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Jüdische Presse · 1934-05-04 · 17 (4.5.1934) · page 5

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Journal
Jüdische Presse
Volume
20 (1934)
Issue
17 (4.5.1934)
Date
1934-05-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 17 f BESSE Mm 8 ——•י——־——••——*•—ייי. i Tschechoslowakei j Jeschiwo-Sorgen. Von Mi tu. Eckstein, Sered. bauschtet! Projekten? Mag das ב וא5 תעשה® *Prinzip in Miß• Die heiligen Mallen der jüdischen Lehre öffneten Wieder ihre Tore, um die lernbeflissenen Scharen der Bachurim auf2unehmen. Die liebe Aufmerksamkeit aller Thorafreunde begleitet sie. Was sich vor unseren Augen abspielt, lehrt einen jeden, der mit unbefangenen Blicken die Ereignisse der Zeit betrachtet, daß die Jeschiwos und nur die Jeschiwos die Erziehungsstätten des Thora■ Volkes, die Träger seiner Zukunft sind. Krisen überall, Krisen, wohin das Auge sich nur wendet. Krise in der Welt der Wirtschaft, Krise in der Welt des Geistes. Neue Ideen tauchen auf, neue Ideale werden propagiert, neue Ge■* danken bereiten sich den Weg. Muß das Judentum nicht alles auf bieten, die größten Opfer bringen, üm die Jeschi- Wos, die Rüstungsheime des jüdischen Gedankengutes, des traditionellen Geistes lebendig und kräftig zu erhalten? Die Jeschiwo ist das Sorgenkind der jüdischen Allgemeinheit geworden. Die Jeschiwo wurde vor das Rampenlicht der Oeffentlichkeit gezogen. In den Zeitschriften und Versammlungen wird das Jeschiwo-Problem eifrig bespröchen. Vielleicht ein wenig zu breit, ein bißchen zu laut. Die Wichtigkeit und Bedeutung der Jeschiwos sollte es jedem zur Pflicht machen, jedes Wort zehnmal zu prüfen, auf die Waagschale der vorausblickenden Umsicht zu legen, bevor es in die Oeffentlichkeit geworfen wird. Wollen wir aufrichtig sein zu uns, wollen wir unseren Söhnen kein Phantasiebild vorgaukeln, so müssen wir offen bekennen: Die Lösung dieser Fragen überschreitet weit die Grenzen unserer Leistungsfähigkeit. Hat man schon berechnet, welche Summen die Verwirklichung der aufgeworfenen Pläne verschlingen würde? Kann ein mit den gegebenen Verhältnissen rechnender Mensch behaupten, daß wir in der Zeit der allgemeinen Verarmung, der würgenden Krise, des furchtbaren Wirtschaftlichen Niederganges diese Summen auch wirklich aufbringen werden? Wir leben in einer Zeit der besehleunigten sozialen, wirtschaftlichen Evolution. Das Alte stirbt ab; wir sehen nicht einmal die klaren Umrisse der kommenden wirtschaftlichen Struktur. Berufe werden von heute auf morgen überflüssig. Der erwerbenden, arbeitenden Menschheit ist ein mächtiger Feind erstanden: .die Maschine, die Technokratie. Die Mechanisierung, Indu- 3trialisierung schreiten mit Riesenschritten vorwärts, sie 3chaufeln das Grab des Handwerks, der manuellen Arbeit. Ist eine solche Zeit geeignet für Experimente? Für Experimente mit dem ]Heiligsten, Teuersten, das wir besitzen — mit den Jeschiwos! Laufen wir nicht Gefahr, daß der Sturm der Zeiten das, was wir bauen wollen, in Trümmer werfen wird, bevor wir es unter Dach gebracht haben? Wozu Pläne auf steigen lassen, die bei der ersten prüfenden Betrachtung wie Seifenblasen zerrinnen? Wozu Fragen ventilieren, die unsere lernende Jugend von ihrer Ruhe aufscheuchen, ihren Lerneifer vermindern, sie mit Sorge und Furcht um ihre Zukunft erfüllen? Ist da nicht das׳Schweigen klüger als das Reden? Zurückhaltung eher am Platze, als das beunruhigende Sprechen, als das unvorsichtige Herumwerfen mit großen Worten, aufgekredit geraten sein, mag es auch mit der beißenden Lauge des Hohnes überschüttet werden: Es gibt Fragen und Probleme, wo es noch mit vollem Rechte besteht. Wäre es nicht eher am Platze, 3tatt unsere Be■* geisterung an nebelhafte Zukünftspläne Zu Verschwenden, unsere volle Aufmerksamkeit und Sorgfalt den gegenwärtlgen Sorgen der Jeschiwos zuzuwenden? So bedroht wie jetzt war die Lage der Jeschiwos noch nie. Fragen Sie die הישיבות *am sie werden e3 Ihnen bestätigen. Die Sorgen lasteten noch niemals auf den Jeschiwos so drückend wie jetzt. Der Mittelstand ist verarmt, das Einkommen der Angestellten bedeutend geschmälert. Aus den Söhnen dieser rekrutierte sich das Heer der Bachurim. Die Jeschiwos waren gezwungen, die Aufnähme der Zöglinge zu beschränken. Viele Bachurim wandern von Jeschiwo zu Jeschiwo, ohne aufgenommen werden zu können. Muß da das jüdische Herz nicht im heiligen Schmerz erbeben? Darf das Judentum tatenlos Zusehen, daß Jünglinge mit lautersten Vorsätzen, mit unbegrenzter Liebe zur Thora einer ungewissen, gefahrvollen Zukunft ausgesetzt werden? Wollen wir die Thora und ihre Lehranstalten retten, muß da der Hebel ange3etzt werden. Wir dürfen es nicht verschweigen, zur Ehre des thoratreuen Judentums muß es gesagt werden: Großes, Bedeutendes ist in den letzten Jahren auf diesem Gebiete geschaffen worden. Die Gründung und der Ausbau der ״Machslke Hajeschhvoth“ ist eine Ruhmestat unseres Volke3, die größtes Lob und Anerkennung verdient. Vornehmste Pflicht der Gemeinden und aller Thorafreunde ist e3, nicht auf halbem Wege stehenzubleiben und diesem Verein die Mittel zur Verfügung zu stellen, die er zur vollen Verwirklichung seiner Aufgaben benötigt. Gewiß, auch die Gemeinden schwimmen nicht in U&berfluß, und die!Sparsamkeit, zu der sie gezwungen sind, macht manche schmerzliche Einschränkung notwendig. Allein die ungeschmälerte Existenz der Jeschiwos ist ein solch vitales Intere3se des thoratreuen Judentums, daß da Sparsamkeit auch in den heutigen tristen Zeiten nicht am Platze ist. Zum vierten Male fordern die ehrwürdigen Rabbiner unseres Landes die Gemeinden und Thorafreunde auf, am Schabos-Bamidbor ihre Opfer auf dem Altäre der Thora niederzulegen. Jede Groß- und Kleingemeinde muß sich an diesem Rettungswerk beteiligen. Keine Gemeinde hat da3 Recht, sich auf ihre spezielle Lage, auf ihre besonderen Lasten zu berufen. Wo gibt es eine Insel der Glücklichen unter den Gemeinden? Alle tragen sie keuchend dieselbe Bürde, alle werden sie von demselben Sorgenmeere umspült. Möge unser Volk bedenken, daß die Jeschiwos in der Geistesgeschichte des thoratreuen Judentums die bedeutendste Rolle spielen. Möge es־ bedenken, daß sie das Pfand und die Gewähr einer besseren, schöneren, g-ttgefälligeren Zukunft sind. SSSSsS guter Rat* Weisse und gesunde Zähne Die ״Jüdische Partei“. Es verlautet, daß die Wahlen zum tsche* choslowakischen Parlament demnächst ausge* schrieben werden sollen. Wie auch in diesen Blättern zu lesen war, hat jüngst der rumänische Unterrichtsminister den dortigen Juden folgendes erklärt: Den Juden stehen zwei Wege offen. Sie können sich eine separate jüdische Partei bilden. In diesem Falle ist es ihnen möglich, zu drei oder vier Mandaten zu gelangen, und sie haben dabei mit einem Kampf mit einer zu lebhafterer Tätigkeit angeeiferten Antisemitenpartei zu ,rechnen. Wenn sie aber Erfolge erzielen wollen, so wäre es für sie praktischer, sich den rumänischen Parteien anzuschließen. Durch ihre Führer gelangen sie dann mit der Regierung in Fühlung, was unbedingt vorteilhaft ist. Die orthodoxen Juden in der Tschechoslowakei vertreten von jeher diese Ansicht und sind gegen eine jüdisch-nationale Politik. Die orthodoxen Juden haben keine besonderen nationalen Wünsche und Aspirationen. Sie erstreben und verlangen vollkommene Gleichberechtigung auf allen Gebieten. Auf dem wirtschaftlichen, administrativen Gebiete, in der Schule und in der Justiz. Sonderwünsche haben wir bloß betreffs unserer Religion, nämlich daß man uns die Betätigung unseres Religionslebens nicht erschwert. In den Spalten dieser Blätter ist schon öfter auseinandergesetzt worden, warum wir jede Nationalit ä t s p o 1 i ti k ablehnen. Das Hauptziel einer National!- tätspolitik ist, die Sprache der Nationalität zu dem gleichen Rechte und zu gleichem Range wie die Staatsspräche zu erheben. Dazu sind drei Vorbedingungen nötig: 1. Ein großes einheitliches Gebiet, wo der überwiegende Teil der Bevölkerung diese Nationalitätssprache al3 Muttersprache spricht, 2. daß der andere Teil des Volkes dieser Sprache al3 Verkehrssprache sich bedient, 3. daß der größere Teil des Bodens, auf welchem die Angehörigen dieser Nationalität leben, auch diesen gehört. Für eine erfolgreiche Nationalitätspolitik ist ferner erwünscht, daß diese Nationalität in der Welt einen Staat besitze und dort ein Staatenleben führe. Welche dieser Vorbedingungen sind gegeben? Die jüdischen Nationalisten bestreben sich wohl, einen jüdisehen Staat zu errichten, aber in der von ihnen gewünschten Form wird er auch von den orthodoxen Juden entschieden abgelehnt. Denn die Nationalisten erstreben einen Staat, in welchem man jüdisch ״spricht“, wir sehüen uns aber nach einem Staat, wo man jüdisch lebt. — Jeder Staat hat eine Bestimmung auf dieser Welt. Der jüdische Staat hat die Aufgabe und die Mission erhalten, Rabbi Jomtow Lippmann Heller Baal ,Tossefos Jomtow■ זצ״ל. Rabbi Jomtoxo Lipman Heller ivetr zwei Jahre ' lang Oberrabbiner von Wien und seine tragische Leidensgeschichte spielte auch zum-Großteil in der damaligen Reichshauptstadt Wien. Dieser Axiszug aus der Selbstbiographie eines der Größten in Jisroel gewinnt durch die jetzt erfolgte Wiedereinführung des von ihm verfaßten ״Mi-scheberach(( in der Wiener Schiffschul Aktualität und ist des allgemeinen Interesses sicher. — Redaktion. Vom äußeren Lebensweg des Rabbi Jomtow Lipmann Heller ist uns. dank seinen eigenen Aufzeichnungen und nicht zuletzt infolge seiner tragischen Geschichte, mehr bekannt, als vom Leben anderer großen Männer der früheren Zeiten. Er ist 1579 in Wallerstein in Bayern geboren. Er kam schon vaterlos zur Welt und scheint auch in jungen Jahren die Mutter verloren zu haben. Der Großvater väterlicherseits. Rabbi Mosche Wallerstein, der ״Oberrabbiner von Deutschland“, nahm sich des Enkels an und schickte ihn auf die .Teschiwa des Rabbi Jakob Ginzburg nach Friedberg in Hessen. Von dort kam er in jungen Jahren zum hohen Rabbi Löw nach Prag und vervollkommnete sich auch im Lehrhause des Rabbi Efraim Lentschitz. Schon mit achtzehn Jahren war Jomtow Lipmann Dajan von Prag und wirkte als solcher im Rabbinat des hohen Rabbi Löw mit. Achtundzwanzig Jahre lebte und lehrte er so in Prag, und es waren, wie er in seiner Biographie sagt, die glücklichsten Jahre seines Lebens, um so mehr, als er auch mit irdischen Gütern gesegnet war. Um diese Zeit erschien auch ein Teil seiner Werke, auch sein Hauptwerk ״Tosfos Jomtow“, das die Welt auf den jungen Gelehrten aufmerksam machte. Er wirkte dann kurze Zeit in Nikolsburg und von 5385 bis 5387 als Oberrabbiner in Wien, in welchem Jahre er mit großem Jubel in Prag, der Stadt seiner ersten Jugend, als Oberrabbiner empfangen wurde. Um diese Zeit wurde der jüdischen Gemeinde in Prag vom Kaiser Ferdinand eine Kontribution von vierzigtausend Reichstalern auferlegt, und der Oberrabbiner hatte die undankbare Aufgabe, die Lasten auf die Gemeindemitglieder zu verteilen. Daß es bei allem gerechten, humanen Vorgehen Unzufriedenheit gab, ist wohl natürlieh. Renitente Männer, die sich benachteiligt fühlten, schraken auch vor Verdächtigungen nicht zurück und griffen zuletzt zum verwerflichsten Mittel, zur Denunziation. Da man dem Rabbi nichts Unrechtes nachsagen konnte, stellte man ihn als politischen Verbrecher, als Verräter, hin, und zwar sollte er die verräterische Ge׳־ sinnung in zwei seiner Bücher gezeigt haben. Der Kaiser wie der Hof dürften von der Unsinnig■* keit dieser Anschuldigung genau so überzeugt gewesen sein wie die Denunzianten selbst. Aber darauf kam es ja gar nicht an. Ein verehrter Rabbi war immer ein fetter Rissen• Man wußte, daß man in der Gemeinde seinen Kopf um jeden Preis freikaufen würde. So verhaftete man ihn, verurteilte ihn zum Scheine zum Tode, worauf das Erpressungsgeschäft mit der Gemeinde beginnen konnte. Lassen wir, was nun folgte, ihn selbst in seiner ״Megilas Ewoh“ erzählen: Am Montag, den 5. Tamus 5389, um die Minchazeit war es, als man dem Rabbi mitteilte, der kaiserliche Richter habe nach ihm gefragt. Er, der Richter, wolle zu ihm kommen. Nichts Gutes ahnend, nahm der Rabbi Von der Synagoge die Vorsteher mit nach Hause. Nach einer Stunde fuhr der Beamte vor. Im Studierzimmer des Rabbi brachte der Richter unter vielen Entschuldigungen und Beteuerungen seines Bedauerns hervor, daß er den Auftrag vom Kaiser Ferdinand habe, ihn zu arretieren und nach Wien zu überbringen. Er lud dann den Rabbi ein, mit ihm in seinem Wagen aufs Amt zu fahren. Rabbi Jomtow Lipmann bat aber, zu Fuß gehen zu dürfen. Der hohe Beamte ging mit ihm zu seiner Linken und die Vor- Steher folgten ihnen. Der Richter zeigte sich dem Rabbi äußerst gewogen, erklärte sich aber außerstande, an der Sache etwas zu ändern. Zwei Vorsteher, Rabbi David Lurja und Heni Meiseis, begaben sich sofort zu dem Oberst-Burggrafen, der als Statthalter das letzte Wort in allen Verwaltungsdingen zu sprechen hatte. Es war bereits späte Nachtstunde, der Oberst-Burggraf schlief und das Haus war von allen Seiten gesperrt. Zuerst erbost über diese Störung, ließ er sich dann doch von der Dringlichkeit des Falles überzeugen. So gelang es, nachdem sich die Vor- Steher mit Gut und Leben für den Rabbi verbürgt hatten, auszuwirken, daß Rabbi Jomtow Lipmann sich freiwillig binnen sechs Tagen dem Kaiser in Wien stellen durfte. Am 10. Tamus langte der Rabbi in Begleitung eines Vorstehers, des R. Hein, in Wien an. Vom Kanzler, bei dem sie sich gleich melden mußten, wurde er sehr hart angefahren, und hier erfuhr er auch sein schweres Verbrechen. Er hätte in seinen beiden Werken ״Maadene melech“ und ״Lechen chamudos“ gegen Kaisertum und Christentum geschrieben, zudem dem ersteren Buche einen verdächtigen Titel gegeben. Rabbi Jomtow Lipmann verteidigte sich mit einer Erklärung über das Wesen des Talmuds und der nachtalmudischen Literatur, die in dem schriftlichen Sinaigesetz wurzle. AUes, was darin von Fremdgläubigen gesagt ist, beziehe sich auf die alten Heiden. Der Rabbi erhielt den Befehl, sein Quartier nicht zu verlassen, bis die Gerichtskommission zusammengetreten sei. Sieben Tage später, am Fasttage des 1?. Tamus, wurde der Rabbi ins Gefängnis gesetzt und kein Jude durfte sich ihm nähern. Tags darauf aber wurde er schon, wohl auf Bemühungen von jüdischer Seite, in ein besseres Haftlokal überführt, wo er den Verkehr mit Freunden pflegen durfte. Am Donnerstag, den 20. Tamus, trat endlich die Kommission, bestehend aus hochgelehrten Männern, Richtern und hohen Beamten, zusammen, und der Rabbi wurde geholt, daß er ihnen Rede und Antwort stehe. Warum er in der Vorrede zu seinem Werke den Talmud so rühmend hervorgehoben hätte, nachdem doch der Papst diesen in den Bann getan, wurde er gefragt. Der Rabbi antwortete: ״Ich habe den Talmud gerllhmt in hebräischer Sprache, in einem Buche, das nur für die Söhne meines Volkes bestimmt ist, und es war mir nicht bewußt, gegen den Willen von Papst und Kaiser damit verstoßen zu haben." Sechs Tage später, am 26. Tamus, wurde das Urteil gefällt und dem Rabbi zugestellt. Es lautete auf Todesstrafe, durch kaiserliche Gnade in eine Geldstrafe von 12.000 Thalern verwandelt, die sofort bar erlegt werden mußten. Die beanstandeten Bücher werden eingezogen. Rabbi Jomtow Lipmann verfaßte eine Bittschrift, in der er für die Gnade dankte und um weitere bat. Eine solche Riesensumme aufzubringen, bedeute für ihn soviel, als wollte man ihm zumuten, zum Himmel hinaufzusteigen. Die Antwort lautete: Wenn er nicht zahle, würde er in Wien und Prag mehrmals öffentlich gepeitscht werden, damit die Schande die ganze Judenheit treffe: Nach vieler Mühe gelang.es, die Strafe auf 10.000 Taler herabzusetzen und Ratenzahlungen zu erwirken. Seines Amtes als Oberrabbiner von Prag war R. Jomtow Lipmann entsetzt. Der Rabbi war befreit, aber bar aller Mittel, seelisch erschüttert, stark verschuldet und heimatlos. Für! den 5. Tamus setzte er einen Fasttag ein für alle seine Nachkommen, es war der Tag, an dem er den schweren Gang nach Wien angetreten hatte. Für einen Festtag am Tage der Befreiung hatte er vorerst keinen Grund, denn noch war der Druck nicht gelöst. Im Tamus 1631, also nach drei Jahren, war er endlieh mit Hilfe edler Wohltäter in Prag, Wien und Frankfurt mit den Ratenzahlungen fertig. Ein Jahr später ging er über Lublin nach Großnemirow in Wolhynien, wo er als Oberrabbiner gewählt wurde. Kurze Zeit darauf wurde er nach der großen Gemeinde in W1 a d i m i r, Wolhynien, berufen. Inwiefern er von da aus und später an der Vierländersynode mehr oder weniger führend beteiligt ist, läßt sich nicht aktenmäßig feststellen. Auch hier in Wolhynien hatte er Feinde, die ihn beim Landesfürsten verleumdeten, hatte er eine Aera von Leiden und Gefahren zu überstehen, wovon wiederum ein Familien-Taanis zeugt. Später erhielt er die Gunst des Landesfürsten und wurde von ihm in seinem Amte bestätigt. Körperlich zermürbt 'durch die vielen Schickungen, •abe.r geistig stark und ungebrochen, wurde er am Sukkosfeste 1644, ein Mann von 65 Jahren, als Oberrabbiner in Krakau gewählt. Am Rosch-Chodesch Adar zog er, mit großem Jubel, sogar mit einer Art Fackelzug, empfangen, dort ein. Nun ist er in den ruhigen Hafen eingekehrt, wo er sich eines glücklichen, ungetrübten Lebensabends erfreuen darf. J e t z t ist es Zeit, das Versäumte nachzuholen und dem Familien-Taanis auch einen Familien- Freuden tag anzufügen, er ist am 1• Adar, bezw. in der Nacht zum zweiten Roseh-Chodesch-Tag, an dem er als Oberrabbiner von Krakau bestätigt Würde. Hier in Krakau starb er nach zehnjähriger ehrenvoller, von stärkstem Vertrauen getragener Wirksamkeit im Alter von 75 Jahren, im Jahre 1654. Ein Leben, kampfhewegt und reich an Arbeit und Mühen, aber Kraft und Geist aus- .* strömend, Segen spendend bis zuletzt, ging zu Ende, Seine ganze Leidensgeschichte ist in einem kleinen,״ dünnen Büchlein aufgezeichnet, die Produkte seines schöpferischen Geistes füllen aber ganze Regale un״־ serer Bibliotheken, An der Spitze seiner Werke steht der große Mischna-Kommentar, T 0 s f p s J am 10 ww• ^k ״•V,,iTv 'ftii

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