Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 20 (1934)
- Issue
- 37 (5.10.1934)
- Date
- 1934-10-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ORGAN FÜR DIB INTBRBSSBN DBS ORTHODOXEN JUDENTUMS. w äi. mwm*m. Redaktion und Administration: Wien, n., Malzgasse 12a, Telephon A-46-0-16. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381. Jugoslawien: Subotica, Zrinjski trg 31. Erscheint jeden Freitag. Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag, Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kc 80, Jugoslawien Dinar 150, das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen für ״Jüdische Presse“, Wien, auf fol* gende Postsparkassenkontl: Wien Nr. D-93.614, , Brünn Nr. 126.058, Berlin Nr. 122.619, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. Vin, 4117. Nr. 37 | Wien-Bratislava, 5. Oktober 1934 •ב״ה ווינא־פרעסבורג כ״ו תשרי תדצ׳ה 20. Jahrg. Die Parallelklassenverordnung I. Ein Anlaß, der an sich unsagbar belang־־ los ist, wurde durch die unbegreifliche Taktik der Wiener Jüdischnationalen und deren politischer Expositur, zu der sie seit ihrem Einzug die Wiener Kultus־־ gemeinde herabgewürdigt haben, in den Mittelpunkt einer Diskussion gerückt, die besser unterblieben wäre. Die ganze, maßlos aufgebauschte Angelegenheit zeigt aber schlag־־ lichtartig, wessen Jüdischnationale fähig sind und wessen man sich noch in Zukunft von ihnen wird versehen müssen. Seit Generationen wurden in Wiener Volks־־ und Mittelschulen nach konfessioneller Schichtung Parallelklassen geführt. Es wurde dies als eine durchaus vernünftige, sachlich begründete und zweckdienliche Maßnahme be* trachtet und gewertet. In manchen Jahrgängen, in denen eine Teilung infolge geringer Schüler־־ Zähl nicht möglich war, wurde die Gemeinsam־־ keit oft genug — störend empfunden. Erst die Glocke Ische Schulreform, der die Betonung konfessioneller Unterschiede schon wegen ihrer areligiös e n Grundprin z i? pien programmwidrig war, hat diese Teilung beseitigt. Nun hat die österreichische Unterrichts־־ Verwaltung diese durch das Reichsvolksschul* gesetz hinreichend, unterbaute Einrichtung reaktiviert. Statt nun die Sache so zu nehmen, wie sie ist, hat die Israelitische Kultus־־ gemeinde in Wien den Anlaß wahrgenommen, um eine Protestresolution, zu be־־ schließen, die ganz unbegreiflicherweise dem Erlaß Tendenzen unterschiebt, die nach den offiziellen und halb offiziellen Auslassungen, an deren Glaubhaftigkeit zu zweifeln absolut kein; Anlaß vorliegt, sicherlich nicht vorhanden waren. Welcher ernste und sächliche Grund liegt denn eigentlich vor, dem Erlaß a n t i* semitische Motive zu unterschieben? Was geschieht denn mit den jüdischen Schülern mehr oder weniger als mit den katholischen, protestantischen und andersgläubigen? Diese wie jene werden voneinander abgesondert und können so ihrer Eigenart ent? sprechend behandelt werden. Das ist eben־־ so sachlich begründet wie logisch begreiflich. Oder scheint es der jüdischnationalen Ideologie logischer oder berechtigter, wenn in gemein־־ samen Klassen der jüdische Schüler jeden Morgen das ״Vaterunse r“, das den Katho* liken heilig ist, stehend anhören muß, ohne zu wissen, wie er sich dabei richtig verhalten soll? Ist es etwa jüdischnational besser, wenn die einen oder die anderen aus der gemeinsamen Klasse zur Religionsstunde das Zimmer ver* lassen müssen, statt daß — wie es bei den Parallelklassen der Fall ist — der Unterricht reibungs* und störungslos verläuft? Oder inter־־ essiert es diese Herren überhaupt nicht, daß bei Schaffung rein jüdischer Klassen der Lehr־־! plan so erstellt werden kann, daß auf die ' Religionsgebote der Sabbath־־Heiligung Rücksicht genommen wird, während es doch sicherlich schultechnisch schwieriger ist, in ge* meinsamen Klassen einen Teil der Schüler an Samstagen schreiben zu lassen und einen an־־ deren Teil nicht? Die Schulverwaltung macht technische und finanzielle Gründe geltend. Wir glauben sie ihr. Aber selbst wenn diese nicht vorhanden wären, sehen wir keinen Anlaß, um die Verordnung sachlich abzulehnen. Nur eine verbohrte jüdischnationale, Partei־־ doktrinäre, ebenso wie nur eine endgültig zum Tode durch Vergessen werden verurteilte liberalistische, vormärzliche Ideologie können dieser Verordnung Tendenzen impu* tieren, die sachlich vollkommen unbegründet sind. Wir gehen noch weiter und sagen, daß wir uns über diese Verordnung freuen, weil wir in ׳ihr eine mögliche Vorstufe für die' rein konfessionelle Schule sehen, die unser Ideal ish^die wir, allerdings nicht, wie die Wiener Jüdischnationalen und die von ihnen beherrschte Kultusgemeinde, als nationale Minderheitsschule, sondern als׳ religiöse Erziehungsstätte‘ uns vorstelleri, deren Grundlage der rein jüdisch־־religiöse Geist sein soll und muß. Selbst wenn der Kampf gegen die Ver־־ Ordnung nicht gegen sie selbst, sondern gegen deren befürchteten möglichen Mißbrauch durch nachgesetzte Organe gerichtet sein sollte, ist er unbegründet, wie es die inzwischen er־־ schienene Nachtragsverordnung beweist. Soweit zur Sache selbst. II. Man könnte mit dieser Feststellung zur : Tagesordnung übergehen, wenn־ sie nicht ein־־ mal klar zeigen würde, wohin die Unglück־־ selige jüdischnationale Minder־־ heitspolitik steuert. Die österreichische Regierung und die'über־־ wiegende Mehrheit der . österreichischen Be־־ völkerung führen einen h e 1 d e n h ä f £ e n Kampf, der durch kostbarste Blutopfer ge־־. Der Rigaer Stadrat hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, die jüdisch-orthodoxe ״Thora-im-Derech- Erez“-Schule den anderen städtischen Schulen gleichzustellen und für das Budget derselben aufzukommen. Mit dem nächsten Schuljahr wird die Schule in ein städtisches Gebäude übersiedeln. In einer Reihe bisher nicht religiös verwalteter zionistischer und linker jüdischer Schulen, die seit dem Leistungsfähigstes Möbelhaus M. Redler/ Wien 1, Sdiottenring 35 Telephon Ä-12-9-78. Gesamtausstattungen von der billigsten bis zur feinsten Ausführung. Uebemahme sämtlicher Adaptierungen. Eigenes Zahlungssystem. Samstag geschlossen. ״Schomra“-Mitglied. heiligt wurde, gegen einen inneren Feind, der gleichzeitig der Todfeind des jüdischen Volkes ist. Wenn Oesterreich diesen Kampf auch nicht uns Juden zuliebe führt, so sind wir doch in* direkt am Erfolg dieses Kampfes interessiert. Wir haben allen Grund, den heldenhaften Kämpfern um Oesterreichs Unabhän* gigkeit, mit der die Freiheit seiner Bewohner enge zusammenhängt, unendlich dankbar zu sein und dieser Dankbarkeit so oft und so sinnfällig als möglich Ausdruck zu geben; nicht aber den Männern, die diesen Staat und diesen Kampf leiten, wenn auch nur zeitweilige und auch nur scheinbare U n? gelegenheiten zu bereiten. Demgegenüber erlauben sich Herren, wie Herr Neville Laßki und Nahum Geld* mann, den österreichischen Bundeskanzler in Genf über irinerösterreichische Dinge zu interpellieren. , Wir haben diesen״ Herren und ihren Gesinnungsfreunden im In* und Aus* lande immer d a s R echt abg esproc he n, im Namen des Gesamtjudentums zu sprechen, mit dessen wahrem Wesen diese Herren nichts, aber schon gar nichts gemein haben. Wir protestieren gegen die unerhörte Taktik der Einmischung und werden sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit. lauter denn je zurück* weisen. Wir haben nicht im geringsten Grund, Oesterreichs Regierung heute durch Ueber* reiztheiten irgend welche, wenn auch nicht ernste Schwierigkeiten zu bereiten. Die Regierung selbst aber hat es in der Hand, dem glaubensstarken Judentum die;längst fällige Möglichkeit zu geben, sich freizumachen von der Bevormundung durch unreligiöse, jüdischnationalistische Elemente, gleichwie sie in Oesterreich überhaupt den Weg für den religiös*stän di sehen Auf b a u frei* gemacht hat von nationalsozialistischen Hinder* nissen. Die Regierung hat es in der Hand, daß m Fragen der jüdischen Konfession in erster Reihei g 1 a u b e n ß;fee u.e" Menschen zur Be* ratung herangezogen werden. neuen Regierungskurs teilweise gesperrt waren, bat die lettländische Regierung agudistische Verwaltungskommissäre ernannt, die für die religiöse Führung dieser Schulen zu sorgen haben. Die jüdische Bevölkerung verspricht sich durch diese Maßnahme der lettländischen Regierung einen Aufschwung der jüdisehen Religiosität. Die Regierung hat natürlich auch für die nicht jüdischen Schulen ähnliche Maßnahmen getroffen. Dej^rthodox^Schulgedank^n^ordringen DEe Stadt Riga übernimmt das Ittdlsch-orfhodoxe Schulwerk. - Agudistische Kommissäre eingesetzt. Wjk 0411* Räuimingsverkauf י»יי Olhmar Schiff Wegen anhaltender Stagnation wird das Lager zu tief reduzierten Preisen geräumt. Scheitel bereits von S 60.— aufwärts. 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