstellen über die Bedeutung und Notwendigkeit der Selbständigkeit der orthodoxen Kooperativen aufzuklären und allseits volles Verständnis und Anerkennung zu finden. Hervorzuheben ist die wichtige Rolle des agudistisehen Organs, des ״ J ü d i sc hen Tagblatt es", in . diesem Kampfe, das mutig und unerschrocken die orthodoxen Interessen verteidigte. Man zieht allgemein eine Parallele zur ״Jüdischen Presse" in; Wien, deren machtvolles Eintreten für die Selbständigkeit der Wiener Orthodoxie hier bewundert und beglückwünscht wird. * Im Vordergrund der Erörterungen stand in der letzten Zeit die Frage der Rabbinerbestellungen für die Warschauer Gemeinde. Obwohl schon seit 15 Jahren kein neuer Rabbiner aufgenommen wurde, das Rabbinat daher nur mehr acht Mitglieder zählt — bei einer jüdischen Bevölkerung von 300.000 Seelen—, ließ die zionistische Opposition kein Mittel unversucht, um die geplanten Rabbinerbestellungen zu verhindern. Wohl ist ihr eine Verschiebung der Rabbinerwahlen gelungen, aber die orthodoxe Mehrheit wird sich auf die Dauer doch nicht davon abhälten lassen, die als absolute Notwendigkeit für die orthodoxen Massen erkannten Anstellungen vorzunehmen. * Die Tätigkeit der agudistischen Landesorganisation erstreckt sich hauptsächlich auf die zwei Gebiete: Erez Jisroel und Chinuch-Wesen. Auf die 90 Palästina- Einwanderungszertifikate, die der Agudas Jisroel in Warschau zur Verfügung gestellt wurden, waren rund 500 agudistische Chaluzim vorgemerkt; sie alle fanden sich im Warschauer Aguda-Büro ein, wo die Zertifikate am Sonntag, den 23. Dezember v. J., unter den Anwärtern verlost wurden. Die Chinuch-Tätigkeit, geleitet von A. Z. Friedmann, konzentriert sich auf Systematisierung des Unterrichtes an den religiösen Schulen und auf die Regulierung der rechtlichen Bestandsverhältnisse dieser Institutionen. * Anläßlich der Neuernennungen in die diversen Stadträte haben einige führende orthodoxe jüdische Persönlichkeiten Mandate erhalten. In Warschau ist der agudistische Vorsitzende \.י' des Kehillorates, Jakob Trockenheim, in Lodz ebenfalls der agudistische Vorsitzende des Kehillorates, Fischei Liebermann, und in Kalusz der agudistische Rosch-Hakohol, J. M. Heber, in den Stadtrat ernannt worden. Die Bestellung dieser Persönlichkeiten hat in den Reihen der orthodoxen Judehheit große Zufriedenheit ausgelöst; ist sie doch ein weiterer Schritt auf dem Wege der Verwirklichung der politischen Selbständigkeit der organisierten Orthodoxie. Hilel Seidmann, Warschau. « ♦ ♦ und aus Rumänien Wer vor Jahren der Bewegung der Agudas Jisroel mit einer Skepsis begegnete, oder ihre Bedeutung nur in geringem Maße einschätzte, der muß sich nun reumütig an die Brust schlagen und mit gesenktem Antlitz seinen Fehler eingestehen. Denn der hehre Gedanke des wahren Judentums verbreitete sich mit ungeahnter Schnelligkeit wie ein Lauffeuer in allen Ländern der Welt, alles in den Bann seines Lichtes und seiner Wärme mitreißend.?: In unserem Heimatlande, in Groß-Rümänien, besitzt die Aguda ein ausgebräitetes Betätigungsgebiet; insbesondere sind es die Bukowina und Transsylvanien, welche den fruchtbaren Boden für das jüdisch-orthodoxe Ideal bilden. Und wenn auch die ausgestreute Saat noch nicht in die Halme geschossen ist, so beweist die jüngst im Bukowinaer Kurorte Vat!ra-Dornei stattgefundene Allrumänische Aguda-Konferenz, daß die aufgewandten Mühen und Mittel :den empfänglichen Boden gelockert und aufnahmsfähig 1gemacht haben. Es wird nun keiner langen Mühe mehr bedürfen, bis die schon gegenwärtig hoffnungsvoll grünenden Fluren mit orthodoxen Ideen herrliche Blüten treiben und auch Früchte zeitigen werden. Mit dem Feuereifer, welcher der begeisterungsfähigen Jugend stets eigen ist,.stellt sie sich in die vorderste Reihe der Pioniere, um die Fundamente der Agudas Jisroel zu erweitern, den Ausbau herrlicher zu gestalten und die jüdischen Glaubensgenossen in dem Glauben und der Tradition unserer Ahnen zu festigen. Üeber Initiative der Czernowitzer Aguda-Zentrale sind in mehreren Städten Altrumäniens Propagandaver- Sammlungen abgehalten und neue Aguda-Organisationen in Tg. Fruinos, Piatra Neamtü, Tg. Neamtu, Botoschani und anderen Orten gegründet sowie die in Jasi bestandene Aguda reorganisiert worden. Um mit einer erhöhten Werbetätigkeit demnächst einzusetzen, wurde in Czerno- Witz eia Komitee, bestehend aus den zehn angesehensten Mitgliedern der Aguda, zusammengesetzt, dessen Aufgäbe es sein wird, die Organisationen der Aguda sowie des Keren Hathora auszubauen. Hand in Hand mit der Verbreitung der Aguda geht auch die Begründung der Beth-Jakob-Schulen, deren Anzahl in Rumänien sich vorderhand auf zwölf beschränkt. Bedauerlicherweise muß die Verbreitung dieser für das Judentum so wichtigen Lehranstalt wegen Mangels an entsprechenden Lehrkräften eine Einschränkung erleiden, und selbst bei der Czernowitzer Beth-Jakob-Schule haben die Kurse deswegen eine Unterbrechung erfahren müssen. Es ist aber der hiesigen Aguda-Zentrale gelungen, die Dozentin an dem Krakauer Beth-Jakob-Seminar, Frl. Hamburger, für Czernowitz zu gewinnen. An diese Akquisition werden hier große Hoffnungen geknüpft. Frl. Hamburger wird demnächst in Czernowitz eintreffen, um die Reaktivierung und Ausgestaltung des hiesigen Instituts durchzufühcen. Gleichzeitig wird auch die Errichtung eines jüdischen Lehrerseminars in Erwägung gezogen, woselbst jüdische orthodoxe Religionslehrer ihre zweckdienliche Ausbildung erlangen sollen. Was die Erez-Jisroel-Arbeit betrifft, ist die große Zahl der 360 Chaluzim der beste Beweis für das Interesse, mit welchem dieses wichtige Problem seitens der Jugend verfolgt wird. In Rumänien wurden im laufenden Jahre von der Bukowinaer Aguda-Zentrale sechs und von jener Transsylvaniens drei Hachsehoro- Stätten aktiviert, woselbst 360 Chaluzim, darunter 45 weibliche Chaluzoth, ihre landwirtschaftliche und gewerbliche Vorbereitung genossen haben. Denn neben der Landwirtschaft wird auch das Handwerk gepflegt. Ueberdies besitzt die Czernowitzer Aguda in der Gemeinde Corovia bei Czernowitz eine eigene Land- Wirtschaft mit achtzehn Kühen und mehreren hundert Stück Geflügel, wobei eine mustergültige Milchwirtschaft und Geflügelzucht rationell betrieben wird. Für die Uebung der männlichen Chaluzim im Gewerbe verfügt die rumänische Aguda über eine komplett eingerichtete Tischlerwerkstätte sowie über eine eigene Buchdruckerei. Im allgemeinen kann mit Genugtuung konstatiert werden, daß der jüdisch-orthodoxe Gedanke bei der sehr lockeren Judenschaft Rumäniens sich wieder entzündet. Dank der ausgebreiteten Aguda-Organisation sowie der unermüdlichen Tätigkeit der jüdisch-orthodoxen ״Machsike Hadas" werden unzählige jüdische Kinder und erwachsene Volksgenossen dem Judentum wieder zugeführt. Wie hoch eine solche Leistung eingeschätzt werden 3011, können nur diejenigen ermessen, welche sich, wie die ״Jüdische Presse", seit nahezu drei Dezennien den hohen Idealen des jüdisch-orthodoxen ■Klall vorgespannt ׳und sich, gleich einem heldenmütigen Kämpfer, den feindlichen Streichen von rechts und links ausgesetzt haben. Möge ihr heilsames Wirken zum Wohle unseres Volkes, zur Verbreitung unserer heiligen Lehre dienen! Bernhard R i p p e 1, Czernowitz. LebenSVe Gesellschaft ״PHONIX“ Aus dem Jahresberichte 1933: Versicherungsbestand .. 3107 Millionen Schilling Prämien- und Zinsenainnahmen.. . ..211 Millionen Schilling Garantiemittel .. 680 Millionen Schilling Auszahlungen an die Versicherten... 72 Millionen Schilling Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutsches Reich, Saargebiet, Cechoslovakische Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Fürstentum Liechtenstein, Ungarn, Polen, Jugoslavien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Marokko, Irak, Tunis und Aegyptea. | FEUILLETON_■ Eine chassidische Geschichte. (Schluß.) Weiter ging der Pächter mit vollem Beutel und frohem Sinn. Die Hoffnung auf das baldige glückliche Wiedersehen beflügelte seine Schritte. Nun kam er in sein Heimatstädtchen, von niemand ■mehr gekannt, von niemand beachtet und begrüßt. Denn die schweren Jahre, die dazwischen lagen, hatten ihn innerlich wie äußerlich umgestaltet ׳und seinem Freundeskreis von früher unkenntlich gemacht. Im erstbesten Wirtshause, in welches er einkehrte, erkundigte er sich nach dem Pächter, der vor zwölf Jahren seine Familie verlassen hatte, um in ferner Gegend sein Glück zu suchen. Er nannte dabei seinen eigenen Namen. Und nun erzählten ihm die Leute arglos — ohne zu ahnen, wie nahe ihm die Sache ging — von der Frau dieses Pächters, die dem Manne die Treue gebrochen hätte und im übelsten Rufe in der ganzen Umgegend stehe. Diese Auskunft bestürzte den Mann aufs höchste. Die Freude des Wiedersehens verwandelte sich in Schmerz und Enttäuschung. Er überlegte, ob er heimgehen solle, um von seiner Frau, die ihn so schmählich betrogen, Rechenschaft zu fordern, oder ob er nicht lieber gleich kehrtmachen sollte, um der Unwürdigen nicht mehr ins Antlitz zu schauen. Da fiel ihm das dritte Wort des Rabbi ein: ״Schaue, prüfe und dann urteile!" So wartete er den Abend heran, dann betrat er in einer Stellung und Haltung, wie sie Schwerbetrunkene einzunehmen pflegen, sein Haus, in welchem seine Frau immer noch eine kleine ׳Schenke betrieb, Auch hier blieb er unerkannt. Von niemand beachtet, kauerte er sich in eine Ecke, ließ sich bald auf den Boden gleiten und verfiel scheinbar in schweren Schlaf, als wollte er seinen Rausch ausschlafen. Auf diese Weise konnte er unbemerkt die nächtlichen Vorgänge im Hause, auf die die Leute im Städtchen anspielten, beobachten. Nach Mitternacht hörte er ein leises, gemessenes Klopfen am Fenster. Sofort sah er seine Frau aus dem Zimmer kommen und leise und langsam die Türe öffnen. Herein kam ein wunderschöner, lockiger Jüngling, der in seiner Kleidung und seinem Benehmen unverkennbar die Allüren des Adels zeigte. Sofort zog sich seine Frau mit dem jungen Mann in ein׳ Gemach zurück ,und schloß hinter sich die Türe. ׳ Voller Wut und nagenden Schmerzes verließ der Pächter seinen Platz und irrte rat- und fassungslos die ganze Nacht umher, unentschlossen, was "er angesichts der groben Untreue seiner Frau :,unternehmen sollte. Da sprach eine Stimme unausgesetzt in seinem Innem; es war die Stimme des Rabbi: ״Schaue, prüfe und dann urteile;‘ * So wartete der Pächter noch einige Tage, in denen etwas Beruhigung in sein Herz einzog. Dann zog er neue Kleider an und ging, vollfee.laden mit Geschenken und scheinbar frohgemut, in sein Haus. In diesem Zustande wurde er von seiner Frau erkannt und mit einem Freudensturm empfangen. Aber ihn־ drückte immer noch der Gedanke, daß nach allem, was er gesehen und gehört hat, diese׳ Freude geheuchelt sein müsse. Allein er überwand sich, auch er heuchelte Ruhe und Freude!und wollte erst im Laufe des Gespräches es versuchen, auf den Grund der Dinge zu kommen. Er erkundigte sich zunächst nach dem Wohle der ■Kinder. Die Frau erzählte: ״Es waren schwere, leidreiche Jahre, die mit deiner Auswanderung für uns eintraten. Die ׳Sorge und der Kummer wichen nicht aus dem Hause. Aber ich arbeitete imverdrossen und unermüdlich weiter, und so ist es mir gelungen, die ältere Tochter einem wackeren, g’ttesfürchtigen Manne zuzuführen, mit dem sie in Glück vereint ist, und den jüngeren Sohn in Thora und G'ttesfurcht erziehen zu lassen. ״Und unser Aeltester“, fragte der Mann, ״hat er die Erwartungen, die wir auf ihn gesetzt, erfüllt?“ ״Unser Aeltester", antwortete die Frau und seufzte tief, ״er gehört leider nicht mehr ganz uns. Du weißt, lieber Mann, als du von uns' fortgingst, da waren wir dem Gutsherrn, der wohl nicht ־ bösartig, aber seine eigenen Launen hat, noch das Pachtgeld schuldig. Ich aber war mittellos und konnte nicht! einmal Brot für die Kinder kaufen, geschweige denn di^se Schuld tilgen. Da kam der Gutsherr in unser Haus und.forderte ungestüm die Schuld. Alles, meinen Schmuck, die lieben Familienstücke, bot ich ihm zum Pfände an. Er aber bestand nur auf einem Pfand, auf unserem ältesten Kinde. Da half kein Bitten und Flehen. Er nahm unseren Aeltesten in seinen Palast und ließ ihm eine Erziehung angedeihen, wie seinen Kindern. So ist unser Aeltester in den letzten 12 Jahren zu einem prächtigen, rüstigen Junker herangewachsen.“ ״Ich aber, die Mutter", setzte die Frau fort, ״weinte und trauerte Tag und Nacht und bat mehr wie einmal den lieben G'tt, lieber die Seele unseres Kindes zu sich zu nehmen, als es auf diese Weise fern von seinem Volke und Glauben aufwachsen zu lassen. G'tt aber erhörte mein Flehen nicht, das Kind blühte empor und war die Freude und der.Stolz seiner Umgebung. Unter allerlei Ausreden und Vorwänden schlich ich mich täglich in den Hof und in den Palast des Gutsherrn ein. Ich redete auf unser Kind, so ich es nur imbemerkt tun konnte, ein, und unterwies ihn in der heiligen Lehre und hielt ihn an, die Gebote G'ttes, soweit es hier möglich war, zu halten. Und, lieber Mann, G'tt hat nun doch mein Flehen erhört. Unser Sohn ist ein Kind unseres Volkes geblieben. Jetzt noch kommt der zwanzigjährige adelige Jüngling Nacht für Nacht zu mir, seiner Mutter, um sich immer noch in der Lehre G‘ttes unterweisen zu lassen und von mir den Muttersegen und Rat zu empfangen. So ist er auf dem fremden Wege, auf den ihn eine unerforschliche Vorsehung gewiesen, seinem G'tte und dem Glauben seiner Väter dennoch treu geblieben." Die Frau schwieg. Der Pächter hörte still ergriffen zu. Dann weinte er Tränen des Glückes, der Freude, der Dankbarkeit und auch der Scham, über das, wessen er im Innern eine Weile seine wackere Lebensgefährtin verdächtigt hatte. Er packte die wertvollen Geschenke aus. ״Aber außerdem", fügte er hinzu, ״habe ich noch drei kostbare Güter mitgebracht, die mit keinem Gut der Welt zu bezahlen sind. Ich habe sie vom großen Rabbi mit auf den Weg bekommen, und wir wollen sie pflegen und unseren Kindern erhalten.“ Sie heißen: ״Immer rechts; ungleiche Verbindung — der Weg zum Tode; Schaue, prüfe und dann urteile!“ Durchwandernde Pilger, die in des Pächters Haus eingekehrt waren, erzählten nach einiger Zeit, daß der Rabbi an einem Tage annähernd neunhundert Rubel an Arme, zur Wiederaufrichtung ihrer Existenz, gespendet habe ..,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.