Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 20 (1934)
- Issue
- 34 (7.9.1934)
- Date
- 1934-09-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jahr 5694 standnlcht allein unter dem gewaltigeh Eindruck schwerwiegender pölitiseher Umwä 1 zungenr gewaltsaiüerEreignisse und einer Reihe von Elementarkatastrophen, es stand auch lmZelchen des wirtschaftliche« und kulturellen Aufblühens von Erez Jl sr o el,wohln unser allerAugen gerichtet sind. Ünersetziiche Veriuste hat das jüdische Volk in diesem Jahre erlitten. In kurzer Aufeinanderfolge haben die Leuchten unseres Volkes: der Chof e z C h a j i m, Rabbi Jisroel Meier Hakohen, der L u bi in e r R a w, Rabbi Meier Schaplra, der czortkower Rebbe, Rabbi Jisroel Friedmann, und der Slobodkaer-Jerusaiemer Rosch-Jeschhvoh, Rabbi.Mosche Mordechai Epstein, ihre Augen ftir immer geschlossen und in den letzten Monaten hat uns wieder der Heimgang von Oberrabb. Sp itzer, Hamburg, und Rabb. Meier Hildesheimer, Berlin, in tiefe Trauer versetzt» Ihr aller Andenken sei gesegnet למו 1על נלישראןן^ pt ד; Leider ist es zu einer Selbstverständlichkeit, geworden, daß Berichte aus D euts c hl and und Rußland nicht vorliegen können, weil kein in diesen Ländern lebender Jude den lebensgefährlichen Mut aufbringen kann und darf, die dortigen Verhältnisse wahrheitsgetreu zu schildern. Wehmütig gedenken wir der Leiden, die unsere Brüder und Schwestern da wie dort auszustehen haben und Wir richten 'gen Himmel unsere Gebete, daß . diesem Leid ein rasches Ende bereitet werde, < f Die Redaktion. Schließlich erscheint es fast überflüssig, auf die außerordentliche Stärkung., des Reth - Jakob- Mädchenschulwerkes hinzuweisen, dessen zenträles Lehrerinnenseminar in Krakau in J. L. Orlean einen aufopferungsvollen leitenden־ Direktor gefunden hat. Mit tiefem Schmerz muß noch der Großen gedacht werden, die uns im vergangenen Jahre entrissen wurden. Seine ersten Tage waren Zeugen tiefer, allgemeiner Trauer über den Tod .des ״Chof e z־ Cha j im s. Z. 1. In seinen ersten Wochen ging von uns weg der unvergeßliche L u b 1 i n e r R a w s. Z. 1׳. Später verloren wir den Czortko w6r-Reb.ben s. Z. 1., der, obwohl in Wien wohnend, doch mit allen Fasern seines großen Herzens am. polnischen Judentum hing und von demselben als seine Krone betrachtet wurde. Für diese gewaltigen Schäden hat uns leider das zu Ende gehende Jahr keinen Ersatz gebracht. Dafür aber hat die Aguda viel zür Entwicklung der Werke des heimgegangenen Lubliner. Raws s. Z. 1. beigetragen, der JesChi wos Chachme-Lublin und des Daf־Ha jomi. Zusammengefaßt aus Berichten von. A. Z. F r i e dmann, Warschau, und Isak Lewin, Rzeszöw. Polen. Wenn auch die allgemeine politische Lage in Polen im Jahre 5694 k eine wesentlichen Aenderungen erfahren hat und, im Vergleich zu den Nachbarländern, das verflossene Jahr ruhig abgelaufen ist, hat das polnische Judentum doch einige Wochen in Schreck und verzweifelter Angst verbracht. Die antisemitische ,,Nara"-Partei wollte die wilden Sitten aus den Gebieten jenseits der polnischen Westgrenze nach Polen hinüberpflanzen und organisierte Ue be rfälle.auf Juden und jüdische Geschäfte. Der Mord an dem Innenminister Pieracki hat die Regierung zu einem energischen Einschreiten veranlaßt, um die p ersönli ch e iSicher heit eines jeden ,Bürgers ohne Unterschied der Konfession als unantast.bar gelten zu lassen. Die ״Nara'*-Partei wurde aufgelöst, ihre Führer wurden in Konzentrationslager gesetzt. Die agudistische r egi er ungsff reun dliehe Politik ist im vergangenen Jahre fast Gemeingut der polnischen Judenheit geworden, was bei den im ganzen Lande (mit Ausnahme der Hauptstadt Warschau) durchgeführten Gemeinderats wählen ׳sich klar abspiegelte. Ueberall wurden ,jüdische ״Blocks zur Mitarbeit mit der Regierung“ unter Anführung der Agudas Jisroel gegründet, dn (die auf genommen zu werden auch die Zionisten sich vielfach bestrebten. In dieser Beziehung kam der polnischen Judenheit sehr wohltuend der Umstand zustatten, daß ihr größter iStörgeist und Konflikterzeuger, Herr Grünbaum, sich fern von Polen hielt. In wirtschaftlicher Beziehung stellte die polnische Judenheit leider im Jahre 5694 ein erschütterndes Bild des Zusammenbruches dar. Die Verarmung der jüdischen Massen ist enorm gewachsen. Die große Uebersdhwe.mmungskatastrophie der jüngsten Wochen hat idle Lage noch mehr verschärft. Ini vergangenen Jahre wendete die Regierung ihre Aufmerksamkeit hauptsächlich ,dem Bauernstände. zu, während sich in Gesetzgebung und Praxis' eine' gefährliche Gegnersc h a f t gegen :den Kl ein h an de1 bemerkbar macht, in dem!die Juden hauptsächlich vertreten sind. , Manchen Nöten zu steuern gelang den agudistischen Abgeordneten und' ihren Verblindeten, die die jüdischen Wirtschaftsgruppen repräsentieren.!So wurde dem neuen I n d u s t r i e g e setz seine ,Spitze gegen die Juden abgebrochen^ welches den Bef ähigungsnachweis für sämtliche Berufe einführen sollte und hun vorerst aufgeschoben wurde. ■־V;..'־.■.: Im religiösen jüdischen Leben Polens war im abgelaufenen Jahre keine wesentliche Aenderung zu verzeichnen. Die Situation des religio s en iS ch ulwes e n s hat sich naturnötwendig durch die Wirtschaftliehe Krise verschlechtert. Zuletzt hat auch das neue S c h u 1 g e s e t z über den Könzessionszwang der Privatschulen, das für das orthodoxe ׳Schulwerk große Gefahren dn sich birgt, den agudistischen Deputierten schwere Sorgen, bereitet.!Sie waren die einzigen,, die die Verteidigung des jüdischen Schulwesens in die. Hand nehnaen mußten, und es ist ihnen gelungen, die Inkraftsetzung; der Vorlage vorläufig um ein Jahr h i na u s z uschieb en. ־.:ל';'•: י \ •. Sehr erfreulich war der Aufschwung und Fortschritt der Aguda-Bewegung, der auch äußerlich in der Uebersiedlung in die neuen Lokalitäten, die einem Ministerium gleichen, und in der Vergrößerung des Personalstandes zum Ausdruck kommen. ־ Die Erez-Jisroel-Ar׳beithstand im Mittelpunkt der stark zunehmenden Tätigkeit und war die Hauptursache des großen agudistischen Aufschwunges■ im vergangenen Jahre. Die Landeskonferenz der polnischen Aguda im Winter, die, Kreiskonfer e n z e n in Wilna und Lemberg in den letzten Tagen, die unzähligen Versasmm 1 ungen in allen größeren und vielen kleineren Städten während des ganzen Jahres standen alle im überwältigenden Banne des Dranges nach Erez Jisroel, Belebenden Einfluß auf das agudistische Leben übte ferner die im Frühling in' Warschau abgehaltene Tagung des allweltlichen Zentralrates der A. J. aus. ' Besondere Aktivität hat die neugegründete agudistische Chinuch-Zentrale ,,Chörew" und der Keren-■Hathorä - entwickelt, ebenso wie auch die Zweigorganisationen, Zeäre-A.-J., Poale-A.-J. und Bnos- A.-J. eine bedeutende Erweiterung zu verzeichnen haben, Zvl erwähnen ist schließlich noch ,die Gründung eines orthodoxen Lehre rs emi.nar s und einer großen Bibliothek, die schon über einige tausend Bände verfügt. Ungarn. Das wichtigste Ereignis im inneren Leben der ungarischen Orthodoxie war die Wahl des neuen Prä-, ״sidenten der Landeskanzlei. Der einstimmig gewählte neue Präsident Samuel Kahan-Frankl ist der Schwiegersohn des rühmlichst bekannten früheren Landespräsidenten A d o 1 f Frankl, der auf Wunsch der . Landesrepräsentanz die Orthodoxie auch weiterhin im: Oberhause vertreten wird. . Der Tätigkeit des neuen Präsidenten, der bei Uebemahme seines Amtes sein Programm in einer großangelegten Rede entwickelte, sieht man allenthalben mit erwartungsvollem Interesse, entgegen. Für die Agud a? zeigt, sich vielseits großes Verständnis und die Zahl ihrer Anhänger ist in stetem Wachsen begriffen. Es kann als erfreuliches!Symptom , verbucht werden, daß die begeisterte Aguda-Aussprache . der Bonyhader Delegierten anläßlich der letzten ’ Bonyhader Landesrepräsentanterifagung mit großer Aufmerksamkeit angehört wurde. Allerdings muß festgestellt werden, daß der ״Agudisierung“ des Landes vorderhand noch große Hindernisse prinzipieller und persönlicher Natur im Wege, stehen. (Was sehr bedauerlich ist! Red.) Er ez Jis.roe.l nimmt naturgemäß auch in der Gedankenwelt unserer Orthodoxie einen breiten Raum ein. Die Sammeltätigkeit für den Jischuw hajöschon im Wege der Büchsen ״Rabbi-Meir-baal-haness" ist auf neue Grundlagen gestellt worden und ■ der materielle Erfolg kann als befriedigend bezeichnet werden. Für die Aufbauarbeit in Erez Jisroel; bekundet ini erster Reihe jener Teil der orthodoxen Jugend werktätiges Interesse, der sich unter’ die Fahne der *עלית תפארת• schart. Der :*ע ל י ת ■תפארת• ist eine Schöpfung des Budapester ״Tiferes־Bachurim"-Vereines und besitzt schon heute einige sehr aktive Zweigstellen im Lande. Fromme arbeitsfähige und arbeitswillige junge Leute werden unter der Aegyde des Tiferes-Bachurim fachmäßig ausgebildet,, die sich dann in Erez Jisroel nicht nur als Arbeiter,- sondern auch als Pioniere der unbeugsamen Orthodoxie vollauf bewähren. Diese Gruppe hat für ihre Mitglieder Im •Frühling bereits einige Aguda-Zertäfikate erhalten. Im Kreise der Budapester orthodoxen Gemeinde wird für die Reaktivierung des Jischuw-Erez- Jisroel - V e־r ein es, der unmittelbar nach Kriegsende gegründet wurde, aber späterhin seine, Tätigkeit ein-, gestellt hat, Stimmung gemacht. An der Spitze der Bewegung steht der tatkräftige Präsident der Budapester orthodoxen Gemeinde Abraham von Freudiger. Die w i r t s c h a f tliche Krise, weiche die orthodoxe schabboshaltende Kaufmannschaft in gesteigerten! Maße belastet, hält noch an. Hoffentlich wird es der Leitung der, Landeskanzlei gelingen, bei uer Regierung — die im allgemeinen den Wünschen und den Bedürfnissen der Orthodoxie stets das größte Entgegenkommen zeigt — gewiß Erleichterungen in Bezug auf die Sonntagsruhe zu erzielen. , > Der Besuch der Jeschiwos ist anhaltend ein guter. Jereim hierlands sehen und wissen, daß sie die Jugend nur mit dem, Limud- und Koach-Hathora für die Jüdischkeit erhalten können und bringen daher gerne die weitgehend'• sten Opfer für die Aufrechterhaltung der verschiedenen Thoralehranstalten. Laut den uns zur Verfügung stehenden statistischen Daten obliegen in. Ungarn zirka DUfiN I Y״ Gegründet rll VHIA 1882 L!(ibe91iversiil1er1|11is| ,:,;־■ Ges6)Ischafft,, Aus dem Jahresberichte 1933: V-'1;*-• * י ״..5..3107 . . ... .־ י . Millionen SchiUing Prämi^- un^inseneinnabnien , , .t.. . , . •; , , , . 211 Millionen SchiUing ׳ י * י : יי % ״..680 » יי י Millionen Schilling Auszahlungen an die Versicherten... . . 7a MUlionen SchiUing ^%^iifg^ieU_:Oe8te^eich^peutsches Reiche Saargebiet,;Cecboslovakische Republik, Belgien,. Holland, Frank-?eieh, Spanien» ItaUen,; i^stentum Hechtenstem, Ungarn, Polen, Jugoslavien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Marokko, Irak, Tunis und Aegypten, ■־"■־־ *•;4* * ■׳<*<....י v*3• ׳*.׳ ./ {•׳׳ .., Kaffee verschafft Ihnen den unverkürzten Genuß eines rei^ nen echten Bohnenkaffees, weil das Coffein mit Geschmack und Aroma nichts zu tun hat. Kaffee Hag ist eine Auslese feinster Plantagen - Hochgewächse, veredelt und so behandelt, daß auch empfindlichen Personen und Kindern der Genuß echten Bohnenkaffees nicht versagt zu werden braucht.! Machen Sie einmal einen Versuch I Vier Wochen Kaffee Hag und Sie sind überzeugt, daß Sie gut dabei fahren. Darum ab heute infff* 2000 Bachurim in zirka 60 Jeschiwos dem Studium der Thora. Auf dem Gebiete der jüdisch-religiösen Erziehung der Mädchen, ist kein wesentlicher Fortschritt zu verzeichnen. In ־ Budapest ist wohl nach einer Richtung hin ein leiser Versuch unternommen worden, aber ohne durchgreifende•. Maßregeln wird das Problem kaum zu lösen sein. נ:.:;, Das Verhältnis der Orthodoxie und. N e o 1 ogi e ist in allen Belangen ein zufriedenstellendes!. Auf allen Wipfeln ist Ruhe und die Kräfte, die in früheren Tagen ein Bruderkampf absorbiert hat, könnte man jetzt, für die innere Stärkung und Festigung der Orthodoxie verwenden, wenn, die erdrückende Wirtschaftslage nicht jeden großzügigen Plan im Keime ersticken würde. Wollen wir hoffen, daß das kommende ־ Jahr, für uns-und כל בית ישראל הנתונים בצרה ובשביה ein; שנת גאולה וישועה sein wird. - Dr. Adolf Deut sch, Budapest; Jugoslawien! Das vergangene Jahr mit seinen ,Sorgen ist auch an der jugoslawischen Judenheit nicht spurlos vorbeigegangen. ׳ Der Antisemitismus in einigen Ländern streckte seine Arme auch nach unserem Staat aus, doch sind g-ttlob die Jugoslawen von Antisemitismus am wenigsten verseucht. Alle Serben, Kroaten und Slowenen schauen in־ den jugoslawischen Juden ihre gleichberechtigten Mitbürger an. , י Dank dieser gütigen Fügung konnte, sich das jüdische Leben gut entwickeln. Die Orthodoxie ist ■hierzulande eine kleine Minderheit, doch sind die Erfolge im vergangenen Jahre nicht zu unterschätzen. In allen Gemeinden wird das Thoralernen, gefördert, auch in solchen; , Gemeinden, die nicht ganz konservativ: sind.; Durch die große Aliah nach Erez Jisroel sind einige Gemeinden von durchreisenden Chaluzim stark beansprucht, ebenso . die Hilfskomitees, die, Beträchtliches leisten.; Besonders nimmt man sich , der diversen Hachschörostätten an. Auch die Aguda hat ihre eigenen Hachschorostätten in Gjurgjevac und Subotica. Durch die Verlegung der Landeszentrale der Agudas Jisroel von Subotica nach Zagreb scheint auch mehr Leben" in der Aguda-Bewegung zu entstehen, und So wollen wir mit Hilfe des Allmächtigen hoffen,, daß wir auch weiter Erfolg haben werden, Felix Si n g e r, Zagreb. . Weitere Länderberichte folgen. Wirtschaftsbeziehungen Schweiz-Palästina. Wie das *,Israelitische Wochenblatt־ für die Schweiz“ mitteilt, weilte Herr M. D, Lewenstein, Welcher im Frühjahr seinen Wohnsitz von Zürich nach -Palästina verlegte, während der letztm zwei Monate (neuerdings in der Schwei?• Wie das :Blatt^ aus zuverläs- :siger Quelle erfahren hat. führte Herr Lewenstein in offiziellem, palästinensischem, Aufträge mit . den kompetenten schweizerischen Instanzen Verhandlungen über den.Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen.,zwischen den beiden Ländern, die zu sehr zufriedenstellenden Er־>' gebnissen geführt haben. Es sind Wege und Mittel ge-, funden worden, um. gen gegenseitigen Güteraustausch zu aktivieren, Die am Export nach Palästina interessierte schweizerische Maschinen- und Elektroindustrie bat sich kl eine Genossenschaft ״Ekportorganisation schweizerischer MaschinenjndustrieHer für Palästina“, zusammengeschlossen, als . deren bevollmächtigter lieiter Herr■ Lewenstein dieser Tage die Rückreise nach: Palästina ־ bat. ‘ (2, T. A.).