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Jüdische Presse · 1934-11-16 · 43 (16.11.1934) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
20 (1934)
Issue
43 (16.11.1934)
Date
1934-11-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 43 JÜDISCHE!*HESSE ־. - 1 . .....ly &itö 3 StÄHfSMgc ga&tltö־ 9Ujte ptt mietet?0 ©toj^cn ®ntdjenU für Äletbet uttd SBäjdjc, glanefle, Cljtnone, ®lau־, Srijiötttj*» 9tot־ uitö ®utttötude, Jttlcttc, ®ettaeuge In allen gntBen, Ögföt&e, Sdtqmtti), $an&tü^er, Sclntürffer, SEHoIino, Cloifye unB 3^P^tre oerfenben mit per Stacqnaljme. ®et SItdjtgefalfen (Selb retour, ®eftellcn Sie ein ^Sroöepafet oon obigen Sßarett nad) 3!)rem SBmtfdj 30 Süetee um 21 6$itttttg 91. u. Softüne!Seit SBien tx,?ownattaafle 14 6d)8ne ftartfäbige glidrefte foftett 20 ©rofdjen Die Zionisten und die ständische Verfassung. Wir haben in unserer Ausgabe vom 2. November mit Genugtuung festgestellt, daß zum Vertreter der jüdischen Konfession im Kulturrat Herr Hofrat Frankfurter berufen wurde, ein Mann, dessen persönliche Integrität ebenso wie seine Unparteilichkeit und — was besonders hervorzuheben ist — seine sachliche Qualifikation außer Zweifel stehen. Daß die persönlichen Vorzüge Hofrat Frankfurters für seine Berufung ausschlaggebend waren, geht schon aus der einfachen Tatsache hervor, daß er ohne Vorschlag seitens einer jüdischen Körperschaft berufen wurde. Um so unangenehmer fällt die Stellungnahme des Zionistenführers Dr. Plaschkes auf, der in seinem Blatt ״Der jüdische Weg“ die Regierung darüber zurechtweist, daß sie den Vorschlag der zionistisch verwalteten Kultusgemeinde übergangen und einen objektiven Menschen zur Vertretung der Interessen der Judenschaft berufen hat. Wenn Doktor Plaschkes auch in den folgenden Ausführungen, die wir wörtlich zitieren, Herrn Hofrat Frankfurter die persönliche Reverenz nicht versagt, so merkt man seinen Ausführungen doch sichtlich das Unbehagen an, das ihm die Tatsache bereitet, daß nicht in allen ständischen Körperschaften Zionisten das Judentum vertreten. Dr. Plaschkes schreibt: ״Das ernannte Mitglied des Bundeskulturf a t e s, an dessen persönlicher Integrität gewiß nicht gezweifeit wird, gehörte niemals dem .Vorstande der "Wiener jüdischen Gemeinde an und war daher in dessen Vorschlag, der über Wunsch der Regierung erstattet wurde, nicht enthalten. Ohne Grund hat man sich über die Auffassung von neun Zehnteln der österreichischen Judenschaft hinweggesetzt, eine Brüskierung, die vom Vorstand der Wiener Judengemeinde nicht widerspruchslos hingenommen werden darf. Auch ohne Vorschlag hätte die Regierung, wie bei anderen Religionsgesellschaften, den Vertreter der israelitischen Konfession dem Wiener Rabbinat oder dem Kultus Vorstand entnehmen müssen. Verlangte sie aber einen Vorschlag, durfte sie ihre Wahl nur daraus treffen, wenn sie nicht die Judenschaft vor den Kopf stoßen wollte." Wir müssen demgegenüber nur feststellen, daß «S der jüdischen Oeffentlichkeit nur angenehm sein kann, wenn dort, wo das Judentum als konfessionelle Gemeinschaft vertreten sein soll, kein Parteimann, sondern ein objektiver Jude sitzt. Die Regierung hat der jüdischen öffentlichen Meinung mit der Berufung Hofrat Frankfurters in den Kulturrat vollkommen Rechnung getragen. Aus Erez jisroel. Aufblühen der Poale Agudas Jisroel. — Zersplitterung des Misrachi. — Ansiedlung orthodoxer Flüchtlinge aus Deutschland. — In Gederah. —- Bürgermeister Dizengoff gegen das zionistische Schulwesen. — Der Chillul Schabbos. — Die Orthodoxie schreitet rüstig vorwärts. Die ״Poale-Agudas-Jisroer'-Bewegung entwickelt sich im ganzen Lande. In Jerusalem bezogen die Poalim neue Räumlichkeiten, in welchen jetzt täglich mehrere Schiurim abgehalten werden und ein eigener Lesesaal eingerichtet wurde. In einem krassen Gegensatz zur aufblühenden Ent- Wicklung der Agudas Jisroel stehen die Verhältnisse innerhalb des ״Misrachi". Der abgesplitterte ״Misrachi- Hawatik" beginnt seine Fäden auch nach Chuz-lo'Orez zu spinnen und hat bereits eine ,,Weltkonferenz" der ״Watikim" einberufen. Vergeblich versuchen die vom Weltmisraehi entsandten Raw Gold und Raw Brodt, den entstandenen Riß zu verkleistern. Ihre Bemühungen scheitern an der inneren Zerrissenheit und Uneinigkeit, auch grundsätzlicher und weltanschaulicher Natur, innerhalb ihrer misrachistischen Parteigenossen. Inzwischen setzt der Landesvorstand der Agudas Jisroel seine segensreichen Arbeiten fort. Das Jerusalemer Zentralbüro der Agudas Jisroel verhandelt mit dem Flüchtlingshilfekomitee wegen der Bereit- Stellung von Mitteln für die Ansiedlung agudistische.- Flüchtlinge aus Deutschland. Eine Gruppe von 20 aus Deutschland zugewanderten agudistischen Poalim hat sich in Gederah angesiedelt. Sie sind‘ vorläufig in Baracken und Hütten untergebracht und arbeiten auf den umliegenden Pardessim, deren Besitzer üoer ihre Arbeit voller Lob sind. Allgemeine Beachtung fand ein Zeitungsartikel des Bürgermeisters von Tel-Awiw, Dizengoff, über das Schulwerk des Waad Leumi. Dizengoff bestätigt und verstärkt noch die Klagen, die wegen des herrschenden antireligiösen Geistes gegen dieses Schulwerk von glaubenstreuer Seite immer erhoben wurden, indem er schreibt: ״Wir sehen, daß keine einzige der Schulen ihren Zöglingen religiöse, moralische oder gesellschaftliche Disziplinen vermittelt... Viele unserer Jugendliehen sind hemmungslos, das ganze Erziehungswerk ist so, wie wenn Hefkerus sein Ideal wäre..." Welche Früchte eine solche Erziehung zeitigt? Ein allgemeiner Chillul-Schabbos greift im ganzen Lande um sich. In Jerusalem, wo es der Agudas Jisroel eine Woche vorher gelungen war, die Austragung eines zwischen einem jüdischen und einem Polizeisportverein für einen Sabbath vereinbarten, Fußballspieles, durch Intervention bei der Regierung, zu verhindern, kam es zu einem schweren Zusammenstoß mit einer Gruppe orthodoxer Juden, die einen am Sabbath vorbeifahrenden Autobus aufzuhalten versuchten. Ein Talmid von Raw Duschinsky wurde verhaftet und unter Gewaltanwendung mit einem Polizeiwagen zur Behörde gebracht. Seine Vertretung hat der bekannte agudistische Rechtsanwalt Dr. Buxbaum übernommen. י In ״Kirjas Bialik" wurde'״&ögar am Jom Kippur' an einem Bau gearbeitet. Und am Bau des neuen Ruthenberg-Kraftwerkes waren ebenfalls . Juden am Sabbath für einen 50prozentigen ״Ueberstundenaufschlag" tätig. So und nicht1 viel anders lauten die traurigen Berichte aus dem ganzen heiligen Lande. Da kann nur eines helfen: Eine organisierte, opferfreudige und unermüdliche Arbeit aller Jereim auf dem Erdenrund. Der Einfluß der ״ Orthodoxie in Erez Jisroel beginnt sich sichtbar durchzuringen und ihr wird es m. G. H. gelingen, dem antireligiösen, zionistischen Spuk im Heiligen Lande ein rasches Ende zu bereiten. Archäologische Entdeckungen im Gebiet von Chedera, Vor einigen Monaten stieß man bei Straßenbauten in der Nähe von Chedera auf alte Grabstätten. Mit den weiteren Forschungsarbeiten wurde nunmehr seitens der archäologischen Abteilung der Palästina-Regierung die Hebräische Universität beauftragt, deren Archäologe Dr.: E. L. Sukenik festgestellt hat, daß es sich um Gräber aus der frühen Bronzezeit, handelt, und zwar um Sammelbeinhäuser, die hier zum erstenmal auf palästinensischem Boden' auf gefunden würden. Für die weiteren Ausgrabungsarbeiten hat die Kolonie Chedera einen Betrag zur Verfügung gestellt, itessi Cjjfe 381» w« ehe — Bei einem zugunsten jüdischer Kinder du8 Deutschland in London unter dem Vorsitz des Marquise of Reading stattgefundenen Lunch wurden 5000 Pfund gezeichnet. — Die ״Protokolle der Weisen von Zion“ und ähnliche antisemitische Schundliteratur sollen in Deutschland über Anordnung des Reichserziehungs* ministers im Schulunterricht Verwendung finden. — Der griechische Nationalisten verband in Athen wird, xoie sein soeben in Saloniki eingetroffener Führer Rizopaulos erklärt, in Saloniki einen Denkstein zur Erinnerung an die im Weltkrieg auf der Seite Griechenlands gefallenen Juden errichten. — Der vom ״C omitd des Del eg aiions Juives“ in Paris initiierte ״Jüdische Welt kongreßdessen Einberufung bereits mehrmals verschoben wurde, soll nach einer Aeußerung des Komiteemitgliedes Jeffroykin ״ganz bestimmt und unbedingt“ im Sommer 1985 stattfinden. — Der südafrikanische Innenminister Hofmeyer richtete in einer Rede an die ehemaligen Hörer der Universxtät Capstadt den Appell, für Toleranz und Bürgerfrieden einzutreten und die Ausbreitung des Antisemitismus zu verhindern. — Unter den am Tag der polnischen Unabhängigkeit vom polnischen Staatspräsidenten Ausgezeichneten befinden sich auch einige Juden. — Sieben National Sozialisten in Basel wurden wegen Beschmier ung der Synagoge und der Straßen mit Hakenkreuzen zu unbedingten Gef ängnisstrafen und zu Geldbußen verurteilt. Die Be- Schmierung der Synagoge wird in der Urteilsbegründung als eine f reche und rohe Büberei bezeichnet, durch die das religiöse Gefühl der Juden empfindlich verletzt worden ist, weshalb eine bedingte Verurteilung nicht in Frage kommen konnte. — Die elf SS.-Männer, die seinerzeit im Zusammenhang mit den Ereignissen des SO. Juni d. J. in Hirschberg in Schlesien vier Juden verhaftet und erschossen haben, sind freigelassen und wieder ■in Amt und Würden eingesetzt worden. Die Polizei hat damals zunächst nichts gegen die SS.-Männer unternommen, mußte diese dann aber doch auf Intervention des Staatsanwaltes Schaffer, der wegen dieses Schrittes an seinem Leben bedroht wurde, verhaften. — Am 9. November, dem Jahrestage des Todes des polnischen Studenten, der vor drei Jahren bei den Zusammenstößen polnischer Nationalisten mit Juden ■— wie man annahm, durch eine verirrte Revolverkiigel eines eigenen Parteigenossen — ums Leben kam, ■warfen polnische nationalistische Studenten zwei Bomben auf zwei Synagogen, durch die einige Fensterscheiben zerbrochen wurden, eine Tür eingedrückt und ein Fußgänger leicht verletzt wurde. — Einer Mitteilung der Palästin a.-Re g% eru'ng zufolge, soll zu Beginn des kommenden Sommers die Wasser frage in J erusalem endlich befriedigend gelöst werden. Man erhofft sich vom Auf hören des Wassermangels einen weiteren wirtschaftlichen Aufstieg von Jerusalem. — Das Pr esse g er ich t in Prag hat die tschechische Axisgabe der Broschüre ״Protokolle der Weisen von Zion“ beschlagnahmt., xind ihre Weiterverbreitung verboten. — In Kairo hat eine arabisch geschriebene jiidisehe Zeitung ״Al Scham ach“‘zu erscheinen begönnen, die es sich zur Aufgabe gesetzt Kat, freundschaftliehe Beziehungen zwischen Juden und Arabern ixt Aegypten zu pflegen. H. Grün, II., Taborstraße 8 b, Tel. R-42-3-66, Atelier für feine Herrengarderobe. E Lebertran koscher. Zu dem bestehenden Zweifel; ob Lebe trän koscher ist und ob derselbe von religiösen Juden genossen werden darf, teilt uns Herr Dr. med. univ. Mendel Friedmann mit, daß Lebertran von einem Fisch gewonnen wird, der Flossen und Schuppen hat (Dorsch, Gadus morrhua). Lebertran kann daher von jedem Juden genommen werden. W///M1^, Anekdoten. Ais der ״Malbim", Rabbi Meier Leibusch, Rabbiner in Bukarest war, hatte er dort sehr viele persönliche Gegner, die ihm bei jeder, Gelegenheit hart zusetzten. Einer derselben ließ ihm am Purim die übliche Gabe in der Form eines Kuchens, der die Gestalt eines Schweines hatte, zugehen. Der Rabbi sandte dem Manne seine Photographie als Gegengabe und’fügte hinzu: Sie sandten mir Ihr Ebenbild zu, ich revanchiere mich und übersende Ihnen meine Photographie. * Ein bekannter Agitator, der jahrelang im Dienste einer Partei stand, trat eines Tages in den Dienst einer anderen Partei über, als ihm eine höhere Besoldung geboten wurde. Wegen seines Gesinnungswechsels zur Rede gestellt, erwiderte er, daß hiefür acht Gründe maßgebend waren. — Acht Gründe? — replizierte der Interpellant — da bin ich aber neugierig, diese kennenzulernen... ¬־¬ד* Ich habe eine Frau und sieben Kinder zu erhalten!.. . * Ein .armer Mann setzte sich einst mit G-tt auseinander: Daß ich einmal den Haupttreffer machen werde, dessen bin ich gewiß; aber wer wird mir den Verlust an den Zinsen des Kapitals vergüten, den ich inzwischen erleide? . * Als 1914 beim Ausbruch des Weltkrieges in einer galizischen Stadt die Mobilisierung verkündet wurde, lief ein alter Jude lamentierend und jammernd herum, schreiend: Schrecklich, furchtbar, man müsse einrücken! . — Großvater! — wurde er gefragt — was habt Ihr eine solche Angst? Es müssen ja nur die jungen Leute einrücken! Wieso denn? — replizierte der:, alte Mann — werden denn keine Generale benötigt? ׳ ׳ ־ ׳■' * ' ' Ein Reformrabbiner erklärte einmal: Ein Glück, daß zu Moses' Zeiten das Rauchen noch nicht üblich war — sonst hätte uns die Bibel das‘ Rauchen am Samstag verboten... Jüdische Sprichwörter. Stark ist, wer sich selbst beherrscht, Reich, wer xnit xoenigem zufrieden ist. * Wexrn du dich vei'mählst, steig’ eine Stufe hitiab! Bei der Wahl deiner Freiixidet steig* eine Stufe hinauf!;׳£• * Eixi Geheimnis ist deixi Gefangener, solange du es bewahrst; ' '׳' du xvix'St aber sein Gefangener, sobald du es dem Nächsten erzählst. >, •ו¬ י¬ל * Viele klagen über ein schlechtes Gedächtnis; aber keiner klagt über wenig Verstand. * Kanxi man xticht drüber weg, so muß maxi drunter duvcl\. * Krank gewes&n seixi ist schlimm — reich gewesen sein, schlimmer. * s - Wexm eixi Armer eiximal Huhn ißt — ist entweder er kx'ank Qder das Huhn. * M• Lacht maxi — sehen es alle, weint man — xmU.es keiner gesehen haben. ׳& Was nützt einem alle Weisheit, wexm die Dummheit regiert. * Eixi Narr sagt, xvas er weiß — ein Kluger xoetß, was er sagt. * Eine Mutter braucht eine große Schürze — zum Verdecken der Fehler ihx'er Kinder. ׳־׳' ׳• ■ * Ein Vater kanxi viele Kinder erxiähren — aber nicht ■viele Kinder einexi Vater. * Es ist Zeit genug, übers Unglück zu klagen — wenn es da ist. * Zehn Feinde tim dem Hexischen oft weniger axi — als er sich selbst. * Wo die Armut hereinkommt — läuft die Freundschaft davon. * Wem das Ertxinken beschieden — der ersäuft in einem Löffel Wasser. ■י..■-־־־ . * Je weniger der Mensch begreift — desto gesünder ist es für ihn, Wexm ein Klugen' irrt, irrt er gewaltig. Zu viel Nachdexiken kanxi manchmal schadexi, zu. wenig — immer, ״ . ־ .. ... * Dex' Kluge verbirgt seinexi Verstand, dex\ Ngrr . prunkt mit seiner Dummheit. . ..

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