Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1934-11-02 · 41 (2.11.1934) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
20 (1934)
Issue
41 (2.11.1934)
Date
1934-11-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2629891-2630538-2630579--4850-2637086
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

D*r. 41 : iBESSE * — Der Genemlgouvemenr von S aloniki hat in einer öffentlichen Erklärung eine Warnung an die antisemitischen Kreide gerichtet, ihre Hetze nicht zu weit zu t}'eiben, da die Regiemng gegen jeden Versuch, judenfeindliche .Ausschreitungen zu begehen, mit den schärfsten Mitteln Vorgehen werde. — Das jüdische •wirtschaftsstatistischc Büro in Warschau hat eine Expertise veranstaltet und festgestellt, daß ein Drittel der jüdischen Bevölkemng Polens, nngbfälir eine Mittion jüdischer Seelen, in Armut lebt' und auf öffentliche Hilfe, angeiviesen ist. —: Im. Lokal des W a r s ch.au er Sportklubs ״H apoe V' wurde durch Revoiverschüsse ein junger Mann getötet und ein zweiter schwer verletzt. Der Verletzte, der mit dem Revolver ungeschickt manipulierte, wurde von der Polizei verhaftet. •— In dem rumänischen Dorfe S traseni überfielen antisemitische Hu Hg ans die jüdischen Eimvohner, warfen in den jüdischen Häusern die Fmisierscheiben ein und trafen Anstalten, in die Synagoge eins«־ dringen. Die christlichen Einwohner des Ortes traten den Huligans entgegen und trieben sie in die Flucht. — Wie de)• Korrespondent der J. T. A. in Berlin erfährt, laufen in der letzten Zeit in der Berliner Reichskanzlei täglich hunderte Tele gram me ausländischer baptislischer Pfarrgemeinden ein, in denen gegen die Judenverfolgungen pio testiert wird. — Der Sochatschoxver Rebbe begibt sich demnächst mit siebzig bemittelten Chassidim nach Erez Jisroe l, wo diese unter dem Namen ״Bes Awrohom“ eine Kolonie gründen wollen. Der agudistische Prä־ sklent der Warschauer Kultusgemeinde, Elijahu Mazur, und sein Vater nehmen an dieser Gesellschaftsreise teil. Der Berner Prozeß Sn Sechen der ״Protokolle der Weisen von Zion“, Am 29. Oktober hat in Bern der Prozeß über die Klage des Schweizerischen Israelitischen Gemeinde•‘ blindes und der Israelitischen Kultusgemeinde Bern gegen die Gauleitung des Bundes nationaisozialistischer Eidgenossen, und andere Angeschuldigte in Sachen der ״Protokolle der Weisen von Zion" be־ gönnen. Die jetzige Verhandlung ist eine Fortsetzung der bereits vor einem Jahre stattgefundenen Haupt* Verhandlung. Es wurden־mehrere Zeugen geladen, die• dem ersten Zionistenkongreß beigewohnt haben. Nach Anhörung mehrerer Zeugen und Sachverständiger wurde die Verhandlung vertagt. Die innere Unmöglichkeit der ״Weisen von Zion“ In der jüngsten Zeit haben die berüchtigten ״Pro־- tokolle der Weisen von Zion" wieder viel von sich reden gemacht. In Wien war ein Prozeß der Frau Irene H a r a n d gegen den ״Stürme r" im Gang, der jetzt vom Richter, da das Erscheinen des ״Stürmer" inzwischen verboten wurde, aus formaljuristischen Gründen einge* stellt wurde. In Bern läuft ein ähnlicher Prozeß, der von der dortigen isr. Kultusgemeinde gegen ein antisemitisches Blatt angestrengt wurde. Anerkannte, auch nichtjüdische Fachautoritäten ersten Ranges haben wohl schon längst erklärt und bewiesen, daß die ״Protokolle" ein aus niedrigstem Judenhaß geborenes Pamphlet darstellen, das, nach einer russischen Streitschrift gegen Napoleon kopiert, auch nicht den Schein der Richtigkeit für sich in Anspruch nehmen kann. Immerhin dürften die folgenden Ausführungen des bekannten jüdischen Schriftstellers Chaim Bloch von Interesse sein: enthält schon alle testen Zutaten richtig aus geroogen und oermengt für die Zubereitung con!Kuchen?orten und!Kleingebäck. etner mä Scfokötaui&qescAmack.! 1 9akel 3« 2'40. zu bedrücken, auch nicht, damit die Nationen der Welt Isrue] erheben, auch nicht, 1un zu essen und zu trinken und sich der Freude hinzugeben, sondern einzig und allein, um sich der Lehre und der Weisheit zuwenden zu können, ohne von jemandem bedrängt und behindert zu werden. Und in jener Zeit wird es keinen Hunger, keinen Krieg, keine Mißgunst und keinen Streit geben, denn das Gute wird in Fülle vorhanden sein." — Der T elepho n v er ke h r zwischen der Tschechosloxoakei und Palästina über London wird mit sofortiger Wirksamkeit auf alle Orte in Palüstina ausgedehnt, die Telephonverbindungen besitzen. Die Gebühren bleiben unverändert. — In Ris cho nie Zion fand die Grundsteinlegung zu ebier großen M öbelf abrik statt. In die Fabrik wird, ein Kapital •von 18.000 Pfund investiert. Ein Teil des Maschineninventars wird aus Amerika eingeführt, aus Wien wurden mehrere Facharbeiter berufen. Die Fabrik Soll schon 1935 in Betrieb gesetzt werden. — Am 83. Oktober fand die feierliche Einweihung der vom Vorhand der jüdischen Landwirte Palästinas errichteten landwirtschaftlichen Mitt el schul e in Pardes Chanu, einer nach der Mutter Baron Edmond de Rothschilds benannteil Pica-Kolonie, statt. In den beiden ersten■ Klassen wurden ■'tO Schüler cmfgenommen. Mit der Schule sind ein Inteniat und eine Musterfarm verbunden. — Derzeit sind eine Reihe von Projekten zur Errichtung von H o t eis und Sanatorien auf den Hügeln um Jerusalem in Bearbeitung. Bei diesen Plänen wird damit■ gerechnet, daß die Höhen um Jemsalem, ־ die im Somme}■ ein angenehmes Klima aufweisen, als Kur du f enthalt in Betracht kommen, — Zwischen den offiziellen und den rexnsionistisehen Zionisten ist ein Bur g frieden geschlossen imrden. Nach einer vierundzwanzig ständigen Sitzung wurde in London ein Uebei'einkommen getroffen, das von dem Histadmth-Fuhrer Bin-Gurion und dem Führer der• Revisionisten, Vladimir Jdbotinsky, unterzeichnet ist. EL Grlin, n., Taborstraße 8 b, Tel. R-42-3-66״ Atelier für feine Herrengarderobe. E Unser Gaumen ist verwöhnt. Auch bei Torten und Mehlspeisen wollen wir nun den uns zusagenden besonderen Geschmack, sei es Zitronen-, Mandel- oder Rumaroma, nicht missen. Nicht immer hat aber die Hausfrau die Früchte zur Hand, oft müßte auch wegen der benötigten paar Tropfen Saft eine ganze Zitrone geopfert werden. Die kluge Hausfrau greift daher gerne zu Doktor Oetkers Backöleu, die in Zitrone-, Mandel- und Rumgeschmack erhältlich sind und von denen wenige Tropfen genügen, um dem Teig der Torte oder des Kleingebäcks den gewünschten Geschmack zu verleihen. Ueberaus ausgiebig, sparsam im Gebrauch und jederzeit zur Hand, vereinigen diese jüngsten Oetker-Erzeugnisse Vorzüge, die gewiß jede Hausfrau zu schätzen weiß. Mit diesen Präparaten .dürfte es unserem heimischen Nährmittel werk der Firma Dr. A. Oetker in Brünn gelungen sein, einem von unseren Hausfrauen gefühlten Mangel abzuheifen. Verlangen Sie bei Ihrem Kaufmann Dr. Oetkers Backöle, ein Fläschchen ko3tet bloß K£ —.80. AUCH FÜR 1■ 1. bei B«ruf!sunfcihJgkeit IN VALIDITÄT! •RENTEN *. Wf «in sorgloses Alter ALTERS•RENTEN |3. im Ablebensfalle HINTERBLIEBENEN•!!! NTEN GÜNSTIGEN BEDINGUNGEN Rii C H E R U NGS-AKTIEN - GE». WIEN, I., SCHELLINGGASSE 1 ״Aus dem Talmud und den frührabbinischen Schriften geht eindeutig hervor, daß jede Auflehnung gegen die bestehende Ordnung den Juden religionsmäßig verboten ist. So z. B.: ״Gott beschwor Israel, sich gegen die Völker nicht aufzulehnen." Der Heilige sprach: ״Ich beschwöre euch, ihr sollet euch keiner Regierungsverordnung, so bedrückend sie auch sein mag, widersetzen.“ ״Wer sich gegen die Regierung vergeht, ist des Todes würdig." ״Wer dem regierenden Fürsten gegenüber unanständig ist, der begeht eine Sünde, als wenn, er gegen G־tt unanständig wäre." Diese Aussprüche stammen aus einer Zeit her, als die Juden ihre politische Stellung längst eingebüßt hatten und der jüdische Staat nicht mehr bestand. In diesem Zusammenhänge ist aber eine Stelle im ״Mischnah Thora" des Rambam höchst interessant, weil sie beweist, daß die ״Protokolle“ nicht von Juden stammen können, einfach, weil ihr Inhalt mit der in der betreffenden Stelle zum Ausdruck kommenden Auffassung des Judentums von der zu erwartenden Erlösung in krassem Widerspruche steht. Der Verfasser des ״Mischnah Thora", Maimonides ben Maimon (Rambam), lebte im 12. Jahrhundert und legte im gedachten Gesetzbuch, das auf Bibel und Talmudtradition begründet ist, in mehreren Abschnitten das Leben der Juden nach Ankunft des von ihnen erwarteten Messias, bzw. nach ihrer Erlösung aus der Diaspora und Neueinordnung in ihre religiös-staatliche Heimstätte in Erez Jisroei zurecht. Der letzte Abschnitt befaßt sich ausschließlich mit den ״Gesetzen für die Könige". Schon diese Tatsache allein beweist, daß im echten, . religiösbewußten Judentum eine Staatsform, wie sie in den ״Protokollen" angestrebt wird, ausgeschlossen ist. Der sechste Absatz beginnt mit den Worten: ״Man fange mit keinem Menschen in der Welt einen Krieg an, ehe man ihn zum. Frieden aufgefordert hat." Im zwölften Absatz, ganz am Ende, gibt aber Maimonides eine Erklärung, wozu das Judentum seine Erlösung anstrebt. Die Stelle lautet in deutscher Uebersetzung: ״Es sehnten sich die Weisen und Propheten (Israels) nach dem Messias, nicht um die ganze Welt zu beherrschen, nicht um die götzendienerischen Völker Es ist zu bedauern, daß den Forschern, die in langen wissenschaftlichen Abhandlungen die Unechtheit der ״Protokolle" nachwiesen, diese Maimonides-Stelle entgangen ist.“ __ Droschoh in der Schönlaternschul. In der Schönlaternschul findet am Schab« bos Parschas ChajesSoroh (am 3. November) um dreiviertel II Uhr vormittags eine Droschoh von Herrn Oberrabbiner S. Fürst statt. Agudas-Jisroel-Mädchengruppe Wien. Schabbos Parschas Chaje-Soro spricht Herr Univ.-Prof. Dr. Mas; Eisler über ״Wiener Sehenswürdigkeiten" im Lokale der ״Wienea", II., Obere Donaustraße 91, um halb 11 Uhr vormittags. Dr.-Krtiger-Hcim, Wien, II., MalzgasSe 7. Vortrag des Vizepräsidenten Dr. Leo Deutschländer am Dienstag, den 6. November, um K7׳ Uhr abends, über das Thema: ״Biblische Stoffe in der deutschen Litera-, t u r.“ Der. Vortrag ist für die Schülerinnen der höheren Klassen, aber auch für Mitglieder und Freunde des Insti-• tuts frei zugänglich. Sijum eines Sefer-Thora bei Großrabbiner Asch* kenazy. Bei Herrn Großrabbiner Aschkenazy, Wien, I., ׳Franz-Ho che dlinge r-Gasse 23, wurde vergangenen Dienstag der Sijum eines Sefer-Thora gefeiert, das zum Andenken an seinen Vater von Herrn Berisch. W.e- 1 i c z k e r!geschrieben wurde. Im Beisein vieler Gäste wurde das Sefer-Thora ins Bes-Hamidrosch des Rabbiners getragen, wo der Großrabbiner die Bedeutung des Schreibens eines Sefer-Thoras darlegte. ' Verband jüdischer Ingenieure und Architekten für: den Aufbau Palästinas. Mittwoch, den 7. November, 8 Uhr• abends, findet im großen Saal des Architektenvereins, I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Dr. Anton׳ Sattler-Dombacher über die ״Wirtschaftliche Entwicklung Palästinas“ statt. Tschechoslow akei Nach der Delegiertenversammlung der Agudas Jisroei Die jüngst in Bratislava abgehaltene Delegierten- Versammlung der Agudas-Jisroel-Landesorgänisation in der Tschechoslowakei beginnt im ganzen Lande eine erfreuliche Entwicklung anzubahnen. Aus zahlreichen Orten erhalten wir Berichte über die Neugründung und die Reaktivierung von agudistischen Gruppen. Am Sonntag, den 28. Oktober, fand bereits in Bratislava die konstituierende Sitzung des neugewählten Landesvorstandes statt. Hoffen wir, daß die Tatkraft und der Arbeitswille der neuen Männer nicht erlahmt, dann werden wir in Bäl^e über eine schlagkräftige, durch und durch disziplinierte Organisation der Orthodoxie verfügen, die mehr denn je zu einer Lebensnotwendigkeit geworden ist. Der Vorstand der Agudas-Jisroel-Ortsgruppe Bratislava hat einen Aufruf erlassen, in dem es u. a, heißt: ״Die Delegiertenversammlung• der Landesorganisation der Agudas Jisroei, die am 28. und. 29. Tischri 1. J. in unserer Stadt tagte, bedeutet für das jüdische Leben ein Ereignis von großer Tragweite und dauerndem Wert. Wie wohl kaum bei einer früheren Veranstaltung der Agudas Jisroei in unserer Stadt kam diesmal der Gedanke der Agudas Jisroei in seiner ganzen Größe zum Ausdruck, In Kundgebungen, getragen von flammender Begeisterung und tiefinnerster Ueberzeugung, ergriffen unser allverehrter Herr Oberrabbiner שליטיא wie auch andere hervorragende Mitglieder des Rabbinischen Rates das Wort, um alle jüdischen Brüder und Schwestern, die Sinn und Herz haben für das, was dem jüdischen Volk in unserer Zeit nottut, aufzufordern, sich um die Fahne der Agudas Jisroei zu sammeln und mit vereinten Kräften die Aufgaben zu erfüllen, die dem jüdischen . Volk aus der Not der Zeit erwachsen. . Die Landesversammlung hat in gründlicher Durch• J beratung aller zu beachtenden Momente ein 0 r g a n isation ss tatut festgelegt, das allen jüdischen Männern und Frauen, die in Leben und Lehre die Verbindlichkeit von תוה׳ק und Tradition für sich und das jüdische Volk anerkennen, die Möglichkeit gibt, sich zum Nutzen der Gesamtheit im Rahmen der Agudas Jisroei zu betätigen. Die Stärkung des religiösen Lebens als Grundelement des jüdischen Daseins und. die Mehrung jüdischen Thora Wissens (הזוק הדת ולמור התורה.) sollen in allen Verzweigungen des Gemeinschaftslebens durch die Gesamtheitsorganisation und durch unsere Ortsgruppe intensiv erstrebt werden. Die Besiedlung des Heiligen Landes auf Grundläge von תיה־ק und יראת ה׳ und die Förderung aller kolo* nisatorischen, erzieherischen und wirtschaftlichen Unternehmungen, die in Erez Jisroei durch die Agudas Jisroei in Angriff genommen werden sollen, wird gemäß 'dem Programm der Agudas Jisroei schon in der allernächsten Zeit eine Anspannung aller Kräfte erforderlich machen. Den verschiedensten Gebieten der sozialen Wohlfahrt, der Förderung des Handwerkes und der gewerbliehen Unternehmungen im Zusammenhang mit שמירת שבח soll mit wachsendem Interesse sachkundige und hingebungsvolie Arbeit gewidmet wreden, Presse und Literatur im Geiste der Thoratreue sollen verständnisvolle Förderung erfahren. Einem jeden, der sich der Souverän!- tät der חוה־ק untevorduet, wird Gelegenheit geboten, sich seinen Neigungen und seinen Fähigkeiten entsprechend zum Wohle der Gesamtheit zu bewähren, Wir richten daher die Bitte an alle unsere Mitglieder und an diejenigen, die es vielleicht noch nicht sind, aber es werden wollen, für die Bestrebungen der Agudas Jisroei aktiv zu werden und dem Rufe begeistert zu folgen, der an uns alle gerichtet wurde, Bedenken wir, daß das jüdische Volk in allen Ländern der Diaspora sich augenblicklich in einer Lage befindet, die es niemandem erlaubt, sich abseits zu' halten. Das jüdische Volk ruft nach allen seinen Sühnen und Töchtern und verlangt opferwillige Hingabe für das/ wofür es jahrtausendelang gelitten hat, und für das, was auch jetzt noch seinen vielfältigen Leiden Sinn gibt. Die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.