Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 20 (1934)
- Issue
- 4 (26.1.1934)
- Date
- 1934-01-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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mastem ■äM&ik 2 •* JüRlSCÄE PRESSE MB* ftti 4 iWtfWffaiiftrte• I'lrli ^e^ttüdeti hat» die ungeheure Verant- Wöftuhg^ die äeiiie große Macht mit sieh bringt, auch dem fetsttfft deutacheh Bürger angedeihen lassen wird. ^im,fleaete."rier Väter treu verwurzelten Juden gab gerade diese "Steil die Bewahrheitung seiner Haltühg; es bedarf ttir dieses Judentum in keinem Wesentlichen Punkte einer Ergänzung. Das fagbedingte hatten, wie mir scheint» alle jüdisch-politischen Gruppen in falscher idealiSierung überbewertet; sie waren — aüs welchen Gründen immer —- der Tatsache europäischer Zivilisation verfallen. Im jüdisch-liberalen Lager macht Sieh eine Wandlung üttverkenntlich bemerkbar; sie wäre auch den Zionisten zu wünschen, die Gefahr laufen, das Ewige über dem Zeitlichen zu vergessen. *־._ Zweierlei ist Vielleicht stärker als bisher in das Bewußtsein der jüdischen Orthodoxie getreten: die Erkenntnis Vom schicksalshaften Zusammenhang der jüdischen Gruppen aller Länder zueinander, und — zweitens — Erez .Tisroel. Zwar: dpr Anteil gesetzestreuer Kreise am jüdischen Palästinawerk war seit jeher allzu gewichtig, als daß er verkleinert werden dürfte; aber — der Aufbau und die Festigung religiösen Lebens im Heiligen Lande, die Gründung von JeschiWos usW. lag uns begreiflicherweise näher als Kolonisation, deren faktische Bedeutung auch wir jetzt besonders klar erkennen. Gerechte Dankbarkeit zollt das gesetzestreue Judentum somit der zionistischen Arbeit; es betont zugleich aber, daß der Zionismus, will er Palästina nicht nur ״kolonisieren“, sondern wirklich jüdisCh machen, auf die so wertvollen weiten Kreise der jüdischen Orthodoxie angewiesen ist. Erst, die Verbindung des nationalen Elans mit religiöser Innerlichkeit schafft das Erez Jisroel, das wir ersehnen. Sie fragen nach meiner Auffassung vom Nutz und Sinn der Reichsvertretung. Offen sei bekannt, daß es mir — und nicht etwa aus beschränkt-parteimäßigen Gründen jüdischer Politik, sondern aus allgemein-jüdischem Interesse —. erwünscht erscheint, wenn die gesetzestreue Front von der Mitarbeit in diesem wichtigen Gremium ferner nicht ausgeschaltet werde. Männer wie Rosenheim und Munk gehören in die Reichsvertretung! Sie mögen ״Extreme“ sein, gewiß; aber ist es nicht gerade die wichtige, unentbehrliche Funktion jedes ״radikalen Flügels“, jeder unerbittlich kompromißfeindlichen Gruppe, das Parallelogramm der Kräfte, das sich in jeder Gemeinschaftsarbeit darstellt, zur ״richtigen Mitte“ zurückzulenken? Ohne die Austrittsorthodoxie wäre der deutsch-jüdische religiöse Liberalismus in seiner Reformgeneigtheit noch weiter gegangen; er hätte das Gesicht der Berliner Johannisstraße!*) Die Orthodoxie ist der Träger jüdischen Wissens; unsere jüdischen Erziehungsanstalten und Schulen verdanken wir zum erheblichen Teile gerade ihrer ungeheuren Opferfreudigkeit; unsere Vertreter, verwurzelt in Thora und Halacha, sind im Bilde der deutschen Judenheit unentbehrlich und sollten somit auch in der Reichsvertretung den ihnen gebührenden Platz finden. ' ..*) In der sich der Tempel der Reformgemeinde befindet. (Red.) Vom Witner Stadtschulrat konzessionierte JÜDISCHE KO CH SCHULE Streng koscher . Leitung: C. Schwarz" Diätkurse, einfache bis feinste Küche, Rohkost, Nationalspeisen Anmeldungen, Auskünfte: Wen II, Hollandstrusse Nr. 2, III. Sit ege 1/41 Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Notizen sind durch ein nachgesetzes E gekennzeichnet. Menschen benufien . täglich Chlorodont. Das be- #ebf» tvie gut diele Zahnpaste ist. Achten Sie einmal darauf, tvie* viele Menschen die Zahnpflege Hoch ver* nachlässigen.Dann werden Sie sehen, wie ange* nehm ein frischer Mund mit gepflegten weissen Zähnen aulTallen kann, überall erhältlich. Tube Ki 4.-, grosse Tube K? 6.- Weisse Zähne durch Chlörodörit/ Vor 3ÖÖ Jahren. .Ein פר השצל•» Im ״Jüdischen Togblatt", Warschau, bringt J. Adler eine größere Abhandlung über 1R. Jomtow Lipman Heller, den Verfasser des ״Tossfos Jom Tow" s. Z. 1. Im 10. Kapitel zitiert Adler einen Mi-scheberach, den der ״Tossfos Jom TöW", der 5385 — 1625 als Rabbiner in Wien wirkte, hier verfaßt hat und allwöchentlich am Schabbos vor Krias Hathora vom Chason singen ließ. Er ist ein Segensspruch für all jene, die während der Tefilloh nicht ״schmussen", und lautet: , מי שבירך אבותינו אברהם יצחק ויעקב משה אהרן דוד ושלמה הוא יברך השומר פיו ולשונו מלהפפיק בשום דבר מן ברוך שאמר עד גמר ההפלה ובשעת קריאת פפר התורה שבצבור אפילו בדברי תורה איזה דבור בש*כ בשיהוח חולין ופפורי שמועיח ויהילו עליו כל הברכות הכתובות בתורת. משה רבינו ע•ד. ובעל פפרי הנבואות יראה. זרע בשר היים וקימים ויזכה לשני שלדנות שבשני עולמים שהם העודדז שעליו נאמר והיא סוב. והעודדב שהוא יום שבלו ארוך וגם טוב ונאמר אמן Das Original befindet sich in der Oxforder Universitäts-Bibliothek. Nyireghaza. Die Neuwahl des Vorstandes der Chewra ״Talmud Thora“ ergab folgendes Resultat: Samuel Schreiber (Präses), Sigm. Freund (Vizepräses), Lazar Heller, Alex, Mann (Gaboim), .Tenö Honig (Kassier), Izidor Eisenberger (Kontrollor), Heinrich Friedmann (Sekretär), Arnstein, L. Brieger, Ad. Friedmann, Jak. Fried, M. Fleischmann, Ch. Goldberg, Jos. Jakobovits, J. Katz, L. Kupferstein, .T. Leimsieder, Jak. Rosenwasser, Ad. Schotten, .Tonas Springer, .T. Weisz, L. Weisz (Ausschußmitglieder), M. Goldberger, Sal. Löwi und B. Teitelbäum (Rechnungskontrollore). Lockpreise für Auto-Fahrschüler. Die Anlockung von Schülern ״zu besonders billigen“ Preisen ist irreführend und leann mangels genügender Fahrausbildung die öffentliche Sicherheit und das eigene Leben gefährden. Die Redaktion empfiehlt in diesem Sinne und nach Erkundigung die im behördlichen Sinne geführten und nicht nur für die Prüfung, sondern für die Fahr praxis lehrenden: Neudegger Fahrschulen, Wien, VIII., Neudeggergasse Nr. 18, Telephon B-46-5-72, und Inzersdorf (Niederösterreich). Auskünfte über die Güte der Schule werden in der Redaktion (Tel. A-46-0-15) bereitwilligst erteilt. E Krakauer Schreibkalender. Der Krakauer Schreibkalender für das Jahr 1934 ist heuer in einem stattliehen Band von 360 Seiten erschienen und in allen Buch- und Papierhandlungen zürn ,,Preise von S 3.80 erhältlich. Der Krakauer Schreibkalender; der nunmehr im 180. Jahrgang steht, ist zu einem unentbehrlichen Hilfsbuch für jedermann geworden. Lebensversicherung;- DU R M IY<( Gegründet Gesellschaft hK 11 U Vi I A 1882 Aus dem Jahresberichte 1932: Versicherungsbestand . . ... . . . . . . . ... . . 2728 Millionen Schilling Prämien- und Zinseneinnahmen . . . . . . . . ... . . . . . 179 Millionen Schilling Garantiemittel ... ... . . . ... . .; ... . 527 Millionen Schilling Auszahlungen an die Versicherten... . . ... 60 Millionen Schilling Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutsches Reich, Cechoslovakische Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Fürstentum Liechtenstein, Ungarn, Polen, Jugoslavien, Bulgarien״ Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Tunis und Aegypten. ‘ s wocivc zu Woclic — Am Mofifag Mächte sich *die dt sie er ff an i* sierte G ruppe aff udis tischet Cha tuzim in Polen mH Einwanderungszeriifikaten von Wat schau aus auf den Weg nach Erez Jisroel. in Begleitung der 85 Chaluzim befindet sich der Leiter des Beten- Hajischuw in Polen> P. Lev in. Zum Abschied hatten sich dm ־Warschauer Bahnhof viele hunderte Agudisten eingefunden, in alten Bahnstationen waren die Auswanderer Gegenstand herzlicher Begrüßung. — ln Palästina hat starker 8 chneef all eingesetzt. Jerusalem und die die Heilige 8tadt umgebenden Hügel sind ganz in Schnee gehüllt und bieten ein hier selten gesehenes malerisches Bild. ־— Die ostjüdischen Gemeinden Ftankreiche Metten in Paris eine Delegiertenkonferenz ab, in der beschlossen wurde, einen Appell an alle in Frankreich lebenden Ostjuden zur Aufbringung von mindestens einer Million Francs für Hilfe an die deutsche n Jude n zu richten. — Das rumänische Kultusministerium hat den jüdischen Gemeinden und Babbinaten das Recht auf Portofrei heit für ihre Korrespondenzen entzogen. — Zwei Revisionisten wurden wegen• eines A.ngriffes auf das Gebäude der englischen Gesandtschaft in Wa r schau zu je sechs Monaten Gefängnis verurteilt. — ln Haifa Wurde ein Araber verhaftet, der national sozialistische Flugblätter mit Lobreden auf Hitler und seine judenfeinliche Politik in französischer Sprache verteilt hat. — Uniformierte Mitglieder des Brith Trumpeldor und des Brith Hechajal bombardierten das Lokal des Wilnaer H echaluz mit Steinen, zert r ü m m erte n etwa 80 Fensterscheiben und verletzten fünf Chaluzim. —• Nach einer dieser Tage erflossenen Verordnung dürfen die in Deutschland entrechteten jüdischen Anwälte nicht einmal mehr als Hilfsarbeiter angestellt werden. — Im WarschaiierPalästina-Amtist eine Abordnung wolhynischer Kar ä er erschienen, um die Zuteilung von Palästina -Einwanderungszertifikat e n, ,Unterstützung bei der Errichtung von Ausbildungsstätten für Karäer-Chaluzim und deren Untertoeisung in der hebräischen Sprache zu erbitten. Die Karäer sind bekanntlich eine jüdische Sekte, die mir die Gebote und Vorschriften der Thora anerkennt, dagegen die rabbinischen Auslegungen, Traditionen und Gesetze ablehnt. — Im ungarischen Abgeordnetenhaus verursachte das Auftreten der Nationalsozialisten, Grafen Alexander Festetics und Mezsko, tumultuöse Szenen. Innenminister Keresztes-Fischer erklärte, der Abschaum der Gesell sc ha f t hefte sich an die nationalsozialistische Bewegung in Ungarn, die Regierung werde, wo Ordnungswictrigkeiten Vorkommen, mit aller Strenge des Gesetzes Vorgehen. — Die Demonstrationen der Araber gegen die jüdische Einwanderung, die am 17. Jänner in ganz P alästina stattfanden, sind ruhig verlaufen. — Der V ölkerbunärat hat sich in seiner am 15. Jänner abgehaltenen vertraulichen Sitzung mit der rechtlichen Lage der Juden in D e u t s c h - O b e r- Schlesien befaßt. Die Petition des Breslauer Anwaltes Dr. G. Simon, der in Beuthen an der Ausübung seines Berufes behördlich gehindert worden ist, wurde der oberschlesischen Gemischten Kommission unter dem Vorsitz des Scliweizers Calonder zur Prüfung überwiesen. Die Petition der Jüdischen Gemeinde von Praszka (Polnisch- Oberschlesien) gegen die Entrechtung und Depossedierung der Juden in Deutsch-Oberschlesien Wird von einem Dreierkomitee des Völkerbundrates geprüft. H. Grün, II., Taborstraße 8 b, Tel. R-42-3-66, Atelier für feine Herrengarderobe. ׳ es a 02 Erzählung von S. Wi ez. (Fortsetzung) [30] Langsam und trübe schleppten sich die Tage in der einst von lautem Getriebe und Lebenslust erfüllten Ochsenwirtschaft dahin. Sander ließ seine Geschäfte im Stich und ging nicht aus. Das Herrenzimmer . blieb geschlossen, Auch im großen Wirtsraume wurden nur die Gäste bedient, welche sich gar nicht mehr ab weisen ließen, und auch diese nur höchst imwillig und wortkarg. Größere Gesellschaften und Gelage wurden nicht geduldet. Den Widerhaarigen, die ihr Recht aufs Wirtshaus geltend machen wollten, erklärte Wainka mit großem Pathos den Grund der ״Trauer“, und die Gäste, zumeist ernste, stille Grubenarbeiter, hörten sehr teilnahmsvoll zu, verstanden alles und gingen. Der alte Baumer mußte, ohne den Ausgang der Sache, die ihn sehr betrübte und all seine Hoffnungen und Pläne durchkreuzte, abzuwarten, abreisen. David blieb daheim und hielt sich jetzt fast ununterbrochen im Hause Sanders auf, um den ganz gebrochenen Leuten in allem beizustehen und mit ihnen auf Mittel und Wege zur Befreiung Mirjams zu sinnen. Samuel aber beschäftigte immer noch der Gedanke einer Unterredung, einer Auseinandersetzung mit der Fürstin. Es dürstete ihn förmlich danach, einmal der alten Seelenfängerin das Unheilvolle und Unmoralische ihres Tuns vor Augen zu führen, ihr schonungslos zu zeigen, wie viel Familienglück sie zerstöre, wieviel Herzen sie breche und das alles unter dem Deckmantel der Liehe, So ganz ohne Pathos und Aufregung wollte er ihr all das sagen, aber überzeugend, ohne Rücksicht und Schonung. Schon damals, beim Falle des Milcbpäcbters, hatte er sich diesen Plan zurechtgelegt. Nun aber, da das Unglück sein eigenes Elternhaus traf, nahm dieser Plan fast die Form einer fixen,Idee bei ihm an, Er mußte dem angesammelten Grell» dem brennenden Haß gegen die Frau, von der alles Unglück kam, in offener Aussprache Ausdruck geben und kostete es/was es wollte,-r-. Und endlich gelang es ihm ganz unverhofft, der Fürstin zu begegnen- / ׳■ ‘ Es war gegen Abend. Die letzten Sonnenstrahlen übergossen die Baumkronen des Parkes mit leientem, hellem Golde. Samuel wußte, daß die hohe Frau um diese Tageszeit bei ihrem Tee in der Gartenallee zu sitzen pflegte. Er schlich sich durch die dunklen Baumreihen des Parkes am Schloß vorbei und nun stand er ganz plötzlich und unvermittelt vor der laubumrankten Gartenhütte. Darin saß, wie es schien, in ernste Unterhaltung vertieft, die Fürstin und ihr zur Rechten der dicke, geschmeidige Dorfgeistliche, der sogenannte Probst, dessen gerötetes, rundes Gesicht stets wie im Fette glänzte und von einem Lächeln verklärt schien. Samuel hatte die Fürstin noch nie gesehen. Aber er erkannte sofort die hagere schwarzgekleidete Gestalt. Gerade so lebte sie in seiner Vorstellung. ״Sie verzeihen gnädigst, wenn ich störe“, hub er etwas unsicher mit gebrochener Stimme an, nach einem kurzen linkischen Gruße. Die Fürstin sah ihn groß an. In׳ ihrer Stimme lag! Staunen und Unwille. , ״Sie wünschen, junger Mann?“ ״Die gnädige Fürstin zu sprechen!“ ״Da wollen. Sie sich gefälligst im Schlosse melden und nach ihr fragen“, sagte die Fürstin hochfahrend. Der Pfarrer lächelte, scheinbar sehr vergnügt, ob dieser Abfertigung. ״Das habe ich! oft versucht“, begann Samuel, Seine Stimme wurde fester, seine polnische Aussprache sicherer. ״Aber leider vergebens. So mußte ich-—“ ״So sind Sie also gewaltsam eingedrungen“, unterbrach ihn die Fürstin und sah ihn scharf an. ״Gewaltsam, gnädige Frau! Die Gewalt muß da eintreten, wo das Recht aufhört. Man dringt auch heute gewaltsam und nächtlicherweise in fremde Schlafzimmer ein, um dort Opfer für die Kirche zu holen,“ — י— Samuel hielt inne. Er erschrak über sich selbst; es war nicht seine Absicht, die Unterredung von vorn׳־ herein auf diesen Ton zu stimmen. Es war ihm so dem Munde entfahren. Der Pfarrer biß sich verlegen in die Lippen, wodurch das unvermeidliche Lächeln etwas Wehleidiges erhielt,; Die Fürstin wechselte die Farbe und ergriff mit bebender Hand die Tiscbglocke, Dann schien sie sich zu beherrschen und fragte etwas ruhiger, ohne auf den Knopf zu drücken: ,״Sie reden wirr oder imerhört frech. Doch, wer sind Sie? Was wollen Sie?“ ״Ein Bruder des neuesten Opfers, welches die gnädige Fürstin der Kirche zuzuführen beliebt hat.“ Ein fragender Blick der Fürstin streifte den Pfarrer. Dieser schien in der heiklen Situation froh über die Gelegenheit, etwas reden zu dürfen. ״Ich kenne ihn“, sägte er halblaut zu der Fürstin gewendet, ״es ist ein Sohn des Sander aus der Ochsen- Wirtschaft, sonst ein ordentlicher, bescheidener junger Mann.“ ״So—o—o!“ — Die Fürstin setzte ihre Hornbrille zurecht,־ um sich den jungen Mann genau zu betrachten. Und in ihrem langgedehnten ״o“ schien sich all ihr Aerger ob des sonderbaren Benehmens des Jünglings aufzulösen. ״So so“, wiederholte die Fürstin, scheinbar ganz umgestimmt, ״ein Bruder Marjankas. Nun, ihre Schwester hat mehr Lebensart und weiß sich besser in Schloßkreisen einzuführen. Ist aber Nebensache“, fügte sie mit einer Miene des großen Verzeihens hinzu — ״Sie wollen sich wohl nach dem Wohlbefinden Ihrer Schwester erkundigen?“ ״Nein, ich komme nicht deswegen!“ sagte Samuel kalt und mit offener Feindseligkeit. Die freundliche Wendüng im Tone der Fürstin war ihm unerträglich. ״Also, weswegen kommen Sie denn?“ ״Ihnen von dem Befinden der Eltern zu erzählen, von dem Unheil, welches dieser vollführte Menschenraub . . .“ — der Pfarrer fuhr bei diesem Wort entsetzt auf, doch die Fürstin wies ihn mit erhabener Duldermiene zurecht. ״Vom Unheil“, setzte Samuel unerschrocken fort, ״welches dieser unerhörte Menschenraub im Hause angerichtet, von der Mutter, die körperlich und geistig gebrochen am Fenster sitzt und wartet . . . vom Vater, der seinen Beruf im Stiche läßt und sein Kind beweint . . , vom Bräutigam, der einen Tag vor der Verlobung um sein Glück, um seine Hoffnung betrogen wird — durch die Kirche . . . durch Männer und Frauen, die angeben, im Dienste der Liebe zu handeln . . .״ ״Hören Sie mal, junger Mann“, sagte die ,Fürstin im Tone der gekränkten Unschuld, aber sehr milde und versöhnlich, ״setzen Sie sich hierher zu uns und wir wollen ruhig und vernünftig miteinander sprechen. Ich sehe, Sie sind ein verständiger Mensch, und es bedarf vielleicht nur einiger Worte der Aufklärung, um Sie auf den richtigen Weg zu führen.“ (Fortsetzung folgt)