Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 20 (1934)
- Issue
- 37 (5.10.1934)
- Date
- 1934-10-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE PRESSE Nr. 3t Der tschechoslowakischen Agudah-Tagung zum Gruß! Noch istdle Festesfreude der vergangenen Tage nicht verklungen, noch leben wir alle in den beseligenden Gefühlen der vergangenen heiligen Festes* nnd Freit* dentage, die, zur Sammlung gemahnend, das ver* gangene Jahr ernst und würdig abschlossen und das neue weihevoll und festlich einleiten. Noch .־haben wir alle etwas von der Weihe der vergange* nen Wochen hinübergerettet In den herbstlichen Alltag und schon stehen wir glaubenstreue Juden der Republik am Beginne neuer Taten für unsere Emunoh, der zu dienen unser ererbter und erkämpfter Lebenszweck ist. Der Moment scheint uns zu groß, der Augenblick zu ernst, die Sache zu hoch und der Rahmen zu erhaben, um ihn mit Kritik des Vergangenen auszufüllen. Wie jeder כנוס לצדיקים so erfüllt uns die heurige Delegiertentagung der tschechoslowakischen Orthodoxie mit der bestimmten Hoffnung, daß sie nur Gutes für sich J. H. DÜSCHINSKY Read of the Ashkenasic Jewish Community in JERUSALEM and Chief Rabbi of the orthodox Jewry in Palestine Uebersetzung. An die Oberhäupter und Führer in Jisroel, die versammelt sind zur Landestagung der Agudas Jisroel in der Tschechoslowakei, Preßburg. Nach besten Wünschen für Euer Wohlergehen. Habet die Güte, meinen innigen Segen für Eure geehrte Landesversammlung der Agudas Jisroel entgegenzunehmen, die dazu dient, zu stärken und zu heben die Thora und die Jüdischkeit, zu festigen die Mauer des orthodoxen Judentums, in einer Stunde, in der sie der Stärkung und Förderung bedarf. Haschems Wohlwollen sei über Euch, Eure Arbeiten zu fördern. Sein heiliger Geist lenke Eure Beratungen, damit all Eure Handlungen glücken sollen, zur Ehre des Allmächtigen, gesegnet sei Er. Denket von der Ferne an das Heilige Land und Jeruscholajim erhebe sich vor Eurer Versammlung, materiell und geistig zu stärken die Grundlagen des alten Jischuw, zu festigen die wankenden Knie zehntausender orthodoxer Juden im ״Erez ha' Zwi“, die im Lager G-ttes zur Rettung des treugebliebenen Restes unseres Exils im teuren Lande stehen. In den Mittelpunkt Eurer Tätigkeit stellet den Aufbau des Heiligen Landes im Geiste der Thora und Uetoerlieferung, die Erhaltung der bestehenden und die Hinzufügung noch vieler religiöser Siedlungen, um wieder aufzupflanzen die Verwüstungen und auf zubauen die Ruinen und zu vergrößern die Ehre des orthodoxen Judentums in Erez Jisroel. Möget Ihr alle erleben die Rückführung nach Zion durch den Ewigen in großer Barmherzigkeit, die Erlösung und Hilfe Jisroels und den Aufbau des Heiligen Landes in Bälde, Amen, wie es der Wunsch ist des mit Segen zeichnenden Josef Zwi Duschinsky. יוסח צב״י דושינסקיא דב ואנ״ד למקהלורו האשכנזים בעיה־גן ירושלים תובק״א ורב ראשי של היהדות החרדית בארץ ישראל ב׳ה- יום י׳ז לחדש אלול שנת חרצ׳ד פעודק ירושלם ודו. למעלת בבור אלופי וטובי ראשי אלפי ישראלי הנועדים בהועדה הארצית של אגודת ישראל במדינת סלובוקיי שליט״א ם ר ע ש ב ו ר ג. הטיבו נא לקבל את ברכתי העמוקה לאספחכם הנכבדה הארצית תהת דגל אגודת ישראל לחוק ולרומם קרן התורה והיהדות ולבצר אח הומת היהדות החרדית בשעה שהיא צריכה חזוק וערוד, יחי נועם ד׳ עליכם לכונן אח פעלכם׳ ורוח הקדש תופיע על עצתכם להצליח אח כל אשר תעשון למען כבוד שמו יתברך. זכרו מרחוק את ארץ הקדש וירושלם תעלה על אספחכם לחזק את יסודי הישוב הישן בחומר וברוח ולאמץ ברכים כושלות רבבות היהודים החרדים בארץ הצבי העומדים בחזית מערכת ד׳ לגונן ולהציל את שארית פליטחנו כארץ. המרה׳ ובמרכז פעולותיכם חעמודו את בנין ארץ הקודש על פי התורה והמסורה, החזקת הקיים ולהוסיף עליהם‘ ישובים חרדים כהנה וכהנה לטעת הנשמות ולקומם הנהרסות ולהגדיל ככור היהדות ההררית בארץ ישראל ולהאדירה. ועיני כולכם תחזינה בשוב ד׳ לציון ברחמים רבים ובגאולת ותשועת ישראל ובנין ארצנו הקדושה בב*א, בעתירת החותם בברכה מרובה יוסה צנ״י דושינסקיא. selbst und nur Wohltuen des für die ganze Welt produzieren wird. Es ist richtig, daß die Arbeit der tschechoslowakischen Agudas Jisroel als Organisation lange, viel zu lange, geruht hat. Es ist aber ebenso richtig, daß die tschechoslowakische Orthodoxie in kleiner Kehillo- Alltagsarbeit einen Großteil der Arbeit vorweggenommen hat. Sie alle, Männer und Frauen, Jungen und Mädchen, die in ihren Familien-, Freundes- und Gemeindekreisen für die Erstarkung^ der glaubenstreuen Idee, für den Ausbau׳ der traditionellen Institutionen, gewirkt haben, sie alle haben — ob be* wußt oder unbewußt, ob organisatorisch innerhalb Agudas Jisroel oder nicht — agudistische Arbeit geleistet und den Boden für unsere Idee gelockert. Wenn uns auch die Sache über der Form steht und wir ihnen allen für ihre Arbeit Dank wissen, so müssen wir sie doch heute, am Vorabend neuer Arbeitsintensivierung, bitten, ihr segensreiches Wirken in den Rahmen der Gesamtorganisation der Weltorthodoxie zu verlegen. Es ist ein Schlagwort der Zeit, das von der Konzentrierung all er Kräfte spricht. Und wir wollen das Gute nehmen, woher es kommt, und auch unsere Kräfte im Dienste unserer heiligen Aufgabe zusammenfassen, damit wir den zeitbegrenzten Erfolg für uns entscheiden, bis die g-ttliche Vorsehung die geistig zerklüfteten Teile und versprengten Glieder unseres Volkes zusammenführen wird zu einem heiligen Volk, erfüllt von dem heiligen Wunsch nach Erfüllung unserer Sehnsucht nach dem heiligen Lande. Die Stadtratswahlen in Jerusalem Zwei Ägudisten gewählt Am 26. September fanden nach einer achtjährigen Pause die Stadtratswahlen in Jerusalem statt. Auf der vereinigten jüdischen Liste wurden drei Stadträte gewählt, die Agu di st e n Samuel Eden und Joseph ■Hachmashvili (Sepharde) und der Zionist Hyam Solomon. Drei jüdische Vertreter wurden bereits anfangs September ohne Opposition nomi niert. Somit werden die Juden im Jerusalemer Stadtrat von ,insgesamt zwölf Mandaten sec h 8 Vertreter haben. Drei jüdische Splitterlisten, unter ihnen die Zionisten- Revisionisten, gingen mandatslos aus. Die von Rabbiner Kuk unterstützte Liste des ״Misrachi" ist ebenfalls ohne Mandate geblieben und konnte nur wenige Stimmen erreichen. Das Hauptergebnis der Wahlen ist die Niederlage des bisherigen Bürgermeisters Ragheb Bey Nashashlbd. Der siegreiche Gegenkandidat Nashashibis ist Dr. Hussein Fa.kri el Khaldi, der nun zweifellos zum Bürgermeister von Jerusalem ernannt werden wird. Dr. Khaldi war vor seinem kürzlich erfolgten Austritt aus dem Gesundheitsdepartement der Palästina-Regierung 15 Jahre in dieser Stellung tätig. Er entstammt einer angesehenen palästinensischen moslemitischen Familie. Zwei seiner. Großonkel waren in dem ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts hintereinander Bürgermeister von Jerusalem.-^ Gegen den geschlagenen Kandidaten Ragheb Bey Nashashibi hat sich im Laufe der Zeit in der jüdischen, Bevölkerung eine starke Opposition ׳herausgebildet. Die Wahlen verliefen ruhig. Schwer bewaffnete Polizeipatrouillen bewachten die Straßen der Stadt bis nach Bekanntgabe der Wahlresultate. Eine ernst gemeinte Anfrage. Von Samuel Reiner, Presov. T*'. So verlockend es auch erscheinen mag, das billige Wortspiel Herrn Dr. Isaak Breuers fortzuspinnen und mit gleicher Münze zu bezahlen, hauptsächlich aber aus seinen Reden und Artikeln selbst den Nachweis zu erbringen, daß (die Bezeichnung ״zionismusfreundlicher Neophyt“ ausgenommen, als den ihn nicht ich, wie Herr Dr. Breuer irrtümlich auffaßte, hinstellte, sondern die zionistische Presse hinstellen möchte) meine in Nr. 31 der ״Jüdischen Presse“ erschienenen und von Herrn Dr. Breuer als reiner Unsinn bezeichneten Feststellungen denn doch nicht so sinnlos waren, wie dies Herr Dr. Breuer sehr nachdrücklich glauben machen will, nehme ich dennoch ziemlich leichten Herzens von diesem Vorhaben Abstand. Und dies schon aus dem Grunde, weil ich mich mit diesem reinen Unsinn, wie dies Herrn Dr, Breuer sehr gut bekannt sein dürfte, in zahlreicher und besonders guter Gesellschaft befinde, so daß mir, wie leicht begreiflich, eine solche Invektive keinen besonderen Gram verursachen kann, die indirekt auch an die Adresse dieser illustren Gesellschaft gerichtet ist. Schließlich aber kann es ja nicht meine Intention bilden, mich mit aller Gewalt an den Glauben zu klammem, daß eine agudistische Persönlichkeit vom Format Dr. Breuers sich eine schwerwiegende ideologische Entgleisung hätte zuschulden kommen lassen, ebensowenig mich bei Abfassung meines Artikels ein anderes Bestreben geleitet hat, als dasjenige, das Eindringen einer unrichtigen und für die orthodoxe Gesinnung höchst gefährlichen Meinung vom Zionismus, wie sie die durch unsere Brillen ges e h e n e Breuersche Ideologie darstellt, in agudistische Kreise zu verhindern mitzuhelfen. Dieses mir gesteckte Ziel habe ich mit den offenherzigen Erklärungen des Herrn Dr. Breuer als ׳כעל דין dessen Aussagen auch sonst כמאה עדים zn werten sind, . vollkommen erreicht. Daß ich hiebei einige Keulenschläge ן in den Kauf nehmen mußte, was ficht’s mich an? H. Was ich nicht widerspruchslos zur Kenntnis nehmen kann und darf, ist der von Herrn Dr. Breuer gegen mich und Gleichgesinnte erhobene Anwurf, daß wir nicht geschichtlich zu denken vermögen, weil sich dieser Anwurf in der Hauptsache gegen solche richtet, die nicht erst seit heute die brennende Notwendigkeit einer ernsten agudistisehen Erez-Jisroel-Tätigkeit erkannt und sich mit vollster Entschlossenheit in den Dienst dieser heiligen Sache gestellt haben. Es soll ja nicht in Abrede gestellt werden, daß wir unter der von uns geforderten agudistischen Erez-Jisroel- Arbeit eine sich von der zionistischen nicht bloß durch Mittel und Wege, sondern hauptsächlich durch Ziel- Setzung grundsätzlich unterscheidende verstehen. Dies sollte uns aber viel eher eine Zuerkennung als eine Aberkennung des geschichtlichen Denkvermögens eintragen. Ist es denn nicht viel geschichtlicher gedacht, wenn wir mit unserer Erez-Jisroel-Tätigkeit die Schaffung von größeren G01usJSiedlungen im Heiligen Lande, aber nur solche, anstreben, als wenn wir, gegen die bisherige Tradition verstoßend, in das Gefasel von einem jüdischen Staate oder auch nur jüdischer Nationalheimstätte miteinstimmen wollten? Sollte denn über die durch die allerdings blühenden geschlosenesn jüdischen!Siedlungen im Heiligen Lande her* vorgerufene Fiktion einer jüdischen Nationalstätte, die in Wirklichkeit aber dem von breiten und tiefen Gräben umsäumten Fleck Erde gleicht, auf dem die exotischen Insassen eines modernen Tiergartens, durch die Genialität ihres Bezwingers getäuscht, sich wie frei bewegen, die beklagenswerte, aber feststehende Tatsache vergessen werden, daß Araber und Briten in rührender Eintracht stets Sorge tragen werden, daß die nationaljüdischen Bäume nicht in den Himmel wachsen mögen? Ist es nicht geschichtlich gedacht, wenn wir sagen, daß unsere Altvorderen, die sich wohl ihrer Pflicht von ישוב הארץ vollauf bewußt und von Liebe zum Lande der Väter schon damals entflammt waren, als es noch keinen Herzl gab, der ursprünglich die Judenfrage durch ein Massentaufen lösen wollte, vollkommen richtig dachten und handelten, wenn sie die Jugend zum intensiven ungestörten Thorastudium heranzogen und מצות ישוב הארץ durch die Besiedlung des Heiligen Landes mit reifen, g-ttesf ürchtigen Thoragelehrten erfüllen zu können glaubten? War es nicht so, daß es dazumal, da der Glaube an einen persönlichen Moschiach und an eine in übematürliehen Weise zu erfolgende Geülo noch. ganz ungetrübt war, niemanden, in den •Sinn kommen konnte,, die dem Thprastudium obliegende Jugend durch den Ruf zum Aufbau oder gar Wiederaufbau Erez Jisroels in ihrem g-ttgefälligen Studium zu stören? Und war es demzufolge nicht und ist es nicht geschichtlich gedacht, wenn man, so lange es nur irgendwie anging, mit der Mobilisierung der Jugend zögerte und diese nunmehr erfolgte Mobilisierung nicht als Ruf, es dem Zionismus nachzutun, auffassen will, sondern als Aufforderung zum Kampf gegen den Zionismus im Interesse der Erhaltung eines dem Imperium der Thora unterstehenden Gebietes? Oder wäre es wirklich geschichtlich gedacht, geschichtlich im Sinne der eine lange, imunterbrochene Kette von Wundern darstellenden jüdischen Geschichte, wenn wir eine der übernatürlichen Wunder baren Erlösung er-, warten und dementsprechend dem Erlöser Israels unsere Mithilfe bei Urbarmachung des Landes angedeihen lassen zu müssen glauben wollten? III. Schließlich sehen wir den springenden Punkt unserer Auseinandersetzung: die Jugend und ihre Zukunft. Ohne weiteres soll die Richtigkeit der Breuerschen Behauptung, daß das Gift der zionistischen Ideologie den. Empfängern oft selbst unbewußt auch in unserem Lande in die Reihen unserer Jugend dringt. Ich bin auch, wie bereits bemerkt, eines Sinnes mit all denjenigen, die sich für eine intensive Erez-Jisroel-Tätigkeit der Agudas Jisroel einsetzen. Bloß bezüglich der Wirkung und des Effekts einer solchen Tätigkeit gehen unsere Ansichten weit auseinander. Währenddem sich Herr Doktor Breuer von einer großzügigen Palästina-Arbeit, als einer die zionistische Anmaßung widerlegenden Tat, die Immunisierung unserer Jugend gegen das zionistische Gift verspricht, erlaube ich mir der Ansicht zu sein, daß sich diese Hoffnungen — möge unsere Tat wie heroisch immer sein — nur in sehr bescheidenem Maße verwirklichen dürften. Im Gegensatz zu Herrn Dr. Breuer, welcher der Meinung huldigt, daß der Jugend, die uns den Rücken kehrt, in erster Reihe der gewaltige Antrieb zur Tat, den nun einmal der Zionismus darstellt, am Zionismus gefällt und sie zum Anschluß an denselben veranlaßt, bin ich auf Grund persönlich gesammelter Erfahrung der Ueber- Zeugung, daß fast in allen Fällen der Fahnenflucht der zu uns gehörenden Jugend hauptsächlich die Theorien des. הפקרות der ungezügelten Anarchie auf ,allen Gebieten der