Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 20 (1934)
- Issue
- 37 (5.10.1934)
- Date
- 1934-10-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- Oradea 2× ep/1002404
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Nr. 3t JtfftlSCttB PRESSE Seite 3!Religion und Moral und ־ihre unverschleierte und rückhaltslose Verwirklichung Im Leben, die magische Kraft bilden, welche die Jugend ins zionistische Lager ziehen. Genau so wie das Christentum nur dank der von ihm gebotenen diversen Erleichterungen des religiösen Lebens unserem Glauben den!Rang ablaufen konnte, so hatte der Zionismus bei einem großen Teil dere jüdischen Jugend, insbesondere bei der unrichtig erzogenen, in dem Moment gewonnenes Spiel, da er ein jüdisches Leben ohne jüdische Religion und ohne jüdische Moral, ja gegen dieselben, möglich machte und für diesen Ablaßzettel bloß den Spottpreis des nationalen Glaubensbekenntnisses forderte. Um mich deutlicher auszudrücken: Den hauptsäch* lichsten Anreiz zum Anschluß an den Zionismus übt nach meinem Dafürhalten auf unsere Jugend das vom Zionismus in ״guter JUdischkeit" ermöglichte Hefkerus. Das Palästina-Programm als Dekorum und Beruhtgungsmittel der von religiösen Skrupeln gepeinigten Herzen wird bloß als nicht besonders schwere Zuwage mit in den Kauf genommen. rv. Ganz vergebens wird Agudas Jisroel die nicht durch recht- und frühzeitig angewendete Erziehungsmittel, in erster Reihe durch Thorastudium, widerstandsfähig gemachte Jugend durch Aufzeigen einer großzügigen Erez- Jisroel-Tätigkeit in ihren Bannkreis ziehen wollen, das blendende Licht des dort gebotenen religionslosen Lebens wird sie unlösbar an den Zionismus fesseln. Unsere Erez-Jisroel-Tätigkeit kann nur den allerdings gewaltig großen Zweck haben, das Heilige Land, soweit es in unseren Kräften steht, als heiliges Land zu erhalten und der Thora ihre Heimatsberechtigung im Lande der Väter auch fernerhin zu sichern. Zur Erhaltung unserer Jugend ist eine unerhörte Kraftanspannung aller Kräfte zwecks Reorganisierung und Ausbaues des Chinuchs höchst notwendig. Von der Pike auf richtig und im Thorageist erzogene Jünglinge werden in den allerseltensten Fällen der Väterlehre die Treue brechen. Ist es nach Gesagtem gar so ungeschichtlich gedacht, wenn gerade im Interesse der Steigerung der Betätigungslust zugunsten Erez Jisroels im Kreise der Orthodoxie mehr die Hinweise auf die unschilderbaren Schäden, welche der Zionismus der Religion und Sittlichkeit in Erez Jisroel zugefügt hat, gewünscht werden, als diejenigen, welche seine materiellen Erfolge hervorheben wollen? * Nachwort der Redaktion: Obwohl wir mit dem in Nr. 34 unserer Zeitung veröffentlichten Aufklärungsartikel Dr. Isaak Breuers die Diskussion über dessen Erez-Jisroel-Ideologie abgeschlossen wissen wollten, rollt Herr Reiner in dem vorliegenden Aufsatz das ganze Thema noch einmal auf. Wir fühlen uns zur Veröffentlichung veranlaßt, weil wir jeder Richtung im orthodoxen Judentum freie Meinungsäußerung in unseren Spalten gewähren, obwohl wir mit Dr. Breuer für die intensivste Erez-Jisroel-Arbeit eintreten. Zwischen Dr. Breuer und!Samuel Reiner Hegen weltanschauliche Differenzen tiefer Natur, durch die Atmosphäre der Umgebung und durch Ueberkommenheit begründet. Beide wissen ein großes ׳Lager orthodoxer Juden hinter sich. In vielen Punkten allerdings — sie scheinen uns sogar vorwiegend und für die praktische Arbeit entscheidend zu sein — können wir eine Uebereinstimmung feststellen, weswegen wir die persönlichen!Schärfen hüben und. drüben lebhaft bedauern. Wie wäre es übrigens, wenn sich beide Herren von der Rücksichtnahme auf den Zionismus ein wenig befreien und ihre Ideologie lediglich auf der Bewertung der rein orthodoxen Verhältnisse, auf der uns über alles heiligen und allein entscheidenden Lehre und Ueberlieferung, aufbauen wollten? t daß die Nerven versagen, wenn quälendes Herzklopfen und hoher Blutdruck Besorg* nisse erregen, wenn Schlaf* Störungen Ihr Wohlbefinden im allgemeinen nachteilig beeinflussen und das zunehmende Alter mehr Sorge für Ihre Gesundheit erfordert, ist es höchste Zeit an Kaffee Hag zu denken• Der echte Kaffee Hag schützt Sie vor der Wirkung des Coffei ns, weil er garantiert coffeinfrei ist. Kaffee Hag schont Herz und Nerven, laßt Ihnen aber den köstlichen Genuß eines echten, feinen Bohnenkaffees und verursacht keine Schlafstörungen. Darum ab heute Ifilliffhn Elf AM I Kaufet Schulbücher IIIIIMIIk1 für Eufre־ Kind er in der LI 11(111! B U C HHA N D L U N G MnUfU Wien II, fTabörstraüe 20a ■ KM In Telephon: R-45305־ Lehrbücher für Volks-, Haüpt- und Mittelschulen in den vorgeschriebenen Auflagen auf Lager. — Verzeichnisse kostenlos; Katastrophale Lage 300 ״illegaler66 Palästina-Wanderer. Drei junge Menscheu ertrunken. Wie dem ״Czemöwitzer Morgenblatt“ aus Conjs t a n t z a gemeldet wird, haben 300 jüdische Auswanderer aus Polen und anderen Ländern, welche über Rumänien nach Palästina gelangen wollten, sehr schwere Erlebnisse gehabt. Diese 300 Palästina-Auswanderer ׳besaßen keine Zertifikate. Die englischen Behörden gestatteten ihnen daher nicht die Landung auf palästinensischem Boden. Das Schiff, auf dem sie sich befanden, setzte dann, seine Fahrt nach Piräus fort, wo die 300 Aus- Wanderer ans Land stiegen. In Piräus traten die Aus- Wanderer mit einem Schiffsbesitzer in Verhandlung, der sich bereit erklärte, sie nach Haifa zu bringen und ihnen zu; ermöglichen, ans Land zu kompien. Die englischen Behörden erfuhren aber davon. Als die Aus- Wanderer das Schiff verließen und in Booten da$ Land AUCH FÜR PENSION 1. bei Berufsunfähigkeit INVALIDITÄTS-RENTEN 2. für ein sorgloses Alter ALTERS-RENTEN 3. im Ablebensfalle ] HINTERBLIEBENENRENTEN ZU GÜNSTIGEN BEDINGUNGEN III« V E R SICH E R U N C S- AKTIE N - G E S. PENSIONS-VEREIN WI EN, I., SCH Et LI NGO Ä SSE 1 zu erreichen versuchten, trafen mehrere englische Polizei boote ein. Es kam' "zu einer Jagd auf die Boote, in denen sich die Auswanderer befanden. Ein Boot kippte um und drei Jünglinge ertranken. 80 junge Leute wurden von den englischen Behörden gefangengenommen. Den restlichen gelang es, das Land zu erreichen und sich in Sicherheit zu bringen. Erste Jahrzeit nach dem Lubliner Raw זצ׳ל Am 7. Cheschwan jährt sich zum ersten Mal der Todestag des unvergeßlichen Lubliner Raw s. Z. 1., Rabbi Meier Schapira, des Schöpfers der ״Jeschiwas Chachme Lubin". In Lublin erwartet man für diesen Tag einen Massenbesuch der Grabstätte lies verewigten Gaon. Mittels Autobussen und Sonderzügen werden Tausende Juden aus ganz Polen nach Lubfjn kommen. Aus Anlaß, des Jahrzeittages werden fast in allen größeren Orten Polens Gedächtnisveranstaltungen für den Lubliner Raw veranstaltet werden. Bis zum 7. Cheschwan wird eine großzügige Sammelaktion für die Lubliner Jeschiwah durchgeführt. Fünf Jahre ״Jüdisches Tagblatt66• Die in Warschau erscheinende agudistische Tages- Zeitung ״Dos jidische Togblat“ ,ist mit der diesjährigen Rosch-Haschonoh-Nummer in dassechste Jahr ihres Erscheinens getreten. Die Zeitung, die während dieser Zeit ohne Unterbrechung täglich erschienen ist, hat in Polen eine überaus starke Verbreitung gefunden und gehört heute zu den führenden Blättern. Durch einen erstklassigen Mitarbeiterstab und einen guten Nachrichtendienst hat das Blatt sich viele zehntausende Freunde geworben. Das ״Togblat“ hat auch dadurch an Bedeutung gewonnen, daß es das Organ der agudistischen politischen Vertreter ist, deren Politik sich bekanntlich im Gegensatz zu der zionistischen Minderheitspolitik als glücklich erwiesen hat. Autopannen-Behebung unterwegs. Eine gute und gediegene Fahrschulausbildung hat nicht nur die Vorbereitung zur Lenkerprüfung zum Ziele, sondern die Verraittlung von Fach- und Fahrkenntnissen, die den Schüler zum sicheren Fahrer machen, der keine Unfälle verursacht und sich bei Pannen selbst zu helfen versteht. Mit diesen bewährten Prinzipien unterrichten die renommierten: Neudegger Automobil- und Motorrad-Fahrschulen, Wien, VIII., Neudeggergasse 18 (Ecke Lerchenfelderstraße 18), Telephon B-46-5-72, und Inzersdorf (Nied.-Oest.).' In der Neudeggergasse 18 kann auch ganztägig kostenlos das einzigartige, mit Kraftstrom betriebene Lehrchassis — das laufende Auto im Lehrsaai — ,besichtigt werden. E e&sLv•!1 woebfi \Mpzw wuchc ln B’er Tuvia in Palästina wurden Sparen einer O et quelle entdeckt. iHe Palästina-Regierung hat Bohrungen in dieser Gegend ohne besondere MtUtubnlS verboten. — In Deißten an der Saar wurde am dom- Kippurt während die jüdische Bevölkerung in der Synagoge weilte, der jüdische Friedhof geschändet. Es wurden 200 Gräber beschädigt und SB Grabsteine!zertrümmert. Diese vandalische Tat dürfte von Nationalsozialisten verübt worden sein. — Die Synagoge in Buer (Westfalen) ist geschändet worden. Sämtliche Fensterscheiben wurden eingeschlagen und das Innere des G-tteshauses wurde durch Steine und Unrat verunreinigt. Der Oberbürgermeister wurde vom Synagogenvorstand gebeten, Schutz- Vorkehrungen zu treffen. — Entgegen dem geltenden Klagemauer- Reglement hat am Jom-Kippur ein gewisser Chaim Rüben Horovitz versucht, an der Klagemauer Schofar zu blasen. Horovitz wurde verhaftet. Zu weiteren Folgen hat der Zwischenfall nicht geführt. — In Sowjetrußland waren am dom- Kippur sowohl die Synagogen als auch die von kommunistischer Seite veranstalteten antireligiösen Versammhingen stark besucht. In einem Falle fanden sogar beide Veranstaltungen unter demselben Dach statt. Viele Juden gingen zeitlich morgens in die Synagoge, um dann, unter dem Druck der kommunistischen Propaganda, zur übliehen Zeit an ihren Beschäftigungsort zu eilen. — In den Monaten Mai bis August 19S4 betrugen die jüdischen Geburten in Wien 286 (158 männlieh und ISS weiblich) und die Sterbefälle 752. — Das Londoner Komitee für Hilfe an die russisehen Juden hat bei der Sowjetregierung die Erlaubnis zur Einfuhr eines bestimmten Quantums koscherer Fleischkonserven erwirkt. — Wie die Jüdische Telegraphenagentur erfährt, wird der Völker bundrat beschließen, daß das Saargebiet, wenn auch die Abstimmung zugunsten Deutschlande ausfallen sollte, nur dann mit dem Deutschen Reiche vereinigt werden dürfe, wenn die deutsche Regierung die Gleichberechtigung der saarländischen Juden anerkenne. — In Lodz fanden antijüdische Unruhen statt, bei denen zwei Juden verletzt wurden. — Der R ei ohsbankpr äsident Schacht erklärte, daß die jüdischen Firmen bei der Zuteilung von Rohmaterialbeschaffungsbewilligungen bevorzugt werden, weil den Exportfirmen die Beschaffung von Rohmaterialien in erster Reihe ermöglicht werden muß, und sich die Exportfirmen hauptsächlich in jüdischen Händen befinden. —- Die vor kurzem wegen illegaler Einwanderung nach Palästina verurteilten jüdischen Flüchtlinge aus Sowjetrußland mußten Palästina verlassen, trotzdem der Richter in seinem Urteil den Behörden die Erteilung der Niederlassungserlaubnis empfohlen hatte, weil diese aus politischen. Gründen nach Spwjptfüßlantf.nicht ’ zurück-״ kehren können. .־..... — Die griechische Regierung hat 880 deutsehen Juden eine vorläufige Aufenthaltsbewilligung auf der griechischen Insel 8 y r a. gewährt. — Am 25. September, Erew Sukkos,' fanden in Lemberg von antisemitischen Huligans veranstaltete Exzesse statt, bei denen mehrere wehrlose jüdische Frauen und Greise verprügelt und verletzt wurden. Die Huligans gossen Säuren in jüdische Geschäfte, durch die Feuer entstanden und zwei Juden lebensgefährliche Verbrennungen erlitten. . . . . — Im Alter von 109 Jahren v er starb in Dubno der dortige Rabbiner Mendel Ro senf e I d. Der Verstorbene, der sich einer großen Beliebtheit unter der jüdisehen Bevölkerung erfreute, wßr seit sechzig Jahren Rabbiner der Stadt Dubnoi — Vergangene Woche wurde in Paris der Erste internationale Kongreß der Liga .zur Bekämpfung des Antisemitismus eröffnet, bei dem Delegierte aus mehreren Ländern anwesend waren. — Die Palästina-Re gierung beschäftigt sich mit dem Plan der Trockenlegung einer Reihe von Sümpfen in Palästina, die im heurigen Jahre durchgeführt werden sollen. Unter den Sümpfen befinden sich auch solche in nächster Nähe jüdischer Siedlungen. — In einem von Bukarest nach Czemawitz fahrenden Zug wurden in der Vorwoche die j.üdischen Reisenden von Angehörigen der ,^Eisernen Gardeie überfallen und in brutalster Weise mißhandelt. Die Huligans entkamen, bevor die Gendarmerie eingriff. Auch zwei Ausländer, die für Juden gehalten wurden, sind attackiert worden'. — Wie die ungarisch-jüdischen Zeitungen melden, wurden in vielen Orten Ungarns die Wochen- und Jahrmärkte mit Rücksicht auf die hohen jüdi- 8chen Feiertage verschoben. — Am 7. Tischri fand in Groß wardein (Oradea, (Siebenbürgen) die Grabsteinweihe des bekannten agudistischen Führers David Kohn statt. Die Weiherede hielt Oberrabbiner Benjamin Fuchs, der die jüdische und menschliche Größe David Kohns schilderte. Es sprachen noch: Ludwig Freund namens der Agudah und Josef Schwartz namens der wohltätigen Vereine, deren freigiebiger Gönner David Kohn stets war. — Zum Oberrabiner der orth. isr. Gemeinde von Fiume wurde Rabbiner Hermann Klein, Berlin, der frühere Oberrrabbiner von Kronstadt und Eisenstadt, gewählt, — Die orth. Ghewra Kadis oha in Großwardein (Neurumänien) hat beschlossen, das Ghewra- Spital mit einem Neubau, dessen Kosten 650.000 Lei betragen, zu ergänzen. — In der letzten Zeit hat es sich wiederholt ereignet, daß die ungarischen Behörden J eschiwoh- Zöglinge, welche aus dem Ausland zwecks Ergänzung ihres Thorawissens nach Ungarn kamen, ausgewiesen haben. Nach mehrmaligen Interventionen ist es nun gelungen, an zuständiger Stelle durchzusetzen, daß diese Zöglinge mit den ausländischen Studenten gleichgestellt werden und so lange AüfenthaltsbewilUgung erhalten, solange sie an einer behördlich angemeldeten und konzessionierten Jeschiwoh lernen, B. Grün, n״ Taborstraße 8 b, Tel. R-42-3-Q6, Atelier für feine Berrengarderobe, מ wiMWiga