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Jüdische Presse · 1935-01-18 · 3 (18.1.1935) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
21 (1935)
Issue
3 (18.1.1935)
Date
1935-01-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
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V. b. b. tfoviaovÄ v$platn6 povolenfi ***¥* Kg*» teletf?*fov ü fiMiw&fe &•» 41072*111*20 1י י iln 1 fi A1 ufi u U U | eil vom Verleger versendet »umal exp€di6 par P&Utetir 16. JÄNNER 193S ייד שבט תרצ״ה 31. Jahrgang / Nummer 3 Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasse 12 a, Telephon A-46-0-15; Tschechoslowakei i Bratislava, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsscliluß: Mittwoch Mittag Zeitung« .BRATISLAVA Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kd 80, Jugoslawien Dinar 150, das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen f. ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIII, 4117, Berlin Nr, 122.619. ORGfln FÜR Die IflTSRgSS60 D6S ORTH0DOHCf) JUDEOTUfflS Die Judisdmationalen und die Großrabbiner♦ Existenzaussidiien in Erez lisroel♦ Von Zwi Glück, Tel-Awiw. Die jüdischen Zeitungen und Zeitschriften widmen heute einen großen Teil des verfügbaren Raumes den Erez-Jisroel-Problemen. Und dennoch ist man über die Existenzmöglichkeiten in Erez Jisroel sehr mangelhaft informiert. Prosperity, blühende Wirtschaft, steigende Bodenpreise, neue Industrien, ja, wie sind aber die voraussichtlichen Aussichten der einzelnen Menschen mit ihren verschiedenen Fähigkeiten und Mitteln, die hierherkommen? Natürlich lassen sich keine allgemein gültigen Regeln aufstellen, doch können die Einwanderer in vier Gruppen eingeteilt werden: Arbeiter, und die es werden wollen, Handwerker, eventuell mit kleinem Kapital, Mittelständier und Kapitalisten. Am leichtesten haben es die ersten zwei Gruppen, am schwersten die dritte Gruppe der Mittelständler, über die ausführlich gesprochen werden soll, da sie ein großes Kontingent der aus Mitteleuropa Kommenden bilden. Erez Jisroel ist ein Land des Aufbaues und der Arbeit. Körperliche Arbeit ist nirgends eine Schande, doch haben uns zumeist die Verhältnisse in unseren bisherigen Wohnländern zum Geschäftemachen gezwungen, bis es zur Gewohnheit wurde. Manche Arbeitsgebiete waren besonders dein thoratreüen Juden verschlossen. Nur ganz langsam zeigen sich jetzt unter der Jugend in Erez Jisroel Anzeichen einer gesünderen Entwicklung. Hier in Erez Jisroel ist man hundertprozentig auf Arbeit ' eingestellt.’Nur"die Masseneinwänderuhg der letzten'Jahre . brachte eine teilweise überspannte Geschäftigkeit hervor. Die geistig und körperlich unvorbereiteten Einwanderer aus den erwähnten Gebieten versuchen vorerst, die gewohnte Beschäftigung fortzusetzen, bis sie jedoch. nach Monaten oder Jahren die Aussichtslosigkeit ihres Vorhabens erkennen. Viel besser ist natürlich derjenige daran, der sich in dieser Hinsicht schon zu Hause klar geworden ist und womöglich noch dort ein Handwerk erlernt' oder sich der Landwirtschaft zuzwVenden beschlossen hat.. Ein junger Mann, ohne Fach und Barmittel, kann sich als Arbeiter in der Stadt oder am Land sehr gut fortbringen. Der Durchschnittsverdienst eines ungelernten Bauarbeiters beträgt 35 bis 40 Piaster täglich, der eines landwirtschaftlichen Arbeiters 20 bis 25 Piaster. Diese Differenz ist in dem Unterschied der Lebenshaltungskosten zwischen Stadt und Land nur teilweise begründet. Die Differenz besteht hauptsächlich in der Wohnungsmiete, die aber nicht soviel beträgt. Die Landwirtschaft hat aber mit 25 Piaster die maximale Lohnhöhe erreicht, ‘ so behaupten wenigstens die Pardeßeigenttimer, während׳ es bei der jetzigen Lage des Wohnungsmarktes keine Rolle spielt, wenn sich e'in Hausbau um einen kleinen Prozentsatz verteuert. Schöner und gesünder ist schon die 1 a n dwirtschaftliche Arbeit als die auf einem Bau oder: in der Fabrik. In unserem materialistischen Zeitalter ist es aber nicht weiter verwunderlich, wenn die weitaus überwiegende Mehrzahl der Ankömmlinge in der Stadt bleibt. Neuerdings muß sich jeder, der ein Zertifikat erhält, verpflichten, ein bis zwei Jahre am Land zu bleiben. Es besteht auch die Möglichkeit, sich innerhalb einiger Monate ein Baufach anzueignen und das Doppelte bis Dreifache eines Schwarzarbeiters zu verdienen. Der Landwirtschaft wird aber durch diese Landflucht unermeßlicher Schaden zugefügt. Dieser Umstand bringt es auch mit sich, daß die arabische Arbeit in den Kolonien täglich vordringt. Die Pardessanim sträuben sich — wohl mit einiger Berechtigung — heftig dagegen, ausschließlich ״grüne“, an körperliche Arbeit meist ungewohnte Arbeiter zugewiesen zu erhalten. Handwerk hat einen goldenen Boden. Ein guter Handwerker hat es besonders leicht, zu guten Bedingungen unterzukommen. Besonders sind die mit dem, Bauwesen zusammenhängenden Fächer günstig. An guten Tischlern z. B. ist ein konstanter Mangel. Auffallend!ist, daß an Elektrotechnikern z. B. hier in Tel-Awiw momentan ein Ueberfluß herrscht und die Verdienstmöglichkeiten sind in diesem Fache dementsprechend geringer. Das Schuhmachergewerbe ist sehr gut, Schneider etwas minder usw., usw. Mit etwas Kapital kann sich ein guter Handwerker Nach der aufreibenden Arbeit einer wochenlangen Unterschriftenkampagne ist nun endlich die Seifenblase geplatzt. Die ״Stimm e", das offiziöse Organ der Kultus- Präsidenten, und ihr täglicher Ableger, der ״Wiener Tag“, haben endlich die kongruenten Berichte über den ״Erfolg“ der Unterschriftensammlung dahin zusammengefaßt, daß 95״ Prozent" der orthodoxen Juden Wiens gegen die Separationsbestrebungen der um die Adas Jisroel sich scharenden orthodoxen Judenheit seien. Die ״Stimme" begeht allerdings dabei den Fehler, am Schlüsse selbst zu sagen, daß die Deputation, die dieses Ergebnis der Kultusgemeinde mitteilte, gleichzeitig eine Sammlung ״mehrerer tausend Unterschriften“ überreicht hat. Diese etwas unbestimmte Bezifferung läßt die Genauigkeit der perzentuellen Berechnung wohl im rechten Licht erscheinen. Der ״Wiener Tag“, sicher die kompetenteste Stelle zur Beurteilung solcher Dinge, verleiht den Führern der Deputation überdies taxfrei den Titel ״angesehenste Mitglieder der Wiener Orthodoxie". Als besonderere Schlager werden in der ״Stimme“ drei Großrabbiner, zu denen der ״Tag“ noch einen vierten, den Czortkower Rebbe שליט*א dazulügt, angeführt, die sich gegen die Bestrebungen der organisierten Orthodoxie ״mit aller Energie“ ausgesprochen haben sollen. Die J. T. A. tut noch ein Uebriges, indem sie die von uns allen hochgeachtete Person des Herrn Rabbiner Abraham Heschiel,. den sie in diesem Zusämmenhang mit durchsichtiger Absicht als den ״Präsidenten des Keren Hathoraf der A g u d a s Jisroel für Oesterreich“ bezeichnet, d a;z udi c h t e t. Es sollen also, wo •Argumente fehlen — Aut 6rität en sprechen. Wir ״werden den Herren nicht das Vergnügen antun, uns mit ihnen über religiöse Autoritäten zu unterhalten. Wir werden :— wenn es notwendig sein sollte — zu zeigen wissen, wie die Jüdischnationalen mit den Autoritäten des religiösen Judentums umzugehen imstande sind. Uns steht -jede rabbinische Persönlichkeit zu hoch, um sie für einen billigen Vorsp'anndienst im Kampfe zu mißbrauchen. Wenn es aber notwendig werden sollte, werden wir Autoritäten zur Genüge aufzuwarten wissen. Für heute nun die knappen Fragen: Sind die3e Autoritäten befragt worden, ob es angängig ist, den Religionsunterricht einem Mann auszuliefern, der —, darüber liegen Protokolle vor — um Intervention an-. gegangen wurde, gemäß der Verordnung des Stadtschul־ rates einen Schüler vom Schreiben an Sabbathen zu befreien, und dies mit der höhnischen Verdrehung abgelehnt hat עשה שבחך חול ואל תצטרף לבריות? Wenn der Kultusvorstand und die Jüdischnationalen aber glau- , ben sollten, diesen auch ihnen aus rein politischen' Gründen mißliebig gewordenen Herrn als Prügelknaben j benützen zu können, um ihn gegen einen anderen auszu- tauschen, der dem Klub der jüdischnationalen Kultus-' mandatare angehört, und dessen bestehende Professur noch durch ein Expreß-Doktorat ergänzt werden soll, so erklären wir schon heute, daß es diesem Herrn unvergessen bleiben wird, daß er im Herzen des Judenviertels selbständig machen und weit bringen. Jeder Handwerker muß aber damit rechnen, eventuell andere Arbeiten zu verrichten, wenn sich nicht sofort Arbeit im eigenen Fache bietet. Die Mittelständler: Geschäftsleute, Beamte, Vertreter usw. mit kleinem Kapital, haben es Verhältnismäßig am schwersten. Meist nicht mehr ganz jung, für körperliche Arbeit ungeeignet, dauert es oft Monate, bis sie sich eine halbwegs auskömmliche Existenz schaffen können. Um ein Geschäft zu eröffnen, muß man die Sprache beherrschen und die Mentalität der hiesigen Bevölkerung kennen. Auch werden verhältnismäßig mehr Mittel als im Ausland benötigt. Lange Kredite und Wechselzahlungen sind im Handelsverkehr usuell. Viele haben schon ihr Geld verloren, die diese Punkte nicht beachteten. Bezeichnend ist, daß im allgemeinen der Verdienst sowohl im Handel als auch in der Industrie perzentuell gering ist. Von einem Bürobeamten wird meist die perfekte Kenntnis der hebräischen und englischen Sprache verlangt. Als Handelsangestellter unterzukom- Wiens seit Jahren öffentlich den Schabbog entweiht. Die areligiöse Assimilation durch einen antireligiösen Nationalismus zu ersetzen — ist heute entschieden nicht mehr angängig. Wir fragen weiter: Sind die in Rede stehenden Autoritäten, die von den Herren Jüdischnationalen nie gekannt und anerkannt waren, befragt worden, ob sie damit einverstanden sind, daß der Vertreter des Kultusvorstandes eine Talmud-Thora, in. der nur Gemoro im alten Stil gelernt wird, in Gegenwart von Schülern und Lehrern eine ״B o m o h“ nennt, weil dort nicht nach seinem System gelehrt wird? Ist es den Protestunterschriften sammelnden Herren jemals eingefallen, die großrabbinischen Autoritäten darüber zu informieren, daß vom Kultusvorstand geflissentlich Jugendorganisationen gefördert werden, in denen alles, was einem gläubigen Juden heilig ist, mit Füßen getreten wird? Sind die ehrwürdigen Herren Großrabbiner schließlieh auch darüber befragt worden, ob es religionsgesetzlieh zulässig ist, daß Rabbiner in ihrer eigenen Gemeinde in religiösen Fragen nur ein beratendes, aber kein entscheidendes Votum haben? Und nun zur Kardinalfrage: Haben die ehrwürdigen Herren Großrabbiner auch dazu ihre Zu- Stimmung gegeben, daß der Bestand der religiösen Zukunft der Wiener Judenheit auf die Zufallsmajoritäteincs : Vorstandes auf gebaut werden soll, der schon einmal beschlossen hat, die auf Moschiach und Zion bezüglichen Stellen aus den Tefillos zu streichen, und' der heute in seiner erdrückenden? Mehrheit zufällig - aus andersgearteten. XJebertretem der jüdischen Religionsgesetze besteht? י Und wenn die Herren Jüdischnationalen, die heute die Macht ausüben, unter dem Druck unseres. Kampfes sich hüten, ihr wahres Gesicht zu zeigen,' so muß "denn ,doch gesagt werden: Alle jene, die durch ihre .Unterschrift dieses System stützen, übersehen, daß heute ihr Wort wenigstens dort noch Geltung hat, wo man dieses Wortes im Kampfe gegen uns bedarf. Wächst aber das nächste . Geschlecht der Jüdischnationalen in die Macht hinein, dann werden auch die aus diesem Worte resultierenden Hemmungen auf gehört haben. Und weil wir ׳׳ '.׳■■־.־ ־’ ל unsere Kinder vor dieser Entwicklung bewahren ־ und schützen wollen — wollen und werden wir m. G. H. 1 o s k o m m e n von einer Gemeinde, die ' in ihren religiösen Fundamenten Paul־; und in ihrem Bau morsch ist. Die Herren Jüdischnationalen mögen mit' allen erdenklichen Mitteln der modernen Propaganda und Agitation die Massen zu suggerieren versuchen — wir werden unseren Weg un be irr bar bis zu Ende schreiten: אלה ברבב ואלה בסוסים ואנחנו בשם ה׳ אלקינו נזכיר... ואנחנו קמנו ונתעודד men, ist sehr schwer. Uebrigens werden hier Beamte und Angestellte jeder Kategorie nicht gut, oft sogar sehr schlecht honoriert. Im Durchschnitt wird nur das . Existenzminimum von 6 bis 8 Pfund monatlich verdient, von Ausnahmen — Großunternehmungen und Banken — abgesehen. Ein Arbeiter verdient meist besser als ein Angestellter. Der Kapitalist hat es natürlich in vielen Be- Ziehungen leichter. Doch soll nicht verschwiegen werden, daß unzählige Millionen in den Banken liegen, deren Eigentümer keine zusagenden Objekte für die beabsichtigten Investitionen gefunden haben. Die Banken vergüten nur 1 bis 2 Prozent Zinsen. Es ist nicht jedermanns Sache, ein Haus oder einen Pardeß zu erwerben, oder in Grundstücken zu spekulieren. Schließlich soll aber die Wahrheit von מן דיהיב חייא יהיב מזונא nicht vergessen werden. Erez Jisroel ist ein Land אשר עיני ה׳ אל־ בה מראשית שנה עד אחרית שנה. ein Land, das die besonders liebevolle השגחה des Weltenschöpfers genießt. Die weltberühmte, in Qualität unübertroffene 1 für die orthodoxe Frau! Perfflckenkunstwerkstätte 0THMAR SCHIFF Wien I, Kärntnerring 6 ^pto%"«.0.16ri8to1

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