Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 20 (1934)
- Issue
- 9 (2.3.1934)
- Date
- 1934-03-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2629891-2630538-2630547--4666-2636870- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Oman 1× ep/1047563
- Subotica 1× ep/1048123
OCR text
povoietift riadlt poat * t BrÄttllÄV* fcii. 41Ät3-m-8Ö. Kettungen vom Verleger tifüügi^ ׳״:': Journal eipedie par t^Afiäüyk' V. b. b. OMAN FÜR TTTTTTI >!־( Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasse 12 a, Telephon A-48-0-15. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381. Jugoslawien: Subötica, Zrinjski trg 31. Erscheint jeden Freitag. Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag. Abonnement preise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kc 80, Jugoslawien Dinar 150, das übrige Ausland Schw. Fr, 14. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen für ״Jüdische Presse'*, Wien, auf foi* gende Pöstsparkässenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brtinü Nr. 120.Ö58, Berlin Nr. 122.619, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VHI, 4117. Nr. 9 Wien-Bratislava, 2. März 1934 .ב״ה ווינא־פרעסכורג ט״.* אדי תיצ׳ד 20. Jahrs- Purim S 6 9 4 Die spannende Erzählung der Esther-Rolle wirkt auf uns wie ein Stück Gegenwartsgeschichte. Zweieinhalb Jahrtausende sind verflossen, seit Haman seine boshaften Worte über das jüdische Volk dem schwachen persischen König Achaschwerosch ins Ohr raunte, und noch heute sprechen die Epigonen Hamans, die jetzt lebenden Judenfeinde, fast Wort für Wort dieselben gehässigen Verleumdungen nach. Nur vollzieht sich die Besudelung des Judentums nicht in Geheimkabinetten, sondern mit allen Mitteln der Propaganda in der breitesten Oeffentlichkeit. Den jüdischen Abwehrkampf führten zu jener Zeit Mordechai und Esther. Buße und Einkehr waren die Mittel, mit denen sie eine Wendung des Schicksals herbeigeführt haben. Der Tag, der zur Vernichtung der Juden bestimmt war, wurde ein Festtag, Purim, den das jüdische Volk mit allerlei Belustigung begeht. Unsere Aufgabe ist es nicht, über die Vernichtungspläne der Judenfeinde zu sprechen, vielmehr obliegt es uns, den jüdischen Abwehrkampf zu führen. Unsere Feinde sind ihrem Urbilde treu geblieben, wir leider unseren Urbildern nicht. Der Vernichtungsfeldzug gegen die deutschen Juden hätte uns, die nachbarlichen Brüder, wachrütteln sollen. Mehr als ein Jahr ist vergangen seit der Katastrophe der deutschen Juden, und wir sehen nicht den Weg, den die Juden in Oesterreich zur erfolgreichen Abwehr eines ähnlichen Schicksals be-; schritten hätten. Wohl hat man eine'ganz ■ansehnliche: Summe zur Linderung deutscher Flüchtlingsnot gesam-' melt, aber mit Geld ist das Problem durchaus nicht zu lösen. Eine; ■־ --'•״׳••■ - , ■v; Abkehr von dem bisherigen Weg, innere Sammlung, wäre nötig, um eine Besserung herbeizuführen.!; Nun war in den letzten Wochen über Oesterreich selbst ein furchtbarer Sturm hinweggegangem Auch die österreichischen Juden erlebten bange Tage. Es ist noch ungewiß, in. welcher Linie sich die Verhältnisse in Oester-! reich entwickeln werden und welches Los dem österreicliischen Judentum bevorsteht. Die verantwortlichen; Lenker Oesterreichs erklären, daß sie keine Ausnahmegjesetze gegen die Juden planen, und wir haben volles" Vertrauen zum Wort unserer Staatslenker. Eine gewaltsame Lösung des Judenproblems wird in Oesterreich nicht geplant. Bei dieser Sachlage müßten wir Juden; lalilds' (daransetzen, . Wahrheit Sowohl wie die augenblickliche Situation verlangen gebieterisch, . daß der Orthodoxie, den religiösen Vertretern der Judenheit in Oesterreich, der gebührende Platz in der Führung überlassen werde. Die religiöse Wiederaufbauarbeit muß aber vornehmlich unserer Jugend zugute kommen. Es müßte endlich, belehrt von der Entwicklung ,in Deutschland, eine vernünftige jüdische Schulpolitik' in Angriff genommen werden. Warum denn warten bis zum Aeußersten? Warum nicht rechtzeitig eine Entwicklung anbahnen, die im organischen Wachstum jette Erziehungs- und Bildungsanstalten schaffen soll, welche unserer jüdischen Jugend in Wien so sehr nottun? Programmatische Erklärungen über : religiöse Erziehung der Jugend haben wir wohl schon viele gehört, doch Schuljahr um Schuljahr verrinnt und die Wiener Judensohaft muß noch immer mit minderwertigen Ersatzbehelfen vorliebnehmeri, statt einer gesunden, ׳kräftigen, einzig erfolgversprechenden Erziehung unserer Jugend an jüdisehen Schulen. Es ist nur allzu selbstverständlich, daß diese Schulen"in religiösem Geiste von religiösen Lehrern geleitet werden müßten. Als zweiten Programmpunkt will unsere Regierung; die Wir t s c h a f t'is s an i e ru n g. Auch die Pflicht der Jüdischen Gemeinschaft wäre es, innerhalb der;jüdischen Sphäre eine;;•'־ ך:<’ wirtschaftliche KönSÖlidierung. " . hferbeizuführen. Man spricht von wirtschaftlicher U m- Schichtung innerhalb des Judentums. S i e d 1 u ng saktionen werden in allen Details erörtert. Die Orthodoxie ist aus zwei Gründen an all diesen Projekten m Chlorodont umfaßt mehr als 6 Millionen zufriedene Verbraucher. Weiße ZÜhne und frischer Atem sind das Ergebnis der regelmäßigen Zahnpflege mit der köstlich erfrischenden Chlorodont- Zahnpaste.1 / / \ Titfie , . Ki 4.—, j groß« Tuhc Kc 6.-—• I außerordentlich stark interessiert. Erstens, weil durch eine Abkehr von den bisher außerordentlich stark bevorzugten akademischen Berufen ein wichtiger Faktor zur Zerstörung der religiösen Lebensweise und des religiösen Denkens in Wegfall käme. Zweitens, weil bei einem Wirtschaftlichen Wiederaufbau auf die Heilighaltung des S a b b ä t h s eher Bedacht genommen werden könnte, als bei der jetzigen Eingliederung in das allgemeine Wirtschaftsleben möglich war. Auch auf diesem Gebiete winkt daher den Führern der Orthodoxie die entsprechende Einflußnähme. Die Orthodoxie kann aber füglich diese Führerrolle nur dann erhalten, wenn sie den Stolz und den Mut, Wenn sie die Energie und Tatbereitschaft eines Mordechai lind den Opferwillen der Esther auf bringt. Wenn die Führer der Orthodoxie die gesamte < Judenr; schäft zur Erkenntnis bringen, daß den immer gleichbleibenden Mitteln der Hamans nur die alten und bewährten Mittel unserer Vorfahren Paroli bieten können,, dann wird das bittere Los, das die Epigonen deir-Hamans gegen das jüdische ־ Volk planen, abgewehrt werden, können. Dann wird der Tag der Schande in Jubel, der Tag der Vernichtung in Aufstieg Verwandelt werden und wir werden ein neues Purimfest feiern können. L. AUFRUF! Tage von schicksalsschwerer Bedeutung, . von unendlicher Tragik liegen hinter uns. Gewaltig noch zittert der Schmerz ob des Leides, das unser geliebtes Vaterland, unsere teure Vaterstadt und die Bundeshauptstadt Wien getroffen. Von tiefer Trauer sind: wir erfüllt, und wir senden unser Gebet zum Lenker der Geschicke, daß Frieden und Buhe nunmehr in unserem Lande, erhalten bleiben.. von innen heraus, aus eigener Initiative, die Reformen durchzuführen, welche der Regierung ein. Ausharren beim gegebenen Wort, mit keiner rohen Hand das Judenproblem anzufassen, zu ermöglichen. Die erste Pflicht •der österreichischen Judenheit wäre, das große י" Regierungsprogramm vom religiösen Wiederaufbau im eigenen Kreise in Angriff zu nehmen. Die Führer der Wiener Orthodoxie ׳hätten hier eine historische Aufgabe erlesenster Art zu erfüllen. Große Massen der Wiener jüdischen Bevölkerung stehen entwurzelt da. Der Liberalismus, in dessen Sonne sie sich so wohlgefühlt haben, ist seit dem Kriegsende auf dem Aussterbeetat. Die S q z i a 1 de mokratie hat auf unabsehbare Zeit, wenn nicht auf immer, abgewirtschaftet.‘ Von den geistigen Faktoren innerhalb des Judentums sind nur noch der Nationalismus und die Orthodoxie übriggeblieben. Die Zeiten sind nicht danach, daß. die Führer dieser iitoriggebliabenen geistigen Potenzen sich befehden sollen. Ein Ausgleich oder ein friedliches Zusammenleben muß jetzt Platz greifen. Die geschichtliche Leistungsfähigstes Möbelhaus M. Redler/ Wien 1, Sdioflenring 35 ׳ Telephon A-12-9-78. . Gesamtausstattungen von der billigsten bis zur feinsten Ausführung, Uebernahme sämtlicher Adaptierungen, Eigenes Zahlungssystem. Samstag geschlossen. ״Schomra“-Mitglied. Aber wir dürfen nicht in stummer Trauer verweilen. Gebieterisch fordert die Stunde zur B e si nnu n g u n d zur Tat. Unser erster Gedanke wendet sich den unglücklichen Opfern zu, die ihr Leben in den schweren Tagen haben lassen müssen, und wie unsere Heilige Schrift mit ״Zedokoh“ beginnt, so sei auch unser erster■ Ruf an alle unsere jüdischen Mitbürger, insbesondere an die auf dem Boden des jüdischen Gesetzes stehenden Brüder und Schwestern: ׳ ■ •' ';/v'־■: Vereiniget euch in der Hilfeleistung für die Hinterbliebenen der Unglückliehen Opfer! Fördert nach Kräften alle Bestrebungen zur Linderung des Unglückliehen Schicksals der,Witwen und Waisen. Die Bundesregierung hat aufgefordert, mit ganzer Kraft das unglückliche Schicksal der Witwen und Waisen; zu lindern, und diese Mahnung wird bei uns ein offenes Ohr finden. Wir rufen euch alle'zur Hilfe auf und erwarten, daß jeder seine Pflicht erfüllt• Ueber diese Pflicht hinaus aber gibt die Stunde Anlaß zu erster Besinnung. Jeder wahrhaft religiöse Mensch ist von dem Glauben durchdrungen, daß niemals Leid ohne Zweck und ohne Sinn in die Welt geschickt, wurde. Für uns, das jüdische Volk, an dessen Wiege das höchste sittliche Gesetz der Menschhöit verkündet wurde, ist dieses Gesetz in seiner ganzen Reinheit und Vollkommenheit die Grundlage des Bestandes. Ohne irgendwelche Ueberheblichkeit kann und soll es gesagt werden, daß das thoratreue Judentum seit jeher für diese Erkenntnis kämpft und darum ringt, das Erbe der Väter lebendig zu erhalten: Von der Ueberzeugung durchdrungen, daß in der Pflege und Wahrung des heiligen Erbes der Väter der , Schlüssel einer glücklichen Zukunft liegt, daß Sturmtage, wie die jetzt erlebten, nie wiederkehren, wenn alle Völker und Menschen von dem Geist wahrer Religiosität und echter Menschenliebe erfüllt sind, rufen wir unsere Glaubensbrüder auf, unserer heiligen Religion und unserem Gesetz die Treue zu wahren und uns zu helfen, die alten und heiligen Ideale zum Gemeingut der Gesamtheit zu machen. - Darüber hinaus ergeht unsere Mahnung und unsere Bitte an alle, alles zu tun, um den Kampf, der die jüdische Einheit zerrissen hat, zurückzustellen und gemeinsam mit uns für eine glücklichere Zukunft auf dem Boden des g-ttlichen Gesetzes zu wirken, und, diesem heiligen Gesetze gehorsam, in treuer Ergebenheit der Regierung an dem Wiederaufbau unseres Vaterlandes zu arbeiten. , _ Wien, am 7. Adar (22. Februar) 5694. \ .׳ ־־ •; <;:"״'״־"״־ .*:■•־־:■•;-״* ׳■■;■ Jesaja Fürst, Kommerzialrat Siegmund BondV ל Oberrabbiner der Adas Jisroel (Schiffschul), Obmann der Ajas Jisroel (Schiffschul). erhält bei mir schon Innerhalb 3 Stunden Qesiehte entsprechen# modellierte Besitze! der weltbekannten P6l'i}cH€l9l'>KlllU(WeFk|tättR Wien I, Kärntnerring 6 JOUWfe'Wfi