Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 20 (1934)
- Issue
- 13 (30.3.1934)
- Date
- 1934-03-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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|9St * felegfaibf t Sfüuifi «1*. 415T8-m-iO. JOUTBAi jta» r&Hfcä* V. b.b. ORGAN PUB DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration! Wien, II., Malzgasse 12a, Telephon A-46-0-15. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381. Jugoslawien:, S u b 0 t i c a, Zrinjski trg 31, Erscheint jeden Freitag. Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag; Abonnementpreiset Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kc 80, Jugoslawien Dinar 150, das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen für ״Jüdische Presse“, Wien, auf fob gende PostsparkasSenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Berlin Nr. 122.619, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIII, 4117. Nr. 13 - Wien-Bratislava, 30. März 1934 .ב״ה ווינא־פרעםבורג י״ר נ־סן תיציד " 20. Jahrg. :1: Unser Mühsal, das Die Knechtschaft in Mizrajim ist ׳der Inbegriff 'jüdischen Leidens geworden. Jüdische Väter mußten einem fremden Tyrannen Frondienst leisten. Jüdische Mütter haben mit blutendem Herzen , die Marter ihrer Männer, die Zerreißung ihres Familienlebens miterleben müssen. Der schwerste Angriff wurde gegen die Jugend geführt. Daher auch die Vorschrift der Thora, die von uns ■verlangt, daß wir an den Sederabenden, da wir die Befreiung aus dieser ägyptischen Knechtschaft feiern; unser Augenmerk auf die K i nder lenken. Ihre Aufmerksamkeit sollen wir mit allen einprägsamen Symbolen des Sedertisches wachrufen. Dem aufgeschlossenen Sinn unserer Kinder sollen wir je nach ihrer Veranlagung das Wunder dieser Nacht ibeibringen. In ihre aufhorchenden Seelen sollen wir den unzerstörbaren jüdischen Glauben hineinträufeln, den unzerstörbaren jüdischen Glauben, daß aus jeder Knechtschaft Freiheit blüht, daß aus jedem jüdischen Verderben,. das Völker gegen uns von Geschlecht zu Geschlecht planen, G-ttes erlösende Iland uns rettend erhebt. Von ׳der Knechtschaft, die über uns Juden so jäh hereingebrochen ist, sind leider unsere Kinder am meisten betroffen. Der Jude wird aus dem Wirtschaftsleben der mitteleuropäischen Völker immer mehr hinausgedrängt. Eine a n t i s e m itische Propaganda ist mit den verruchtesten Mitteln bestrebt,, den Juden überall verächtlich zu machen und die grausamsten Instinkte gegen ihn wachzurufen. Fast jeder Beruf wird vor dem Juden versperrt, und verzweifelt fragt •unsere Jugend uns heute :wohin? Es ist außerordentlich schwer, in dieser allgemeinen Zeit des Leidens ihr eine irgendwie beruhigende Antwprt zu geben. Die Lage der Juden ist außerordentlich schlecht geworden. sind unsere Kinder m₪₪₪₪₪mm₪₪m₪u₪₪mm₪₪₪₪₪₪m₪m₪m diese materialistischen Systeme, wir denken hier in erster Reihe an jenes von Marx, nicht in der Lage waren, den modernen Menschen zu befriedigen, nicht einmal seinen Hunger nach Brot. Wir haben aber gesehen, daß der Mensch, auch der modernste, ״nicht von Brot allein und nicht für Brot allein leben mag“. Etwas Undefinierbares und Unaussprechliches, etwas, was weder in Materie noch in unsere Sinne eingeschlossen werden kann, lebt in jedem Menschenj und dieses Etwas hat die moderne Menschheit revoltiert und diese materialistischen, von menschlicher Vernunft so fein ausgeklügelten Systeme zertrümmert. Ein Großteil der jüdischen Menschen huldigte ebenfalls diesen modernen Götzen - der Neuzeit. Diese Götzen sind nun zertrümmert worden. Der jüdische Mensch steht nun enttäuscht, entwurzelt, oft verzweifelt, da. Aufgabe jüdischer Führer wäre jetzt, sie dem Judentum näherzubringen. Besonders muß diese Pflicht der Jugend gegenüber gepflegt werden. An dem Sederabend werden tausende und tausende Juden in festlicher Stimmung sich zusammenfinden. Sie werden im Zusammenhang mit unserer alten Geschichte von ihren neuen Leiden erzählen, von dem Verlust ihrer materielitÜi Cüter, von der Ein- Schrumpfung ihrer Existenzen, von den drohenden Allen Abonnenten, Inserenten und Freunden der ״Jüdischen Presse" wünscht שמחת יו״ט die Redaktion und Administration Die nächste Ausgabe der ,,Jüdischen Presse" erscheint am Freitag, den 13. April d. J. Gefahren, welche den jüdischen Himmel so grau umhängen. Möge doch ein heller Strahl der •Hoffnung in diese trübsinnige Stimmung fallen, ein Strahl der Hoffnung um unserer Jugend willen, der heute der Glaube, der tiefe, unerschütterliche, reine, jüdische Glaube, alles ersetzen muß, was sonst jugendliche Gemüter bewegt. Möge es den schwergeplagten jüdischen Vätern sorgenerfüllten jüdischen Müttern glücken, über die Trübsal des Augenblickes hinaus eine freudigere Zukunft zu schauen, ah dem Abend, der uns von diesem üb säglichen ׳ jüdischen Leid/ aber ' auch1 von wundersanier Rettung aus ׳diesem Elend kündet. P. Dr. Isaac Breuer: Unser Weg . «... Dr. Isaac Breuer, eben von einem mehrmonatigen ■Aufenthalt in Erez Jisroel hach Deutschland zurückgekehrt, schickt sich — wie wir erfahren — an, endgültig nach dem Heiligen Lande zu über siedeln. In diesem Aufsatz, den wir auszugsweise dem ,,Nachalath Zwi“ entnehmen, legt er einige Grundzüge seiner T h 0 r a - i m - D e r e c h - E r e z - J i s r o e l - T h e o r i e, nach den Anfangsbuchstaben von ihm ״Thedai8‘fn'n s“ genähnt? dar, die er in seinem eben erschienenen' ״neuen Kusarie( auseinander setzt. Dr. Isaac Breuer, gleich Nathan Birnbaum ein Revolutionär der Ideen, steht ergriffen vor den Umwälzungen in Deutschland, die diese gleich neuartige wie bedeutsame Idee reifen ließen. Die. Idee verdient jedenfalls größte Beachtung. — Redaktion: Ihre soziale Geltung ist. vernichtet und ihre wirtschaftlichen Positionen haben sich in Trümmerhaufen verwandelt. Alle Versuche, das Judenproblem von der politischen und wirtschaftlichen Seite her einer befriedigenden Lösung näherzubringen, müssen leider als unzulänglich und ergebnislos betrachtet werden. Wir jüdische Menschen, wenn wir auch nicht wissen, wie und wann die Hilfe G־ttes für uns kommt, das eine wissen wir, daß sie bestimmt kommt. Dies ist die Gläubigkeit des jüdischen Menschen, die wir unseren Kindern beibringen müssen. Diese Gläubigkeit holen wir selbstverständlich aus unserer eigenen Geschichte, aber auch das Schicksal der Völker bekräftigt uns in unserem Wunderglauben. Der Krieg und die Nachkriegszeit standen im Zeichen einer rein miaterialistischen Lebensanschauung, nach der die Haupttriebfeder menschlicher Handlungen und Völkergeschicke der Hunger nach Brot und die Befriedigung dieses Hungers ist. Wir haben erleben müssen, daß Leistungsfähigstes Möbelhaus M♦ Redler/ Wien h Sdiottenring 35 Telephon A-12-9-78. Gesamtausstattungen von der billigsten bis zur feinsten Ausführung. Uebernahme sämtlicher Adaptierungen. Eigenes Zahlungssystem. Samstag geschlossen. ״Schomra“-Mitglied. Das schwere Schicksal, das über die deutschen Juden hereingebrochen ist, äußert sich nicht nur in der Sorge der Familienväter um das Dasein in der Gegenwart, sondern lädt ihnen auch eine ungeheure Verantwortung für die heranwachsende Generation auf. Mit der entschluß- und tatenlosen Hoffnung, es werde sich schon alles wieder einrenken, ist es wirklich nicht geschehen. -Die ältere Generation, wenn sie Lebenskunst genug besitzt, mag sich an der Erinnerung an vergangene ׳bessere Tage aufrichten und aus ihr Kraft und Mut zum Ausharren schöpfen. Die neue Generation wird nicht einmal diesen Balsam zur Verfügung haben. Ihr müssen wir, wollen wir uns nicht an ihr versündigen, den Weg in ihre Zukunft bahnen. Es ist außerordentlich bequem, die neue Generation einfach auf den Zionismus zu verweisen. Nur Gedankenlosigkeit oder Parteileiden- Schaft kann in dem deutschen Erlebnis eine B e s t ä t igung der zionistischen Theorie erblicken. Palästina selber bedeutet nicht die Lösung des Juden- Problems, sondern seine äußerste Zuspitzung. Vollends in der Diaspora, für das Leben der Juden inmitten ihrer Wirtsvölker, hat sich die zionistische Theorie geradezu als eine Gefahr herausgestellt. Zionismus ist, wie oft genug gesagt wurde, seinem Wesen nach — ״Semitismus“. Mit Semitismus aber ist der Antisemitismus nicht einmal in Palästina, ganz gewiß aber nicht in der Diaspora zu bekämpfen. Der Semitismus mag zu anderen Schlußfolgerungen gelangen als der Antisemitismus. Seine Grundthese aber ist durchaus die gleiche wie die des Antisemitismus. Die neue Generation zu ״Semiten“ rerziehen, heißt, sie dem Antisemitismus .preisgeben.; Ganz wehrlos steht dem deutschen Erlebnis der jüdische Liberalismus gegenüber. Von der Abgrundtiefe seiner Tragik kann man sich nur schwer eine richtige Vorstellung machen. ,Vor den fragenden Blicken der neuen Generation muß er die Augen' niederschlagen. Liberale Eltern, die vom Judentum meist. noch weniger wissen als der Antisemitismus, haben ihren Kindern nichts zu bieten. Oft genug begeht der liberale Vater den Todessprung ins zionistische Lager. Daß Französische undengüsche FRÜHLINGSNEUHEITEN i n SEIDE und WOLLSTOFFEN z u billigsten Preisen im SPEZIALHAUS VII, Neubaugas‘se 10 DULDNER& DEUTSCH HW Die reisende Dame *rhält be1 mir chon innertiall» 3 stunden eine individuell ihrem Gesichte entsprechend modellierte Besitze! der weltbekannten Perücken-Kunstwerkitätte Wien I, l^tne1Tli1*'6:SÄ^^ÄÄ