Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 20 (1934)
- Issue
- 33 (31.8.1934)
- Date
- 1934-08-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus Erez Jisroel. s Die orthodoxe Judenheit firez Jisroels befindet sich in einem, man könnte sagen Freudentaumel oh der endlichen Reaktivierung der agudlstischen Kolonie ״Machne J i s r 0 e 1“. Schon seit Monaten gehen die Bemühungen, die Aufteilung und Bearbeitung von Machne Jisroel au organisieren. Trotz der Schwierig־* keiten, die sich vorerst in den Weg stellten, ist es nun endlich gelungen, die erste Chaluzimgruppe auf dem Boden von Machne Jisroel anzusiedeln. Seit einigen Wochen hält sich auch hier im Aufträge de$ polnischen Aguda Herr Bothstein auf, der gemeinsam mit den hiesigen Agudaführern an dem Aufbau agudistischer Kolonien tätig ist. Natürlich kann die Arbeit nur dann erfolgreich weitergeführt werden, wenn die orthodoxe Judenheit in der Diaspora dem großen Werke ihre materielle Stütze angedeihen läßt. * Bekanntlich hat die Palästina-Regierung vor einiger Zeit, als Nachtrag zur Halbjahrsschedule April bis Oktober 1934, außer den ursprünglich bewilligten 5600 noch weitere 12 0 0 Zertifikate gewährt. Auf Grund des seinerzeit zwischen der Agudas Jisroel und der Jewisk Agency getroffenen Uebereinkommens wird die Agudas Jisroel auch von diesen 1200 Zertifikaten einen entsprechenden Anteil erhalten. (Wie wir erfahren, wird auch die österreichische Landesorganisation der Agudas Jisroel an diesen Zertifikaten beteiligt sein. Red.) * Unter Beteiligung der hervorragendsten Führer der orthodoxen Judenheit im Heiligen Lande, mit Raw Duschinsky an der Spitze, und in Anwesenheit zahlreicher Gäste aus dem ganzen Lande, fand am Sonntag, den 1. Flui, die feierliche Einweihung eines S e f e r Thora der Poale Agudas Jisroel in Bne 1 Brak statt. Unter tosendem Beifall hielt Raw Dui schinsky eine Ansprache, in der er die versammelten 1 Poalim begrüßte und den Lebenswäg, den orthodoxe Juden in Erez Jisroel zu gehen haben, zeichnete. Bis in die späte Nachtstunde dauerte die wundervoll verlaufene Beier. #! Soeben ist bei der hiesigen Agudazentrale ein Sachverständigenbericht Über die Bodenbeschaffem heit von Machne Jisroel. eiügegangen, der von den hervorragendsten Fachleuten eihgeholt wurde. AUS dem Bericht geht hervor, daß der Boden von Machne Jisroel zu den denkbar besten Böden gehört, der sich besonders wegen seiner zahlreichen Wasserquellen für Citrusplantagen vorzüglich eignet. * Üeber Anregung des ״Waad horabbonim" vöü Polen haben die rabbinischen Führer in Erez Jisroel, Rabbi Josef Zwi Duschinsky, Rabbi Isser Salmen Heizer, Rabbi Oscher Werner (Tiberias) und Rabbi Reuben Katz (Petach Tikwah) den ersten Slichos־* Sonntag als allgemeinen Fasttag proklamiert und angeordnet, daß an diesem Tage an der Kosel-Maarowi Tefilos für die in aller Welt notleidende Judenheit ver* richtet werden. Jerüschalmi. Jugendbund zur Verteidigung der Sabbathruhe. In den letzten Tagen organisierte Sich in Tel-Awiw aus den Kreisen der orthodoxen Jugend unter dem Namen ״Gedud Hanoar Megine Haschabbath“ ein Bund, dessen Zweck es ist, die Heiligkeit des Schabbos zu verteidigen, in erster Reihe in der jüdischen Stadt Tel-Awiw und einer Reihe anderer kleinerer Städte. Der Bund veröffentlicht jetzt einen Aufruf, welcher die gesamte palästinensische Orthodoxie zum •Kampfe gegen die Sabbathentweihung in schärfster Weise aufruft und die Boykottierung der Zementfabrik ״Nescher“, der Produkte der Molkerei ״Tenuwah“, der Automobilgesellschaft ״Eged“ und zum Schluß auch des Keren Hajessod, Keren Kajemeth, der jüdischen Arbeiterpartei und des Fußballklubs ״Makkabi“, die den Sabbath trotz aller Warnungen entweihen, fordert. Dieses Siegel bürgt... daß Kunerol streng rituell erzeugt wird und daher auch für Strenggläubige ohne Bedenker^für die Zubereitung von Speisen verwendet werden kann. Kunerol ist ein völlig reines Pflanzenfett, nahrhaft, leicht verdaulich und fast unbegrenzt haltbar. Kunerol wird unter ständiger Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg hergestellt. KUNEROL' 100% REINES KOKOSNUSSFETT Nur echt in Originalpackung! Antijüdische Exzesse in Litauen. Die WellC der antijüdischen Ausschreitungen in Litauen steigt. In Schaulen ׳wiederholten sich am vergangenen Montag anläßlich des Wochenmarktes die Ausschredtungen gegen die Juden. Die aus den umliegenden Dörfern hereingeströmten Bauern wurden von den antisemitischen Agitatoren ׳Schaulens aufgehetzt. Sie :griffen die jüdischen Händler an und demolierten eine Anzahl jüdische Warenstände. In den den Markt umgebenden Straßen wurden mehrere jüdische Geschäfte ausgeplündert. Mehrere jüdische Händler erlitten erhebliche Verletzungen. Verstärkte Polizeiabteilungen stellten die Ruhe her, verhafteten mehrere Huligans, gleichzeitig auch Vier jüdische junge Leute, die die iHuligans hinderten, ein jüdisches Geschäft auszuplündern. Die Lage ist um so ernster, als der Schaulener Kreis-Chef in seinem Bericht an die Zentralbehörde in Kaunas die Juden für die Geschehnisse in Schaulen verantwortlich gemacht haben soll. * Auf eine Anfrage der Jewish Telegraphie Agency an die litauische Regierung betreffend die in den letzten Tagen in Schaulen, Rassein, Ponewesch und Kurschany stattgefundenen judenfeindlichen Ausschreitungen teilte die Regierung mit, die antijüdischen Angriffe seien durch Personen, die ein Interesse daran haben, die traditionell guten Beziehungen zwischen Litauern und Juden zu stören, stark übertrieben worden. Niemand sei ernstlich verletzt worden. In Schaulen seien vier Litauer zu Geldstrafen oder einem Monat Gefängnis, eine Anzahl Juden wegen unerlaubten Waffenbesitzes zu Geldstrafen oder zehn bis fünfzehn Tagen Arrest verurteilt worden. Die Regierung sei entschlossen, mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln eine Wiederholung ähnlicher Vorfälle zu verhindern. Ueber judenfeindliche Ereignisse in Rassein und Ponewesch lagen keine Meldüngen vor. 02. T. A.) Schulfahrten ohne Unfälle. Die Schulfahrzeuge haben die gesetzlich vorgeschriebenen Doppelpedale, die dem Lehrer das blitzschnelle Eingreifen ermöglichen. Die Fehler der Schüler werden rasch und sicher abgestellt. Diese Behelfe und überdies das mit Kraftstrom angetriebene, im Lehrsaal am Stand laufende Lebrchassis zur spielend leichten Erlernung der Prüfungstheorie haben die renommierten Neudegger Automobil- und Motorrad- Fahrschulen» Wien, VIII., Neudeggergasse 18 (Ecke Lercbenfelderstraße 18), Telephon B-46-5-72, und Inzersdarf (Niederösterreich). E American Jewish Committee ־. gegen Weltkonferenz und Weltkongreß. Das von Louis Marshall 'gegründete und gegenwärtig von Dr. Cyrus Adler 'geführte American Jewish Committee, welches eine große Zahl führender amerikanischer Juden in sich vereinigt, nimmt in einer Erklärung Stellung gegen die Jüdische Weltkonferehz in Genf und somit auch gegen die :Schaffung des Jüdischen Weltkongresses in dieser Zeit. In der Erklärung des Committee wird darauf h'ingewiesen, daß die Alliance Israelite Universeile in Frankreich, der Jewish Board of Deputies in Großbritannien und autoritative jüdische Körperschaften in anderen Ländern die Genfer;Weltkonferenz und׳ den Weltkongreß ablehnen. (2. T. A.) * Die ״Jüdische Presse“ hat'!bereits in ihrem vorwöchigen Leitartikel die einmütige Ablehnung des ״Jüdisehen Weltkongresses" durch alle größeren jüdischen Organisationen (mit Ausnahme der Zionisten) verzeichnet. Gefahr antijüdischer Exzesse auch in Tunis. Die jüdischen Zeitungen; in Tunesien erheben scharfe Anklagen gegen die Behörden in Algerien, deren Nachlässigkeit an der Ausdehnung der antijüdischen Unruhen in Nordafrika die Schuld trägt. Die Zeitungen fordern die französische Regierung auf, die schuldigen Beamten zu bestrafen, und weisen darauf hin,, daß infolge der fortdauernden antisemitischen Propaganda in zahl* reichen Städten Tunesiens auch liier die Gefahr antijüdischer Unruhen akut geworden ist. In vielen Ortschaften rechnet die jüdische Bevölkerung!mit der Möglichkeit von Exzessen; die Panik ist groß. 9 (2. T. A.) Doch neue Terrorwelle In Deutschland!. Ungeachtet der vor einigen Tagen seitens maßgebender Regierungskreise dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur gegebenen Erklärung, daß die ausländischen Pressemeldungen über die •bevorstehende Verhaftung jüdischer und linksgerichteter Persönlichkeiten grundlos seien, hat in Berlin und, wie es heißt, auch in anderen Städten des Reiches eine neue Terrorwelle eingesetzt, Am'Berliner Kurfürstendamm und in den umliegenden Straßen führte die Polizei Razzien durch, deren Objekte besonders von Juden besuchte Cafds waren/ Zahlreiche Personen, Juden und Nichtjuden, wurden verhaftet. Auch haben Beamte der Geheimen Staatspolizei in aller Stille jüdische und nichtjüdische Persotilichkeiten in ihren Wohnungen etffiiiteL Näch Meidungen einigef Agenturen soll die zahl der Verhafteten, deren Nafnen nicht bekanntgegeben werden, mehrere Hundert betragen. Man bringt diese Aktion M Zusammenhang mit der Ankündigung des »»Angriff״» daß gegen die Klubs und Zirkel der ״bfete-Sager״, m denen die Juden gehören sollen, vorgegängen werden wird. Daß die Aktien nicht auf Berim beschränkt bleibt, geht schon daraus heryor, daß die Nazipresse der Provinz, besonders die in Franken, das vom ״Abgriff“ gegebene Signal, die Juden für die hohe Zahl der Nein-Säger verantwortlich zu machen, aufgenommen hat. Die Nürnberger Streicher-Blätter fragen: ״Warum verlassen die Juden nicht Deutschland,!Wenn sie unseren Reichsführer und Reichskanzler nicht mögen?" Antijüdische Boykottpropaganda wird in Danzig fortgesetzt Die Boykotthetze gegen Juden ln Danzig dauert unentwegt an. Die wiederholte Entschließung der Regierung, daß sie einen Boykott der jüdischen Wirtschaftskreise nicht dulden wird, wird von der nationalsozialistisehen Partei, die in Danzig völlig autonom arbeitet und lediglich auf Weisungen von Berlin hört, nicht im geringsten befolgt. So hat soeben der Gauleiter Förster in einer Versammlung wiederum ausdrücklich erklärt: ״Wer bei Juden kauft oder sich mit Juden einläßt, ist als Verräter an der Partei und am Nationalsozialismus anzusehen." Es ist klar, daß unter diesen Umständen die 0Mziehen Erklärungen der Regierung jeden Sinn verlieren, das gesamte politische Leben Danzigs wird eben von der Partei beherrscht. In jüdischen Wirtschaftskreisen gibt man sich deshalb kaum irgend welchen Hoffnungen über eine Besserung der Lage der Juden in Danzig hin. Rückgang des natürlichen Zuwachses unter den Juden Polens. Wie aus den offiziellen statistischen Daten zu entnehmen ist, geht der natürliche Zuwachs der Judeif .in Polen ständig stark zurück. Die Zahl der jüdischen Ehe- Schließungen im 1. Quartal 1934!betrug 5711, das ist 7,5 auf 1000 jüdische Einwohner, während bei den Nichtjuden das Verhältnis 9,1 beträgt. Jüdische Geburten sind 17,3 pro 1000 der Bevölkerung zu verzeichnen, während bei den Nichtjuden das Verhältnis 26,7 beträgt. Die kleinere Zahl der Geburten bei den Juden ist auf die schwierigen ökonomischen Verhältnisse der großen Mehrheit der polnischen Juden zurückzuführen. Nach den statistischen Berechnungen wird es heuer in Polen überhaupt keinen natürlichen Zuwachs geben, weil der gesamte natürliche Ueberschuß durch Auswanderung aufgehoben wird. Unter den Emigraüonsländem, die die polnischen Juden aufsuchen, steht Palästina an erster Stelle. (2TA.) Aus Ungarn. Die antisemitische Presse Ungarns, die wohl als bestinformiert gelten kann, prophezeit für das kommende Semester judenfeindliche Ausschreitungen an den Universitäten. Dieselbe Presse hat gegen die Jeschiwos einen Feldzug eröffnet und verlangt deren Maßregelung. In Raab (GyÖr) ist der Vorsitzende der orth. isr. Kultusgemeinde, Mitglied des Orth. isr. Landesausschusses, Herr Isidor S c h w a r t z, im 55. Lebensjahre g estorben. ״ . . Der ,in Mis.kolcz abgehaltene Kongreß.der un-; v garischen Kaufleute hat gegen die Freiheit des Handels Stellung genommen und möchte die Ausübung des kaufmännischen Berufes an Befähigungsnachweise binden. Die jüdische Presse erblickt in diesem Beschluß einen neuen Feldzug gegen die wirtschaftlichen Betätigungsmöglichkeiten der Juden. Aus Rumänien. In iS z i 6 r v & r a 1 j a wurde am 14. August der neue, Oberrabbiner, Abraham Schwartz, ein!Sohn des Miskolczer Raws, installiert. In Groß wardein ist am 21. August der Ehren- Vorsitzende der Schass-Chewra, der Fabrikant Uizchok Straß er, ein würdiger Enkel des Klaw Sofer s. Z. 1., im 64. Lebensjahre gestorben. Zu 5 1 Roich-Haichonoh | § ראש השנה! 2 übermitteln Sie allen Ihren Verwandten. EE Freunden, Kunden, Gästen und Bekannten 2 ü 016 ,0iS I Neujahrs wünsche! ן כתיבה וחתימה ט ו ב ה| 22 durch die 2 | ״JÜDISCHE PRESSE“! «5 Die Einschaltung laut Es nebenstehendem Muster kostet S 5.״ S bzw. Kc 25•- ־ ki Wolf Pappenhelm EE Wien II, Kl. Pfarrg. II Auf Wunsch wird an angegebene Adressen ■jjjj das Blatt kostenlos versendet, / Bestellungen 2 sind zu richten: Aus der Tschecho- Es Slowakei an die ״Jüdische Presse“, Es Bratislava, Edlhof, Postfach 381, / Aus 2 Oesterreich und dem sonstigen Aus-'S land an die ״JUdische Presse‘^ Wien, 5 n., Malzgasse 12 a (Tel, A-46-O-lß) =5; ^immmiimmiiiiimimiimimmiiimmimimiiimiiim»־ Das Winterhalbjahr ah den Wiener Volkshochschulen, An den Wiener Volkshochschulen (II״ Zirkusgasse 48, IH״ Kundmanngasse 22, V., Stöbergasse 13-15, IX., Währingerstraße 43, X״ Jagdgasse 40, XL, Gottschalkgasse 21, XVI״ Ludo-Hartmann-Platz 7, XX״ Stromstraße 78) nebst den kleinen Zweigstellen, X״. Hasengasse '38, XHL, Fehzingerstraße 72 und L4n2e?- straße 254, beginnt Montag, den 24, September, bzw, 1, Oktober 1934 das Winterhalbjahr mit 700 neuen Kursen.