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Jüdische Presse · 1934-02-09 · 6 (9.2.1934) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
20 (1934)
Issue
6 (9.2.1934)
Date
1934-02-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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ORGAN FÜR 016 INTER6SSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Avttiftfi ttfplatufe pov<riadlt beet m telegrafo* f fimüaiati «I«. 41S׳«-m-20. teltungen vom Viftefif versendet mmmmm Redaktion und Administration t Wien, II., Malzgasse 12a, Telephon A-46-0-15. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381. Jugoslawien: Subotica, Zrinjski trg 31. Erscheint jeden Freitag. Redaktionsschluß; Mittwoch Mittag. Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kc 80, Jugoslawien Dinar 150, das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer Öst. Gr. 40. Zahlungen für ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Postsparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Berlin Nr. 122.619, Budapest ' Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VlII, 4117,. Nr. 6 Wien-Bratislava, 9. Februar 1934 •ב״ה וועא־פרעסבורג כ״ד שבט תיצ־ד 20.Jahrg. Zehn Jahre KereiulVathora. Von Dr. Leo Deutschländer, Direktor der KeremHathora-Zentrale. Zehn Jahre sind in diesen Wochen verflossen, seitdem in Wien der Grundstein zum Keren Hathora gelegt würde. Die Zeit ist zu ernst und zu schiver, um das Ereignis, das mit froher Hoffnung begrüßt wurde, mit einer festlichen Veranstaltung zu begehen. Aber die Erinnerung an jene Zeit darf doch durch einen Rückblick beI2bt werden. Hier in Wien wurde der Grundstein gelegt. Hilfreich boten die Führer des hiesigen orthodoxen Judentums ihre Hand, kein Mißton zwischen den Landsmannschalten störte das Aufbauwerk. An der Gründungsver- Sammlung nahmen neben dem heimgegangenen Führer, Rabbi Israel Friedmann, dem Czortkower Itebben, und Rabbi Josef Baumgarten 9*זצ die uns in diesem Jubiläumsjahr verließen, der Oberrabbiner der Adas Jisroel, Rabbi J. Fürst, Rabbi Mosche Friedmann, jetzt Krakau, Reb Wolf Pappen he im, Rabbiner Dr. P. K o h n, teil. Der Plan war gigantisch und alle wußten, daß ein Menschenalter nicht ausreichen würde, um ■das Ziel zu erreichen. Die Jeschiwos der Welt sollten aus einer Notlage befreit werden, die nicht nur das Maß körperlicher Entbehrungen geradezu sprengte, sondern die Würde der Thorafürsten in den Staub zog. Wer konnte es länger mitansehen, daß die Gaonim unserer Zeit von Stadt zu Stadt zogen, um das Brot für ihre Schutzbefohlenen an den Türen der Reichen zu erbitten. Zur Regulierung der ungeheuren wirtscha f t liehen' Umgruppierung*, die die Judenheit erfahren mußte, sind viele mächtige Hilfsorganisationen tätig, zur Behebung der furchtbaren Folgen der *geistigen und si11liehen Entwurzelung, ziim Schutze der gefährdeten Jugend, für welche die Kette religiöser Tradition‘ jäh abzureißen schien, sollte der Keren Hathora in die Erscheinung treten. Man hat mutig die Arbeit gewagt und hat sich auch von Enttäuschungen־ nicht zurückschrecken lassen. Die großen litauischen Jeschiwos, 17 an der Zahl, wurden entschuldet, eine Zentral-Jeschiwoh in Lublin errichtet, Subventionen an die großen und kleinen Anstalten — leider nur zu selten, zu gering — gewährt und das B e t h- Jacob- Mädchen-Schul- und Schutzwerk begründet, das in rasch aufsteigender Linie sich zu einem ragepden Siegeszeichen für den Thora willen der weiblichen juäisehen Jugend erhob. 30.000 jugendliche Seelen legen dafür Zeugnis ab. Vom Wiener Stadtschulrat konzessionierte JÜDISCHE KOCHSCHULE Streng koscher Leitung: 0. Schwarz Difitkürse, einfache bis feinste Küche, Rohkost, Nationaispeisen Anmeldungen, Auskünfte: W»e» II, Ilollandstrasse AV. 8, III. Stiege If4I Semmering PENSION HIRSCH, FÜRSTENHOF alle Zimmer zentralgeheizt und mit fließendem Kalt- und Warmwasser. Vollpension inkl. aller Steuern S 11.75 Feine Damenmoden F. Borenstein, Wien il HollandstralSe 1 Fernruf: A 45-6-49 Stets neueste Modelle in Kleidern, Mänteln u. 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Feuchtwan g, der dem vom Erzbischof Innitzer ins Leben gerufenen interkonfessionellen Rußlandhilfekomitee angehört, sprach über die bereits geleistete Arbeit und über den ausgezeichneten Eindruck, den die Berichte der Herren Univ.- Prof. Dr. ־ M. Eisler und Dr. L. Deutschländer über diese Arbeit in dem interkonfessionellen Komitee ausgelöst haben. Dr. Feuchtvvang verurteilte in diesem Zusammenhang einen gegen ihn gerichteten Vorwurf im ״Haarez“ (zionistische Tageszeitung in Jerusalem, Red.), der vollkommen unberechtigt ist. Umv.-Prof. Dr. Max Eisler hielt sodann ein ausgezeichnetes Referat über die zu leistende Hilfsarbeit und forderte sämtliche Bethausvorstände auf, die Eingänge aus den Alios und Nedorim am kommenden Schaibbos Parschas Schekolim diesem wichtigen Zwecke zuzuführen. Markus Hormstein (früher •Kiew), der eine Zeitlang selbst in Sowjetrußland lebte und die dortigen Verhältnisse genau kennt, sprach über die technische Durchführung der Hilfsarbeit. Er schilderte in erschütternder Weise die grenzenlose Not, der die ״deklassierten“ Juden ahsgesetzt sind, und׳ gab der Versammlung Einblick in die aus Rußland bei dem Hilfskomitee einlangende Korrespondenz, aus der die Tragik. der russischen Juden, die zum großen Teile buchstäblich dem Hungertod entgegengehen, zu ersehen ist. Dr. Leo Deutschländer, über dessen Initiative dieses Hilfskomitee vor zehn Jahren gegründet ־wurde, sprach ebenfalls über die Lage in Rußland und . richtete in eindringlichster Weise an die Versammelten die Aufforderung־, mit besonderer Energie diese Aktion durchzuführen. Oberrabbiner Jesaja Fürst gedachte der leidenden Brüder in Rußland und bat die versammelten Vertreter in innigen, vom Herzen kommenden Worten, ״nicht müßig zu stehen bei dem Blute unserer Brüder“. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Leiden der russischen. Juden sich in unse!*en Herzen einprägen und daß wir unsere Pflicht gegenüber unseren Brüdern erfüllen werden, bis der Allmächtige uns allen die ersehnte Erlösung• bringen wird. Der Präsident der Adas-Jisroel-Schiffschul, Komm.-Rat Siegmund B o n d i, gab namens der Adas- Jisroel die Erklärung ab, daß sich diese selbstverstüiullieh an der Hilfeleistung für die russischen Juden be- , teiligen werde. Er bat die Versammlung, ebenfalls für diese . heilige Sache tätig zu sein. Es sprachen noch der Obmann des Verbandes der Wiener Tempelvereine, Dr. Leo Land a u, und Rabbiner Dr. Frankfurter, die technische Fragen behandelten. . ' Nicht selbstzufrieden sollen die Erfolge unserer Arbeit hier unterstrichen ’werdßsfr Wir sind uns der: Spannung zwischen Erstrebtem und Erreichtem nur allzu gut bewußt. Uns bewegt vielmehr die bange Furcht, ob im zw׳eiten Jahrzehnt ein Fortschritt möglich fstl, ob das Fundament den Stürmen der Zeit wird standhalten können. Unsere Furcht ist berechtigt. In jäher Folge hat ein unerbittliches Geschick uns vier der Allergrößten geraubt, die den Weg unserer Arbeit mit einer kaum wiederkehrenden Größe des Geistes und der Seele beschützten. Der Chof ez Chaim,, das Gewissen unserer Zeit; der Czortkower Rebbe, die Seele unserer Bewegung; Rabbi Meier Schapiro, der kraftvolle Liebling unseres Volkes; Rabbi M. M. Epstein, der Märtyrer des Heiligen Landes. In ihrem Namen rufen wir zu neuer Arbeit auf, alle jeney denen Thora das heiligste Gut der Menschheit ist! Nicht jeder von uns hatte das Glück, das Lebenswerk dieser Großen mit eigenen Augen zu schauen oder gar zu ihren Füßen zu lernen. Aber eines Glückes kann jeder teilhaftig werden, des Glückes, den Ewigkeitsbestand ihrer Schöpfungen .zu sichern! ־!: Vor zwei Jahren hat der Keren Hathora eine kleine Gemeinschaft aus vielen Ländern vereint, die eine P i 1g.erfahrt zu den Lehrstätten all dieser Größen machte. In Wien begann die Fahrt, die zunächst in das Land des Chasam Sofer führte, von dort nach Krakau zur Geburtsstätte von Beth-Jakob, dann weiter nach Lublin, wo uns ein unvergeßlicher Sabbath beschieden war, und dann weiter über Warschau nach dem Norden bis zur bescheidenen Klause des Zaddik von Radin. Und jetzt haben wir die Erinnerung an diese unvergleichlichen Wochen in :einer kleinen Schrift zusammengefaßt!, damit sie zum Gedenken des Keren Hathora hinaüsgehe in die Welt, als Erinnerung und Mahnung zugleich. . י:;׳:■;׳־־־:•,; ■־ Uns erscheint dieser Bericht im Augenblick als dringlichste Forderung der Stunde. Infolge des Druckes,; mit dem die neu aufgerollte Judenfrage die Welt belastet, erhebt sich riesengroß die Gefahr, daß das Werk von zehn Jahren, das Werk der materiellen Sicherung der Zentren jüdischen Geistes und das Werk des Aufbaues eines neuen jüdischen Mädchenschulwesens, daß dieses Werk unter den furchtbaren Sorgen des Augenblicks zusammenbricht. Das darf nicht geschehen! Keine größere Aufgabe, aber auch keine . größere Ehrung der vier heimgegangenen Größen kann es für■111!$ geben, als im Gedenken an sie den Dank für ihr Werk mit erneuter Kraft in das zweite Jahrzehnt zu tragen. Anläßlich des zehnjährigen Bestehens des Keren Hathora hat die Keren Hathora-Zentrale eine kleine Schrift herausgegeben: KEREN HATHORA-FAHRT ZU JÜDISCHEN KULTURSTÄTTEN DES OSTENS Von Dr. Joseph Carlebach. (Reich illustriert, mit zahlreichen Beigaben und einem Vorwort von Dr. L. Deutschländer.) Die Schrift kann durch die Keren Hathora-Zentrale, Wien, II., Leopoldsgasse 26, bezogen werden. Preis S 2.—. Leistungsfähigstes Möbelhaus M. Redler/ Wien l, Sdiottenring 35 Telephon A-12-9-78, Gesamtausstattungen von der billigsten bis zur feinsten Ausführung. IJebernahme sämtlicher Adaptierungen. Eigenes Zahlungssystem. Samstag geschlossen. ״Schomra“-Mitglied. 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