Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 20 (1934)
- Issue
- 39 (19.10.1934)
- Date
- 1934-10-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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jüdische presse nt, m r .M'W.. . ■-.- ^:■^.■-B-.-.>.w..a^.-.,w..M Sturm im W Die SteU^iignahme, öie die ״Jüdische Presse“ in ' ihrer Au3£f1be vom S. Oktober d. «J. 2u der yoä 4är österreichischen Unterrichtaver^Itung a\1s schql- : teChüisciiett Qründen anfeprdneten Teilung dgr Schulklassen nach konfessionellen Gesichts- ■; pun|1ten, he20gen hat* hat in!den greisen der Jüdisch- : nationalen einen Sturm gekünstelter ״Entrüstung‘' hervörgeTüfen. iftne Eiitrüstiing, die wahrlieh einer י besseren Sache Wert gewesen wäre, und die wir niemals auf unsere aufrichtige Meinungsäußerung als solche beziehen, sondern auf die Tatsache, daß unser in Rede stehender Artikel von der ״Reichspost“ in großer Aufmachung übernommen wurde. Es ist das alte ״Messirah“-Geschrei, das die Zionisten immer wieder anheben, wenn die Orthodoxie es ״Wagt", ihre Anschauungen frei zu äußern und wenn diese Anschauungen — wie es naturgemäß fast immer der Fall sein. muß — sich mit der zionistischen nicht decken. Wir haben die sogenannte Parallelklassen- Verordnung als eine mögliche Vorstufe zur rein konfessionellen Schule begrüßt und den Proteststurm, der auf jüdisch-nationaler Seite gegen die Verordnung entfacht wurde, zurückgewiesen. Wir halten unsere Stellungnähme vollkommen aufrecht und wir erklären heute nochmals: Die Orthodoxie kann und wird sich nicht länger von jenen Herren führen und bevormunden lassen, die dem überlieferten Judentum den Rücken gekehrt haben und in blindwütigem Haß gegen alles wahrhaft Jüdische, ihre Parteiinteressen ständig über das Klallinteresse stellen. Wir werden uns das Recht auf freie Meinungsäußerung, so wie sie nns von unserer jüdischrreligiösen Ueberzeugung diktiert wHl, nie und nimmer nehmen lassen, Der Kampf um. He Selbständigkeit und Unabhängigkeit der Orthodoxie hat begonnen und er wird mit G-ttes Hilfe bis zu einem siegreichen Ende geführt werden. II. Die Wiener Jüdischnationalen haben sich nicht damit begnügt, in ihren Wiener Zeitungsorganen -— mangels stichhaltiger Argumente — die Bedeutung der ״Jüdischen Presse“ vergeblich herabzusetzen und durch fadenscheinige Floskeln die Orthodoxie anzukreiden, sondern sie haben auch die zum Teil ihnen hörige jüdische Presse des Auslandes, mit der Jüdisehen Telegraphen-Agentur an der Spitze, in den Dienst dieser ihrer Parteipropaganda gestellt. Ih diesem Zusammenhänge gewinnt ein längerer Aufsatz des Frankfurter ״I s r a e 1 i t“ an Interesse, der, nach wörtlicher Wiedergabe unseres seinerzeitigen Artikels, unter anderem ausführt: ״Das Recht, so zu denken und ihre Meinung dergestalt zum Ausdruck zu bringen, könnte, so sollte man glauben, auch der Orthodoxie von keinem bestritten werden. Auch auf die ״Gefahr“ hin, daß die ״Reichspost“ diese Ansicht registriert und mit Befriedigung weitergibt, so daß die große Welt auf diesem Wege erfährt, was sie vielleicht schon ohnehin dunkel geahnt hat, daß es auch unter den Juden welche gibt, denen es ganz recht wäre, wenn ihre Kinder, wie die katho-!Lachen und. evangelischen, in der. Schule unter sich •blieben, um, ohne ausgeschlossen zu werden oder jemand axisschließen zu müssen, ungestört ihre Gebete verrichten und ihre religiösen Riten pflegen zu können. Soll die ״Reichspost“ und sollen andere nationale Blätter immer nur das ewige Gezeter der Jüdischnationalen registrieren dürfen und nicht einmal auch die vernünftige Ansicht derer, die nicht gewillt sind, hinter jeder mehr oder minder zweckmäßigen Maßnahme gleich eine ״Entrechtung“ zu wittern? Ist es überhaupt ratsam und vernünftig, in der Dämmerstunde des nationalen Umbaus, bei jedem Anlaß AUCH FÜR f. bei Berufsunfähiskeit INVAUDITSTS-RENTEN |8. für ein sorgloses Alter A ITC RS.RENTEN |!f 1יוי AWebemMlf HINTERBLIEBENENRENTEN |ZU GÜNSTIGEN BERINGUNGEN VERSICHERUNGS-AKT! EN-GES WIEN, I., SCHELLINGGASSE 1 Ci 99 CI CICIl• Dämonen in schwärmten Farben an die Ü malen, 4le. Wenn sie etünai J* sind, sich vielleicht ni4$f mehr wegwischen lassen?. fgg mag dies einer gewissen ParteipotTtik dienen, ihr neue Auftriebe geben, aber die Orthodoxie in Oesterreich Kinn sieh, so wenig wie in Polin pnd ln Lettland, dieLoaung ״Pärteinutz vor Kläliinteresse" leisten! Es ist das gute unbestreitbare Recht der ös£erreichischen Orthodoxie, angesichts .dieser Wirrungen, in ihrer Presse die Regierung zu eichen, dem glauben^- starken Judentum die Möglichkeit zu geben, sich freizumachen von der Bevormundung durch unreligiöse jüdisch-nationalistische Elemente und imerster Reihe giäubenstreüe Menschen zur Beratung über jüdische Angelegenheiten heranzuziehen. Wenn die zionistische Presse auch und erst recht diese Forderung zum Anlaß schwerster Angriffe auf die agudistische Orthodoxie nimmt, so vergessen die Herren, daß sie selber bisher keine Gelegenheit verpaßt haben, auch mit Hilfe der Behörden die Orthodoxie niederzuhalten, und daß es nur allzu natürlich sei, daß Sie in einem entscheidenden Moment, da es heißt, ״entweder jetzt oder nie“, sich die Grundlagen ihres Lebens zu sichern sucht. Irebhaftes Befremden muß auch erregen, daß die ״Jüdische Telegraphen-Agentur", die eine ״objektive“ Nachrichtenquelle für die gesamte jüdische Oeffentlichkeit sein will, auch hier wieder offenbar das Opfer ihres zionistischen Wiener Korrespondenten geworden ist. Sie übernimmt in ihrer Ausgabe vom 8. Oktober blindlings alle zionistischen Vorwürfe gegen die Orthodoxie und sucht sie auf dem Wege über die jüdische Presse in der Welt zu verbreiten. Mindestens hätte die J. T. A. gleichzeitig den, Artikel der ״Jüdischen Presse" im Auszug bringen müssen, und die Leser hätten dann selbst geurteilt — gewiß nicht zuungunsten der Orthodoxie und ihres Organs, die in diesem Falle das jüdische Gesamtinteresse gegen eine kleinliche und kurzsichtige Parteipolitik vertreten.“ III. In einem Bericht, den die ״Reichspost“ vom 17. Oktober d. J. über eine zionistische Versammlung gegen die Parallelklassehverordnung veröffentlicht, schreibt sie wörtlich: ״Die Zionisten übersehen, daß der Parallelklassen- Erlaß von dem sie unbegreiflicherweise eine Diffamierang der jüdischen Schüler befürchten, wohl noch nicht die Erfüllung ihrer Forderung, aber doch eine Vorbereitung der Erfüllung bedeutet. Weder Rom noch Jerusalem wurde an einem Tag erbaut. Benachteiiigt die interkonfessionelle, d. i. die konfessionslose Mischschule alle Religionsgemeinschaften, so verhilft die konfessionelle Sch ule jeder zu ihrem Recht e.“ Wir zitieren diese Auslassung nur, weil Zweifel־ geltend gemacht werden, ob die angeordnete Teilung der Schulklassen tatsächlich eine Vorstufe zur konfessionellen Schule darstellt. Die ״Reichspost“, das offizielle Organ der Regierung, bestätigt es hier in klaren Worten. Wandlung in Rußland. In der Behandlung religiöser Funktionäre soll eine Milderung Platz greifen. Die J. T. A. meldet unter dem 11. Oktober aus Moskau; Die bisherige staatsbürgerliche Diskriminierung jüdischer Kultusheamt e n in Sowjetrußland ist durch die soeben verpffentlichten neuen Bestimmungen der Wahlordnung zu den Sowjets und Sowjetkonferenzen aufgehoben worden. Nach diesen Bestimmungen gehören gegen Entgelt im Dienst religiöser Gemeinschaften stehende Personen, sowohl solche des Verwaltungswie auch des technischen Dienstes, darunter u. a. auch 011asoninj und Schamossim, nicht zu denjenigen Personen, die wegen ihres Berufes vom Wahlrecht ausgeschlossen sind. Auch selbständige Handwerjter, die ihre Erzeugnisse im freien Handel verkaufe«, erhalten das W a h 1 r e c h t und damit eine Reihe anderer Privilegien, sofern sic keine Lohnarbeiter und nicht mehr als zwei Lehrlinge beschältigen. Ausnahmen sind für diejenigen vorgesehen, deren Beruf die Beschäftigung eines Gehilfen notwendig macht. Man wird aus dieser Mitteilung vorerst keine allzu weitgehenden Konsequenzen ziehen dürfen. Abgesehen davon, daß es abzuwarten steht, ob und wie sich diese erleichternden Bestimmungen in der Praxis auswirken, würden sie auch bei vollem Inkrafttreten an der Not der weiten jüdischen Bevölkerung zunächst nichts ändern. Man darf diese Maßnahmen höchstens erst als leises Einlenken in europäische Bahnen bürgerlicher Gleichberechtigung begrüßen. Auf alle Fälle wird die ausländisch ei Hilfsaktion zugunsten der russischen Juden nach wie vor in Wirksamkeit bleiben müssen und die materielle wie moralische Hilfe nicht eher einstellen dürfen, als bis unseren Brüdern in Sowjetrqßland mit dem Wahlrecht auch das Recht auf Brot und ungestörte Religionsübung wird. Von der jeschiwas Chachme Lublin. Nach dem Ableben des Begründers der Lubliner Weltjeschiwoh, Rabbi Meier Schapira s. Z. 1., wurde bekanntlich die oberste pädagogische Leitung einem Kollegium übertragen, an dessen Spitze Großrabbiner Mosche Friedmann, Bojan-Krakau, steht, während zum eigentliehen Rosch-Jeschiwoh, welcher die täglichen Schiqrim und Prüfungen abhält, der bekannte Gaon, Rabbi Abraham Wob HorQ wU« ans probtsno, bestellt׳wurde* Nach einer schweren Krankheit, ‘ die Probisnoer Raw jetzt G. s, D. glücklich überstanden hat, sah er sich gezwungen, sein Amt aas Gesundheitsrücksichten — er steht in vorgerückten Alter — zurückzulegen. Nunmehr wurde zu seinem Nachfolger der hervorragende Godaul Oberrabbiner Ar je Fr um er aus Kosiglpw bestellt. Ihm zur Seite werden Rabbiner David MUnzberg aus Ostrow und — für die Vorstufe der Jeschiwoh — Rabbiner Mosche Akowowsky, der diese Stelle schon bisher bekleidet־ hat, stehen, Alt Mescbgjaeh für die Jegcbiwoh wurde Rabbiner Mosche Schmidt berufen, der in seiner Tätigkeit von Rabbiner Josef Hochberg und drei älteren Bachurim unterstützt werden wird. *SW — Die Patästina-Re gierung gab der Matehume Jewisk Agencyl2 0 0 Zertifikate für Arbeitereinwanderer als Vorschuß auf die kommende ßehedule. — im W ar schauer Regierungskommissariat ist ein Gesuch um!Legalisierung eines Vereines getaufterJuden eingelaufen. — Soeben wird das amtliche Ergebnis der Zitrus- Saison 1933/34 veröffentlicht. Danach wurden in dieser Saison aus Palästina 5,157.976 Kisten Orangen ausgeführt; davon gingen nach England 3,256:158, nach Deutschland 1.298.149 Kisten, der Best nach anderen Ländern. Dag finanzielle Gesamtergebnis der Orangenausfuhr in dieser Saison staute sich auf 2,441:578 Pfund Sterling. —- In der Stadt Sitiana in Tunesien griff eine arabische Bande anläßlich des Wochenmarktes die jüdischen Kaufleute an und plünderte die jüdisehen Geschäfte. Die Polizei zerstreute die Bande und verhaftete eine Anzahl Huligans. — Der laufende Budget über schuß der Palästina-Regierung betrug Ende August d. J. 3,354-000 Pfund Sterling, was einem ganzen Jahresbudget entspricht. — Die Tätigkeit des dänischen Hilfskomitees für jüdische Flüchtlinge aus Deutschland soll am 1. Dezember wegen Mangels an Mitteln eing es teilt werden. Man glaubt aber, daß die jüdische Gemeinde die Flüchtlinge, die am härtesten Not leiden, weiterhin bctreuen wird. ״— Das Amsterdamer jüdische Hilfskomitee für die Flüchtlinge aus Deutschland, von dem voj• kurzem gemeldet wurde, es werde seine Unter- Stützungstätigkeit einstellen, teilt nunmehr mit, daß es im Hinblick auf die große Zahl unterstützungsbedürftiger jüdischer Flüchtlinge beschlossen hat, seine Tätigkeit f o rt zu f Uhr en. Das Komitee ist bemüht, die Ausgevmnderten in den!verschiedenen Ländern zur dauernden Ansiedlung zu bringen. — Am 9. Oktober abends sind vom W ar schauer B ahnho f zwei Züge mit insgesamt über 110 0 jüdisehen Palästina-Wanderern abgegangen. Der eine Zug mit etwa 700 Reisenden ging in die Richtung Rumänien, der zweite mit etwa 400 Reisenden in die Riehtung Italien ab. — ״Curierul Israelit?‘ (Bukarest) fordert die Behör den auf, im Interesse der Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung im Lande gegen das neue Antisemitenblatt ״Perunca Vremii“ einzuschreiten, das nach dem Muster des Nürnberger ״Stürmer“ Ritualmordlegenden verbreitet. — Am 10. Oktober vollendete Alfred Dreyfus, dessen Affäre Ende des 19. Jahrhunderts die jüdische Welt erschütterte, seinen 75. Geburtstag. Unter der falschen Beschuldigung des Hochverrates zur lebenslänglichen Verbannung nach der Teufelsinsel verurteilt, gelang es erst im Jahre 1906 dem berühmten SchHftsteller Zola und dem späteren Präsidenten der französischen Republik, Ciemenceau, die Unschuld Dreyfus* nachzuxoeisen und seine Rehabilitierung durchzusetzen. — Die Londoner Presse berichtet, daß zwischen D eut s c hl and und P ölen Beratungen über den gegenseitigen Schutz gegen Angriffe durch Presse, Radio und Bücher abgehalten wurden. ״Daily Mail“ weiß zu melden, daß der jüdischen Presse in Polen verboten werden soll, Ungünstiges über die Lage der Juden in Deutschland zu berichten. — Anläßlich der Eröffnung einer Kirche richtete König Car01 von Rumänien an alle Konfessionen den Appell, für die Einheit Rumäniens zu arbeiten. — Die in Polen mti der Untersuchung der Schulkindei' in öffentlichen Volksschulen, Talmud-Thora-Schulen nnd Chedarim beauftragten Schulärzte haben der Vollesgesundheitsbehörde einen Bericht erstattet, in dem festgestellt wird, daß etwa 60 Prozent der untersuchten jüdisehen Kinder unterernährt sind. In sehr zahlreichen Fällen haben die Kinder, wenn sie zur Schule kommen, kein Friihstiick erhalten. — Während des Morgengebets an der Klagemau er am letzten Sukkos-Tag verteilten vier mit riesigen Plakaten behangene Missionäre, drei Männer und eine Frau, Broschüren in hebräischem Druck unter dem Titel ״Eine Aufforderung an jeden Juden!“, die von' der ,JJear East Scripture Testimony Press“ in Jerusalem hergestellt wurden. Die Missionäre xourden durch Potizisten entfernt. — Der Generdlinspektor der Palästina- Polizei, R. G. B. S pic er, teilt in einem Kommunique mit, daß der Hauptgrund für das Ausscheiden so vieler jüdischer Polizisten im Süddistrikt aus dem Polizeidienst der Wunsch sei, zur Arbeit anf dem Lande zurückzukehren. — Eine französisch-syrische Gesellschaft hat der p alästinensis chen Mandatsregierung einen Vorschlag zur Einrichtung einer Zuckerfabrik unter de)' Voraussetzung ausreichenden Zollschutzes unterbreitet. Angesichts dei' palästinensischen Tendenzen, sich in der Zuckerversorgung vom Ausland unabhängig zu machen, sind diese Pläne mit Interesse zu verfolgen, — Jüdische Kaufleute in Damaskus haben sich in der letzten Zeit für den Absatz jüdischer I n du st rie- Produkte aus Palästina eingesetzt und Läden und Fensterausstellungen palästinensischer Produkte eröffnet. Es soll in Damaskus sin Lagerhaus für palästinensischen Zement eröffnet werden, — Die Transportverbindung Pglästinas mit den Häfen des Fernen Ostens (Japan, China, Indien) hat durch die Einrichtung eines direkten ständigen Verkehrs durch die imliänd^ßche ßeUfffahrtsgesellschaft ״Holland Vost Ad Lijn“ eine wesendliehe Verbesserung erfahren. Die Schiffe verkehren monatlieh einmal. — Zur Abwehr des Imports billiger japanischer Seidenwaren hat die palästinensische Regierung Kampf zolle auf Seiden nnd Kunstseidenwaren eingeführt. — Die Vorstände der Wars chau er Rethorn- und anderer Vereine haben sich zu einem Komitee vereinigt, welches die Bekämpfung des um sich grdfenden Chili ul S chabbo s in den jüdischen Zentren zum Ziele hat. H. Grün, II., Taborstraße ' 8 b, Tel. R-42-8-Q& Atelier für feine iJerrengarderftbe. w