Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 20 (1934)
- Issue
- 19 (18.5.1934)
- Date
- 1934-05-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite $ JÜDISCHE PRESSE Nr. 19 //Sdiomre^diabbos^ Sekretariats Wie« II, Leopoldsgasse Nr. 16, Telepho« A-46-0-15 Die Anlegung der Ledersammelbüchsen für den .Kefteft Hajischuw ist bereits ift vollem Gange Es 2eigt Sieb Allgemein ei« sich steigerndes Interesse für die Erez Jisroel-Arbeit der Agudas Jisroel, die hoffentlich 2u den so dringend nötigen Erfolgen führen wird. Die Vorarbeiten für die Zentralratssltr.ung. Den aus den verschiedenen Ländern eintreffenden Anmeldungen 2ufolge wird die Zentralrats־ Sitzung diesmal sehr stark beschickt sein. Die Fest- Setzung der ׳Tagung hat die intensivste ׳Tätigkeit der Landesorganisationen, insbesondere in bezug auf Erez Jisroel, ausgelöst (AJPß.) Nationalsozialistische Ritualmordpropaganda. Der von Julius Streicher, dem Mitglied der bayrisehen Regierung herausgegebene ״Stürmer“ bringt unter der Schlagzeile ״Jüdischer Mordplan gegen die nichtjüdische Mehrheit aüfgedeckt" Ritualmordbeschuldigungen gegen die Juden und zählt 131 angebliche jüdische Ritualmorde auf. Die Reichsvertretung der deutschen Juden hat hierauf folgendes Telegramm an den Reichs־ kanzler Adolf Hitler gesandt: ״Der ״Stürmer" verbreitet eine Sondernummer, die unter ungeheuerlichen Beschimpfungen und mit grauenerregenden Darstellungen das Judentum des Ritualmordes bezichtigt. Vor G-tt und Menschen erheben wir gegen diese beispiellose Schändung unseres Glaubens in feierlicher Verwahrung unsere Stimme.“ Reformbestrebungen in Budapest. Wie irrig die Annahme ist, daß die ReformbeStrebungen bereits im Absterben sind, beweist neuerlich folgende Meldung des ״Szombat“: Seit einer Zeit sind in Budapest Reformbestrebungen zu bemerken. Eine derartige Versammlung fand unlängst in der Wobnüng des Dr. Emö NamCnyi statt. Es nahmen ungefähr 60 Personen daran Teil, meistens Frauen. Der Abend begann mit Orgelspiel. Die Herren und die Damen nahmen gemeinsam Platz. Die Herren waren ohne Kopfbedeckung. Dr. Namdnyi las Psalmen vor, und. zwar in der ungarisehen Uebersetzung des katholischen Priesters Sändor Sik. (Sik ist ein getaufter Jude. — Red.) Die Predigt hielt der Rechtsanwalt Dr. Endre Neugröschel. Unter den Anwesenden fielen auf, der bekannte Rechtsanwalt Dr. Friedmann und der Redakteur Endre S<5s (führender Mitarbeiter der Budapester zionistischen Zeitung. — Red.) Das Neugebilde will unter dem Namen Jeschajah-Verein wirken. Vom Chilul-Schabbos-Skandal in Tel-Awiw. Wie wir bereits berichteten, kam es anläßlich der Levante-Messe zu einem Chilul-Schabbos-Skandal in Tel-Awiw, bei welchem orthodoxe Demonstranten schwere und leichtere Verletzungen davontrugen. Die jüdische und die englische Polizei sind den Demonstranten gegenüber sehr brutal zu Werke gegangen. Es wurden 17 Demonstranten verhaftet, die in einem Auto transferiert werden sollten. Sie wollten die Marschroute zu Fuß machen, um Schabbos nicht fahren zu müssen, wurden jedoch von den Polizisten (die zumeist Juden waren) in Ketten geschlossen und mit Gewalt ins Auto gebracht. Die Demonstranten gehören zum Teil!der Agudas Jisroel, zum! Teil den Poale Misrachi an. Es werden jetzt von der Orthodoxie Schritte unternommen, die in Zukunft solche Skandale, die schwerste Erbitterung im ganzen Lande hervorgerufen haben, unmöglich machen sollen. (AJPB.) Grandioser Empfang des Sadagoraer Rabbi M. Friedmann in Przemysl. Der Empfang des Sadogoraer Rabbi in Przemysl gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung der Orthodoxie. Auf der Fahrt Krakau—Przemysl hatten sich auf sämtlichen Stationen Abordnungen der Kultusgemeinden und viele Anhänger zur Begrüßung eingefunden. In Przemysl selbst hatte sich eine so große Menschenmenge am Bahnhof eingefunden, daß die Polizei nur unter schweren Mühen die Ordnung aufrecht erhalten und dem Großrabbiner einen Weg zum Auto bahnen! konnte. •Die Massen waren aus der Umgebung von Przemysl zusammengeströmt. (AJPB.) Adas Jisroel-Schiffschul. Wien, H., Gr. Schiffg. 8. Kanzlei: n., Gr. Schiffg. 1. שבת פ, במבדר um & Uhr früh. (Nach Krias- Hathoro von Haschkomoh) wird אדמחרשליט״א in der Schiffschul eine Droschoh hatten. * Am 2. Tag Schwuos, um 725 Uhr nachmittags, wird אדמרר שליט-א im Bes-Hamidrosch eine Droschoh halten über die ׳W{ ((ברכות י״ט גדול כבוד הבריות ❖ Mit Rücksicht auf die wirtschaftlichen Verhältnisse wurde, die Gebühr für Schächtungen von Hühnern im Schlachthause mit S —.15 per Stück, für von auswärts eingeführte Hühner auf S —.20 per Stück herabgesetzt. Die Schächtstunden im Geflügelschlachthause, II., Große Schiffgasse 10, sind Montag -bis Freitag von 7 bis 10 .Uhr vormittags, Donnerstag von 17 bis 19 Uhr abends. Die rituelle Aufsicht in den Geflügelhandlungen bezieht sich ausschließlich auf ganze Stücke, d i e m i t der Marke der Adas Jisroel (Plombe) versehe n! sind. Die p. t. Verbraucher werden dringendst ersucht, Geflügel, das ohne Marke ausgeboten wird, unbedingt zurückzuweisen. Die Ausgabe der Schäehtzettel, die vor der Vornahme der Schächtung dem Schochet einzuhändigen sind, erfolgt in dem Geflügelschlaohthause. * Der Ausschank der unter Aufsicht der Adas-Jisroel- Schiff schul hergesteliteu Koscher il e h erfolgt am Sonntag, den 1. Tag Schwuos, von 6 bis 8 Uhr und am Montag, den 2, Tag Schwuos, von 6 bis 10 Uhr früh. s!; ' ׳ ,An beiden Schwuos-Tagen findet der Mögen- Awvohom-Schiur des Herrn Awrohom Feigelstock in Bes^Kamidrosch statt um lhlt um 11 Uhr vormittags statt. Von dir Wiener Aguda. Das Generalsekretariat der österreichischen Landesorganisation der Agudas Jisroel verlautbart: Wegen der eingetretenen Dürre konnte vergangenen Sonntag die agudistische ״Machne Olim" in Schachendorf nicht eröffnet werden. Die Eröffnung wurde nunmehr endgültig auf Dienstag nach Schwuos festgelegt. ln Baden hei Wien fand am Sonntag unter starker Beteiligung und in Anwesenheit mehrerer Gäste aus Wien eine Abschiedsfeier für Herrn Moses Kaufmann statt, der mit einem von der Agudas Jisroel erhaJtenen Zertifikat nach Erez Jisroel auswandert. Oberrabbiner Dr. Carlebäch, Herr Jona Rosenfarb, Red. Schabse Schönfeld, Generalsekretär David Türkl und der Vorsitzende, Herr Schabse Rapaport, sprachen herzliche Abschiedsworte. Abends fand ein Bankett statt, bei welchem außer dem ehrwürdigen Herrn Oberrabbiner, die Herren Berl Lewinter und Lazar Asckenazy aus Wien die Wünsche der Freunde des Abschiednehmenden verdolmetschten. Bezeichnend für die Beliebtheit, deren sich Moses Kaufmann in Baden erfreute, und anerkennenswert ist der Umstand, daß die zionistische, die revisionistische und die misrachistische Gruppe in Baden durch je einen Sprecher dem Ob ihre Grüße übermittelten. * Wie alljährlich propagiert der Keren-Hathora auch heuer eine Schwuos -Aktion, indem er alle Wiener Bethäuser auffordert, bei den Alijos an beiden Schwuos-Tagen die Aufgerufenen zum Spenden für den Keren-Hathora zu veranlassen. Es bleibt zu hoffen, daß der für den gesicherten Bestand der österreichischen Thoralehrstätten so dringend nötige Erfolg dieser Aktion sich vollkommen einstelle. Diese Woche wurden vom Büro des österreichisehen Keren Hathora, die seit einigen Jahren eingeführten Fragebogen an sämtliche vom Keren Hathora subventionierten Anstalten versendet., die dann die Grundlage für die jedes Vierteljahr erfolgende Bewilligung der Subventionen bilden. Das vom ״Schomre Schabbos" für jüdische Notstandsunterstützte erwirkte Entgegenkommen der Industriellen Bezirkskommission in der Frage der Staatliehen Selchfleischaktion (den jüdischen Notstandsunter־ stützten, die ihre religiöse Lebensführung durch eine Bescheinigung des Schomre Schabbos nachweisen, wird der sonst vorgeschriebene Abzug nicht aufgerechnet) hat sich als große Wohltat erwiesen. Bisher haben bereits -eine große Anzahl jüdischer Notstandsunterstützter um die Ausstellung einer entsprechenden Bescheinigung angesucht. Ferienheim der Agudas-Jlsroei-Jugendgruppe Wien. Wie alljährlich errichtet auch heuer die Wiener Jugendgruppe ein Ferienheim in den Sommermonaten. Wenn die Anzeichen nicht trügen, wird es heuer wieder ein voller Erfolg sein, ja wahrscheinlich ein noch viel größerer als bisher. Dafür bürgt die allerbeste Lage des Heimes, abseits von jeglicher Landstraße, abgeschlossen von jedem Verkehre. Es Hegt in Schwarzenbach an der Pielach auf Out ״Staudacherhöf" auf• der Anhöhe eines Berges, inmitten von idyllischen Wäldern und schönen Wiesen. Das Haus selbst, ursprünglich eine Pension, mit Sommer-und Winterbetrieb, ist auf das beste eingerichtet, beherbergt in 17 Zimmern insgesamt 40 Personen, hat elektrisches Licht, Wasserleitung in allen Stockwerken und einen herrlichen Speisesaal, der gleichzeitig als BeS- Hamidrosch dienen wird. In der Nähe des Hauses befindet sich das vollkommen betonierte Schwimmbassin, das von frischem Quellwasser gespeist wird, auch Anlagen für Sonnenbäder sind vorhanden. Kurz gesagt, bietet das Heim aile Annehmlichkeiten, die man an ein Ferienheim stellt und ist es sicher, daß sich die Insassen auf das Beste erholen werden. Das Heim soll Mitte Juni eröffnet werden. Auskünfte allabendlich im Lokale der Jugendgruppe, II., Obere Donaustraße 69. Agudas Jisroel Mädchengruppe Wien. Schabbos Parschas ״Bamidbor" spricht Herr Sekretär Moritz .Spitzer über ״Das Buch Ruth als Denkmal der jüdischen Dankbarkeit und Treue" im Lokal der ״Wieneä“, II., Obere Donaustraße 91, um halb 11 Uhr vormittags. Mit diesem Vortrag schließen wir unsere heurige Vortragsreihe. Wir erlauben uns gleichzeitig, auf diesem Wege allen mitwirkenden Vortragenden unseren herzlichsten Dank auszusprechen. Die ״Allgemeine Handelszeitung" hat anläßlich der in Tel-Awiw stattfindenden Levante-Messe eine Sondernummer herausgegeben. Nebst einem Artikel des Bundesministers Fritz Stockinger über die Bedeutung der Levante-Messe bringt das Blatt interessante Beiträge von führenden Persönlichkeiten der österreichisehen Wirtschaft, wie Bundeskanzler a. D. Streeruwitz, Präsident Dr. Strafelia, Präsident Langer u. v. a. Die Wiener Rezitatorin Margarethe Bach ersucht uns um Veröffentlichung folgender Zeilen: Tn einem vielgelesenen Montagsblatt ist anläßlich meines Vortragsabends am 14. d. M. ein sehr liebenswürdiger Aufsatz erschienen, von dem ich nur richtigstelle, daß ich in meiner Radio-Uebertragung aus Washington meinen Eltern keine Festgrüße zu Weihnachten geschickt, sondern daß ich mit Erlaubnis der National Broadcasting Company sie nur zu begrüßen die Gelegenheit hatte. ■ n I Tschechoslowakei j ■ . ■ Ein historisches Moment. Aus Uhersk^ Brod wird uns die Abschrift eines eben aufgefundenen Briefes zur Verfügung gestellt, den Rabbiner Dr. Moritz Jung s. A. vor 42 Jahren, kurz nach seinem Amtsantritt, an ein dortiges Gemeindemitglled gerichtet hat. Rabbiner Dr. Jung hatte hei einer Trauerrede scharfe Mussarworte für einige Gemeindensitglieder gefunden und ah Hand eines konkreten Vorfalles erklärt, daß die Verletzung der religiösen Speisegesetze letzten Endes zu ,Schmad‘ führen könne. Seine Worte fanden tiefe Entrüstung bei den Betroffenen, die ihrer Entrüstung in einer langen Beschwerde Luft machten. In dem von unbeugsamem Charakter zeugenden Antwortschreiben heißt es u. a.: ״Meine Rede, sagten Sie, erfüllte Sie und die aus der Ferne Herbeigeeilten, die den gebildeten Ständen angehören, mit Zorn, Groll und Entrüstung. Möglieh — was soll mir aber beweisen, etwa daß ich nicht so gesprochen, wie ich hätte spercehn sollen? . . . Ich mag durchaus keinen Beifall, der in der Verhöhnu-ng des Judentums wurzelt. Die Predigten und Trauerreden, die ich bis heute liier abgehalten, konnten Sie zur Genüge überzeugen, daß ich kein Schauspieler, dem der Beifall der Menge das höchste Ideal ist, sondern, daß ich von meinen BerufspfHchten durchdrungen, häufig־ genötigt bin, der Gemeinde die ganze Wahrheit zu sagen. .,.Der Beifall ist mir wohl angenehm, aber immer nur Nebensache, das Wesentliche ist das Moralisieren, ohne Rücksicht, ob es gefällt odier nicht. Unter Umständen scheint mir sogar die Entrüstung־ als ein günstiges Symptom, daß die religiösen Gefühle aus den Herzen der Entrüsteten noch nicht völlig geschwunden ... Nochmals, beim Abhalten meiner Reden ist nie der zu erwartende Beifall der Hörer maßgebend, sondern meine zur festen Ueberzeugung gewordenen Prinzipien. Die Ueherzeugung, im Sinne meines Judentums verfahren zu haben, bietet mir reichlichen Ersatz für den eventuellen Abgang des menschlichen Beifalls. Ob ich aber Im Sinne des Judentums gesprochen habe, nun, darauf sollte ich gar nicht antworten, wer dürfte sich anmaßen, dies in Abrede stellen zu wollen? Da ich aber aus Ihrer Entrüstung wie auch aus der der gebildeten Stände ersehe, daß weder Sie, noch jene meine Trauerrede verstanden haben, so will ich Ihnen meine Meinung sagen: Der Zweck der jüdischen Trauerrede ist nicht die Verherrlichung der Toten, sondern die Moralisierung der Lebenden, Besitzt der Tote Vorzüge, ist schon deren Betonung eindringliche Moral, besitzt er keine, so muß der Seelsorger durch allgemeine, religiöse Betrachtungen, die In solch ernsten Momenten empfangliehen Herzen für die religiösen Wahrheiten zu erwärmen suche!!. Wenn Sie nun vorurteilsfrei über meine Rede urteilen, so müssen Sie sich sagen, daß dieselbe eine Moralrede für die Hinterbliebenen Ihrer seligen Mutter war, Ich glaubte, daß mich die Hinterbliebenen verstehen werden, ahnte nicht, daß sie aus purem Egoismus das Herbe in meiner Rede, was für die berechnet war, auf ihre selige Mutter wälzen würden... N ei n, Herr Kohn, nicht für alle Erdensohätze werde Ich meinen Beruf durch Heuchelei, Lobhudelei herabwürdigen, geschweige denn für das schnöde Honorar, das mir eine Trauerrede bringt. Die Wahrheit ist mir teurer als alles und loh werde sie nicht entweihen, selbst wenn darüber die ganze Getneinde grolle!!, zürnen und sich entrüsten sollte, Sie schreiben, Ihr Bruder habe mich zur Abhaltung einer Trauerrede aufgefordert, ich dies zugesagt, und dennoch war meine Rede nichts weniger als eine Trauerrede. Sollte dies vielleicht eine Anspielung darauf sein, daß ich das erhaltene Honorar dadurch verscherze, so stelle ich Ihnen dieses bereitwillig zur Verfügung. Im übrigen muß ich Ihnen mit dem G־tteswort antworten: Nicht, wie Ihr denkt, denke ich! Ihr Bruder verlangte eine Trauerrede und meinte eine Lobrede, ich hingegen versprach eine Trauerrede, da dies doch meiner Ansicht identisch ist mit einer M o r a 1 r e d e. Ich muß im Interesse der Wahrheit bemerken, daß selbst, wenn ich alle jene Vorzüge gekannt, welche Sie an Ihrer seligen Mutter rühmen, die Moral, welche nach meiner Ansicht das Wesentliche einer Trauerrede bildet, wäre auch dann nicht weggeblieben. Ich hätte wohl die Vorzüge ausführlicher erwähnt, aber nimmermehr Lobhymnen auf Kosten des Judentums angestimmt. Die Wohltätigkeit, selbst im hochsten Maße geübt, ist nur!eine Seite des Judentums, c i n Blatt von׳ dem fruchtvollen Paradiesbaum der Thora. Eine volle Lobrede verdient also nur ein. Anhänger des ganzen, ungeteilten Judentums, welches neben der Wohltätigkeit die rigoroseste Erfüllung der übrigen Religionssatzungen fordert. Damit Sie aber sollen, daß ich gerne hereit bin, selbst hei einer Fülle von Schattenseiten auf eine einzige •Lichtseite hinzuweisen, gebe ich Ihnen die Versicherung, daß ich auch in Ihrem Briefe eine Lichtseite entdeckt habe. Aus dem dunklen Hintergrund der Entrüstung, welche Sie erfüllt, leuchtete mir eine kindliche Liebe und Ehrfurcht für Ihre selige Mutter entgegen. Meine Rede hätte Sie unmöglich mit einem solchen Groll erfüllt, würden Sie Ihre selige Mutter nicht sehr geliebt haben, im Licht der Liebe betrachtet, erschien sie Ihnen als ein höheres Wesen, von dessen Vollkommenheit jeder überzeugt sein müsse. ]Meine Rede würde Ihnen keine solche bittere Enttäuschung bereitet haben, hätten Sie nicht mit Ehrfurcht zu Ihrer seligen Mutter empor-, geblickt. Sehen Sie, Herr Kohn, dies sind die Lichtseiten Dires Briefes, dies will ich mir merken, es sind dies echt jüdische Lichtseiten, die Schattenseiten will ich vergessen. Besten Gruß Ihr Rabbiner Dr. M. Jung. U n g־. B r o d, am 34. Schebat 5602. Jeschiwo-Sorgen. Zu unserem vorwöchigen, unter diesem Titel veröffentlichten Aufsatz aus der Feder des ehrw. Herrn Oberrabb. Eckstein, Sered, sendet uns Herr Lazar Katz in Bratislava, der Initiator der ״Thora“-w׳Derech־Erez“- Bewegung, eine ausführliche Entgegnung, in der er u. a. folgendes ausführt: ..Es ist ein offenes Geheimnis, claß uns eben die bedrohte Lage der Jeschiwos und die materiell sich immerfort weniger tragfähig erweisende Orthodoxie den Impuls zu unserer Bewegung gab. Fortan sehen wir, daß die zur Erhaltung der Jeschiwos aus freiwilligen Gaben sich rekrutierenden Mittel mit der prekären Lage der Spender sich täglich verringern. Daß wir auch bei den gewaltigsten Anstrengungen seitens der Thoratreuen einmal damit rechnen müssen, daß das auf diese Art erhaltene Jeschiwowerk einer Grenze des Zusammenbruches sich nähert, wenn wir nur nicht eine Vogel- Strauß-Politik betreiben wollen,“ ״.Wir haben die Wege der ״Machsike Jeschiwos“ niemals kreuzen wollen. Im Gegenteil, wir woll-