Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 20 (1934)
- Issue
- 5 (2.2.1934)
- Date
- 1934-02-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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föl&tnd ptmkm rtaditpo*t ft tefoffftfot T Mt. 4167241140. tgiii Verleger verteftdit Journal «xp4dl6 par l*6dit«ttft V- DIB INTERESSEN ORTHODOXEN JUDENTUMS 1533 •IC Redaktion und Administration: Wien, 11., Malzgasse 12 a, Telephon A-46-0-15. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381. Jugoslawien: S u b 0 t i c a, Zrinjski trg 31. Erscheint jeden Freitag. Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag. Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kc 80, Jugoslawien Dinar 150, das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen für ״Jüdische Presse“, Wien, auf fol* gende Postsparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brtinn Nr. 126.058, Berlin Nr. 122.619, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIII, 4117. Nr. 5 Wien-Bratislava, 2. Februar 1934 •ב״ה ווינא־פרעסגורג י״ז שבט תי־צ־ד 20. Jahrg. Wir sollen ,/gebrand« markt" werden ... Unsere Antwort an den Vizepräsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Dr. Löwenherz. Wir haben uns in unseren letzten zwei Nummern mit den Dingen in der Wiener Israelitischen KuUusgemeinde objektiv und sachlich, vom Standpunkte der bewußten selbstständigen Orthodoxie, deren Dienst wir uns mit Aufopferung und Hingabe geweiht haben, befaßt. Herr Dr. Löwenherz hat es für gut gefunden, anläßlich seines Budgetreferats, auf unsere Stellungnahme hinweisend, der ״Trennungsorthodoxie“, wie er sie zu benennen beliebt, eine Lektion zu erteilen und ihr bedingungslose Einordnung zu empfehlen oder aber, sie zu ,,brandmarken“ versprachen. Nun denn, wir wollen ״gebrandmarkt“ sein und wollen vorher nur der Wahrheit insofern zum Rechte verhelfen, als wir erklären, daß unsere Stellungnahme vön keiner Seite diktiert oder inspiriert ist. Unser Organ ist ein unabhängiges Organ für die Interessen des orthodoxen Judentums, denen wir nach bestem Wissen und Gewissen zu dienen bemüht sind. Wir stehen auf dem Boden der unabhängigen Orthodoxie und haben von dieser unserer Stellungnahme nie ein Hehl gemacht. Und ganz besonders nicht Herrn Dr. Löwenherz gegenüber. Kurz und sachlich, dem Ernst der Dinge entsprechend, stellen wir folgendes fest und fragen Herrn Dr. Löwenherz, ob es richtig ist: 1. Ist •cs richtig, daß die ״Jüdische Presse“ bereits vor mehr als einem Jahr auf die Subvention der Israelitischen Kultusgemeinde, die im - Budget der ״Jüdischen Presse“ eine immerhin nicht unwesentliche Rolle spielte, verzichtet hat, weil sie es mit ihren Grund- Prinzipien für unvereinbar hielt, Mitteilungen der; Israelitischen Kultusgemeinde Wien zu veröffentlichen,’.die im W i d e r s p r u c h zu den religiösen Grundsätzen der Orthodoxie stehen? . . 2. Ist es richtig, daß die Israelitische Kultusgemeinde Wien, seitdem die Partei des Herrn Dr. Löwenherz in ihr regiert, die Subvention des einzigen o r t h o-' d oxe n Erez-Jisroel-Au'fbaufonds, des Keren Hajischuw der Agudas Jisroel, die schon durch die Opposition der Partei des Herrn Dr. Löwenherz in früheren Jahren schmählich genug bemessen war, vollständig ges t r i c h e n hat? 3. Ist es richtig, daß die Subvention des Chajes-Gymnasiums, jenes Hauses, das Jahre hindurch nicht einmal das äußere Zeichen des Bekenntnisses zum Judentum, die Mesusa, trug — von dem darin waltenden Geiste ganz zu schweigen —, von früher 36.000 S auf 48.000 S, also um SS Prozent, erhöht wurde, während dem Talmud-Thora- Sch ul werk, der imponierendsten Erziehungsanstalt in Wien, trotzdem s!e die einzige jüdische Volksschule in Wien unterhält, die Subvention von nur 24.000 S auf nur 27.000 S, also um nur 121/j Prozent, erhöht wurde. 4. Ist es richtig, daß die kargen Unter- Stützungen, die in früheren Jahren dem Verein ״Tiferes Bachurim“ für die in Jeschiwos ,על התולר ועל העבודה sitzenden Wiener jüdischen jungen Menschen von der Israelitischen Kultusgemeinde zugebilligt wurden, heuer unter dem Vorwand gestrichen worden sind, die jungen Menschen mögen selbst darum ansuchen? Diese Maßnahme kann doch nur den Zweck gehabt haben, dieser Elite der jüdischen Jugend Wiens zu sägen, daß F e I n e D a m e n m o d e n F. Borenstein, Wien II HollandfttralSe 1 Fernruf: A• 45-6-49 Stets neueste Modelle-in Kleidern, Mänteln u. Kostümen, Blusen, Schoßen, Schlafröcken, Pyjamas etc. aus eigenen Werkstätten. Separate Maßabteilung, (Kostüme und Mäntel werden ausschließlich nur von Herrenschneidern unter meiner persönlichen Leitung gearbeitet.) Sclwatnes-frei. y samslag geacMossenl Keine Kenessio Gedauloh in diesem lalive« Wie aus einer Verlautbarung der Aguda-Zentrale hervorgeht, wird heuer keine Kenessio Gedaulo stattfinden. Die oberste Leitung der Aguda hat es beschlossen, die Parteidisziplin gebietet, diesen Beschluß zur Kenntnis zu nehmen. Sicherlich waren hochwichtige politische und finanzielle Gründe maßgebend für diesen Be- Schluß. Die unabhängige orthodoxe jüdische Presse kann aber diesen Beschluß nicht ohne kritische Bemerkung registrieren. Unseres Erachtens begeht die agudistische Leitung־ einen unverzeihlichen politischen Fehler durch die Absage der Kenessio. Die jüdische Welt erlebt in der Gegenwart eine Katastrophe, deren Folgen/ besonders für die Jugend, unabsehbar sind. Die Aussichtslosigkeit der verschiedenen Berufe, die unerhörten Hindernisse, die auf allen Gebieten des Wirtschaftslebens dem jüdischen Menschen sich in den Weg stellen, legen den religiösen Führern des Volkes eine geschichtliche Verantwort u n g auf. Für das Programm der Agudas Jisroel muß eine, großzügige Propaganda eingeleitet werden, denn es fehlt noch ungeheuer viel zu seiner Verbreitung und Verwirklichung. Es gibt noch beträchtliche orthodoxe Grupp e n, die rechts von der Aguda stehen, welche die agudistische Organisation und besonders ihr Erez-Jisroel Programm ablehnen. Wir haben vollen Respekt vor den religiösen Bedenken, welche diese von der Aguda rechts• stehenden religiösen Führer gegen jede Organisation und somit auch gegen die agudistische haben; wir haben ein Verständnis für die ׳־EÄfürchtungen, welche viele religiöse Autoritäten in Bezug auf die moderne Erez- Jisroel-Arbeit haben. Aber all dieses Verstehen und Begreifen kann׳ uns nicht zurückhalten, klipp und klar zu erklären, daß ein Großteil der Jugend, deren Väter noch im Banne und in Gefolgschaft der oben genannten religi- Ösen Führer stehen, nicht mehr zurückzuhalten ist von dem Abströmen, nicht etwa in das Lager der Aguda, sondern — wenn man einmal in Widerspruch gerät mit dem Elternhaus und mit den religiösen Führern, dann wird man radikal, ganz radikal — in das der Zionisten. Es liegt vor unseren Augen ein Schreiben einer agudistischen Jugendorganisation, an ihre Schwesterorganisationen, in welchem in bitteren Klagen die oben erwähnte Tatsache hervorgehoben wird. Die Jugend der. antiagudistischen Chassidim wird — zionistisch! Nun würde gegen alle diese Bedenken die Kenessio wiederum die ragenden Größen der Orthodoxie zusammenführen, um in schwerer Zeit nochmals und nochmals die Lage zu prüfen und dem Volke zu sagen, welcher Weg augenblicklich einzuschlagen ist. Noch immer ist von jeder Kenessio ein gewaltiger Strom religiöserlnnigkeit und ein mächtiger Lebenswille der Orthodoxie hervorgegangen. Warum es bisher nicht gelang, diesen mächtigen Willen in eine normalfunktionierende O r g a n isation überzuleiten, also, warum das Organisationsproblem innerhalb der. Orthodoxie noch nich. gelöst ist, ist eine verwickelte Frage, deren Lösung nich Aufgabe dieser Zeilen ist. Die oberste Leitung der Agudas Jisroel konnte sich nicht entschließen, die Kenessio für dieses Jahr einzuberufen. Wir werden uns in agudistischer Disziplin diesem Beschluß fügen. Diese Disziplin kann uns aber nicht verwehren,. an unsere oberste .Leitung die Frage zu *dchter : Was nun? Was soll der agudistischen Orthodoxie, besör ders aber der agudistischen Jugend, in aieser schweren prüfungsvollen Zeit als oberste Weisung der Aguda gelten? man bei Ihnen ansuchen muß, wenn man von der Kultusgemeinde für Thora einige unwürdige Schillinge bekommen will und auf diese Weise diese Leute — Ihrer Partei näherzubringen? 5. Ist es richtig, daß ein Herr Ihrer Partei aus der Schule geschwätzt hat, indem er bei der Begründung der Streichung der Subventionen für die Jeschiwos Mattersburg und Deutschkreutz erklärte, daß diese Jeschiwos nicht unterstützt gehören, weil die Gemeinden, in denen diese Jeschiwos untergebracht sind, es aus religiösen Gründen abgelehnt haben, sich in einen Gemeindebund zwängen zu lassen, der unter I h r e r Führung steht? 6. Ist es richtig, daß die Israelitische Kultusgemeinde, die Schauspielern und ähnlichen Personlichkeiten, deren Judentum mehr als zweifelhaft ist, in unzähligen Fällen Ehrengräber zugewiesen hat, anläßlich des Hinscheidens eines der Größten in Jisroel, des Czortkower Rebbe 9*ןצ , sich erst nach einem langwierigen Handel herbeiließ, den Wünschen der ungezählten Anhänger und der Familie gegen sehr fette Be- Zahlung zu entsprechen? Wir könnten diese Liste bis ins Unendliche fortsetzen (was wir, wenn Sie uns dazu zwingen, uns für ein .andermal Vorbehalten). Wir beschränken uns heute auf die vorstehenden Fragen und erklären hiemit, daß uns der Kampf nicht Selbstzweck ist und daß wir auf dem Boden der Einheit des Judentums viel mehr stehen als Sic. Wir halten die Einheit nicht hur mit den Lebenden, sondern auch mit unseren Ahnen und mit der Zukunft des jüdischen Volkes aufrecht. Wenn irgendwo im Judentum eine Trennung vorgenommen wurde, so haben Sie und alle jene sie vorgenommen, die sich vom Boden des jüdischen Lebens, von Thora und Schulchan-Aruch, dem Lebensquell des jüdischen Volkes, entfernt haben. Wenn Sie eine Einheitsgemeinde wollen, wohlan, •wi r sind bereit dazu, aber nur auf Basis des Schul c h äh- A r u c h! Ansonsten sind Sie diejenigen, die als Trennungsneologen und 'Tren nungsz'io nisten Spaltung ins Judentum getragen haben und Spaltung auf Spaltung häufen. . Wir. wissen, daß noch nicht alle religiösen Juden Wiens in unseren Reihen stehen, daß noch nicht alle die Bedeutung einer freien, orthodoxen Kehillo erfaßt haben. .Wir betrachten es als unsere, vornehmste journalistische Aufgabe, diese Erkenntnis in die weitesten Kreise zu tragen, und wir werden nicht eher ruhen, als bis wir m. G. H. dieses Ziel erreicht haben. leistungsfähigstes. Möbelhaus M« Redler/ Wien I, Sdiottenring 35. Telephon A-12-9-78. Gesamtausstattungen von der billigsten bis zur feinsten Ausführung. Uebernahme sämtlicher : Adaptierungen. Eigenes Zahlungssystem.! Samstag geschlossen. ״Schomra"־Mitglied. Lebensversicherungs- Q |J M |V^ Gegründet Gesellschaft ffr FIUIIIa 1882 Aus dem Jahresberichte 1932: ־־ ' . . . 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