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Jüdische Presse · 1934-01-26 · 4 (26.1.1934) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
20 (1934)
Issue
4 (26.1.1934)
Date
1934-01-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
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Sntflüfl ttfplatnä psfUtei riadlt f Bfftti*lavs m 416tMfl-*0. Joüraai0*p£dl6 p&r P&flfettft iism r? TuT! ORGAN FÜR Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasse 12a, Telephon A-46-0-15, Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 881. Jugoslawien: Sübotica, Zrinjski trg 31.!Erscheint jeden Freitag. Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag. INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. ä, V. f:. Abonnement preise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16» Tschechoslowakei Kc 80, Jugoslawien Dinar 150» das übrige Ausland Schw. Fr. 14f Einzelnummer Öst. Gr. 40. Zahlungen für ״Jüdische Presse“, Wien* auf folgettde PostsparkäSSenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Berlin Nr. 122.619, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIII, 4117. Nr. 4 Wien-Bratislava, 26. Jänner 1934 .ב״ה ווינא־פרעסבורג י׳ שבט תחרד 20. Jahrs• R u וו d Es ist im allgemeinen unser Standpunkt nicht, den Kampf, zu dem wir immer bereit sind, um des Kampfes willen zu führen. Wir geben uns auch mit. dem billigeren und weniger posenhaften Sieg der Verständ i g u n g zufrieden. Es gereicht uns daher zur Genugtuung, daß unsere vonvöchägen Ausführungen, in denen wir bemüht waren, sachliche Kritik auf Basis der Budget- Ziffern der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien zu üben — wie wir uns vergewissern konnten —, in den ״maßgebenden Kreisen“ Eindruck machten. Wir wären froh, immer dort, wo wir sachlich sind — und wir sind es immer —, gehört zu werden. Wir werden aber notwendigenfalls unseren gerechten Kampf gegen die Kultusgemeinde weiterführen, auch wenn diese glaubt, durch Ausschaltung unseres Vertreters aus den öffentliehen Sitzungen uns mundtot machen zu können. Wir werden aber auch unentwegt unsere Bemühungen um die Schaffung einer selbständigen orthodoxen Gemeinde mit doppelter Energie fortsetzen. Wir wollen heute einen Rundblick durch die Geschehnisse der vergangenen Wochen versuchen, ohne Leidenschaftlichkeit, um zu sehen und zu hören, ob es noch eine jüdische Oeffentlichkeit gibt, die imstande ist, zu erröten ob mancher Dinge. Wir sind zum Frieden bereit, aber auch zum Kampf gerüstet . . . ■'.״ *;־: . ..; ׳ ‘ ׳' ‘י Der FallShertok, Dr, Meyer Ebner und das Weltjudentum. v ,Die. Tatsache selbst, * daß ein Führer des iieuzeitüchen^J^^tiirtsL.^Ei^^si^^das^ Judentum;! wnd ״die Thora durch die Ab 1 e h n u n g des : re ligiösen Eides beleidigen konnte, treibt das Blut einem jeden rechtdenkenden Menschen in den Kopf. Mosche S h e rtok ist Mitglied der zionistischen Weltexekutive in Jerusalem und sollte vor einem nichtjüdischen Gericht im Mordprozeß Arlosoroff auf die Bibel vereidigt werden. Dieser Mann lehnte den Ei 11 mit. dem Hinweis auf seine Weltanschauung ab, und erklärte, daß die Bekräftigung seiner Aussage durch Ehrenwort genügen muß. Shertok ist der Nachfolger von Arlosoroff, den die Kugel eines Mörders niederstreckte. Arlosoroff hat noch knapp vor seinem Tode die Not einiger hundert jüdischer Arbeiter, die er zu einem größeren Bau anstellte, mißbraucht und sich von ihnen bestätigen lassen, daß sie am 'Schabbos arbeiten werden. Bei Shertok liegt die Sache so, daß man hoffen durfte, es werde ihn der Sturm der Entrüstung aus den Reihen seiner eigenen Anhänger wegfegen. Aber weit gefehlt: Kaum daß über den Fall eingehend in der zionistischen Presse gesprochen wurde. Dr. Meyer Ebner, der vom rumänischen Judentum schmählich davongejagte Durchfallkandidat der letzten Reichstagswahlen, versucht nun eine ״tiefschürfende“ Auseinandersetzung mit dem Fall Shertok, und kommt nach langen und breiten Abhandlungen zu der abgetakelten zionistischen Weisheit, daß im Golus wohl Judentum und Religion zumindest unlösbare, wenn schon nicht identische Begriffe sind, in Erez Jisroel sei es aber absolut möglich, daß jemand Jude sei, ohne sich zur jüdischen Ko nf ess i on zu bekennen. Hoffentlich läßt die mandatfreie Zeit Herrn Dr. Meyer Ebner Muße genug, sich eingehend über die Dinge den Kopf zu zerbrechen. Wir versichern ihm jedenfalls schon heute, daß Herr Dr. Meyer Ebner ein alter — Nationaljude werden wird, bevor seine ״Theorie“ verwirklicht sein wird. * Feine Dame nmo den F. Borenstein, Wien II HollandstraBe 1 Fernruf: A-45-6• 49 Stets neueste Modelle in Kleidern, Mänteln u. Kostümen, Blusen, Schoßen, Schlafröcken, Pyjamas etc. aus eigenen Werkstätten. Separate Maßabteilung. (Kostüme und Mäntel werden ausschließlich nur von Herrenschneidern unter meiner persönlichen Leitung gearbeitet.) Schaatnes-frei. Samstag geschlossen! schau. Die Tragödie des Misrachi, Nur mit dem VerantwörtUchkeitsgeftihl des religiösen Menschen, der sich bewußt ist, Amtspflichten zu haben, sei erklärt, daß wir Uns diesmal wieder und im Zusammenhang mit dem Obgesagten neuerdings mit dem Misrachi befassen. Abgesehen davon, daß ein Fall wie der Fall Shertok Bände über die Möglichkeit einer Koalition mit Zionisten spricht, bringt jede Post Nachrichten, die es rätselhaft erscheinen lassen, wieso noch ein ehrlicher Misrachist — und wir sind gezwungen, anzunehmen, daß es noch immer^olche gibt —י י« der Zionistischen Organisation verbleiben kann. Wir wissen, daß Meier Berlin und Genossen wahrscheinlich schon ״Gemoro-Zitate“ vorbereitet haben, die deutlich ein Bündnis mit Orthodoxen verbieten und nur ein solches mit Shertok und Genossen offenlassen. Aber: daß der Misrachi sich einen solchen Peitschenhieb übers Gesicht, wie es sein Briefwechsel mit der Exekutive der Jewish Agency ist, wortlos gefallen lassen wird, darauf war man allerdings nicht gefaßt. Für so dickhäutig hätte man nicht einmal diese Partei gehalten. Wird da auf eine Eingabe des Misrachi, die in weinerlichem Tone bittet, doch ihre vor dem Kongreß abgelehnten Forderungen durch: die Jewish Agency zu verwirklichen, in fünf prägnanten Punkten von der Exekutive schriftlich, offiziell und öffentlich festgestellt: a) Daßx die Forderungen gar nicht abgelehnt wurden, sondern v gar nicht geschäftsordnungsgemäß eingebracht waren, daher nicht abgestimmt werden konnten;. .״•״b) daß ׳die' D i f.f e-js-an.z an. zwischen ״Misrachi und Zionistischer Organisation gar nicht religiöser Natur seien, sondern einfach nur darauf zurückzuführen sind, daß die Exekutive nach dem diesmaligen Kongreß sich ohne Misrachi konstituierte; c) daß in religiöser Beziehung alles in ״schönster Ordnung" sei; d) daß die zionistischen Fonds und die Zionistisehe Exekutive nicht in der Lage seien, ״sich in Fragen der Religionsübung einzumengen"; e) stehe die Exekutive auf dem Standpunkt, daß sich keine Partei in die ״Herzensangelegenheiten“ der anderen einmengen möge und den anderen Duldung entgegenzubringen habe. So gegeben am 8. Jänner 1934, von der Jewish Agency, gefertigt vom stellvertretenden Generalsekretär S. Eisenberg und veröffentlicht durch die J. T. A. in Prag Nr. 17 am 20. d. M. Jetzt wartet die Welt gespannt, wie die . Misrachi-Rabbonim ihre Stellung zu diesen Fragen präzisieren werden. Und wir fragen: ad mossai . . . * Die Wiener Kultusgemeinde und der Schabbos- G’ttesdienst, Inzwischen versorgt die zionistische Leitung der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde mit ihrem misrachistischen Heclischer das leibliche und geistige Wohl der Wiener Juden. Daß die Massen der jüdischen Hörer in Wien den eigenen Lobhymnen der zionistischen Sach- Walter , gegenüber etwas verstockt geworden sind, ist begreif lieh. Aber was kann Herr O berrabbiner Doktor Taglicht dafür und wieso kommt gerade er zum Handkuß? Jedenfalls werden seine Predig t e n seit einigen Wochen im Tempel der Israelitischen Kultusgemeinde natürlich auch am Schabbos durch Laut- Sprecher übertragen. Ob Ohillul Schabbos durch Orgel oder Lautsprecher geschieht, ist schließlich egal. Aber daß die Herren so verstockt sind, die Zeichen der Zeit noch immer nicht zu verstehen, und nicht begreifen, daß man durch Lautsprecher mehr Schall, aber nicht mehr W i r k u n g erzielen kann, das finden wir unbegreiflich. Daß diesen Herren ein Chillul-Schabbos nicht unsympathisch genug sein kann — Leute, die dabei waren, erzählen, daß es furchtbar unsympathisch ist, Moral durch Lautsprecher zu hören —, um von ihnen aufgegriffen zu werden, läßt es auch uns fast lächerlich erscheinen, uns mit diesen Dingen auch nur polemisch zu befassen. Leistungsfähigstes Möbelhaus; * M♦ Redler/ Wien i, Sdtottenrlng 35 Telephon A-12-9-78. Gesamtausstattungen von der billigsten bis zur feinsten Ausführung. Uebernahme sämtlicher Adaptierungen. Eigenes Zahlungssystem. Samstag geschlossen. . ״Schomra"-Mitglied. Die tschechoslowakische Jüdische Partei und ihr Programm. Der einzige Bluff, auf den die Juden der Slowakei seinerzeit der ״Jüdischen Partei“ hätten auf sitzen können, war der, daß die Partei des langen und breiten auseinandersetzte, daß es doch nicht angängig sei, 1918 u ng arischer Patriot gewesen zu sein und 1919 für slow akische Kultur zu schwärmen. Die orthodoxen Führer von damals haben rechtzeitig darauf hingewiesen, daß die Orthodoxie auf diese Falle nicht eingeht. Das religiöse Judentum hat seine eigene Thorakultur, der es in Ungarn genau so wie in der Tschechoslowakei treu ist. Im Sinne dieser religiösen Kultur aber, fördere es das Wohl eines jeden Staates, in dem es lebt. Das ist ein Standpunkt, der wohl korrekt, aber jüdischnationalen politischen Aspirationen entgegengesetzt ist. Aber die Herren sind wandelbar und siehe da, die Delegierten der Jüdischen Partei in Z il i n a stimmten Herrn Dr. Reiß begeistert zu, als er empfahl, die slowakische Sprache, die slowakische Ku 1t u r und insbesondere die M ä t i c e S1 o v e n sk a noch mehr zu unterstützen. Von der j üdischen Kultur steht im Bericht der J..T. A. wirklich kein Sterbenswort. AJso Hand aufs';Herz, uns ist^ es fast lieber,, die ,Herren, v befassen sich mit slowakischer als mit jüdischer Kultur.' Oherräbbiner Dr. Josef Carlebach, Altona, über die Lage der Juden in Deutschland Das ״Israelitische Familienblatt“ in Hamburg veranstaltete eine Umfrage bei den Führern aller jüdischen Parteien und Richtungen in Deutschland über die gegenwärtige jüdische Situation im Reich, vom Gesichtspunkt der betreffenden Gruppe betrachtet. Als Vertreter der Orthodoxie kam Oberrabb. Dr. Josef C a r l e b a c h, Altona, zu Wort, der folgendes ausführte: Um über die Entwicklung der deutschen Judenheit in den kommenden Monaten Schlüssiges auszusagen, 'bedarf es — da viele allgemeinpolitische Faktoren berücksichtigt werden müssen — eines ungewöhnlichen Maßes politischer Weitsicht. Gerade eine so stärke, innerlich so gefestigte Regierung wie die jetzige wird nach meiner festen Ueberzeugung keiner Gruppe der deutschen Bevölkerung ihre Fürsorge versagen. Je stärker die Macht ist, je größer ist die sittliche Verpflichtung zu dieser .Fürsorge. Die innere Logik macht es unmöglich, die deutschen Juden auf die Dauer von organischer Eingliederung in das Staatsganze auszuschließen. Dabei lege ich besonderes Gewicht auf die Sicherung und.den Weiterbau der jüdischkulturellen Institutionen und Interessen. Das Wirtschaftliche setzt sich schließlich von selbst durch; dem Idealen aber muß, da es sich nicht von allein trägt, der Boden durch eine sorgsam durchdachte, in den Rahmen der gesamten deutschen Kultur- Politik einfügbare Legislatur gegeben werden. Daß dies geschehen wird, hoffe ich um so zuversichtlicher, als auch der Regierung nichts daran liegen kann, ״schlechte Juden“ zu haben: Menschen, die, abgeschnitten von den Wurzeln ihrer eigenen Kraft, haltlos werden müssen. Alles spricht dafür, daß gerade der Nationalsozialismus, der auf die ewigen Grundlagen des deutschen Volkstums SESSEL/ Tische, Lotiefbetten Spezialwerkstätte, Adler VH., 'Apollogasse 18, Tel. B-38-7-82. . Billigste Preise, Zahlungserleichterungen. m 016 reisende Deine erhält bei mir schon Innerhalb 3 Stunden eine individuell ihrem Gesichte entsprechend modellierte Besitze! der weitbeKannten Perücken-Kumtwerkftätte Wien I, Kärntnerring 6 illlTfllepöoii Nr. 016י־1יי47״

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