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Jüdische Presse · 1934-03-02 · 9 (2.3.1934) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
20 (1934)
Issue
9 (2.3.1934)
Date
1934-03-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Mt•/*׳ JüiiiSGBffi PRESSE ffr. 9 *■1.1■.. 1. Das jüdische Religionsgesetz fordert von Uns weit* gehendes Solidaritätsgefühl mit allen jüdischen ßrüdera, wo iififtief sie sich befinden mögen. Diese Solidarität wild in der rabhinischen Literatur ״A r e vv u s“ genannt» wobei ausgesprochen wird ״Ganz Israel ist einer für den anderen verantwortlich“. Der Jude hat sich verantwortlich zu fühlen, wo immer es sich tim die wirtschaftlichen Nöte oder sonstige Bedrückung seiner Brüder handelt! er ist aber auch ebenso verantwortlich für ihren sittlichere!!* giösen Verfall, wo immer er ln Erscheinung treten möge. In beiden Fällen ist für den .luden die Amtspflicht gegeben. Sie fordert nicht nur ein Mitgefühl, Wie eS in unseren gebeten so beredten Ausdruck findet, sondern auch praktische Tat, Im ersten Fall charitative Hilfsbereitschaft, im zweiten — hingebungsvolle Werbearbeit, weiche, von glühender!,lebe getragen, gleich zurechtweisend und aufklärend wirken soll. II. ־ Dasselbe Rellgionsgesetz fordert von uns auch eine andere, ־ weitgehende Schicksalsgemeinschafti Mit Staat und Volk, in dessen Mitte wir leben! ״Fördert das Wohl der Stadt..״Bete für das Wohl der Regierung.. .‘V Ein Gebot, das nicht weniger beinhaltet, als staatstreue Gesinnung, vaterländische Betätigung und Regierungstreue. Kein Staat kann von seinen Bürgern in e Ifr Verlangen! ״ ״ ׳- ■■ .. ■ III. ' t Es hieße den Sinn der beiden Forderungen grob* liehst verkennen, woltte man in ihnen einen Gegensatz erblicken. Die jüdische Solidarität kollidiert mit der all■! KOt 4.<fMflKn1A0t IN APOTHc fälligen Staatstreue ebensowenig, wie etwa Elternliebe oder Familiensinn mit ihr kollidieren. Dies ist eine Binsen- Wahrheit, von der man überhaupt nicht sprechen müßte, lebten wir nicht in einer Zeit, in der man mit Vorliebe Gegensätze konstruiert. Die katholische Kirche z. B. bekennt sich zur Schicksalsgemeinschaft aller Katholiken ebenso offen und freimütig, wie sie ihre Anhänger eindeütig zu Patriotismus und Staatstreue anhält. Der Ein- Wand, daß das jüdische Solidaritätsgefühl doch weitgehender ist, weil auch die Gemeinsamkeit des Volkstums mitspricht, ist nicht stichhältig, , sobald man die Parallele auf den österreichischen und reichsdeutschen Katholiken beschränkt. Ein anderer Eimvand, der wohl streng genommen nicht hierher gehört, aber häufig in diesem Zusammenhänge zu Unrecht erhöhen wird, ist: Unsere Liebe zu P a 1 ä s t i n an dern Lande unserer Väter. Er ist in gleichem Maße sachlich unzutreffend, wobei man bloß das einmal herangezogene Beispiel weiterzuführen braucht und auf das Verhältnis des amerikanischirischen Katholiken zu seinen britisch-irischen Glaubensgenossen himveist. Ein in diesen Belangen überaus gleichgelagerter Fall, . IV. ' . Diese Klarstellungen erscheinen uns momentan nicht deshalb notwendig, um auf unsere nichtjudischen Mitbürger Eindruck zu machen, Nach den in unserer vorwöchentlichen Nummer veröffentlichten Aeußerungen des Bundeskanzlers Dr, D 011 f u ßr des Vizekanzlers Major Fey und der an anderer Stelle dieses Blattes mitgeteilten Kundgebung des Bundesführers Fürsten Starhemberg, dürfte dies im neuen Oesterreich ebenso überflüssig sein wie ehedem. Unsere Feststellungen benötigen Wir Juden seihst 1h erster Reihe. Heute, wo es bet uns wieder einen österreichischen Patriotismus gibt, der sicher die Achtung aller Völker verdient, wird der österreichische Jude wahrscheinlich auch Stimmen zu hören bekommeu, ln welchen seine Staatstreue äugezweifelt öder gar in Abrede gestellt wird, Eine Nebenerscheinung, die, so unberechtigt sie auch sein mag, sich in solchen Fällen einzustellen pflegt. Solche Redensarten sind jedoch geeignet, bei manchen Juden ein unangenehmes und quälendes Mi nder Wertigkeitsgefühl auszulösen, welches seine Unbefangenheit und systematisehe Einstellung zur neuen Situation beeinträchtigen könnte. Aus diesem Grunde sehen wir uns in erster Reihe zu unserer Klarstellung veranlaßt, um uns selbst die not-; wendige und berechtigte Selbstsicherheit zu geben. Es besteht keine Wie immer geartete Veranlassung, daß der Jude seine staatserhältehden Qualitäten Weniger hoch einschätze als die der anderen. Und beim religiös 'eingestellten Juden schon gar nicht... . V. Unsere Einstellung zu den Abgefallenen und Irregeleiteten haben wir schon in der vorigen Nummer auseinandergesetzt. Jetzt möchten wir nur noch von dem anderen Grund, der unsere Erörterung notwendig machte, sprechen. Es hat jeden österreichischen Juden mit Empörung erfüllt, in . welch unverantwortlicher Weise die J. T. A. und einzelne jüdische Blätter unwahre Nachrichten über; die Lage der Juden in Oesterreich publizierten. Nachrichten, welche geeignet gewesen wären, das Ansehen der österreichischen Regierung herabzusetzen. Wir, stellen fest: Eine solche Berichterstattung steht im krassesten Widerspruch zu dem.Grund-, Satz der jüdisch e n S o 1 i darität, deren vornehmstes Gebot es ist, vor allem auf die Interessen der Juden des betreffenden Landes Rücksicht zu nehmen. Arewus - heißt vor allem Verantwortlichkeit und eine solche Publizistik ist gerade das Gegenteil, im höchsten Maße unverantwortlich!. * By. זג• Anmerkung der Redaktion: Wir konstatieren mit Genugtuung, daß sich die J. T. A. inzwischen doch eines Besseren besonnen hat /und sich scheinbar bemüht, ihre Berichterstattung--döc|1jmehr der Wahrheit Snzupassen. LebensveKicherungs^ PHO N I X“ SSPf״״d״ Aus dem Jahresberichte 1932: . Versicherungsbestand . . . . . . ... ... \ . . 2728 Millionen Schilling , Prämien- und Zinseneinnahmen . . . . . . ... ..... . . . . . . . r. _ . . 179 Millionen Schilling Garantiemittel ... . .; V . . ‘. . . . ..... . . . . . . 527 Millionen Schilling Auszahlungen an die Versicherten . . . . . . . . ..... . . . . . . . . . 60 Millionen. Schilling Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutsches ”Reich, Cechoslovakische Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Fürstentum Liechtenstein, Ungarn, Polen, Jugöslavien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Tunis und Aegypten. SESSEL» Tische/ Lofterbelien Spezialwerkstätte, Adler VfU» Apoilogasse 18, Tel, B*S84*82; Billigste Preise, Zahlungaerleichterungen. Bundesführer Fürst Starhemberg über die Judenfrage. Bei• Buridesführer der österreichischen Heimwehr, Fürst Starhemberg, äußerte sich dem Wiener Vertreter des Budapester ״Ü j s & g“ gegenüber, über seine Stellung zur Judenfrage und zum Antisemitismus befragt, folgendermaßen: Die Judenfrage kann meiner Ansicht nach nicht gewaltsam oder künstlich gelöst werden. Die Frage kann nur durch die Staatliche Einrichtung gelost werden, welche so stark und vollkommen sein muß, daß eine Ansiedlung von international fühlenden Elementen unmöglich wird. Alle Juden, welche auf vaterländischer (zahlreiche Tagesezitüngen haben hier das ungarische ״hazafiäs“ fälschlich mit ״national“ übersetzt! ״Redaktion). Grundlage stehen und keinen internationalen Irrlehren nachhängen, können überhaupt nicht in Frage kommen, wenn von der Judenfrage die Rede ist.. Die Judenfrage werfe ich nür dann auf,'wenn ich an unpatriotische und solche Individuen denke, welche sich , in das Österreichische Schicksal nicht einleben können. Es gibt kein” Problem, ich wiederhole, es gibt ׳ keine Judenfrage, wenn wir von unseren braven, vaterländischen, jüdischen Bürgern sprechen, denn diese bedeuten für das Land keine Belastung. * Zu dieser Aeußerung einer bedeutenden führenden Persönlichkeit, die wir in ihrer Aufrichtigkeit und Objektivität begrüßen, haben wir nur folgendes zu bemerken: Wir Juden sind in unserer Vaterlandsliebe niemals den anderen Bürgern des Staates nachgestanden und sind immer loyal und aufrichtig für das Wohlergehen des * Staates und seiner ganzen Bevölkerung eingetreten, auch wo uns dies nur unter großen Opfern möglich war. Ist es uns doch ein heiliges, unverletzbares Religionsgebot, dem Staate, in dem wir leben, mit unserer ganzen Kraft zu dienen. Konsequent gedacht, dürfte es also in Oesterrech eine Judenfrage überhaupt nicht geben, denn jene ״Internationalisten", die in der Tat dem bürgerlichen, friedlichen Leben der Bevölkerung kaum wiederbringlichen Schaden zugefügt haben, sind — auch wenn der eine oder der andere als Jude geboren wurde — alles weniger als Juden im •Begriffe eines von einem heiligen, religiösen Bande geeinten Volkes. SCHOKOLADEN UND kakaopulver פסח in bester Qualität, unter Aufsicht Sr. Ehrw. des Herrn Rabbiner H. Schenk jetzt nur unter־ der Marke ijEWIOLA** Abteilung MOLNER der Penzinger1 Schokoladenfabrik Wien 11, Goldschlagstrane 181, Telephon 0-33-1-80 Vom Stadtschulrat konzessionierte JÜDISCHE KOCHSCHULE Streng koscher Leitung: C. Schwarz Diätkurse, einfache bis feinste Küche, Rohkost, Nationalspeisen Anmeldungen, Auskünfte: Wien II, Hollandstrasse Kr. 3, III. Stiege 1/41 ^rnitnsgE Erzählung von S, W i e z. (Fortsetzung); [35J . Der Rabbi streckte ihm die Hand entgegen undsagte kürz: יי׳ V; ,-Weiß schon, Sander: weiß alles. Sagt mir nur, Wie sich das alles zugetragen hat.“ ״Es war Nachts, Sabbathnacht, und wir schlieenen", stotterte Sander wie eine Selbstanklage. ״Vorher nichts gemerkt, nichts vermutet?“ forschte der Rabbi mit einem Blicke, der Sander streng und vor-' wurfsvoll schien. ״Wie konnte ich, ein einfacher, sündhafter Mensch, solches Unglück vorausahnen?“ ״Erzählt mir vom Leben in Eurem Hause, vorU Charakter und von der Wesensart Eurer Tochter, $on ihren Reden und Handlungen und besonders von ihrem Benehmen in den letzten Tagen. Auch möchte ich alle Begleitumstände der Entführung, soweit sie Euch bekannt sind, wissen“, sagte der Rabbi, indem er Sander einen Platz ihm gegenüber anwies, Sander fing nun an, stockend zu erzählen. Es war nicht viel, was er von all dem zu berichten wußte, und er ׳,war nicht gewöhnt, über di^ Zusammenhänge der einzelnen Geschehnisse nachzudenken. Aber nun gewährte es ihm doch eine •gewisse Befriedigung, mit dem Manne, von dem allein er noch Hilfe erwartete, alle Einzelheiten des Falles zu besprecuen. hu׳ scnuuerce seine Tochter, all ihre Vorzüge und Fehler, ihre Tüchtigkeit und Geschicklichkeit wie ihre unberechenbaren Launen. Er verschwieg auch nicht die Selbstbildung und deren Wirkung auf sein Kind, das 4hm schon im frühesten Alter Sorgen machte. Dann kam er auf David zu sprechen, auf die abweisende Haltung de§ Mädchens gegen ihren Bräutigam. Auch das Gerede der Leute vom Verhältnis des Mädchens mit dem Guts- Verwalter, weiches leider letzterer erst neulich bestätigt hätte, und ihren Verkehr mit der Fürstin wollte er nicht unerwähnt lassen. Und;׳schUeßlich erzählte er von ihrem Benehmen am letzten Freitagabend. ״Sie hat noch Licht gebenscht und Techinöth gebetet“, schloß Sander mit vor Tränen erstickter Stimme. . _ ■jl Der Rabbi hörte still undsehraufmerksam zu, dann sagte er gedehnt:! ״ \יHöret, Sander, Ihr und Hure Frau habt schwer an Eurem Kinde gefehlt: Ihr büßt Jetzt hart, aber nicht um. verdient Nun״ aber nehmet vorerst ■diesen Trost: Eure: Tochter ist nicht verloren . ,. Sie bereut ihre Tat und die־ verzehrende ׳Sehnsucht nach ihren Eltern, ihrem G-tt ist bereits in ihrer Brust 'erwacht ... Sie kann Euch und ihrem Volke nicht verloren sein . . .“ Das Gesicht des Dorfwirtes heiterte sich auf und ein Hoffnungsstrahl durchwärmte sein Inneres. Er stand auf und näherte sich dem großen, vielwissenden Manne, um den Zipfel seines Talith zu küssen. ״Wird sie .wiederkommen?״ keuchte er. ״Wann, wie? Ach, heiliger Rabbi? betet für uns! ... ״Wann und wie, weiß, ich noch selber nicht“, sagte der Rabbi.' ״Ihr bleibt h|er: über Sabbath mein Gast. Vielleicht zeigt uns der lieb'e G-tt bis dahin den richtigen Weg.“ י : '"- ׳•<&*• ■■ י׳'־■ י' Sander wußte, wieviel der Harrenden noch draußen -waren. Und wie kostbar die Zeit des •viel gesuchten Mannes war, und er schickte sich an, zu gehen. Er griff in die Tasche, um die Trostworte mit einer angemessenen Gabe zu quittieren. Dooh der Rabbi wies schweigend nach dem Tische, auf dem mehrere verschlossene Büchsen mit großen hebräischen ~ Aufschriften aufgestellt waren. ״Armenunterstützung“, lautete die eine Inschrift, ״Ausstattung armer Bräute“ die. andere. Auch Sammelbüchsen für Krankenpflege, für die Armen des heiligen Landes, , für Talmud-Thora u. v. m.'■ waren dabei. Der Rabbi deutete nach einer Büchse, die .die׳ Bezeichnung trug: ״Erziehung armer Knaben und Mädchen.“ Nachdem Sander die für den Rabbi bestimmte Summe in diese geworfen upd auch die anderen Büchsen mit kleinen Beträgen bedacht hatte: entfernte er sich, um den. anderen drängenden Besuchern Platz zu machen. Es lag auch ganz, 4m Wunsche Davids, der mit kritischem, aber sehr verständnisvollem Geiste dieses weltentrückte, verklärte Milieu studieren wollte, einen ״Sabbat beim Rebben“, von •dessen Zauber er schon als Kind so viel gehört, mit . zu• erleben, und in gehobener Stimmung, voller Interesse und Neugierde sah er den Rüstetag zur Neige gehen. In einem, großen, mit der Wohnung des Rabbi verbundenen Raum versammelten sich schon lange vor Sonnenuntergang alle im Dorfe anwesenden männlichen Besucher. Strahlend und gehoben, mit lachenden Mienen und unter lebhafter Unterhaltung Überboten sich die Leute bei der für den Gottesdienst nötigen Vorbereitungsarbeit. Ein reicher, behäbiger Fäbriksbesitze'r holperte wie ein Jüngling von Bank zu Sank und ordnete die mitgebrachten TaigHerzen in den blanken Häiigeleuchtern• Ihm reichte ein verkrüppelter Bettler, der sich vergebens auf seinem Stelzbein hoch aufzurichten mühte, ein Streichholz, das aber mit der brennenden Seite den Finger des Fabrikanten berührte und zu Hoden fiel.;; ״So ein TöipeU“ ärgeyte sich der Lichtanzünder, , ״Kann ich was daRir?", rechtfertigte sich der Lahme mit weinerlicher Stimme, ״wenn der Stelzfuß versagt. Ist alt und morsch und zu kurz — — —“ ״Ruhig, Jankel“, tröstete der Fabrikant, ״sollst. Sonntag neues Bein haben. Bestelle es,' wie du es haben .mußt, auf meine Rechnung.“ Und mit unausgesöhnter Miene zündete der Krüppel ein neues Streichhölzchen an, das der Fabrikant ganz gebückt und wie abbittend in Empfang nahm. Auf dem Podium in der Mitte des Raumes standen zwei bärtige Männer, ein bekannter steinreicher Getreidehändler aus Südrußland in vornehmem Gewand und ein armer Kinderlehrer aus Hintergalizien in schäbigem Kaftan, und legten der Thorarolle unter unausgesetzten Küssen ihr Sabbatgewand ein. ״Das Mäntelchen, das ich vor Jahresfrist gestiftet“, flüsterte Sander beglückt David zu. Ob sie ihm damit eine Freude bereiten wollten. Oder ob es gar der Rabbi so angeordnet hatte? ... Unweit• vom Vorbeterpult stand ein kleiner, dicker Mann mit rotem Gesichte, ein bekannter wohlhabender Gutsbesitzer aus Oberungarn, und putzte mit großer Körperanstrengung, unter Assistenz eines halbwüchsigen, schäbig gekleideten Burschen, der zu dem Zwecke Kreidemehl bereitete, den vergoldeten Kiduschbecher. ״Hodekhetew!“ lachte ein Chossid, der bereits mit den Vorberei- ' tungen zum Minchagebete begonnen hatte, auf das präparierte Putzpuiver. hindeutend. ־ Und nun ging die Türe langsam und zögernd auf. Ein weihevolles Zittern ging durch die Versammlung, der Rabbi in seinem weißen Sabbatgewand,, mit . der hohen Zobelmütze auf dem Haupte, trat, gefolgt von zwei schwarzgekleideten Männern, den diensttuenden Gaboim, ein und tänzelte verklärt und mit leuchtenden Augen an seinen'Platz. Im Nu war alles fertig und jeder zur Amdacht bereit. Die Lichter brannten, die festlich gekleidete Thorarolle war im heiligen Schrein, der tolankgeputzte Becher auf seinem Platz, die Menschen versöhnt, beruhigt, glücklieh und weltvergessen. Und nun begann das Gebet, keine stille, leise, geordnete Andacht, 'sondern ein Schreien, Weinen, Singen, erregtes Hin- und Herlaufen, begeistertes Händeklatschen. Die Leute fühlten sich eins mit ihrem G-tte, miteinander, einig mit sich selbst, und ließen ihren aufwallenden Gefühlen freien Lauf,.. Es waren Männer von Welt und Leben dabei und auch solche, die mit dem harten Schicksal zu ringen hatten, die Leiden und' Sorgen und Hoffnung auf Befreiung und Erlösung hierhergeführt. Man hatte־ nicht immer das Gefühl, seine Wünsche zusammen mit den bimmelspaltenden, sich Erhnrung erzwingenden Gebeten des begnadeten, lichtspendenden Rabbi zu ,G*tt״ emporsteigen zu lassen. Und man mußte die günstige, ach, so kurze Gelegenheit ausntitzen.*, (Fortsetzung folgt.) ־ .׳

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