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Jüdische Presse · 1934-11-02 · 41 (2.11.1934) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
20 (1934)
Issue
41 (2.11.1934)
Date
1934-11-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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JÜDISCHE PRESSE Nr. 41 keaff'en, daß1 dieses Werk mit einer natürlichen Entwicklung nichts gemein hat, sondern auf die Hand G * t te s. hindeutet, Die g a n * e W e IV die jüdische wie die ÖiöMjÜ^isejSe» müßte an allen diese!! wuirdefh erkennet ‘; ■ daß Haiclie«(! sich öfeer »ein Volk erbarmt fiat und daß er allein der Schöpfer dieser großen ttnö überragenden Ereignisse ist?'die sich vor unseren Ahgen! äbspielen. Allein der Wille G-ttes ist es, der vor und mit den Olim geht, allein der W i 110 D ־ tte s ist es, der den Wiederaufbau Ere* jisrcels in dieser Art voilftihrt. Wer wäre so. verstockt, um nicht 2sti erkennen, daß auch Hitler ein Werk der Vorsehung ist und daß auch Hitler nur ein Werkzeug der Hand G-ttes bildet. Nur mit einem unerschütterlichen ׳ Gläuben an. die g?tt־ liqhe Vorsehung kann man die Taten Hitler3 verstehen, der sein eigenes Land und sein eigenes Volk durch die Judenverfolgungen untergräbt; nur mit unerschütter- Hohem Glauben an unsere Lehre und unsere Propheten kann man den Vorgängen in Deutschland Verständnis entgegenbringen, dazu bestimmt, die Alioh von zehntausenden Juden nach Erez Jisroel zu beschleunigen. Es ist keine natürliche Sache, daß zwei in der Geschichte fest einmalig dastehende überstürzende Ereignisse zeitlich Zusammentreffen. Es ist kein Zufall, daß die Judenverfolgungen in Deutschland mit einer bedeutenden wirtschaftlichen Aufnahmsfähigkeit Erez Jisroels zusamnienfallen. Nur mit unerschütterlichem Glauben an die g -111 i c h e Vorsehung läßt sich diese zeitliche Uebereinstimmung des Aufblühens von Erez Jisroel und des Niederganges Deutschlands erklären. Jedoch die Wege der Vorsehung können wir nicht ganz ergründen. Es ist sehr schwer, die Gnade und Güte G-ttep, die er seinem Volke und seinem Lande heute g־e- Währt, mit der Lebensführung großer Teile des jüdischen Volkes, in Uebereinstimmung zu bringen, die der Thora und Ueberlieferuhg den RiiCken gekehrt haben. In derselben Zeit, in der die g-ttllche Vorsehung wahre Wunder das jüdische Volk erleben läßt, verharren einzelne Teile eben dieses jüdischen Volkes unverändert iu ihrer Wider- SpenstigWeit und sie bedienen sich der blühenden Ent- Wicklung, des jüdischen Jischuw im Heiligen' Lande, um ,Öffentliche Chilule-Schabbos'zu veraa3talten und um Institutionen zu schaffen, die der Kultur der •Umwelt ent- Sprüngen und ihr angepaßt sind, aber jeden heiligen Funken wahren Judentums und wahren Glaubens entwurzeln. . : Es ist unmöglich, den Gang der Vorsehung mit dem;Dank in Uebereinstimmung zu bringen, den Teile des 'jüdischen Volkes, die aus größter Not in den Ländern der Diaspora gerettet wurden, dieser g-ttlichen Vorsehung, unserer Thora und unserem heiligen Glauben, entgegenbringen. Nur wenn wir die S ’ c h i j o h hätten, würden wir alle den Ruf verstehen! Die Gnaden der Vorsehung würden den Glauben an Haschern wecken und die heiligen Funken entzünden,' die in jüdischen Herzen schlummern. Die nationalen Führer, die das g-ttliche Werk in Erez Jisroel mitansehen, würden selbst den Weg zum jüdischen Glauben zurückfmden und auf diesem Wege ihre Anhänger mitführen. Wenn wir die S’chijoh hätten, müßte das Tor, das von dar Vorsehung für die liüclckehr des jüdisehen Volkes in sein Land geöffnet wurde, immer breiter and größer werden, zu einem Kibuz-Golijos im vollsten Sinne des Wortes, zu jener Geuloh und Rück- . kehr nach Zion, auf die die Herzen von Millionen Juden in den tausenden Jahren der Vertreibung pochend geharrt haben. Wenn wir die S’chijoh hätten, dann müßten wir eine Uebereinstimmung zwischen den Wegen der Vorsehung und den Wegen des ganzen jüdischen Volkes erkennen können, und dann würden wir die Sicherheit haben, daß der Aufbau Erez Jisroels ein ständiger und gesicherter bleiben wird. — — — — — Heute, wo es uns leider an dieser S’chijoh noch mangelt, steht die gesamte glaubenstreue Judenschaft in Erez Jisroel und in der ganzen Welt — staunend und fürchtend. Während sie unaussprechUchen D a n k und Freude an die Vorsehung auf ihren Lippen trägt, während Freudentränen auch den kleinsten Fortschritt in dem Aufbau Erez Jisroels und jeden einzelnen jüdischen Neuankömmling im heiligen Lande begleiten, ist ihr Herz von Furcht und Angst beseelt, angesichts der Verwüstungen auf den Feldern des Glaubens und der Ueber 1 i ef erung. Das unerschütterliche Festhalten an der g-ttlichen Ueb.erlieferung | FEUILLETON_■ Die Erfüllung (N$dh einer ostjü di sehen Erzählung.) Von Jizchok beu Aharon. In der ״WartestiW“ beim Rabbi Mosche Leib, dem ״Sassoweiha1Tt neben dem Ofen ein Dorfjude. Er ist am frühen Morgen auf einem Bauernwagen hergekom־ men, hat sich den ganzen Tag über in der ״Klaus“ beim Lernen und beim Zuhoren der großen Nissim und wunderbaren Geschichten, die man vom ,JRebben“ erzählte, aufgehalten. Seine umschatteten Augenhöhlen, die gefurchten Wangen verraten Sorgen und Betrübnis, trotzdem steht Freude auf seinem Antlitz. Er will dem wundertätigen ״Sassowei“ seinen Kummet' klagen. Dies macht ihn schon!zuversichtlich, wenngleich ihm leicht anzumerken ist, daß die gläubige Hoffnung in seiner Brust noch nicht ganz sieghaft sein Inneres erhellt. Er sitzt geduldig, ganz still in dem gießen, dämmeiigen Zimmer auf der Ofenbank, als Letzter einer Schar fremder Chassidim, die alle auf das Abfassen ihres ״Quittei“ warten. Draußen trommelt schon wiedei• der Regen auf die Fenster. Die Talglichter a/uf dem Schreibtische des Gabbaj gucken. Unermüdlich fährt der Gänsekiel über weißes Rapier und Juden treten ehrfurchtsvoll ein und aus über die Schwelle zum Kämmerchen des großen Zaddik. Dei• bescheidene Dorf jude erhebt sich langsam. Er hat nur ein kurzes Quittei zu machen. Da ei• dem Schreiber l<$8e seine Wünsche ins Ohr sagt, seufzt er tief, seine Augen heften sich sehnsüchtig an die Türe zum Rebben. Kalt xoird es bald sein und jetzt gei'ade muß er um Brot %pd Obdach für seine Familie bangen ... Drinnen, beim ״Sassower“, wälzt er seinen Kummer Von der Brust: ,jRebbe! Ich bin Neemon (Vertäuter) bei einem Waldbesitezr, Die ganze Woche halte ich mich im Walde auf. Immerzi{. habe icji redlich meine Arbeit geerinnert die glaubenstreue Judenheit ah das ^ars *ולא ח5ןיא אוהד• t$tm uhd sie ist gezwungen, der Zukunft von Erna Jisroel mit wenig* Vertrauen und ihäereM Bebeiü entgegehäusehen. Nicht die Furcht vor den Arabern und nicht die Furcht vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch erfüllt die glaubenstreue Judenheit, Söftäerft die Furcht vor dem» was itt dem erwähnten Possuk geschrieben steht Die Furcht vor den Taten jener Abtrünnigen, die nicht allein den SchabboS und die änderen Heiligtümer des jüdischen Volkes in Gefahr bringen, sondern vor allem auch die jüdische Jugend — ihre ganze Zukunft, die Zukunft des heiUgen Landes und des ganzen jüdisehen Volkes— bewegt die Herzen unserer glaubenSstarken Brüder. * ׳ Diese Angst und diese Furcht, die in einem jüdischeri Ursprung wurzeln, die dem Glauben an die Wahrheit und das Recht unserer heiligen Thora entspringen, müssen das Herz jedes jüdischen Menschen aufrütteln, gleichgültig, ob er in Erez Jisroel oder in Chuz-l’o-Orez lebt und mit Erez Jisroel mitfühlt. Sie müssen aufmerksam machen auf die große Gefahr für den Aufbau und den Jischuw. des Landes, auf die Gefahr für alles Gute, das noch verborgen ist und das Haschern in seiner Allgüte uns doppelt und vielfach jeden Tag geben kann. Diese Angst und diese Furcht sind eine Warnung vor den Folgen der Religionsyerletzungen und des G-ttesleugnertums jener Söhne des jüdischen Volkes, deren Ohren taub und deren Herzen verstockt sind für das kraftvolle Wort des Allmächtigen und der Vorsehung, ״ das ganz Erez Jisroel erfüllt. % c Jeder jüdische MenSch tmd jeder jtidteifche Kl&H muß sich Rechenschaft tibi!׳ das, was ln Erez Jisroel vorgeht» abgeben» and wenn er ah Thoras-Mosche glaubt, dann muß er sich ln die Reihen jeher Weitsichtigen stellen, die rechtzeitig auf die drohenden Gefahren aufmerksam machen, wenn diesen Befahren _ r,-! nicht rechtzeitig durch die Rückkehr des ganzen jüdischen V.oikes zu seinem S e h Ö p f e r vorgebeugt wird. Di,e fortschreitende ydrtsöhaftiiche Entwicklung Erez Jisroels — sie kann zum Segen werden, wenn wir hören auf das Wort G-ttes und wenn wir auf alle unsere Brüder und Schwestern einwirken, daß sie ihr Leben und ihre Taten den Gnaden des Weltenlenkers anpassen. Sie kann aber m auch zum Verderbnis werden, wenn Erez Jisroel noch weiter die ,עושי רשעד, die Spiele am Schabbos und Jom-Tow, die g-ttesleugnerischen Zusammenkünfte, die Bearbeitung des heiligen Bodens an den heiligen Ruhetagen, ertragen soll. Führer des jüdischen Volkes! Sorget dafür, daß unsere Generation reif sei oder werde für die Geuloh — dann wird der wirtschaftliche Auf- Schwung, über den 80 viel gesprochen wird, zum dauernden Segen werden und nicht ••ד zum Fluch. Nicht zum Fluch — sondern nur zum Segen! Der Prozeß //indische Presse"—//Die Stunde" ״Die Stunde“ verurteilt. — Interessanter Verhandlungsverlauf. klagte Partei wollte den ״Beweis“ für die Berechtigung ihrer Kritik dadurch erbringen, daß sie durch ihren Anwalt, ׳Dr. Israel Waldmann, der als einer der hervorragendsten Vertreter der Zionisten am Wiener Barreau und daher als kompetenter Interpret zionistischer Anschauungen gilt, dem nichtjüdischen Richter erklären ließ, daß das Judentum anders organisiert sei als die anderen Konfessionen. Während bei den anderen Konfes3ionen der Bischof die höchste religiöse Instanz darstellt, sei bei uns Juden der freigewählte Kultus vorstand diejenige Instanz, die in religiösen Dingen entscheidet — und nicht der Rabbiner. Während nun der Kultusvorstand in Wien mit Stimmeneinhelligkeit gegen die Parallelklassenverordnung Protest erhob, ״wagte“ es die ״Jüdische Presse“, für diese Ver- Ordnung Stellung zu nehmen. Es wäre, erklärte der Be־• klagtenvertreter, in der katholischen Kirche unmöglich, daß eine Gruppe von Gläubigen gegen einen Hirtenbrief der höchsten Instanz Stellung nähme. Ebenso habe auch die ״Jüdische Presse“ gegen einen ,Beschluß des Kultus- Vorstandes, der ״obersten jüdischen Instanz“, nicht auftreten dürfen. Weitere erklärte Dr. Waldmann, daß der Kultusvorstand aus Vertretern ״sämtlicher“ jüdischen Parteien Wiens ■bestehe, von den orthodoxesten bis zu den freiesten, und daß die hinter der ״Jüdischen Presse“ stehenden Orthodoxen überhaupt keine Vertretung in den Vorstand ״erlangen“ konnten. In fortgesetzter Verhandlung vertrat der bekannte zionistische Anwalt Doktor O s t e r e r seinen Kollegen mit den gleichen Argumenten. Die ״Jüdische Pres3e", vertreten durch Dr. ׳Max Gelber, hat natürlich nicht ermangelt, den ,Richter darüber aufzuklären, daß der Standpunkt der gegnerischen Seite historisch unrichtig, logisch falsch und gesetzlich unhaltbar ist:. In keiner anderen Konfession ist es mehr der Fall, daß das geistliche Oberhaupt, der Rabbiner, die höchste und unumstrittenste Autorität in religiösen Dingen besitzt, als bei uns Juden. Das Judentum war immer kongregational organisiert und! nie bestand eine Möglichkeit, die Entscheidungen des Ortsrabbinere, insolange er religiös einwandfrei war, anzufechten. Soweit historisch. Logisch falsch ist es, zu behaupten, daß der Kultusvorstand, der sich aus einer Zufallsmajorität zusammensetzt, und in dem, wie zum Beispiel in Wien, von 36 Vorstandsmitgliedern fast alle öffentlich das Religionsgesetz übertreten, die Ent- Scheidung in religiösen Dingen haben soll. Ueberdies ist der Standpunkt gesetzlich unhaltbar, da das Gesetz vom Jahre 1890 zur Regelung der Verhältnisse der israelitisehen Religionsgemeinschaft in den §§ 9 und 11 klar und deutlich die Kompetenz des Rabbiners in religiöser Beziehung, sowie die des Gemeinde vor- Standes in Verwaltungsangelegenheiten umschreibt. Was schließlich die Vertretung in der Kultusgemeinde anbelangt, haben wir darauf hingewiesen, daß es eine bewußte Unrichtigkeit darstellt, wenn behauptet wird, daß die unabhängige Orthodoxie anläßlich der letzten Kultuswahlen kein Mandat ״erlangen“ konnte. Sie hat zwölf Jahre lang im Kultusvorstand auf Grund des Proportionalwahlrechtes drei Mandate innegehabt. Sie hat allerdings anläßlich der letzten Wahlen auf eine weitere Kandidatur verzichtet, da sie die zweckentsprechende Vertretung ihrer Belange innerhalb des Kultusvorstandes für aussichtslos und den Kampf ftii* die selbständige orthodoxe Gemeinde für notwendig erkannt hat. Richtig mag der Standpunkt der Verteidigung wohl in subjektiver Beziehung sein, da die Zionisten die religöse Kultusgemeinde in eine nationale Volksgemeinde umwandeln wollen, in der der Laienvorstand über dem fachgebiideten Rabbiner stehen soll. Gegen diese Umwandlung wendet sich aber gerade der Kampf aller religiösen Juden. Diesem Kampf dient die ״Jüdische ׳Presse“ vom ersten Tage an, selbstlos und hingebungsvoll, und diese ׳Hingabe hat der ״Jüdischen Presse“ die leidenschaftliche Gegnerschaft der jüdischnationalen Kultusgemeindemehrheit gebracht. Wie nicht anders zu erwarten war, hat das Gericht unseren Standpunkt voll■ anerkannt und das eingangs erwähnte Urteil gefällt. Einen, überaus aufschlußreichen und anregenden Verlauf nahm die am Donnerstag, den 18. Oktober, vor dem Presserichter de3 ׳Strafbezirksgerichtes Wien I., LGR. Dr. Kunze, stattgehabte und am Donnerstag, den 25. ■Oktober, fortgesetzte Verhandlung über die Klage, die die ,,Jüdische Pres3e" gegen den verantwortliehen Redakteur der Wiener Tageszeitung ״D i e Stunde", Dr. Marc ׳Siegelberg, wegen Ehrenbeleidigung, begangen durch die Presse, angestrengt hat. Wie erinnerlich, hatte die ״Reichspost“ am Samstag, den 6. Oktober d. J., den Leitartikel der ״Jüdisehen Presse“, der sich mit der Parallelklassen- Verordnung beschäftigte, abgedruckt und zustimmend kommentiert. Als Entgegnung auf diese Veröffent- Hebung brachte noch am gleichen Tage ״D i e ■S t u n d e“ auf ihrer ersten Seite und in der ersten Spalte eine Zuschrift eines ״Wiener Juden", der am Schabb03 nichts Dringenderes zu tun hatte, als ״Die Stunde“ schriftlieh darüber aufzuklären, daß die ״Jüdische Presse“ nicht die ׳Wortführerin des Wiener Judentums sei. Die veröffentlichte Zuschrift wurde so ausfällig, daß: die ״Jüdische Presse" sich veranlaßt sah, den Antrag auf Beschlagnahme dieser Nummer der ״Stunde“ und auf Verfolgung des verantwortlichen Redakteurs der ״Stunde" und de3 Autors der Zuschrift wegen Ehren: beleidigung durch die Presse zu stellen. Beiden Anträgen wurde statt gegeben. Leider blieb die gerichtlieh angeordnete Hausdurchsuchung in der Redaktion der ״,Stunde“ zur Erlangung des Manuskriptes der Zuschrift erfolglos, so daß das Inkognito des am Schabbos schreibenden ״Wiener Juden“ vorläufig ungelüftet bleibt. In der Verhandlung bekannte der verantwortliche Redakteur der ״Stunde", die fragliche Zuschrift vor Drucklegung gesehen zu haben. Er bestritt durch seinen Vertreter, den Führer der Radikalen Zionisten Dr. Israel Waldmann, die beleidigende Absicht und versuchte, den Beweis einer ״berechtigten Kritik“ zu führen. Die Beweisführung mißlang vollkommen und der Prozeß endete mit der V © 1rurteilung des angeklagten verantwortlichen Redakteairs zu einer Geldstrafe von 150 Schilling oder drei Tagen Arrest und Veröffentlichung des Urteils in der gleichen Schrift und an der gleichen Stelle in der ersten oder zweiten nach Rechtskraft des Urteiles erscheinenden Nummer der ״Stunde“. i* Soweit wäre ja die Sache in Ordnung, wenn nicht das Beweisverfahren einige aufschlußreiche Details gebracht •hätte, die festzuhalten. unerläßlich ist. Die beleistet. Und doch will mich der Besitzer jetzt entlassen. Ich habe weder Vennögqn noch Venoandtschaft. Ich müßte meine Wohnung anfgeben, im Winter mit Weib und Kindern betteln gehen...!“ Das Antlitz Rabbi Mosche Leibs ist ganz ruhig. Forschend blickt der Zaddik von dem Quittei vor sich am Tisch in das Gesicht des Dorfjuden: ״Wohnst du mitsamt deiner Familie im Walde?“ Der Jude krümmt seinen Rücken: ״G-tt bewahre mich davor! Wie könnte ich solches, da doch meine Stelle eine so unsichere ist?" ״Dann beeile dich“, sagt der Rebbe mit. einem Blick auf seine Folianten, ״auch Weib und Kinder in deine Wald- Mitte zu bringen.“ Er lächelt und erhebt sich, während der Jude über die, wie ihm scheint, sondei'bare Anordnung des Zaddik einen Augenblick betroffen stehen bleibt. Im Spätherbst Weib und Kinder in die wenig wetterfeste Hütte .., Und dei• Besitzer wird noch mehr aufgebracht sein... Es hat bereits geschneit, da dei- Besitzer seinen ״Neemon“ wiedei-um aufgesucht hatte. In der Wdldhüttc war eine harte Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern vor sich gegangen. Sie war, wie der arme Jude befürchtet hatte, wegen des Aufenthaltes seiner Familie in der Hütte noch schärfer von dem Besitzer geführt worden. Dann aber war der Herr auf einmal ganz un- Versehens ruhiger geworden, und als er in seinem Schlitten von dei' Waldhütte weggefahren war, hatte dei• ,JSfeemon“ einen erneuten Vertrag in der Hand, in dam sogar ein höheres Gehalt vorgesehen war. Wieder steht dei• bescheidene Dorfjude ehrfurchtsvoll vor dem ״Sassowei•“, sich für die wundersame Rettung vor Elend und Not demütig <zu bedanken. Rabbi Mosche Leib hört seine ungelenke Rede mhig an. Dann sagt er mit einem zärtlichen Blick auf ein ״Ghümeschldas auf dem Tisch liegt, lächelnd zu dem ältesten Bochur: ״Ich kenne doch tmsei'e Juden, —* Keiner von ihnen ivürde es wohi vor Haschern wagen, einen armen Mann mitsamt seiner Familie in ein Unglück zu bringen! — — Sollte da die Geuloh noch weit von uns sein ...?“ Rabbi Jizchok Alter זצ״ל♦ Am vergangenen Freitag verschied in Gora Rabbi. Jizchok Alter s. Z. 1., ein Sohn des Gerer Rebben, Der Verewigte, der sein Leben ausschließlich חורה ועבורה widmete, war in den Kreisen der Chassidim und aller Menschen, die ihn kannten, wegen seiner seltenen Eigenschäften sehr beliebt und geschätzt, Die Todesnachricht' hat in den chassidischen Kreisen in Polen tiefe Erschütterung hervorgerufen. Der Verblichene, der seit drei Tagen krank war, hat ein Alter von 46 Jahren erreicht, •רו«?כ*ה י ■ - ■ * ׳ ׳.. .׳•••.

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