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Jüdische Presse · 1934-02-02 · 5 (2.2.1934) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
20 (1934)
Issue
5 (2.2.1934)
Date
1934-02-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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JÜBISÜHE PRESSE Wieder ״jüdischer“ Marxismus. - Äfft Montag■ fand unter dem Vorsitz des Landeshauptmannes E e i th er eine Vollsitzung des ft.-ö. Land es dauern na t es statt, hei wiener Buhdeskanzler DivDbllftiß ein großes politisches Referat hielt. Die Versammlung beschloß hierauf eine Resolution, in der es unter anderem heißt: Mit Empörung Weist die Bauernschaft die demagogische Hetze der roten und braunen Sozialisten zurück."Die Bauernschaft lehnt jede Art von Sozialismus, der in allen Staaten versagt hat, als Wirtschafts- und külturzersetzend, ab. Insbesondere :die. j itd!sehe *Führung des Marxismus hat immer wieder die ehrliehe und brave bodenständige Arbeiterschaft Oesterreichs mißbraucht. Wieder ist also das demagogische Schlag wort Vom ״jüdischen" Marxismus gefallen, obwohl es schon oft und immer, wieder von jüdischer, aber auch von nichtjüdischer Seite zurückgewiesen wurde. Marxismus hat mit Judentum ebensowenig zu tun, wie mit Katholizismus .oder mit irgend einer anderen Religion. Im Gegenteil, dort, wo der Marxismus zür höchsten Blüte entfaltet wurde, in Rußland, , dort wendet er sich zu unserem namenlosen Schmerz am heftigsten gegen die Juden und das Judentum. Nicht ״Juden״ sind es, die die zersetzende Wirkung des Marxismus ausüben, sondern Abtrünniggewordene, die das Judentum längst abgelegt und dieses zuerst verraten und verunglimpft haben. Ebenso wie die nichtjüdischen Führer der österreichischen Sozialdemokratie nicht ״christliche" Marxistenführer sind. Wir lehnen es ab, das Judentum mit solchen Individuen identifizieren zu lassen und es ist unser sehnlichster Wunsch, daß die Einsicht von dieser Wahrheit auch in den nichtjüdischen Kreisen Einkehr halte. — ־ ־— 1 i'U'H ן ■ן Bei Ermüdung nimm Kobon _ ■ ■ i I I I I I ל - ״. .~r^.T^rrT ST Sollen auch wir für Erez Jisroel kämpfen?! ״Was für eine Frage! Ist das überhaupt noch eine Frage?" So werden, glaube ich hoffen zu dürfen, viele, die das lesen, verwundert ausrufen. — Und dennoch ist es bestimmt noch eine Frage, ja, eine grundlegende Frage, ein grundlegendes Problem für sehr, sehr viele unserer Brüder und Gesinnungsgenossen. Beweis: Wäre diese Frage, dieses Zweifeln nicht mehr, längst hätten wir unsere Passivität gegenüber Erez Jisroel aufgegehen. Es wäre uns schon lange nicht mehr genug gewesen, uns unserer Pflichten für Erez Jisroel dadurch zu entledigen, daß wir ein paar Groschen in die Rabbi-Meier-baal-Haness-Büchse werfen. Wäre die Bejahung dieser Frage für jeden eine Selbstverständlichkeit gewesen, dann wäre es ehenso selbstverständlich, daß für alle und jeden die unabweisliche Pflicht besteht, sein;Möglichstes für die religiös-geistige, und dies zum Teil durch die wirtschaftliche .Eroberung unseres heiligen Landes zu tun. Aber Eroberung nicht von der Mandatarmacht, sondern von unseren areligiösen, verirrten und verhetzten Stammesbrüdern. Es hört sich tragisch an, aber dieser Kampf m u ß durchgehalten werden, wenn wir uns nicht selbst verloren geben wollen. >.. .40.000. Schulkinder,״ führte Dr. L. Deutsch- 1 ä n d e r, dessen geist,- und seelenvollen Worten wir am Sonntag, den 28. d., ergriffen lauschten, im Vortragssaale der Wiener A.-.T.-.Tugendgruppe in seinem Berichte über seine Palästina-Reise aus, 40.000 Schulkinder gibt es jetzt in Erez Jisroel und von diesen 40.000 Kindern werden kaum 5000 in religiös eingestellten Schulen erzogen; alle übrigen werden in antireligiösem, im Geiste der Kefiroh, unterrichtet. — Schreit nicht dieses eine Faktum zum Himmel?׳ Ist nicht diese eine Tatsache allein ausreichend, um unser jüdisches Gewissen wachzurütteln?! .כל המקיים נפש אחת מישראל באילו קיים עולם «לא Es könnte hier erweitert heißen: כל המקיים נפש אחת מישראל בארץ ישראל Und in Erez Jisroel warten zumindest 35.000 נפשות , junge jüdische Seelen auf Errettung und Erlösung aus höchster seelischer Not! Nur mit einem Wort in den Ausführungen Doktor Deutschlänäers können wir uns nicht einverstanden erklaren. Der Redner safte: Es fehlen uns die Fähigkeiten zur Propaganda, die Fähigkeiten zur Werbearbeit für Erez Jisroel.״ Wir sind dagegen der festen Heber- Zeugung, daß dies nicht der Fall ist. Wir, das glaubenstreue Judentum, verfügen über zumindest ebensoviel geistige und seelische Kraft wie unsere Gegner von links. Diese innere Kraft, welche uns die heilige Thora verleiht, War es, die uns durch die Jahrtausende des Golus aufrechterhielt. Und mit dieser Kraft können wir auch dieser Aufgäbe Herr werden. Nein und tausendmal nein! Es fehlt uns nicht an Fähigkeiten — wenn wir nur wollen. Das ist es, was bisher fehlt: der glühende Wille, für die heilige Sache einzüstehert. Haben Wir ihn, dann wird uns keine irdische Macht aufhalten können. Darum muß die Antwort auf diese grundlegende Frage lauten: Nicht wir sollen, wir müssen für איי kämpfen! I״ —che. ■ft Nachwort der Redaktion: Wir können diesen Worten nur unsere vollinhalttiche Zustimmung anfügen und unsere Hoffnung zum Ausdruck bringen, daß nun bald auch in Oesterreich und in der Tschechoslowakei, wie dies in anderen Ländern bereits der Fall ist, eine intensive Werbe- und Sammeltätigkeit für den Keren-Hajischuw der Agudas Jisroel beginne. Ansätze sind g-ttlob schon vorhanden. Die russische Hölle. Juden kämpfen ums nackte Leben. Aus Sowjetrüßland kommen die Nachrichten sehr spärlich, aber die kurzen Briefausschnitte, die hie und da den Weg über die Grenze finden,' sind Fragmente erschütternder Tragödien, die nur durch ihre Häufigkeit und unsere eigene Not allenthalben in ihrer vollen niederschmetternden Wirkung auf uns abgeschwächt sind, Man spricht schon gar nicht mehr von der seelischen Pein und von der Gewissensnot, in der sich eine jüdische Millionenbevölkerung hoffnungslos aufreibt. Es geht uni das nackte Leben. Im gewaltigen Heere der Deklassierten stellen die Juden das größte Kontingent, nicht, weil sie Juden sind — Rasse und Religion spielen in ׳Sowjetrußland keine Rolle — sondern weil sie Städter und seit Urväterzeiten auf den offiziell ״abgeschafften" Handel eingestellt sind. Im früheren Rußland und heute noch in Litauen und Polen pflegte dem Juden in der Not eine kleine Hilfe aus Amerika ins Haus zu kommen. In ׳Sowjetrußland bedeutet aber, der Dollar, der ins jüdische Haus rollt oder nur dort vermutet wird, einen Fluch, der das Schicksal des Juden vollendet. Ein Mitarbeiter des New- Yorker ״Vorwärts", der sich die Dinge an Ort und ,Stelle genau angesehen hat, nennt dieses Kapitel de3 jüdischen Leides ״Die Dollarinquisition in Rußland". Von auffälligen Razzias sieht man in Kiew, wo der Berichterstatter weilte, ab. Man holt die Dollarverdächtigen bei Nacht möglichst unauffällig ab. Auf dem Chmielnickiplatz — ein blutiges Symbol — befindet sich das Quartier, in dem die Inquisitoren alle bewährten Mittel •besitzen und anwenden, um dem Beschuldigten Geständnisse abzupressen. Ist hin!Geständnis erfolgt, dann' wird kurzer Prozeß gemacht : Einziehung der Dollars, dazu noch empfindliche Geld- und Gefängnisstrafe. Ist ein Geständnis — wohl aus Mangel an Objekt :—, nicht zu erzielen, dann weiß die Familie, daß sie auf ihren Ernährer, den Vater öder den Sohn, zuweilen sogar die Mutter, lange vergebens wird warten müssen. Das Ausland wird das, was sich in jenen Inquisitionsgewölben abspielt, nie erfahren, weil kein Jude es wagen würde, ein Wort über seine Erlebnisse im Lande selbst zu verlieren, geschweige denn in die Welt jenseits der russischen Grenze hinauszuschicken. Wir wissen es und wir ahnen es, mitten in der allgemeinen jüdischen Not, daß es Brüder gibt, deren Lage unsäglich kritisch ist und die auf unsere Hilfe angewiesen sind. Um so dringender erwächst daher uns, die wir uns noch , eines relativen Wohlstandes erfreuen, die Pflicht, Mittel und Wege zu schaffen, den unglücklichen, im Lande selbst deklassierten und von den amerikanischen Verwandten getrennten russischen Juden die zur Stillung des Hungers nötige Hilfe zu reichen. m 5 •״* «!ף bestef Qualität, ufttef Aufsicht יי י!^■ r «r Sf. Ehttfc das Herrn Rabbiner M. Schenk jetzt nur unter der Marke ,!ime(*“ Abteilung Mö LNßß der Pen2inger Schököiadenfäbrik ligCv©«Woche x!י wocl»c — ■Dos W ar s c h!a u er Kreisgericht hat den 19jährigen Studenten Stanislaw Wlaczak zu sieben Tagen Arrest verurteilt, weil er bei einer Kundgebnpg ״Nieder mit den Juden" rief. — Die jüdische Kriminalität in N e w Y ork ist in den letzten zehn Jahren um SO Prozent gestinken, Im Jahre 1921 waren unter der Oesamtzahl der Kriminellen ik Prozent Juden und im Jahre 1983 nur 7,1 Prozent. ' Der Citrusexport aus Palästina hat in dieser Saison bis zum 7. Jänner die Hohe von 1,608.872 Kisten erreicht. — Die industrielle Entwickl un g der Stadt T eZ - Aw iw hat im Jahre 1.933 einen bedeutenden A u fschwung genommen. Es wurden 63 neue Fäbriksbetriebe mit einem Grundkapital von über 100.000 Pfund errichtet, davon 18 Betriebe der Textilindustrie, 17 Metall- Verarbeitungsbetriebe, neun Fabriken für Baumaterial und drei Holzverarbeitungsbetriebe. — Die Genfer sozialistische.... Tagesz eit un g ״L e T r av ail" veröffentlicht einen Artikel, der scharfe Angriffe gegen das in Lausanne geschaffene internationale Hilfswerk für die Emigranten aus Deutschland enthält. Der Artikel schließt mit einem Appell, keine Beiträge für diese ״nutzlose Institution" zu entrichten. ־ — Das Berliner Sondergericht verurteilte einen jüdischen Kaufmann und eine jüdische Frau zu acht, beziehungsweise zu neun Monaten Gefängnis wegen angeb'licher ״G reu e ler z ählun g e n". Den Angeklagten umrde es veno ehrt, den Wahrheitsbeweis für die Greuelnachrichten zu erbringen. — Der in deutscher, englischer und französischer Sprache in Berlin erscheinende lind vom Reichspropagandaministerium geförderte ״W eit - Dienst" veröff entlieht einen Aufruf zum Zus ammens ch luß aller. anti jüdischen' Organisationen in Europa zu einem Verband, der den Namen ״Vereinigte Pan-Arische Front" führen soll. — In Kotono fand vom 15. bis 20. Jänner eine große Rabbinerkonferenz statt, an der sich mehr als 120 Rabbiner und zahlreiche Ehrengäste beteiligten. Staatliche und städtische Behörden ließen die Konferenz durch hohe Vertreter begrüßen. ־ •— In den letzten Tagen tourden im Warschauer Judenviertel zwanzig Fälle von Hungertyphus registriert, welche auf die Notlage der in übervölkerten und unhygienischen Stadtteilen lebenden Juden zurückznführen sind. —- 15 zionistische Revisionisten, die in Tel- Atoiw seinerzeit Kundgebungen gegen die Regierung wegen der Einwanderungsbeschränkungen verunstalteten, tourden zu einem . bis vier ־Monaten Gef ängnis v e rurteilt.! — Rabbi Awrohom Goldberg, der frühere Räw ' von Minsk, der wegen angeblicher antibolschewistischer Tätigkeit zu drei Jahren Verbannung verurteilt worden war, ist aus Sibirien in Riga ein g et ro f f en. H. Grün, II., Taborstraße 8 b, Tel. R-42-3-66, Atelier für feine Herrengarderobe. Erzählung von S.Wiez. (Fortsetzung) [31j /fsHlNTlvR^ Der Pfarrer rückte dienstfertig einen Sessel gegenüber der Fürstin zurecht und winkte Samuel, Platz zu nehmen. Doch dieser blieb, die Hände auf die Sessellehne gestützt, bewegungslos stehen. ״Sie sprechen, junger Mann", fing die Fürstin nach einer kleinen Pause an, ״von der Aufregung in Ihrem Elternhause. Doch warum ist euer Stamm so hartnäckig, so abweisend gegenüber den Quellen des Heiles, die wir ihm, wie der Herr geböten, so־ bereitwillig erschließen?" ״Ich bin nicht hergekommen“, antwortete Samuel, ״um mit den hohen Herrschaften Religionsdisputationen zu pflegen. Dazu reicht mein Wissen und meine Erfahrung nicht aus. Was indeß unsere Hartnäckigkeit betrifft, so sei doch die Bemerkung erlaubt, daß es sich hier um einen verzweifelten Kampf für unser Heiligstes handelt, das wir gegen den Haß wie gegen die uns aufgezwungene Liebe der Außenwelt verteidigen werden. Wir Juden haben Jahrtausende hindurch gelitten, ohne uns mit besonderem Duldernimbus zu umgeben, ohne uns dessen zu rühmen, das Leben verneint, den Körper getötet oder, um in Ihrer Sprache zu reden, das Kreuz auf uns genommen zu haben . , ,,Wir liebten stets das Leben", fuhr Samuel warm fort, ״und wußten, daß wir gerade durch das Leben,; welches des Lebens wert ist, am meisten G-tt und den ' Menschen dienen können, Und wir protestierten laut und; offen gegen die brutale Gewalt, die uns dieses Leben ver- ■ kümmerte, trugen aber das Geschick, welches uns eine ן;weise Vorsehung auferlegte, in der Hoffnung auf G-tt, dm Glauben an die Menschheit und erhielten uns aufrecht., i Nun aber kommen die Pseudo-Freunde und ifrauben uns die Kinder, die Rräute.töten ihren jüdischen; Geist, ihr jüdisches Her^, suchen das, was in Jahrtaiisen-; .den des Druckes unser Halt, unser Stolz war: die jüdische Familientreue, zu zerstören... Wiesputen wir uns da . picht autiebnen, nicht trauern, nicht G4t anrufen. gegen diese unsere gefährlichsten Feinde?" ‘ . . Samuel hatte sich in einen Eifer hineingeredet, dessen er sich selber nie!für fähig gehalten hätte. Er hatte in letzterer Zeit so oft über diesen Gegenstand nachgedacht und mit seinem Freunde David verhandelt, daß er, bei aller Dürftigkeit seiner polnischen Sprachkenntnisse, immer den leidlichen Ausdruck für diese Gedanken fand. Die Fürstin sah etwas verdutzt zum Pfarrer hinüber. Doch dieser behielt sein süßes Lächeln und machte keine Miene zu antworten. ״Stolz gesprochen", fing die׳ Fürstin sehr unwillig wieder an, ״aber sehen Sie, junger Freund, Sie beant- Worten damit meine frühere Frage keineswegs. Die Leidensgeschichte Ihres Volkes, von der Sie so stolz sprechen, würde längst ein Ende genommen haben, hätte sich eben das Volk der Erlösung nicht so unzugänglich gezeigt.“ Samuel ekelte es davor, sich in einen weiteren Streit über diese Frage einzulassen und er sagte kurz: ״Ich bin, gnädige Fürstin, mit einer Bitte hergekommen." ״Die wäre?" ״Meine Schwester wieder ihrem Elternheime zuzuführen." Die Frau richtete sich in ihrer ganzen Würde auf. ״Nein", sagte sie, ״das überschreitet meine Macht, um so mehr als Marjanka selber ohne jeden Zwang ins Kloster gegangen ist." Samuel war auf diese Antwort gefaßt. Er zögerte ein wenig, denn nun galt es, die letzte Karte auszuspielen. ״Verlorenes Spiel", dachte er. ״Hohe Frau‘, sagte er dann, ״nur noch eine kleine Bitte, von der alles für unsere Ruhe, unser ferneres Lebensglück abhängt. Verschaffen Sie jemand von uns Einlaß in das Kloster oder sonst auf irgend eine Weise eine Zusammenkunft mit dem Mädchen. Ein empfehlendes Wort von Ihnen wird uns alle Türen, die uns bislang verschlossen blieben, offnen. — Wir werden nicht auf sie einzuwirken suchen, Klarheit wollen wir haben, und es aus ihrem eigenen Munde vernehmen, ob sie wirklich mit dem Klösteraufentbalte, der Taufe einverstanden ist, Und wenn dem so ist, dann werden wir still abzieben, ruhig, still und ergeben, wie es unser Gesetz bei Todesfällen vorschreibt, unser Leid tragend und weder sie, noch das Kloster hoch sonst jemand weiter belästigen." Die Fürstin wurde auffallend kühl und ihre Stimme klang wieder stolz und abweisend: Nein. Ich habe kein Recht, in die Hausordnung des Klosters einzugreifen und werde nichts Derartiges versuchen.“ ״Gnädige Fürstin“, versuchte Samuel nochmals. ״Genug!“ winkte diese ab und erhob sich. Der Pfarrer folgte ihr in das Schloß. Mit einem Blicke voll der machtlosen Verbitterung schaute ihnen der Jüngling eine Weile nach. Dann entfernte er sich eiligen Schrittes, mit dem Entschlüsse, diesen kalten, lieblosen Boden nie im Leben mehr zu betreten. XVII. Samuel erzählte seinen Eltern nur kurz von seiner Zusammenkunft mit der Fürstin, ohne die Einzelheiten des Gespräches wiederzugeben. Soviel stand fest, von dieser Seite winkte keine Hilfe, und es war gut, ea den Eltern, damit sie durch trügerische Hoffnungen nicht von anderen Hilfsversuchen abgelenkt werden, gleich klar zu machen. David aber schilderte er den Gang der Unterhaltung in all ihren Einzelheiten. ״Das war brav," lobte David, ״obzwar ich mir nie von dieser Seite Erfolg versprach und den Ausgang Dir wohl hätte Voraussagen können." Die Lage im Hause wurde immer unerträglicher. Leise gingen die Menschen aus und ein. Alle Lebenskraft und Lebenslust schien gewichen. Sander blieb zu Hause und schmiedete, meistens im Selbstgespräche, Pläne, und Debora saß in all ihren' freien Stunden am Fenster, schaute schweigend in die Ferne und wartete . . . Die nötigsten Haus- und Handelsgeschäfte versah Samuel, oft mit Hilfe Davids, Es war an einem Freitagabend, dem dritten seit der Entführung Merelaikas. Schweigend wurde das ׳Mahl eingenommen. Auf dem gedeckten Tische flackerten, wie sonst, hell und lieblich die Kerzen in dem silbernen Kandeiaber. Auch in den Messingieuchtern brannten die Lichter -־• die Sabbatlichter Merelaikas, die die Mutter unter beißen Tränen und Gebeten für sie angezündet Der Mutterblick ruhte unverwandt auf den zitternden Flammen in diesen Leuchtern» ,Ihre Lippen bewegten sich leise; sie betete für die Seele ihres Kindes;. . י (Fortsetzung folgt,)

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