Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 21 (1935)
- Issue
- 1 (4.1.1935)
- Date
- 1935-01-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. i jüdische presse Seite 3 Jüdische Gemeinschaft. Von Rabl», w. s. Jacobson, Kopenhagen. .Aus Anlaß der Vollendung des 60. Lebensjahres des Präsidenten der Agudas Jisroel, Jakob Posenheim, ist eine umfangreiche Pestschrift erschienen, an der sich unser gesch. Mitarbeiter, Herr Rabbiner IV, 3, Jacobson, Ham bürg-Kopenhagen, mit einer aufschlußreichen, Arbeit unter dem Titel ״Gemein* schaft und Führer*‘ beteiligte4 Jacobson setzt sich mit dem gesamten jüdischen Gemein- Schafts probtem auseinander und beleuchtet an Band unzähliger Zitate *düs dem Talmud und den. Kommentatoren, daß als jüdische Gemeinschaft, der anzugehören Pflicht jedes, Juden ist, nur eine im vollsten Sinne des Wortes religiöse Gemeinschaft angesehen werden kanm Wir bringen nachfolgend ein Kapitel aus dieser umfangreichen, außerordentlich instruktiven Arbeit, das uns im Zusammenhang mit den Bestrebungen um die Selbständigkeit der Wiener Orthodoxie besonders lehrreich und aktuell erscheint. Es diene zur Aufklärung derjenigen, die noch Zweifel hegen, an der laut Thoragesetz rechtlich unerläßlich gewordenen Separation der orthodoxen Judenheit in Wien. — Die Redaktion. ״Nenne nicht Verbindung alles, icas dieses Volk Verbindung nennt.“') Heilig und unbedingt ist die Gemeinschaftspflicht. Doch Klall und Zibbur müssen auch die Gesamtheit, die Gemeinde G־ttes sein. Und was die Gesamtheit, was Gemeinde ist, bestimmt keine Mehrheit, und sei sie noch so überwiegend, das bestimmt einzig und allein die Thora. Nie herrschte bei uns und nie wird bei uns herrschen die Majorität des Volkes, allein die Autorität, die Majestät des G-ttesgesetzes. Chiskijahu fürchtete, daß G-ttes Wille mit der Mehrheit sein könnte, die sich Sancherib ergeben wollte. Da kommt der Prophet und tröstet ihn: ״Nenne nicht Verbindung alles, was dieses Volk Verbindung nennt. Es ist eine Verbindung von Frevlern, und die zählt nicht.“2) ״Das, was ihnen Furcht bereitet, fürchtet nicht, haltet es nicht für mächtig. Nein, den G-tt der Heerscharen, Ihn heiliget, E r sei eure Furcht, dann wird Er euch auch Macht gewähren.“״) Hilleis großes Wort von der Zibburpflicht, ״Trenne dich nicht vom Zibbur“, erleidet durch diese Fest- Stellungen keine (Einschränkung.!Sie sageii uns unzweideutig, was ein Zibbur ist und was nicht. Vielleicht will gerade umgekehrt die dem Wort vom Zibbur angefügte Mahnung: ״Habe nicht zu viel Selbstvertrauen“ vor dem Verbleiben in einer Gemeinde, die kein Zibbur ist, die in ihre Verfassung Religionswidriges aufgenomrhen, oder deren Einrichtungen thorawidrig sind, warnen. Glaube nicht, gegen die Versuchungen, die das Verbleiben in einer unjüdischen Gemeinde mit sich bringen kann, gefeit zu sein.!Selbst der Hohepriester Jochanan strauchelte noch in hohem Alter.*1) (Eine Erklärung, die so den Zusammenhang im Hiilel-Wort deutet, findet sich tatsächlieh im נכנסת ישראל. Nein, wer die Gemeinschaft mit diesen Kreisen löst, tut kein Unrecht. Rabbenu J a u n o, der vor 650 Jahren lebte, fand herrliche Worte für die echte Gemeinde, bezeichnet sie als ״Krone aller Welten“, lehnt aber* eine u'njüdische Gemeinde ganz scharf ab. ״Eine Gemeinde jedoch“, sagt er, ״die zum Wege des!Schlechten neigt, deren Handlungen verderbt sind, mit der soll man sich nicht verbinden. Wer sich von ihr trennt, ist rühmenswert."5) «) Jesaja, Kap. VIH, Vers 12. 2) iSanhednin 26 a. 3) Jesaja, Kap. VTIT, Vers 12 und 13. ־») Brochaus 29 a. 5) Rabbenu Jauno zu Owaus II/4._ ייי Und ein anderer, der berühmte Taschbaz, Rabbi Simon ben Zemach Duran, der vor 500 Jahren wirkte, sagt:0) ״Wenn die Wege des Zibbur verderbt sind, dann ist der, welcher sich von ihm trennt, rühmenswert. So spricht Jeremias: ״Könnte ich doch in der Wüste wohnen, in dem Nachtlager der Wanderer, daß ich mein Volk verließe, von ihnen ginge, denn si& alle sind Ehebrecher, eine Rotte von Ungetreuen."7) Und David spricht: ״Ich hasse die Gemeinde der!Bösen, bei den Frevlern will ich nicht sitzen . . .8) und du sollst nicht sein der Mehrheit nach Schlechtes zu tim.“ °) Wir lehnen Gemeinde und Gemeinschaft ab, wenn sie nicht auf dem Prinzip der Thora aufgebaut sind, um uns der wahren Gemeinschaft hinzugeben, mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzem Vermögen. Wir lehnen ab, nicht leichten׳ Herzens, nein, weil wir in uns den Ruf des Rambam widerklingen hören, daß man verpflichtet •ist, die Gemeinschaft mitFrevlern aufzugeben, und eher auswandere, bevor man in dieser Gemeinschaft Verbleibe; daß man, wenn die Möglichkeit des Auswanderns nicht gegeben ist, sich vo 11 kom.me n für sich halte; und daß man, wenn die anderen einem auch diese Einsamkeit mit seinem G־tt •und sich selbst stören wollen, eher in ve rbo r gen e Schlupfwinkel flüchte, bevor man mit ihnen gemeinsame ׳,Sache mache.10) Wir geben die Gemeinschaft mit den anderen auf, gewiß nicht, ohne vorher der Arewuspflicht genügt zu haben, welche von uns fordert, und •u. E. darin ihre Grenze findet, daß wir aus dem Bewußtsein der Mltverantwortung heraus warnen, mahnen, zurechtweisen; den einzelnen unter Umständen unendlich oft,11) das Zibbur jedoch nach einer Auffassung nur einmal, weil in ihm die Sünder einander gegenseitig bestärken und ermuntern,12) Wir geben diese Gemeinschaft auf, obgleich in unseren Herzen heiße Bruderliebe zu allen lebt. Aber wir wissen,, daß die Liebe Grenzen1 hat, daß man den anderen, das Laster in ihm, unter Umstänäeh' Imssen ' darf, ja hassen soll.13) °) Siehe Mögen Owaus zu Owaus II/4. 7) Jeremias, Kap. 9, Vers 1. s) Psalmen, Kap. 26, Vers 5. °) 2. Buch Moses, Kap. 23, Vers •2. 10) Rambam Hüchaus Deaus 1/1. 11) Bowo Mezia 31 a. 12)!Siehe Nemuke Jausef zu Jewomaus Ende 6. Perek, ferner Maharam Schik, Responsum 303, ferner Rab- I biner Dr. Ä. Klein, ״Jeschurun“, XIII, Seite 555. I 13) Psochim 113 b Ramban Hilchaus Rauzeach I FEUILLETON ■ die dtei tlfikke. Eine chassidische Geschichte. Es war einst ein jüdischer Pächter in einem kleinen, waldumgebenen Dorfe, der von der kleinen Wirtschaft, in welcher die Bauern und Holzknechte der Umgegend verkehrten, sich und seine Familie recht und schlecht ernährte. Da kam es infolge einer Mißernte, daß der Gutsbesitzer, von dem der Jude die kleine Wirtschaft in Pacht hatte, viele Arbeiter und Knechte entlassen mußte. Auch die Bauern, die Nahrungssorgen drückten, kamen nicht mehr so häufig ins Wirtshaus. Eine Zeit der schweren Sorge und bitteren Not kam für den armen Pächter heran. Er sah sich nicht mehr in der Lage, für seine Frau, die allezeit wacker mit ihm für das Haus sich mühte, und für seine wohlgeratenen Kinder das tägliche Brot zu verdienen. Auch konnte er das Pachtgeld dem Gutsbesitzer nicht mehr entrichten. Da entschloß er sich, zum Wanderstabe zu greifen. Und in der' Hoffnung, daß ihm G-tt auf irgend eine Weise Hilfe schicken würde, ging er in die weite, weite Welt hinaus. Im fernen Süden fand der arme Pächter bei wohltätigen Glaubensgenossen freundliche Aufnahme. Und da er schriftkundig und vertraut mit allen Gebieten der jüdisehen Lehre war, stellten ihn die wohlhabenden Leute als Lehrer für ihre Kinder an. Sein kärgliches Gehalt reichte ihm kaum für sein Auskommen. Aber der bescheidene, anspruchslose Mann sparte sich jede Kopeke vom Mund ab. Er versah mit großem Eifer und ungewöhnlicher Pflichttreue sein Amt, so daß die Leute, die ihm die Erziehung ihrer Kinder anvertraut hatten, voll des Lobes waren für seine Leistungen und ihn von Zeit zu Zeit mit Geldgeschenken bedachten. Der Mann freute sich darob ganz imgemein, denn er dachte an Frau und Kind in der fernen Heimat, die schutzlos dem harten Geschick preisgegeben waren. Und •er hoffte, bald eine genügende Summe beisammen zu haben, um heimkehren zu können und seine frühere Arbeit im Kreise seiner Lieben wieder aufzunehmen. So arbeitete der arme Hauslehrer zwölf Jahre hindurch, in steter Sehnsucht, in steter Hoffnung und ungebrochener Pflichttreue. Nuo, da er neunhundert Rubel sich erspart hatte, trat er den Heimweg an, um seine vernichtete Existenz, so gut es ging, wieder aufzurichten. Er 1 fuhr und fuhr, bis er in der Stadt Berditschew angelangt war, in welcher damals ein weit gesuchter und allgemein gefeierter Rabbi wohnte. Fremd in dieser Stadt, nahm der j Pächter seinen Weg zum ״Stübel“, das heißt zu dem Lehr- und Bethaus ־ des Rabbi, in welchem alle seine Chassidim beim Gebete und Studium der Kabala zu weilen pflegten. Die tiefe Andacht und die glühende Begeisterung, mit welchen in diesem Hause gebetet wurde, ergriff den Fremden, der schon lange fern von einem solchen g-ttgeweihten Kreise gelebt hatte, gar sehr, und er suchte nach beendigtem G-ttesdienste den Rabbi auf, um von ihm den Segen zu empfangen. Der Rabbi begrüßte den Fremden mit sichtlichem Wohlwollen und mit allen Zeichen der Liebe. Er lud ihn auch zum Frühstück ein, und der Pächter folgte voller Freude ob. dieser ehrenvollen Auszeichnung dem großen Rabbi ins Haus. Beim reichen Mahle, an dem noch viele andere Freunde und Verehrer des Meisters teilnahmen, fühlte sich der fremde Pächter von der Größe des Meisters gehoben und in hohe ferne Regionen getragen, von denen er weder in seiner einsamen Waldschenke noch in seiner Schul- Segen und um einige Fingerzeige für sein ferneres Leben, ihm in diesem Kreise so heimisch und so wohl zu Mute, daß er für eine Weile all die Leiden der Vergangenheit und all die Hoffnungen, die ihn heimwärts, einer besseren Zukunft entgegenzogen, vergaß und sich ganz im Banne des großen Mannes befand.. Nach beendetem Mahle bat nun der Pächter, der, sich nun ganz allein beim Rabbi befand, diesen um den Segen und um einige Fingerzüge für sein ferneres Leben. Da wurde des Rabbi Antlitz hart und mit einer Stimme, die dem Pächter ganz fremd anmutete, ׳;prach er: ״Drei Merkworte will ich dir mit auf deinen Heimweg geben, deren jedes aber dreihundert Rubel kostet. Die Summe ist im voraus zu bezahlen. Erlege das Geld und ich werde dir die Worte nennen.“ Der Pächter wurde traurig. Hatte er wohl darum sich das Geld vom Munde abgespart und es in langjähriger rastloser Arbeit zusammengebracht, um es auf diese Weise zu vergeuden? Und was sollte er für die große schwer verdiente Summe einkaufen? Worte, nichts als Worte! Allein ein seltsamer Glanz ging vom Rabbi aus, der in erwartungsvollem Schweigen verharrte. Unwidersteh־ lieh drängte es den Fremden, wenigstens eines der Worte aus dem Munde des wundermächtigen Mannes zu hören, Un er zahlte kurz entschlossen ein Drittel seines. Vermögens. Der Rabbi steckte gelassen das Geld ein und sprach: ״Kommen auf deinem Wege dir Beute entgegen und fragen dich wohin, so sage: Immer rechts!“ Der Rabbi schwieg... Da wurde der Pächter unruhig. Er hatte einen * Sie sind dagegen . . , Das Präsidium, der Vorstand, die ganze offizielle Kuitusgemeinde — alle» alle sind dagegen» Gegen die Selbständigkeit der Orthodoxie natürlich und gegen die Schlffschul; aeh, allzu natürlich! Wer hatte anderes et* wartet» wer ist davon überrascht und wer hat nur im leisesten daran gezweifelt? יי• Soweit ist die Sache wirklich uninteressant. Einige Beachtung verdient jedoch ein ander!» Ereignis. Die Kuitusgemeinde hat sich nämlich in den letzten Tagen zu einer lobenswerten Tat aufgeschwungen. Nachdem sie in Interviews des Präsidenten, in Zeitungsartikeln und im Plenum des Vorstandes ihre Stellungnahme längst bekanntgegeben hatte, erinnerte sie sich plötzlich daran, daß es sich um eine ״religiöse“ Angelegenheit handelt, und berief sämtliche beamteten und subventionierten Rab-‘ biner ein, damit sie zu der Frage ״Stellung nehmen“. Die Kultusgemeinde hat sich bei den Rabbinern einen Protest gegen die Selbständigkeit der Orthodoxie nicht bestellen müssen, Die Vorwegnahme der Entscheidüng seitens des Präsidiums hat die Rabbiner vor ein fait accomoU gestellt, das ihnen zwischen Zustimmung und Ablehnung keine Wahl mehr ließ. Man darf nicht außer acht lassen, daß die Rabbiner der Wiener Kultusgemeinde dem Vorstand unterstellt sind und daß ihre Position mit der souveränen Selbständigkeit eines orthodoxen Rabbiners nicht zu vergleichen ist. Wir möchten nicht mißverstanden werden. Wenn wir uns berechtigt fühlen, das Gutachten der Kultusgemeinderabbiner als irrig und uninteressant vollkommen zu negieren, so hat dies mit der persönlichen Achtung, die wir einzelnen Herren des Kollegiums entgegenbringen, gar nichts zu tun. Auch wo dies nicht der Fall wäre, würden wir uns jene Zurückhaltung auferlegen, auf welche Männer, die den Ehrentitel ״Rabbiner“ führen, Anspruch haben. Wir möchten nur feststellen, daß Rabbiner, welche sich einer Gemeinde von der Beschaffenheit der Wiener Kuitusgemeinde unterstellen und sich mit der• nur ״beratenden“ Befugnis abgefunden haben, im vorhinein darauf verzichten müssen, von der Orthodoxie vollwertig genommen zu werden. Wir wissen nur zu gut, daß ein Großteil jener Rabbiner, welche - den Protest gegen die Schiffschul jetzt unterzeichnet haben, seinerzeit große Gewissenskämpfe durchmachten, ehe sie sich entschlossen, sich einem areligiösen Vorstand zu unterordnen und das Dasein eines Scheinrabbiners zu führen. Wirtschaftliche Not und die Unmöglichkeit, anderweitig unterzukommen, zwangen sie dazu. Im Laufe der Jahre haben sie sich scheinbar schon daran gewöhnt, eine der Tradition widersprechende Gemeindeführung mit ihrem Namen decken und einen freigeistigen Religionsunterricht gutheißen zui müssen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß einige der unterzeichneten Rabbiner aus ״ehrlicher“ Ueberzeugung gegen die Separation der Orthodoxie gestimmt sind. Sie wollen eben, da sie für sich vorläufig keinen'ל AusWeg.:Väüs* dtn* Kultusgemeinde sehen, den wertvollsten und tapfersten Teil der Wiener religiösen Judenheit nicht ziehen lassen. Sie fürchten ihre vollkommene Vereinsamung und möchten nicht noch den letzten Rest an Selbstbewußtsein und Rückendeckung verlieren. Sa verständlich diese Einstellung vom menschlichen Standpunkte ist, können wir heute auf sie keine Rücksicht nehmen. Es wird vielleicht später einmal sich Gelegenheit ergeben, auch hier eine Lösung zu finden. Im derzeitigen Stadium des Kampfes jedoch müssen wir dieses Problem zurUckstelleii, denn es geht ums Ganze, um unsere Jugend und um die religiöse Zukunft der Wiener Orthodoxie überhaupt. Die Befürchtung, daß durch die Segen oder einen weisen Ratschlag erwartet:. Und nun dieses nichtssagende Wort, für welches er eine so große Summe ausgeworfen hat! Der Rabbi, dem wohl die bittere Enttäuschung des Mannes nicht entging, fragte nach einer Weile hart und kurz: ״Soll ich dir nun das zweite Wort sagen, so zahle den gleichen Betrag.“ Da dachte der Fremdling: Das zweite Wort würde, bedeutsam und inhaltschwer, auch das erste ergänzen, und so sei es wohl besser, noch mehr zu wagen, als auf halbem Wege zurückzu weichen. Und so erlegte er wiederum dreihundert Rubel. Der Rabbi nahm das Geld ruhig zu sich und sprach: ״Ungleiche Verbindung, der Weg zum Tode!" Verständnislos hörte wiederum der Pächter den Worten des Rabbi zu. Er begriff nicht, in welchem Zusammenhange diese Lehre mit seiner Zukunft, für die er doch des Rabbis Segen erflehen wollte, stehen sollte. Aber nun dachte er, auf das dritte Wort komme es an. Dieses würde nun das Rätsel lösen und auch die ersten zwei erklären. Und mit schwerem Herzen, aber frommem Glauben und unerschütterter Zuversicht entschloß er sich, auch den Rest seines Vermögens, mit dem er ja daheim sowieso nicht viel anzufangen vermocht hätte, hinzugeben, um das eigentliche Merkwort des Rabbi zu hören. Der Rabbi sprach jetzt etwas wärmer und weicher: ״Schaue und prüfe und dann — urteile!“ ״Und nun“, fügte der Rabbi mild und liebevoll hinzu; ״Gehe in Frieden, du wirst den Weg des Glückes nicht mehr verfehlen!“ <׳ Also war das das dritte Wort. Es war nicht minder schal und nichtssagend wie die anderen. Voller Verzweiflung im Herzen, voll des brennenden Schmerzes über das Schicksal der Seinen, für die er sich so lange gemüht hatte und nun ebenso hilflos wie zuvor dastanden, trat er den Heimweg an. Nur ein leises Hoffnungsfünkchen glimmte in einer verborgenen Ecke seines Herzens. Vielleicht, dachte er, hat es mit den Worten des heiligen Mannes doch etwas auf sich. Und er'beschloß, sie auf alle Fälle und unter allen Umständen zu beherzigen und nach ihnen zu handeln. In solchen Wechseigefühlen des Schmerzes, der Enttäuschung und der leisen Hoffnung, setzte er seine Wanderschaft fort. Eine Weile dachte er schon daran, wieder nach dem Süden zu gehen, um die Arbeit von neuem zu beginnen, da es ihm davor graute, ohne Mittel in das Haus der Not zurückzukehren, (Fortsetzung folgt.)