Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 20 (1934)
- Issue
- 27 (20.7.1934)
- Date
- 1934-07-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2629891-2630538-2630565--4774-2636996- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Ankara 1× ep/1044026
OCR text
*״ Nr. 27 (JGDiShüffi!! " """"«ח» - ™***■■X! **״״י ״״ Vd l«״*SrtU sotgi^״^ etv *.*Ad ״Ssä^s^״״״ *l _vw1'״''•"״ SSutSN^״ ״־״י ״״*״»״״ 4״B״״־^®e^ Bufih 00iTtOch^״ «Ltt* Die rituelle Zuverlässigkeit von ״Opekta“ wurde von Kabb. Dr. Carlebach, Köln, in folgendem Schreiben attestiert: Nach eingehender Besichtigung der Herstellung des Einmachmittels ״Opekta“ (in flüssiger Form) vom Rohmaterial bis zur Abfüllung in die zum Verkauf gelangenden Flaschen habe ich mich davon überzeugt, daß ״Opekta“ ein rein pflanzliches Produkt ist, ohne Beimischung irgend welcher religionsgesetzlich nicht zulässiger Stoffe. Daher kann ״Opekta“ unbedenklich in jedem jüdischen Haushalt verwendet werden. Der Rabbiner der Synagogengemeinde ״Adas Jeschurun“, Köln: (gez.) Dr. Carlebach (Rabbinatsstempel) Zionistischer Verrat. Zionisten verhindern die Schaffung einer einheitliehen jüdischen Repräsentanz in Polen. Aus Warschau kommt die Nachricht, daß dort die Bemühungen der dortigen Kultusgemeinde, die von einer agudistischen Mehrheit geleitet wird, zur Schaffung einer einheitlichen polnischen jüdischen Repräsentanz an dem Widerstand der Allgemeinen Zionisten gescheitert sind. Die Kultusgemeinde-Leitung hatte alle politischen und wirtschaftlichen jüdischen Verbände zu einer Konferenz ins Gemeindehaus geladen, um dort den Versuch zu machen, angesichts der bedrohten politischen und wirtschaftlichen Lage der jüdischen Massen in Polen eine einheitliche jüdische Repräsentanz zu schaffen. Die Revisionisten lehnten vorerst die Teilnahme an der Konferenz ab, mit der Begründung, daß sie sich mit den Allgemeinen Zionisten nicht an einen Tisch setzen. Erst der Vermittlung der Aguda gelang es, die Parteien zusammenzubringen. Bei der Konferenz seihst gaben die Vertreter fast sämtlicher Parteien ihre bedingungslose Bereitwilligkeit zur Teilnahme an einer solchen Repräsentanz kund. Nur die Vertreter der Allgemeinen Zionisten erklärten nach einer langatmigen Einleitung, daß sie dieser inner jüdischen Repräsentanz nur unter der Bed i n g u n g!beitreten, daß die Aguda ihre Pariamentsabgeordneten aus dem Regierungsblock zurückziehe. Der Vorsitzende der Aguda in Polen, I. M. Lev/in, lehnte dieses unerhörte Ansinnen in würdiger und feierlicher Weise ebenso wie die Verantwortung für das.S c heitern der Konferenz ab. Der Antrag der Revisionisten, die Repräsentanz ohne die Allgemeinen Zioni3ten, die an sich nur eine verschwindende Minorität darstellen, zu •bilden, wurde von den Aguda-Vertretern mit der Begründung abgelehnt, daß die Aguda die größten Opfer für die Schaffung ,der Repräsentanz gebracht habe, dies jedoch nur unter der Voraussetzung, daß die Repräsentanz wirklich 100 Prozent der polnischen Judenheit vertrete. Nach der Konferenz wurde noch ein Komitee eingesetzt, das die Möglichkeiten der Schaffung einer solchen Repräsentanz weiter untersuchen soll. Die Aguda gehört diesem Komitee nicht mehr an. * Es ist keine angenehme Aufgabe, sich mit den politischen Methoden der zionistischen Parteien in den verschiedenen Ländern abzugehen. Es ist aber leider nicht zu umgehen, daß man ab und zu die Dinge etwas niedriger Das 78. Klagelied. ואת נוי חטאתי השמיטח. Der Schönheit Krone wargefallen, Zerstört des Tempels heilige Hallen, Anstatt Recht ward dunkle Nacht, Statt der Zier haust’ wild Getier. Israels Blüte wanderte ohne Ziel, In Acht, in Nacht, ins Exil. Statthalter und Satrapen Wurden Knechte und Sklaven. Des Hohepriesters Tochter und Sohn, Ach, o weh, des Schicksals Hohn, Wurden zweier Römer Beute, Gleichgesinnter, befreuud’ter Leute. ״Ich habe“, erzählte der eine prahlend, ״Ein Mädchen, wie die Sonne strahlend, Gediegen Gold, ein Diamant, Dergleichen nicht im Römerland! Augen blendend von der Ferne, Wie des Himmels hehre Sterne, Berückt, bestrickt von der Näh’, Gleich dem Engel, einer Fee.“ Hierauf der andre stolz versetzt: ״Und so horche du auf mich jetzt! Ich habe einen Jüngling, wunderbar, Mit wallenden Locken, blondem Haar, Dessen Wangen wie Rosen blühen, Augen Vulkane, Feuer sprühen,.. Dessen Wuchs: schlank wie eine Zeder, Es beschreibt ihn keine Feder.“ , hängt, um den politischen Laien zu zeigen, wie alles Geflunker der Zionisten von der ״Einheit" des Judentums, vom ״nationalen Ehrgefühl“ usw. nur leerer Schall sind und die wirkliche Triebfeder allen zionistischen Handelns das Parteiin.teresse ist. Während hierzulande die Zionisten durch eine Zufallsmehrheit ans Ruder gekommen sind und nun das Recht für sich usurpieren, das ״Gesamtjudentum" zu vertreten und jeden Versuch einer selbständigen Regung innerhalb der jüdischen Gemeinschaft als Verrat verschreien wollen, liegt ihnen die Einheit, dort wo sie von einer religiösen Mehrheit geschaffen wird, sehr wenig am Herzen. Daß aber die Herren für die Sprengung dieser Einheit eine so verdrehte Argumentation wie die in Warschau suchen, zeigt, daß diese Herren mit ihrem politischen Latein sehr rasch zu Ende sind, wenn sie dasselbe nicht in einer Volksversammlung, sondern in einer Konferenz ernster Menschen verwenden wollen. In Polen haben sich die Zionisten in .ihrem blinden Machthunger mit Deutschen und Ukrainern, mit den fanatischesten Judenfeinden, zur Erlangung einiger schäbiger Mandate verbunden. Die Orthodoxie, die dort wie überall zum obersten Grundsatz ihrer politischen Einstellung Loyalität dem Staat und der Regierung gegenüber hat, hat sich dem Regierungsblock angeschlossen. Daß diese Politik, abgesehen davon, daß sie religiös die einzig mögliche war, sich auch politisch als überaus klug erwiesen hat, läßt die Herren Zionisten nicht zur Paihe kommen. Die Zionisten wissen, daß das polnische Judentum seine Verhältnismäßig günstige politische Situation nur der Arbeit der agudistischen Politiker zu verdanken hat und daß ihre unglückselige ״Minderheitspolitik“ nicht nur die zionistischen Träger der Politik, sondern auch das gesamte polnische Judentum an den Rand des Abgrundes gebracht hätte. Wenn ihnen also schon ־keine Lorbeeren im politir sehen Leben Polens blühen, so wollen sie wenigstens um jeden Preis das Wasser von den Mühlen der Aguda ablenken. Nur so ist die irrsinnige Zumutung zu verstehen, die die Teilnahme an einer innerjüdischen Gemeinschafts- Vertretung von der Aenderung der regierungsfreundlichen Staatspolitik der Orthodoxie abhängig macht. Dort haben die Herren auf Granit gebissen, aber der Antrag war gut, um einmal hineinzuleuchten in den Ideensumpf der zionistischen Politik. Wenn in Oesterreich die Orthodoxie sich aus rein sachlichen, relig i ö s e n Gründen gegen die Bevormundung der irreliösen Zionisten wehrt, so wird von ״Verrat“ gesprochen. In Po 1 en darf die Einheit um niedriger P arteiinte ressen willen gesprengt werden. Das ist jüdischnationale Politik! Und al3 sie kam die dunkle Nacht, Wurden beide in eine Zelle gebracht, Dunkel deckte die beiden Armen! O Allvater, hab’ Erbarmen! ״Ach, wie traurig, oh, wie düster, Mein Vater! Hohepriester! Eine Heidin soll ich trauen? Mein Vater! Hohepriester! ״Ach, ihr Engel, weh׳ ihr Sterne, Seid ihr mir denn gar so ferne? Treue schwören einem Heiden, Könnt ihr’s dulden, solches Leiden?“ Und so wechselt Jammer, Klage, Bis zum lichten, hellen Tage, Da fielen sich um den Hals die Armen, Guter Vater, hab’ Erbarmen! ״Bruder, Schwester! Ob unserer Sünden Mußten wir hier einander finden!“ ״Teurer Bruder, der Brüder bester!“ ״Meine edle, gute, beste Schwester!“ Und sie jauchzten und sie weiften, Bis sich die Seelen im Tod vereinten Und es war ihres Lebens Schluß Noch . ein. heißer Seelenkuß. _׳ Frei übersetzt von Adolf Graf. Kritik und Betrachtung«!IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIflllllllllllfllllllllltlflltllilllllMlIlltllllliimit Wieder heimgefanden. Also es ist doch schade ums SchmalA tfn* verbessefliche Optimisten, die wir einmat sind, müssen auch umiemen. Haben mt da vorige Woche den ehrlichen Versuch gemacht, zu ehrlichen Misrachisten zu sprechen, haben uns bemüht, ernst und würdig die Sache zu be« handeln und haben der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß sich der Misrachi, nachdem er in seinem offiziellen Organ den Austritt aus dem ״Waad leumi“ mit Argumenten, die unseren Arsenalen entliehen waren, he« gründete, doch vielleicht seiner historischen Aufgabe erinnem wird. Wir haben dem ehrlichen Wunsch nach einer Vereinigung aller Glaubenstreuen Ausdruck verliehen und haben auf eine würdige Antwort gewartet, Inzwischen berichtet die J. T. A. unter dem 16. Juli, daß der Misrachi wieder untergekrochen ist. Er ist in den ״Waad leumi“ wieder ein getreten. Nicht etwa, daß man die Forderungen. des Misrachi erfüllt hätte. Bewahre! Man hat den reudigen Herren zugesagt, in einer der nächsten Sitzungen eine Unterkonimission zu wählen, die die Möglichkeit einer Vertretung aller Elemente des Jischuw im ״Waad leumi“ —-untersuchen soll. Und damit ist die ״Krise" wenigstens für die nächste Zeit bereinigt. Das sind .doch Helden der religiösen Ueberzeugung. Das sind doch prachtvolle Vertreter der religiösen Interessen. Und das sind doch charakterfeste Menschen,.die Herren des Misrachi, die diese abscheuliche Komödie auf dem Rücken unserer heiligen religiösen Postulate spielen. Wie lange noch? Wie lange noch werden diese Gaukelspieler des politischen Lebens das Recht für sich in Anspruch nehmen, in jüdischen Dingen mitreden zu dürfen. Wir verstehen einen Gegner der religiösen Grundideen des Judentums. Wir verstehen a- und antireligiöse Zionisten aller Schattierungen und sind bereit, mit allen ritterlich die Klinge zu. kreuzen. Wir verstehen aber nicht die Heuchelei, die auf der einen Seite von unveräußerlichen und unveränderlichen religiösen Grundsätzen den Mund übervoll nimmt und auf der anderen Seite schmählich an den Mandatsitzen klebt. Keine Repräsentanz der polnischen Juden. Die ״Journaille'* ist ein Wort, das zweifellos Klangfärbe hat. Ebenso zweifellos ist es, daß dieses Wort die Empfindungen bei weitem nicht wiedergibt, die man bei der Lektüre des Berichtes der ״Neuen Welt“ vom. 17. Juli unter obigem Titel gewinnt. Schreibt da die ״Neue Welt“ zu dem Versuch, eine einheitliche Repräsentanz der polnischen Judenheit zu schaffen, über den wir an anderer Stelle ausführlich berichten, einen zweispaltigen Bericht, den sie mit dem Untertitel ״Widerstand der Aguda" versieht. In der ersten Spalte dieses Artikels steht unter Sperrdruck: ״Die Vertreter der Agudas Jisroel, des Misrachi, der Volkspartei, der Revisionisten, der Judenstaatspartei und der wirtschaftlichen Verbände erklärten ihr be di ngungsloses Eintreten in die Repräsentanz"; in der zweiten Spalte berichtet der Schreiber ausführlich, wie der Vertreter der allgemeinen Zionisten die Einheit künstlich gesprengt hat. Wie also da von einem Widerstand der Aguda gesprochen werden kann, das wird wohl Herr Stricker oder einer seiner Eleven zu be-' weisen haben. Interessant ist nur, wie niedrig diese Herren ihren eigenen Leserkreis einschätzen, indem sie den schändlichen Mut haben, einen Artikel vorzusetzen, dessen eine Spalte die andere nicht kennt und de j; zur Gänze dem Titel widerspricht. Pogromartige Ausschreitungen iu Türkisch-Thrazien. Bei der Jüdischen Gemeinde in Saloniki sind entsetzenerregende Nachrichten über die Lage׳ der jüdischen Flüchtlinge aus der europäischen Türkei eingetroffen. Augenzeugen berichten, daß in mehreren Städten der Türkei von organisierten Banden richtige Judenpogrome gemacht wurden. Es seien Fälle von Folterungen vorgekommen, Frauen und Mädchen seien geschändet, viele Personen in abgelegene Gebirgsgegenden verschleppt worden. Man wisse nicht, was aus ihnen geworden ist. Aus Türkisch-Thrazien sollen fast alle Juden vertrieben worden sein, ohne daß ihnen Gelegenheit geboten wurde, das Notwendigste für ihren weiteren Lebensunterhalt mit sich zu nehmen. Der Rabbiner von Kirkilisse sei nackt ausgezogen und schwer mißhandelt worden. Man habe ihm auch den Bart abgeschnitten. Mehrere Bataillone Militär seien in Thrazien eingetroffen und hätten unter den Pogromhelden Massenverhaftungen vorgenommen. Gerüchtweise verlautet, daß der Unterrichtsminister Hikmet Bey zurückgetreten ist, weil er sich von Anfang an der Massenevakuierung von Juden ohne vorherige Ankündigung widersetzt hatte. Vertretungen ausländischer Mächte haben in der Angelegenheit der thrazischen Juden Schritte in Ankara unternommen. Nach einer Mitteilung der Jüdischen Gemeinde in Konstantinopei soll die Rühe jetzt wiederhergestellt sein. Jüdische Flüchtlinge aus Thrazien, die in Saloniki eintrafen, erzählen, daß entgegen der offiziellen Mitteilung der türkischen Regierung, daß die aus Türkisch? Thrazien vertriebenen Juden in ihre Heime zurückgeführt werden sollen, von einer solchen Wiedergutmachungsmaßnahme bisher gar nichts zu merken ist, sondern daß im Gegenteeil weitere jüdische Massen aus Thrazien flüchten, weil sie unter dem dort herrsehenden antisemitischen Terror nicht leben können. Die antijüdische Aktion ging auf zweierlei Weise vor . sich. Einerseits gingen die Behörden in manchen Orten mit der restlosen Austreibung der Juden vor, andererseits hetzten antisemitische Agitatoren die Bevölkerung in den Orten, in denen eine offizielle Judenaustreibung noch nicht ausgesprochen worden war, gegen die Juden auf, so daß diese, dem gegen sie entfesselten gefährlichen Terror freiwillig wichen. 8000 Juden sollen angeblich nach Istanbul geflüchtet sein. Die Gouverneure von Kirkilisse und Tekirdag wur״ den von ihren Posten abberufen, weil sie die Juden- Verfolgungen duldeten und von Amts wegen Judenaustreibungen Vornahmen. Polizisten patrouillieren durch die Straßen aller Städte, um Plünderungen in den von den Juden verlassenen Häusern zu verhüten. ״L’Action“ berichtet aus Istanbul, daßdietürkisehen Behörden die Austreibung von?8.000 Judenplaaen. *, ץ•' ׳• t In der europäischen Türkei leben ־ *gegenwärtig 80.000, in der asiatischen Türkei 78,000 Juden; ' nillllllllllllllllllllllllllllllllll...111111111.....IIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIliilll.... ״Eine Idee, herrlich fürwahr, Das wäre ein schönes Engelpaar, Gib du Deinen hin der Meinen, Brüderlich werden wir uns vereinen!“