Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 20 (1934)
- Issue
- 6 (9.2.1934)
- Date
- 1934-02-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 jüdische presse m. 6 Adas Ji8roel*Schiffschul. Wien, 11.) Große Scltiffgässe 8. Kähzlei: 11., Große Schiff- ^piase/L/ %. 40 ex '034/ ■; "//־/ Die Notlage unserer Brüder in Rußland ist so ungeheuer groß, daß die Sprache tu arm ist, um sie ln ihrer ganzen Wirklichkeit zu schildern. Es gibt kein fühlendes Herz, das tiihig bleiben kennte, wenn man an die Htmderttausende denkt, die diesem noch nie dagewesenen Elend ausgesetzt sind. Völlige Rettung zu bringen sind wir Viel zu schwach. Aber wenigstens unsere Teilnahme müssen wir Ihnen zeigen, um ihnen zu beweisen, daß unser brüderliches Herz ihren Schmerz mitfühlt. Einen Augenblick der Hoffnung müssen wir ihnen schaffen, um sie aufzurichten. Am Sabbath, an dem von altersher die Aufforderung an jeden בר ישראל ergeht, ״das Lösegeld für seine Person“ dem Heiligtum zu entrichten, Wollen wir unserer bedrückten Brüder gedenken. Der Vorstand der Adas Jisroel hat darum bestimmt, daß an diesem Schabbös פ׳ שקליה der Erlös sämtlicher עליזה und Spenden für צדקה der * RUSSLANDHILFE zugeführt werde. Aber auch ־jeder, der an diesem Tage zum Thorah-Aufrufen nicht gelangt, möge seinen Beitrag ‘ zu diesem Hilfswerlte leisten. Die Lage umfassend, möge beherzigt werden העשיר ירבה׳ והדל לא ימעיט Wollen wir den Mut der Verzweifelnden auf richten und beitragen, daß endlich für alle Bedrückten überall die Stunde der Erlösung komme. Wien, am 21. Schwat 5694. 6. Februar, Der Vorstand der Adas Jisroel. fc!j?Ly©s Woche irnMh x w wo ehe — Im Dezember 193 S wurden 1826 Personen, unter ihnen 1737 Juden, zur Einwanderung nach Palästina zugelassen, 283 gehörten der Kapitalistengruppe an. ׳-—״ Aus den Kreisen der von der pol ni sehe n Regierung aufgelösten antisemitischen Organ isationen Rozwoj und Obwiepol wurde eine neue Partei gegründet, die scheinbar über große Mittel verfügt und die im Zentrum von Warschau luxuriös einge- Hchtete Parteiräume eröffnet hat. — Nationaldemokratische Studenten schleuderten in mehrere jüdische Geschäfte und Kaffeehäuser in Warschau Stink- und Tränengasb 0 mb e n. Die Täter wurden festgenommen. Zupi Schutze der jüdischen Geschäfte hat die Polizei einen ständigen W a c h di e n st eingerichtet. ' Sir Oswald M o sley, der Führer der br i t is chen Faschisten, veröffentlicht im ״Daily Mail“ einen Artikelin dem er den Vorwurf, seine Partei betreibe antisemitische Propaganda, z u r ü ckw ei s t: Vnter einem Schwarzhemdenregime in England werde niemand wegen seiner Rasse oder seines Glaubens verfolgt werden. ■ 1 — Die Regierung der Vereinigten Staaten hat an die amerikanischen Konsuln in Europa die Weisung ergehen lassen, Gesuche von deutschen Juden um Ausfolgung von Visen zur Einwanderung in Amerika ent g e g enkommend zu behandeln. — lieber Entscheidung des deutschen Reichsj in anz minist er s unterliegen alle Nichta ri e r, die das Deutsche Reich verlassen, der Reichs f luchts teue r. — Drei revisionistische Zionisten, die das Heim ihres poale-zionistischen Kollegen in Wilna demoliert en, wurden zu Gefängnisstrafen von einer Woche bis zu zxoei Monaten verurteilt. — In P et ach Tikw ah kam es zu Zusa mmenst ö ß en zwischen , revisionistischen und soziali- ■stischen Zionisten. Es wurden 12 Verhaftungen vorgenommen. — Wegen eines U eb er f alle s auf den jüdischen Journalisten David Altmann wurde der polnische Nationaldemokrat Marko wski zu eineinhalb J ahren Gefängnis v ern'r teilt. Ifidisdie Siedltingeti In OfiMji« lü NE 60 vom 22. Dizember v, j, brächten wir die Mitteilung von dem Projekte der Gründung jüdischer Stadtrandsiedlungen, weiches von Herrn N at h an Pöl 1 ak, Mitglied des Zentralvorstandes der Union österreichische» Juden, ausgearbeitet wurde. Dazu erfahren Wir, daß die Absicht besteht, zunächst in der Leopoldstadt in einer öffentlichen Schule einen Kurs zur Umschulung der jüdischen Jugend im Alter von 16 bis 30 Jahren abzuhalten, der den Teilnehmern die theoretischen Kenntnisse von der Land- Wirtschaft vermitteln soll. Mit dem Eintritt der wärmeren Witterung im Frühjahr soll dann die praktische Arbeit auf Grund und Boden beginnen. Der Anreger hat dazu die gute Idee gebracht, die Gärten der Wohlfahrtsanstalten der Kultusgemeinde als Schulfarmen zü benützen. In diesen soll unter fachmännischer Leitung Blumen“ und Gemüseanbau, Obstkuitur, Hühnerzucht usw. gelehrt werden und durch die beigestellten landwirtschaftlichen Geräte produktive Arbeit geleistet werden, die sich durch den Ertrag des Bodens reichlich bezahlt machen würde, Die weiblichen Teilnehmer sollen an einem Siedler-Kochkurs im Krügerheim teilnehmen und separat die Ausbildung für die Tätigkeit als Siedlerfrau erhalten. Ueber dieses Siedierprojekt hat am 31. Jänner im Sitzungssaale der Kultusgemeinde eine Versammlung stattgefunden, bei der Herr Dr. Ludwig; Neumann, Abteilungsleiter der ״Gesiba" und Generalsekretär des Oesterreichischen Verbandes für Wohnungsreform, über ״Jüdische Wirtschaftssiedlung" sprach und seine Ausführungen mit Lichtbildern der Siedlung Leopoldau sehr interessant zu gestalten' wußte. Nach seinen Erfahrungen kann eine Siedlerfamilie mit einem Häuschen und 2500 Quadratmeter Grund bei fleißiger Arbeit und fachmännischer Kontrolle nicht nur sich selbst erhalten, sondern eine monatliche Bareinnahme von S 100 zur Deckung der sonstigen Bedürfnisse erzielen. Für die Zwecke einer Siedlung als Nebenerwerb genügen schon 1000 Quadratmeter. Das jüdische Siedlungsproblem ist auch vom Standpunkte des thoratreuen Judentums wärmstens zu begrüßen, da es alle Möglichkeiten hat, die jüdische Familie zu erhalten׳ und ihr Lehen den Religionsgesetzen anzupassen. Wenn wir den Weg.vom Land in die Stadt, den wir jahrzehntelang aus Nachahmungstrieb gegangen sind, nun umgekehrt zurücklegen sollen, so wird dies für das Judentum und für seine Erhaltung gewiß nur von Vorteil sein. Alle jüdischen Kreise sind für ihre Jugend daran interessiert, daß dieser wirklich gute Gedanke der Umschulung so rasch als möglich seine Verwirklichung finden möge. Wie wir erfahren, beschäftigt sich auch der ״Schomre Schab bos" mit einer Reihe derartiger — im Kleinen durchzuführender —• Projekte, von denen man nur wünschen kann, daß sie ehebaldigst verwirklicht werden. Meinen Sie nicht auch? So selbstverständlich es ist, daß jeder seine eigene Zahnbürste besitzt, so sollte doch auch jedes Familienmitglied seinen eigenen Becher für die Mund- und Zahnpflege haben. Auch Sie können das! Wenn Sie ׳eine 1/!־Flaschendes antiseptischen Odo 1-Mundwassers (das den ,Atem frisch erhält) kaufen, so wird Ihnen bis auf;weiteres ein Pollopasbecher unberechnet überreicht. Sie können unter sechs leuchtenden Farben wählen und erkennen stets Ihren . Becher an der Farbe. Besuchen Sie noch heute Ihr Fachgeschäft! . . SCHOKOLADEN UND KAKAOPULVER ל פסח# in bester Qualität, unter Aufsicht Sr, Ehrw. des Herrn Rabbiner H. Schenk jetzt nur unter der Marke ״EMOLA״ Abteilung MOLNER der Penzinger Schokoladenfabrik \ Häuserverwaltung und Hypothekenkontrolle »eichsdeutscher Häuser und Hypotheken übernimmt gegen Mohätspäuschale Rechtsanwalt Knoch aus Berlih, jetzt ständig in VVIen, t, Tuchlauhen 1a, Telephon U-22-3-60. Pension Hirsch (Fürstenhof), Semmering. bietet heute schon um s 11.75 Vollpension anki, aller Abgaben). Alle Zimmer zentralgeheizt und mit fließendem Kalt- und Warmwasser. Die Pension Hirsch ist in allen jüdischen Kreisen genügend bekannt, um einer besonderen Empfehlung nicht erst zu bedürfen. Vdreiitsitacitricliftef». Generalversammlung der Stumperschul. Unter dem Vorsitz des verdienstvollen Präsidenten, Herrn Moritz Felsenbürg, fand vergangenen: Sonntag die General- Versammlung des Isr. Tempel- und Schulvereines, VI., Stumpergasse 42,‘statt. Nach der Begrüßung der anwesenden Mitglieder und der erschienenen Gäste — Dr. Feldsberg für die Kultusgemeinde, Josef Herzog für die Schiffschul, Emanuel Weiß und E. Schulz für ״Emunes Aves", M, Leib für die Chewra Kadischa VI-VII, Viktor Deutsch für die Jugendgruppe und Redakteur Tttrkl von der ״Jüdischen Presse" — und näch Verifizierung des vorjährigen Generalversammlungsprotokolls erstattete der Vorsitzende den Jahresbericht, der ein außerordentlich günstiges Bild über die Tätigkeit dieses Vereines und seine Erfolge auf allen Gebieten jüdischer Klall-Arbeit gab. Obwohl die Kultusgemeinde der Bedeutung dieser Institution in keiner Weise Rechnung trägt, konnte das Jahreshudget —־ rund 23.000 Schilling — aus eigenen Kräfte«, allerdings nur unter den größten Opfern, ausgeglichen werden. Der Vorsitzende hielt hei dieser Gelegenheit einen, tiefempfundenen Nachruf den im letzten Jahre verblichenen Mitgliedern und Gedole-Jisroel, Rabbi Josef Baumgarten, Krakauer Raw, Chofez Chajim, Lubliner Raw, Rabbi M. M. Epstein und Czortkower Rebbe s. Z. 1., und gab einen Ueberblick über die Arbeiten der in der Agudas Jisroel organisierten/ Weltorthodoxie. Er gedachte auch der Leiden unserer Brüder in Rußland und Deutschland. Namens der Kultusgemeinde sprach Herr Dr. Feldsberg, namens der befreundeten Schul ״Emunes Aves" Herr Weiß. Revisor Bankier Hecht wies auf die sonst unerreichbaren Leistungen des Vereines hin, die einzig dem Präsidenten) Herrn Felsenburg, zu verdanken sind. Redakteur Türkl besprach die derzeit wichtigsten Aufgaben der Wiener orthodoxen Judenheit. Zum Schluß fand die Wiederwahl der .turnusgemäß ausscheidenden! Vorstandsmitglieder M. Felsenburg, M. Roth und S. Zeisler sowie der Revisoren Komm.-Rat Fürst und Bankier Hecht statt. / ■ Agudas-Jisroel-Jugendgruppe, Wien, H., Floßgasse Nr. 1. Sonntag, den 26. Schewat, )48 Uhr abends, hält Herr David Bondy im großen Saale einen Vortrag über ״Jüdische Geschichte als Erlebnis und Bekenntnis". Montag, den 27. Schewat, um X8 Uhr abends, findet, ein Vortrag des Herrn Dir. D. L. D e u t s c h- 1 ä n d e r über ״I j o w" statt. Gäste willkommen! Autoreise nach Mattersburg. Aus Anlaß des M a z e w o h ־ S t e 1 lens; für Rabb. Josef Bau mgarten s. Z. 1. veranstaltet die Agudas-Jisroel- Jugeadgruppe, ■Wien, II., Floßgasse 1, am Sonntag, den 18. Februar (3. Adar)״um halb 8 ■Uhr früh von ihrem Heim aus eine Autobusreise nach Mattersburg. Preis tourretour S 6.20. Anmeldungen bis 10. Februar allabendlich im Jugendgruppenheim bei Herrn Emil ־Adler. / . . Assifoh der Talmidim des Nitraer Raw. Zu der am Sonntag Parschass. Tezaweh in Nitra stättfindenden Zusammenkunf t ehemaliger Talmidim des derzeitigen Nitraer Raw wird von Wien aus. die Veranstaltung einer Gesellschaftsreise geplant. Abreise Freitag, den 23. Februar; Rückkunft Sonntag, den 25. Februar; Kosten der Hin- und Rückfahrt inklusive Verpflegung und Unterkunft (■bei einer Teilnahme von mindestens 15 Personen) S 25.־—. Interessenten wenden sich allabendlich im Aguda-Jugendgruppenlokal (II., Floßgasse 1) an ׳E. Braun. Agudas - Jisroel - Mädchengruppe Wien. . Schabbos Parschass Mischpotim setzt Herr Univ.-Prof. Dr. Eisler seinen Vortrag ״Palästina und wir" im Lokale des ״Wienea", II., Obere Donaustraße 91, um X H Uhr vormittags fort. Erzählung von S. W i e z. (Fortsetzung) [32J Irgend jemand sagte, vielleicht nur um etwas zu sagen: ״Die Zeit rückt vor. Wir haben bald Elul." ״Die Zeit, in der ich sonst zum ,Rebben' zu fahren pflegte", sagte Sander gedrückt. Tiefes Schweigen. Nur die flackernden ־ Kerzen helebten von Zeit zu Zeit mit leisem Knattern den Raum. Es lag etwas wie tiefes Sinnen, geheimnisvolles Brüten in der Luft. Da erhellte sich plötzlich das Gesicht Sanders. Wie ein Freudenstrahl huschte es über sein bis dahin so düster dreinschauendes Gesicht, Er tat einen Zug aus dem Weinbecher. Seine finstere Miene heiterte sich zusehends auf und plötzlich stimmte er mit heller Stimme das gewohnte Sabbathlied, welches er seit drei Wochen nicht mehr gesungen hatte, an: ״Licht und Freude den Juden, Am Sabbäth, 0 Tag der Lust!“ -— Frau und Sohn sahen ihn erstaunt an. Er aber sang seine Semiroth zu Ende und sagte dann kurz: ״Werde nächsten Sabbath beim ,Rebben* sein. Ich fahre Ende nächster Woche zu dem heiligen Mumie, der in allen Lebenslagen Bat und Hilfe und Trost weiß, Gott wird uns durch seinen Auserwählten den richtigen Weg zeigen.“ /"''׳■/ '.. ■// ■:'v// Und als wäre dieser Weg schon gefunden; die Hilfe schon da, geriet der Mann, alle Sorgen von sich verscheuchend, in immer freudigereStimmung. Erjubeite, scherzte imd sang die Sabbathlieder in jener schmelzenden, flehenden und zugleich hoffnungsfreudigen Melodie, wie er sie vom Massenehor der Chassidim im Hause des ״Rebben״ gehört/; ^amttfi wugte nicht, obzwar innerMeh hihbt so I vertrauensfilt/ die Hoffnungen des Vaters* durch־״ irgend *י ein Wort oder eine Miene abzuschwächen, und er sang laut und kräftig mit. Nur. auf Debora schien dieser Wandel keinerlei Eindruck zu machen. Sie saß wie teilnahmslos und starrte schweigend das Kerzenlicht an. Da klopfte es an die Türe und herein trat eine stämmige, breitschultrige Gestalt. Es war der Herr Guts- Verwalter Borisowski. Dieser sah etwas verlegen nach dem Tisch, nach den Lichtern, nach den Anwesenden und stammelte dann, ohne jemand anzusehen, etwas wie eine Entschuldigung, daß er gerade jetzt zu dieser Nachtstunde in die Familienwohnung .eindringen müsse. Allein die Amtsgeschäfte ließen ihm hei Tag nicht viel Zeit übrig. Nun aber ging er gerade vorbei. Er habe eine wichtige Erklärung im Aufträge der Gutsherrschäft. ״Ach, im Auftrag der Herrschaft, der Fürstin?" — Debora 'sprang auf und erfaßte den Verwalter bei der Hand. — ״Hab' es gewußt . . . Sie haben Einsehen . . . Sie bringen uns unser Kind wieder — im Auftrag der Herrschaft. Wußte ich es doch, wußte ich es doch-" ״Erlaubt, gute Frau", wehrte Borisowski ab, ״von alldem weiß ich kein Wort. Was eure Tochter, die Marjanka, betrifft, darüber ein andermal. Heute komme ich in einer Angelegenheit anderer Art." Wie von einem kalten Wasserstrahl getroffen, zog sich die arme Frau zurück. Die knochigen Wangen, die eben noch in Hoffnung glühten, erbleichten wieder. ״Was haben Sie mir zu erklären?״ fragte^ Sander kalt und finster, ״Es sind", fing Borisowski etwas unsicher an, ״Klagen gegen eneh eingeläufsn, daß.ibr in letzterer Zeit, die Wirtschaft vernachlässigt, Die Herren bekommen keinen Einlaß und die Bauern und Grubenarbeiter Keine rechte Bedienung, Sollte es so weitergehen, so werden wir, so ungern es, wenigstens meinerseits, geschieht, ge■* zwungen sein, Euch die Pacht zu kündigen. Der Vertrag gilt wohl noch drei Jahre. Aber ihr kennt doch die darin (enthaltenen Bestimmungen, — Die Leute wollen befriedigt sein und Kommen, wenn sie es nicht sind, uns auf den Hals, Wir haben die Pflichtי׳• Nun, ihr wißt, wie ich■ es meine.., , Wollte euch nur warnen, bevor es zu spät ist,.. schon MarjanKa wegen.. .-״ I Still und verständnislos hörte Sander die Rede des Gutsverwalters an.:.Debora schien nur seine letzten Worte zu hören: ״Marjanka wegen!" Wieder stand sie auf und trat ganz nahe und in drohender Haltung an Borisowski heran. ״Marjanka wegen?״ schrie •sie außer sich vor Erregung. ״Ich habe kein Kind mit Namen Marjanka. Das haben sich die Diebe so ausgedacht, um den Raub besser vollführen zu können. Mirjam! Hörst du? Mirjam heißt mein Kind! Sprich, Elender, wo hast du meine Mirjam hingetan? Gib mir mein Kind wieder, Schurke!..." Die Frau gebärdete sich wie rasend. Mit geballten Fäusten stürzte sich das hinfällige Weib auf den jungen, stämmigen Mann. , . Samuel umarmte * seine Mutter und suchte sie zu beruhigen. Sander weinte, als hätte ihm das wahnsinnige Benehmen seiner Frau noch einmal die ganze Trostlosigkeit der Lage klar vor Augen geführt, wie ein'Kind. Boriso wski stand wie festgenagelt äuf seinem Platze und schaute mit großen, erstaunten Augen um sich her. ״Mein Kind, meine Mirjam!“ schrie Debora unausgesetzt. ,,Höret", sagte Borisowski nach einigem Zögern. ״Ich kam in freundschaftlicher Absicht hieher, euch zu warnen, euch zu schützen, und verdiene diesen Empfang Keineswegs, Ich komme, euch zu helfen und ihr sprecht von Rauh und Entführung. Ist das Entführung, wenn eure Tochter, beschlossen hat, die Taufe zu nehmen und die Frau eines Christen zu werden?“ ״Nein, sie hat es nicht beschlossen'.‘, schrie Debora ganz außer Fassung« ״Er lügt vi. sie־ lügen alle, die Blut■» hunde... Wir werden noch einmal hingehen. Sie wird es uns selber sagen — — — ״Verlorene Mühe", lachte Borisowski. ״Ihr bekommt sie nicht zu Gesiqbt, Auch mich lassen sie nicht’rein, die schwärzen Betfratzen, War schon dreimal vergebens dort« Kein Laie darf den heiligen Boden betreten, sägen sie, Auch behaupten sie,! sie wünsche mich nicht zü sehen.. Natürlich darf man diesen Klosterratten nichts glauben,/ Allein, was macht's? Noch einige Wochen und MarjanKa kommt aus dem elenden Käfig wieder, raus — — " /•' (Fortsetzung folgt,)