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Jüdische Presse · 1934-10-19 · 39 (19.10.1934) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
20 (1934)
Issue
39 (19.10.1934)
Date
1934-10-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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König Alexander I. von Jugoslawien und der französische Außenminister Barthon, beides Männer, die ein Lehen lang für Menschen- und Freiheitsrechte cingetreten sind, haben es mit dem Leben gebüßt. Mit dem ganzen Volk von Jugo׳sla\vien und Frankreich, mit der ganzen gesitteten Menschheit überhaupt, trauert auch das Judentum um den Verlust des Monarchen und des Friedensstifters. Nicht von den Folgen des abscheulichen Mordattentats soll hier die Rede sein, von den Verwicklungen politischer Natur, die im ersten Augenblick sehr befürchtet wurden, aber G-tt sei Dank nicht eingetreten zu sein scheinen. Von den Ursachen wollen wir sprechen, die zu diesem Attentat führen konnten, von der Atmo- Sphäre, in der einzig und allein ein solches Verbrechen möglich war. Der Weltkrieg, der die Bewohner unseres Kontinents erschüttert und wachgerüttelt hat, hat vor den Augen der־ jungen Generation unermeßliches Unheil erstehen lassen, welches den allgemeinen Wunsch nach Ruhe und Frieden ausgelöst hat. Aber zu rasch sind die Jahre verflossen. Schon scheint ein Krieg wieder in der Luft zu liegen. Haß, Verachtung und Verleumdung hüben und drüben beginnen traurige Früchte zu tragen. Der Nationalsozialismus in Deutschland, unglückseliger Chauvinismus, haben zwischen Mensch und Mensch Mauern errichtet, die für einen wirklichen, menschlichen• Frieden unüberbrückbar sind.' In einer solchen Zeit und in einer solchen Atmosphäre ist der unvergeßliche österreichische Bundeskanzler Dr. Dollfuß hingestreckt worden und — fast möchte man sagen: zwangsläufig reiht sich diesem Verbrechen das Attentat von Marseille an. Die ganze gesittete Menschheit verurteilt die bestialische Tat. Aber damit allein ist nicht gedient. Jeder einzelne und jede Gesamtheit haben im Rahmen ihres Kreises durch ihre Lebensbetätigung nnd Er- Ziehung zur endlichen Bereinigung dieser drückenden Atmosphäre beantragen, auf daß der heiß ersehnte Friede eintreten kann. König Alexander I. von Jugoslawien war stets bereit, gegen Unrecht, da® den Juden zugefügt wurde, anzukämpfen. König Alexander hat bei verschiedenen Gelegenheiten öffentlich seine Sympathien für das Judentum kundgegeben und er hat die Judenheit seines Landes, als einem — wie er erklärte — für den Staat wertvollen, auf bauenden Element, volle Gleichberechtigu 11g mit allen Jugoslawen genießen lassen. Als im jugoslawischen Ministerrat das Judengesetz behandelt wurde, erklärte König Alexander in Gegenwart des Vertreters der jugoslawischen Judenheit, des Präsidenten der Vereinigung der orthodoxen Gemeindon, Hermann Deutsch: ״In unserem Lande, in dem man die Juden gut behandelt, geht es allen Bewohnern des Landes gut; w׳erden die Juden aber schlecht behandelt; dann ist das Schicksal des ganzen Staates ein ■schlechtes.“ Und als der Grandrabbiner, von Jugoslawien, Dr. Isaak Alkaley, auf die Frage ws Königs, wieviel Juden in Jugoslawien wohnen, die Zahl bekanntgab, fragte der König mit innerer Anteilnahme: ״Nur so wenig?“ Jugoslawien hat boreits seinen neuen König Peter II. gekrönt, der einstweilen, solange er minderjährig ist, von einer Regentschaft vertreten w'erden Wird, an deren Spitze ein Cousin des exmordeten Königs, Prinz Paul, steht. Wir dürfen hoffen, und es liegt kein Anlaß vor, daran zu zweifeln, daß die jetzige Regentschaft und später König Peter selbst die hehren Traditionen ihrer Dy naßtie fortsetzen werden, zum Wohle des Leistungsfähigstes Möbelhaus M♦ Redler/ Wien 1/ Sdiottenring 35 Telephon A-12-9-78. Gesamtausstattungen von der billigsten bis zur fernsten Ausführung. Uebernahme sämtlicher Adaptierungen. Eigenes Zahlungssystem. Samstag geschlossen. ״Schomra“-Mitglied. jugoslawischen Staates und zum Wohle seiner ausnahmslos gesamten Bevölkerung. Im Zusammenhang mit der Ermordung des Königs Alexander wird uns berichtet: Die Jerusalemer Zentrale der Weltorganisation der. Agudas Jisroel sandte an die jugoslawische und' an die französische Regierung ׳Beileidsteleg r a m m e ab. Das Oberrabbinat von Jugoslawien hat einen Monat der Trauer für den ermordeten König Alexander I., der einer der aufrichtigsten Freunde des Judentums unter den Monarchen der Welt war, proklamiert. Sämtliche Synagogen und öffentlichen jüdischen Gebäude des Landes tragen Trauerschmuck. In den zahlreichen jüdischen Trauerkundgebungen und Trauerpredigten wird darauf hingewiesen, daß König Alexander besonders freundschaftliche Beziehungen zu seinen jüdisehen Untertanen unterhielt und ,wiederholt in Öffentliehen Erklärungen sein Wohlwollen für sie bekundet hat. Oberrabbiner Dr. Allcaley, das geistliche Oberhaupt der Juden Jugoslawiens und ihr offizieller Repräsentant im Senat, gehörte zum Kreis der persönlichen Freunde des verstorbenen Königs. Repräsentanten des jugoslawischen Judentums unter Führung des Oberrabbiners Dr. Alkaley nahmen an־ der feierlichen Sitzung des jugoslawischen Parlaments, in der die Mitglieder des neuen Regentschaftsrates vereidigt wurden, Anteil und Unterzeichneten mit das Treuegelöbnis. Vertreter des Judentums waren zu allen Trauermanifestationen eingeladen. Aus Erez Jisroel. Stadtratswahlen in Jerusalem. — Agudistischer Wahlsieg. — Verrat des Misrachi. — Aufschwung der Agudas Jisroel. — Beth-Jacob-Schulwerk. — Schmiras Schabbos. — Wird ein Jude Bürgermeister von Jerusalem? Die Wahlen in den Stadtrat von Jerusalem haben — die ״Jüdische Presse“ hat hierüber bereits ausführlich berichtet — einen bedeutenden Wahlsieg der Agudas Jisroel gebracht. Von den sechs gewählten jüdischen Stadträten gehören zwei der Agudas Jisroel an, während die anderen jüdischen Parteien, selbst die allmächtige ״Histadruth“, nur je einen Vertreter entsenden konnten. Außerordentlich *interessant waren die Vorgänge vor und um die Wahl. Die Agudas ,Jisroel, die nach wie vor in allen religiösen Fragen ihre vollkommene Selbständigkeit und Unabhängigkeit wahrt, hat es mit Zu- Stimmung des Oberrabbiners Duschinsky für ihre Pflicht gehalten, dem Einheitswahlblock . beizutreten, zumal die Tätigkeit des Jerusalemer Stadtrates eine rein administrativ-technische ist. Die gesamte jüdische Presse des Landes hebt diesen Umstand besonders hervor und erklärt, daß ein Großteil des Verdienstes für den Erfolg der jüdischen Einheitsliste der Agudas Jisroel zuzuschreiben ist. Demgegenüber wird auf die klägliche Stellung des Misrachi hingewiesen, der, obwohl er ja bekanntlich in einem, man möchte fast sagen: abscheulichen Hörigkeitsverhältnis zur zionistisehen Organisation steht, gerade bei den Stadtrats wählen die Einheitsfront durch eine eigene Kandidatur gebrochen hat. Daß er trotz der exponierten Unter- Stützung durch Raw Kuk ohne Mandat geblieben ist, war sein verdientes Schicksal und zu einem großen Teil auf seine eigene Zerrissenheit und Zersplitterung zurückzuführen. Die verräterische Handlungsweise des Misrachi findet einmütige Ablehnung. Die Jerusalemer Stadtratswahlen haben übrigens zum ersten Male die Führer der Jerusalemer Orthodoxie, mit Rabbi Mosche Blau an der Spitze, in gemeinsamen Versammlungen mit den übrigen Parteien sehen lassen und es ist bezeichnend, daß de’r Wahlsieg auch von den der Orthodoxie fernstehenden Kreisen in der Sukkoh des orthodoxen Oberrabbiners, Raw Duschinsky, gefeiert wurde Während der Sukkostage fanden in ganz Erez Jisroel zahlreiche Versammlungen und Zusammenkünfte der agudistischen Gruppen statt. Im allgemeinen zeigt sich ein fortwährender Aufstieg der Agudabewegung im heiligen Lande, zu der sich bereits viele tausende Mitglieder zählen. In Haifa wurde eine neue Poale-Agudas-Jisroel-Gruppe gegründet, der besondere Bedeutung beizumessen ist. Hier, in dem Einfallstor vieler orthodoxer Chaluzim, wird die Gruppe für die Aufnahme und Unterbringung der agudistischen Olim sorgen. In Gederah wurde ebenfalls von deutsehen Gesinnungsgenossen eine Gruppe der Poale-Agudas- Jisroel auf den Namen des ״Chofez Chajim“ s. Z. 1. gegründet. Auch das orthodoxe Schulwerk entwickelt sich sehr befriedigend. In Jerusalem wurde jetzt von orthodoxen Einwanderern aus Deutschland eine Schule unter dem Namen ״Choren“ gegründet, die mit Zu- Stimmung von Raw Duschinsky eine glückliche Synthese zwischen dem deutschen ״Thora־im-Derech־Erez“־Prinzip und den Bedürfnissen der Heiligkeit des Landes darstellt. Die Leitung der Schule liegt in den Händen des Herrn Dr. Jonas Kohn aus Hamburg. Auch in Rishon-Ie-Zion und in Her.zlia wurden aus den Mitteln des Keren Hajischuw aufblühende Lehrstätten errichtet, die nun auch den umliegenden Kolonien dienen. In Natania und in Herzlia werden durch die Unterstützung des Keren Hajischuw Mik wo aus errichtet. ... Sehr erfreulich ist die Entwicklung des Beth- Jakob-Mädchenschulnetzes . in , Erez Jisroel. In Jerusalem bestehen zwei Beth-Jakob-Schulen, die eine für die Kinder des alten Jischuws, die andere für aus Deutschland und Polen zugewanderte :Kinder, Nun wurde durch Frau Jetta Neuberger-Rosenheim auch ein Kindergarten eröffnet. Tel-Awiw unterhält■ ebenfalls eine! Beth-Jakob-Schule und einen Kindergärten". Die Beth-Jakob-Schule in Liberias zählt;etwa hundert■: fünfzig Schülerinnen und auch die Schule in Petach- Tikwah erfreut sich zunehmender Inanspruchnahme. Im Zusammenhang mit den Jerusalemer Stadtratswählen haben wir über die im Gange befindlichen Be- Strebungen berichtet, daß an Stelle des bei der Wahl durchgefallenen arabischen Bürgermeisters Nashashibi ein J u d e zum Bürgermeister von Jerusalem bestellt werde. Diese Bestrebungen finden ihre Berechtigung in dem Umstand, daß unter den insgesamt zwölf Stadtverordneten sechs Vertreter der Juden sich befinden, während die Araber nur vier und die Christen nur zwei Vertreter besitzen. Diese Bestrebungen finden aber auch noch eine Unterstützung in den inneren Kämpfen, die sich zwischen den Arabern und den Christen abspielen, und außerdem setzt sich der gestürzte Bürgermeister Nashashibi für einen jüdischen Nachfolger ein, um sich auf diese Weise an seinem siegreichen Gegenkandidaten zu rächen. Es wäre also zu erwarten gewesen, daß diese Bestrebungen Erfolg haben• werden, wenn, ja wenn — die hohen Herren der allgewaltigen ״Histadruth" nicht auch hier wieder ihre Quertreibereien spielen lassen würden. Der ״Doar Hajora“ weiß unter großer Aufmachung zu berichten — und die Redaktion erklärt, für den Bericht die volle Verantwortung zu übernehmen —, daß in Unterredungen, die von Regierungsseite mit Fühfern der Histadruth, die auch dem Waad-Leumi angehören, * geführt wurden, diese jüdischen ״Führer“ erklärt haben,•daß die Wahl eines Juden zum Bürge rmeister von Jerusalem unerwünscht sef. In einer Konferenz —: erzählt der ״Doar Hajom“ weiter —, die zwischen Vertretern des Waad Leumi, der Agudas Jisroel und den neugewählten Stadträten stattgefunden hat, soll der Führer der Histadruth imd Mitglied der zionistischen Exekutive Mosche Shertok noch weiter gegangen sein. Mosche Shertpk erklärte, daß die Juden selbst auf die Stelle des ersten V iz ebürgermeisters zu verzichten hätten.■ Die jüdische Oeffentlichkeit im ganzen Lande ist ob dieser Vorgänge furchtbar empört. Wir glauben, daß sich diese Handlungsweise, aus dem Widerspruch zwischen jüdischem (besser gesagt: ünjüdischem) Nationalismus und marxistischem Internationalismus geboren, selbst richtet und keines Kommentars bedarf. ־:« (Weitere Berichte aus Erez Jisroel siehe ״Von Woche zu Woche“.) י Räumungsverkauf ■י«■ Otlunar Schiff Wegen anhaltender Stagnation wird das Lager zu tief reduzierten Preisen geräumt. Scheitel bereits von S 60.— aufwärts, Halbperücken (früher S 100.—, jetzt nur S 70.—). 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