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Jüdische Presse · 1935-01-04 · 1 (4.1.1935) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
21 (1935)
Issue
1 (4.1.1935)
Date
1935-01-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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JÜDISCHE *HESSE Nr.' 1 Von Hölr feien Jakob. «eite 4 Separation der sich um die Schiffschul gruppierenden orthodoxen Juden das religiöse Niveau der Wiener' Kultusgemeinde noch mehr Verfallen würde, ist .übrigens sachlieh u ri t u t r e # t e Ä ä. Üfe ififfdürifung hat iih Gegenteil gelehrt, daß überall, wo neben einer allgemeinen Kultusgemeinde eine selbständige orthodoxe Gemeinde, besteht, sich eine gewisse ״Rivalität“ entwickelt, deren Nutznießer gerade auch die in der Muttergemeinde verbliebenen konservatiyen iBlemente werden. Neuerdings sammeln einige Herren, die sich um die Kultusgemeinde besonders verdient machen wollen, auch In Laienkreisen Unterschriften gegen die Selbständigkeit der Orthodoxie. Sie lassen jeden unterschreiben, auch schulpflichtige Kinder erscheinen ihnen hiefür geeignet. Auch diese sind dagegen... Was aber soll damit bewiesen werden? Daß wir eine kleine Minorität sind? Das liegt ja gerade auf unserer Linie, nachzuweisen, daß wir uns von der erdrückenden Mehrheit Andersgesinnter im höchsten Maße bedroht fühlen und eine Rettung nur mehr in der angestrebten Selbständigkeit sehen! Wir wissen nicht, ob das Gutachten der Kultusgemeinde bloß ״internen Zwecken“ dienen, oder auch ״offiziell“.. verwendet werden soll.. Wir machen uns aber jetzt schon erbötig, gegebenenfalls jeder Unterschrift eines Kultus- " gemeinderabbiners — z e 11 n Unterschriften von allgemein anerkannten orthodoxen Ober-׳ rabbinern aus allen Gegenden der Erde entgegenzustellen, deren Autorität auf der ganzen Welt einwandfrei feststeht. fcl=׳Ly®» Woche zi» Woche — Trotz wiederholter Dementis ist die Einberufung des sogenannten ״Jüdischen Weltkongresses" noch sehr in Frage g e st eilt. ״American Jeioish Committee", ״National Council of Jewish Women in Amerika", ״Jewish Labour Comittee in Amerika" und die amerikanische ״Bne-Briss-Großloge" — vier der größten jüdischen Organisationen Amerikas — haben beschlossen, sieh an den Wahlen nicht zu beteilig en. — Bei dem Versuch, die Grenze von J e m c n zwecks Ausioanderung nach Palästina zu überschreiten, ist .ein Jude von der Grenzwache erschossen worden. — Die Weltkonferenz des Verbandes für Gesundheitsschutz der Juden O.s e hat beschlossen, die von Toz in Polen und von den Verbänden jüdischer Aerzte in Palästina, London und New York ergriffene Initiative zur Einberufung eines Weltkongresses jü dis eher Aerzte zur Durchführung zu bringen. — Der Immunitätsausschuß des polnischen Sejm hat einem Auslieferungsantrag gegen den Nationaldemokraten L as ot a, der behauptet hatte, die Regierung gehe Hand in Hand mit den Juden, stattgegeben. Die . Polizei hat Flugblätter der Nationaldemokraten, in denen zum Boykott jüdischer Geschäfte auf gef ordert wurde, beschlagnahmt. — Unter den Mitgliedern des durch Ernennung eingesetzten Stadt rates von Warschau befinden sich sieben Juden, die, bis auf einen Vertreter der Aguda, verschiedene Berufskategorien, wie Handwerker, Kaufleute und Hausbesitzer vertreten. Einer ist Vertreter der jüdischen Frontkämpfer. — Die Völkerbu n d ab t.eilun g f ü r Sozialfürsorge hat dem jüdischen Einwohner des Städtchens Opatow.iec, Meierowitz, der sich an den Völkerbundmit einem Hilfegesuch gewayidt hatte, in dem er darauf hinwies, daß sein im Kriege gefallener Sohn der einzige Ernährer der jetzt bitterste Not leidenden Familie war, einen Notstandsbeitrag von 300 Schweizer Franken' gewährt. Es ,ist dies der erste Fall einer u nmittelbaren Unterstützung eines Juden in P ölen durch den Völkerbund. — In der Synagoge in Freudenburg (Kreis Saarburg) wurden die Fenster durchschossen. In Kirf (Kreis Saarburg) wurden die Fenster des Jüdischen Gemeindehauses zertrümmert. In vielen Dörfern des Kreises Saarburg wurden Tafeln mit der Aufschrift: ״Juden sind hier unerwünscht!" angebracht.' In den Gasthäusern befanden sich Anschläge, die besagen: ״Juden sind hier nicht j geduldet!" — Alts S an aa, der Hauptstadt des Jemen, wird berichtet, daß eine Anzahl dort lebender Juden, die sich für die Rückkehr anderer jemenitischer Juden, die mit Tomisten-Visen nach Palästina gegangen sind, verbürgt haben, nunmehr von der Regierung mit Gefängnis und Vermögenskonfiskation bedroht werden, falls ihre Freunde nicht bald nach dem Jemen zurückkehr&n. — Die vor mehrei'en Monaten eingeleiteten Verhandhingen zur Schaffung einer einheitlichen politischen Vertretung des polnischen Judentums, die seinerzeit übei' Veranlassung dei' allgemeinen Zionisten a bgebrochen wurden, sind wiedei' aufgenommen worden. Die zionistischen Abgeordneten, die in Opposition zur Regierung steheii, lehnten damals eine Vereinbarung mit den, dem Regierungsblock angehörenden agudistischen Abgeordneten ab. — Dei' von einer Wiener antisemitischen Gmppe herausgegebene antisemitische Geschäftsweiser, in dem die Geschäftsadressen der arischen und der jüdichen Geschäftsleute angeführt werden, ist beschlagnah m t worden. — Das Pariser Auswärtige Amt erließ ein Zirkular an die Behörden, wonach die an Flüchtlinge aus Deutschland gewährten Durchreise-Visen nicht weiter zu verlängern seien; dies bedeutet, daß eine große Zahl der Flüchtlinge, die .mittelst Durchreise-Visen nach Frankreich gekommen waren, bald aus Frankreich ausgeiüiescn werden würden. Vorstellungen der jüdischen Organisationen bei ׳der■ Regierung, zugunsten der Flüchtlinge waren bisher ohne jeden Erfolg. Flüchtlinge, die Geschaftsunternehmungen begründeten, liquidieren . Hais über Kopf. — Auf dei'; Vei'sammlung dei' holländischen. Oberrabbiner wurde .als Nachfolger des verstorbenen Amsterdamer Oberrabbiners A. S. Onderwijzer der Oberrabbiner von Arphem J.: V reden bur g zum .V orsitzenden des Rats der holländischen Oberrabbiner gewählt..; H. Grün, II.‘,:... Tab.orstr&ße Ä b, Tel. R-42-3-66, Atelier für feine Herrengarderobe. BJ Daß der hebräischen Sprache, unabhängig ״von ihrem Gebrauch und Inhalt der Charakter der II e iligkeit zukommt, sollte , in den wissenden, thoratreuen Kreisen unseres Volkes nicht erst erörtert werden müssen. Zu klar ist in den Quellenschriften unseres Glaubens Hebräisch als g -111 i c h e U rspräche der Menschheit und der Prophetie bezeugt, zu oft und ausführlich haben sich unsere Weisen aller Zeiten darüber ausgesprochen1), als daß hier für den Traditionsgläubigen noch ein Zweifel obwalten könnte. Heilig ist uns diese Sprache, und zwar nicht ihres Alters, oder der historischen Verbundenheit unseres Volkes mit derselben, sondern als die einzig mögliche Sprache der Offenbarung, die, g־ttgewollt, an der Wiege der Menschheit, ja, nach einem׳ Ausspruche unserer Weisen, am Anbeginn der Weltschöpfung gestanden hat, von den Frommen der präabrahamitisehen Generationen! in Reinheit bewahrt und weiter überliefert zu den Erzvätern und den Kindern Israels, denen sie erst, da sie selbst am Sinai zum גד קדוש zur heiligen Nation geworden waren, die heilige Nationalspräche wurde. Nicht diese These, über die es ja von glaubenstreuer Seite kaum eine Meinungsverschiedenheit geben kann, festzustellen, ist die Aufgabe dieser Zeilen, sondern dieselbe in entwickelnder Weise zu veranschaulichen und sie damit auch demjenigen mundgerecht zu machen, der in der materialistischen Beschränktheit unseres zeitgenössischen Denkens befangen, dem Begriffe einer heiligen Sprache verständnislos gegenübersteht׳. Gibt es ja nur wenige Dinge, über welche sich bis in unsere Zeit hinein in der Wissenschaft so unsinnige und lächerliche Anschauungen behauptet haben, wie über das Wesen und den Ursprung der Sprache. Ahron Markus, der große Chassidismus-Forscher, hat in seinem leider viel zu wenig bekannten Werke ״Barsilai“ gezeigt, wie gerade hier die diversen Herren Professoren sich blutige Köpfe geholt hatten an den vergeblichen Lösungsversuchen von Problemen, die vor den Augen jüdischer Weisen des Mittelalters in sonnenheller Klarheit lagen. Der reine Buchstabenphilologe (und mit ihm die große Masse der Laien), der in der Sprache nur eine vom menschlichen Einzelindividuum losgelöste Summe von Konsonanten und1 * Vokalen, von Nomina, Verben und Partikeln, Flexions-־ und Syntaxregeln zu betrachten gewohnt ist, schüttelt erstaunt den Kopf bei dem Gedanken an eine ethische Wertung der Sprachformen. Und dennoch fehlt es auch innerhalb der modernen Geisteskultur nicht an Stimmen, die, konsequent zu Ende gedacht, zur Bejahung dessen führen׳ müßten, was uns durch die Träger der קבלה von ר׳ משח קרדיבה bis ד שניאר זלמן (vgl. besonders dessen Ausführungen hiezu im ילקוטי חורה בחקותי darüber gelehrt worden ist. Es müßte den hier, gebotenen׳ Rahmen sprengen, das ebenso tiefe wie erhabene (Bild auch nur andeutungsweise wiedergeben zu wollen, das uns diese wohl berufenen׳ Interpreten der jüdischen Anschauung von dem Wesen und dem Ursprung der menschlichen Sprache entwerfen. Eins sei nur als wesentlichstes und unterscheidendes Merkmal der jüdischen Anschauung ausgesprochen: Sprache in ihrem Urzustand ist nichts Konventionelles׳, nichts Aeußerliches, nichts vom menschüchen Individuum mehr oder minder Lösbares, vor allem nichts Zufälliges; Sprache ist vielmehr innerster und eigenster Ausdruck der menschlichen Seele, indem sie zunächst die mittels der Sprechwerkzeuge sich vollziehende Projizierung der Gedanken in die Sphäre des sinnlich Wahrnehmbaren darstellt. Der menschliehe Gedanke selbst ist aber eine Emanation aus der menschlichen Seele. Hülle (לבוש, היכל, בית) der Seele ist der Gedanke, Hülle des; Gedankens die Sprache. Diese Hülle ist aber in ihrem Normal- — Idealzustande in allen ihren dessen Stoff selbst erzeugt כחדין קמצא דלבושיה מניה וביה, Teüen dem zu Umhüllenden restlos adäquat, ja aus wie das Schneckenhaus, das aus dem Körper der Schnecke selbst hervorgeht und sich auf das engste an sie schmiegt. Und so muß bei dem körperlich und seelisch vollkommenen, d. h. sündenfreien Menschen, als welcher uns Adlam — das unmittelbar aus G-ttes Schöpferhand in höchster Reinheit und Vollkommenheit hervorgegangene menschliche Wesen — vor dem Sündenfall erscheint, jeder durch die Sprechwerkzeuge hervorgebrachte Laut einem Gedankenlaut oder, wie wir wohl besser sagen, einem begrifflichen Atom, dieses wieder einem Seelenatom entsprechen; die reine 1) Vgl. insbesondere אכן עזרא שפה ברורה Anfang, wo unabhängig von der talmudischen. Tradition aus dem Wortlaute der Thora seihst bewiesen wird,, daß die Sprache der ersten Menschen, sowie die von G-tt an sie ergangene 1 Ansprache Hebräisch gewesen sein müsse. * menschliche Seele selbst aber ist.ein Abglanz der g-ttlichen שבינה (vgl. <יבבא בתרא נ*ה. Und so erscheinen uns die sprachlichen Reaktionen dieser reinen, noch unbefleckten Seele des ersten Menschen als das Sprachrohr ihres Schöpfers selbst; noch sieht sie die Dinge, wie sie wirklich sind, noch vermag sie ihnen die ihrem eigensten Sein entsprechenden! Namen zu geben; die Sprache, die als Projizierung dieser ersten Menschenseele erscheint, sie ist nur in sekundärer Hinsicht Mitteilungsmittel, in erster Linie drückt sie das Wesen der bezeichneten Dinge aus, sie ist damit Wertung, wahrste und damit sittlichste Wertung: Heilige Sprache. בל אשר יקרא לו האדם נפש היה הוא שמן und alles, wie sich’s der Mensch als J9p •q •p *8UIBN UI9S IST S V p ‘}UU9U «9S9AV S9pu9q9f ihm wirklich zukommende, sein eigentliches Wesen treffende Name. ־) Im Hebräischen ist das Wort das tatsächliche Aequivalent des von ihm bezeichneten Begriffes. Die Sprache ist somit das Spiegelbild der Welt׳, die Welt — die verkörperte Sprache. Oder, wie unsere Weisen es formulieren, בשם שהתורה נתנה בלשון הקודש בך העילם נברא בלשון הקדש so wie die Thora in hebräischer Sprache gegeben wurde, so ist auch die Welt in hebräischer Sprache geschaffen. Diese Sprache, die der Weltschöpfung zugrunde gelegen ist, sie ist und bleibt für alle Zeiten die Sprache der Offenbarung und die Sprache des g-ttlichen Ebenbildes, der reinen, unbefleckten menschlichen Seele. Schon Adam hat, wie unsere Weisen berichten, nach dem Sündenfall nicht mehr Hebräisch, sondern nur noch Aramäisch (also ein entstelltes, verstümmeltes Hebräisch!) gesprochen (vgl, אדם הראשון בלשון ארמי טנהדריןל־א Die Seelen der beim Turmbau von Babel entarteten Menschen verloren so sehr den Kontakt mit ihrem Schöpfer, daß sich ihrer Seele nicht mehr die wahre, richtig wertende, heilige, g־ttliche Sprache entrang, sondern andere, minder richtig wertende und damit notwendigerweise unheilige Idiome. Klar zeigt sich hier die unlösliche Verbindung der einer völkischen Gemeinschaft angehörenden Individuen mit ihrer Sprache. Die Worte Humboldts, daß die besondere Art, wie sich die Sprechtätigkeit im einzelnen vollzieht, auf der Geisteseigentümlichkeit der einzelnen Völker beruht, daß also jedes Volk in seiner Sprache die besondere Art ausdrückt, wie es die Dinge der Außenwelt auffaßt, sind damit׳ vollkommen konform. Die Einsicht in den Bau einer Sprache läßt in das innerste Wesen des betreffenden Volkes blicken, Sprache ist letzten Endes Weltansicht. ~ Hebräische Sprache drückt die jüdische Welt־« ansicht aus, drückt die Weltansicht der Thora aus, ist selbst Thora. Es sei schließlich nicht unerwähnt, daß dieser besondere Charakter der hebräischen Sprache auch in außer jüdischen Kreisen seine Beachtung und Würdigung gefunden hat. Der Sprachforscher Friedrich König1‘) sagt: ״Im Hebräischen von der Beziehung zwischen Bedeutung und Laut zu reden■, werden wir von dieser Sprache selbst angeleitet, denn sie enthüllt uns in Spuren, daß der hebräische!Sprachgenius sich der Verwandtschaft zwischen Innerem und Aeußerem, Geistigem und! Leiblichem, bewußt war.“ Ebenso Rudolf Stier:4) ״Dennoch haben wir, von allen Zeitmeinungen unabhängig, durch G-ttes Gnade solche־ Einsicht, ׳ daß wir wissen, die hebräische Sprache ist die heilige Grundsprache, von welcher das Verständnis aller anderen Sprachentwicklung ausgehen mußv und seinerzeit auch wird.“ ’-) Vgl. hiezu die instruktiven Ausführungen Markus’ in seinem erwähnten Werk ״Barsilai“, sowie auch Hirsch in seinem Aufsatz: ״Einige Andeutungen über den hebräischen Unterricht als ■allgemeines Bildumgselement“ (!Gesammelte Schriften,!Band 2, Seite 433 bis 448). a)׳ Friedrich König: ״Gedanke, Laut und Akzent als die drei Faktoren der iSprachbildung, dargestellt am Hebräischen“, Leipziger Dissertation 1874. 4) Rudolf Stier: ,,Neugeordnetes Lehrbuch der hebräischen 1Sprache“, Leipzig 1833, Vorrede, zitiert in Kassel, Kusari, Seite 168. ספרים! טלתים, סזוזות! תפילין וכל דבר שבקדושה beziehen Sie nur durch die älteste hebräische Buchhandlung Jos. Schlesinger Wien I, Seitenstettengasse 5 Größtes Lager in neuhebräischer und jüdischer Literatur

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