Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 20 (1934)
- Issue
- 3 (19.1.1934)
- Date
- 1934-01-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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3 Irl später Nachtstunde des Dienstag, 9. Jänner, fand die 4 . Lättdeälfö^ in Dolen ihren feierlichen Abschluß. DieKöüfefeöä» die einen ütt* beschreiblich tiefen Eindruck auf die gesamte polnische Judenheit machte» begann und endete mit meisterhaften Reden des Sejittdcputierten Öberrabbiner Le win ans Rzeszow, endete— besser1 gesagt — mit einem feurigen Tan2, an dem sich jung und alt» mehr als tausend Dersonen,!beteiligtem Auf der Konferenz wurde eine große Reihe Von aufschlußreichen Reden gehalten, an die sich die Öenefaldebätte anschloß. 2eirim und P'o* aiim brächten ihre Wünsche» aber auch ihre Beschwerden vor und gerade die offene Kritik, die zum feil geübt wurde, brachte das glänzende Resultat der Konferenz zu* Stande und ließ Agudas Jisroel gestärkt und gefestigt aus ihr hervOrgehen. vRaw Lewin, Rzeszow, hielt ,einen erschütternden Nachruf den in letzter Zeit heimgegangenen Gedolim s. Z. 1., Rabbi J. Id, De win erstattete den Tätigkeitsbericht, Sejmdeputierter Präsident der, Lodzer Kultusgemeinde L, Minzberg>referierte Über die politische Lage. Weitere Referate hielten Rabb. Tobias Horowitz, Präsident Elias Mazur über die Jeschiwas-Chachme-Lublin, A. G. Frie!densohn über Mädchenerziehung, Direktor I. L. O r 1 e a n über Beth-Jakob-Schulwerk, A. B. Eckermann über sozial Ökonomische Fragen, Raw Mischkowski über Chisuk-Hadas U. v. a. Benjamin Münz, der Leiter des agudistischen Informationsbüros in Tel- Awiw, überbrachte persönliche Grüße aUs Erez Jisroel, die Glückwünsche der österreichischen Aguda verdolmetschte Oberrabbiner Dr, H, Carlebach, Baden. ,Sejmdepütierter D u b i n aus Riga, der Vertreter der lettländischen Aguda, Sprach sich sehr entschieden gegen ein Zusam mengehen mit dem Misrachi aus. Während der Konferenz fand auch eine Tagung des Rabbinischen Rates in Polen statt, der u. a. einstimmig den Beschluß faßte, Agudas Jisroel habe jede Zusammenarbeit mit dem Misraclii abzulehnen, solange dieser einen Teil der Zionistischen Organisation bildet. Zum Schluß wurde eine Reihe von R e s o 1 ut i o n e n angenommen, die sich mit der Not der Juden in Ru ßland und in Deutschland beschäftigen, denen auf jede Weise zu helfen jeder Agudist verpflichtet wird. In einer politischen Res o 1 u t i o n wird der polnischen Regierung der Dank der Agudas Jisroel ausgesprochen und sie wird gleichzeitig auf gefordert, den vielen Wünschen der religiösen Juden (sie sind in der Resolution konkret angeführt, wir erwähnen!bloß die Z wangssonntagsruhe! Red.) Rechnung zu tragen. Gleichzeitig wird der Genugtuung darüber Ausdruck ge-!geben» daß auch die anderen jüdischen Harteien zu def Einsicht gelangt siüdydaß die politische Dime der Agudas Jisroel der Anlehnung an däö PilSUdski-Regime die einZig rtehtige» für Staat und Judenheit nutzbringende war und ist. 11 weiteren Resolutionen wird die Schaffung eines Fonds von einet Million Zloty für den Keren* H a j i a eh u w, den Ausbau der orthodoxen Ar b ei t er- Organisation und die Herausgabe einer hebräi* sehen Tageszeitung in E resr Jisroel beschlossen. An die englische Regierung wird appelliert, Juden die freie Einwanderung nach Erez Jisroel zu gestatten. Heber die Verfolgung von Pa 1 ä s t i na *Touristen wird die Empörung zum Ausdruck gebracht. Die Leitung der Aguda±Zenträie Wird aufgefördert, Wege zur Verständigung mit den Arabern zu suchen. Schließlich wird noch die Anteil* nähme an dem ״Jüdischen Weltkongreß" ab* gelehnt Und das Vereinigte jüdische Hilfskomitee in London aufgefordert, den Vertretern der Agudas Jisroel Mitarbeit und Einflußnahme zu ermöglichen und in seiner Hilfsarbeit in Erez Jisroel Chillul-Hadas nicht zu dulden. Zum Präsidenten der polnischen Landesorga־ nisationen wurde Rabbi J. M. Lewin, der Schwiegersohn des Gerer Rebben, unter begeisterten Ovationen aller Delegierten wiedergewählt. ׳ י * ' Der Gerer Rebbe, Sejmdeputierter Rabbi Lewin, Senator Oscher Mendelsohn, Sejmdeputierter Minzberg, Rabbi Elchonon Wassermann, Rabbi Sorozkin und Rabbi Menachem Zemiba sprachen namens der Agudas Jisroel beim Ministerpräsidenten Jendrzejewicz vor und ersuchten ihn, das neue Schulgesetz, das die Existenz der Chadorim und der Beth-Jakob-<Schulen bedroht, entsprechend abzuänderri. Hernach besuchte die Abordnung den Unterrichtsminister und übergab ihm ein Memorandum, in dem die Forderungen der Agudah zum Schul* gesetz fixiert sind. Rabbi Lewin und Minzberg besuchten auch den Innenministe r Pieracki und informierten auch ihn über die Schulforderungen der Agudah. '/■׳,: ' י; ׳ * Vor dem Eingang zum Kaminsky-Theater, wo die Konferenz der polnischen Agudah tagte, versammelten sich nationaldemokratische Hochschüler und Mitglieder der nationalsozialistischen Partei Polens in größeren Massen , und versuchten, in den Konferenzsaal einzudringen. Junge Agüdisten stellten sich ihnen entgegen und es kam mehrfach zu!Schlägereieen. Die Polizei schritt ein, zerstreute die Menge und verhaftete zahlreiche Nationaldemokraten und Nationalsozialisten. Die Vorfälle haben in Warschau sehr starkes Aufsehen erregt. Die, Wahl des Gemeindepräses in Sopron. Aus Sopron (Oedenburg) wird uns geschrieben: , Nachdem der langjährige verdienstvolle Präses Dr. Weiler aus Gesundheitsrücksichten eine Wiederwahl ablehnte, wurde unter überaus großer Beteiligung die Wahl des Gemeindepräses abgehalten. Zum Gemeinde- Präses wurde Herr Siegfried Gold Schmidt ,gewählt, ein Mann, der nicht nur durch die Errichtung der so schönen Talmud-Thora-Räumlichkeiten aus eigenen Mitteln Zeugnis für sein Verständnis für Limud-Hathpra und orthodoxen׳ Geist ablegte, sondern auch ein Mann von großem Konzept ist, dessen orthodoxe Gesinnung dank seiner Ueberzeugung und Familieritradition rühmlichst bekannt ist. Er gehört zur altbewährten Garde feuriger Kämpfer für das orthodoxe Prinzip. Die Gemeinde Sopron hat in ihm jenen Kämpfergeist gefunden, dem es mit der Hilfe G־ttes gelingen wird, durch die friedlichen Waffen des Geistes, wie Thora und Klugheit, zur Befriedigung aller Kreise und zur Ehre der Gemeinde und des Klall zu wirken. M. Sp. Die Generalversammlung des Wiener Talmud-Thora-Schulvereines. Sonntag, den 7. Jänner, fand die Generalver- Sammlung des Wiener Talmud-Thora-Schulvereines statt. Nach der Eröffnungsansprache des Obmannes Komm.-Rat Siegmund B o n d i erstattete Rabbiner Dr. P o 11 a k den Geschäfts- und Finanzbericht. Der Referent hob die erfreuliche Tatsache, daß es trotz der furchtbaren Wirtschaftsnot gelungen ist, das Schulwerk auszubauen, besonders hervor. Sowohl die Knabenwie die Mädchenschule besteht jetzt aus einer achtklassigen Volks- und Hauptschule: Auch die Schülerzahl״ ist erfreulicherweise gestiegen, so daß zurzeit etwa 450 Kinder die Schule be- Suchern Aus dem Finanzbericht ist zu entnehmen, daß zu der Erhaltung der Schule rund S 100.000 nötig sind und daß das Defizit im verflossenen Kalenderjahr S 12.000 betrug. Der neugewählte Vorstand muß als dringendste Aufgabe die Abtragung dieses Defizits betrachten. Nach dem Referat erfolgte eine Aussprache, an der sich Komm.- Rat B. Buchwald und Kultusvorsteher Mendel Singer beteiligten. In seinem Schlüßwort replizierte Komm.-Rat Bondi auf die Ausführungen der Redner, insbesondere auf die des poalezionistischen Kultusvorstehers Singer, der dem Vorstand Belehrungen -erteilen zu müssen glaubte. Hierauf folgte die Konstituierung des V e r eines e h ein a 1 i g e r S c hü 1 er der Wien er T al m u d-T ho r a- S c hu 1 e. Das einleitende Referat ■hielt Hof rat Dr. S. Frankf urter, Direktor der Universitätsbibliothek i. R. Mit gespannter Aufmerksamkeit lauschten die Zuhörer, unter denen zahlreiche ehemalige Schüler und ' sogar; einige Klassengenossen des Referenten waren, wie die Talmud-Thora-Schule vor 70 Jahren bei seinem Eintritt in die Schule beschaffen war. In anschaulicher Weise schilderte der gelehrte 'Redner die Unterrichts weise der. damaligen Schule, die man heute wohl für veraltet hält, aber doch den Zöglingen ein sehr gediegenes Wissen vermittelte. Das ״Staberl" war damals noch ein beliebter Erziehungsbehelf und trug das S einige bei, um tüchtige Menschen heranzubilden. Hofrat Frankfurter schloß seine Rede mit einem warmen Appell an die Zuhörerschaft, die Talmud-Thora-Schule zu erhalten und zu unterstützen. Mögen sich die Zeiten ändern, Talmud-Thora bleibt für immer die höchste. jüdische Pflicht. •— An das Referat schloß -sich die Konstituierung des Vereines, zu dessen Ehrenmitgliedern Hofrat Dr. S. Fr an kf urter und Bernhard Altmann gewählt wurden. Zum Obmann des Vereines wurde, Amtsleiter Wilhelm Fr e i s t a d t bestellt. [ FEUILLETON Die Mitternachtkammer des Chofez Chajim זצ״ל. In Radin zeigte man uns im kleinen, primitiven Häuschen des Chofez Chajim ein kleines verschlossenes Gemach, zu dem eine schmale, halsbrecherische Stiege von außen hinaufführte. Man sagte uns, zu diesem Zimmer habe kein Mensch Zutritt, es sei die Chazös-Kammer des Rabbi, in der er sich nach Mitternacht mit G’tt, dem Herrn der Welt, aussprach, ״auseinandersetzte". Ein Warschauer Berichterstatter schlich sich einmal hinauf, um den nächtlichen Vorgang im geheimnisvollen Zimmer zu belauschen. Seine Schilderung wirkt geradezu ergreifend. Nach den vorgeschriebenen Chajos-Gebeten fing der Rabbi eine regelrechte ״Aussprache“ mit seinem G'tt an. Zunächst ein L o b- und Dan kl ied nach ‘Inhalt und Sprache. Er zählte alle Gnaden und alle Wohltaten auf, die ihm G’tt in seinem langen. Leben erwiesen hatte, dankte upd dankte. Führte auch die schlimmen Schickungen an, die sicht zum Gute» wandelten oder bessernd auf ihn wirkten, uuü er dankte wiederum. War er so fertig mit seiner eigenen Person, fing er an, von Kl a l l J i s r 0 e l zu rede», Und plötzlich ä n d e r t e sich der Ton, die Melodie ging vom Jubel in Kiago;über und bald verwandelte sich der Bittende in einen Fordern* den. Er hielt ״Ahrechnung'V Schuld und Guthaben, Rechnung gegen Rechnung, es mußte Klarheit geschaffen werden. .'<■.־׳ ״ ,Was hast du uns, Herr den Weit, gegeben und was w i r d i r? Du gabst uns eine Thora, eine ver» 7<w Wlw«r SiQilUchnlrut.kQtmtsjQnitvte \ JÜDISCHE KOCHSCHULE Streng Hotelier Leitung: 0%Schu!at9 . . Piätkurse, einfache bis felnüe Köche, Rohkost, NaUonolipelsen Anmeldungen, Auskünfte; Wien IJ, Hollmdßtrasee Kr, 8, III, Stiege Ißt schlossene Thora. Wir mußten sie erst öffnen und uns die dreizehn Schlüssel anfertigen, um sie uns zu erschließen. Ein Chumisch mit sieben Siegeln; wir mußten die Siegel erst brechen. Fünf kleine Bücher hast du uns gegeben, wir gaben dir dafür ganze sechs Ordnungen von Mischnah und Gemoroh, Riesenbände und ein Schrifttum ohnegleichen. Und was war unser Lohn? Qual, Drangsal, Peinigung, Verfolgung, Martyrium und Austreibung. Und was taten wir? Ueberall, wohin wir gingen, nahmen wir deine und unsere Thora mit, Unser Lehen, unser Glück, unsere Ehre gaben wir preis, deine Thora retteten wir hinüber — — —״ Und , nun die Forderung: ״Wie lange »och, o Herr der Welt? Soll es erst so weit kommen, daß alle jüdischen Herzen brechen, soll Israel so geschwächt werden, daß es die heilige Thora‘ aus der Hand fallen läßt? Das wäre doch Weltuntergang!. . ." Und nun entringt sich ein H i 1 f e r u f aus der alten Brust und trägt sich in die schwarze Nacht durch die weiten litauischen Felder, wie der Ruf aus einem sinkenden Schiffe: ״Wo seid ihr, ihr Großen, Gerechten und Heiligen? Warum eilt ihr nicht herbei, eure Kinder zu retten? Wo bleibt, ihr? A b r a h a m,׳ deine Liehe üben wir doch; Mosche, deine Thora halten wir doch; David, deine Lieder singen wir doch; H Hel und S c h a ramai, Rowo und Aha je» eure Lehren lernen! wir doch; Rabbi Jossef Caroüuv Rabbi Mosche isseries, euer Schulchan Aruch ist doch noch der Weg unseresLebens, warum schweigt׳ ihr, warum kommt ihr nicht uns zur Hilfe? ,,-;'■y. s So waren die Nächte des 0h0 ,fe55 Qhajim. Und ׳wenn der Tag ham, dätm war er so sicher und felsen* feet dgvoh überzeugt, daß die Schuld gegen Jisraei eingelöst wird, daß seihe Seele kaum Raum für einen anderen Gedanken und eine andere Empfindung hatte. Man sah den Neunzigjährigen eilig und hebende wie einen JUngling über dio schmale Stiege auf und ab laufen״ ״Man muß sich üben“, sagte er. ״Ich bin Koben und werde vielleicht bald, vielleicht morgen schon, über die Rampe des Altares zu laufen haben. " VerelnsnachrKlifan. ' Agüdas*Jt8roel*MädchengM!ppo, Wie«. Parsehäs Hoj spricht Herr Dr. Bogner Über ״Die jüdisehe Menschheitsidoe** im Lokale der ״W! e n e a", H., Obere Donaustraße 91, um halb 11 Uhr vormittags. Zanger Klaus» il, Floßgasse 9. Jeden Freitag Uth 5 Hbf früh wird T*htilim gesagt. Jeden ächabboS Nach* inittag; nach 2 Uhr wird im Sethaus ״Mmes w’S chol au «i‘V II.» Große schiffgasse 24» T’hillim ■ gesägt*;׳־■■■׳' * Der Vorstand der •Vereinigung ״Familienschutz" spricht dem Mitglied seines Vorstandes, Herrn Direktor Friedrich GrÜbei, anläßlich des Ablebens seines ßrü* *ders, Herrn Dr. Joachim Josef GrÜbel, tiefstes Beileid aus. Für den ״Familienschutz״: Dr. Leo Landau, Dr, Paul Raumann■, Direktor Gereon Wittlitt. ־ Personalnachrichten. Geburten. Eine To c h t e>r : Herrn Moritz P a p p e n* heim und Frau Margit, geb. Emst, —* Herrn Hirsch Lipschütz und Frau, geb, Feuer. Bar-Mizwoh. Am vergangenen Schabbos fand die Barmizwohfeier des Sohnes Wilhelm des Herrn Ing. Ludwig Kritzler und seiner Frau Lola, geb. Hofbauer, in den Räumen des Restaurants ״Wienea“ statt.' Ein zahlreiches Publikum versammelte sich, um dem gelungenen Charifus-Vortrag des Bar-Mizwah zu lauschen. In der Anspräche wies der Junge auf die Familien Hofbauer und Kritzler, diese tragenden Säulen der alten Wiener Orthodoxie, mit Stolz hin und versprach, dank der Erziehung seiner Eltern, in demselben Geiste leben und streben zu wollen. Das elektrische Xehrchassis. Unseren Lesern empfehlen wir die kostenlose Besichtigung eines einzigartigen neuen Lehrbehelfes — des elektrischen LeHrchassis — in den renommierten Neudegger Pa hrschulen, Wien, VIII., Neudeggergasse 18, Tel. B-46-5-72} und Inzersdorf (N.-Oe.). Diese Schulen empfehlen ־wir als solide, ohne Lockpreise arbeitende Institute. Referenzen in der Redaktion dieses Blattes (Tel. A-46-0-15). E ZUM WOCHENABSCHNITZ << / v Und der Aufenthalt der Kinder Israels, wo sie in Aegypteil;wohnten, war vierhundert und dreißig Jahre. Bekanntlich dauerte die ägyptische Gefangenschaft bloß 210 Jahre. Die beim ״Bund zwischen den Fleischstücken" vorausgesagten vierhundert Jahre Aufenthalt in ״fremdem Lande“ müssen daher von der Geburt Isaks gerechnet werden. Dies steht mit dem tatsächlich viel kürzeren ägyptischen Exil nicht in Widerspruch, denn das südliche Palästina (Kanaan und Pelischtim), wo sich die Väter vorher aufhielten, war für sie wirklich ״fremdes Land". y Bei den oben angeführten 430 Jahren jedoch, welche von dem Tage der Verheißung datieren, ist die Lösung schon viel schwieriger; denn nach dem Wortlaut hätte Israel die ganzen 430 Jahre im ägyptischen Hoheitsgebiet verbracht! Es hat; den Anschein, als ob die Thora das südliche Palästina, in der Zeit vor dem Auszuge als eine zu Aegypten gehörige Provinz betrachten würde! Die Abweichung vom Text, welche die 70 Uebersetzer des Ptolemäus, laut dem Talmud, vorgenommen hatten, indem sie hier statt'in ״Aegypten“.״in Aegypten und andere Länder" schrieben, hätte , dann ihre volle Berechtigung. ־ Zu dieser Annahme ist man jedoch nur dann berechtigt, wenn der Nachweis erbracht wird, daß dieses Gebiet tatsächlich vor dem Auszug längere Z e i t. h in d u r c h unter ägyptischer Oberherrschaft stand.; .י־/־■ Merkwürdigerweise wird unsere Annahme sowohl* durch die moderne Geschichtsforschung, wie auch durch die talmudische. Ueberlieferung bezeugt. . Die ägyptischen Gräberfunde, welche durch die Auffindung des Archivs von ,Tel-el-Amarna eine wertvolle Ergänzung fanden, geben uns folgendes Bild: Vom 16. bis zum 14. Jahrhundert vor der üblichen Zeitrechnung war nicht nur Palästina, sondern auch Syrien, Aram- Naharaim und ein Großteil Mesopotamiens ägyptischer Besitz. Die kananäischen Köpige waren die Vasallen Pharaos, sie spielten bloß die: Rolle von Statthaltern und mußten Aegypten regelmäßig Tribut und ,Sklaven ahliefern. Das war so in der Zeit des Hyksos-Vertreibers ׳ Amosis bis Ramses II. Im 17. Jahrhundert v. d. ü. Z., der Hyksos-Zeit, dürfte bloß das angrenzende südliche Palästina unter ägyptischer Hoheit gestanden haben. Der Auszug Israels aus Aegypten aber vollzog sich nach unserer Ueberlieferung im Jahre 2446 der Welt- Schöpfung,י d. i. 1314 y. d. ü. Z, Er fällt also genau mit dem Ende der Vormachtstellung Aegyptens zusammen, welches demnach etwa vier Jahrhunderte hindurch zumindest das südliche Palästina beherrschte. Von den zahlreichen Belegstellen aus Talmud und Midrasch wollen wir bloß folgende anführen: Zu der Bibelstelle (Schemos 14, 5), ״. . . da wendete sich ab das Herz Pharaos und seiner Diener vom Volke und sie sagten: was haben wir getan, daß wir Israel entließen von unserem Frondienst!“ bemerkt Mechilta: ״Pharao befürchtete, daß sich seine Vasallen in Aram-Naharaim und Aram-Zowau sagen werden: wenn Pharao jenem Volke, welches im ägyptischen Mutterlande wohnte, nicht beikommen konnte, wie sollte er uns: in Zukunft dazu zwingen können, ihm noch weiterhin Tribut zu zahlen und Sklaven zu liefern?!" . . . Die Schrift will uns an dieser Stelle sagen, daß mit dem Auszuge Israels die Weltherr- Schaft Aegyptens aufhörte ... In dieser Ueberlieferung unserer Weisen erhalten wir dasselbe Bild wie aus den Briefen von Amarna. Wir wissen äber aüch aus dBm>Midraschr 4aß dlesU Weltherrschaft Aegyptens Jahrhunderte zurückreichte und schon 25ur Zeit Josefs längst bestanden hatte, so z. B.: ״Und Josef war der Herrscher im Lande . . (Ber. 42); da ״üoorez" auch übersetzt werden kann: ״auf Erden*‘ bemerkt der Sohar Mikez ״Komme und sehe, wenn G’tt einen Menschen lieht, macht er ihn zuweilen zürn Herrn der Welt Es stellt sich also heraus, daß gerade die scheinbar unklare Bibelstelle, welche von einem 430jährigen Aufent* halt ״in Aegypten" spricht, eine präzise Kenntnis der damaligen Machtverhältnisse voraussetzt. Sie bezeich* net das südliche Palästina an dieser Stelle als ägyptisch, zumal man bis dahin jahrhundertelang gewohnt war, es als solches anzusprechen. , Pavid Bondy (aus einem Vorträg). ״ f . V;' >£, {׳ ‘ fs