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Jüdische Presse · 1934-11-23 · 44 (23.11.1934) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
20 (1934)
Issue
44 (23.11.1934)
Date
1934-11-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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November: ״Das Präsidium der orthodoxen Wiener Synagogengemeinde ״Schiffschul“, die der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde unterstellt ist, hat sich offiziell an die Regierung mit dem Ersuchen gewandt, ihre Trennung von der Kultusgemeiiide und die Schaffung einer orthodox-jüdischen Sondergemeinde zu genehmigen. Die ,,Schiffschul“, in der Schiffgasse im II. Wiener Bezirk (Leopoldstadt) gelegen, ist der Sitz der extremen jüdischen Orthodoxie Wiens. In Oesterreich gilt gegenwärtig nur die jüdische Einheitsgemeinde, in der alle religiösen Richtungen des Judentums zusammengeschlossen sind. Nunmehr will die Orthodoxie sich nach dö.tn Muster der deutschen Trennungsorthodoxie und der separierten ungarischen Orthodoxie eine eigene ortiiodoxe jüdische Gemeinde bilden, die organisatorisch und in ihren religiösen Schuleinrichtungen von der jütischen Großgemeinde vollkommen unabhängig ist.“ Wie aus der vorstehenden Meldung her* vorgeht, ist nun endlich ein entscheidender Schritt getan. Die ״Jüdische Presse‘.‘ darf für sich das Verdienst in Anspruch nehmen, diesen Schritt vorausgesehen und ihr Möglich־־ stes dazu getan zu haben, daß dieser Schritt ehestens geschehe. Die Angelegenheit tritt nunmehr in die'Atmosphäre der rein sach־ liehen Auseinandersetzung und der Beurteilung durch unparteiische Dritte. Es be־־ ginnt die sachlich argumentierte Behandlung der Frage. So sehr wir uns für eine Kampf bereit־־ gehalten und ausgerüstet haben, sehr freuen wir uns, wenn es uns möglich is den Streit ruhen und die Argumente sprechen י lassen. Wir haben nie den Kampf um sein selbst willen geführt und ihn nie um seiner 1bst willen gewünscht. Die Adas Jisroel ist um die Bewilligung ihrer Selbständigkeit eingekommen und es ist bei den Traditionen dieser altehrwürdigen jüdischen Gemeinschaft außer Zweifel, daß sie ihr Begehren rein sachlich und leidenschafts־־ los unterbaut hat. Es wird nun von der a n־־ deren Seite — wir vermeiden mit Absicht das Wort Gegner — abhängen, ob die Aus־־ einandersetzung, wie es der Sache würdig wäre, in vornehmer Weise vor sich gehen wird. Die Selbständigkeit der Ortho־־ d o x i e ist eine Forderung, die in fast allen Staaten Europas bereits zur Tatsache geworden ist. Ueberall dort, wo die Scheidung nach den dogmatischen Unterschieden, die einmal zwi* sehen der Orthodoxie und den anderen be־־ stehen, vollzogen wurde, ist das jüdische Ge־־ meinschaftsieben durch inneren Frieden gekennzeichnet. In Ungarn wie in Preußen, in der Tschechoslowakei wie in Jugoslawien und Rumänien, überall, wo die Orthodoxie sich ihre eigenen Angelegenheiten selbst ver* waltet, hat sie bewiesen, daß sie bei Fragen, die über den Rahmen der religiösen Selbst־־ Verwaltung hinaus reiche n, ihre Pflicht der jüdischen Gesa m t h e i t gegenüber zu tun weiß. Nur dort, wo ein u n n a t ü r־־ liehe r Zwang die Unzufriedenheit der religiösen Elemente mit jedem Tage steigert, ist, wie bis heute in Wien, ein Boden für un־־ fruchtbare und unzukömmliche Auseinander־־ Setzungen gegeben. Die Orthodpxje hat nir־־ gends und nie irgend eine Forderung auf־־ gestellt, die die Unabhängigkeit und die Gleich־־ heit der anderen in Etage stellen konnte und wollte. Aber daß sie die gleic.he. Freiheit und Entfaltungsmöglichkeit für sich selbst in Anspruch nimmt, Wird und kann ihr kein rechtdenkender Mensch und schon gar nicht ein rechtdenkender Jude verargen. Wenn irgendwann, und irgendwo eine Scheidung der Geister Wohltuend und reinigend auf das gesamte gemeindliche Innenleben wirken kann, so ist es hier in Wien der Fall. Die Jüdischnationalen haben die Mehrheit in der Kultusstube erungPn und sie verwalten das ihnen erteilte Mandat in jüdischnationalem Sinne. Wir aber, die wir in der von den Jüdischnationalen erstrebten ״V o 1 k s g e־־ meinde“ absolut keine'•Gewähr für die Zukunft des jüdischen Volkes sehen, son־־ dern nur in der religiösen Gemein־־ schaft den historischen Boden unserer Ver־־ gangenheit und den möglichen Rahmen für unsere zukünftige Entwicklung erblicken, wir wollen hinaus aus der Gemeinschaft, in der eine Probe aufs Exempel statuiert werden soll, .für das uns unsere jüdische Gemeinschaft zu hoch und unsere jüdische Aufgabe zu heilig ist. Alle jene, die nicht der jüdischnationalen Ideologie verfallen sind, die vielmehr das Juden:־ tum als eine rein religiöse Gemeinschaft anerkennen, die ihre historische und unver־־ äußerliche Aufgabe vom Anbeginn auf reli־־ gi ösem Gebiete hat, werden vor die Wahl gestellt sein und sich zu entscheiden haben, ob sie in einer jüdischen Volksgemeinde bleiben wollen, in der die religiöse Zukunft unserer Kinder von zufälligen Majoritäts־־ bestimmungen abhängen wird, oder aber, ob Sie sich, wenn auch unter Opfern, zur reinen religiösen Gemeinschaft bekennen wollen, die unerschütterlich und felsenfest auf dem Boden der jüdischen T r a d. i t i o n fußt. Die Sicht ist klar. Wer zu G־־tt steht, hält bei uns. מי לת׳ אלינו.♦ . Leistungsfähigstes Möbelhaus M. Redleiv Wien 1/ Sdioftenring 35 Telephon A-12-9-78. Gesamtausstattungen von der ־billigsten bis zur feinsten Ausführung. Uebernahme sämtlicher Adaptierungen. Eigenes Zahlungssystem. Samstag geschlossen. ״Schomra“-Mitglied. Aus Erez Jisroel. Landesversammlung der Poale Agudas Jisroel. — In Erwartung von Rabbi I. M. Lenin. — Arabische Streikposten. — Was geschieht mit Transjordanien? — Legislative Council. — ״Wir übernehmen keine Briefe vom Rabbinat!“ — Trauer um Baron Rothschild s. A. — Jagd auf Illegale. — Wahlen in die Assefath- Haniwcharim. Am Mozze Schabbos, den 25. Cheschwan, fand die Jahresversammlung der palästinensischen Poale Agudas Jisroel statt, die einen sehr starken Besuch aufwies. Arbeitseifer und Arbeitsfreude spiegelten sich auf den Gesichtern unserer orthodoxen Poalim, die die Opfer ihrer streng religiösen Lebensweise — und diese Opfer sind bei den heutigen Verhältnissen in Erez Jisroel nicht klein — freudig auf sich genommen haben. In die Leitung wurden die Herren Samuel Luria, Jehudo Schächter, Naftali Fränkel, Elias Glaser, Abraham Löwenthal, Chajim Schuster und Simcho Stern gewählt. Mit großem Interesse wird dem bevorstehenden Besuch des Präsidenten der polnischen Landesorganisätion der Agudas Jisroel, Rabbi I. M. Lewi n, entgegengesehen. Man erwartet sich von seinem Besuch wertvolle Auswirkungen auf die gesamte Erez-Jisroel- Arbeit der A!gudas Jisroel. Nun wird auch von arabischer Seite versucht, dem Beispiel gewisser extremer Richtungen innerhalb der palästinensischen Judenheit zu folgen. Die a r abische Arbeiterorganisation hat Gruppen organisiert, welche es arabischen Bauherren, Pardeßbesitzern, unmöglich machen soll, jüdische Arbeiter zu beschäftigen. Für die Juden sind diese neuen arabischen Streikposten nur von unwesentlicher Bedeutung, weil die Zahl der bei Arabern beschäftigten jüdischen Arbeiter nur außerordentlich gering ist. Allgemein werden die ' Verhandlungen vielfach kommentiert, die der High Commissioner, bzw. sein Stellvertreter, Chef Sekretär Hüll,׳ mit Emir Abdullah von Transjordanien führen. Allerlei Vermutungen über diese Verhandlungen tauchen auf und man spricht von Plänen der Vereinigung von Erez Jisroel mit Transjordanien unter der Herrschaft von Emir Abdullah. Jedenfalls dürften die nächsten Tage schon Klarheit in dieser Sache bringen. Arabische ׳Zeitungen wissen zu berichten, daß das Kolonialamt seine Zustimmung zur Schaffung des Gesetzgebenden Rates verweigert. In jüdisehen Zeitungen mißt mlan diesen Meldungen allerdings sehr wenig Bedeutung bei und glaubt, daß sie jeder Grundläge entbehren. In Haifa und den umliegenden Kwuzoth beginnt die religiöse Entartung in Form von Chiliule- Schabbos seltsame und, tiefbedauerliche Früchte zu tragen. Vergangene Woche richtete das Rabbinat des Waad-Leuma in Haifa ein Schreiben an die dortige Gruppe der Histadruth. Die Histadruth sandte das Schreiben mit dem Vermerk zurück: ״Wir übern ehmen keine Briefe vom Rabbinat.“ In diesem Falle — das muß festgehalten werden — hat es sich nicht um ein Schreiben eines agudistischen Rabbiners gehandelt, sondern um ein Schreiben des Rabbinats des offiziellen Waad-Leumi. Die Nachricht von dem Ableben des Baron Edmo'nd Rothschild hat den gesamten Jischuw im heiligen Lande tief erschüttert. Die Tageszeitungen sind zum Zeichen der Trauer schwarz umrändert erschienen. Sämtliche Körperschaften und auch die Agudas Jisroiei veröffentlichten Aufrufe, die jüdischen Geschäfte während der Stunden des Begräbnisses zu schließen. Die von der Regierung fortlaufend veranstalteten Jagden auf illegale Einwanderer haben diese Woche wieder einen guten Fang veranlaßt. 37 Ein- Wanderer, unter ihnen zehn Araber, wurden mit Gefängnisstrafen bis zu drei Monaten belegt und werden nach Ver- WM Die weltberühmte, in Qualität unübertroffene für die orthodoxe Frau! Perückenkunstwerkstätte OTHMAR SCHIFF Wien I, Kärntnerring 6 fefePt־W3.eö.1618*0I

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