Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 20 (1934)
- Issue
- 12 (23.3.1934)
- Date
- 1934-03-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 12 ivmsm&pnmm Seite 3 Wer wird nach fünfzig Jahren noch KtJltnsgeiweindesteuer . ■ך '$ ן,׳■; ff* Festoder öfe« zahle«? ■:,;,;. ־. v ׳ .־ * ■ Die zionistische ״Zsjdo־ SZemle“, Budapest, stellt fest, dag in deü zwei ersteh Monaten des laufenden Jähfls iS! Bersonen ihren xnstfitt aua denirdudentü»i hei der Bester israelitischen Kultusgemeihde und nahezu ebensöviele bei der Ofener iäraelitisöhen Külfusgemeinde angemeldet haben. Außer,diesen Leuten gibt es — nach dem genannten Blatte — noch zahlreiche Juden, Welche ohne vorhergehende Anmeldung sich taufen ließen, die also statistisch nicht festgehalten Werden können. Die Öeburtsziffern bleiben aber auch laut den amtlichen Daten weit hinter den Sterbe- und Austrittsziffem zurück. ״Zsido Szemle" fragt nun: Wer wird, wenn es noch so weitergeht, nach fünfzig ״Jahren in Pest und in Ofen Kultusgemeindesteuer zahlen? Die obenangeführten traurigen Ziffern beziehen sich, wohlgemerkt, auf die neologen Gemeinden der ungarischen Hauptstadt. Die orthodoxen Gemeinden, die der heranwachsenden Jugend Lebensinhalt und Ideale im altbewährten jüdischen Geiste vermitteln, befinden sich in ständigem Aufstieg. Vös Woi'lic 350 Woclic — In der deutschen Reichswehr ist der Arier- Paragraph eingeführt worden. Von 4500 Offizieren sollen bis zum 81. Mai etwa 500 Nichtarier ausgemerzt werden. — Der Unterstaatssekretär für die Kolonien erklärte auf eine Anfrage im Londoner Oberhaus, daß bisher in Palästina keine ertragreichen Ö el quellen gefunden worden sind. Die Regierung verfolge die Vorgänge auf diesem Gebiet, überlasse aber die Forschungen pHvaten Unternehmern, da die Aussichten sehr zweifeihaft sind. — Im letzten Halbjahr sind aus den Diensten der palästinensischen Bahnverwaltung 80 jiidische Bahnarbeiter ausgeschieden, so daß von dem 3000 Arbeiter und Angestellte umfassenden Eisenbahnpersonal nur mehr etwa 200 Juden sind. Die Lage der jüdischen Eisenbahner wird auch dadurch erschwert, daß die Bahn- Verwaltung es ablehnt, jüdische Arbeiter an 8 ab b a ttagen vom Dienste zu befreien und selbe an Bonnlagen arbeiten zu lassen. — Im Verlauf einer Debatte im englische n Unterhaus gab der jüdische Deputierte Bar nett Jänner in einer großangelegten Rede ein Bild der Lage der Juden in Deutschland und äußerte Sorge über das zukünftige Schicksal der Juden im S aarland, falls die Volksabstimmung 1935 zu Gunsten Deutschlands ausfällt. — Am 16. März erschien im Weißen Haus in Washington eine Abordnung des Ordens Bne Brith, der sich zahlreiche führende nicht jüdische Person- Uchkeiten des amerikanischen öffentlichen Lebens angeschlossen haben, und überreichte dem Sekretär des gegenwärtig erkrankten Präsidenten Roosevelt eine 250.000- Unterschriften tragende Petition, in ־ der Präsident Roosevelt ersucht wird, der deutschen Regier u 11 g die Gefühle des amerikanischen Volkes angesichts der Entrechtung der deutschen Juden zum Ausdruck zu bringen, — ln letzter Zeit ist in vielen Gegenden Deutsch- l an ds die B 0 y k o 11 b e w e g n n g gegen die J uden wieder entfacht worden. Die ״Frankfurter Zeitung" weist darauf hin, daß eine Förderung dieser Aktion^x der erst jüngst erschienenen Verordnung des Reichsinnenminisiers Dr. Frick, die Handelsbetätigung der Juden nicht zu stören, direkt widerspneht. — Der Beschluß der Gemeinden Plauen und Zwickau, nach dem Juden der Besuch der städtischen Bäder verboten wird, wurde vom sächsischen Innenministerium bestätigt. — Der Gemeinderat des Nordseebades Wester- 1 and hat einstimmig zum Ausdruck gebracht, daß jüdische Badegäste in Westerland uner w Uns cht seien, — Die jüdischen Klein g e me in den in Deutschland werden durch die Abwanderung ihrer Mitglieder atomisiert und ihr Weiterbestand in Frage gestellt. Der jüdischen Landesgemeinde Mecklenburg- Schwerin, die bei der letzten Zählung noch 1700 Seelen zählte, gehören gegenwärtig nur mehr etwa 67 0 Juden an. — Der Verband n at i o n al d e u t s ch er Jude n veranstaltete in dem mit Hakenkreuzfahnen geschmückten Saal des Nollendorf-Kruges zu B erli n eine Versammlung, der SA.-Leute in Uniform als Ehrengäste beiwohnten, Dr, Naumann fordert eine gesetzliche Unterscheidung zwischen ״Deut sc h j u d e n“ und ״F remdju de n“. — Der ״Lloyd Triestino" hat zwei seiner Dampfer in ״J erusale m" und ״Tel Awi w“ umbenannt. •— Im Monat Februar sind 2900 Juden zu ständigem Aufenthalt nach Erez Jisroel gekommen. Im Jänner kamen 2063 Juden nach Erez Jisroel, Außerdem erhielten, 2 4 2 Touristen die Erlaubnis zu dauerndem Aufenthalt, so daß die Gesamteinwanderung im Jänner 220 5 beträgt. 1 9 3 8 betrug die jüdische/Einwanderung im Jänner 1261, im Februar 1446, — ln Re choboth kam es zwischen revisionis tischen und s 0 zialis tis chen Zionisten zu Zusammenstößen, wobei auf beiden Seiten Verletzte zu verzeichnen sind. Mehrere Personen wurden verhaftet. ־— Die in Buchform erschienenen Predigten des Münchener Kardinals Faulhaber, die den Titel ״Judentum, Christentum, Germ a n e nt u met tragen, werden in Deutschland "boykottiert. Die gleichgeschalteten deutschen Buchhändler haben sich ehrenwörtlich verpflichtet, das Buch nicht mehr zu verkaufen, weil die Nationalsozialisten in demselben eine Verteidigung des Judentums und eine Herab- Setzung des Ger manent u ms sehen, . Koni g Leopold 111• von Belgien hat dem Obeirabbiner der orthodoxen Gemeinde in Antwerpen, Rabbi M. Rotenberg, das Zeichen■ eines Ritters des belgischen Kronenordens verliehen. U, Grün, II., Taborstraße 8 b, Tel R-42-3-66, Ateber für feine Herrengarderobe, E Ein Issur... Agudus Jisroel in Ungarn. Dieser Aufsatz stammt aus der Feder eines Mitarbeiters unserer!Zeitung in der Tschechoslowakei) der die *Verhältnisse in Ungarn genau kennt und daheim eine ersprießliche Aktivität im Dienste des orthodoxen Rlall entfaltet. — Redaktion. Wer nach Ungarn kam und dort gefragt hat: warum die ungarische Orthodoxie Sich der Weltorganisation der Orthodoxie — der Agudas Jisroel — nicht angeschlossen hat, bekam die Antwort: die Aguda ist eine Abwehr Organisation gegen den areligiösen Zionismus, bei uns ist kein Zionismus, daher hat die Agudas Jisroel bei uns keine Existenzberechtigung. Führende Rabbiner größer Gemeinden äußerten sich so. Die Haltlos! gkeit dieser Behauptung liegt auf der Hand, was wir in dieser kleiner Betrachtung beleuchten wollen. Programm der Agudas Jisroel ist es, alle Tages* fragen im Sinne und Geiste der Thora zu erledigen. Zu diesem Programm gehören auch die wirtschaftliche, und religiöse Hilfeleistung für Glaubensbrüder, wo eine solche Hilfeleistung notwendig ist, die traditionstreue E r* Ziehung der männlichen und weiblichen Jugend, Jischuw Erez Jisroel nach den Vorschriften der Thora. Da der Zionismus die Verbindlichkeit der Thora a b 1 e h n t, ist es ganz natürlich, daß ihn zu bekämpfen auch zum Programme der Agudas Jisroel gehört. Wer nun nach Ungarn und speziell nach Budapest, wo die größte orthodoxe Gemeinde und die Zentrale dev ungarischen Orthodoxie sich befindet, kommt, der wird dort ein reges* zionistisches Leben finden. Die Zionisten besitzen eine ausgebreitete Presse, Sammelbüchsen in allen Häusern, Vereine, welche eine lebhafte Propaganda betreiben, halten Vorträge und Versammlungen, welche zu einem Teil auch von Orthodoxen besucht werden. Daß der Besuch derartiger Veranstaltungen die;Betreffenden all mählich dem orthodoxen jüdischen Leben entfremdet, kann ftichi wuttdernehäien. Sehen dies die orthodoxen Juden in Ungarn nicht? Oder wollen sie nicht sehen? Vor drei Wochen kaM ein «iisrachistischer Redner aus London nach Budapest ühd hielt dort einige Vorträge Ein solcher Vortrag wurde auch in einem orthodoxen ׳ E i 1 i a 1 b e t h a u s abgehalten. Jetzt erst erwachten die Herren und bekannten: Unglaublich! Das daff nicht sein!... Und in der ungarische» orthodoxen Zeitung erschien ein Aufruf und ein — 1s au f, Die Buäapester orthodoxe Gemeinde hat verboten, ihre Bethäuser für solche Vorträge zur Verfügung zu steilen und fordert alle ungari* Sehen orthodoxen Gemeinden auf, ähnliche Issurim heraus* zugeben. Man vergißt hiebei, daß nicht das Lokal die Hauptsache ist, denn es gibt auch ־andere Lokale, in denen man zusammen kommen kann. Mit ״Issurim" kann man das ״Judenproblem" nicht lösen, mit ״Issürim" allein kann man die Jugend nicht erziehen. Das kann man nur durch intensive aufklärende Arbeit, Belehrung und üeberzeü* ־gütig bewerkstelligen. Und dasmacht Agudas Jisroel. Wenn man den Abfall vom orthodoxen Juden* tum verhindern will, wenn man die Jugend Zu streng* gläubigen Juden erziehen will, wenn man den Drang nach Erez Jisroel der jetzigen Generation in re 1 igiÖse Bahnen lenken will, dann muß man sich auch mutig und offen zur A g trd a s Jisro e 1 bekennen, sonst laufen wir Gefahr, daß strenggläubige orthodoxe Juden, Söhne und Töchter von traditionstreuen Juden, in den misrachisti* sehen und zionistischen Kreisen aufgehen. Daß Issurim allein, ohne ein positives Bekennen, der Religiosität wenig nützen, das weiß jeder tiefdenkende Jude. Was die ungarische Orthodoxie bisher zurückgehalten hat, sich öffentlich, zur Agudas Jisroel zu bekennen? Das auseinandprzüsetzCn Wäre nicht zweckdienlich. Aber wenn sich jene Rabbiner und führenden Persönen, welche das Wesen, das Ziel und die Leistungen der Aguda in Erez Jisroel und in der Diaspora nicht kennen, ernstlich Mühe nehmen würden, sich diese Kenntnis zu verschaffen, dann möchte der Anschluß aller ungarisehen orthodoxen Juden an Agudas Jisroel in der kürzesten Zeit erfolgen. B. X. Für Ostergerichte das reine KuneroL. Kunerol ist 100% reines Fett aus Kokos* nüssen und deshalb für Fleisch- und Milchspeisen ganz besonders geeignet. Kunerolwird in mustergültigen Betrieben auf einwandfrei hygienische Art erzeugt - es kommt während der Herstellung nie mit Menschenhand in Berührung. Kunerol wird 'unter ständiger Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners 'S. E h r e n f e I d zu Mattersburg hergestellt. KUNEROL 100%REINES KOKOSNUSSFETT Nur echt in Originalpackung! Purim in Tel-Awiw Von Zwi Glück. Dieser schöne Bericht stammt aus der Feder eines ehemaligen Mitgliedes der Bratislavaer Aguda-Jugendgruppe, das sich jetzt bei der ״Poale Agudas Jisroel“ in Tel-Awiw aktiv betätigt. — Red. ׳ Nicht ohne Berechtigung hat man dem Purim in Tel-Awiw den. zweiten Namen ״A d 1 e j a d a" ערלידע zugefügt. Die Stimmung, die diese Stadt an diesem Tage erfaßt, verdient diesen Namen. Adlejada stammt ja bekanntlich von dem Spruch: .הייב איגש לבסומי בפורים עד דלא ידע בין ארור המן לברוך מרדכי Schon eine Woche früher־ wird die Stadt ganz auf Purim eingestellt. In allen Auslagen erscheinen Purimartikel, ,wie Masken, Kostüme und allerlei Lärminstrumente, die eine besonders große Rolle spielen. Was ein echtes Tel-Awiwer Kind ist, muß seine Knallerbsen und Knailpistole auf Purim haben. Am unteren Teil der Allenby-Straße, der großten und verkehrsreichsten Straße Tel-Awiws, die beinahe die ganze Stadt durchzieht, wurde heuer eine große Freibühne errichtet, welche die ganze Breite der Straße ein* nahm. Einige hundert Meter weiter oben am Allenby, im sogenannten ״Merkas", wurden riesige Triumphbogen erbaut, unter denen der ״Adle jada"-Zug durchgehen sollte und die mit Szenen aus der Megiloh geschmückt, waren. Da konnte man Mordechajs Triumphzug durch Schuschan sehen. Hamans ״hohes" Ende, die Freude in Schuschan usw, > Der Purim selbst ,begann am Vorabend mit dem Megiloh-Leinen. Um die große Schul waren Lautsprecher installiert, damit die Tausende, die die Schul nicht fassen konnte, auf der Straße die Megiloh hören. Der Merkas und der Flat» vor der Bühne waren in ein Lichtermeer getaucht. Zelmtausende Menschen und sehr viele Kinder drängten sich in dem für so viel Menschen viel zu engen Raum, Musik dröhnte aus den in allen Ecken angebrachten Lautsprechern, unzählige Raketen schwirr* ten durch die Luft ״ es bilden sich tanaende Kreise, ganze biblische. Maskengruppen erscheinen, Ein unvergeß*! liebes Bild! ׳ . :! Nachmittags ging der ״Adlejada"*2ug durch die Straßen. Ein lebensgefährliches Gedränge, Tausende Tou* | risten, zehntausende Palästinenser aus, anderen Orten, die in Extrazügen — mit 50 Prozent Ermäßigung• — und unzähligen Autobussen angeströmt kommen. Ganz Tel-Awiw ist auf den Beinen. Ueber eine Stunde dauerte der Zug־, dessen Hauptinhalt: ״D i e 12 ' S t ä m m e Jisroel s ehemals und heute" bildete: Die 12 Stämme, jeder Stamm separat, mit Fahnenträger, Fanfarenbläser, Krieger, Frauen und Kindern, jedem Stamm sein überliefertes Wahrzeichen voran, Und dann: — ״Die Stämme Jisroels, heute“. Die Juden Rußlands: Eine riesige rotgekleidete Figur, Juden durch Rotarmisten bewacht, ein gewesener Tempel, darauf ein roter Schild: Klub. Die Juden Polens: Ohne Pärnossoh, gedrückt durch Steuern, ein verfallenes Haus, Briefe nach Erez Jisroel, ״Gebt uns Zertifikate". Amerikas Juden; Eine Riesenfigur zeigt die leeren Taschen, früher von allen in Anspruch genommen, heute — selbst leer. > Westeuropas Juden: Singen und tanzen Foxtrott und schreien: ״Wir sind keine Juden.“ Die Juden Erez Jisroels: Freudige Arbeit ver* einigt alle Juden, vom Poale-Zionist bis zum Ghossid, Zuletzt: Das Judentum nach englischer Auf* f assung: Eine riesige Kuh, englische Beamte füttern sie mit papiernen Versprechungen, andere Beamte melken sie fortwährend in Kannen mit der Aufschrift. ״Steuer". Die Kannen gießen sie in ein großes, überfließendes Gefäß, die ״Staatskasse". Abends fanden die Feierlichkeiten ihren Abschluß und dann wieder das gestrige Bild, die tanzenden und singenden Menschenmasse.n bis spät in dev Nacht. Eine neue Note brachte heuer die ״F 0 a I e A g udag Jisroel" in den ׳Trubel Nach einem sehr gelungenen und lustigen ״Neschef" im Aguda-Heim gingen die Chawerim tanzend und singend den ganzen Weg bis zum Merkas und zum ersfenmai seit Bestand der ״Adlejada" ertönten unsere Lieder: ״Wejaassu kulom Agudo echös" und ״wetaher libenu ,.Gar viele Obarediro, junge und alte, stimmten in die ihnen gut bekannten Töne ein. Menschen weinten vor Freude, als sie zum erstenmal eine solche orthodoxe Gruppe׳ in Tel-Awiw sahen, Spät nachts entfernten wir uns, und unsere wie auch die Herzen anderer widerhallten noch vom t ״Kadimah ho'Agudo, kadima ha’Thora , . ,