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Jüdische Presse · 1934-09-21 · 36 (21.9.1934) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
20 (1934)
Issue
36 (21.9.1934)
Date
1934-09-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE PRESSE י Mt, U Erklärung. Die Bcfififtleitufig unseres Blattet er- Märt ihr Bedauern, in der (Nummer der ״Jüdischen Presse״ vo» ii. Mai 1&S4 Berra Vitelräsideatett Dr. Josef Löwenhers beleidigt äil kabeU und sieht diese Beleidigung aurüek. Mangelnder Kehillo-Geist in Erez Jisroel. Die nachfolgenden Ausführungen, sind einem ausführlichen privatschreiben eines Präsidenten einer orthodoxen KehiUo entnommen, das dieser nach seiner Rückkehr von einem längeren Aufenthalt in Erez Jisroel an einen Freund unseres Blattes ge richtet hat. — Red. Eres Jisroel ist ein gesegnetes Land, das eben wieder aus einem beinahe - zweitausendjährigen Schlaf erweckt wird. Aber es ist noch ungeheuer weit davon entfernt, ein jüdisches Land zu sein, so wie' wir uns ein solches vorstellen. Es kann und darf uns nicht genügen, in einer Stadt zu leben, mit vielen, sehr vielen anderen Juden zusammen, mit denen uns fast nichts verbindet als die gemeinsame Abstammung. Es ist keines- Wegs so, daß es an Menschen fehlen würde, mit denen man auch innerlich eins sein kann und muß, aber jeder lebt Sein eigenes Leben, und sie haben, weil sie zu sehr mit Eigenem beschäftigt sind, den Anschluß aneinander noch nicht gefunden. Es fehlt das Kehillo- Leben, der Kehillo-Geist, der hier im Westen, wo wir immer nur Minorität waren, Wunder gewirkt hat, dort aber, wo wir fast nach jeder Bichtuäg das Selbst* bestimmungsfecht haben, Wo v^f äls geschlossene Masse auf tretet nicht aufk0m^eillwBl.pBtier bessernd erneu* greifen, wäre eine daähUfle Äiifgäbe führender Personlichkeiten und ich bin Überslügt, Üef Erfolg Wäre groß. Es sind heute schon viele Menschen da, die das Manko bitter empfinden und noch mehr, bei denen es sich schädlieh auswirkt, ohne daß es ihnen zum Bewußtsein kommt. AU diese zu sammeln und zü verbinden, ist heute noch möglich; wenn erst die Jugend dieser Kreise herangewachsen ist, ohne anderes als den gegenwärtigen Zustand kennengelemt zu haben, dann ist unendlich Viel versäumt, Es ist auch keineswegs so, daß sich der Mängel an Zusammenschluß nur im religiösen Leben Zeigte, es ist dasselbe im gesellschaftlichen und sogar im wirtschaftlichen Leben. Sie könnten aus dem Gesagten die Meinung bekommen, daß ich in bezug auf die Entwicklung Palästinas pessimistisch denke. Ganz das Gegenteil! Palästina ist in einer Entwichlung, die Von der ganzen Außenwelt, wenn auch mit einigem Widerstreben, bestaunt Wird. Das dort von Juden Geschaffene und noch in der Entstehung Begriffene muß jedem Bewunderung abringen. Aber es kann uns nicht befriedigen, wenn wir wohl beobachten können, daß da ein großes Gemeinschaftswesen aufgebaut wird, in das jeder Hinzukommende sich mehr oder weniger gut einordnen und eine Existenz als Bauer, Arbeiter, Hand- Werker, Kaufmann üsw. finden kann, wenn darüber hinaus jedes Gemeinschaftsleben fehlt. Daß ׳anderseits aber ein©? Politisierung um sich greift, : die zu einer großen Gefäh# wirdf Anfeindungen im eigenen; Lager zu züchten,‘ wie wir sie bisher nur von außen her erdulden mußten. Wenigstens in dem religiösen *feil der Jugend müßte dem mit aller Energie entgegengearbeitet werden; aber auch das ist nur möglich, Wenn die Aeitefen m einen besseren Kontakt zueinander kommen und dabei auch die Erziehungsprobleme lösen, die die besonderen Verhältnisse m EreZ Jisroel aufgeben. Sie wundern sich gewiß, daß ich bei all dem des alten Jisehuw keine Erwähnung tue. Gewiß, der alte Jisehuw hat Großes geleistet, in Erhaltung und Pflege der Thora, aber der neue muß sich in allem• seih Bett selbst bereiten. Und er wird dies können, wenn er sehr bald und mit der nötigen Energie darangeht und die* leitenden Kräfte im Westen ihn dabei nachhaltig unterstützen. Neues Aguda-Heim in Tel Awiw. Am 24. Elul, dem ersten Jahrzeitstag des C o f e z Chaim, wurde in Tel-Awiw das neue Heim der Zeire Agudas Jisroel eingeweiht. Die Feier fand im Rahmen eines Sijums auf den Dafjomi-Schiur statt. In An- Wesenheit vieler hunderter Agudisteh und der gesamten Aguda-Leitung aus Jerusalem unter Führung des orthodoxen Oberrabbiners, Rabbi Duschinsky, begrüßte der Obmann der Gruppe, Abraham G o 1 d r a t h, die erschienenen Gäste. Es sprach sodann Oberrabbiner Duschinsky, dessen Worte bei den Zuhörern einen tiefen Eindruck hinterließen. Rabbi Mosche •Blau hielt ein großangelegtes Referat über die Entwicklung der Agudas Jisroel im heiligen Lande in den Jahren seit dem Kriege. Nachdem noch mehrere Redner gesprochen hatten, fand diese Feier spät nachts ihren Abschluß. Große jüdische Heidenfeier Weit über 30.000 Menschen, die Spitzen der Behörden, Abordnungen der Wehrverbände, hohe Offiziere der ehemaligen österreichisch-ungarischen Armee, hatten sich am Sonntag am Zentralfriedhof eingefunden, um der feierlichen Heldengedenkfeier beizuwohnen, die vom Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs veranstaltet worden war und bei der die neuen Denksteine auf den großen Gräberfeldern der jüdischen Helden eingeweiht wurden. Vor dem Mausoleum hatte sich das Präsidium der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, Präsident Dr. Desider Friedmann, mit den Vizepräsidenten Dr. Löwenhe rz und Dr. T i c h o und dem Amtsdirektor Regierungsrat Fuchsgelb eingefunden, um die Ehrengäste zu empfangen. Der Bundesführer des B. J. F., Hauptmann a. D. Siegmund Edler von Friedmann, und der Vorsitzende des Exekutivkomitees, Ritter des Leopoldordens, Hauptmann der Reserve Dr. Fritz Bened i k t, empfingen vor dem Mausoleum auf dem jüdischen Heldenfriedhof die offiziellen Ehrengäste in militärischer Weise.' Sämtliche Behörden waren vertreten. Für den Staatssekretär für Heerwesen war Generalmajor Klepsch-Rhoden, für Staatskommissär Fey Generalmajor C z u 1 i k, für den Stadtkommandanten Oberst Pötsch, für den Bundeskanzler als Reichsführer der Ostmärkischen Sturmscharen sein Stellvertreter Major a. D. Dr. von K i m m e 1, für den Bürgermeister von Wien der Rat der Stadt Wien Dr. Jakob Ehrl ich,, für das Heldendenkmalkomitee dessen Präsident Generalmajor jasekke erschienen. Alle Wehrverbände hatten Abordnungen entsandt. So war eine Abordnung der Vaterländischen Fro,nt unter Führung des Wiener Landesleiters Oberstleutnant Seif fort. erschienen, in Vertretung des Sicherheitsdirektors von Wien Stadthauptmannstellvertreter Oberkommissär A r n 0 s c h, eine außerordentlich starke Deputation der alten österreichisch-ungarischen Armee, die einen ganzen Stab hoher und höchster ehemaliger Offiziere entsandt hatte. Nach einem Trauerchoral, den Oberkantor Fischer und der Ghor der Kultusgemeinde sangen, sprach Jakob Feldhammer einen tiefempfundenen Prolog. Dann begrüßte Bundesführer Hauptmann Edler von Friedmann die offiziellen Persönlichkeiten und Frontkameraden, gedachte vor allem des Bundeskanzlers Dr. Dollfuß, der als Soldat im Dienste des Vaterlandes den Heldentod gefunden hat, an dessen Grab der B. J. F. ebenso wie auf dem katholischen Heldenfriedhof Kränze niedergelegt hat. ״Auf allen Schlachtfeldern״, sagte Bundesführer Friedmann in seiner Begrüßungsansprache, ״geben unzählige Grabhügel Kunde von jüdischer Tapferkeit und Vaterlandstreue, Kameraden, die ihr euer Leben dem Vaterland geopfert habt, ihr seid gleichberechtigt mit den anderen Söhnen der Heimat. Gleichberechtigving im Sterben; aber auch Gleichberechtigung im Leben!״ Dann ertönte das ״Gebet vor der Schlacht" und nun hielt Oberrabbiner Dr. Feuchtwang die Gedenkrede, in der er hervorhob, daß der Heldentod der jüdischen Frontsoldaten kein besonderes Verdienst darstelle, sondern selbstverständliche Pflichterfüllung. Hierauf ergriffen die Vertreter der Behörden das Wort. Generalmajor C z u 1 i k schilderte in ergreifenden Worten die Leiden der Opfer des Weltkrieges. Der Stell- Vertreter des Bundeskanzlers Dr. Schuschnigg, Reichsführerstellvertreter der Ostmärkischen Sturmscharen Major a. D. Dr. Kimmei, erklärte, er sei als Vertreter der Ostmärkischen Sturmscharen hergekommen, um an den jüdischen Heldengräbern einen Lorbeerkranz niederzulegen, zum Zeichen inniger Verbundenheit in altösterreichischer Kameradschaft. Generalmajor H o p p e sprach ausführlich über die ausgezeichneten Leistungen 'der jüdischen Frontsoldaten im Weltkrieg. Er gab seiner Entrüstung über die gewissenlose Hetze, Ausdruck, die die Leistungen der Juden im Weltkriegherabsetzen will. Nachdem noch Generalmajor Jaschke als Präsident des Heldendenkmalkomitees gesprochen hatte, fand die Feier mit dem ״Guten Kameraden“ und der Bundeshymne ihren Abschluß, Illegale Palästina-Wanderer aus Sowjetrußland verurteilt, aber Erlaubnis zu Niederlassungsbewilligung beantragt. Neun aus ׳Sowjetrußland geflüchtete Juden, die am 24. Juli in Wadi!Hawarith als illegal Eingewanderte verhaftet worden waren, sind vom englischen Polizeirichter in Haifa zu je zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Mit Rücksicht darauf, daß die Verurteilten nach ׳Sowjetrußland nicht zurückkehren können, hat der Richter den Verwaltungsbehörden nahegelegt, diesen Einwanderern, falls sie sich durch ihr Verhalten dessen würdig erweisen, die dauernde Niederlassung zu gestatten. Von den Richtern in ׳S a f e d und Tiber.ias wurden 21 Juden und 31 Araber wegen illegaler Einwanderung zu zwei Monaten Gefängnis und nachfolgender Aus- Weisung verurteilt. Auf administrativem Wege wurden 100 illegal eingewanderte syrische Araber außer Landes geschafft. lilllirrhn Fltnrn I ^au^et Schulbücher llllllilllr rilrlll I für Eure Kinder in der JUlUdUlb lilllllll: BUCHHANDLUNG M־־־' . . Lehrbücher für Volks-, Haupt- und Mittelschulen in den vorgeschriebenen ^Auflagen auf Lager. — Verzeichnisse kostenlos. Lebensversicherung;־ DUÜMIGegründet Gesellschaft!yr n V 11 I A 1882 Aus dem Jahresberichte 1933: Versicherungsbestand..■•••׳׳.3107 Millionen Schilling Prämien- und Zinseneinnahmen . .. •־..211 Millionen Schilling Garantiemittel .... 680 Millionen Schilling Auszahlungen an die Versicherten .. 72 Millionen Schilling Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutsches Reich, Saargebiet, Cechoslovakische Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Fürstentum Liechtenstein, Ungarn, Polen, Jugoslavien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Marokko, Irak, Tunis und Aegypten. Wien vor fünfzig Jahren Wenn man das seit etwa zwei Jahrzehnten von neuen Impulsen erfüllte jüdische Lehen in Wien betrachtet, gerät man nur allzu leicht in die Gefahr, die Basis dieses Neuen ,zu übersehen. Ohne diese wäre selbst die bescheidenste Entwicklung nie möglich geworden und nur jenem ״heiligen Samen“, den wenigen Getreuen, die sich im Wien des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts um das Baimer des gesetzestrenen Judentums scharten, ist es zu verdanken, daß eine neue Zeit auf bauen konnte. Die Wiener Judengemeinde konnte an der Oberfläche dieser Gemeinschuft kaum mehr etwas anderes entdecken, als gewisse Typen. Da gab es eine Menge von Kaufleuten, die ihre freie Zeit im Kaffeehaus verbrachten, eine Intelligenzschichte, die dem Theater die Folie verlieh, in den Vor- Städten aber die Branntweinschenker und Trödler und schließlich den typischesten aller dieser Typen, den ״Handle“. Man lebte in diesem Wien ganz leidlich und wurde an das jüdische Elend in der großen Welt höchstens ab. und zu durch den Besuch eines Schnorrers aus dem Osten der Monarchie erinnert. Dann aber gab man gerne, man gab viel und neben einer gewissen, der bodenständig-wienerischen engverschwisterten Leichtlebigkeit und Genußfreudigkeit mußte an dem Wiener Juden von 1890 wohl am meisten das sogenannte jüdische Herz auf fallen, 'das wieder im ״goldenen Wienerherz“ sein Gegenstück fand, Das geistige Leben aber, soweit es überhaupt noch jüdisch orientiert und nicht durch anderweitige kulturelle Interessen absorbiei't war, konzentrierte sich um das ,Beth-Hamidrasch“, an dem Meir F riedmann und Eisig Hirsch W ei ß dozierten und mit ihren ״Geistesblitzen“ die Schätze der Vergangenheit beleuchteten. Von der heranwachsenden Jugend dagegen hielt man in einem Belange wenigstens sehr wenig. So oft ein Religionslehrer wagte, mehr als das bloße mühsame Buchstabieren einiger Gebetstücke zu verlangen, wurde sofort von ״Ueberanstrengüng“ gesprochen und die Folge davon War, daß die nächste Generation nur mit Mühe ‘ noch einige wenige, den Toten geweihte Bestandteile des Ritus tjehielt, jüdischen Wissens und jüdischen Wesens aber fast vollständig entbehrte. , c׳ Neben diesem Ft ach Judentum gab ' es aber Zahlenmäßig zwar geringfügige und auch organisatorisch nicht immev erfaßte, dennoch aber wichtige Keimzellen eines nicht nur noch, sondern ewig und zeitlos am Vätererbe hängenden Judentums. Ja, diese Kreise, die nach einer in den Sechzigerjahren vorgenommenen Schätzung eigentlich doch fast ein Viertel der Wiener Judenschaft umfaßten? hingen nicht nur an diesem Vätererbe, sondern trachteten auch, es treulich zu mehren. Vor allem waren es da einige Familien, wie Bondi, Goldmann, Schiff, Hofbauer, Freistadt, Kunst adt, Glückselig, Felsenburg usw., die die Traditionen ihrer meist ,ungarischen Heimatgemeinden auch in der Großstadt hochhielten und außer einigen wenigen Zugeständnissen an die Zivilisation ihrer Zeit von ihrer Kultur im besten Sinne des Wortes — nichts opferten. Auch die aus Galizien stammenden Juden Wiens besaßen in den Familien März, M ay, G än g er, Kritzler usw. Vertreter eines unentwegten Festhaltens am Hergebrachten. Ihnen allen aber entsprachen unter den Einrichtungen des jüdischen Wien nur jene, die sich neben den offiziellen dei' Gemeinde als V e r eins -Bet- und Lehrhäuser schon seit mehr als einem halben Jahrhundert heraus gebildet hatten. An diesen Stätten wirkten einige Männer, die in aller Bescheidenheit dem, gesetzes treuen Wiener Judentum ihren eigenen Stempel aufzudrücken verstanden. So beispielsweise im ehemaligen Vororte Sechshaus, der eine zahlreiche jüdische Bevölkentng besaß, Rabbi Jakob H i rs c h, ein gebürtiger Mattersdorf er. Sein Werk ״Mor dror“ machte ihn in weiten Kreisen bekannt, seinem engeren Kreise aber war er dei' Mittelpunkt, wie sonst nur in einer Provinzgemeinde der Raw. es sein kann. An dem Bethause in der S ch ö nlat e rn g ass e, das schon seit mehr als acht Jahrzehnten als eine Hochburg des alten und ewig jungen Thorajudentnms in feindseliger Umgebung dasteht, ,wirkten Rabbi Mosche Löb Kohn, der aus St. Georgen bei Preßburg stammte, und dessen Sohn; der bekannte Maler David Kohn war. Ihm folgte im Jahre 1894 Rabbi Aron Friedmann, ein Schüler der letzten Heroen des jüdischen Prag, S. S. Rappaports und Samuel Freunds. Ein Nachruf sagt von ihm: ״Die klassische jüdische Forschung, Tiefe des Wissens und Klarheit der Auffassung vereinigten sich in ihm mit Reinheit und Lauterkeit der Lebensführung; er war ein Mensch am einem Guß.,.e( Ueber allen aber stand der in Altofen im Jahre 1826 geborene: erste Raw der Schiffschul, Rabbi Salmen Spitzer s.' Z, i. Er hatte an den f Jeschiwos des R. Moschdi Schick in Sf.' Georgen, des R. Meir Eisenstadt in Ungvar und des Chqsam-Sofer in Preßburg gelernt und war sgh<ließ}ich ßqhwwgersohn des Chasam-Sofer geworden, fm Jahre 1858 ioUrde er an das neugegründete Bethaus in der Ankergasse in Wien (der jetzigen S chif f schul) berufen und von 1858 bis 1872 war er auch Beisitzer ■im Rabbinat der Gemeinde. Während er nun im Kreise der Schiffschul friedlich Aufbauarbeit leistete und damit dem Grundzug seines Wesens am ehesten gerecht werden konnte, war ihm dies auf seinem weiteren Tätigkeitsgebiete im Rahmen der Großgemeinde nicht gegönnt. Da mußte nur allzu oft der Friedensfreund dem Eiferer weichen, der den Kämpfergeist seiner ungarischen Heimat auch in der kömpromißseligen Atmosphäre Wiens niöht ganz verleugnen konnte. Es gab Zusammenstoße mit einem Vorstand, der gerne auf seine Autorität pochte, und als dann im Jahre 1811 ein Vor- Standsbeschluß die auf Jerusalem bezughabenden Gebete im öffentlichen. G-ttesdienst streichen und die Orgel einführen wollte, wurde R. Salmen Spitzer zum Führer und. Wortführer einer. Protestbewegung, wie sie Wien bis dahin nicht gekannt hatte. Gerade die Rede, die er damals hielt und die auch im Druck erschienen ist, zeigt die beiden Grundzüge seines Wesens, seine Friedensliebe wie seinen Kämpf er g eist, so recht deutlich und nicht treffender konnte er daher auch seine Ausführungen einleiten, als durch den Vers: ״Wenn du einer Stadt nahst, um sie .zu bekrie g en, so sollst du ihr Frieden anbieten1“ Wenn er gleich darauf das Rabbinat der Gemeinde-verlassen und allen Jereim die Pflicht auf erlegt hat, zwecks Bildung einer unabhängigen orthodoxen Kehillo der Gemeinde den Rücken zu kehren, so war diese Maßnahme von den Verhältnissen erzwungen, die dem glaubenstreuen Juden ein Weiterverbleiben än ׳ der Wiener Kultusgemeinde unmöglich machten. Er versuchte erst auf friedlichem Wege, die religiösen Forderungen bei der Gemeinde durchzusetzen, als aber der Versuch mißlang, da schlossen sich 400 der größten zeitgenössischen Thora-Autoritäten seiner Entscheidung an, die eine, weitere Zugehörigkeit zur Wiener Kultusgemeinde verbot. Ein halbes Jahrhundert ist dahingegangen und mit ihm die Mehrzahl jener, die das jüdische Wien der Achtzigerjahre aus eigener Anschauung kannten. Immer kleiner wird auch der Kreis derer, die einst zu Füßen Rabbi Salmens sitzen und sich in den Strahlen seiner Personlichkeit sonnend durften. Immer größer aber wird der Kreis neuer Probleme, die 'unsere Generation zu meisteni gezibungen ist, und unsere eigene Verantwortung, An den Vorbildern dieser hier skizzierten Genetation, die vor fünfzig Jahren blühte, wird auch das Zeitalter von heute lernen) ihre Aufgabe m erfüllen*י־״ :

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