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Jüdische Presse · 1934-11-23 · 44 (23.11.1934) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
20 (1934)
Issue
44 (23.11.1934)
Date
1934-11-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sowohl die der Agudas Jisroel nahestehenden als auch die sephardischen Rabbiner des Landes wollen von dem misrachistischen Plan nichts wissen. Menachem Glikmann-Pofusch, Jerusalem. 7500Palästina-Zertifikate für das laufende Halbjahr Die Regierung Palästinas hat der Jevvish Agency mitgeteilt, daß sie die Aufnahmefähigkeit des Landes für Arbeiterein Wanderer für das laufende Halbjahr Oktober 1934 bis März 1935 mit 9700 Arbeitnehmern berechnet hat; von dieser Zahl werden 2200 Zertifikate für Rechnung der illegalen Einwanderung und der ins Land kommenden Touristen, die sich nachträglich entschließen, dauernd im Lande zu verbleiben, in Abzug gebracht werden, so daß für das laufende Halbjahr eine Schedule von netto 7500 Zertifikaten zur Verfügung gestellt wird. Die Jewish Agency hatte ihrerseits die Aufnahmefähigkeit des jüdischen Arbeitsmarktes in Palästina für neue Einwanderer mit 18.600 Arbeitenden berechnet. Die Palästina-Regierung hat demnach dieser Forderung nur zu 40 Prozent entsprochen. Immerhin bedeutet dies einen Fortschritt gegenüber früheren Einwanderungsperioden. Die bewilligte Schedule ist um 1900 Zertifikate höher als die des vorangegangenen Halbjahres und um 700 höher als die vorangegangene Schedule, zusammen mit der nachträglich bewilligten Zusatzschedule von 1200 Zertifikaten. Es wird angenommen, daß die Regierung sich entschließen wird, auch für die neubewilligte Schedule eine Zusatzschedule in einem größeren Umfange als die vorangegangene Zusatzschedule zu bewilligen. In den letzten Jahren ist die jüdische Einwanderung von dem fast ganz unbedeutenden Ausmaß einer Schedule von 350 Zertifikaten für das Halbjahr Oktober 1931 bis März 1932 und einer Gesamteinwandererzahl von etwa 4000 i. J. 1931 auf das rund Zehnfache i. J. 1933 gestiegen. Die Einwanderung dieses Jahres wird voraussichtlich um; ein Drittel größer sein als die des Jahres 1933. Das hat dazu geführt, daß die jüdische Bevölkerung Palästinas, die im November 1931 rund 175.000 Seelen umfaßte, drei Jahre später die Zahl 300.000 erreicht, somit um 70 Prozent zugenommen haben wird. Oktober-Einwanderung ein Rekord. Nach vorläufiger Schätzung sollen im Monat Oktober d. J. nicht viel weniger als 6000 Juden in Palästina eingewandert sein. Im vorangegangenen Monat September betrug die jüdische Einwanderung rund 4000. Die Oktober-Einwanderung in Höhe von etwa 6000 Juden bildet einen neuen Rekord in der jüdischen Einwanderung nach Palästina und übertrifft den bisherigen Rekord vom Oktober 1933 von 4398 jüdischen Einwanderern um etwa 1600 Personen. Weil haben Sie es gebracht ♦.. Etwas Kritik und Betrachtung yAusgeträumt . . . Von Qhaim bei Meier, Jerusalem Die Judenheit Palästinas wurde in den letzten Monaten von furchtbaren Kämpfen politischer Natur in Aufregung gehalten. Mit Genugtuung wurde es uilenthalben begrüßt, als ein mehr oder minder offizielles Abkommen geschlossen wurde, das die Pressefehde zwischen rechts und links, die sich im Anschluß an die Arlosnroff- Affäre entunckelt hatte, aufhören sollte. Mit Freude vernahm man, daß auch in anderer Beziehung Friede zwischen den jüdischen Gruppen einzuziehen schien: die Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, die auf Veranlassung von Raw Kook eingeleitet tour den. Es 'war wie ein Traum: sollte das der Anfang;eines geeinigten jüdischen_ Palästina seinV. — Es war ein Traum! Der Hoffnungsreiche ist enttäuscht, der Skeptiker jubelt; die Ereignisse jenes Donnerstags in. Haifa sprechen eine deutliche Sprache. Der Inhalt des amtlichen Kommuniques über den Donnerstag-Abend ist folgender: Die Revisionisten hatten eine Versammlung in der Makkabihalle anberaumt, zu der man mir mit Eintrittskarten Zugang hatte. Polizeiwachtposten waren auf gestellt. Etwa 80 bis 90 Revisionisten befanden sich im Saal, etwa 1500 (fünfzehnhundert) Mitglieder der Arbeiterorganisation ״Histadrnth“ standen davor. Noch vor Beginn der Versammlung wurden die Fensterscheiben des Versammlungsraumes von außenher eingeschlagen. Als der erste Redner sich erhob, begann draußen die Menge zu .randalieren. Nach zehn Minuten■ wurde ein Steinbombardement auf die Versammlung eröffnet, zuerst von der unbewachten Westseite, sodann von allen feiten. Die Polizei griff ein, konnte aber nicht ver- ■ :hindern, daß eine Reihe von Personen־ verletzt wurde, insgesamt 23, die im Hadassah-Hospital verbunden wurden, einige mußten im Krankenhaus Aufnahme finden.. Unter den Verletzten waren auch vier englische und zwei jüdische Polizisten. In der gleichen Nacht wurden noch einige Zusammenrottungen auf der Straße polizeilich zerstreut. Soweit der amtliche Bericht. Nichtamtlich wurde auch behauptet, daß Gasbomben verwendet wurden, der amtliche Bericht bestreitet das und gibt lediglich zu, daß Stinkbomben Verwendung gefunden haben dürften. Terror rechts, hieß es vor nicht gar so langer Zeit hier in Polästina. Das Wort besteht auch zweifellos weiterhin zu Recht. Abet' die Weiterentioicklung war nicht die, diesen Terror abzubauen, sondern Faust gegen Faust zu setzen, Terror links und Terror rechts, ist jetzt das neueste Geschenk, mit dem uns die beiden Hauptparteien des jüdischen Palästina bedacht haben. Das ist die Methode, mit der man sich bekämpft: Die Pressekgmpagne wird eingestellt, zürn Ersatz dafür schlägt man sich mit Steinen auf der Straße den Schädel ein, Ist es wirklich so wesentlich, daß es ״nur“ Verwundungen gab, daß sich das Gerücht nicht bewahrheitete, daß einige getötet seien f Es ist doch nur eine Frage der Intensität des Steinwurfes, der Kraft des werfenden Armes, ob der Getroffene stirbt oder nur verwundet wird, die bestialische Methode, die viehische Gesinnung, die Gemeinheit des Charakters, die befiehlt, den Stein zu werfen, ist im ersten wie im letzten Falle die gleiche. Du sollst nicht töten, sagt das Zehnwort; laßt uns mar den, heißt die Losung der für Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Menschlichkeit, ja vielleicht sogar für jüdische Werte eintretenden Straßenpolitiker, die abet' offenbar von demagogischen Parteibeamten für dieses traurige Gewerbe erzogen worden sind. Wir haben es trefflich weit gebracht! Wer toird nicht an die ärgsten europäischen Verhältnisse erinnert, wo ebenfalls die Gegner sich bekämpften, indem sic Ver- Sammlungen sprengten, wo man statt Argumenten Stuhlbeine venoandte: der tote Gegner kann nicht wider• sprechen. Vielleicht träumen viele Juden wirklich nur und tun in diesem Traum das, was man allenfalls im Traume tut, nie aber in Wirklichkeit tun soll: den unbequemen Gegner, Nebenbuhler usw. mit Gewalt zu beseitigen. Vielleicht aber träumen die, welche immer noch meinen, daß unsere Rückkehr nach Zion uns mit Jubel erfüllen wird, die anderen Völker., uns ob unseres Glückes beneiden werden. Vorläufig lacht man Hohn über uns! Wenn das der Traum war, den das Stüfenlied meint, dann ist es Zeit, aus geträumt zu haben: .Vielleicht aber ־.— ein kleiner Hoffnungsschimmer —"ist jdtzi diä:Zeit; da Wir Hem Psalm gemäß mit Tränen säen, um dereinst in Frohsinn zu ernten? ...; t• v.: . _ _ __ _ _ f ■■V-; ■;_: _ _ _ . _ _ .,Das jüdische Volk, ist .frei im eigenen Land.“ Fragen wir nach berühmten Vorbildern: fr e i, wovon? Vom Gesetz, das imsei Leben behütete, unseren individuellen und völkischen[ Bestand garantierte, an dem jeder Angriff auf unsere Werte zerbrach. Und fragen wir weiter: frei w o z.u? Zürn 'Sklaventum des Affekts und d&rן Sinnes, in dem für Gesinnungsadel, für Achtung lies■ Nebenmenschen, für Bedachtsamkeit kein Platz mehr ist. Ein trauriges Fazit. ' Wir müssen noch einmal frei werden, frei von eben diesem Sinnentaumel, der iins auch auf anderem Gebiete ergriffen hat. Hier liegt fauch noch ein Stück Galuth- Knechtschaft. Frei werden für wirkliches Menschentum, das verstehen und lieben ufid opfern kann, das Geduld hat zum Dienst am anderen für. ein ewiges Ziel. Schauen toir. um uns! Der Traum ist zu Ende! Wachen toir auf! ' ,,Misrachi Hawatik" und seine Freunde ini Erez Jisroel Der Begriff ותיק ist-xtraüitionell gegeben. Das Wort wurde von den alten religiößen Dichtern als Epitheton für •G-tt selber gewählt, וחיק ךןוא Im Talmud werden die Früh au f s t ehe r, die darauf sehen, mit dem Sonnenauf gang ihr Morgengebet zii G-tt emporzuschicken, ותיקין genannt. Alten Bräuchen begegnet man oft in den Minhag-Büchern unter dem. Titel מנהג ותיקין ... Aber e$ ist uns gar nicht dämm zu tun, in etymologische Untersuchungen einzugehen, sondern ein Wort über den ״M i s rächt H awati k“, der eine Schöpfung von Rabbi Ostrowski ist, zur Klärung der vielen unverständlichen Dinge, die im palästinensischen Misrachi Vorgehen, zu sagen. Daß der ״Misrachi Hawatik“ mit jenem bezeichnenden Begriff des Watik nicht das geringste zu tun hat, bewies und beweist er dauernd durch sein Verhältnis zum radikalsten Flügel der Histadrnth. Der Erfolg dieser religiös-politischen Mischehe ist frappierend, denn nunmehr fühlt sich die Arbeiterpartei aller Bindungen und aller wiederholt gegebenen Versprechungen frei und eröffnet neuerdings, gestützt auf die neuen Fremde von rechts, eine Offensive gegen die Religion und ihre Vertreter, daß man sich — besonders in und um Haifa — oft nach Moskau versetzt glaubt. Der Vergleich ist durchaus nicht übertrieben, wenn man im ״Daw a r“ eine Artikelserie liest, in der die Religion als ״Opium ■'für das V01 k“ bezeichnet wird. Daß dieses ״Opium“ aus Sowjetrußland eingeführt ist, dürfte allbekannt sein und wird in dem Artikel gar nicht geleugnet. Der rühmlich bekannte Steinmann, dessen richtiger Platz eigentlich in der ״Jewsektia“ wäre, verkündet im gleichen Blatt ״ חגים חדשיםneue Feste“ an Stelle der alten, die ,JFeste der Rachsucht" seien und ״den modernen Menschen nicht mehr befriedigen“. Baß das Suk kosfest beispielsweise alle Völker der Brde RUM ♦ CITRONE - MANDELN zinken, in die modern« MutiUeui! AUSCIEBtC! BEQUEM’ RUM ♦ CITRONE - MANDELN zur Opferbringung und G-tteshuldigung einlädt, daß das Rosch-Haschonoh-Gebet die tausendjährige Hoffnung ausspricht, daß alle Werke und Menschen der Erde sich um den Willen G-ttes gruppieren, dieses und vieles andere will der Herr, von dem wir hören, daß er aus Cheder und Jeschiwa hervorgegangen ist und früher gelegentlich auch oftmals am ״Oneg Schabbath“ teilnahm, nicht wissen. Der Gedanke an Moskau tritt noch lebendiger vor Augen, wenn man über Vorgänge in ״K f ar Saba“ liest, wo die Arbeiter in großen Plakaten zu Empfangsfeierlichkeiten zu Ehren irgend einer Delegation mit Konzert, Tanz und Fackelzug am Freitagabend einluden. In ״K ir jath C ha ji m“ vor den Toren Haifas wurden die frommen Beter am Vorabend des Rosch-Haschonoh im Beth-Am, das ihnen vom Komitee der. Kolonie für die heiligen Tage als Betlokal überlassen wurde, plötzlich mitten im Gebet ins Dunkel gesetzt; die Radikalen hattet} die elektrischen Drähte durchschnitten. Am Morgen des Festtages fanden aber die Beter die Türen des Volkshauses mit Brettern zugenagelt, die der Waad, der die Untaten seiner Kollegen mißbilligt, erst etitfemett lassen mußte. ״Kirjath Chajim“ befindet sich auf Nationalfondsboden. Und damit der Vergleich mit Rußland gar. keine Lücke auf weist: Von der ״Poale Zion“ in Haifa wurde für den Kol-Nidre-Abend ein Vortrag über ״Religion und Arbeiter“ veranstaltet, gegen Eintrittsgeld von 10 Mil. ... Andere Vorkommnisse verlieren an Bedeutung im Vergleich zu diesen moskowitischen Provokationen. Wir hätten es von uns aus nicht gewagt, diese unerhörten Ausschreitungen in Verbindung mit dem ״M i sr acht H aw ati k“ zu bringen, täte es nicht das dem Misrachi sehr nahestehende gesetzestreue Wochenblatt ״Hajessod“. Das Blatt führt den Nachweis, daß die Linke erst in den letzteren Wochen durch die Gründung des Rabbi Ostrowski und die engeren Beziehungen zu diesem Flügel des Misrachi den Mut und den Auftrieb für ihre neue Offensive erhielt. Misrachistische Frücht e ... Oberrabbiner von Amsterdam gestorben. Aus Amsterdam erhalten wir die tiefschmerzliche Nachricht, daß der Oberrabbiner von Amsterdam, Abraham Samson Onderwijzer, im Alter von 72 Jahren verstorben ist. J Nicht nur die niederländische, sondern insbesondere die strengreligiöse Judenheit, vor allem Agudas Jisr o e 1, betrauern den Heimgang eines Mannes, der mit unerschrockener Festigkeit viele Jahrzehnte hindurch das glaubenstreue Judentum seines Vaterlandes geführt hat. Neben seiner weitverzweigten Tätigkeit in Holland selbst — er stand an der Spitze zahlreicher kultureller und sozialer Institutionen —־ ist er vor allem für die religiösen Interessen der Weltorthodoxie immer eingetreten. Als Präsident des rabbinischen Landrates der Agudas Jisroel, als führendes Mitglied des holländischen Keren Hathora, hat er der Weltorganisation unschätzbare Dienste geleistet. Oberrabbiner Onderwijzer, der eine der populärsten Persönlichkeiten im holländischen Judentum war, wurde 1862 in Muiden bei Amsterdam geboren. 1888 wurde er zum Rabbiner der Amsterdamer Aschkenasischen Gemeinde und 1917 zum Oberrabbiner von Amsterdam gewählt. Er verfaßte eine holländische Uebersetzung des Pentateuch nebst einer erklärenden Uebersetzung des Raschi-Kommentars (Amsterdam 1895). Er gründete den Verein ״Bezalel“ zur Förderung der religiösen und ökonomischen Interessen jüdischer Handwerker und Handelsangestellter in Amsterdam. Im Jahre 1928, als Oberrabbiner Onderwijzer sein 40jähriges Rabbiner- Jubiläum feierte, wurde er vom holländischen Judentum durch vielfache Ehrungen ausgezeichnet. Im Juli 1932 wurden mannigfache Vorbereitungen zur Feier des j 70. Geburtstages' des Oberrabbiners getroffen, doch der Jubilar bat, daß man von öffentlichen Ehrungen seiner Person absehen möge, weshalb diese unterblieben. ח«5ב'ה Unschätzbare Dienste, ein Begriff von Dienstleistungen, die sich nicht messen und kaum schätzen lassen.״ Und wie bescheiden sind oft die Vermittler dieser Dienste. Solch eine gute Hilfe ist auch Dr. Oetkers Backmischung mit Schokoladengeschmack, die ermöglicht, Torten, Kuchen und Kleingebäck in überraschend kurzer Zeit herzustellen, Heißt es einmal, rasch noch eine Süßspeise zu bereiten, sei es, weil sich unerwartet Gäste eingestellt haben, sei es, weil der Hausfrau andere unaufschiebbare Arbeiten, wenig Zeit für das Kochen ließen, dann ist Dr. Oetkers Backmischung immer eine wertvolle, nie versagende Hilfe. Im Vorratskasten jeder Küche sollten für. solche Fälle immer einige Päckchen bereit liegen. Jedes Paket weist billige, erprobte Rezepte verschiedenster Art auf, . n

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