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Jüdische Presse · 1934-03-30 · 13 (30.3.1934) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
20 (1934)
Issue
13 (30.3.1934)
Date
1934-03-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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mmm Ä#:!. *Tfc 13 dieser Sprung im Mu wiMeftMf ist» spricht wiederum nicht für, sondern g e g e n die zionistische *Theorie. Aber auch die _ Orthodoxie, der & düdesein stets eine g4tii0fte tebensbestimmung war, darf sieh nicht damit begnügen, sieh in den ,wärmenden PeM ihres religiösen Glaubens zu hüllen und lediglich UdftschMftliehe Erwägungen anzusteilen. Sine schlimme Selbsttäuschung wäre es» wenn sie sich der Pflicht enthoben wähnte, den besonderen Sinn der g-ttiichen Lebens-1 beätimniüng, der in dem deutschen Erlebnis zum Ausdruck kommt» in ]Klarheit herauszuarbeiten und die Erziehung der eigenen Jugend entsprechend umzugestalten. Auch den liberalen Juden gegenüber wird sie sich nicht darauf beschränken dürfen, sich dem Gefühl einer durch die Erfahruüg bestätigten Selbstgerechtigkeit binzugeben. Auf der Orthodoxie lastet, die volle Verant- Wortungau chfÜrdieiiberalenJuden. An ihr ist es, sie zu trösten, sie aufzurichten, sie mit Hebender Geduld auf den Weg zu!bringen, den G-tt von allen Juden beschritten wissen will. Dieser Weg ist kein neuer. Es ist der alte Weg, den das jüdische Volk zu gehen hat und geht, seit es in die Geschichte eingetreten ist. Neu ist nur die Bewußtheit, mit der der alte Weg von uns einzuschlagen ist. Jfu.seH0Ka1.A0tj Bei Ermüdung nimrn r*1 •1• Das jüdische Volk ist das Volk des G-tt es- Staates. Der G-ttesstaat war das Ziel, das dem ersten Juden der Geschichte verheißen wurde. Der Weg des ersten wandernden Juden der Geschichte war der Weg zum G-ttesstaat. Der Weg des jüdischen Volkes im Golus ist genau der gleiche. Es ist der Weg vom G - ttesstaat der. Vergangenheit zum G-ttesstaat der Zukunft. Der Weg des jüdischen Liberalismus war ein I r r w e g. Denn er führte vom G-ttesstaat der Vergangenheit zur — Selbstauflösung. Der Weg des Zionismus ist ein Irrweg. Denn er führt vom G-ttesstaat der Vergangenheit zum g-ttfrcmden Nationalstaat der Zukunft. Unverrückbar ist und bleibt das Ziel. Ewig, wie die Bestimmung des jüdischen Volkes, Volk des G-ttesstaats zu sein, ist die Bestimmung des jüdischen Landes als Land des G־ttesstaats. Ein Irrweg ist jeder Weg, an dessen Ziel nicht das Land des G-ttesstaats winkt. Und weil es das Land des G-ttesstaats ist, kann der Weg dahin nicht ohne die Thora oder gar gegen die Thora, sondern nur mit der Thora gegangen und nur aus der Thora innegehalten werden. Es ist nicht die Thora an sich, sondern die Thora des G-ttesstaats, die uns anvertraut ist. Die Thora des G-ttesstaats: das ist die Geschichte gewordene Thora. Das ist die Thora, die uns zum G-ttesstaat trug, aus dem G-ttesstaat trieb und zum G-ttesstaat der Zukunft geleitet. תורד. עם דרך ארץ ישראל: das ist ׳unser Weg! Die Thora, in Beziehung gesetzt zu dem Weg, der uns ins Land des G-ttesstaats führt, ist die Thora des G-ttesstaats, die Gemeinschaft bildende, die Wirtschaft ordnende, die Recht setzende, die herrschende Thora. Die Diplomierter Herrenschneider Joachim Rosenblum, Wien, H.» Zirkusgasse 21. Erstklassige Herrenkleider. Billigste,Preise. Koscher gearbeitet. (R-41-8-83.). Glieder des jüdischen Volkes* die auf diesem Wege» dein einzig richtigen, sich bewegen, sind die Untertanen des Ö4tösstäät§ de* Zukunft, wandernd, aueh wen« sie längst im Lande sind» zielgewiß auchfem vöm Lande. Zielgewiß wandet« wir unseren Weg, bis der Gesalbte hervortfitt. Es ist der alte Weg, Aber in fanget Jahrhunderten mußten wir ihn in tiefster Einsternis tapßenv fn lange« Jahrhunderten war uns jedwede Sieht genommen, leitete uns einzig der Kompaß der Thora» stärkte uns einzig das Vertrauen zur Wahrheit der Thora, ohne daß wir auch nur die leiseste Beziehung zwischen der thorageleiteten Eichtung unseres wandernden Fußes und dem verheißenen Hochziel erspähen konnten. Zum G-ttesstaat der Zukunft geht unser Weg. Gehen wir ihn bewußt! Haben Wir, endlieh, den Mut, uns und allen offen zu bekennen, daß soziale Emanzipation, Antisemitismus, Zionismus^ Weltkrieg, Baifour-Deklaration, Nationäiheim, Nationalsozialismus, daß all diese grandiosen Erscheinungen uns Wegzeichen G-ttes sind, aüfgepfianzt auf einem Wege, der uns, die Thora voran, nach א ר •ן ישראל seit Jahrhunderten führt. Die ganze Glut unserer geweissagten Zukunft müssen wir in uns entfachen, um unsere Kinder, um unsere liberalen Brüder zu uns zu reißen. Zu Untertanen des kommenden G-ttesstäates müssen wir unsere Kinder erziehen, für den kommenden G-ttesstaat müssen wir unsere liberalen Brüder gewinnen. Für die Größe des kommenden G-ttesstaats müssen wir auch unsere zionistischen Brüder entflammen, müssen ihnen durch Wort und Tat zeigen, daß nicht die Errichtung eines neuen — Balkanstaats in Palästina Sinn und Zweck unseres tausendjährigen Martyriums war, sondern die Errichtung des G-ttesstaats, der nicht nur uns, sondern der ganzen leidenden Menschheit die Genesung bringen soll. Hilfswerk für die burgenländischen Opfer der Exekutive Unter Vorsitz des Landeshauptmannes Ingenieur Sylvester fand vergangene Woche eine Sitzung statt, an der Se. Ehrw. Herr Oberrabbiner Samuel Ehrenfeld für das orthodoxe israelitische Glaubensbekenntnis teilnahm. Es wurde eine großzügige Hilfsaktion für die Opfer der burgenländischen Exekutive beschlossen. Die burgenländische Landeskanzle! erläßt für diese Hilfsaktion einen A u fruf, den wir nachstehend Abdrucken lind der den Kultusgemeinden und ehrwürdigen Rabbinen mit der Bitte um weitestgehende Unterstützung 'zugegangen ist. Der Aufruf hat folgenden Wortlaut: An alle Angehörigen der orth. isr. Glaubensgemeinschaft des Burgenlandes. Einer in ihren verheerenden Auswirkungen fast unabsehbaren Gefahr ist unser geliebtes Heimatland in der jüngsten Zeit dank den zielbewußten und unerschrockenen Ordnungsmaßnahmen unserer wackeren Bundesregierung und der treuen, opferwilligen Pflichterfüllung!unserer bewährten Staatsexekutive mit knapper Not heil entronnen. Ein Häuflein g-ttloser Personen hatte es auf die derzeitige staatliche Ordnung abgesehen; die gewaltsame Entfernung der gesetzmäßigen Bundesregierung sowie die Herbeiführung heilloser Verwirrung durch Anzettelung von Aufruhr und Umsturz sich zum frevelhaften Ziele gesetzt. Die burgenländische orth. jüdische Glaubensgemeinschaft, nicht bloß durch das g-ttliche Gebot: ״Fördert das Wohl des Staates und der Regierung, unter deren Schutze Ihr lebet!“, sondern durch eine vielhundertjährige Schicksalsverbundenheit mit׳ der heimatlichen Scholle und deren Bevölkerung auch gefühlsmäßig auf das innigste verknüpft, vermag, nur mit bangem Grauen und Schrecken an die katastrophalen Folgen zu denken, }1die ihr — n^ch,;.einer, uralten ,Tradition — aus einem möglichen Gelingen dieser.religions- und staatsfeind- . liehen Umsturzpläne unweigerlich erwachsen wären. ' -י'־*'’׳" א' יי Um so mächtiger aber wendet sich nun das Gefühl der Dankbarkeit und der Hilfsbereitschaft aller unserer Gemeinschaftsangehörigen den vielen Blutzeugen zu, welche unsere brave Exekutive im!Gefolge der unvermeidlichen!blutigen Niederringung des verwegenen Anschlages auf den Bestand und die Ruhe unserer geliebten Heimat zu stellen genötigt war, es im Geiste der altbewährten jüdischen Humanität als Herzensbedürfnis empfindend, das treue und dankbare Andefiken an diese Märtyrer der Pflichterfüllung durch liebevolle und tatkräftige materielle Förderung des seitens der hohen Bundesregierung inau gurierten Hilfswerkes für deren bedauernswerte Hinterbliebenen in würdiger Weise zu ehren. Es ergeht daher an alle Angehörigen unserer Glaubensgemeinschaft die dringende Ermahnung, durch Aufgebot des ganzen Leistungsvermögens diesem hehren Hilfswerk zum notwendigen urid wünschenswerten vollen materiellen Erfolg verhelfen zu wollen. ־ Damit erfüllen wir in gleicher Weise die vornehmste jüdische, humanitäre und staatsbürgerliche Pflicht und dürfen daher als verdienten Lohn für die Förderung dieses g-tt- und menschengefälligen Werkes mit voller Zuversicht der Erfüllung der Verheißung des weisen Königs sicher sein: ״Der Freigebige wird gesegnet, denn er teilt sein Brot mit dem Armen!“ FÜR DIE LANDESZENTRALKANZLEI: Oberrabbiner Samuel Ehrenfeld e. h.» Präses. Erzählung von S. W i e z. (Fortsetzung) [38] Bald kam von der anderen Türe einer der Verwalter in den Saal getreten und rief mit schallender Stimme:, ״Sander und der junge David Baumer werden gebeten!“ Hunderte von neidischen Blicken trafen die beiden Bevorzugten. Es war kein geringes Glück, in dieser Stunde vor den Rabbi treten zu dürfen... Auch David empfand es als großes Glück, endlich von dem Manne, dessen Wesen ihm ein unauflösliches Rätsel war und ihm heilige Scheu einflößte, empfangen zu werden. Eine heruntergesdhraubte Petroleumlampe beleuchtete das viereckige Zimmer nur halb. Der Rabbi saß wie erschöpft mit verschränkten Armen auf seinem Sessel. Ein seltsames Feuer leuchtete aus seinen milden Augen. Als er die Eintretenden gewahrte, nickte er sehr freundlich und sagte leise und gemessen: ״Sander, mir scheint, wir haben nicht umsonst gebetet und gehofft. — — — Es ist mir, als wollte mir der himmlische Vater den rechten Weg zeigen —• — —“ ״Großer Rabbi“, stotterte Sander, unfähig, in zu־ sammenhängenden Worten seine Freude auszudrücken. ״Wie, wann?" — — ״Nun“, sagte der Rabbi, ״über das Wie und Wann wollen wir noch sinnen. Aber nicht mit Euch kann ich diese Einzelheiten beraten. Dazu bedarf es der Jugend, der Kraft und des frischen Mutes. Ich habe daher auch den jungen Mann, der, so G־tt will, denn doch noch euer Schwiegersohn wird, zu mir gebeten .,. ״Ihr, Sander“, fuhr der Rabbi nach einigem Nachdenken fort, ״fahret heim und nehmet Eure gewöhnliche Arbeit wieder auf? als wäre nichts geschahen• Eure Frau, sagt Ihr, sei krank?‘; י ״Ja“, weinte Sander, ״sie ist niedergedrückt und gebeugt, hat auch einen leichten Schlag gehabt, damals, als sia eich in ihrsr namanlpssn/Erregung auf den Verwalter stürzte. Sie hat sich dann wieder ein wenig erholt und nun sitzt sie wieder am Fenster, still, gebrochen, in sich gekehrt, weint und wartet...“ ״So kehrt gleich nach Hause zurück“, sagte der Rabbi, ״und sagt ihr, sie solle nicht mehr am Fenster warten... Soll ihre Arbeit in Haus und Wirtschaft verrichten wie ehedem, soll frischen Mut bewahren und geduldig ausharren. Ihr Kind kommt, vielleicht nicht mehr ins elterliche Haus, aber als treue jüdische Tochter in ihr -jüdisches Heim... Geht gleich und sagt es ihr in meinem Namen, sie wird gesunden. Ihr aber, junger Mann“, sagte er zu David gewendet, ״müßt noch einen Tag hier bleiben.“ n Sander ging, nachdem er vom Rabbi noch einmal den Segen empfangen. David blieb wie gebannt auf seinem Platze stehen und musterte wortlos, aber voller Aufmerksamkeit und Interesse die Umgebung, die kahlen Wände, die Bücherregale, die vom matten Petroleumlicht beschienenen Gesichtszüge des Rabbi. Der Rabbi stand auf und legte seine Hand wohlwollend auf die Schulter Davids. ״Sie sind, junger Mann", sagte er mit selten milder Stimme, ״zum ersten Male hier? Ich hörte, Sie gehören zu den Modernen, Gebildeten und haben bislang in Kreisen gelebt, wo man uns gern mißversteht und gering von uns denkt.“-— Beim Aufstehen hatte der Rabbi unwillkürlich den Stuhl so nach hinten gerückt, daß sich ein grüner Vorhang zwischen zwei Bücherregalen zurückschob. An der Wand hing etwas wie ein großer brauner Käfer. David starrte mit fieberhaften Blicken nach dem seltenen, sich aus dem Dunkel glänzend abhebenden Gegenstand, Hatte ihm die erregte Phantasie etwas vorgegaukelt oder konnte der braunpolierte Rumpf, aus dem sich wie ein schwarzer Hals in die Höhe reckte, wirklich eine Geige sein? .,, Er hatte nur einen Blick nach der dunklen Stelle getan und schon hatten sich die Enden des grünen Vor« hanges wieder schleunig zusammengezogen, Das Gebeiranis hatte sich wieder in dichten Schleier gehüllt... ״Ja“, sagte David etwas verwirrt, ״in den nüchternen Gelehrtenkreisen Ungarns hat man fUr deh 'Cbassidismhs nicht dhs richtige Verständnis, Auch dort ist es Reinheit der Seele, Adel des Herzens, wonach :man strebt. Aber auf anderem Wege sucht man dort dieses Hochziel zu erreichen...“ — Er sprach ganz mechanisch und hörte kaum seine eigene Stimme, Sein Gehirn beschäftigte unablässig der eine Gedanke: ״War es eine Geige, war es das Wunderinstrument?“ ״Sie lernen und beten anders?“ erwiderte der Rabbi mit einem forschenden durchdringenden Blick auf David, ״warum auch nicht, warum sollte man nicht auf verschiedene Art den Weg zu Gott finden können? Ein Menschenherz, sorgenschwer oder schuldbeladen, ringt nach Befreiung und Erlösung, und es ist dann nur Frage des Temperaments, der Gewohnheit, der ,Seelenbeschaffenheit', wie es die theoretische Kabboloh nennt, Wie dieser Mensch die natürliche Verbindung mit der reinen Urkraft, aus der der Schöpfer seine Seele geformt, findet und wieder herstellt. Wie sagte doch der große Baalschemtow? ,Mancher hat die Kraft, sein Gebet in Liebe und Ehrfurcht und Glut und Hingebung zu verrichten, ohne Anstrengung, ohne äußere Bewegung. Andere dagegen strengen sich an, um sich zu sammeln, um mit heftigen Bewegungen und in lauter Andacht sich׳ von den unheiligen, verwirrenden Gedanken und Bildei’n, die sich ihnen aufdrängen, zu befreien, wie ein Ertrinkender, der sich mit Händen und Füßen gegen den Ansturm der Wogen wehrt...‘ In der Ekstase und strengen Weltabgeschiedenheit vermag sich der eine am besten auf der sittlichen Höhe zu erhalten, der andere dagegen durch den innerhalb der von Gott gesetzten Schranken bleibenden Lebensgenuß. Aus dem Kampfe der Meinungen im Talmud, der auch für uns gleich heilig und verbindlich ist, suchen die einen, denen G־tt mehr Geist und scharfen Verstand denn warmes Gemüt geschenkt hat, ihre jüdische Lebensanschauung zu gewinnen, die anderen finden sie schon fertig geläutert und abgeklärt in den heiligen ,Büchern der Frommen*. Einer weint und betet und fleht seinen G-tt gebrochenen Gemütes an, daß er ihm helfe, der andere singt und jubelt und sagt voll froher Zuversicht: G-tt, Du wirst mir helfen!... Er aber, der im Himmel thront, achtet nicht auf die Form, sondern auf den Kern, auf die Quelle, aus der die Gebete entsprungen. Einst pflegte man in unserem;HeilU> tum G-tt durch Gesang und Saitenklang anzubeten, ־das ist uns heute, da die Schechinah mit dem jüdischen Volke in Golus weilt, beim öffentlichen G-tteedienste verboten. Aber bisweilen, wenn mein Herz von der Fülle des Leides, weiches hier hei mir» dem schwachen Menschen, Linderung sucht, über!ließt, fühle auch" ich, wie schwach und armselig des menschliche Wort ist, um all den auf uns einstürmenden Empfindungen nur annähernd, Ausdruck zu verleihen,. I ״Die Geige!“ ging es David wieder durch den Kopf.! Aber er wägte nicht zu fragen noch den wie verklärt 8

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